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Mo, 5. Dezember 2022
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WrKFan

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Über mich

Fan der Wiener Küche - koche auch selbst und wage es dabei ein wenig mitzureden, bin aber bereits mit "dürfen" zufrieden. 😊

Lieblingslokale

Zum Renner für Gasthäuser und Cafe Dommayer für Kaffeehäuser, das ist aber nicht in Stein gemeißelt.

Lieblingsspeisen

Wiener Küche allgemein, ansonsten alles was gut schmeckt. Es darf auch scharf sein.

Lieblingsdrinks

Wein, rot wie weiß, bevorzugt kräftige Sorten, aber auch ein simples Soda mit einem Hauch Zitrone

Liebstes Urlaubsziel

Österreichs Seen- und Bergwelt, Thermen

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SpeisenAmbienteService
Cafe Ritter in der Mariahilfer Straße Ein wahrliches Schmuckstück auch außerhalb der City direkt auf der nunmehr umgestalteten Mariahilfer Straße ist das Cafe Ritter. Von der Fußgängerzone trenn... MehrCafe Ritter in der Mariahilfer Straße

Ein wahrliches Schmuckstück auch außerhalb der City direkt auf der nunmehr umgestalteten Mariahilfer Straße ist das Cafe Ritter. Von der Fußgängerzone trennt es lediglich die Querung der Buslinien 13A und 14A. Unmittelbar daneben ist der Abgang zur U3 oder man flaniert entlang der Einkaufsmeile und landet auf Kaffee & Co im Ritter. Es gehört wegen der Bezirksgrenze noch zum 6. Hieb Mariahilf.

2009 stand es fast vor dem Aus, wurde aber dank der Rettungsaktion eines beherzten Gastronomen bewahrt, erfreut sich seit 2010 wieder allgemeiner Beliebtheit wie meiner speziellen. Seit damals steht es auch unter Denkmalschutz. Es erfolgten sanfte Renovierungsmaßnahmen, aber das ehrwürdige Flair wurde dabei tunlichst erhalten.

Ich habe mir erlaubt anstelle von Worten zwei, drei Bilder für das Ambiente sprechen zu lassen, Für mich absolut sehenswert und noch mehr einen Besuch. Meine bevorzugten Besuche erfolgen in der Winterzeit, wie nunmehr gerade in der vorweihnachtlichen Zeit, wo unsere ebenso sehenswerte „MaHü“ auch im Lichtermeer glänzt.



Kaffee Illy, der immer noch Gute

Der nunmehrige Besitzer Harry Holzer paktiert mit Illy, daher gehe ich davon aus, dass dieser im Ritter seine Anwendung findet. Das Sortiment dieser für Kaffee-Connaisseure nicht unbekannten Triester Rösterei ist ja recht variabel, von extrem hantig, wie ihn m.E. die Kette der Mann Filialen anbieten (vermutlich, weil das schlicht billiger ist) bis hin zu ausgewogen und aromatisch.

Die Speisekarte weist auf den Seiten der Kaffeevariationen das Fairtrade Symbol auf, was einen Hinweis darauf gibt, dass man diese Philosophie hier auch folgt. Wie ich schon in der Wertung über das Schwarzenberg geschrieben habe, gelingt das nicht jedem, aber Gott sei Dank sind da ja auch Profis am Werk, die den Arabica derart auch bekömmlich hinbekommen.

Der Arabica ist schwächer als sein Robusta-Konkurrent, also braucht man mehr der guten Bohnen und weniger des Wassers. In welchem Verhältnis man Arabica und Robusta mischt, kann ich nicht sagen, aber ich glaube heute keiner Rösterei mehr, dass sie nur mehr noch auf 100% Arabica setzt.

Kaffee ist wie alles sehr teuer geworden und deswegen steigen viele auf Mischungen um oder aber man kauft schlicht billigere Sorten ein. Nun ja, die Hure Geld schlägt da halt wieder zu.

Die einfachsten Kriterien für den Genießer sind am Ende immer Aroma und Stärke. Ist er von Haus aus ein Powerkaffee, hat er vermutlich kaum Anteil an Arabica-Bohnen. Der reine Arabica tangiert mancherorts wiederum zum sog. „G’schloder“, wenn ihn der Barista zu brustschwach zubereitet oder weil einfach die Vorgabe im Lokal ihn so anweist.

Man hat hier für meine Begriffe einen brauchbaren Mittelweg eingeschlagen. Die Fraktion der Ristretto-Trinker sage dazu einfach das Zauberwort „kurz“, dann kommt er zumeist auch wieder in betont männlicherer Stärke. Ich vergebe ihm hier die Note sehr gut und das schon über Jahre.

Das Ritter hat in letzter Zeit seine eigene Kaffee-Häferl Kultur entwickelt, d.h. es kommt auch nicht das schlichte Illy-Design zum Vorschein, sondern es gibt nunmehr mehrere bunte Tassen, welche ein Ritter zu Pferde mit Lanze ziert, das ist m.E. fürs Augerl ein durchaus gelungenes und ansprechendes Design.


Typische Kaffeehaus-Kulinarik

Die Frühstückskarte ist von der simplen Art. Großartige Variationen gibt es nicht und für meine Begriffe ist das Ensemble zu convenient, d.h. zu viele Packerl, was keine schöne Optik bildet, auch wenn man auf Produkte wie z.B. Darbo etc. zurückgreift.

Aus dem Grund greife ich hier mehr auf meine simple Snack-Frühstück Gewohnheit zurück, wie z.B. ein Butterbrot mit Schnittlauch. Das letzte war recht gut, wobei ich in Sachen Brot auch verwöhnt bin.

Tadellos sind die Gulasch-Kreationen, sei es als klassisches Rindsgulasch, Würstel mit Saft oder eine Gulaschsuppe. Solches haut generell hin und man schafft hier eine sog. Küchenkonstanz. Das ist für mich auch die wichtigste Kulinarik für ein Kaffeehaus, abgesehen von diversen Mehlspeisen.

In Sachen Mehlspeisen wirbt man für drei hausgemachte Produkte, z.B. einen Guglhupf, der auch marmoriert ist. Mit etwas Schlag als Ergänzung ein begehrter Leckerbissen, allerdings hatte ich ihn schon lange nicht mehr, aber auf den greife ich gerne wieder zurück.

Das zweite war ein Apfelstrudel, der ja eh ganz in Ordnung war, wie man als Wiener so schön sagt. Vom Hocker haut er mich nicht, aber es gibt deutlich schlechtere. In Punkto Qualität objektiv gesehen an sich jedoch tadellos. Der dritte im Bunde, Fraktion Topfinger wartet noch auf meine Gelegenheit. Kommt Zeit kommt Strudel.

Womit man mich hier nicht lockt wäre die Vanillesauce, denn es verrät schon das Bild auf der Speisekarte die dickcremige und für meine Begriffe nicht wirklich hausgemachte Machart.

Weiters machte ich mal wieder einen klassischen Ei’fohrer beim sog. Kaiserschmarren. Ich gebe zu söba schuld, denn es stand das „hausgemacht“ auch nur für die drei zuvor genannten Produkte, aber ich wollte es halt wissen und so war es halt ein Schmarren meiner Denklogik.

Er kam nach sage und schreibe schon unter drei Minuten zum Tisch und zeigte die typischen Packerl-Symptome. Ich war aber hungrig, na dann muss man halt da mal durch. Es fehlte ihm eine ordentliche Schicht Staubzucker, den ich urgierte, nur der kam nicht. Nach mehreren Versuchen ließ ich ihn einfach stehen.

An dem besagten Tag war Hochbetrieb und die Kellner waren sichtlich gefordert und hatten mich offensichtlich etwas weniger beachtet, denn ich war ja für ihre Begriffe mal versorgt. Meine Handzeichen interpretierten sie als Zahlungswunsch, also statt Staubzucker kam die Rechnung.

Nun denn, dann sollte es so sein, er hat, wie man so sagt eh nix g’hassen, also akzeptierte ich das und zog noch etwas hungrig von dannen um mich andersorts zu verköstigen.


Flair und Service

Aufgrund der doch beachtlichen Betriebsgröße wuseln zur kulinarischen Stoßzeit eine Menge Kellner emsig im Lokal umher, sind aber alle ein guter Mix aus aufmerksam, höflich und zuvorkommend. Der zuvor geschilderte Schnitzer war die schlechteste bislang erlebte Leistung, daher erachte ich sie nicht als repräsentativ.

Absolut positiv hervorzuheben ist das tadellos günstige Preisniveau. Obwohl man hier durchaus von einem Wiener Top-Standort sprechen muss, liegt es deutlich unter dem aller anderen Kaffeehäusern.

Ein paar Eckdaten: Großer Mocca 4,30€, Schnittlauchbrot 3,70€, Gulaschsuppe mit Gebäck 5,40€, Würstel mit Saft 6,70€, Gulasch mit Gebäck 11,50€, Apfelstrudel 4,40€, man liegt damit um gute 25-50% unter dem Niveau vergleichbarer Destinationen.

In der Hinsicht muss man m.E. die eine oder andere Qualitätseinbuße auch in Kauf nehmen, aber für meine besondere Vorliebe für Gulasch und Kaffee und das insbesondere im Kaffeehaus komme ich sehr gut auf meine Rechnung. Ach, erwähnt sei noch, es gilt hier noch Bares ist Wahres, was ich manchmal vergesse.

Meine beiden letzten Besuche nachmittags wurden von Klaviermusik begleitet, neben dem Eingang befindet sich ein Piano. Je nachdem wer spielt ist es dann eine Bereicherung oder bloß Berieselung. Wie ich erfahren habe spielt man hier in Eigenregie, d.h. Programm ist es nicht, mal hört man was, mal nicht.

Ich bin froh, dass dieses Kaffeehaus lebt und webt und danach strebt in seiner Tradition auch so erhalten zu bleiben. Es bereichert meine doch in letzter Zeit gehäuften Spaziergänge oder Touren auf Wiens wohl bekanntester Einkaufsmeile und trägt damit wesentlich zur Erhaltung der Kaffeehauskultur außerhalb der Innenstadt bei.

In dem Sinn, Gott erhalt’s!
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2 Kommentare

Rodauer, wo liest du bei mir in Zusammenhang mit Kaffee das Wort "Qualität"? Ich rezensiere nach meiner bevozugten Variante und danach bewerte ich. Wenn dir aber Mischungen mehr taugen, dann schreib mal eine Rezension über ein solches Lokal. Das wäre für das Forum auch hilfreich. D.h. die Investion für deinen Kommentar wäre anderorts schon eine brauchbare Wertung gewesen.

3. Dez, 13:40·Gefällt mir1

Weil Du das mit dem Kaffee immer wieder thematisierst mal eine Klarstellung: Arabica ist - auch wenn das die Werbung seit Jahrzehnten uns einzureden versucht - weder teurer noch hochwertiger als Robusta. Es gibt billige Arabicas und teure Robustas - und selbstverständlich auch umgekehrt. Arabica hat wesentlich mehr Säure (etwas was ich hab nicht mag bei Kaffee), weniger Koffein und ergibt dünneren Kaffee. Robusta schmeckt schokoladiger, enthält viel Koffein, gibt dem Kaffee Körper und mildert die Säure. Illy hat m.W. Gar keine Robustas im Angebot, dafür durchschnittliche Arabicas und viel, viel Marketingbudget. (So nebenbei kontrollieren sie,akribisch die Maschinen derer, die mit ihrem Namen werben - das trägt freilich ganz wesentlich zu einer am Ende doch ordentlichen Kaffeequalität bei) Was nun einer bevorzugt (bei mir sind es die süditalienisch-dunkel gerösteten 50/50 Mischungen, die ich um Häuser besser finde als die sauer-dünnen 100% Arabicas…) ist allein dem individuellen Geschmack geschuldet und kann nicht apodiktisch mit Qualität gleichgesetzt werden!

3. Dez, 12:02·Gefällt mir1
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23. November
SpeisenAmbienteService
Cafe Schwarzenberg – Traditionen im Zeitgeist Ich stand für kurze Zeit vor der Frage, ob es Sinn macht einen Bericht über die Institution Cafe Schwarzenberg abzufassen, als man dieses Kaffeehaus... MehrCafe Schwarzenberg – Traditionen im Zeitgeist

Ich stand für kurze Zeit vor der Frage, ob es Sinn macht einen Bericht über die Institution Cafe Schwarzenberg abzufassen, als man dieses Kaffeehaus wohl von Scheibbs bis Texas ohnehin kennt, und dank „www“ global genügend beschrieben wird, aber ich denke ich kann auf diese Weise ein paar persönliche Eindrücke vermitteln, was es für mich als Ur-Wiener und vielleicht auch als Connaisseur des Kaffeegenusses bedeutet.

Interessant ist immer wieder sich die diversen HP solcher Kulturorte anzusehen. Erfährt man hier beispielsweise, dass es erst ab 1840 den Frauen gestattet wurde ein Kaffeehaus ohne Männerbegleitung zu besuchen. O tempora, o mores, man kann sich gewisse Dinge heute gar nicht mehr vorstellen.

Was in den grünen Außenbezirken unsere Heurigen ausmacht, so sind es in der Innenstadt die Kaffeehäuser dieses Ranges. Die Einrichtung hat sich, so lange ich es kenne, nicht verändert, dieses Flair ist geblieben und mir gefällt es auch so.

Wenn auch der Zahn der Zeit an allen Dingen nagt oder verändert, wie z.B. die Zeitung längst meinem Tablet gewichen ist, so vermittelt es weiter einen Hauch von Alt Wien, was es für mich zu einem Anziehungspunkt macht. Doch auch der Kaffee hat seine Entwicklung durchgemacht.


Kaffee - Arabische G’schicht‘n aus Honduras

Man ist heutzutage stolz im Schwarzenberg auf ausgewählte Bohnen zertifizierter Plantagen zurückzugreifen. Ein wenig Sorge bereitet mir nur, wenn man zu viel dem Zeitgeist opfert und versucht allem Rechnung zu tragen. Immer wenn ich die Worte „Bio“ und „Fairtrade“ lese, werde ich hellhörig, sind sie manchmal schon Reizworte für mich geworden.

Die Ideen dahinter mögen aus moralischer Sicht durchaus begrüßenswert sein, bloß werden dann manche dieser Kaffeesorten auch grauslich bis hin zum Ausspucken, wenn sich aufgrund einer überstrapazierten Kaffeezucht im Röstverfahren unangenehme Säuren bilden, die dann nichts mehr mit Kaffeearomen zu tun haben. Ich bin darin kein Experte, aber das Endergebnis kann man wohl schmecken.

Eine solche Erfahrung des regelrechten Ekels hatte ich unlängst bei der Neueröffnung des renovierten Cafes am Cobenzl, und kein Scherz, ich habe ihn dort ausgespuckt. Beim Ströck ließ ich ihn nur stehen. So muss man diesbezüglich einen vernünftigen Mittelweg finden. Er ist hier aber gelungen, ich genieße nach wir vor meinen großen Espresso, würde ihn aber nicht mit Top-Note versehen.

Aber er ist soweit immer noch gut bis sehr gut, als man bei meiner bevorzugten unverfälschten Arabica-Bohne geblieben ist. Es obsiegt hier wohl auch der Standort, als ich dieses ehrwürdige Kaffeehaus nicht bloß nur wegen einer Kaffeesorte aufgeben möchte.

Stolz ist leider auch der Kaffeepreis geworden. Vor der C-Zeit immer im 4€-Bereich, was ich auch aus diesem Grund sehr geschätzt hatte, weil dies für die Innenstadtlage ein sehr fair kalkulierter Preis war, so stehen wir nun bei 5,70€ für den großen Mokka, womit man schwer nachgezogen hatte. O tempora, o pretia!

Die übrigen Kaffeekreationen, die diverses Höherprozentiges beinhalten, bin ich so gut wie durch, bin aber noch nie bei einer bestimmten Sache hängengengeblieben. Sie sind mir für das, was sie bieten, ehrlich gesagt auch zu überteuert.

Junkies wie ich brauchen das Koffein ohnehin möglichst stark, rein und pur, also niemals gestreckt. Wenn schon, dann gebe ich einen Tupf Schlag dazu, den ich der Mehlspeise entnehme oder extra ordere. Der nimmt mit dem Löffel leicht dosiert noch nichts an Stärke weg, oder ich kombiniere den Espresso z.B. mit einem Edelbrand, den dann ebenso extra in puristischer Klarheit.


Meine kulinarischen Kaffeehausg’schicht‘n

Ich genieße Frühstücksvariationen als kleine quasi Wake-Up Morgen-Dosis in Form eines simplen weichen Eis, dazu ein Kaisersemmerl, bis hin zu ausgedehnten Szenarien, die zum Brunch ausgedehnt werden, sodass dann weitere Mahlzeiten für den Tag obsolet werden. Das Schwarzenberg hat viel zu bieten und mich darin stets zufriedengestellt.

Für andere Tageszeiten liebe ich unsere Gulaschtraditionen, die das Kaffeehaus wohl mitprägen. Das Gulasch (klein um 13,50€) selbst ist nicht immer gleich, mal recht gut, mal nur unterer Durchschnitt, weshalb das Schwarzenberg keine sog. Gulasch-Destination für mich ist, hier fehlt es an Konstanz.

Wesentlich zufriedener bin ich mit der Ungarischen Gulaschsuppe (7,80€), die mit einem Seidel Gösser (4,90€) als Reisebegleiter immer wieder mein Herz erfreut. Mitgekochte Erdäpfelstückerl, kleingeschnitten roter Paprika samt sanfter pikanter Note ist immer wieder gut.

In letzter Zeit bin ich wieder auf Würstel zurückgekommen, die besonders mit ein wenig Gulaschsaft serviert regelrechte Leckerbissen sein können. Beim letzten Besuch waren es pikante feingranulierte Debreziner und als Gustostückerl lag ein Stück Wadschunken mit am Teller. Dafür verlangt man zwar satte 11,80€, es malte aber ein gelungenes Smiley in mein Gesicht.

Mehlspeisen lasse ich hier lieber, als sie nicht hausgemacht sind und ich in Vitrinen gelagerter Ware grundsätzlich nicht traue, fallweise höchstens eine Mozarttorte, liegt aber schon länger zurück.

Ebenso kann ich den Kaiserschmarren (9.70€) nicht empfehlen, es fehlt mir die Handschrift hausgemacht, für mich ist er Packelware, aber für Touristen sichtlich trotz allem immer wieder ein Leckerbissen. Nun, da habe ich meine eigenen Adressen.

Es ist generell in Wien so, dass Kaffeehäuser dafür nicht der richtige Ort sind, sieht man von Ausnahmen ab. Diskussionen habe ich diesbezüglich schon mit so manch leitenden Oberkellnern geführt, sie können sehr amüsant sein, bleiben aber fruchtlos. Das Geschäft läuft auch ganz ohne mich. 😇

Ausnehmend gut ist ein warmer Apfelstrudel um 7,50€, aber aufgepasst: Verlangt ihn auch warm, es gibt ihn wie auch den Topfenstrudel kalt (vermutlich in der Vitrine gelagert) um 5,50€ oder eben warm (ich hoffe aus der Küche), dazu entweder Vanillesauce oder Schlagobers.

Kalt sind die Dinger eher abtörnend, der Topfenstrudel z.B. zerbröckelte und wurde eine staubige Sache, aber warm war wiederum der Apfelstrudel ein Gedicht. Tja, was das ausmacht beweist dieser kleine aber feine Unterschied, es ist dann nicht das Schlagobers. 😊

In letzter Zeit bin dank der ReTe-Community nicht auf den Hund, aber auf den Negroni gekommen und verspüre danach so dann und wann Gusto. Ich finde ihn hier zur meiner Freude auf der Karte um wohlfeile 11,90€. Es wird auch der Mix beschrieben: 3cl Malfy Gin, 3cl Cinzano Rosso, 3cl Campari. Das mögen Experten beurteilen

Drei schöne grüne Oliven begleiten ihn samt Wasserglas. Der erste Versuch hinkte ein wenig meiner ersten Erfahrung aus der Bar Campari nach, bei einem weiteren Besuch konnte er m.E. tadellos standhalten. Woran das liegt weiß ich nicht, aber so habe ich Grund hierherzukommen, denn das Flair eine Cafes zieht mich jedenfalls in der Herbst/Winterzeit hier deutlich mehr an. Lediglich auf die Zigarre muss verzichtet werden. Tja, da ich bin zu spät Genussraucher geworden. 😉

Dies war ein kleiner Einblick in mein typisches Kaffeehauskonsumverhalten, das teils unveränderlich traditionell, teils auch dem Wandel der Zeit im Genussverhalten unterworfen ist und für meine letzten Besuche einen repräsentativen Querschnitt darstellt.

Summa summarum ist das Kaffee Schwarzenberg eine begehrte Winteradresse. Es gibt zwar auch einen Schanigarten, der aber für mich ob der als Verkehrshölle empfundenen Lautstärke keine Option ist. Du glaubst der D-Wagen fährt dir über den Schädel, wenn er in den Ring einbiegt. Für’s Freie brauche ich Ruhe.


Service und Allgemeines

Was Kaffeehäuser dieser Art zu bieten haben ist ihr exzellenter Service. Nervig geworden ist die US-Manie: „Wait to be seated“ Kultur die sich hier scheint’s seit der C-Krise mehr etabliert. Ich persönlich hasse sie, andere sehen es als unabdingbar. Es ist dies keine Geschmackssache, sondern halt Kultur.

Falls die Hütte bummvoll ist, geht es wohl nicht anders, falls aber halbleer, auf wen sollte ich warten? Ist doch nur mehr Hacklerei für den Service, aber sei’s drum. O tempora o cultura.

Ich bin es als Wiener gewohnt ein Kaffeehaus spontan besuchen zu können, auch weil keines mein sog. Stammcafe ist. There is no place to seated, damit meine ich, ich will oder kann es damit nicht reservieren. Notfalls zieht man halt weiter, was auch schon passiert ist.

Es gibt auch öfters die typische Praxis, dass mehr oder weniger auf allen begehrteren Sitzplätzen, das sind die wohl fensterseitigen, ein permanentes „Reserviert“ Taferl steht. Dies ist auch Kultur, und auch das keine von mir geschätzte.

Es ist zu 50% ein Ober-Schmäh, und das nicht nur hier. Kennt man den fragt man ungeniert: „Kann ich den Platz haben?“ und zu 50% gibt es ein: „Jo, is eh frei, warten’s, i wisch ab“ und für die anderen 50% kann hin und wieder auch ein ruppiges: „Na, kennan‘s net lesen?“ kommen.

Gut, dann ist tatsächlich reserviert und man sucht sich seinen Platz aus der Economy-Class. Es ist aber auch der linke Lokalteil mit den Messingtischen sehr attraktiv. Zur Tageszeit wirkt er mit den Riesenfenstern fast wie ein Wintergarten und zur Abendzeit verwandelt er sich in eine Lichtershow durch die von außen einströmenden Lichtquellen.

Ansonsten sind die Ober Klasse, sowohl im Auftreten als auch in der gesamten Serviceabwicklung. Einige Zeit fungierte Herr Ober Mario als Sänger und gab einige Operettenlieder in Klavierbegleitung zum Besten. Das habe ich aber schon lange nicht mehr erlebt, dafür sind meine Besuche zu unregelmäßig.

Solches prägt aber die Erinnerungen wie auch z.B. zu meiner Jugendzeit die Öffnungszeiten in der Wintersaison mit ca. schon ab 4 Uhr morgens auf eine Gulaschsuppe nach durchtanzter Ballnacht. O tempora, o dominarum. 😍


Aufgrund meiner doch schon langjährigen zwar unregelmäßigen, aber immer wiederkehrenden Besuche würde ich für das von mir bevorzugte kulinarische Programm samt Service ein durchgängiges und konstantes Sehr gut vergeben, man kennt mit der Zeit seine Goodies.

Der Objektivität geschuldet verdient aber die Speisen- und Getränke-Wertung die Höhen und Tiefen beinhaltend eine Abstufung um eine Note auf 3. Das Ambiente hat hingegen für meine Begriffe Kultstatus und geht aus meiner Sicht nicht besser, dafür daher die Top-5.

Traditionen müssen gepflegt werden, auch wenn der Zeitgeist Dinge versucht umzukrempeln, so kremple ich mir halt die Ärmel hoch und bleibe bevorzugt in der Wintersaison mäßiger aber dafür über die Jahre schon regelmäßiger treuer Besucher.
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@ChristianD3 "Wer das nicht möchte zieht halt weiter oder bleibt gleich fern - jedem seine Entscheidung. " siehe dazu: meinen ursprgl. Beitrag.

Gestern, 23:26·Gefällt mir

Cafe Central, Sacher und Demel scheiden bei mir aus, weil dort oft Schlangen vor dem Lokal warten. Falls ich dort einmal hingehen möchte, ausschließlich mit Reservierung. Dann wartet nicht der Gast auf den Tisch, sondern der Tisch auf den Gast. Andere Kaffeehäuser kam man zumeist entspannter besuchen, aber anstellen möchte ich mich dafür nicht.

Gestern, 15:59·Gefällt mir1

Bei Reservierung wird diese dort abgefragt und man wird zum Tisch begleitet… sehe hier kein Problem. Für e. spontanen Besuch heißt es halt anstellen u. warten. Wer das nicht möchte zieht halt weiter oder bleibt gleich fern - jedem seine Entscheidung. War diese Woche spontan beim Gerstner - Glück gehabt und sofort einen schönen Tisch mit Blick zur Oper bekommen… seh‘ das nicht so „eng“.

Gestern, 14:29·Gefällt mir
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20. November
SpeisenAmbienteService
Josef‘s Almkuchl – Tschocherl mit Niveau Von meiner Seite als WrKFan ein Erlebnisbericht aufgrund eines hiesigen Erstbesuchs mit hochgradiger Gefahr eines Folgetermins und der hoffnungsvollen Er... MehrJosef‘s Almkuchl – Tschocherl mit Niveau

Von meiner Seite als WrKFan ein Erlebnisbericht aufgrund eines hiesigen Erstbesuchs mit hochgradiger Gefahr eines Folgetermins und der hoffnungsvollen Erwartung die gewonnenen Eindrücke weiterhin so positiv zu erleben.

Für eines muss ich mich vorweg entschuldigen, ich habe leider die Rechnung verschmissen und HP samt Speisekarte gibt es keine um nachzurecherchieren. Aber es war soweit ich mich erinnere alles ein sauberes Maß auf Augenhöhe, d.h. man isst gut und dafür günstig. Umso mehr lebt noch der Rest an guten Erinnerungen.

Oisdaunn gemmas aun.

Unweit der WLB-Endstelle unserer urigen Badner Bahn am Josefsplatz hatte mich schon öfter ein kleines Gasthaus angelockt, zum einen wegen seines netten Schanigartens und zum anderen hatten die Anschlagtafeln durchaus immer interessante Gerichte der hausmännischen Küche versprochen.

Bislang fand sich nur keine Gelegenheit. Immer wenn ich dort vorbeikam, war gerade kein Betrieb. Also hatte ich via FB für dieses Mal den Faktencheckermodus angeworfen, angerufen und einen Tisch für zwei reserviert. Das hatte alles auf Anhieb geklappt. Besuchstag war ein Samstag für 18:30 Uhr ff.

Der Schanigarten muss warten, dafür war es schon viel zu kalt. Er wird, wie es scheint, nicht geräumt. So erfolgte der Türgriff und das Innere wurde inspiziert. Der erste Eindruck war recht witzig. Gasthaus? Es gibt genau einen Raum mit gerade 3 Tischen, diese waren besetzt und vielleicht noch ein zwei freie Stühle an der Theke, die auch gut besetzt war. Wohin mit uns?

Aber nein, zur Linken wurde fürs erste der Hochtisch übersehen, der sollte unser zugewiesener Platz werden und bot die Möglichkeit zu zweit wandseitig zu sitzen. Derart verschafften wir uns während unseres Besuchs einen Überblick über die kleine Stube, für meine Begriffe ein sogenanntes Tschocherl.

Der Wirt, Schank, Bedienung als One-Man-Show, angesichts der Lokalgröße aber kein Wunder, ein kreuzfideles Manderl, net am Mund g‘fallen, mit Charme und Witz bewaffnet, bringt mit spürbar empathischer Art das an sich eh schon urige Flair noch mehr zur Geltung.

Man fühlte sich herzlich willkommen, so war unser Aufnahmeritual erfolgreich. Na wenn’s Essen auch so ist, dann passt der Abend. Dafür zeichnete er seine Frau verantwortlich und Frau Tochter kam später noch hinzu um im Service doch auch zu unterstützen, ein Familienbetrieb also, das gefällt mir ohnehin.

Aufgrund der Sympathie gab es schnell eine gute Gesprächsebene und wir starteten die Weinwahl, die wie üblich auf einen Roten fiel. Die Empfehlung: Eine Flasche Etrich Taube vom Weingut Dopler, nichts Besonderes leider, nicht schlecht deswegen, nur zu wenig Gehalt und Abgang, wie wir das wünschen. Nächstes Mal wird’s ein anderer. Es sollte sich als die wohl einzige Fehlentscheidung des Abends herausstellen.

Danach wurde kurz erklärt was leider schon an Speisen aus ist, d.h. das Mittagsgeschäft muss gut gewesen sein, denn wir standen erst am Beginn der Abendküche. Auf Standards wollte ich nicht. zurückgreifen, etwas Typisches von hier war als Tagesziel gesetzt.

Die wie immer treue Begleitung verspürte keinen Riesenhunger und begnügte sich mit Gulaschsuppe. Meine Wahl fiel nach Verhandlung und Studium der Karte auf Kaspressknödelsuppe, nicht untypisch, doch danach Cevapcici ganz nach Art des Hauses.

Normalerweise wäre das gar nicht meins, schon allein wo Pommes Standardbeilage ist und mir dazu auch die Assoziation von Travniceks Schewararaschischi a la Hundstrümmerl im Kopf herumgeistern, die gerade in so kleinen Tschocherln wie hier oft nur zugekaufte Ware sind.

Der gekonnten Agilität des Wirten ist zu verdanken, wie er mir eine zutiefst hausmännische Art und speziell von seiner Gattin selbst kreiert eine über jeden Zweifel erhabene Qualität versprochen hatte. So ließ ich meine Zweifel fallen. Lediglich Pommes, bleibendes NoGo für WrKFan, der die Chance auf Originalität wittert, änderte ich auf Reis.

Das verwunderte den Wirten, aber kein Problem für John Wayne. Klar, hamma auch, kam nun aus seiner Pistole geschossen die Rückmeldung. Ajvar schied allerdings aus, wiewohl eine recht typische Beilage zu einem solchen Gericht, von mir dazu auch recht begehrt, nur des hamma leider net. Art des Hauses hat wohl Vorrang.

Wir kamen noch auf den Schärfegrad zu sprechen, weil scharf für mich mittlerweile zu einer gewissen Leidenschaft für Grillspezialitäten herangewaschen ist, eine solche war aber von Haus aus dafür nicht vorgesehen.

Allerdings kannte man Alternativen. Man könne jede gewünschte Stufe haben, denn man hätte eine recht feurige selbstgemachte Spezialsauce. Echt? Und ich soll’s glauben? Das wollte ich genauer wissen und der Wirt präsentierte mir recht stolz ein Glas seiner eigens dafür fabrizierten Habanero-Paste.

Er reichte den Teelöffel, warnte mich zuvor aber, ich jedoch, meiner Sache recht sicher, probierte eh nur einen kleinen Dipp. Was soll ich sagen? Es begann alles ganz harmlos, entwickelte sich aber nach und nach zu einem Martyrium. Jo bist denn du deppert, den Scoville-Wert kannte meine Wenigkeit noch nicht.

Ok, söba Schuld, ich wollte es ja unbedingt wissen, aber dass man für ihren Umgang eine extra Waffenausbildung benötigte, dieser Feuerkraft war meine Gattung nicht gewachsen. Die Mundhöhle beruhigte sich für gute 20 Minuten nicht. Inzwischen wurden die Suppen serviert.

Immer noch betäubt konnte ich den puren RS-Geschmack gar nicht richtig wahrnehmen, aber der Knödel war schon rein optisch eine schöne Sache. Ein Riesending, gute Käsenote und sauber angeröstet. Die Nase funktionierte ja noch. Wenn ich nur mehr schmecken würde. Ich merkte zumindest, dass die Suppe sehr den Knödelgeschmack aufgesaugt hatte, also wurde er darin mitgekocht.

Die Gulaschsuppe meiner treuen Begleitung war dünner als üblich und hatte einen ungarischen Einschlag wie Pörkelt, d.h. nicht ganz die wienerische Majoran Kümmel Richtung, sondern mehr nach Paprika bzw. meinte ich ein wenig Paradeiser zu erschnüffeln. Gut, dass die Nase noch arbeiten konnte. In der Tat war sie damit nach Art des Hauses.

Hier dürfte also nach Art des Hauses Markenname sein, ja gerade das begann ich immer wohlwollender zur Kenntnis zu nehmen und war ja auch Erwartungshaltung. Inzwischen legte sich die Schussverletzung im Gaumen ein wenig und etwas Gefühl kehrte zurück.

Und ah, siehe da, die Civaverl’n sind im Anmarsch, nun ohne scharf, dafür ungemein dunkel in ihrer Farbe, oder etwa zu lange am Grill? Dazu zu viel Reis, aber kein Problem, das passte schon, wer will denn zu wenig? Ein Rest musste aber stehenbleiben.

Zu gerne hätte ich noch etwas scharf dazu gehabt, aber davon hatte ich wider Willen zuvor eine andere Lektion erteilt bekommen. Erkenne deine Grenzen, und z‘vü is z’vü.

Ausgleich schaffte der Zwiebelsenf, nicht in Schärfe, aber als passende Begleitung, war dafür nicht vermischt, d.h. ein Glasschüsserl mir roten Zwiebeln und ein weiteres mit Senf. Weißen hätte ich zwar bevorzugt, aber so auch gut, und der Gast hat Freiheit.

Ich bat diesbezüglich zweimal um Nachschub, denn die für mich Miniportion reichte mal gerade für ein oder zwei Stück der fünf wohlgebräunten Civis.

Das stellte wieder kein Problem für diese kleine Extra-Meile dar. Der Gast hat also echte Rechte, nur wenn er zu frech wird, dann spielt’s Habanero. 😉

Noch ein Minischüsserl aus Keramik mit Salat zierte recht putzig den Teller, ergänzte mit ein wenig „Bunt“ die optische Präsentation und offenbarte sich ausnehmend gut, frisch und war top mariniert. Er reichte für dieses Mal, wiewohl Salat für mich oft zu wenig ist. Aber Klasse statt Masse geht immer ok.

Nun lüftete sich das Farbengeheimnis. Das Fleisch war deshalb so dunkel, weil es pures Rindfleisch war und in der Tat von guter Machart, wie man es so üblicherweise nicht bekommt. Alos nix Travniceks Urlaubsmisere, sondern Badener Reise 1. Klasse mit der Almkuchl-Bahn. Eine leichte Paprikawürze färbte das Innere sanft rötlich und rundete den Genuss noch edel ab. Ein Volltreffer, selten so gut gegessen.

Zum Ausklang der gelungenen Erkundungstour konnte ich meine Partnerin noch zu einer Nachspeise überreden, da sie eh auf eine HS verzichtet hatte, ich aber Unterstützung brauchte. Auf sie ist da immer höchster Verlass. Dazu ließen wir nun quasi Normales auftischen, Powidltaschkerl, die ganz passabel waren. Ich gebe zu, ich war schon etwas überladen, so kamen keine weiteren Höhenflüge. Ich verbuche das unter mea culpa.

„Na, friss hoit net so vü“ ertönte es von linker Seite. Nun, Reis blieb ja eh übrig. Man nimmt aber den Rat seiner geschätzten Begleitung auch dankend entgegen. 😊

Weitere Begleiterscheinungen waren wieder gewöhnlicher Art mit durchschnittlichem Espresso und rotfarbener Zirbe, die aber nicht die schlechteste. Wir ließen uns mit den Genüsslichkeiten mächtig Zeit bis wir am Ende im Lokal alleine übrigblieben, aber wenn etwas stimmig ist, denn geht der Faktor Zeit wie verloren.

Die anderen Tische befüllten sich mehrmals mit neuen Gästen. Links vor uns haben zwei Leute für längere Zeit die Theke belegt, namentlich dem Wirten scheint‘s wohlbekannt, die ihren Hunger mehr flüssig stillten, einer verschaffte sich Bildung via the good old Kronenzeitung.

Der weniger Belesene und mehr ins Glas vertiefte der beiden leitete manch meiner Urgenz gerne weiter, ehe ich sie an den Chef des Hauses selbst richten konnte. Urig, uriger, am urigsten, als wäre ich hier schon jahrelang Gast. Insgesamt eine regelrechte Beislstimmung.

So habe ich mir vorgenommen, dieses kleine, aber m.E. außergewöhnliche Tschocherl ist es jedenfalls wert die Anreise von Wien nach Baden auf sich zu nehmen. Deshalb freue mich bald auf einen neuen Besuch mit dem kreuzfidelen Wirten und seinen kulinarischen Artgenossen des Hauses.

Ich denke, das Erlebte wird nicht so mir nix dir nix in die Gegenrichtung umschlagen, es liegen dazu auch lobende Worte anderer Rezensionen vor. Bloß gewöhnt sich der Verwöhnte oft rasch an gute Dinge, nun ja mit einer kleinen Ausnahme eines Liedes das Caterina Valente gesungen hatte, welches ich in der Tonart hier nicht mehr hören möchte:

Spiel nicht (!) noch einmal für mich, Habanero. 😊


Euer
WrKFan und neuer Fan von Art des Hauses
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Ich werde nie verstehen, dass manche Lokale "scharf" in Form von z.B. frisch aufgeschnittenen Chilis (in Öl) nicht kennen/nicht anbieten. Manchmal gibt's mittelgutes Chili-Öl, selten hausgemachte Chili-Kompositionen. Manche wählen den Weg des "Hau-drauf-Carolina-Reaper-Scoville-1.000.000-fetzt-Dir-das-Hirn-raus" Flascherl, - was ich genauso wenig verstehe. (Wer, bitte, braucht so was, wenn er nicht grad in einer pubertären Mutprobe verhaftet ist?).

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Hummel – mein Cafe in der Josefstadt Das Cafe Hummel kann man nunmehr im 21. Jh. unterwegs zu einer herangewachsenen Institution Wiens hinzurechnen. Es verpflichtet sich der Tradition eines Kaff... MehrHummel – mein Cafe in der Josefstadt

Das Cafe Hummel kann man nunmehr im 21. Jh. unterwegs zu einer herangewachsenen Institution Wiens hinzurechnen. Es verpflichtet sich der Tradition eines Kaffeehaus mit eigenem Flair, obwohl es nicht in der Innenstadt liegt, vielleicht gerade deshalb, als es dadurch sein eigenes Klientel an Gästen herangebildet hat.

Man geht ins Hummel, das ist mehr als nur ein geflügeltes Wort für seine dort anwesenden Stammgäste. Davon kenne ich solche, die es stolz verkünden. Ich begnüge mich damit es zu mögen.

Die Einrichtung ist seit 2012 im heutigen Stil umgestaltet worden und mir fällt von Saison zu Saison immer wieder auf, dass die Bilder an den Wänden regelmäßig gewechselt werden. So wirkt der Look saisonal immer etwas anders. Für meinen Geschmack ist das Cafe schon etwas zu modern, aber akzeptabel.

Davor gibt es einen geräumigen Schanigarten, für die Stadtlage inmitten der Josefstadt eine Rarität, nebenan streiten sich drei Wiener Bims um einen Stationsaufenthalt.

Man stolpert so förmlich fast ins Lokal oder tut etwas für die Beine und erreicht es ein paar Gehminuten von der U6-Station Josefstädterstraße. PKW-Anreisende unterliegen dem Gesetz für Glücksritter.

Beim Durchstöbern der HP, der dank Technik postmodern gewordenen Erwachsenbildung für Pseudakademiker und sonstige Verschwörungstheoretiker stößt man auf das Gründerdatum anno 1935. Ein bisserl dauert‘s also noch bis zum ehrwürdigen 100-er Jubiläum. So will ich’s dann auch glauben und hoff’s auch noch miterleben zu dürfen.

Zur gegenwärtig angespannten Krisensituation möchte ich euch ein Interview mit der jetzigen Hummel-Chefin in dritter Generation nicht vorenthalten, bei der sie aus der Sicht als Unternehmerin und Gastronomin dazu Stellung nimmt.

ORF Interview mit Fr. Chr. Humnmel: [Link]

O tempora o mores, aber wir können’s auch nicht ändern, ich gedenke meine Besuche deshalb nicht einzustellen, lediglich werde ich gewisse Dinge nicht mehr oder eingeschränkt konsumieren. Vorweg, viel wird‘s nicht sein, aber vielleicht das Frühstücks Etagere um 40€ muss ich mir wirklich überlegen. Das möge dann der Anlass entscheiden.

Insgesamt betrifft die Krise alle Betriebe, insofern ist das kein spezifisches Hummel-Desaster, sondern ganz Österreich leidet darunter. Dennoch befinden sich sämtliche Preise deutlich unter dem Niveau eines vergleichbaren Kaffees in der Innenstadt. Die Chefin bemüht sich, wie ich das empfinde, sehr darum ihr Publikum auch zu halten.

Eine der spürbaren Auswirkungen sind die Öffnungszeiten, vor Jahren bis 2 Uhr morgens geöffnet und die letzte Einkehr Bastion für Taxler und & Co wurde die Sperrstunde auf 24 Uhr verlegt und gegenwärtig stehen wir bei 23 Uhr.

Dafür hat man weiter auf einen Ruhetag verzichtet und behält auch die durchgehende Küche bei, was mich dann und wann weiter noch auf ein kleines Gulasch oder Debreziner zu später Stunde einkehren lässt. Das Gulasch ist nicht die Top-Spitze aber anständig, wie es sich gehört. Danach gibt’s nur mehr noch Würstelstände, aber das sei eine andere G‘schicht. 😊

Es ist und war bislang übrigens eines der raren Ausnahme-Cafes, bei dem ich auch die Küche durchaus empfehlen kann. Ich werde mich hier aber wie auch bei anderen Wertungen auf das konzentrieren, was für mich ein Kaffeehaus bedeutet und was auch die Mehrheit meiner Besuche ausmacht. Daher zuerst:


Ein paar Takte zum Kaffee

Hier schmerzt mich der Wechsel, den es vor ca. zwei Jahren bei der Wahl der Röstung gegeben hat. Ob das schon damals der Preispolitik geschuldet war, kann ich nicht beurteilen, aber ich kann den Unterschied schmecken. Meinl liefert weiter, aber nunmehr eine der mehr italienischen Sorten. Die sind halt hantiger. Aus meiner fröhlichen A-Dur Arie wurde eine schwermütige B-Moll Ballade.

D.h. der von mir so geliebte 100% Arabica-Genuss eines Espresso Doppio (4,80€), bei dem noch dazu die Barista nicht sparsam umgegangen sind, ist Geschichte und ich muss mich einer Mischung mit Robusta beugen. Stark genug ist er immer noch, aber ich habe damit einen Favoriten verloren. Ich habe die Wunde bis heute noch nicht überwunden.

Wäre das Cafe nicht hinsichtlich seines Flairs und variationsreichen Frühstücksangeboten und Goodies ebenso attraktiv, wäre es vermutlich schon zu einer Scheidung gekommen.

Ach, diese besch … Kompromisse. Einmal wo alles gepasst hat und dann das. Ist wie mit einem Eheweibe, das dir auf einmal deinen bevorzugten Sex verweigert, aber lass ma das, sonst wird’s zu intimi-tief. Lieber behalte ich meinen Humor. 😉


Ein paar richtige Goodies

Es gibt wie in allen renommierten Kaffeehäusern diverse Frühstück-Sets, die durchgängig sehr gut sind, aber hier finden sich einige Goodies, die es für meine Genussansprüche vor anderen Cafes auszeichnen und diese beschränken sich nicht auf die Frühstückszeit. Soweit stimmen mich diese ob der blamablen Kaffeeniederlage auch wieder versöhnlich. Dazu ein paar weitere Takte in C-Dur.

Ein Schnittlauchbrot (3,80€) kenne ich woanders nur selten mit einem so guten und täglich frischen Brot wie hier. Woanders ist es oft nicht wirklich tagesfrisch oder hat eine zu überbetont knusprige Rinde, was bei mir nicht so gut ankommt. Hier finde ich meine Kragenweite.

Dazu a nette G’schicht. Auf der Karte steht nicht dabei, dass es mit Butter ist. Als ich danach einmal gefragt hatte, kam die witzige Antwort. „Kloa, sunst fliagt jo ois davon, bis am Tisch is.“ Ach, die Schmäh der Ober. I’m loving it!

Ein Unikum ist weiters ein Sardellenbutterbrot (7,90€), genial, klar man muss das mögen, aber das salzig, leicht bittere kann was, was andere Dinge nicht haben. Es müssen nicht immer aufwendige Sachen sein, um glücklich zu machen. Dieses einfache Broterl schafft das bei mir.

Als Lachsfetischist komme ich auf meine Rechnung mit der Fa. Schenkel (Portion zu 9,60€). Für viele weniger wichtig, für mich durchaus. Woher er kommt, weiß ich nicht, aber man erkennt die nur geringfügigen Fetteinlagerungen. Das schmeckt man auch in seiner wesentlich intensiveren Note. Ihn übertrifft für mich nur der vom Zauner aus Bad Ischl (wen’s interessiert, er kann hier nachlesen: [Link]).

Klasse sind auch die Debreziner, die immer mehr von der Bildfläche verschwinden, vor allem die schärfere Sorte. Man kann sie mit der üblichen Senf- und Krenbeilage haben oder mit Gulaschsaft (9,50€). Ich mag deren Paprikanote und pikant würzigen Duft wie Geschmack sehr.


Kaffeehaustraditionen

Im hinteren Bereich nach dem Durchgang zum WC gibt es noch einen Extraraum, der ein wenig wie Klubatmosphäre vermittelt. Dort befindet sich ein TV-Monitor und man kann z.B. Fußballmatches schauen. Im Durchgang fristet ein noch größeres mobiles TV-Gerät sein Dasein, das man bei Bedarf in der Sommersaison im Freien aufstellt.

Im rechten Gastraum findet man abends nach wie vor Kartendippler oder hin und wieder auch Schachspieler. Falls ich wieder eine Tarock-Runde zusammenbringe, wird das klarerweise hier meine Adresse dafür werden. Die letzte sprengte leider die C-Krise, aber das ist halt so a G’schicht, wofür das Hummel im Gegensatz zum Kaffee wieder nichts kann.

Eine weitere für mich gute wie schlechte Nachricht muss ich noch bzgl. Service vermelden. Es gab hier einen Ober, den ich mehr als nur geschätzt habe, er war so etwas wie ein Wahrzeichen für dieses Cafe hier. Eines Tages war er auf einmal weg. Klarerweise wollte mir keiner vom übrigen Personal sagen, wie was warum.

Doch das wider Erwarten Gute war, ich habe ihn dann woanders in einem Gasthaus wiedergetroffen, wo er nunmehr amtiert und dort gehe ich in letzter Zeit auch wieder öfter hin. So hat ihn meine Welt wieder. 😊

Ich mag die anderen Ober aber auch sehr, es sind allesamt g’standene, g‘lernte Profis, die ihr Handwerk aus dem FF beherrschen und der eine oder andere, sowohl ältere wie jüngere Herr, ist auch begnadet mit dem guten Wiener Schmäh. Bravo!

Aufgefallen ist mir noch, dass die Vertreter der männlichen Spezies älteren Jahrgangs traditionell in schwarz gekleidet hier den Fleck tragen, was sie immer schon taten, während die weibliche Spezies, nunmehr auch in ganz schwarz auftreten, diese aber weiterhin „unbefleckt“ ihre Dienste verrichten. Insgesamt ist und war der Service immer konstant sehr gut hier, ist also krisensicher.


Welches Resümee ich für mich ziehen kann:

Trotz der einen oder anderen sowohl gesellschaftlich bedingten als auch manche für mich schmerzlich hingenommene lokalspezifische Veränderung haben sich das Cafe Hummel und ich weiter lieb und wir können schon miteinander. Es überwiegen Gott sei’s gedankt die genüsslichen Vorteile. 😊
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Das Sardellenbrot ist wirklich toll, das es sowas dort gibt. Das sind so Wiener Eigenheiten, die leider immer mehr von der Bildfläche verschwinden. Gerade mit solchen Dingen könnte man aus der Masse herausstechen. Wie bei Meissl und Schadn die Assietten, eine tolle Geschichte die es glaub ich nur dort gibt. Früher gab es glaub ich sogar Russen oder Rollmops im Kaffeehaus. Aber die Preise da schau ich aber echt. 9,90 für ein Paar Sacherwürstel mit Senf und Kren. Oida da legst di nieda.

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Der Schwabl – neue Referenz für den 12.? Es liegt schon einige Jahre zurück, als mich ein Freund auf den Schwabl im 12. Hieb aufmerksam gemacht hatte. Unweit der U4-Station Meidling Hauptstraße,... MehrDer Schwabl – neue Referenz für den 12.?

Es liegt schon einige Jahre zurück, als mich ein Freund auf den Schwabl im 12. Hieb aufmerksam gemacht hatte. Unweit der U4-Station Meidling Hauptstraße, öffentlich damit sehr gut angebunden und ein paar Meter weiter kann man einen Verdauungsspaziergang im Park Schönbrunn absolvieren. Sowas motiviert mich.

Was mich dann abgeschreckt hatte war der Raucherbereich in der Schankstube, obwohl sie meine Kragenweite wäre. Nun, dieses Dilemma gilt als beseitigt, was seitdem mehrere Vertreter dieser Typs wieder attraktiv gemacht hatte. Auf der Pirsch nach solchen authentischen Lokalen schien für mich ein Stern aufzusteigen. WrKFan geht ans Werk.

Der Schwabl verfügt über einen hinteren Gastraum, der mit gedeckten Tischen Restaurantatmosphäre vermittelt, wo ich früher Platz genommen hatte. Vor dem Lokal fristet ein Schanigarten sein Dasein. Das Lokal gehört zu den noch klassisch geführten Familienbetrieben.


Der Service – familiär und richtig wienerisch

In der Stube werkt Herr Andreas, für die Stammgäste schlicht der „Andi“, und Bruder Karl, weniger sichtbar, bedient die Kochlöffel der gegenwärtig amtierenden Schwabl-Generation. Was mich neuerdings erfreut ist der Umstand, dass seit ca. drei Jahren im Service ein gewisser Herr Reinhard sein Angesicht erstrahlen lässt.

Ich kenne den guten Mann seit Jahren als g‘standenen Parade-Ober aus dem Cafe Hummel im 8. und war enttäuscht ihn eines Tages dort nicht mehr vorzufinden. Aber wie durch ein Wunder erscheint er vor mir plötzlich im 12. Hieb mit seiner üblichen professionell geschulten Anrede: „Was derf’s sein, der Herr?“

Sein Augenaufschlag war dann mindestens ebenso spontan und überrascht wie meiner, als wir einander erkannt hatten. „Jo heast, wos mochst denn du do?“ und so geht‘s seither gewohnt weiter.

Das machte für mich den Schwabl seither zu einem urtypisch wie attraktiven Wiener Wh nach meiner Façon, was diesen mir vertrauten Umgang anbelangt. Es ist aber die gesamte Servicemannschaft als Dreierteam eine lockere Partie, wie man sich das für ein Beisl vorstellt.

Über die Mittagszeit gibt es Menüs à la Hausmannskost um wohlfeile 9,80€, definitiv Wirthauslevel. Auf das lege ich zurzeit den Fokus. Dann trifft man auch die hiesigen Meidlinger, die hier regelmäßig einkehren, die sich linkerhand des Eingangs am Stammtisch tummeln.

Zeitweise komme ich in den Genuss, dass mich der Chef dort dazu platziert. Für diese Art Gastrolle sage ich mal musst du auch geboren sein, das erarbeitest du dir nicht, es ist was meine Original Wiener Seele ausmacht. Ich bezeichne mich aber nicht als Stammgast, das werde ich vermutlich nirgendwo. Wenn schon, dann ist ganz Wien mein Stammlokal.


Zwei Schwabl-Klassiker

Ehe ich mich der Mittagsküche widme, noch zwei Klassiker, einer aus Wien und einer vom Schwabl.

Es verirren sich genug ausländische Gäste hierher, offensichtlich funktioniert die Tourismus-Werbung und einige wollen danach das Schloss Schönbrunn besuchen. So saß ich gegenüber einem solchen Urlauber aus Utah und ich durfte meine Englisch-Kenntnisse wieder auspacken.

In der Schankstube wird auch dazugesetzt, so ist Wh anno dazumal. Manierlich fragte mich der Service, ob’s auch genehm ist. Die quasi Kopp-Schiene: „Do setz di zuwe, is eh g‘nua Plotz“ ohne Rücksicht auf bereits platzierte Gäste, auch wenn bereits bekannt, wird nicht gefahren. Er kämpfte sichtlich mit der Speisekarte, so bot ich Hilfestellung an.

Als Erstbesuch Wiens riet ich zum Klassiker Wiener Schnitzel, das es sowohl vom Kalb (20,90€] als auch vom Schwein (14,50€) gibt und ich erklärte dem noch sehr jungen Mann ein wenig einige Unterschiede. Er nahm sich das Kalbswiener. Meine Kulturunterweisung hatte Frucht getragen. 😉

Eine tadellose Optik erreichte unseren Tisch, wie ich meine aus der Pfanne und ein passabler gemischter Salat erspähte das neugierige Auge. Mein letztes Wiener lag doch schon länger zurück um mich daran zu erinnern.

Weil ich dem jungen Mann dies zuvor erklärte, bot er mir an zu kosten, ob es dem auch entspräche, was ich sagte, und ja, es entspricht, so geht Schnitzel. Sauber souffliert, butterzartes Kalbfleisch und guter Duft. Ihn wieder ließ ich von meinem Erdäpfelsalat naschen, der hier auch Wiener Klasse hat. Davon später noch ein paar Takte.


Einige Besuche gab es früher mit meiner Tochter und habe noch ihren Favoriten gut in Erinnerung, Töchter greifen gerne begehrlich auf das wohl beste Gericht (aktuell 23,90€], solange sie noch nichts selbst berappen müssen. Der Papa ist ja doch der Beste. 😉

Es handelt sich um Filetspitzen in Champignon-Cognacsauce, dazu Nockerl, das Gustostückerl vom Schwabl. Bei meinem ersten Besuchsantritt nach längerer Pause knöpfte ich mir das vor. Ich erhielt zwar nur einen Platz an der Theke, weil die Bude ausreserviert war, aber ich genoss das Schmankerl dort in vollen Zügen.

Feines, g‘schmackiges Safterl, in der Art Stroganoff, aber anders aufgrund der geschmeidigen Cognacnote, begleitet die gedünsteten zarten Filespitzen, dass es zu mehreren kräftigen Endorphin-Ausschüttungen kommen musste. Ja, so wolle man immer speisen, Momente des Glücks, des taugt und übertraf alle Erwartung, Höchstnote!


Wr. Wh-Kuchl auf Erkundungstour

Dazu gehört als Einstieg eine Tagessuppe. Diese folgen klassischer Wh-Tradition, sind m.E. auf mehr als bloß sehr gutem Level. Man erhält a la carte auch eine Nudelsuppe oder die von mir immer noch begehrte pure Bouillon mit Ei, eine Rarität, für mich nostalgisches Suppenerlebnis, das begeistert.

Ein neuer Besuch, ein neues Glück, Reisfleisch soll‘s heut‘ sein, das mit Saft serviert den Weg zum Tische fand, einreduziert und demensprechend kräftig, hhmm wohltuend. Der Reis hätte noch mehr Würze vertragen, das Fleisch schön durchzogen, saftig und große Stücke, insgesamt eine respektable Leistung. Man kriegt das ja nicht mehr überall.

Salate nach Wiener Art gesüßt dressiert, aber nicht aufdringlich, machten einen grünen Begleiter perfekt, lediglich ein paar Rukolablätter mischten sich störend darunter. Das verbuchte ich unter Hasenfutter und ließ sie übrig, ansonsten sowohl bodenständig als auch frisch.

Nächstes Menü war Saftfleisch mit Hörnchen, was bei mir nostalgische Jugenderinnerungen hervorruft. Hier war ich vom Saft weniger angetan, wobei rein optisch nicht so wahrnehmbar, dafür der Gaumen „zu mehlig“ in der Konsistenz Rückmeldung erstattete. Das beraubte dem Majoran-Gewürz seiner urtümlichen Note, die ich mehr herausspüren möchte, aber die Hörnchen korrigierten das, indem man es vermischt.

Das Schweinefleisch war bestens, weich, zerfällt mit der Gabel, hatte ausgewogenen Fettanteil, damit es im Mund nicht zum Klumpen mutiert und man würgen muss. Es flutschte mit Umami-Kick hinunter, insgesamt recht gut.

Freitag ist traditionell Fischtag, so auch hier und zu dem checke ich gerne den Erdäpfelsalat. Zu gebackenem Fisch liebe ich auch Sauce-Tartar, die ich extra orderte. Der Fisch ist Standard, passt, für diesmal war die Panier etwas zu hart, aber der Salat war grenzgenial und ließ alles vergessen.

Leute, schon lange nicht mehr dieses oberschlotzig, einfach nur geile Gefühl im Mund, das deine Sinne in den 7. Himmel befördert, wie man sich das erträumt. Es wurde auch Realität. Wow, also da kommt man einfach wieder und hofft auf Wiederholung. Die Sauce-Trara war ebenso sehr gut, ich krieg‘ meine kaum besser hin, aber sie verblasste regelrecht angesichts des Salats.

Mit der Schwiegermama gab es ein weiteres Stelldichein. Sie wollte vegetarisch, dazu bietet die Karte à la carte Eiernockerl an und ich durfte kosten. Brav sie ist. Saubere groß ausgestochene bzw. gehobelte Nockerln wunderbar mit Ei kräftig überzogen, Klasse. Total einfach, aber einfach guat! Die Würzung war mild, das regelt ein wenig Pfeffer.

Und aha, neue Erfahrung, der grüne Salat erhält in der à la carte Zubereitung keine Hasenbeigabe, da passt er, d.h. bei den Menüs wird halt auch a weng‘l Kuchlausmistung betrieben. Aber solange die Qualität gut ist, kann man dagegen nichts sagen. Dass einem nicht alles schmeckt, ist dann sozusagen eine separate G‘schicht.

Ich griff wieder auf das Menü zu, es gab Brathenderl. Stattliche Größe, keine Schnellzucht, festes und doch saftiges Fleisch, ein nahezu perfektes Natursafterl, was beim Hendl auch relativ einfach ist, dazu puristische Reisbeilage. Kenn‘ ich oft nur mehr von meiner Mama, war insgesamt ausnehmend herzhaft und an Menge fost scho a biss‘l z‘vü.


Hausgemachte Nachspeisen

Mit Schwiegermamas Unterstützung wagten wir noch gemeinsam einen als hausgemacht angepriesenen Apfelstrudel. Man will es ja wissen und zu zweit ging das, allein wäre ich vermutlich zerplatzt.

Auch dazu kann ich sagen, dass hausgemacht kein Werbegag ist, sondern für traditionelle Art, wie Wiener Apfelstrudel sein soll, auch steht. Ich werde fragen, ob den net eh die Schwabl-Mama macht, denn man sieht sie immer wieder noch anwesend.

Zuletzt muss ich noch die, oh mein Gott, wieder einmal als göttlich bezeichnungswürdige Malakofftorte erwähnen, hausgemacht, sorry für etwaig lästige Wortwiederholungen, aber so ist es. Sie war absolut köstlich, nicht so schwer butterlastig wie anderorts und somit auch weniger Verdauungskampf im Finale macht sie für die Zukunft höchst attraktiv als Nachspeise.


Ich komme langsam zum Ende

Durch die gängigen à la carte Gerichte werde ich mich hier noch durchwühlen, so es die Zeit erlaubt. Man liebt ja andere Wh auch. Doch nach zwei kürzlich erlittenen Lokalblamagen dieses Métiers braucht meine Wiener Seele Ersatz und hier hat sie eine sehr zufriedenstellende Einkehr gefunden.

Der Schwabl im 12. ist rundum stimmig, schönes Wh-Flair, für gehobene Anlässe der hintere Raum, die Gäste ein Mix von allem, die Kellner klasse Bursch‘n und das Essen bis auf einige Schwächen was das Herz begehrt. Was will man mehr? Ach ja, z.B. faire und günstige Preise, und m.E. passt das ebenso.

Die Getränke entsprechen, wie ich es mir von einem Wh erwarte. Keine Highlights, aber alles da, was der Wiener braucht. Als Vertreter der Wein-Fraktion gibt es den aktuellen Schankwein um 2,20€ pro 1/8l, solche Preise sind rar, zumal er sogar manche Top-Weine schlägt.

Zuletzt genoss ich den gerade saisonalen Junker um 3,90€ pro Achterl, der einige Male Wegbegleiter sein durfte, dann noch ein paar aus dem Österreich-Repertoire, rot wie weiß, die je nach Angebotslage wechseln. Das erhält Zustimmung.

Aufgrund meiner doch gehäuften letzten Besuche wage ich eine durchgängige Note 4 für alles zu vergeben und ich denke, sie bleibt auch stabil. Ich habe mit dem Schwabl-Wirt sozusagen den Repräsentanten für den Bezirk Meidling gefunden, und da er noch dazu unweit der U4 liegt, so gehört er nun zu meinen neuen Favoriten.

Ich müsste mich fast dafür sogar entschuldigen, ihn nicht schon früher als das, was er ist, wieder entdeckt zu haben, hielt er sich vor mir einige Zeit wie versteckt. Aber das wurde, so hoffe ich, nun auch korrigiert. 😊


Euer g’schamster Diener
WrKFan
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Il Sestante – Der Sextant in der Josefstadt Wie man auf den Namen „der Sextant“ kommt, was Il Sestante auf Deutsch heißt, diese Geheimnis konnte ich noch nicht lüften, insofern brauche ich noch... MehrIl Sestante – Der Sextant in der Josefstadt

Wie man auf den Namen „der Sextant“ kommt, was Il Sestante auf Deutsch heißt, diese Geheimnis konnte ich noch nicht lüften, insofern brauche ich noch Nachhilfe im Sinne von „ReTe bildet“ wie es unser ChristianD3 gerne kolportiert.

Aber dass es sich um eine recht vielversprechende Pizzeria handeln dürfte, die auch für italienische Authentizität stehen soll, dieses Wissen verdanke ich unserem werten Besserwisser, der das offenkundig in der Tat besser weiß und für sich schon getestet hatte.

Ihm danke ich recht herzlich, denn aufgrund seines Guides ist sie mir wieder in Erinnerung gekommen. Also ist da ja doch was dran: Net nur Frau Dr. Gugl bildet, auch ReTe bildet. Ma glaubt‘s net. 😉

Vor Jahren versuchte ich schon ein, zwei Mal mein Glück, nur fand sich auf dem großen Platz vor der Piaristenkirche, der als Gastgarten dient, kein Platz, es war trotz beträchtlicher Anzahl an Tischen immer ausreserviert. Für Glücksritter war mal wieder nicht Saison.

Darum ließ ich mir für meine Besuche heuer einen Platz reservieren. Und nun in der Herbstzeit lernte ich so auch das Lokal im Inneren kennen. Anhand zweier Besuche habe ich mir ein kleinen Einblick verschafft und dabei meine italienischen Lieblinge ausprobiert.

Mich interessierte im Besonderen die Frage, ob sich danach auch meine persönliche Liste bevorzugter Italiener ändern könnte. Na, schau mer moi.


Besuch vom 11.11.2022 – Spaghetti time

Die telefonische Reservierung für 13:00 Uhr funktionierte klaglos, es war jedoch genug Platz, so hat man mir freie Platzwahl gewährt. Ich wählte einen Tisch im vorderen Teil um einen gewissen Blick über die Theke werfen zu können und Fensterplatz, weil ich auch brauchbare Fotos schießen wollte. Na, und außerdem zähle ich mich zu den Kindern des Lichts. 😉

Das Lokal sollte sich noch füllen. Einige Zeit später belegte eine gesamte Schulklasse den hinteren Teil, ich fürchtete schon um meine Seelenruhe, welche aber in sanfter Ruhe verweilen konnte. Es waren ganz vorzüglich brave Kids, so ca. 11-12 Jährige, also noch keine Teenies, dafür aber sehr gesittet. Kompliment!

Mein Kellner entpuppte sich als echter Neapolitaner, weil ich bzgl. der Pizzen (oder Pizze?) nachgefragt habe, welcher Stil hier gepflegt wird. An sich wusste ich das schon, denn „Besserwisser“ wissen das ja, aber so bandelte ich ein Kontaktgespräch an. That‘s me, can‘t help! Er war klassisch italienisch sehr überzeugt von ihrer Qualität.

Für heute hatte ich mir simple Spaghetti vorgenommen. Zuvor kam noch ein Liebling dran, Vitello Tonnato (15,90€), welches sehr gut gemundet hatte. Das Kalbfleisch war aber schon mehr durch, den gewissen medium Rosaton fand ich nicht vor, sonst hätte es ein Ausgezeichnet gegeben.

Dafür war die Tonno-Note fein und zart und schaffte den herrlichen Ausgleich. Überdies fand ich die Präsentation recht originell mittels Tube aufgetragener Tunfischpastete ein Verzierungsmuster darüberzulegen. Dazwischen platzierte man kleinere Kapern. Beigestellt wurde ein Körbchen mit Weißbrot, ein sehr schöner Start.

Was ich lobend erwähne, da ich mir schon über Gebühr Zeit dem vergnüglichen Verzehr ließ, sodass man mich vorsichtig gefragt hatte, ob man mit den Spaghetti noch warten solle, was ich bejaht hatte und dem auch Rechnung getragen wurde, das erhielt mein Wohlwollen.

Doch einmal mussten sie kommen, sie waren für heue ja Hauptdarsteller. Es waren simple Spaghetti aglio, olio e peperoncino (9,50€), wie ich sie aber liebe, die ich vorweg gleich scharf geordert hatte und dem mit geballter Faust noch Ausdruck verlieh, womit ich mit „scharf“ auch meine ernste Entschlossenheit demonstriert hatte.

Sie kamen dann doch unter meinem Standard Scoville-Wert für „my personal spicy value“, aber ok, sicher schärfer als für den 0815-Wiener-Gast. Darum brachte mit der Ober noch eine Flasche Chilli-Öl, naja, leider keine richtigen Peperoncino, aber so konnte ich noch zart nachschärfen. Zuviel nicht, um nicht den Ölgeschmack noch mit hineinezuziehen, Schärfe will ich, Öl war schon genug vorhanden.

Die Nudeln waren passabel, ich liebe die hellere Sorte, warum kann ich nicht sagen, so ist es eben, der höhere Weizenanteil ist meine Richtung, sie wirkten aber etwas glasig, also blasser, vermutlich ist der Eianteil geringer. Ansonsten wären sie Top gewesen.

Knoblauchscheiben hätte ich mir mehr erwartet und Öl hätte etwas reduziert werden können, insgesamt aber ganz meine Linie. Ja, ich habe einen neuen auf meiner Liste! Insofern ist das Experiment gelungen.

Einen netten Service-Aspekt möchte ich hervorheben. Man sah mir meine doch etwas potscherte Art an, wie ich die Nudeln mit der Gabel allein aufzudrehen suchte und mein aufmerksamer Neapolitaner bot mir ungefragt einen Löffel an. Damit eröffnete sich eine kleine Diskussion, ob es für Italiener ein NoGo ist Spaghetti mit Löffel zu essen.

Er reagierte zunächst vorsichtig diplomatisch und meinte, wie ich will, aber meine Frage war wie es denn die Italiener wollen. Und so sagte er im Süden, wo er herkommt, gibt es dazu keinen Löffel und im Norden ist es halb halb. Nun gut, dann sieht das Nord-Süd-Gefälle so aus, dass es in Österreich mit Löffel erlaubt sei. Ich werde aber auch löffellos weiter üben. 😊

Aufgrund des schönen Ersterfolges bat ich um eine weitere Reservierung für kommenden Montag, um dann meine Tour für Pizza fortzusetzen, wovon der nachfolgende Teil handelt. Die darf man ungeniert mit Messer und Gabel essen, auch sogar auch ganz ohne.


Besuch vom 14.11.2022 – Pizza time

Ich erhielt wieder meinen Tisch wie zuletzt, aber einen anderen Kellner. Aufgefallen ist mir diesmal, dass das Personal durchwegs recht mürrischen Blicks unterwegs war, lediglich mein Kellner zeigte auch Spuren des Lächelns im Gesicht. Na also, geht doch. 😊

Heute war Pizza Tag und ich war gespannt, ob sich Offenbarungen auftun würden. Ich wählte die Pizza Capitano klein (12,90€), die in gefühlt unter 10 Minuten meinen Tisch zierte. Dir Normalgröße kostet nur 1€ mehr, also 13,90€. Optisch hübsch und der Duft der Holzkohle stieg angenehm sanft in meine Nase.

Die Auflagen waren sehr gut, nicht überladen wie sich das gehört, aber mein ganzes Augenmerk galt dem Teig. Aha die sogenannte neapolitanische Variante ist das alos, recht dick aufgeblähter Teig am Rand. Ein Anschnitt und entpuppte sich als sehr weich, was bis zur MItte hin gleich geblieben ist.

Geschmeckt hat der Teig durchaus gut und die sanfte Rauchnote blieb noch längere Zeit erhalten, nur fehlte es an der gewissen Knusprigkeit. Tja, es dürfen die Italiener gerne weiter um die Vorherrschaft des einzig wahren Pizzateigs buhlen und die Neapolitaner ihr Rezept markengeschützt verteidigen, am Ende zählt doch, ob es auch mundet.

Aber ich verstehe es auch, man wächst in einer bestimmten Kultur auf, die dir anerzogen wird und lernt sie auch so lieben. Desgleichen würden wir Wiener niemals die Deutungshoheit für unser ach so geliebtes Wiener Schnitzel abtreten.

Daher ist meine Wertung kulturell gesehen wohl inkompetent, diese aber ehrlich. Der Teig ist also gut, keine Frage, weit über jeder Billig-Fladen-Pizza der zu Abertausenden uns überschwemmenden FF-Gastronomie, nur halt nicht ganz meins.

Danach folgte Liebling Nummer 4, ein Tiramisu (5,90€). Das wiederum war eine Sensation. Zart, weichcremig, intensiv in den Aromanoten nach Mascarpone, Rum und Kakao, herrlich, ein sattes Ausgezeichnet.


Allgemeines Resümee zu den beiden Besuchen:

Die Preise mag jeder selbst beurteilen, sie sind absolut geerdet, also für meine Begriffe auch günstig.

Das Ambiente, naja, ich muss ehrlich gesagt eingestehen gefällt mir nicht. Durch die lange Theke wirkt der Raum wie ein Schlauch. Die gelbe fahle Mauerfarbe dämpft dazu meine Stimmung. Gut, dass ich einen Fensterplatz gewählt habe. Im Sommer werde ich sicher das Freie bevorzugen, aber als "schön" kann ich ihn auch nicht bezeichnen. Es fehlt mir das grüne Element.

Die Speisenqualität meiner Lieblinge war sehr gut, bedingt durch meine Vorliebe für knusprigen Pizzateig wird sich in meiner Liste dabei nichts verschieben. Für Spaghetti habe ich eine neue Adresse gefunden. Neu heißt nicht besser, aber ein weiterer Player im Repertoire.

Unter den Getränken habe ich einen recht guten Primitivo aus der Rosso-Fraktion als Reisebegleiter gefunden, 4,20€ für 1/8l, aber er hinkt anderen doch nach. Espresso Doppio (4,40€), Marke Kimbo und Grappa gelagert im Eichenfass (6,50€) für den Ausklang waren tadellos.

Was den Service betrifft, so dürfte ich Glück gehabt haben, wenn ich lese was andere berichtet haben. Das hat sich sicher etwas manipulativ auf mich ausgewirkt, als ich doch mehrere mürrische Gesichter des übrigen Personals beobachtet habe. Ob das immer so ist kann ich mit nur zwei Besuchen aber nicht sagen.

Aber nichtsdestotrotz erhielt ich bei beiden Besuchen nach Begleichung der Rechnung noch ein Stamperl auf Haus, beim ersten Mal stand ungefragt eine Limoncello am Tisch und beim zweiten Mal fragte man mich sogar was ich möchte. Dann wählte ich nochmals den besten Grappa, what else?

Tja, man muss auch Glück haben, das verbuche ich für mich unter „Kinder des Lichts“. ❤️


Meine subjektive Kritik nach zwei Besuchen:

Die Hauptdarsteller im Pizzeriatheater in der Josefsatdt überzeugten leider nicht ganz wie erwartet, aber die Nebenrollen waren ganz hervorragend besetzt.

Die Authentizität als "italienisch" sehe ich gegeben, die Sprache wird auch untereinander gesprochen, hat aber deutlich Potential nach oben. Das sog. temperamentvolle und herzliche Auftreten, speziell dem Gast gegenüber, wurde nicht wahrgenommen. Es büßt damit die bessere Servicenote ein.

Für den Hunger nach Spaghetti gibt es gerne ein Arrivederci zur Sommerzeit vor der Piaristenkirche, je nachdem sich eine günstige Gelegenheit bietet, bei Pizzagelüsten verbleibe ich hingegen bei meinen mir bereits ans Herz gewachsenen Favoriten wie z.B. das Il Mare oder Danieli. Ein Vorteil sei zugestanden, hier sind die Preise etwas günstiger.

Für die Winterzeit gibt mir mein eigener Sextant aber doch eine andere Richtung vor und es wird dann wohl heißen: So long, good by my love! 😊
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Glacis Beisl – Eine Gartenidylle Wiens Der Rekord-Altweibersommer des heurigen Jahres 2022 hat mich animiert das Glacis-Beisl häufiger als sonst zu besuchen. So waren es allein im Oktober drei B... MehrGlacis Beisl – Eine Gartenidylle Wiens

Der Rekord-Altweibersommer des heurigen Jahres 2022 hat mich animiert das Glacis-Beisl häufiger als sonst zu besuchen. So waren es allein im Oktober drei Besuche, die jeder für sich schon fast so etwas wie Kurcharakter hatten.

Gut versteckt am Rande des Museumsquartiers und von außen nicht wahrnehmbar entpuppt sich beim Betreten einer der wohl schönsten Gastgärten Wiens, der aus dem Grund auch auf einigen Webseiten gelistet wird. Von meinen früheren Besuchen weiß ich, dass man hier nicht nur idyllisch sitzt, sondern auch sehr passabel isst.

Dazu ein paar Takte mit dieser Bewertung. Aber lasst mich noch ein wenig vom Ambiente schwärmen. I'm loving it!

Meine Seele jubiliert beim Anblick einer schon fast würde man meinen Waldatmosphäre, obwohl man die Bäume an einer Hand abzählen kann. Und welche Stimmung vermittelt wird, wenn man ihn in der Dämmerung genießt, schlägt für meine Seele jeden Kuraufenthalt, ja schön wär’s, es funktioniere immer so.

Aufgrund der Internet-Bewerbung weiß das wohl nicht nur ich allein, so ist es bei schönem Wetter Pflicht sich seinen Platz reservieren zu lassen. Am Empfang sitzt zu dem Behufe eine junge, sehr nette Dame, welche dir deinen Platz zuweist, ankommende Gäste dorthin führt und gleich Speisekarten mitnimmt, die sie darreicht.

Hat man Platz genommen, dauert es in der Regel nicht lange, schon ist der Service präsent. Aufgrund meiner zuletzt gehäuften Besuche war ich mehreren Personen schon bekannt und es erfolgte die Begrüßung auch mit Handschlag. Ein anderer zwinkerte mir schon von der Weite mit den Augen zu.

Was mich betrifft schätze ich das. Meiner Seel‘, sag dazu, des is jetzt aber scho eitel, gell? Aber nein, sie kann das nicht und meint dazu, des passt scho. 😊

Die Speiskarte gliedert sich in eine Hauptkarte mit einer recht straff gehaltenen Standardauswahl, einer Wochenkarte und dem Tagesteller. Nachdem ich die Standardkarte so gut wie durch bin, von der ich grundsätzlich alles soweit empfehlen kann und mit einem durchgängigen „Sehr gut“ bewerte, konzentrierte ich mich bei meinen letzten Nachmittagsbesuchen auf die Wochenkarte und werde auf meine noch in Erinnerung verbliebenen Eindrücke ein paar Reime dichten.


Suppen – meine Standard-Vorspeise

Zuvor auch meine vielleicht schon ebenso typische erste Strophe der Standard-Suppen-Ansprache: Die RS-Basis ist vorbildhaft und ein wahrer Genuss. Klassische Gemüseeinlagen werden extra zubereitet, was an ihrer schönen Bissfestigkeit noch leicht knackig zu derbeißen ist.

So mag ich das. Die weiteren Einlagen passen auch, es gilt sozusagen Wiener Standard, der auch eingehalten wird. Einmal war auch ein Kaspressknödel dabei, den ich mir nicht entgehen ließ. Die RS gehört hier zu meinen klaren Favoriten innerhalb Wiens und deren Liste ist bei mir weiterhin immer noch einstellig.

Sie ist ihren Preis (aktuell 5,40€) absolut wert und die Überschrift auf der Standard-Klassiker-Karte „Hausgemachte Rindsuppe“ unterschreibe ich.

Damit ich verwöhnter RS-Freak aber auch mal was anderes esse, so sollte es auch eine Zwiebelsuppe (5,60€) sein. Kräftig und intensiv, die Basis wieder RS, schön angereichert mit sichtlich lange mitgeschmorten Zwiebelstreifen und toller dunkler Farbe. Kleine Einlagen mit dreieckig geformten und gratinertem Toastbrotstückchen ergänzten den Genuss und rundeten es wohltuend ab. War ebenso sehr gut.

Erdäpfelsuppe liebe ich immer wieder, wenn sie angeboten wird, bin aber auch da zugegebenermaßen verwöhnt. Naja, fragen wir mal, wo nicht? 😉

Die Wochenkarte hatte sie einmal um gute 5,80€ gelistet, also gut, dann zu Tisch bitte. Naja, net von schlechten Eltern, so mal eine erste Begutachtung, Basis wieder RS, ohne Obers und nicht cremig ist auch eine Herausforderung, konnte aber im Geschmack auch punkten.

Etwas schlampig serviert, was mich etwas irritiert (also es stimmt, ich bin verwöhnt), wenn sie verschüttet daherkommt, aber das lassen wie dem sympathischen Kellner nach. Weniger passend fand ich die Champignons, das sollten bei mir Steinpilze sein, denn sie sind auch entsprechend geschmacksbildend und das hätte sie noch verbessert.

Nachgefragt beim Service kam eine etwas für mein Amüsement erheiternde Antwort: „Das geht nicht bei dem Preis.“ Ok, ich habe aber auch schon schlechtere Argumente gehört. Also man will Spitzenqualität liefern und dann soll es am Preis scheitern? Mein Gott, dann verlangt‘s halt um 20 Cent mehr, es …. ! Aber das letzte „es … “ hörte der Kellner nicht., denn das dachte ich mir nur.

Und eine hätte ich noch auf Lager, eine saisonale Kürbiscremesuppe (5,60€). Sie war gut, recht professionell zur Präsentation aufgeschäumt und darunter ein Kürbis-Kernöl-Spiegel in schillerndem grünlichem Farbton. Ah, hier machte man es also richtig an der Qualitätsschraube nicht zu drehen, es geht ja doch. :)

Einziges Manko, für mich zu dünn. Bei solcher Art Suppe bevorzuge mehr Cremigkeit, d.h. sie war sehr brav abgeseiht, dennoch geschmacklich für meinen Gaumen gut bis sehr gut.


Gerichte von der Wochen- bzw. Tageskarte

Ich komponiere ein paar Lobes- bzw. Nörgeltakte zu drei Hauptspeisen aus der Wochen- bzw. Tageskarte und beginne mit einem recht außergewöhnlichen Fischgericht, ein gebratener Hecht, was man nicht so oft liest. Nicht billig um 28,70€, aber er war das Geld wert.

Unglaublich feste Struktur, fast schon wie Fleisch, wie ich das so nur bei einem Seeteufel bislang kannte. Ein klasse Gericht, dazu ein Püree recht kräftig, nicht zu feincremig, allerfeinst und am Boden ein geschäumtes Soßerl, was ich aber nicht mehr weiß, was es war – mea culpa – aber was ich weiß: sensationell.

Die Hausmannskost durfte nicht zu kurz kommen, repräsentiert durch ein Erdäpfelgulasch (12,90€) mit ausnehmend gutem Saft, nicht zu sämig und kräftig würzig, wie ich es liebe, die Erdäpfel in großen Stücken, mehlig, passt hervorragend, ich muss das bei mir zu Hause ändern, denn ich verwende meine Standard Ditta, aber ich stelle hier fest, mehlige passen für dieses Gericht besser.

Welche Wurstarten verarbeitet wurden war wieder so ein Fragzeichen, nicht so rauchig, aber erhebend, aber was war es genau? Also fragte ich den Kellner und nach Rückfrage in der Küche kam ans Tageslicht: Es war eben nicht eine Sorte, sondern ein Mix aus Braunschweiger und Frankfurter, Pfieke mit Namen sozusagen. 😉

Absolutes Highlight, fast schon Sonderklasse war der Kümmelbraten zu 15,70€. Oh, mein Gott, der schlug bislang etliche Heurigen, wo man das bei den besseren üblicherweise gut hinbekommt.

Nicht so fettig und trotzdem saftig, das Krusterl im wahrsten Sinne des Wortes zum Reinbeißen, dass es nur so knackt und kracht, dazu ein kräftig einreduzierter Saft, eine pure Verneblung meiner Sinne in höchster Freude. Das erlebe ich nicht alle Tage, er muss absolut frisch gewesen sein, sonst geht das gar nicht, von mir eine Top 6 (aber mehr als 5 geht hier net).


Zur Getränkeauswahl verweise ich auf die HP. Die Weinkarte ist repräsentativ in ihrer Auswahl, mittleres Preissegment, aber von mir nicht sonderlich erwähnt, meist greife ich hier auf meine Standards zurück.

Aber gut ist hier mal der Kaffee (Rösterei Alt Wien) und ein vom Kellner mir empfohlener hausgemachter Nussschnaps, naja was sonst bei mir, schon wieder ein Standard, aber der Kellner erklärte mir, dass er an der Produktion beteiligt, deshalb kennt er alle Komponenten, Hut ab!


Mein Nachruf – subjektiv, aber kritisch

Man kann das Glacis-Beisl für meine Begriffe nicht als typisches Beisl einstufen, obwohl es den Namen trägt, oder sagen wir so, ich würde es nicht als ein ausgesprochenes Wiener-Beisl einordnen, aber es ist mit Sicherheit ein anspruchsvolles und in dem Sinne gehobenes Lokal. Was es auch gut macht ist das in gewissem Rahmen individuelle Angebot.

Die Speisen sind teils Wiener Küche und teils allgemein Österreich-Liga., Mir ist das Angebot der Standardkarte etwas zu spärlich, sodass ich, wenn ich auf der Wochenkarte nichts Geeignetes finde, dort zu wenig meiner Klassiker vorfinde, auf die ich zurückgreifen könnte.

Ich will nicht immer nur Wr. Schnitzel oder die ausnehmend gut zubereitete Bachforelle essen, auch wenn diese Gerichte makellos sind. Als Repräsentant für die Wiener Küche vermisse ich meinen geliebten ZRB, ein Schweinsbratl oder als Nachtisch z.B. einen Kaiserschmarren.

Aber was gekocht wird ist durchgängig von überdurchschnittlicher Qualität, insofern vergebe ich ein „Sehr gut“ mit einem reinen Gewissen.

Was den Garten angelangt, so geht es kaum besser und verdient Höchstnote. Wenn das Wetter nicht so passt bzw. für die nun anbrechende Herbst/Wintersaison hat das Lokal einen Vorbau als Wintergarten und danch kommt man in die Innenstube.

Diese ist allergings wirklich nicht mein Geschmack. Die Tische mit grünen Resopalplatten gingen ja noch, aber insgesamt hat mir der Look noch nie gefallen und wirkt auf mich steril und a wenig zappenduster. Man sollte das mal auswechseln oder überarbeiten. So bin ich hier ein typischer Sommerbesucher. Insgesamt trübt das die Note für das Ambiente, aber zugunsten des Gartens belasse ich es bei einer 4.

Mit dem Service bin ich zufrieden. Eine fixe Einteilung gibt es nicht, es kommen mit der Zeit alle vorhandenen Kräfte ins Spiel, einmal zählte ich fünf Personen, mit der Empfangsdame wären es sogar sechs, die sich im Laufe eines Besuches um mich gekümmert hatten, aber ich könnte nicht sagen, dass es nicht funktioniert hätte.

Mir gefällt natürlich auch der persönlich gewordene Einschlag, das macht es mir persönlich angenehm und sympathisch, nur versuche ich das auch objektiv darzustellen, und so hat er keine herausragende Note und ich bemesse ihn mit einem rundum gut, sprich das erfüllt die Erwartungshaltung.

Empfehlen kann ich das Glacis-Beisl jedenfalls als sehr gutes Lokal, nicht unbedingt als ein urtypisches Wiener Beisl wie dargestellt, aber als eines, das ich schon aufgrund der zentralen Stadtlage mit seinem meine Seele immer aus Neue faszinierendem Garten samt sehr guter Küche nicht mehr missen möchte.
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SpeisenAmbienteService
Der Kopp - Stirbt eine Legende? Auf den Spuren der Wiener Küche führte mich meine detektivische Spürnase über das Gasthaus Kopp zu einem interessanten in einem Guide versteckten Beitrag, der mir... MehrDer Kopp - Stirbt eine Legende?

Auf den Spuren der Wiener Küche führte mich meine detektivische Spürnase über das Gasthaus Kopp zu einem interessanten in einem Guide versteckten Beitrag, der mir ins Auge gestochen ist. Ich möchte ihn hier neu beleben (gelistet an 3. Stelle im Guide):

[Link] – vom Experten Amarone – mit einem herzlichen Dankschön meinerseits (gibt's den no, lebt er no?)

Köstlich wie unterhaltsam beschreibt Herr Amarone seine erste Gastronomieerfahrung als G’scherter (wie er sich selbst bezeichnet) mit Wiens Original-Beislszene, eine wie ich sie seit meiner Jugend kenne.

Dieses kleine m.E. prämierungswürdige Werk für einen Literaturpreis, mich erinnert es an Friedrich Torbergs Tante Jolesch, stammt aus dem Jahre 2013. Die Frage für mich stellt sich, wie es dem Kopp nach den krisengeschüttelten letzten Jahren ergeht. Aus seiner früheren HP erlaube ich mir zu zitieren:

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"DER KOPP" so nennen uns unsere Gäste, ist ein Gasthaus wie aus alten Tagen, seit den frühen 60er Jahren über 3 Generationen im Familienbesitz. Die Zeit hat zwar allgemein der Wiener Wirtshaustradition zugesetzt, aber in die Knie gezwungen wurde "DER KOPP" dadurch nicht.
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Wurde diese Proklamation zu Recht oder zu Unrecht von Patronin Kopp entfernt? So widmete ich „meinem“ Kopp in letzter Zeit einige Besuche um nach dem Rechten zu sehen.

Die Einrichtung ca. aus anno 1960 ist immer noch im Original vorhanden, und ja sogar der schon so richtig abgenutzte Blausiegel-Automat auf der Herrentoilette fristet noch sein alterndes Dasein. Mit Verlaub, ich kann nicht sagen, ob der noch funktioniert, ich hab‘ die Dinger nie gebraucht. 😉

Eine Abgängigkeitsanzeige für so manche Kellner muss ich vornehmen. Von denen sind leider Gottes einige Originale, wie z.B. mein beliebter Kellner Herr H., verschwunden. Das schmerzt, denn solche waren für ihren Wiener Schmäh unschlagbar, wie es Tester Amarone noch erlebt hatte.

Bei einem meiner letzten Besuche meinte ein über 50 Jahre treuer Stammgast: „Na, die san do söba Schuid, wia‘s mit denan umspringan, und bei die Preise jetzt greifst da am Kopf. Der wiad boid zuasperr‘n“.

Besagter Gast wohnt gleich vis-a-vis. Genüsslich verzehrt er dabei sein Wiener Kopp-Schnitzerl bis aufs letzte Bröserl. Schmecken tuat’s ihm noch unverändert und seine Gesamtrechnung belief sich auf unter 20€. Ist aber was dran, an dem was er sagt? Dem bin ich etwas nachgegangen. Zur Beruhigung: An den Preisen liegt’s m.E. sicher nicht.

Derzeit ist Mo und Di Ruhetag, was auch eine Zeiterscheinung ist. Man kann nur hoffen, dass es noch weiter Nachschub an nicht amtlich spaßbefreiten Personal gibt, weil man nunmehr aus der Personalnot heraus auch hier Kompromisse eingehen muss.


Küche mit Abstrichen

Ich muss mich hier damit abfinden, dass es eine Einheits-Jus mit mehliertem Charakter gibt. Diese gibt’s zum Zwiebelrostigen ebenso wie zum Kalbs-, Schweinsbrat’l oder Faschiertem. Passt dir das nicht, gibt es nur eine Empfehlung: Suach da a aunder‘s Wirtshaus. Das zu urigeren könnte klarerweise auch eine entsprechende Reaktion in Wiener Manier herausfordern. 😉

Die LKS gibt es traditionell am Sonntag, ansonsten z.B. mit recht dicken Frittaten solider Handarbeit oder stärkeren Nudeln. Die Suppe wird mit Kraftmitteln verstärkt, aber in der Regel nehme ich es nicht wahr. In Summe eine für Wirthäuser bodenständig typische Suppe, um einiges besser als der Durchschnitt.

Nur hierorts kenne ich eine Krautsuppe, die fein papriziert wird, aber gegen früher in ihrer Üppigkeit nachgelassen hatte. Speck lass nach! Dafür kam das Kraut besser zur Geltung. Sie mundete mir leider schon besser und hatte diesmal eine blasse Farbe. Vieleicht war es auch nur Tagesverfassung.

Dazu eine kleine Anekdote, als ich so schön langsam und genüsslich am Löffeln meiner Suppe war, marschierte schon die Hauptspeise heran, was Kellner H. wie folgt kommentierte: „Junga Mau‘, die Schlogzohl a biss’l erhöh’n, es Schnitz‘l warat scho do.“ Ich konnte nur lachen.

Bei manchen HS möchte man mit Masse punkten, also Masse statt Klasse, besonders gilt das z.B. für den Schnitzel-Klassiker, hier vom Schwein oder die Spareribs. Es gibt nun auch eine kleinere Portion, wo man nur ein Schnitzel erhält, man hat sich an Senioren angepasst.

Es glänzt dafür in seiner goldgelben 1er-Panier aus der Fritteuse. Die Soufflierung kommt manchmal zu kurz. Nun, that’s Kopp. Es enthält für meine Begriffe zu viel Fettgewebe im Fleisch.

Noch eine kleine G‘schicht aus meinem Repertoire. Als ich die Megaportion des Schnitzels noch nicht kannte und ringend darum kämpfte Speisereste nicht der MA30 zu überlassen, dann aber doch aufgeben musste, fragte Kellner H.: „No, wia schaut‘s aus, muass i scho evakuieren?“ Ich konnte mich eh kaum mehr rühren, aber das schüttelte den Bauch samt Zwerchfell nochmals durch.

Kalbsbraten oder ZRB sind recht gut, der ZRB, wirklich ein Rostbraten (!) schön gedünstet mit passablen Bratkartoffeln. Die Röstzwiebeln naturbelassen, etwas bräunlicher, kleiner und feiner geschnitten, nicht so turmhoch aufgehäuft und im Geschmack wesentlich besser als der große Durchschnitt.

Salate werden vorwiegend nach Wiener Art dressiert, das heißt recht süß und stößt nicht auf jedermanns Liebe, wohl aber auf meine, mit nur selten mehr Anteil an roten Zwiebeln und dennoch herzerfrischend oberschlotzig, rein optisch nicht ganz der Bringer, aber geschmacklich passabel, wienerisch alos.

Meine letzten Erfahrungen waren aber leider Gottes auch negativ. Zu Faschierten Laberln servierte man ein aufgewärmtes Erdäpfelpüree, und das zu Mittag (!), wo sich am Rand schon einige harte Krusten gebildet haben.

Als ich das urgiert habe, meinte Kellner W. recht abfällig: „Na des gibt’s net, bei uns is ois frisch.“ Es wurde schlicht ignoriert, obwohl ich einen Teil des "corpus delicti" zum Herzeigen übrigließ. Der Teller wurde einfach abserviert ohne hinzusehen und weg war mein Beweismittel.

Ein Spanferkel hatte ein recht klasses Krusterl, so weit, so gut, aber das Kraut schmeckte leicht angebrannt. Mein Tischnachbar hatte es übrigens auch bestätigt. Die Urgenz beim Kellner U. verlief im Sand. Seine Reaktion war zwar deutlich freundlicher, es blieb aber nicht desto trotz ergebnislos.

Beim letzten Besuch gab es Paprikahenderl, an sich eine meiner Leibspeisen, wieder von der Tageskarte, wo aber der Saft aus meinem Mund nur ein „wäuh“ hervorbrachte. Da war er wieder, der mehlige Charakter, der es hier aber richtig verpatzt hatte und kaum eine Paprikanote war zu orten. Auch davon nahm man keine sonderliche Notiz, als ich das vorgebracht habe.

Entdeckt man da schnöde Convenience bei der Tageskarte, und das in einem Traditions-Wirtshaus? Und warum wurde man taub für eine Reklamation? Leute, ich sage, da hat's was, das ging früher doch besser, oder nennen wir es ehrlicher. Muss man sich an das nun auch hier gewöhnen, weil man z.B. in der Küche ebenso mit dem Personal rauft? Ich will's nicht glauben.

Lediglich der Kaffee hat sich gebessert, der grausliche Schärf, der mehr Schaum als Kaffee war, wurde seit einiger Zeit gegen Helmut Sachers ausgetauscht. Und der Nussschnaps dazu passt auch noch, zur Verdauung, versteht sich. Ein Lichtblick. 😉


Stirbt eine Legende?

Die Wirtshausoptik mit teils überladenen Wanddekorationen entspricht zwar nicht meinem persönlich bevorzugten Stil, ist aber sicher unverzichtbar für diese Art Beisl. Und wer’s mag! Da heute das Rauchen kein Thema mehr ist kann man beide Gasträume gleichermaßen aufsuchen. Der Schankraum ist dazu auch uriger.

Dazugesetzt wurde immer schon, was ich bei der Art Gasthaus richtig finde und ich ebenso peraktiziere. Man muss so gut wie nicht reservieren, es sei denn man kommt in größerer Anzahl. So lernt man Leute kennen, den richtigen Wiener sozusagen, vom Primarius eines KH bis hin zu seiner Reinigungsskraft, der Tante Mitzi. Man muss dafür aber auch ein Herz haben.

Als Freiluftfan nutze ich den Schanigarten, der zweigeteilt ist, der vordere Teil mit naturbelassen mächtigem Holz ausstaffiert und der rückwärtige in einem Standard-Look. Trotz Verkehrsaufkommen ist er gut abgeschottet und mit ausreichend Grünzeug umgeben, sodass man Fahrzeuge so gut wie nicht wahrnimmt.

Erlebnisse eines, wie eingangs erwähnt, Amarone treten leider den Rückmarsch an, jedenfalls war bei meinen heurigen Besuchen nicht viel mehr davon übrig. In dieser Hinsicht stirbt quasi ein Körperteil, ja ein gar lebenswichtiges Organ dieser Körperschaft, oder gar seine Seele?

Das Preisniveau ist trotz Anpassungen immer noch ok und aus dem Grund kommen sicher viele weiterhin her. Na weil man beim Schnitzel für die meisten auch nicht wirklich so viel falsch machen kann.

Für gewisse Kompromisse hinsichtlich der Küche in Sachen Wirtschaftlichkeit hat man entweder das Verständnis, und ich konnte es bisher auch aufbringen, wie ich das mit den Saucen seit Jahren habe, oder ich sag‘s mal auf Wienerisch: Dann schleich’st di hoit von do. 😊

Mittlerweile hat er das geschafft, dass ich diesem harten Rat tatsächlich Folge leiste. Ich werde meine Besuche reduzieren. Die Abstriche, die man ohnehin in Kauf nehmen muss, dann dreimal hintereinander Küchenfehler gepaart mit der Ignoranz im Service haben mir gereicht. Ich bin woanders weit mehr zufrieden. Der einst hier gelebte Wiener Schmäh fehlt ebenso.

Ich finde es schade und es bereitet meiner Seele Schmerzen. wenn der Kopp zu einem unterdurchschnittlichen Gasthaus herabsinkt, er hätte das nach so vielen Jahren nicht verdient. Was ist nur aus der Legende geworden?

Diejenigen Kellner, die Madame Kopp wieder ins Feld geschickt hatte, sind sicher froh wieder ihre Arbeit zu haben, der Rest musste sich eine neue Bleibe suchen. Falsche Loyalität war aber noch nie meins. Wenn die Küche mal Scheiße baut, dann muss das anders verarbeitet werden, ansonsten betrachte ich mich hier nicht als Gast.

Ob sich die Zeiten wieder ändern? Besser werden sie erfahrungsgemäß nicht, jedenfalls nicht was die Personalsituation angelangt. Gegenwärtig scheint man immer noch die Wunden der gegenwärtigen Krisensituation zu lecken, aber dafür kann der Gast auch nichts. Ich tät ja kommen, aber dazu muss zumindest die alte Küchenkonstanz punkto Qualität wieder passen.

Ob die ehemalige Legende Kopp eine bleiben wird, kann man bestenfalls hoffen, aber dazu muss man sich den gegenwärtigen Herausforderungen m.E. stellen und sie auch als Chance sehen gestärkt daraus hervorzugehen. Den Eindruck habe ich derzeit nicht, zweitweise vegetiert er m.E. mehr als er blüht.

In der Form empfehle ich den Kopp gegenwärtig nicht als "den" Repräsentanten schlechthin unserer Wiener Gasthauskultur und heimischen Küche, wünsche mir aber, dass sich das doch wieder ändert.


Vergelt’s Gott und hawe d‘Ehre
Euer WrKFan
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2 Kommentare

Ich werde sicher wieder hinschauen, gelegentlich halt und dann Speisen nehmen, die unbedenklich sind. Wird man aber von der Tageskarte enttäuscht, die normalerweise in einem typischen Gasthaus bodenständig ist und ich mir dazu hilflose Kommentare von Kellnern anhören muss, dann reduziert sich meine Frequenz nun mal, bei aller Liebe zum Wiener Wirtshaus. In der Hinsicht gibt es noch genug andere, die man in Wien aufsuchen kann oder ich koche daheim selbst.

19. Okt, 08:37·Gefällt mir

Schade um dieses einst bodenständige Wirtshaus. Ich frage mich aber, ob wir im Alter, durch unsere zahlreichen Lokalbesuche und Berichte genauer hinsehen. Ich hatte früher sicher nicht viel hinterfragt in der Gastronomie, was ich aber heute sehr wohl tue. Meine Ansprüche sind auch höher geworden. Ich liebe sie auch, diese Relikte aus vergangenen Zeiten. Vor über 10 Jahren habe ich schon das Beislsterben beklagt. Aber will ich dort heute mein Geld lassen für unterdurchschnittliche Küche, schlechter Performance, Fleisch aus zweifelhafter Herkunft? Vielen Landwirtshäusern geht es ähnlich wie denen in der Stadt, denn der ortsansässige Fleischhauer hat schon lange zugesperrt und das Fleisch wird auch bei Metro und Konsorten zugekauft. Die Preise haben auch bei diesen oft sehr günstigen Wirtshäusern stark angezogen. In Meidling z.b. gibt es gerade noch eine Handvoll von diesen alten Wirsthäusern, aber ehrlich gesagt, will ich dort gar nicht mehr essen gehen. Auf ein paar Getränke ja, auf ein paar Würstel dazu, aber mehr auch nicht. Die Gemütlichkeit ist auch oft verloren gegangen. Die Kartendippler sind fast alle verschwunden. Das hat alles nichts mehr mit den ursprünglichen Beisln zu tun, wo sich alle Gesellschaftsschichten getroffen haben.

19. Okt, 06:54·Gefällt mir2
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Loibnerhof – (m)ein Landgasthof der Superlative Die Wachau zählt für mich zu den beliebtesten Ausflugszielen. Neben mehreren Anziehungspunkten dieser reizvollen Gegend gab es so etwas wie Liebe ... MehrLoibnerhof – (m)ein Landgasthof der Superlative

Die Wachau zählt für mich zu den beliebtesten Ausflugszielen. Neben mehreren Anziehungspunkten dieser reizvollen Gegend gab es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, als ich den Loibnerhof der Familie Knoll das erste Mal betreten hatte.

Wo bin ich hier gelandet? Ein Rest’l des Garten Edens, wo man vergessen hatte, dass wir Sterbliche den gar nicht mehr betreten dürften? Die Familie Knoll hat wohl eine Ausnahmegenehmigung vom Himmel erhalten.

Ich beschreite im Sommer den Eingangsbogen und komme aus dem Staunen nicht heraus. Es eröffnet sich ein riesengroßer Garten mit mehreren Bereichen. Mittlerweile schon an die Schönheit der kultivierten Apfelbäume gewohnt werde ich meistens im rückwärts gelegenen Bereich untergebracht, wenn man zu zweit herkommt. Für Gruppen ab ca. 4 Personen sind die heurigenartig angelegten Holztische im Schatten der Obstbäume vorgesehen.

Sollte das Sommerwetter nicht ausreichend schön sein gibt es rechterhand den überdachten Verandabereich, der weiterhin den Einblick in den Garten ermöglicht, wo man regen- und windgeschützt sitzen kann.

Vis-a-vis dieses großen Gartenimperiums steht ein weiterer Hof der Familie Knoll, in dem wir zuletzt untergerbacht wurden, wenn die Wettersituation den großen Gartenbetrieb nicht mehr zulässt. Auch dort gibt es einen Innenhof samt zwei, drei Innenstuben in dem 4-kanthofartig angelegten Territorium.


Landhausküche der Oberliga

Was wäre ein schöner Landgasthof ohne seine ebenso vorbildliche Küche? Eine fantastisch kräftige Rindsuppe (5,80€) ohne Schummeln ist dann wohl selbstredend und ich wurde bislang noch nie enttäuscht. Sie ist regelmäßg der Start auf der kulinarischen Reise.

Andere Suppen, wie die Wachauer Fischsuppe (7,70€) "fischelt" für meine Begriff etwas zu wenig, sie wird mehr auf Basis eines Gemüsefonds hergestellt, ist aber deswegen keinesfalls schlecht. Favorit wird sie so halt bei mir nicht, dennoch ist die Qualität über jeden Zweifel erhaben. Etwas Dille drübergestreut gibt ihr eine entsprechende Note.

Auf der Karte fand sich eine Erdäpfelsuppe (6,90€), saisonal mit Eierschwammerl, auch die sehr brav und wohltuend, nur ist meine Erwartungshaltung auch da wieder anders. Ich hätte sie umgetauft auf „Eierschwammerlsuppe“, diese ergänzt mit kleinen Erdäpfelstückerl und mollig mit Obers angereichert. Als solche war sie wieder ausnehmend gut. Etwas flexibel muss man halt auch sein.

Auf der Abrechnung findet sich übrigens auch die Position „Schwammerlsuppe“, was damit also auch so stimmt. Dieses kleine Verwirrspiel sprachlicher Art könnte man m.E. bereits auf der Speisekarte korrigieren, ist mir aber erst später aufgefallen.

Soweit es mein Erinnerungsvermögen erlaubt werden die Fleischprodukte von der Fleischerei Höllerschmid bezogen, was dann schon für sich spricht und damit für hohe Qualität an der Endstation Gast verspricht, was ich bestätigen darf.

Am Wochenende widmet man sich dem Kalbsbraten mit Semmelknödelfülle oder dem etwas raren Kalbsnierenbraten, beides von mir sehr geschätzt, für die ich Top-Noten vergeben kann. Die aktuellen Preise habe ich leider nicht, da sie nicht auf der Karte waren, aber die Erinnerung an den feinen wie puristisch guten Geschmack eines zarten Kälbchens ist geblieben. Man möge mir das glauben.

Ein medium gebratenes Beiriedstück (relativ stabiler Preis von derzeit 33,80€) mit individueller bzw. saisonaler Beilage ist regelecht zum Niederknien ob der Zartheit des Fleisches. Für jedes Gericht wird ein herzhaftes Safterl zubereitet, eine anständig schöne einreduzierte Jus, die eine weitere Geschmacks- und Kraftquelle für den Gaumen darstellt.

Mein treue Begleitung entscheidet sich beim letzten Besuch für die geschmorte Lammstelze in einer Thymian-Jus mit Polenta und Gemüse, eine 1-er Wahl, das Fleisch butterzart, fällt fast schon alleine vom Knochen, das Ganze wunderbar gebraten. Ich durfte nur ein Stück kosten und gebe nur einen kurzen Eindruck wieder, es wurde mir nicht mehr erlaubt, meine Begleitung hatte es vorgezogen diesmal auf keinen Bissen zu verzichten. 😊

Und es gibt hier diese Ente, oh mein Gott, ich kann sie nicht jedes Mal bestellen, aber sie gehört wohl zu meinen in Österreich mir angebotenen Top-Favoriten und für die alleine komme ich schon gerne her.

Drei wunderschön ausgelöste Stücke, eine knusprige Haut, schon allein der Anblick lässt das Wasser im Munde zusammenrinnen, und wieder dieses herzhafte Kraft-Safterl, dazu zwei kleinere Erdäpfelknöderl und ein Apfel-Rotkraut werden zum Höhepunkt einer kulinarischen Reise.

Apropos kulinarisch. Recht nar(r)isch entwickelt sich mittlerweile ihre Preisgestaltung. Nun, billig war die gute Bio-Freiland-Ente noch nie, was ja auch nicht sein muss, aber mit 30,30 € wurde eine recht hohe Latte vorgelegt. Ob dies die gerechtfertigte Reaktion auf die gegenwärtige Energiesituation ist? Man fragt sich nur.

Beim letzten Besuch heuer noch 28€ und bloß ein paar Wochen später hat man nochmals nachgebessert? Brauchen auch Enten mehr Strom? Aber gut, das sei Politik-Kack und hier nur nebenbei erwähnt. Zurück zum schöneren Teil des Lebens.

Ich entschied mich beim letzten Besuch für einen meiner persönlichen Klassiker eines ZRB, weniger des Geldes wegen (aktuell 26,40€), sondern weil der noch gar nicht dran war, wie mir kurz bewusst geworden ist. Nicht dazu gehören Senf und der Gurkensalat, den ich persönlich regelmäßig dazu ordere, nur damit das am Foto nicht missinterpretiert wird.

Sicherheitshalber vergewisserte ich mich, ob er auch ein Rostbraten ist und nach Bestätigung wurde er bestellreif. Wie schon erwähnt ist Höllerschmid eine Kategoire für sich und so war es dann auch. Bissen für Bissen ein saftiger wie geschmacklicher Hochgenuss, nicht gespart wurde mit Größe und Dicke der Bratenscheibe. Und wieder dieses Tip-Top Safterl, ach sorry, falls ich mich wiederhole, na weil‘s halt wahr ist. 😊

Sehr angenehm wieder mal richtige Braterdäpfel zu sehen. Man hat sich schon so an die frittierten gewöhnt, dass es damit wieder eine Besonderheit wird. Etwas weniger überzeugend waren die Röstzwiebel. Die gehören für meine Begriffe mehr geröstet, also dunkler und sollten frischer sein. Eine seltene aber doch Schwachstelle hatte ich da in Sachen Knoll-Küche vorgefunden, sapperlot!

Als Dessert sollte man die hausgemachte Cremeschnitte probiert haben. die aber für meine Begriffe schon etwas zu fest und üppig ausfällt, sie ist nun mal ein Zuckerbomber ersten Ranges und wird nach Suppe und HS eine sportliche Herausforderung. Aber man ist hier stolz auf ihre Eigenproduktion wie uns die blonde Kellnerin im hübschen roten Dirndl versichert.


Weinbegleitungen oder härtere Gangarten

Die Knolls sind auch Winzer und produzieren ausgezeichnete Weißweine. In der Gegend wachsen für mich Österreichs beste Rebsorten für den Veltliner und Riesling, letzterer auf den Terrassen, der mein König und Favorit unter den Weißweinen ist. Ein paar Gläschen Federspiel, das 1/8l um 6,40€ dürfen meine Speisen regelmäßig begleiten.

Sie sind auch über den Handel oder ab Hof flaschenweise erwerbbar. Steht man mehr auf Rotweine werden einige zugekauft, da diese hier nicht dominant sind. Von mir begehrt ist Knolls eigener Marillenschnaps, der auf dem Niveau eines Gölles oder Guglhof mithalten kann, preislich sich aber darunter befindet, hier im Lokal 2cl um 5,90€.

Frau Grete Knoll, die uns kurz beehrt und sich selbst als „Auslaufmodell“ bezeichnet hat, weil die jüngere Generation mittlerweile den Laden hier schmeißt, schreibt sich aber immer noch auf die eigene Visitenkarte die Produktion ihres hausgemachten Nussschnapses (2cl hier um 4,40€). Nach getaner Speisevernichtung braucht man den eh zur Verdauung. Er ist ein wenig bitterer und weniger gesüßt als vergleichbar andere, aber das macht seine Note damit aus.


Meine zusammengefasste Lobrede

Über die Serviceleistung halte ich mich wie gewohnt bedeckt, denn er funktioniert ohnehin auch ohne meine Worte tadellos und zwar "mit alles". Ich sage aber ausnahmsweise, dass es auch attraktiv anzusehen ist, wenn in der sommerlichen Hochsaison neben geschult professionellen Kellnern in dem reizvollen Gastgarten nicht weniger reizvolle, ich vermute Ferialpraktikantinnen in traditionellen ländlichen Dirndln, den Service unterstützen.

Leute, da wünscht man sich noch etwas jünger zu sein, aber das sei eine andere Geschichte. Für den Loibnerhof hebe ich gerne die Taferl mit der Note „Ausgezeichnet“ für Ambiente und Service in die Höhe.

Zu den Speisen und Getränken meine ich schafft es ein Lokal nur selten, dass ich ein volles Ausgezeichnet für alles vergebe, manches wie die Ente oder die Kalbsbratengerichte verdienen das von meiner Seite ungeschminkt, aber die Landhausküche samt Weinbegleitung überzeugt insgesamt mit einem mehr als klarem „Sehr gut“ auf allen Ebenen.

So wartet man auf einen weiteren Grund und eine neue Gelegenheit eine unsere schönsten Gegenden Österreichs, die den Donaustrome begleitende Wachau mit allen ihren Vorzügen und Reizen wieder bereisen und genießen zu können.

Der Loibnerhof bildet in der Hinsicht mittlerweile einen kulinar(r)ischen Fixpunkt für meine Wenigkeit samt familiärer Begleitung. Möge die Familie Knoll ihn noch lange weiter so in bewährten Händen halten.
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Gute Freunde verlassen dich nicht Als das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ im Jahre 2021 für längere Zeit geschlossen war, versetzte mich das in einen leichten Schock. Erleichterung trat ein, nachdem ... MehrGute Freunde verlassen dich nicht

Als das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ im Jahre 2021 für längere Zeit geschlossen war, versetzte mich das in einen leichten Schock. Erleichterung trat ein, nachdem ich erfahren hatte, dass es renoviert wurde und gegen Ende 2021 seinen Betrieb wieder neu eröffnet hatte.

Gute Gasthäuser haben etwas gemeinsam mit treuen Freunden. Sie können sterben, aber verlassen werden sie dich zu Lebzeiten nicht. So war also dieses schöne Stadtgasthaus vorübergehend quasi in Spitalsbehandlung mit anschließender Reha und erfreut sich nun wieder bester Gesundheit.

Es ist in den Besitz der Müncher Augustiner-Bräu Kette gegangen, womit auch deren Bier Einzug gehalten hat und es haben sich die Pächter vom nahegelegenen Gasthaus Pöschl ein Herz gefasst, den Betrieb hier zu übernehmen, gute Gasthausfreunde also, denen die Tränen in die Augen kommen bei einem Spinat mit Rösti oder Kaiserschmarren, wenn’s sowas hier nicht mehr geben würde.

Für mich als Gast hat sich nicht viel geändert, aufgefallen ist mir, dass die Decke der Stube eine Stuckverzierung erhalten hat und die Täfelungen nachgebessert wurden, aber das Wichtigste ist wohl, es lebt wieder. Es hat mich nicht verlassen.

Bedingt durch die Altbausubstanz besteht es aus mehreren kleinen Stuben, Stübchen wäre korrekter, wobei eines davon gerade 2 Tische fasst. Auf der Singerstraße befindet sich ein Schanigarten, der für eine Stadtlage extrem gut angelegt ist und einem im Sommer das Gefühl vermittelt, man sitze in einem Garten, wenn rundum alles grün verwachsen ist.


Wiener Klassiker-Trilogie

Meine besondere Empfehlung genießt dieses Gasthaus, als ich es für meine Gäste gerne wähle, wenn’s darum geht ihnen die Wiener Speisen-Trilogie ans Herz zu legen.

Das beginnt mit der klassischen Leberknödelsuppe (4,60€), bei der alles passt und die Suppe wirklich eine feine Bouillon ist. Serviert wird sie nicht immer, aber oft so, dass der Teller mit der Einlage kommt und man in einem Extra-Kännchen die Suppe eingießt. Geschmacklich sehr gut, nur gehobene Lokale können es noch besser in Sachen Kraft.

Alsdann folgt der Wiener Bröselteppich (21,80€) inkl. Beilage in ansehnlicher Originalitäts-Treue, vom Kalb, versteht sich, perfekt souffliert, versteht sich und wie ich meine aus einer Fritteuse, versteht sich für mich hier auch. Wir reden hier nicht vom Ober-Level, sondern befinden uns in einem Gasthaus.

Jedenfalls braucht es sich nicht zu scheuen vor dem City-Konkurrenten, was keine Abwertung sein soll, lediglich handhabe ich das so, wenn ich Gäste betreue, dass ich es ihnen als eine 1-er Adresse in Sachen Wiener Kulinarik ans Herz lege und wir uns im Stadtzentrum befinden.

Die Trilogie wird abgerundet mit dem urtypischen Wiener Erdäpfelsalat, auch kombiniert mit Vogerlsalat. Da passt die Schlotzigkeit der Marinade, die Festigkeit der Erdäpfel und harmoniert perfekt zum Wiener Schnitzerl.

Wenn ich zurückblicke war dies hier meine häufigste Konsumation, eben deshalb, weil ich es hier mit bewährter Freundschaft-Handschlag-Qualität für meine Begriffe ausnehmend gut zu einem fairen Preis immer wieder genießen kann und ich „Down-Town“ dabei bin.


Jüngere Besuche

Im Sommer war ich hier über mittags und genoss ein Paprikahenderl mit Nockerln, das ausgezeichnet war. Die leicht dickcremige Paprika-Obers Sauce mit sanft pikanter Paprikanote und hausmännischen Nockerln gehört zu meinen Leibspeisen und das vergleiche ich daher mit der besten Zubereitung, und das ist mein zu Hause (😊), und ich sage sie können standhalten.

Lediglich den Preis weiß ich nicht mehr, aber das war von der üblichen Tageskarte und bewegte sich im Bereich um die 15€, haut also hin.

Diese Woche habe ich mir von der derzeitigen Karte die Selchknödel mit Sauerkraut (16,10€] vorgenommen, zu dem eine Extra Sauciere mit Knoblauch-Saft’l mitserviert wird. Mann, das war göttlich, ich habe selten so einen flaumig weichen und geschmackvollen Teig gegessen, das Kraut wohlabgestimmt in seiner Säure und nur wenig Einbrenn‘, dieses Saft‘l drüber und last but not least der Selchduft, ich muss es nochmals kurz sagen: Göttlich!

Begleitet haben mich zu Beginn ein Sturm, der gerade Saison hat, und dann ein Riesling vom Wieninger (1/8l 4,80€). Alles hier Wien bleibt Wien sozusagen. 😉


Allgemeine Aspekte

Die oben geschilderten Erfahrungen mache ich hier regelmäßig, also auch bei anderen Speisen, die ich jetzt nicht alle listen kann und möchte, und wenn ich mich so recht und schlecht zurückerinnere, weiß ich hier noch von keinem Ausrutscher oder einem sogenannten Ei’fohrer zu berichten.

Kurzum wie eben ein verlässlicher und guter Freund auch ist. Und wie sich das gehört wäre ich auch mal bereit zu verzeihen, aber ich musste das hier noch nicht.

Klarerweise muss in einem Gasthaus auch getrunken werden. Ich als nur Gelegenheits-Biertrinker verweise dabei auf die jüngst hier eingezogene Müncher Bierkultur und für diese netten bayrischen Nachbarn erlauben wir die Ausnahmegenehmigung, wir sind ja gute Nachbarn mit sehr ähnlichem Schmäh, versteht sich also.

Ansonsten werden gute regionale Weine gepflegt zu moderaten Innenstadtpreisen. Ich bin da ja schon mit weit größeren Schmerzen vertraut, Preise um die 4-6€ für ein Achterl zwicken mich heute nicht mehr .

Werbung benötigt dieses Gasthaus nicht, soweit lässt sich das sagen, und wer nicht reserviert, der erhält gerade mal einen Stehplatz zu den Hauptzeiten.

Es liegt zwar mitten in der Stadt aber dennoch bereits einige Meter von den vom Tourismus breitgetretenen Pfaden entfernt, so dass ich meine Gäste schon herführen muss. An den Gästen erkennt man, dass sich üblicherweise hier nur wenige verirren.


Wertung und Empfehlung

Das Personal erhält mein ausdrückliches Wohlwollen, als die Stammkellner auch noch das richtige Wienerisch beherrschen, was meine Besuche bereichert und man auf diese Weise auch immer wieder Insider-Tipps oder ein: „Hom’s scho g‘hört, …“ zu Ohren bekommt. Man tratscht schließlich auch gerne, net woahr?

Nun, wie bewerten wir die ganze G‘schicht hier? Als ein sehr guter Repräsentant für das Wiener Gasthaus mitsamt seiner Küche in sehr urigen Stuben und einem lauschigen Schanigarten im Herzen Wiens denke ich ist ein generelles sehr gut wohl angebracht mitsamt tadellosem Preis/Leistungsverhältnis, das liebe Geld hat am Ende ja auch noch immer ein Wörtchen mitzureden.

Ich darf es als solches mit gutem Gewissen als ein urtypisches Wiener Gasthaus mit Tradition dem sowohl Wiener als auch Nicht-Wiener ans Herz legen.
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