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Mi, 5. Oktober 2022
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WrKFan

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Über mich

Fan der Wiener Küche - koche auch selbst und wage es dabei ein wenig mitzureden, bin aber bereits mit "dürfen" zufrieden. 😊

Lieblingslokale

Zum Renner für Gasthäuser und Cafe Dommayer für Kaffeehäuser, das ist aber nicht in Stein gemeißelt.

Lieblingsspeisen

Wiener Küche allgemein, ansonsten alles was gut schmeckt. Es darf auch scharf sein.

Lieblingsdrinks

Wein, rot wie weiß, bevorzugt kräftige Sorten, aber auch ein simples Soda mit einem Hauch Zitrone

Liebstes Urlaubsziel

Österreichs Seen- und Bergwelt, Thermen

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1010 Wien
SpeisenAmbienteService
Gute Freunde verlassen dich nicht Als das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ im Jahre 2021 für längere Zeit geschlossen war, versetzte mich das in einen leichten Schock. Erleichterung trat ein, nachdem ... MehrGute Freunde verlassen dich nicht

Als das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ im Jahre 2021 für längere Zeit geschlossen war, versetzte mich das in einen leichten Schock. Erleichterung trat ein, nachdem ich erfahren hatte, dass es renoviert wurde und gegen Ende 2021 seinen Betrieb wieder neu eröffnet hatte.

Gute Gasthäuser haben etwas gemeinsam mit treuen Freunden. Sie können sterben, aber verlassen werden sie dich zu Lebzeiten nicht. So war also dieses schöne Stadtgasthaus vorübergehend quasi in Spitalsbehandlung mit anschließender Reha und erfreut sich nun wieder bester Gesundheit.

Es ist in den Besitz der Müncher Augustiner-Bräu Kette gegangen, womit auch deren Bier Einzug gehalten hat und es haben sich die Pächter vom nahegelegenen Gasthaus Pöschl ein Herz gefasst, den Betrieb hier zu übernehmen, gute Gasthausfreunde also, denen die Tränen in die Augen kommen bei einem Spinat mit Rösti oder Kaiserschmarren, wenn’s sowas hier nicht mehr geben würde.

Für mich als Gast hat sich nicht viel geändert, aufgefallen ist mir, dass die Decke der Stube eine Stuckverzierung erhalten hat und die Täfelungen nachgebessert wurden, aber das Wichtigste ist wohl, es lebt wieder. Es hat mich nicht verlassen.

Bedingt durch die Altbausubstanz besteht es aus mehreren kleinen Stuben, Stübchen wäre korrekter, wobei eines davon gerade 2 Tische fasst. Auf der Singerstraße befindet sich ein Schanigarten, der für eine Stadtlage extrem gut angelegt ist und einem im Sommer das Gefühl vermittelt, man sitze in einem Garten, wenn rundum alles grün verwachsen ist.


Wiener Klassiker-Trilogie

Meine besondere Empfehlung genießt dieses Gasthaus, als ich es für meine Gäste gerne wähle, wenn’s darum geht ihnen die Wiener Speisen-Trilogie ans Herz zu legen.

Das beginnt mit der klassischen Leberknödelsuppe (4,60€), bei der alles passt und die Suppe wirklich eine feine Bouillon ist. Serviert wird sie nicht immer, aber oft so, dass der Teller mit der Einlage kommt und man in einem Extra-Kännchen die Suppe eingießt. Geschmacklich sehr gut, nur gehobene Lokale können es noch besser in Sachen Kraft.

Alsdann folgt der Wiener Bröselteppich (21,80€) inkl. Beilage in ansehnlicher Originalitäts-Treue, vom Kalb, versteht sich, perfekt souffliert, versteht sich und wie ich meine aus einer Fritteuse, versteht sich für mich hier auch. Wir reden hier nicht vom Ober-Level, sondern befinden uns in einem Gasthaus.

Jedenfalls braucht es sich nicht zu scheuen vor dem City-Konkurrenten, was keine Abwertung sein soll, lediglich handhabe ich das so, wenn ich Gäste betreue, dass ich es ihnen als eine 1-er Adresse in Sachen Wiener Kulinarik ans Herz lege und wir uns im Stadtzentrum befinden.

Die Trilogie wird abgerundet mit dem urtypischen Wiener Erdäpfelsalat, auch kombiniert mit Vogerlsalat. Da passt die Schlotzigkeit der Marinade, die Festigkeit der Erdäpfel und harmoniert perfekt zum Wiener Schnitzerl.

Wenn ich zurückblicke war dies hier meine häufigste Konsumation, eben deshalb, weil ich es hier mit bewährter Freundschaft-Handschlag-Qualität für meine Begriffe ausnehmend gut zu einem fairen Preis immer wieder genießen kann und ich „Down-Town“ dabei bin.


Jüngere Besuche

Im Sommer war ich hier über mittags und genoss ein Paprikahenderl mit Nockerln, das ausgezeichnet war. Die leicht dickcremige Paprika-Obers Sauce mit sanft pikanter Paprikanote und hausmännischen Nockerln gehört zu meinen Leibspeisen und das vergleiche ich daher mit der besten Zubereitung, und das ist mein zu Hause (😊), und ich sage sie können standhalten.

Lediglich den Preis weiß ich nicht mehr, aber das war von der üblichen Tageskarte und bewegte sich im Bereich um die 15€, haut also hin.

Diese Woche habe ich mir von der derzeitigen Karte die Selchknödel mit Sauerkraut (16,10€] vorgenommen, zu dem eine Extra Sauciere mit Knoblauch-Saft’l mitserviert wird. Mann, das war göttlich, ich habe selten so einen flaumig weichen und geschmackvollen Teig gegessen, das Kraut wohlabgestimmt in seiner Säure und nur wenig Einbrenn‘, dieses Saft‘l drüber und last but not least der Selchduft, ich muss es nochmals kurz sagen: Göttlich!

Begleitet haben mich zu Beginn ein Sturm, der gerade Saison hat, und dann ein Riesling vom Wieninger (1/8l 4,80€). Alles hier Wien bleibt Wien sozusagen. 😉


Allgemeine Aspekte

Die oben geschilderten Erfahrungen mache ich hier regelmäßig, also auch bei anderen Speisen, die ich jetzt nicht alle listen kann und möchte, und wenn ich mich so recht und schlecht zurückerinnere, weiß ich hier noch von keinem Ausrutscher oder einem sogenannten Ei’fohrer zu berichten.

Kurzum wie eben ein verlässlicher und guter Freund auch ist. Und wie sich das gehört wäre ich auch mal bereit zu verzeihen, aber ich musste das hier noch nicht.

Klarerweise muss in einem Gasthaus auch getrunken werden. Ich als nur Gelegenheits-Biertrinker verweise dabei auf die jüngst hier eingezogene Müncher Bierkultur und für diese netten bayrischen Nachbarn erlauben wir die Ausnahmegenehmigung, wir sind ja gute Nachbarn mit sehr ähnlichem Schmäh, versteht sich also.

Ansonsten werden gute regionale Weine gepflegt zu moderaten Innenstadtpreisen. Ich bin da ja schon mit weit größeren Schmerzen vertraut, Preise um die 4-6€ für ein Achterl zwicken mich heute nicht mehr .

Werbung benötigt dieses Gasthaus nicht, soweit lässt sich das sagen, und wer nicht reserviert, der erhält gerade mal einen Stehplatz zu den Hauptzeiten.

Es liegt zwar mitten in der Stadt aber dennoch bereits einige Meter von den vom Tourismus breitgetretenen Pfaden entfernt, so dass ich meine Gäste schon herführen muss. An den Gästen erkennt man, dass sich üblicherweise hier nur wenige verirren.


Wertung und Empfehlung

Das Personal erhält mein ausdrückliches Wohlwollen, als die Stammkellner auch noch das richtige Wienerisch beherrschen, was meine Besuche bereichert und man auf diese Weise auch immer wieder Insider-Tipps oder ein: „Hom’s scho g‘hört, …“ zu Ohren bekommt. Man tratscht schließlich auch gerne, net woahr?

Nun, wie bewerten wir die ganze G‘schicht hier? Als ein sehr guter Repräsentant für das Wiener Gasthaus mitsamt seiner Küche in sehr urigen Stuben und einem lauschigen Schanigarten im Herzen Wiens denke ich ist ein generelles sehr gut wohl angebracht mitsamt tadellosem Preis/Leistungsverhältnis, das liebe Geld hat am Ende ja auch noch immer ein Wörtchen mitzureden.

Ich darf es als solches mit gutem Gewissen als ein urtypisches Wiener Gasthaus mit Tradition dem sowohl Wiener als auch Nicht-Wiener ans Herz legen.
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24. September
1070 Wien
SpeisenAmbienteService
Wer hat die ultimative Pizza? Immer noch befinde ich mich auf der Suche für meine persönliche Pizza bzw. Spaghetti Ultimo, und ich denke ich bin dabei nicht allein. Wohlwissend, es wird so etwas... MehrWer hat die ultimative Pizza?

Immer noch befinde ich mich auf der Suche für meine persönliche Pizza bzw. Spaghetti Ultimo, und ich denke ich bin dabei nicht allein. Wohlwissend, es wird so etwas voraussichtlich nie geben, jagt man vielleicht nur einem Phantom nach. Es gibt in Wien italienische Lokale zwar en masse, aber wo findet man die für sich beste Adresse?

Mittlerweile gibt es gefühlt schon weit mehr Pizzerien & Co als Gaststätten für meine heimische Küche, was die Suche noch mehr erschwert. Einige Kriterien haben sich im Lauf der Zeit dabei herauskristallisiert und müssen dazu erfüllt werden.

Zum einem sollte es etwas authentisch sein. Was ich nicht sonderlich schätze sind Lokale, die auf „italienisch“ machen, die mich mit ein paar Wortfetzen billig ansprechen, wie: „prego, grazie“ oder „per favore signore“, wobei ich schon längst weiß, dass der Kellner aus Gyor kommt bzw. er seinen Nordrhein-Westfalen Dialekt gar nicht verbergen kann oder vom rein Äußeren schon als Chinese erkennbar wäre.

Das soll heißen ich brauche keine Pseudo-Italiener oder auch nicht ein Ich-kann-alles-Restaurant, das Wiener Schnitzel, Pizza und Sushi fusioniert. Es gibt für jede Sparte die Meister ihres Fachs, denn so kommen Qualitäten und Vorzüge auch zu Tage, oder sieht das wer anders?

Man kann trotzdem eine gute Pizza machen, das eine hat mit dem anderen nicht zwingend etwas zu tun, aber desgleichen erwarte ich mir von meiner gelobten Wiener Küche auch. Ich denke, ich verlange dabei nicht zu viel und lege die Latte auch nicht wirklich höher als nötig, denn sonst ginge die Auswahl rasch gegen Null.

Weiters sollten man klarerweise die Grundlagen, also Pizzateig oder Nudelzubereitung so weit beherrschen, dass ein echter italienischer Gast nicht sofort Reißaus nimmt, wenn er die dargebotene Präsentation sieht.

Ich schicke voraus, dass ich kein Experte für diese Küchenrichtung bin, ich mag aber eine gute Pizza oder richtig zubereitete Spaghetti. Nun meine ich mit dem Il Mare einen guten Treffer gelandet zu haben. Es wurde mir vor Jahren schon als recht authentisch ans Herz gelegt und was soll ich tun, ich will‘s nun auch so glauben.

Das Lokal wird auch von Italienern in der Küche und im Service betreut und meine Erfahrungen über die letzten Jahre sind sehr positiv. Il Mare gilt derzeit als mein Favorit, aber ich werde mich noch weiter auf die Pirsch legen, das liegt also auch am ureigensten Jagdtrieb, der einem gleichermaßen wie der Hunger antreiben kann.

Ich begnüge mich hauptsächlich mit diesen beiden Richtungen, wiewohl die Palette als Restaurant logischerweise größer ist wie Filets, Fisch und dgl. noch mehr. Nur habe ich dafür meine eigenen Adressen, von denen ich meine sie bieten schon das für mich in Richtung ultimative Angebot, sodass ich hier keinen Bedarf habe.

Von den Vorspeisen wäre da noch ein Vitello Tonnato, das hier recht gut gemacht wird, oder was ich sicher nicht missen möchte ein klassisches Tiramisu als Dolce, das ebenso empfehlenswert ist, wer den Duft von Mascarpone vermischt mit Rum und aromatisch kräftig riechendem dunklen Kakaopulver mag. Ich darf davon bloß nicht zu viel bekommen, sonst schlägt es bei mir um.



Vorliebe 1 - Die puristische Pizza

Was mir hier gefällt ist der Pizzateig, der bis ins Zentrum hinein sehr knusprig ist, seine Festigkeit auch beim Essen nicht verliert und am Rand nicht zu aufgebäht wird, kurzum kein aufgeweichtes türkisches Fladenbrot oder überdicker Teig, der mit der Zeit so steif wird, dass du damit Schnitzel klopfen könntest. Das Il Mare bringt das für mich sehr zuverlässig und mit bestechender Konstanz hin und Das Ergebnis schmeckt auch.

Wie die Pizza belegt wird ist bei mir Tagesverfassung, Es gibt für mich nicht wirklich sog. Favoriten und es darf auch mal was anderes als nur Schinken und Speck sein, also auch Sardellen, ein paar Meeresfrüchte, etwas Salami etc.

Dazu unterscheidet die Karte Pizze classiche von Pizze della casa. Es darf nur nicht überladen sein, das wäre eher der Österreich-Vielfraß-Stil, und übertüncht den unentbehrlichen Pizzagenuss. Die meisten Variationen sind sehr gut hinsichtlich Belagsauswahl und Menge abgestimmt.


Vorliebe 2 - Spaghetti ohne viel Tam Tam

Bei Nudelgerichten liebe ich ebenso sehr simple Variationen, mir reicht oft schon Spaghetti aglio, olio e peperoncino, wovon ich dann aber gar nicht genug an Schärfe haben kann und ich mir meist noch extra Peperoncino oder auch Knoblauchöl bestelle. Dann macht es umso mehr Spaß und hat dabei keinen Aufpreis.

Die Nudeln sind von dunklerer Sorte, wobei ich persönlich lieber hellere mag. Ein wenig bilde ich mir ein die helleren Sorten seien geschmacklich eine Nuance besser und es sähe auch besser aus. Aber ich habe da vielleicht mehr den Optik-Tick, am Ende schmecken sie mir eh total gut.

Beim letzten Besuch durften sich zu der simplen Variante noch Calamari dazugesellen, was es auch als Gericht so zu bestellen gibt und sind natürlich eine enorme Geschmacksbereicherung. Die Qualität, ich würde sagen selbstredend, keine zähen Gummiringerl, sondern gute und geschmacksintensive Tintenfisch-Stückchen.

Sehr, sehr gern habe ich auch Spaghetti Carbonara, die hier aber mit Obers versetzt werden. Man könnte darüber philosophieren, warum dazu nicht der authentische Weg beschritten wird, also ohne Obers, aber am Ende war ich damit auch sehr zufrieden, Man erhält meine bevorzugte Art anderorts nur ganz selten, am meisten bei mir zu Hause. 😊

Das sog. „al dente“ Thema ist bei mir hingegen wirklich Nebensache, zu Hause bereite ich sie mir relativ weichgekocht zu, das ist nun mal meine persönliche Vorliebe, hier erhält man sie klarerweise al dente auf den sog. Punkt gebracht und ich bin damit ebenso zufrieden.

Was Spaghetti anbelangt genießen summa summarum andere Lokale meinen Vorzug gegenüber dem Il Mare, der Jagd nach dem Ultimo sozusagen geschuldet, Näheres dann dort.


Ein paar persönliche Annehmlichkeiten

Was ich sehr schätze ist ein Beilagen-Salat, der bereits mitsamt Dressing serviert wird. Ich hasse ehrlich gesagt die Art einfach nur Essig und Öl auf den Tisch zu knallen um das pure Zeug lieblos über trockene Salatblätter zu spritzen.

Das wäre vielleicht authentisch, nur mag ich das in dem Fall nicht, weil grundsätzlich eine Marinade extra angerichtet werden muss, damit sie passend ist, also auch Wasser braucht, das nicht mitserviert wird. Meine Meinung halt. Das Il Mare kommt hier meiner Neigung entgegen.

Fast immer trinke ich hier meinen Rotwein Marke Primitivo um (aktuell) 5€ für ein Achterl. Und weil mich der wirklich überzeugt, so habe ich mich etwas schlauer gemacht, welcher Wein das wirklich ist. Sein gesamter akademischer Titel lautet: „Salento Primitivo Rosso IGT Villa Santera – Leone di Castris“

Wen’s interessiert: [Link]

Der schlägt etliche Österreicher in Sachen Kraft und Saft. Wenn ich ihn in der Weinansprache beschreibe, dann fiele mir ein: Ein edles Kirsch- bis hin zu Weichselaroma in blumigen wie fruchtigen Terz- und Sextklängen, die sich stimmig einen lange anhaltenden Abgang verschaffen. Aha, also jetzt wisst‘s es. Nun ja, ich sage es dann in meinem Wiener Humor anders: „T’schechert is er weit besser als d’rüber bled g’red‘t. 😊

Zuguterletzt erwähne ich noch den Hausgrappa, der immer wieder meinen Abschluss veredelt. Welche Sorte, schlag mich tot, das weiß ich gerade nicht, aber er ist gelblich, d.h. fassgelagert und gereift und mein perfekter Ausklang wie der Espresso Marke Mauro, der kräftig genug ist, um ihn nicht extra „ristretto“ ordern zu müssen

Ja und dann geht’s auch ans Zahlen. Von meinen persönlichen Favoriten ist Il Mare der günstigste Italiener, man kann sagen das Preis/Leistungsverhältnis ist aufgrund meiner großen Zufriedenheit damit eine perfekte Win-Win-Situation. Die meisten HS liegen im Bereich von 10-15€.

Wer kleinere Portion als HS haben will erhält sie mit einem 1€ Abschlag, das ist zwar kein Eckhaus. aber so lassen sich auch zwei kleine Gerichte nehmen, was ich immer wieder praktiziere. Insgesamt erhältst du um das Geld für die HS bei anderen guten Italienern nicht einmal eine Vorspeise.


Abschließendes über Service und Lokal

Wie eingangs erwähnt arbeiten hier Italiener, und wenn du mit ihnen wirklich italienisch kommunizieren willst, dann solltest du diese Sprache auch können, ansonsten wird völlig normal alles auf Deutsch abgehandelt, also man muss nicht das Wort „Gamberetti“ und dgl. wissen, man versteht auch das Wort „Garnele“. 😉

Auf der Zieglergasse befindet sich ein Schanigarten, der an sich meine bevorzugte Wahl ist, ein wenig mit Pflanzen umrandet leistet er eine brauchbare Abschottung zur Straße. Das Verkehrsaufkommen hält sich in Grenzen und stört nicht wirklich.

Innen hat das Lokal jedenfalls im ersten Gastraum ein sehr typisches Flair eines sog. Italieners, d.h. wie man mir das nun mal so verkauft, und ist mein bevorzugtes Winterquartier. Das gesamte Ambiente würde ich als die einzige Schwachstelle nennen im Sinne von andere Lokale gefallen mir noch etwas besser, daher dafür eine 3, für den Rest eine durchgängige 4.

Ich bin gespannt, ob das Il Mare einmal eine Ablöse erhält und ich eines Tages einen neuen Favoriten als persönliche Top-1-Adresse nenne. Aber wie auch immer, hierher komme ich schon allein deshalb wieder gerne, als mich einige Stammkellner kennen wie ich sie auch, und das verbindet nicht weniger wie gutes Essen und Trinken. Bleibt mir nur mehr noch zu sagen:

Arrivederci Il Mare
(und das war‘s auch schon mit meinen Italienisch-Kenntnissen 😊)
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24. September
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22. September
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20. September
1010 Wien
SpeisenAmbienteService
Jugenderinnerungen Ich besuche das traditionsträchtige Café Frauenhuber schon seit geraumer Zeit, die bis in meine Schulzeit hineinreicht. Immer wieder leben damit schöne Jugenderinnerungen auf.... MehrJugenderinnerungen

Ich besuche das traditionsträchtige Café Frauenhuber schon seit geraumer Zeit, die bis in meine Schulzeit hineinreicht. Immer wieder leben damit schöne Jugenderinnerungen auf. Nach anno dazumal regelmäßigen Tanzschulbesuchen beim alten, ehrwürdigen Elmayer fand man sich hier ein und so wurde es für einige Zeit unser erstes Stammkaffee.

Hier geschah es, dass wir so manch junge Mädels der gehobenen Schicht nach der Perfektion gerne ausgeführt haben um auf sie Eindruck zu schinden, z.B. dass ich es mir als 19-jähriger Jungherr leisten kann eine hübsche Jungdame einzuladen, während die meisten dieser Gymnasiastinnen trotz ihrer begüterten Elternhäuser noch nicht über nötiges eigenes Portemonnaie verfügten.

Hier geschah es, dass ich zum ersten Mal Bier getrunken hatte. Zuvor verweigerte ich noch Alkohol. Der Grund war der, ein Obi g’spritzt auf einen Halben kostete die für uns noch Unsumme von 40 Schilling, das Krügerl dagegen 30. Für uns Jugendliche war das damals noch ein Haufen Geld, bloß um den Durst nach wilder Tanzleistung zu löschen. Mit der Zeit begann es auch zu schmecken.

Und in solchen Kaffees wie diesem wurde eine neue Leidenschaft geweckt, der gute kräftige Kaffee, den ich früher noch als Großen Braunen genossen habe, bis ich mich durchgerungen habe, mich der dunkelbraunen Bohne als Espresso ganz in schwarz hinzugeben.

Oft saß ich auch allein da, studierte die Tageszeitung oder mitgebrachte Literatur, das heute dem iPad gewichen ist und dachte über so manches in meinem Leben nach.

Ich liebte und liebe weiterhin die Atmosphäre der roten stoffbezogenen Sitzgarnituren, der Marmortische, des Parkettbodens, all das innerhalb ehrwürdiger Mauern, wie auch das Auftreten der Kellner im schwarzen Anzug entweder als echter Sir oder auch als nörgelnder Grantscherb’n, kurz und gut das Flair eines klassischen Wiener Kaffeehauses.

Wenn ich ein solches Kaffeehaus sogenannten ReTe-Bewertungsregeln unterziehen soll, weiß ich eigentlich nicht, wie ich das rechter Dinge angehen soll. Aber mir fallen dazu heute fürs erste doch gleich drei Kriterien ein: Erstens der Kaffee, zweitens der Kaffee und drittens der Kaffee, gefolgt dann von allem anderen. 😉

Kaffeehäuser beurteile ich, auch das sagte ich schon, jedenfalls nicht nach Hauptspeisen. Man kann klarerweise z.B. auch einen ZRB konsumieren, nur würde dann die Wertung rapide sinken und das will ich nicht. Ein Kaffeehaus hat für mich andere Qualitäten, die ich hier etwas präsentieren möchte.

Was aber grundsätzlich immer geht ist ein gutes Frühstück in vielen Variationen oder das klassische Wiener Schnitzel. Nun, solches beherrscht man in Wien und sei daher Pflicht. Hier aber, wie der Speiskarte zu entnehmen ist, das Schnitzerl nicht vom Kalb, dafür günstiger um 15,90€.

Was mir noch fehlt ist eine Kaiserschmarren-Erfahrung jüngeren Datums, alles halt zu seiner Zeit, die muss noch kommen. Immer wieder wird damit in Kaffeehäusern geworben, wie auch hier, aber nur selten auch eingehalten.

Etlichen ahnungslosen Touristen kannst du vieles unterjubeln, und sie sind, wie ich immer wieder feststelle, hochzufrieden, was bei mir weniger funktioniert, weil ich auf hausgemachte Zubereitung stehe. Ein entsprechender Test würde mich dann aktuell 10,50€ kosten.

Ich war nun doch schon längere Zeit nicht mehr anwesend, aber vom letzten Besuch liefere ich auch ein paar kulinarische Eindrücke mit. Das Ambiente hat sich bis heute nicht geändert. Es wurden die Polsterbezüge nach einiger Zeit wieder erneuert, sie sehen recht frisch aus. Aber es sieht alles gefühlt immer noch aus wie vor 40 Jahren. Die Zeit vergeht und dennoch scheint sie hier wie stehengeblieben zu sein.


Kaffee & Co – das schwarze Menü

Meine Leidenschaft für guten und kräftigen Kaffee dürfte schon hinreichend dokumentiert worden sein. Man versteht sich hier auf Kaffeekultur, wie ich sie schon für das Cafe Dommayer skizziert habe. Es ist sozusagen „die“ Kaffeekultur, wie sich das für ein anständiges Kaffeehaus gehört, das diesen Namen tragen will. Der Lieferant für das schwarze Gold ist wieder einmal unser Herr Julius Meinl.

Der Preis hat mittlerweile angezogen, Espresso groß kommt auf 5,40€ - tja, Innenstadtlevel - dabei befindet sich der Preislevel auf Rang 5 im 1. Hieb soweit mir bisher bekannt und gehört damit sogar noch zu den günstigeren. Es geht da also noch mehr wie viele andere Kaffeehäuser unter Beweis stellen.

Man wagt das kaum mehr in den alten Schilling umzurechnen und tut es am besten erst gar nicht (es wären 75 ÖS (!), und müsste sich auf den Kopf greifen trotz mit kalkulierter Inflation), aber hochwertiger Kaffee war noch nie ein Billiggetränk.

Der gastronomische Aufschlag von bis zu 1:12 ist mir bekannt, allerdings lebt nun mal das Kaffeehaus davon und aus der Perspektive verstehe ich es wieder. Es würde bedeuten, es gäbe ansonsten diese Art Kaffeehäuser gar nicht, jo heast, wo kämen wir denn da hin? Und so ergibt alles wieder seinen Sinn und Traditionen dürfen gelebt und auch geliebt werden.

Kaffee kann bei mir übrigens Vorspeise, Hauptspeise oder auch Nachspeise sein, je nachdem wann und zu welchem Zweck ich einen Besuch arrangiere. Als Hauptspeise brauche ich lediglich noch entsprechende Beilagen, weiter nichts. Was verstehe ich darunter?

Zum Beispiel begleite ich meine Kaffeetscherl gerne mit einem Tupf Schlagobers um wohlfeile 70 Cent Aufpreis. Zuerst wird er schwarz wie die Nacht erprobt, um mir den noblen Arabica-Duft nicht vorzuenthalten, aber ich mag auch das pharisäische Element, zumindest beim Kaffee, sonst natürlich nicht.

Ein Hauch geschlagenes Obershäubchen „on top“ um es neogermanisch auszudrücken, und darunter immer noch die Kraft der schwarzen Bohne, göttlich. Damit ich es selbst dosieren kann, verlange ich den Tupf extra, ansonsten käme kein Tupf, sondern eine Übermenge als grober Gupf obendrauf und dann wäre es ein echter Pharisäer, Kaffee total falsch sozusagen.

Nicht selten dürfen sich weitere Begleiter hinzugesellen, ein simples Soda, leicht nachgebessert mit einer Scheibe Zitrone, das fast immer oder auch geschmacksreicheres Edleres dient dazu das Menü zu vervollständigen.

Dazu wurde mir zuletzt vom alteingesessenen Herrn Ober eine Vogelbeere empfohlen, die 1A war, kein aufdringlicher Mandelduft, sondern Natur pur, Herkunft Waldviertel. Näheres wusste der Kellner auch nicht, oder eine Gölles Marille, die man mir nicht weiter erklären muss, beide zum jeweiligen Preis von 5,90€ und so genieße ich das gerne.


Speisen & Co – das süße Element

Wenn ich im Kaffeehaus tatsächlich esse, dann ist es meist ein sogenanntes Zwischengericht, wie ein kleines Gulasch, Sacherwürstel mit Senf und Kren, Würstel mit Saft oder dieses Mal eine Gulaschsuppe um recht stolze 7,90€, die ihrem Preis aber Ehre bereitet hatte, wie ich sie zu Hause nicht besser hinbringen könnte.

Mitverkocht klein geschnittene Erdäpfel, reichlich lang geschmorte Wadschunkenstückerl in der klassen Aromanote paprizierter Zwiebelsauce rötlicher Farbe, das war eine kulinarische Punktlandung, ja so haut das hin.

Dazu ein Handsemmerl, um genüsslich einzutauchen oder um am Ende die letzten Reste aufzusaugen, der Nord-Piefke-Wien-Besucher würde dazu sagen: „Lecker, lecker“, ich bevorzuge lieber den Bayern mit: „Jawoi, sauguat“. 😊

Es dürfen gewisse Süßspeisen auch nicht zu kurz kommen und ich bestellte noch einen Apfelstrudel. Aber, au weia, ich erhielt einen zwar absolut frischen, allerdings frisch aus der Vitrine, das gute Stück litt noch unter Kälteschock, aber ok, ich bin hier halt nicht beim Dommayer. Kühlvitrinen sind Standard in vielen Kaffeehäusern.

Allerdings war der Herr Ober so freundlich und stellte ihn mir für ca. 30 Sekunden in die Mikrowelle und dann wurde es erträglicher. Diesen potscherten Servicefehler hätte aber m.E. der Ober selbst korrigieren können. Er war aber einsichtig, und so blieben wir Freunde.

Es fehlte aber weiterhin der erwartete Omama-Effekt, nun was ist das? Damit verbinde ich den zärtlichen Gruß angerösteter Brösel oder einer sanften Walnussnote, die ein Rundum-Lächeln über das ganze Gesicht hervorzaubern würde, wie es aus Omamas Werkstätte ermöglicht worden wäre. Das ging so nur schwer.

Etwas Zimt spürte man, aber ansonsten war es eher ein zerteilter und verkochter Apfel im müden Schlafrock, womit ich meine Stimmung zum Ausdruck bringen möchte, mäßig also, teuer war er wenigstens nicht – kostet hier läppische 4,60€.

Am Nebentisch erspähte ich zwei deutsche Touristinnen, von der sich die mir mit Blick zugewandte eine Sacher gönnte. Die Optik sagte mir, hm, Original ist auch anders, aber dem Gast hatte es gemundet. Gesprächig war die Dame zwar nicht, aber ich entlockte ihr zumindest das „Gut“. Nun, dann will ich’s ihr auch glauben, für mich wäre es eher eine helle Schokotorte. Sicher auch gut, wem’s so schmeckt, aber Sacher ist Sacher.


Abschließende Herzensworte

Die übliche Nörglerei, geschuldet meiner Wiener Seele, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich mich trotz allem pudelwohl fühle. Ich würde ja sonst ein Stück Wien missen. So könnte ich mit weiteren Geschichten aus früheren Besuchen aufwarten, aber wie ich es unlängst aktuell erlebt habe, hat sich nicht viel geändert.

Der eine Ober werkt hier schon sage und schreibe 18 Jahre, der andere noch länger. ich kenne sie beide, sie mich dafür nicht, oder nicht mehr, weil mein letzter Besuch davor nun doch schon länger zurück liegt. Tja Corona machte so vieles möglich bzw. eben unmöglich, aber zunichte deswegen noch lange nicht.

Es gibt vor dem Lokal in der Himmelpfortgasse einen Schanigarten, und da er noch im Bereich der Fußgängerzone liegt, kann man dort recht ruhig sitzen. Meine Vorliebe gilt aber dem Inneren. Bevorzugt besuche ich das Frauenhuber daher in der kühlen Jahreszeit oder wie zuletzt bei Schlechtwetter.

Zusammenfassend betone ich nochmals, ein Kaffeehaus dieser Kategorie kann man nicht wirklich nach ReTe-Kriterien bewerten, da eine solche Institution wie das Frauenhuber ein Stück Kulturgeschichte ist. Es gilt laut HP sogar als das älteste Kaffee Wiens. Nun, dann will ich das wiederum so glauben und nehme am Stolz seiner Geschichtsschreibung entsprechend Anteil.

Meine Leidenschaft für diese traditionsreichen Lokale ist bis heute ungebrochen und so mache ich mir die Sache einfach und sage, es ist rundum alles sehr gut trotz gewisser kulinarischer Patzer. In diesem Kaffee pulsiert, wie ich eingangs erwähnt habe, immer ein Stück Herzblut schöner Jugenderinnerungen in meinen Adern, weshalb es für mich eine besondere Adresse bleiben wird.

Ginge es nach mir, würde ich das in Form von vielen Bildern im Lokal aufhängen, nur bin ich halt kein Promi, dem zu Ehren man dies gerne zugestehen würde, aber so trägt man diese Bilder unauslöschlich in seinem Herzen und freut sich dafür auf ein sinnliches Wiedersehen. 😊
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17. September
2700 Wiener Neustadt
SpeisenAmbienteService
Die Reiselust hat uns gestern nach Wr. Neustadt verschlagen, für mich eine eher rare Adresse, doch man wird überrascht mit einem nunmehr sehr schönen Stadtzentrum, das es von meiner Seite gastronom... MehrDie Reiselust hat uns gestern nach Wr. Neustadt verschlagen, für mich eine eher rare Adresse, doch man wird überrascht mit einem nunmehr sehr schönen Stadtzentrum, das es von meiner Seite gastronomisch wie kulinarisch noch zu erforschen gäbe.

Wir folgen dieses Mal aber einer entsprechend anderen Empfehlung und landen so im Gasthaus Weidinger, das sich nur unweit vom ÖBB-Bhf in der Bräunlichgasse 10-12 befindet.


Die Räumlichkeiten

Ein sehr typisches Ecklokal, von außen unspektakulär, aber das Innere begrüßt uns in seinem typischen Stil eines Landgasthauses. Es gibt zwei Gasträume und einen nach hinten erweiterten Bereich, dieser sehr hell, schon wie eine Art Wintergarten, über den es den Zugang zum Gastgarten gibt. Die heutige Wetterlage erlaubt aber leider keinen Betrieb im Freien.

Unserer Empfehlung nach wird hier alles top und tagesfrisch gekocht, was ich für eine solche Art Gasthaus aber auch erwarte, die Küche dabei in Lobliedern vorgesungen. Und es gäbe Riesenportionen, was mich zwar wieder abschreckt, aber am Ende obsiegt die Neugier.

So kehren wir dort ein, nehmen Platz und warten gespannt auf möglichst viele positive Erfüllungen. Es ist Mittagszeit und das Lokal erfüllt die erste Erfüllung, und zwar mit Gästen, die sich im Laufe der Zeit mit dann vorwiegend Einheimischen einstellt, das ist grundsätzlich schon ein gutes Zeichen.


Unser Service

Die Bedienung, alle noch recht jung und vom Fach, lässt uns keine Minute warten, ist sofort an Ort und Stelle und und gibt uns kaum Luft die Karte zu studieren. Meine treue Begleitung weiß aber schon, dass sie ein Helles möchte und im Handumdrehen steht es da, das Wiener Original vom Ottakringer um 4,20€

Ich wähle mein Getränk meist in Abstimmung mit dem was ich esse, und so hadere ich noch herum was es denn heute werden solle. Wir bleiben gemeinsam bei einer Tagesempfehlung hängen, diesmal fleischlos, ja das gibt es sogar bei mir, aber bei gut geführter Landhausküche sei das ja kein Fehler, sage ich zu mir.

Im nächsten Turnus der Kellner-Runde, gefühlt nach kaum zwei Minuten, es ist wirklich eine fleißige Mannschaft hier am Werk, kann ich dann unser Gäste-Sprücherl aufsagen: „Zweimal die Gemüselaibchen und für mich vorher noch eine LKS.“ Man versteht die Abkürzung, was ich zugegeben auch gerne als kleinen Test so handhabe.

Wie aus der Pistole geschossen kommt die Nachfrage: „Und für Sie zum Trinen?“ Ach ja, ich hatte ja noch gar nichts, fällt mir ein, wie üblich mal ein Soda.

Es folgt die übliche Weinansprache. Gelistet werden ein paar österreich-typische Weißweinsorten und ich hake beim Wort „Veltliner“ ein und bestelle den wohl gängigsten König von Österreich der Weißweine um wohlfeile 2,10€. Es bleibt dann nicht bei dem einem, er ist kräftig, etwas trocken, aber wie ich es empfinde für den Preis qualitativ ausreichend. Ich glaube, das ist auch der Schankwein.

Warum ich mir das Wein-Prozedere immer wieder so antue, das oft eh nur so und nicht anders ausgeht, weiß ich nicht, es ist wie eine liebgewonnene Kulthandlung, aber sie gehört dazu, meine ich.


Unsere Lieblingsbeschäftigung – essen und herummeckern

Es vergeht wirklich kaum eine Minute und die LKS in einer modernen stilistischen Schale steht schon da, gefolgt mit der Soda- und Weinnachlieferung. Ja, es ist Mittagszeit und man ist hier ganz sichtlich darauf eingestellt, dass es für viele unter der Woche berufsbedingt auch „Zack-Zack“ gehen muss. Nichts desto trotz ist die Stimmung gemütlich und ich nehme mein Supperl in Angriff.

Ah, herrlich schon der erste Löffel lässt aufhorchen. Eine mehr als nur passable Gasthausbrühe wurde da herbeigezaubert, die Basis von purem Rindfleisch schießt in meine Sinne, eine Wohltat, der Leberknödel recht fest und kräftig.

Die Suppe wandert wie oft üblich zu meiner Begleitung, um auch ihre geschätzte Meinung zu erfragen, auch wieder so eine Kulthandlung, und sie lobt die schöne und intensive Lebernote. Wir sind uns einig, ein definitiv sehr gutes Supperl kocht man hier.

Jetzt lässt man uns eine Weile in Ruhe, die ich auch brauche, weil es diese Suppe nicht nötig hat nur zwecks Hunger verschlungen zu werden, und nach Rückerstattung wird die Schale leergekratzt und bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt.

Nachdem die keramischen Überreste abserviert werden, folgen unmittelbar die vegetarischen Hauptgänge. Unsere Serviererin im Modus wie der einer fleißigen Arbeitsbiene setzt mich in Erstauen, einmal habe ich sie zurückordern müssen um ihr noch etwas zu sagen, weil sie gar so flink unterwegs ist.

Meine 2 Stk. Gemüselaibchen fallen mit etwas hellerer Note als die meiner Begleitung aus, die hätte man noch etwas im Pfanderl brutzeln lassen können. In ihrer Gemüsemischung, ein Mix aus Wurzelgemüsesorten, bei der nur die Karotten in ihrer Farbe etwas hervorstechen, der Rest breiig, recht g’schmackig aber stimmig. Die Note frisch ist kein leeres Versprechen, das gilt als eingehalten, gewürzt dafür recht mild.

Dazu gibt es aber gute und kräftige intensiv schmeckende Petersil-Erdäpfeln, da freut sich der regionale Bauernstand sicher auch, ein Gurkensalat geschält und auch recht milde, sodass ich mit der Kotanyi Pfeffermühle nachhelfen durfte und ein kleines Schüsserl mit einer Art Sourcreme aus Rahm. Wirklich nett.

Dazu noch einen weiteren Mix aus kurz angerösteten Zucchinis, ein wenig grob geschnittenen Zwiebeln, Paprikastückerl und da schau her, ein paar Schwammerl sind auch noch dabei, rundum in der Tat sehr gut im Geschmack, insgesamt über Gebühr ausreichende Portion und gut abgestimmte Gesamtkomposition. Gütesiegel Österreich quasi.


Das Nachspiel

Nach dem 2:0 für die regionale Küche die immer wieder kehrende Frage: Geht noch was? Klar, immer geht ein Kaffee, der mir aber hier als "kurz“ verweigert wird, da man eh einen starken Kaffee habe, und dazu ein Marillenschnapserl. Der Kaffee war dann doch nicht so stark, ja fix, genau darum sage ich ja immer kurz, aber „what shall’s“, nur nicht immer alles so tierisch ernst nehmen meint meine Begleitung. Recht sie hat.

Brav wie die Mannschaft hier für ihren Gastgewerbebetrieb sorgt nennt man uns noch eine Empfehlung des Hauses, es gäbe selbst gemachten Apfel-Zwetschken-Strudel. Ein Blick in die Augen meiner Partnerin, eine wohlwollende Zustimmung, also gut, aber bitte einen gemeinsam mit zwei Gaberln.

Genau so kommt es und wow, eine Wucht, Handarbeit first-class, wirklich sensationell frisch und hausgemacht. Die pure Lebenslust schießt einem ins Blut. Ist jetzt Zwetschkensaison? Aber klar doch, also wieder angesagte und erfüllte Frischeansage, in einer Bröselmischung eingehüllt im Strudelteig (oder Blätterteig? Ist was für die Experten), aber was zählt ist was der Gaumen meldet und er meint: Sehr gut.

Und weil’s wirklich schon zu gut gemeint ist müssen wir nun doch nach ca. 2/3 „w.o.“ geben, aber diese Niederlage nimmt man gerne im Kauf. - der Tante Jolesch‘s Kochkunst zuliebe, deren Gast ihre Küche einmal wie folgt kommentiert hatte (von mir frei zitiert): „Oh mein Gott, des wird sunst morgen wieder net zum Derscheißen sein.“

Der Spaßfaktor für das Lokal beläuft sich für die dargebotene Gesamtleistung noch unter 60€ und wir gehen gestärkt und fröhlich unserer weiteren Wege, es ist gerade erst mal ca. 13 Uhr.


Mein Gesamteindruck

Ja, ich habe mich sehr gefreut über den ersten Besuch zum Mittagstisch und die vorangekündigte Lobrede auf den Weidinger erfüllt sich in der Tat gar nicht so hochgejubelt wie anfangs vermutet. Mich fängt man dabei ein mit einer gelungenen Rindsuppenerfahrung,

Mein Eindruck ist der, man zeigt, dass man in Österreich durchaus mehr draufhat als nur Schnitzel und Pommes, wiewohl man gerade mit Schnitzelvariationen (von 16-20 Uhr) zu einem Okkassionspreis für jede Variante um 9,90€ wirbt, doch das weitere Angebot ist reichlich.

Hier die aktuelle Speisekarte für Interessierte als PDF: [Link]

Es gibt darunter auch einige Speisen als sog. kleine Portion mit Preisabschlag, was ich als Ergänzung lobend erwähnen möchte, weil mir das entgegen kommt. Sogenannte Seniorenteller? Ja auch, aber es gehen dann nämlich auch mehrere Gänge – doch das bitte niemand weiterverraten! 😊

Eine zweite Bestätigung habe ich bekommen, dass gute Qualität nicht teuer sein muss. Man schafft hier die meisten traditionellen HS um ca. 11-13€, wie auch unser Gericht, es geht also noch in unserem schönen Lande Österreich und das zusammen in einem nicht weniger schönen Lokal samt sehr gut eingespieltem Service.

Aus heutiger Sicht kann ich dieses nette Landgasthaus ehrlicherweise jedem, der diese einfache, aber gute Küche mag, weiterempfehlen. Einem Meidlinger müsste es ganz bestimmt mehr als nur taugen.
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3 Kommentare

Ich habe die zwei Stellen editiert. Ich bestehe nicht darauf, dass ich Recht habe, aber es gibt bei mir keinen sexistischen Anflug. Eher will ich vielleicht zu humorvoll rüberkommen, und das kommt dann raus. - mea culpa - Aber ok, ich denke genug Wortschatz zu haben mich auch anders humorvoll auszudrücken. Wie immer, danke, ich lerne gerne.

18. Sep, 13:40·Gefällt mir3

Bei jungem Personal, aber auch, wenn man privat auf Freunde (und -innen, of course) referiert, finde ich an "Mädls und Jungs") nichts verwerfliches. ("Mädlsabend", "ich geh' mit meinen Jungs aus", ...), eine Geringschätzung oder mangelnde Augenhöhe kann ich hier nicht herauslesen. Über die "Servicebiene" ließe sich diskutieren, ich interpretiere den Ausdruck in Richtung Biene=fleißig und glaube nicht an eine sexistische Konnotation.

18. Sep, 11:19·Gefällt mir2

Du schreibst wirklich lesenswerte Berichte, da hat Du Begriffe die die Augenhöhe vermissen lassen („Mädls und Jungs“) sowiemSexismus („Sevicebiene“) doch nicht nötig!

18. Sep, 10:22·Gefällt mir
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1050 Wien
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Rudis Beisl – die Gansl-Legende Wenn man das Rudis Beisl mit einem Wort beschreiben will, fiele mir das Wort Gansl-Wirt ein. Die Gansl-Zeit beginnt traditionell mit dem 11. November, dem Martini... MehrRudis Beisl – die Gansl-Legende

Wenn man das Rudis Beisl mit einem Wort beschreiben will, fiele mir das Wort Gansl-Wirt ein. Die Gansl-Zeit beginnt traditionell mit dem 11. November, dem Martinitag, wobei sie wegen ihrer Popularität zeitlich sowohl davor als auch danach ausgedehnt wurde.

Um sich im Rudis Beisl ein Platzerl für sich und seine Liebsten zur begehrten Gansl-Vernichtung zu ergattern, muss man schon bis an die 2 Monate im Voraus reservieren. So werde ich das mit einer größeren Partie heuer in Anspruch nehmen. Ich beschreibe hier meine bereits gemachten Erfahrungen.

Vom Experten Stammersdorfer erfolgte dankenswerterweise der Hinweis, es wäre heuer die letzte Saison für dieses Beisl, da der Inhaber, Herr Christian W. gedenkt sein Lebenswerk zu übergeben um sich anderen Aufgaben zu widmen. Bei der Terminabstimmung habe ich erfahren, dass er seit mehreren Jahren schon davon redet, d.h. wir werden es sehen.

Vielleicht darf man sagen, er redet heuer ernsthafter darüber und man könnte damit nun rechnen. Wenn es aus dem Grund damit für mich nur diese eine Bewertung geben wird, die nach 5 Jahren ins Hinterzimmer der Seite verschwindet, so sei dies hier mein guter Nachruf und Dank an die Existenz dieses wunderbaren Juwels gastronomischer Kostbarkeit.

Es wäre aber verfehlt Rudis Beisl bloß wegen seiner beliebten Gansl-Schnatterei auszuweisen, denn der gute Mann hat für das Kochen der traditionellen Wr. Küche generell ein begnadetes Handerl. Gulasch-Fans kommen hier aber nicht auf ihre Rechnung, ich wüsste nicht, ob er das je gemacht hat, ich jedenfalls habe hier noch keines gegessen.

Aber andere Repräsentanten unserer Wiener Küche werden meisterhaft fabriziert und darüber möchte ich ein paar Takte plaudern. Ich werde mich auf 4 meiner Favoriten festlegen, um die Beitragslänge nicht übermäßig zu strapazieren. Durchhalten Freunde. :-)


Favorit 1 - A Supperl, wie ich es mag – 4,10€

Den p.t. Lesern meiner Beiträge dürfte nicht entgangen sein, dass ich ein Suppennarr bin, und wer mir darin meine Vorstellung verwirklicht, der hat schon so gut wie gewonnen. Hier wäre das der Fall.

Die Rindsuppe glänzt mit der Power an Kraft urwüchsiger Rindviecher, hat ein super dunkles goldbraunes Faberl, ist nicht fettarm, und gibt mir immer wieder den ersten Kick in Sachen Himmelfahrt. Ja, da gibt’s in Regel nichts zu beanstanden, das bringt Herr Christian nach meiner Vorstellung.

Einlagen wären Leberknödel, Grießnockerl oder Frittaten, die Klassiker, aber sie spielen bei der Musik für mich nur die 2. oder 3. Geige, man könnte sie für mich glatt weglassen, weil die Boullion für sich mein Herz schon gewonnen hat.

Die Bepreisung einer Suppe solcher Güte mit 4.10 € (!) kann man für meine Begriffe nur mehr noch als Okkasion bewerten. Des kriagst so nirgends!


Favorit 2 – Der Zwiebelrostbraten – 21,90€

Wenn ich behaupten würde, der ZRB wäre hier der Allerbeste, den ich je gegessen hatte, dann stimmt das so nicht, aber hier wird für mein Dafürhalten ein Standard vorgelegt, an dem man sich ruhigen Gewissens orientieren kann. Der wird einfach richtig gemacht.

Es beginnt damit, dass die Fleischwahl passt, denn ZRB ist bei mir vom Rostbraten. Woher bitte hätte er sonst seinen Namen? Warum man ihn anderorts nicht ZBB nennt, also Zwiebel-Beiried-Braten, es spräche ja nichts dagegen, und kann ebenso was Gutes sein, aber das ist halt kein ZRB.

Das Fleisch wird in seinem eigenen dafür angesetzten Safterl mitgeschmort und entwickelt eine Harmonie, die in ihrer Kombination den Gaumen in die richtige Tonhöhe versetzt. Es kann sein, dass eine Jus auch schon vorher angesetzt wird, das sei des Rudis Küchengeheimnis, aber nichts künstlich zusammengeschustert, sondern ein naturbelassenes Safterl komponiert in A-Dur mit wohlklingenden Terzen und Sexten, einfach zum Mitsingen.

Dazu eine Rarität, denn es wird immer eine Portion Estragon-Senf beigefügt, für mich unverzichtbar, ich bestelle das woanders einfach dazu. Diese Musik liebe ich, am liebsten wäre ich der Komponist für diese Geschmackskomposition, bin aber auch als Genießer bestens zufrieden.

Dagegen verblasst das Fächergurkerl, das ich immer schon mehr als Add-On zwecks Präsentation befunden habe, aber nett ist es und fehlen darf es schon um der Tradition willen nicht.

Die Bratkartoffeln nehmen die Rolle der Blechbläser ein, man braucht sie zur Mächtigkeit und Fülle des Gesamtklanges im Orchester. Für mich ist es unerheblich, dass sie aus der Fritteuse kommen, was viele beanstanden, denn sie haben die Aufgabe als Sättigungsbeilage. Vermischen sie sich einmal mit dem Saft, kann mir keiner erklären, er könne das noch von Erdapferln aus dem Bratpfanderl unterscheiden. Oder vielleicht kann’s auch bloß nur ich nicht, mag sein. 😊

Wie dem auch immer sei, Geschmäcker und Vorlieben können unterschiedlicher nicht sein, aber wenn ich auch meinen Estragon-Senf dazugeben darf, dann wäre es das: Der ZRB im Rudis Beisl verdient von mir die Note ausgezeichnet als quasi Vorzeige-ZRB. Weitere Kommentare nonverbaler Art darf mein Foto dazu abgeben.


Favorit 3 – Das Rudi Gansl - 22,90€

Wenn man schon die Ansage macht, dass hier das Gansl sozusagen Wö’tklasse ist, dann muss es logischerweise auch thematisiert werden, oisdaunn geh‘ mas aun:

Die Qualität der Produkte erachte ich für selbstredend und wird von mir sozusagen vorausgesetzt und als gegeben betrachtet. Die Preiskalkulation ist daher völlig in Ordnung.

Was mich immer wieder in Begeisterung versetzt, ist die sogenannte Gänsehaut. Am Körper sprichwörtlich ist sie am Gansl wortwörtlich und Herr Christian bemüht sich um diese Nuance offensichtlich. Logischerweise wird das nicht mit jedem Stück einer Gans gelingen, aber das ist für mich eine Note und Markenzeichen geworden und jo, i steh drauf.

Dementsprechend weist diese Haut dann auch eine göttliche Knusprigkeit auf, die man anderswo nicht erhält, oder nur in Ausnahmefällen.

Wie so viele Gerichte fleischlicher Art lebt das Ganze von seinem Safterl, ohne dem der gesamte Genuss nicht einmal halb so aufregend wäre. Und dazu gehört diese Adresse zum meinen Top-Favoriten. Sicher machen andere ein Gansl auch sehr gut, aber da geht immer noch ein Kick mehr.

Die Beilagen wurden manchmal kritisiert, auch von meinen Begleitern das gebe ich zu, wobei Rotkraut und Knödel nicht wirklich nachhinken, lediglich das Weißkraut würde ich persönlich sogar weglassen. Das sei mein subjektives Geschmacksempfinden. Ich denke an Qualität mangelt es nicht, aber die Säure ist mir zu stark.

Aber Hand aufs Herz, die totale Perfektion gibt es nirgendwo auf dieser Welt und man kann gewisse Elemente schlicht weglassen, am Gesamtgenuss ändert das rein gar nicht, Rudis Gansl ist meine Nummer 1 in Wien. Fragt sich halt nur wie lange noch? ☹


Favorit 4 – Marillenpalatschinken - 6,40€

Um auch ein repräsentatives Schmankerl aus der Süßfraktion anzusprechen erwähne ich kurz noch die Marillenpalatschinken, die man auch per Stück bekommt, soweit ich mich erinnere.

Meine ersten gemeinsam mit Sohnemann werde ich hier nie vergessen. Man könnte sagen die Knie wurden weich und folgten bedingungslos dem Teig nach, der auch so was von wunderbar weich und gehaltvoll war, und dazu die Marmelade mir kräftiger Säurenote eine Vollendung an Perfektion.

Ich muss aber zugeben, dass sie bei späteren Besuchen nicht mehr diesen Flash verursacht haben, aber summa summarum waren sie weiterhin sehr gut. Soweit dazu.


Ambiente:

Das Lokal selbst ist klein, eng und wie halt solche Beisln dieser Art sind auch überladen mit Wandbildern zugepflastert. Der Blauton gehört aber zum Markenzeichen. Für mich ist es ein typisches: Naja, is halt so. Klein ist fein aber zu klein schlägt bei mir ins Gegenteil.

Was mich echt stört ist die Tischgröße. Auch wenn das Beisl klein ist, und es seitens des Wirts vielleicht nicht anders geht, aber auf einem 60-er Tisch zu zweit essen wird zu einer Herausforderung. Ich war im Frühjahr einmal zu viert hier, davon einer ein 170kg Brocken, der wusste halt nicht mehr wohin mit seinen Haxen und saß fast schon wie nebenan und der Tisch war dabei mit Tellern übersät.

Aber es gibt Gott sei Dank auch einen Schanigarten, der etwas geräumiger und besser ausgestattet ist. Den bevorzuge ich daher für meine Rudis-Besuche in der warmen Jahreszeit. Nur, in der Gansl-Zeit muss ich mich dann halt nach der Decke strecken. Gäb’s den Schanigarten nicht, wäre meine Note für das Ambiente keine 3, so aber passt’s wieder


Abschließende Kommentare:

Herr Christian W. plaudert sehr gerne mit seinen Stammgästen, drinnen klassisch an der Theke, und er kommt nicht selten bewaffnet mit einem Schnapserl auf Haus zum Tisch um ein paar Takte zu schwafeln. Das gefällt mir, denn in der Küche ist‘s eh wie in einem Gefängnis mit verschärften Haftbedingungen. Man gönne ihm also diesen Häfenurlaub.

In den Genuss bin ich auch schon gekommen, wiewohl ich kein Stammgast bin. Aber scheinbar hat ihm der Kellner mitgeteilt, da draußen sitze ein recht zufriedener Gast und so wurde er auf mich aufmerksam. Diese Art seine Gäste ebenso zu schätzen wie ich dessen Küche samit Wirt ist eine Serviceleistung, die ich für ein Beisl sogar als unverzichtbar halte.

Ein echtes Beisl lebt von dieser Art Kommunikation und beschränkt sich nicht nur auf das brave Aufnehmen, Servieren und Abservieren der Speisen und Getränke. Apropos Getränke, die sind hier zu kurz gekommen, erfüllen aber für meine Begriff die Beisl-Anforderungen.

Falls Rudis Beisl alsbald Geschichte ist, so geht halt wieder ein Alt-Wiener Beisl verloren, jedenfalls das unter der Führung eines begnadeten Kochs wie Herrn Christian W., aber schau ma moi, ob er nicht auch einen würdigen Nachfolger findet. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
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1150 Wien
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Tradition kann man nicht erfinden Jemand sagte mal, gäb's es den Quell nicht schon längst, er möcht' ihn glatt erfinden. Nur funktioniert das in der Realität so nicht, sich quasi ein Unternehmen... MehrTradition kann man nicht erfinden

Jemand sagte mal, gäb's es den Quell nicht schon längst, er möcht' ihn glatt erfinden. Nur funktioniert das in der Realität so nicht, sich quasi ein Unternehmenskonzept am Computer-Reißbrett‘l zu schnitzen und mit der Idee ein Erfolgs-Wirtshaus aus dem Boden zu stampfen, sodass man sich später ein Leben ohne dem nicht mehr vorstellen will. Er möge damit Recht haben.

Diese Art Wirtshaus braucht einfach seine Jahre, muss sich in gut geführter Hand wissen und seine Tradition an die nächsten Generationen weitergeben können. Dazu gehört eine gehörige Portion Patina am Fußboden und auf den getäfelten Wänden, was so unverzichtbar ist wie Omamas Wiener Hausmannskost, die auf ähnliche Weise tradiert werden muss.

Dann kann es zu dem werden, was der Quell geworden ist und man züchtet sich seine Stammgäste heran, die es auch mitprägen. Aus der HP ersichtlich zählte sich dazu z.B. der jüngst verstorbene Ostbahn Kurti, der hier hierorts auch eine Live-CD mit dem Titel „Ein Abend im Gasthaus Quell“ produziert hat ( wen’s interessiert dazu ein YT link einer Live-Session aus der Gaststube: [Link] ).

Wir zwei, also der Quell jetzt und ich, kennen uns noch nicht so intensiv, aber ich tendiere allmählich dazu dieses Manko zu beheben. Für mich als Freiluft-Fan schätze ich auch die kleinen aus jeweils 4 Tischen bestehenden Schanigärten in beiden Gassen des typischen Ecklokals. Im Innern besteht er aus drei Stüben, die ihresgleichen suchen, wie eingangs beschrieben (siehe Bilder).

Unmittelbar daneben die mächtige Kirche der Pfarre Reindorf, die zu Mittag für ihre Schäfchen lautstark bimmelt, dass es dir in den Ohren gellt und mir dabei fast die Gabel aus der Hand fällt. Man fühlt sich dann bei Bier und Schnitzel wie am Land im Dorfwirtshaus und das inmitten von Fünfhaus.

No ois sche und guat, könnte der Ostbahn Kurti auch als Lied singen, aber wos hot der Quell esstechnisch so drauf, wird der p.t. Leser sicher wissen wollen. Dazu diene mein nächster Abschnitt


Wie isst’s sich’s bei der Quelle?

Die Speiskarte gliedert sich in zwei grobe Bereiche, wovon der eine Teil das klassische Repertoire an gängigen Gerichten der Wr. Küche und der andere althergebrachte hausmännische Kost beinhaltet. Diese wird wie üblich auch mit saisonalen Angeboten ergänzt. Aus dem Grund verzichtet man auf das tägliche Menü, hat aber eine wechselnde Wochenkarte.

So stehen z.B. Reisfleisch, Krautfleisch, Linsen mit Knödel, Leber Natur bzw. gebacken und derlei Schmankerl quasi als Fixpunkt auf der Karte, wie sie in anderen Gasthäusern immer mehr von der Bildfläche verschwinden, weil man immer mehr auch zum Ethno-Haberer erzogen, wird, aber das sei wieder eine andere G’schicht.

Hier hat man sich zu einem Bekenntnis durchgerungen, dass von der traditionsbewussten Wiener Küche dieses vorhanden sein muss und jenes nicht fehlen darf. Und darum meinte ich zuvor, oiso mir zwa miass‘n no a weng’l mehr miteinander reden. 😉


Ein paar allgemeine Genusserfahrungen

Mein erstes Gulasch-Erlebnis war mehr ein Reinfall (zu dünn ohne viel Geschmack), aber ich war damals, was jetzt schon mehrere Jahre zurückliegt, am allerersten Tag nach der Weihnachtspause an Ort und Stelle und so wurde mir gesagt, dass es erst wieder neu angesetzt werden musste. Klingt logisch, oder Ausrede?

Mein letztes Erlebnis war aber ähnlich, es war vor kurzem an einem Montag, und der Kellner gebrauchte witzigerweise denselben Spruch. Aber ich denke, es wurden die Zwiebel zu wenig angeröstet. Die Würzung war in Ordnung, das Fleisch sogar perfekt nur halt die Sauce, auf die lege ich aber Wert (kann man am Foto an sich nicht sehen, was nur der Gaumen diesbezüglich sehen kann).

Der Kellner war aber zu kurz angebunden, weil viel los war im Mittagsgeschäft, aber wir sind übereingekommen, darüber werden wir uns noch austauschen. Es kursiert nämlich der Spruch, hierorts gäb’s das beste Gulasch in ganz Wien, was aber für mich erst noch zu beweisen wäre. Quell, aufgepasst, do red ma no d‘rüber.

Ein weiterer Fixpunkt für meine Art Suderei Wiener Prägung bildet die Rindsuppe. Die ist hier brav, ich gehe mal davon aus, da wird ein wenig mit künstlicher Verbesserung nachgeholfen, was ich in Standard-Gasthäusern nicht weiter kritisiere, solange die Basis passt, und die finde ich brauchbar, ist also gut.

Beim Reisfleisch versuche ich zwar immer wieder auch noch das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden, habe es aber noch nicht ausgemacht. Da wird gute Hausmannsart vorgezeigt, zwar schlicht und einfach, auch in der Präsentation, das Fleisch aber saftig und die Paprikanote schmackhaft im Lieferumfang integriert, es schönes sehr gut.

Linsen mit Speck, man darf das wörtlich nehmen, also nicht Specklinsen, indem Speck in die sämige Sauce klein geschnitten mitverarbeitet wird, sondern angebratene Speckstreifen beigelegt. Das führt dazu, dass der Vegetarier auch auf seine Rechnung käme und die Natürlichkeit der Linsen besser zum Tragen kommt. Und so wandert's dann z.B. von des Töchterleins Teller in den meinigen.

Ja schmeckt aber gut, wichtig ist, dass es nie zu pampig wird, und ein wenig Säurerest noch spürbar ist, aber ich brauche halt auch den Umami-Kick, den ich mir dann mit der Vermischung aus Linsen und Speck hole und das funktioniert so auch. Sprich es ist so meine persönliche Vorliebe, also objektiv gut bis sehr gut, subjektiv bleibt es beim gut.



Reisebegleiter

Die Knödel sind bislang immer gut gewesen, egal was sie begleitet haben, frisch, angenehm weich zum Zerteilen, dennoch mit nötiger Bissfestigkeit, zum Saugen wie sich’s gehört sehr gut, im Geschmack könnten sie etwas mehr noch an Würzung vertragen, womit ich nicht Salz meine.

Auch für den Salat gelte diese Aussage. Meist war es bei mir ein Gemischter, sehr natürlich ohne viel Schnörksel, wie es diese Art GH kennzeichnet, aber frisch und herzhaft jede dazu passende HS gut zu begleiten. Rundum also gut.


Meine übliche Suderei & Lobhudelei

Insgesamt bin ich mit dem Quell noch nicht so auf Tuchfühlung gegangen wie mit anderen Wirtshäusern, gedenke aber diese meine Bildungslücke zu schließen. Was ich bislang kenne und weiß, ist er das wert. Das nostalgische Ambiente ist jedenfalls anziehend und spricht mich sehr gut an. Selbst der Gang aufs WC wird so zum Erlebnis von anno dazumal.

Die kulinarischen Erfahrungen sind bislang gut gewesen, meine Suderei mit dem Gulasch oder auch bzgl. des Kaffees kann auch eine Macke von mir sein, aber darüber red ma jo no, und dann wenn’s geht durchaus auch Tachiles. So meine ich die Speisen rundum als gut zu bewerten. Wie es sich ergibt liefere ich gerne noch Auffrischungen weiterer Erfahrungen nach, im modernen Vergewaltigungs-Deutsch auch „Apdejt“ (update) genannt.

Der Preislevel ist echt am Boden jeder Leistbarkeit geblieben, das verdient von mir ehrliches Lob, und wer das anders sieht, dem kann man dann nur Döner-Stand‘ln und Billigst-Fritter-Buden empfehlen. Es gibt hier nichts (soweit ich mich erinnere) was die 20€ Hürde überschritten hatte und dabei sind die Portionen anständig und sättigend.

Mein Letztbesuch belief sich unter 30€, was ich ansonsten üblicherweise nicht schaffe, und bestand aus einem Seidl Bier, HS plus Extra-Beilage, Mokka groß und mein übliches Schnapserl um insgesamt 26,90€ was ich auf 30€ dankenswerterweise aufgerundet habe.

Die Kellner kenne ich noch nicht gut genug wie anderswo, zumeist waren sie noch recht jung, aber wie ich das anhand meiner Fotosammlung einsehen kann, wechseln sie auch. Der letzte gab mit zur Auskunft, er wäre nun 3 1/2 Jahre hier und er sang mir dabei auch die derzeit populär gewordene Arie des sterbenden Gewerbes vor. Ich kann ihn verstehen, bloß nicht helfen, es sei denn mit meinen Besuchen.


Der Versuch es in einem Satz zu formulieren:

Das Gasthaus Quell kann mit Ausnahme seiner bewundernswerten Nostalgie nicht mit der Marke Sonderklasse punkten, dazu sind wir Gourmet-Fritzis sicher auch schon zu verwöhnt, aber für eine anständige Küche auf Basis ehrlicher und auch schon rar gewordener Hausmannkost zu fairen Preisen bin ich immer zu haben, und dazu werde ich es künftig noch mehr ins Herz schließen.
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Sehr schöne Bewertung, es freut, so etwas zu lesen. Habe d'Ehre, und wieder hat es ein Lokal qua dieser Bewertung auf meine To-Do geschafft. Sie wird immer länger, langsam wird's eng, ob ich das alles abarbeiten werde können. Ein paar Punkte: Zwiebel rösten beim Gulasch ist zeitaufwändig, das geht nicht in 5 Minuten. Die Zeit zu geben fällt schwer, - ich bin auch ein eher ungeduldiger Zeitgenosse - aber es ist eben ein "sine qua non". Die Ausrede, es muss "angesetzt" werden, lasse ich so nicht gelten, dann halt für Freitag oder Samstag planen. Ich hab vor kurzem ein Gulasch gekocht - dunkelrot bis schwarz (wie meine Seele), ja, das braucht schon drei Tage. Ad Reisfleisch: nun, bei einem klassischen Reisfleisch (ohne moderne "bells and whistles" kann man m.E. ja nun wirklich nicht viel falsch machen. Ad Linsen: ich verarbeite Speck mit den Linsen (gut, dann sind Vegetarier halt raus) und gebe zusätzlich beim Servieren gerösteten Selchspeck drüber. Zugegeben, erhöht (ein wenig ;-) die Kalorienzahl, schmeckt aber fantastisch. À bientôt, ich harre der nächsten Bewertung mit Ungeduld. Weil: macht Spaß, so etwas zu lesen (falls ich das nicht schon erwähnt hätte ...)

8. Sep, 13:43·Gefällt mir2

Mein Güte, der Quell Poidl (Gott hab ihn selig) warad glücklich, wenn er sein Erbe so gepflegt wüsste....ein tolles Lokal. Die "saisonalen Spezialitäten" auf der Wochenkarte sind übrigens seit Jahrzehnten unverändert; und des passt auch so!

6. Sep, 14:36·Gefällt mir1

Es sollte klar sein, dass niemand das "beste" Gulasch hat, wenn es doch Geschmacksache ist. Es hat dir halt hier oder dort am besten geschmeckt. Was man aber bewerten kann ist, ob es richtig gemacht wurde. Dafür kann man Kriterien erstellen. Es werden meine Quell-Besuche aber nicht daran scheitern. :)

6. Sep, 12:16·Gefällt mir
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3. September
1130 Wien
SpeisenAmbienteService
Frustessen zur Versöhnung Es ist Samstag nachmittags, ca. 18.00 Uhr, wunderschönstes Spätsommerwetter, aber es muss eine kulinarische Schlappe vom Vortag verarbeitet werden, wie mir meine ach so... MehrFrustessen zur Versöhnung

Es ist Samstag nachmittags, ca. 18.00 Uhr, wunderschönstes Spätsommerwetter, aber es muss eine kulinarische Schlappe vom Vortag verarbeitet werden, wie mir meine ach so begehrte Wiener Küche gestern eine schmerzliche Niederlage erteilt hat.

Am Weg nach Hause, dieses Mal auf mich alleine gestellt, erwäge ich einen Abstecher ins Schönbrunner Stöckl. Mir sind dort die Powidltaschkerl noch in guter Erinnerung. Ja das ist es, die sollen mich trösten, also hinein.

Ich kenne das Lokal mittlerweile, der Gastgarten wurde mit neuen leuchtend orangefarbenen Metallstühlen ausstaffiert, ein wenig gewöhnungsbedürftig, man braucht Zeit bis sich das Auge daran gewöhnt. Ich nehme Platz und warte.

„Essen auch oder nur trinken?“ war die erste Begegnung mit einer quirligen, aber netten Dame, von der ich später erfahre, dass sie Slowakin ist. Wir sind an einem Ort, das einige böhmische Schmankerl anbietet. Man verzeihe mir, ob es sich um slowakische oder böhmische Küche handelt, die beiden Nationen können nicht so gut miteinander. Nun, das sei deren Sache, mir soll alles Recht sein, was gut ist.

Wie ich so überlege schwenke ich um, denn der Tag war zu herrlich um den Rest daheim zu versitzen. Spontan fällt mir noch ein, ja richtig, da gibt‘s auch Hühnersuppe, also „essen“ und sofort liegt die dicke Speisekarte vor mir. Zu trinken ein 1/8 Weiß, die Auswahl ist nicht allzu groß, nach Auflistung einigen wir uns auf den Veltliner, dazu ein 1/2 Soda und ich blättere in der Karte.

Der erste Punkt wäre schon geklärt, Hendlbouillon, wie es auf der Karte heißt. Ich kenne übrigens nur 2 Lokale in Wien, die so etwas anbieten und hier ist sie mir auch in guter Erinnerung. Als Hauptgang Zbojnik, das auf Deutsch Räuber heißt. Powidltaschkerl, ihr müsst auf die Reservebank, ich setzte heute andere Spieler ein.


Ein gutes Supperl macht schon zufrieden

Der Veltliner (4,50€) ist Durchschnitt, Sorte unbekannt und die Suppe (4,90€) kommt alsbald in einem Metallreindl. Nett, mal anders. Ah, der Duft steigt auf und ich beginne mich hineinzutigern.

Sie war nicht intensiv, aber brav und ehrlich, ausreichend Hühnerfleisch, Nudeln und ein paar Karottenstückerl. Da bleibt nichts übrig und der Löffel allein wandert ins Reindl. Ein gelungener Auftakt und der Essens-Frust vom Vortag verblasst und war schon nahezu vergessen.


Zbojnik – eine pikante Räubersg‘schicht

Ehe das Hauptgericht anmarschiert werde ich mit Musik von Adriano Celentano bis hin zu Operettenschnulzen versorgt. Es übertönt den Straßenlärm, war aber etwas zu laut. Meiner Bitte um etwas leiser wurde zögerlich aber doch entsprochen.

Nun zum Räuber. Dieses Zbojnik (17,90€) ist ein größerer Erdäpfelpuffer, der umgeklappt und darin mit geschnetzeltem Schweinsschopf gefüllt wird. Schon die erste Anprobe versöhnt nun restlos, und ich gab mich dem Gericht vollends hin.

Ausnehmend gut die Würze, ob Cayenne-Pfeffer oder Kotanyi‘s Paprikapulver scharf eingesetzt wurde, könnte man als Quiz laufen lassen, Paprika war jedenfalls ausreichend mit von der Partie und vermischte sich mit der öligen Bindung zu einer herrlich pikanten Genussvielfalt.

Hinzu kommt der knusprige Puffer, der solide Handarbeit verrät und anständig knofelt. Das muss so! Obendrauf leicht geschmolzene Käsestreifen, die man zwar wahrnimmt aber im Gesamteindruck verblassen. Das war richtige Klasse. Ergänzt wurde mit einem Salat aus Rot- und Weißkraut, sehr naturbelassen, knackfest, sanft säuerlich mariniert, insgesamt eine Rund-Um-Zufrieden Note.

Zufriedenheit, du hast mich wieder. An sich bin ich das ohnehin, aber man kann davon einfach nicht genug kriegen, und dazu geht die tschechoslowakische Küche nun mit einem 2:0 gegen den Wiener Gegner von gestern klar in Führung.

Den Puffer gibt’s übrigens auch für sich allein (5,90€) bzw. zum Mitnehmen. Das war ein kleiner Tröster während der C-Zeit, als man ja nur beschränkt kulinarisch versorgt wurde.


Ausklang oder geht noch was?

Das Lokal beginnt sich zu füllen, die Dämmerung setzt ein, es wird regelrecht romantisch. Am Nebentisch nimmt ein älteres Ehepaar Platz, dessen männlicher Teil mich freundlich begrüßt und es beginnt eine nette Plauderei. Ich erfahre, dass sie schon 65 (!) Jahre verheiratet sind. Ich bin begeistert und hier seien sie schon Stammgast seit 40 Jahren. Was soll ich sagen?

Angesicht dieser netten Entwicklung beschließe ich den Ausklang, bestehend aus Espresso und später noch einen, dazu einen Verdauungsschnaps namens „Jelinek“ aus Birnen (5€), den mir mein quirliges Mäderl empfohlen hat, in ein Intermezzo umzuwandeln. Im Fussballjargon bin ich in der Halbzeitpause.

Es gehen da schon noch die Powidltaschkerl und meine Nachbarn bestellen sich diese ohne jedwede Absprache desgleichen. Die wissen also auch, was gut ist. So schicke ich für die zweite Hälfte noch einen guten Stümer und Torjäger ins Feld fürs Finale.

Von meiner quirligen Kellnerin werde ich erneut begeistert als ich höre und staune, wie sie neben mir in fließendem Englisch die Touris bedient. Das hört man selten so. Jetzt ist Hochbetrieb, das Lokal ist bummvoll und sie fliegt unermüdlich hin und her wie ein fleißiges Bienchen. Meine Bestellung nimmt sie en passant auf.

Der Geräuschpegel nimmt zu und die Musik rückt in den Hintergrund. Die Dämmerung schreitet weiter voran und es wird immer stimmiger. Man atmet so richtig auf.

Da schau, da kommen sie, die Tatschkerl (8.90€) und schon nach nur einem Bissen Tooor! Es steht 3:0 und die behmisch/slowakische Mannschaft trägt mit diesem Ergebnis einen klaren Endsieg nach Hause.

Sehr, sehr gut, ein wunderbar weicher Teig (ob Topfen, Erdäpfel oder gemischt tue ich mir immer schwer) mit ausreichend Powidl gefüllt, umhüllt in knusprig gesüßten Butterbröseln. Ja, da lacht das Herzerl.

Ende gut alles gut, alles muss auch einmal enden, ich erteile den Schlusspfiff und ordere die Rechnung, mit alles 55€. Es war heute jeder Cent richtig investiert und ein WrkFan tritt, wiewohl im Heimspiel kurioserweise geschlagen, dennoch rundum zufrieden den Rest seines Heimwegs an.

Trotz meiner wunderbaren heutigen Erfahrung werde ich für alles eine rund um 4 Note vergeben, da ich ja nicht das erste Mal hier verweile. Gibt es auch Schwächen? Ja, aber für heute Schwamm drüber, denn Siege wollen gefeiert werden.
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von mir HGL

4. Sep, 19:45·Gefällt mir1

Sehr ansprechend geschrieben, - und schon ist das Lokal auf meiner ToDo Liste.

4. Sep, 09:43·Gefällt mir2
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1. September
4820 Bad Ischl
SpeisenAmbienteService
Der Zauner – mein Dommayer von Bad Ischl Seit Jahren schon zieht es mich auf meinen Reisen durch Österreich magnetisch an einen bestimmten Ort nach Bad Ischl zum Zauner an der Esplanade. Was die... MehrDer Zauner – mein Dommayer von Bad Ischl

Seit Jahren schon zieht es mich auf meinen Reisen durch Österreich magnetisch an einen bestimmten Ort nach Bad Ischl zum Zauner an der Esplanade. Was die Zauners hier mittlerweile nach einer 190 jährigen Geschichte auf die Beine gestellt haben, Hut ab. Was bedeutet das für mich? Lese man weiter.

Bei Schönwetter im geräumigen Garten zu sitzen, den dahinplätschernden Wellen der Traun verträumt hinterherzusehen, ein Blick auf den Siriuskogel und die hübsche Villen am gegenüberliegenden Ufer, vor sich das gute Kaffeetscherl oder den herzhaften Roten, bildete schon oft den Grund für einen Zwischenstopp auf meinen beruflichen Reisen, um kurz die Seele aufzutanken.

Weil mich diese Erlebnisse immer wieder fasziniert haben, plante ich heuer ein paar Urlaubstage zusammen mit meiner immer treuen Begleiterin. Zwei mehrtägige Aufenthalte erlaubten einige weitere Einblicke in das Repertoire von Frühstück, Patisserie und auch der Speisenkarte und wir konnten uns ein wenig durchwühlen.

Was für mich der Dommayer in Wien ist, das ist hier der Zauner an der Esplanade. Kommt dazu ein guter Rund-Um-Service geschulter Mannschaft samt Auftreten und Manieren, die für das werte Wohlbefinden sorgen, ist das für mich besser als so manche Fernreise.

Damit meine Seele fröhlicher Dinge ist braucht sie gar nicht mehr nebst Begleitung um im Nachhinein sagen zu können: G‘habert homma z'aumm guat, g’sess’n samma z'aumm sche und bedient höm‘s uns königlich. Dann lebt meine Seele auf und solches erreicht sie hierorts wirklich gut.


Kaffee & Zaunerstollen make my life easy

Hier gibt‘s ihn wieder für mich, einen wunderbaren Kaffee, besser sogar als Meinl würd‘ ich sagen, wer der Röster ist weiß ich nicht. In der Form „kurz“ ausnehmend betörend nach dem Aroma frisch geriebener Arabica-Bohnen duftend, eine passable Crema, so tanke ich kräftig und nachhaltig Koffein und man kann freudestrahlend in ein glückliches Gesicht ohne Schminke blicken.

All das mit von mir hochgeschätzter Kaffeehauskultur, dazu gehört ein Silbertablett, die Kaffeetasse auf passender Untertasse platziert, dazu ein Glas Wasser und den Espresso-Löffel verkehrt oben drüber gelegt. Genau so macht man das, und weil‘s für mich ist noch einen Tupf Schlagobers extra, echtes selbstverständlich, und erneut glücklich er ist.

Zucker obligatorisch dabei, aber für mich redundant, man kann so aber am Foto ablesen, von wem das dargebotene Kunstwerk stammt, weil am Papier’l „Zauner“ steht.

Dazu eine Oblatte vom Zaunerstollen, der auch das Aushängeschild ist, wie die Sachertorte für den Sacher, nur in Ischl. Das ergibt ein Orchesterwerk für meine Sinne und ich brauche für kurze Zeit nichts anderes.

Es gibt ihn in heller der dunkler Ausführung, im inneren die streuselige Schoko-Haselnuss-Fülle, die auf der Zunge zergeht und der Gaumen singt. Ach, könnte es so auf immer und ewig sein.


Frühstück im Freien

Bei einem anderen Besuch war Frühstücken dran und wir ließen das Kaiser-Etagere auffahren. Klar, hier hat alles was mit Kaiser zu tun, Wir haben festgestellt, dass es zu zweit doch an Menge nicht unbedingt reicht, aber das Gebotene lässt in Sachen Auswahl kaum Wünsche offen.

Aus dem habe ich zwei Highlights entdeckt, das erste der Lachs. Der war richtig gut, intensiv und mit einer Note, die meiner Nase bislang vorenthalten wurde. Ich kann’s gar nicht beschrieben als nur edel, edel. Ich brachte in Erfahrung, woher man den bezieht. Der Lieferant heißt „Abrahams Friesländer“ aus Norddeutschland.

Und dann noch dieses Nusskipferl, das on-top am Etagere platziert wird, sodass man es auch wahrnimmt. Werbung? Auch, jedenfalls hat das bei mir funktioniert. Das könnte sogar den Stollen noch übertrumpfen, aber alles zu seiner Zeit.

Mann, kann Leben schon sein. Süß ist es, das sei gesagt, aber die Kombination mit geriebenen Nüssen ist wie Weihnachten, wenn die Vanillekipferl Saison haben, dafür ganzjährig und für jung und alt.


Mitagessen - Vorspiel

Und wieder sitzen wir da. Heute wird g’essen und dazu organisierten wir einen direkten Tisch an der Traun. Man kann sich da auch ganz lässig am grünen Geländer anlehnen.

Die dargereichte Karte beinhaltet auch die Weine flaschenweise und wenn man danach verlangt, erscheint eine dafür ausgebildete Fachkraft. Das finde ich toll, denn der Mann war auch vom Fach.

Nach eingehender Beratung festigte sich die Entscheidung für einen Mittelburgenlandler, Reumann Grenzlandhof aus Deutschkreuz mit dem klingenden Namen „Cuvée Mariela“ Jahrgang 2018. Der Tropfen erwies sich als vollmundig und kräftig, würdig das Kommende zu begleiten. Die Beratung hat sich gelohnt. Man findet solches oft nicht in Top-Lokalen, daher erhielt das meinen gebührenden Respekt.


Wiener Schnitzel - Original mit Hürden

Als Speisen finden wir nicht so die rechte Wahl, weil die Auswahl eher bescheiden war, aber dann wird es nicht selten die Klassik-Kombi Rindsuppe, heute Fleischstrudel, und danach ein Original Wr. Schnitzel, letzteres für beide.

Die Consommé war brav, sauber und rein, gut die Einlage, herzhaft und intensiv die Fleischnote. Sie überschattete den Suppengeschmack, das aber nicht zum Nachteil. Ein guter Einstieg.

Das Wiener vom Kalb, in der Pfanne herausgebacken, was ein paar dünklere Stellen der Panier offenbaren und ein unverkennbarer Butterschmalzduft, also ein richtiges Original mit alles.

Ich stehe auf das intensive schmalzig riechende Aroma aber nicht immer, weil es auch zuviel des Guten sein kann und dann schlägt es um, und das war für mich etwas der Fall.

So hin und wieder das Original des Originals, wie’s im Sacher-Kochlehrbuch steht, das geht in Ordnung und es bereitete dem Wort „Wien“ auch keine große Schande, nur halt der Geruch, aber vielleicht bin ich darin übersensibel. Meine Begleitung meinte es wäre ok, nun gut, dann nehm ich das auf mich.

Einen deutlich größeren Abstrich bildeten die Petersilienerdäpfel und da waren wir uns beide sehr einig. Mit leuchtend knallgelber Farbe waren sie zwar eine regelrechte Naturschönheit, der Geschmack nicht weniger, d.h. die Qualität wäre exzellent, nur bildete sich an der Oberfläche eine dünne Hautschicht und sie wurden mit der Zeit immer trockener.

Die sind halt schon länger gelegen und waren auch durch erneutes in Butter schwenken nicht mehr zu retten. Frisch ist eben frisch, ein m.E. dummer und unnötiger Küchenfehler.

Dafür gleichte der Gurkenrahmsalat mit Erdäpfeln das so entstandene Flüssigkeits-Defizit aus. Gut, dass wir den extra geordert haben. Reinen Gurkensalat, wie es mein Wunsch war, hat es nicht gegeben, aber der tat’s schon.

Aus früheren Besuchen hatte ich ähnliche Erfahrungen mit anderen Speisen. Es war ja nie schlecht, aber es bleibt wieder der Eindruck haften, in ein Kaffeehaus gehst Kaffee trinken und essen doch woanders. Das bestätigte aufs Neue meine Erfahrung, so kenne ich das auch vom Dommayer.

Top-Küche und Kaffeehaus dürfte als gastronomisches Konzept scheint’s nicht funktionieren. Schlag mich tot warum, aber so empfinde ich das. Anderseits verlange ich gar keine eierlegende Wollmilchsau, so einigt man sich auf die jeweiligen Stärken und lobt diese.


Nette Service G’schicht’n

Ich habe schon das tadellose Auftreten samt Manieren angesprochen, das gefällt mir klarerweise, reicht aber noch nicht. Es passierten einige Patzer, die aber bravourös gemeistert wurden. Und daran erkennt man, was Sache ist und das überzeugte. Ein paar G'schicht'ln dazu.

Ein etwas schon an Geruch leidender Schinken hatte sich ohne entdeckt zu werden auf das Frühstücks-Etagere geschlichen. Er wurde ohne Umschweife in einen neuen, saftig frischen verwandelt. Nun, die Geruchsprobe überzeugte auch den Kellner sofort.

Ich wollte dazu noch eine Portion Schnittlauch, aber lt. Küche wäre für heute noch nichts angeliefert worden. Ein paar Minuten später leuchtet er mir auf der Eierspeise eines anderen Gastes grün entgegen. Ich fragte, welche Zauberhand da im Spiel wäre. Wieder ohne Umschweife kehrt Marsch und schwupp di wupp kam ein Schüsserl mitsamt netter Bemerkung: „Es tut uns leid, aber wissens‘s unser Koch …“. Is doch liab.

Die Urgenz der ausgetrockneten Erdäpfel wurde kurz mit der Küche abgesprochen und man redete sich nicht heraus. Ändern kannst es eh nimmer, der Service kann da auch nichts dafür, aber auch den Umgang fand ich Klasse.

Ich habe selten Probleme mit Hoppalas, finde sie menschlich und steh‘ sogar insgeheim drauf, ich geb’s zu, denn dann hat man was, worüber sicher der Wiener so gern s‘Maul zerreißt, aber es macht eine ganz andere Musik, wie man damit umgeht. In meinen Augen hier genauso, wie es sich gehört.

Bei der Weinberatung kam ein Kellner in etwas anderem Look, der sich als „Mädchen für alles“ vorstellt. Es stellt sich heraus, dass er eher eine Koryphäe ist, nicht nur in der hiesigen Karte bewandert, sondern quer durch die Gastronomie Ausbildungen hat und auch eine schöne Portion Humor und Schmäh an den Tisch mitbringt. Gäbe es nur mehr seines Fachs.

Eine Eigenheit bietet der Zauner für die Patisserie. Man bestellt sich die Leckerlies nicht am Tisch, sondern begibt sich zur Theke, sucht sich was aus und erhält ein Zettelchen. Das Gewählte wird am Teller vor dir platziert, aber du darfst es nicht mitnehmen. Stattdessen wandert man zurück zum Tisch und überreicht den Zettel dem/der Kellner/in und die Bestellung wird dann zum Tisch gebracht.

Ok, warum einfach, wenn‘s umständlich auch geht, aber das hat hier schon so lange Tradition. So was ändert man wie ich das auffasse schon um der Tradition willen nicht. Gut, dann verbuchen wir das als Kulturaspekt.


Fazit – Rundum-Zufriedenheit

Der Zauner auf der Esplanade ist eine Wahl für jede Tageszeit, sei es für gutes Frühstück, eine Jause, für den kurzen Kaffeestopp oder das ausgedehnte Mittag- oder Abendessen. Er schlägt dabei andere um Meilen hinsichtlich seiner Patisserie und hervorragender Kaffeekultur.

Wer den gleichen Level für das Essen erwartet, der sollte das für meinen Geschmack aber woanders versuchen, es sei denn, man kann sich damit begnügen was das übliche Kaffeehaus dazu bietet.

Das Preisniveau wurde noch nicht angeschnitten. Ich halte den Zauner weder teuer noch billg, es ist für meine Begriffe insgesamt angemessen und vergleichbar mit gehobenen Kaffeehäusern aus Wien.

Ein paar Maßzahlen: Großer Espresso 4,60€, das Wiener vom Kalb 23,10€ oder unsere Weinwahl fiel auf 35€. Die aktuelle Speisekarte steht auch Online zu Verfügung: [Link]

Am Ende gibt der Gesamteindruck den Ausschlag und ist mit dem 1A-Ambiente und einem professionell agierenden Service für alle Fälle schon einen Besuch wert, und für mich als Kaffee- und Schokofreak auch ein Suchtfaktor. Mit anderen Worten, andere dürfen und können, ich muss. 😊
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Dem Wunsch ChrD3's bin ich nachgekommen. Was man nicht alles für treue Stammleser tut. :-) Und keine Sorge, den Begrff Sektiererei kenne ich aus ganz anderer Ecke. Hier war es eine gute Anregung was man verbessern kann. Danke

2. Sep, 11:07·Gefällt mir2

M12: zwar exklusiv - aber in erster Linie eine Konditorei! Da wird eben in Richtung Bierangebot nicht großer Aufwand betrieben.

2. Sep, 11:02·Gefällt mir1

Warum man in solch "exklusiven" Etablissements hundsnormale BrauAG Plörre anbietet, werde ich wohl nie verstehen. Das Schladminger akzeptiere ich ja noch, obwohl leider inzwischen auch dem BrauAG bzw. Heineken Imperium eingegliedert, wird aber noch immer in Schladming gebraut. Danke für den umfangreichen, informativen Bericht.

2. Sep, 09:24·Gefällt mir1
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27. August
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27. August
1100 Wien
SpeisenAmbienteService
Alte Welt – Neue Welt Tatort Multikulti-Hotspot der Stadt Wien unweit der Eislegende am Reumannplatz Nur ein Haus weiter fristet eine weitere Institution ihr langjähriges Dasein namens: „Zum Al... MehrAlte Welt – Neue Welt

Tatort Multikulti-Hotspot der Stadt Wien unweit der Eislegende am Reumannplatz Nur ein Haus weiter fristet eine weitere Institution ihr langjähriges Dasein namens: „Zum Alten Beisl“ Aber nicht alles, nur weil es alt ist, ist deswegen auch gut, wie auch alles Neue nicht zwingend gut sein muss.

Es sei denn man verbessert Dinge, dann kann aus „Altem“ sogar „Edles“ werden. Dazu ein lebendes Beispiel unserer kulturellen Zeitgeschichte.

Das Massenaufkommen vor dem Eissalon könnte das alte Anwesen übertünchen, aber Insider steuern die Adresse bewusst an. Dieses Publikum ist weniger multikulti, jedenfalls kennt und schätzt es auch gute Beislkultur, zu deren Vertretern sich meine Wenigkeit hinzurechnen möchte.

Im Jahre 2015 (Kinder, wie die Zeit vergeht!) hat der Meister des Kochlöffels Herr Metin Yurtseven (Vursicht, er red‘t Steirisch und Wienerisch besser als so manch anderer 😊) mit seiner Partnerin den Betrieb übernommen. Zuvor erwarb er sich im Meinl-Restaurant am Graben seine Sporen, um dann den Sprung für etwas Eigenes zu wagen.

Mit viel Herzblut wurde das Lokal Schritt für Schritt von einem früher unterdurchschnittlichen Vorstadt-Beisl auf ein nettes Beisl auf Herzeige-Niveau umgewandelt. Das verdient Respekt! Ist er nun auf dem Weg zu „edel“?

Neben der Küchenverbesserung wurde der gesamte Lokalstil verändert, indem z.B. heute eine Holztäfelung die Wände zierend des Besuchers Auge erfreut. Solches trägt die Handschrift der Partnerin des Meisters. Das nenne ich tolle Arbeitsteilung und schön ist’s geworden. Die Hütte ist klein, fasst ca. 40 Gäste im Inneren, und es gibt einen Schanigarten als auch Innenhof.

Ich hätte da liebend gerne meinen Runden mit ca. 40 Personen gefeiert, wofür diese Location maßgeschneidert wäre. Herr Metin und ich waren schon handelseinig, nur vereitelte eine sog. 2G-Regel das Vorhaben und ich musste schweren Herzens wieder absagen. Das ist zwar eine andere G‘schicht, es soll nur zeigen, welchen Wert das Lokal in seinem heutigen Zustand für mich gewonnen hat.

Ja, so stelle ich mir ein Beisl dieses Schlages durchaus vor, Klasse statt Masse und dazu die individuelle Note. Jetzt fehlen bloß noch läppische weitere 25-30 Jahre, damit das Lokal gehörig Patina ansetzt und dann wäre der Veredelungsprozess abgeschlossen. 😉


Herzeigbare Beislkultur

Man wird in das Angesicht des Meisters nur wenig blicken, der mit unermüdlichem Fleiß in der Küche werkt. Hin und wieder setzt er sich zum Stammtisch und was so üblicherweise von der Küche in die Gaststube wandert, erneut Respekt!

Rindsuppe konstant sehr gut, kräftige Bouillon obligatorisch, ob auch Nachhilfe mit etwas Kraftverstärker wollte ich beim letzten Besuch erforschen. Nachdem wir dazu eine angeregte Diskussion im Forenbereich führten, wollte ich es genau wissen und begab mich auf die Pirsch.

Unschuldig erkundigte ich mich beim Kellner, und er versicherte mir, dass der Koch (er weiß dabei nicht, dass ich ihn eh kenne) ein Haubenkoch wäre, der das keinesfalls täte. Und so wollte ich es ihm auch glauben.

Jetzt fehlt nur noch meine persönliche Bestätigung und ich muss offen zugeben, ich werde es nun auch glauben. Sie war nicht so kraftprotzig, hatte aber einen ansehnlichen Fettanteil und zwinkerte mit einigen kleineren Augerln in meine Augerln.

Geschmacklich kaum zu tadeln, der Leberknödel noch besser und die etwas schärfere Note kam eindeutig von der Muskatnuss, die auch rein darf. Ich war zufrieden, sowohl mit meiner Leistung als Forscher, aber eigentlich noch mehr als Gast, dem’s auch geschmeckt hat.

Hauptspeisen werden immer wieder variiert, nicht nur saisonal, sondern auch mit individueller Note. Typische Wiener Küchenklassiker findet man nicht immer auf der Karte, sind aber, so vorhanden, durchwegs zu empfehlen, manche Gerichte gibt es dagegen fast immer.

Darunter fallen z.B. Käsespätzle, serviert in dunkler Auflaufform, kräftig und würzig mit Bergkäse durchzogen, Rrrrröstzwieberl obendrauf, nix vom Pack’l, versteht sich, vervollständigen den Genuss.

Sind Rindsrouladen am Programm, ist zumeist die Entscheidung getroffen, dann her damit. Feines mageres Fleisch, aber nicht trocken (!) in einem herzhaft sämigen mit Wurzelwerk angereicherten urtypischen Safterl, dazu Bandnudeln, wird zu einem Muss, bislang keine Ausreißer.

Hierorts kriege ich nicht immer, aber immer wieder ein wirklich passables Erdäpfelgulasch, eine Rarität, die zwar jeder, der sich Wiener schimpft, kennt, aber trotzdem nur sehr wenige anbieten.

Ein Ensemble würziger Aromen a la Gulaschsauce von ihrer Kümmel/Majorannote mit geräucherter Wurst (schlag mich tot, welche jetzt genau), dazu die Kraft urwüchsiger heimischer Erdäpfel, beteiligt auch die Nase am Genuss. So was nennt der Volksmund a guat‘s Papperl wie bei der Mama.

Bis auf wenige Ausnahmen variiert immer wieder die Präsentation auf dem Teller. Hier offenbart sich Ideenreichtum, sodass ein und dasselbe Gericht jedes Mal in neuem Glanze am Tische erscheint. Mir gefällt das, das veredelt so auch meine Besuche.

Dazu meine Erfahrung vom letzten Besuch durch einen Faschierten Kalbsbraten mit Erdäpfelpüree. Hausmannskost denkt man sich, doch ich wurde erneut überrascht und das optisch wie geschmacklich. Anstelle Röstzwiebel saisonale Steinpilze, die eine Sensation an Harmonie bildeten, und das obwohl ich kein allzu großer Schwammerlfan bin.

Das Faschierte mit einem Hauch Trüffelöl versetzt, ein Hammer die Jus dazu sämig, leicht einreduziert mit Power, last but not least das Püree ganz feincremig, leicht milchig, weniger buttrig, aber schön fest, ohne viel Fehl und Tadel. Ich hätte mehr Muskat noch eingearbeitet, aber das ging im Gesamteindruck unter, es fiel mir auch erst später auf, als meine Schwarmphase schon im Abklingen war.


Fischgerichte - Verdacht auf Haubenküche?

Was ich hierorts hervorheben möchte ist Herr Metins Fischzubereitung. Dafür hat der Mann ein begnadetes Handerl und stellt so manch gehobenes Fischspezialitätenrestaurant zweitweise in den Schatten.

Ich esse gerne was aus dem Wasser kommt und treffe nicht selten dafür meine Wahl, da sich das hier mit geschätzter Beislkultur trifft. Also nicht immer nur Backhend‘l & Co, wenn beim Lesen der Speisekarte der Fisch mehr lockt.

Ich kann momentan kein Einzelgericht oder Erlebnis beschreiben (ach, das Hirn lässt nach) aber man lässt gekonnt Kreativität spielen mit am Ende fantastischen Ergebnissen. Von Besuch zu Besuch wird sowohl dem Gaumen als auch dem Auge immer wieder eine neue Lehre erteilt.

Gegebenenfalls erfolgt ein Update, dann kann ich auf Details achten. In mir sorgt jedoch die Erinnerung immer wieder für ein nachhaltig angenehmes Echo, so wie der Faschierte Braten noch lebendig in mir meine Ganglien beschäftigt.


Kurz und bündig – der Ausklang

Für das Rund-Um-Sorglos-Pakt hilft der Service mit, der aus immer wieder auch neuen Gesichtern besteht. Eine HP leistet man sich weiterhin nicht, was ich für Schade befinde, es gibt zumindest aktuelle Informationen auf FB.

Meine übliche Kaffee-Meckerei erspare ich mir mit Verlaub, man nehme zur Kenntnis, jawohl Kaffee nach erfolgreicher Fleisch- oder Fischschlacht und hin und wieder Nachtisch gibt es Gott sei Dank hier auch, dazu tröstet der Nussschnaps. Hot a net jeder, noch dazu einen recht guten.

Ach, ehe ich's vergess, es gab noch kein Wort zum lieben Geld. Das mach ich jetzt kurz und bündig. Die Preise sind moderat und angesichts dessen was angeboten wird für meine Begriffe zum Teil sogar günstig, viele HS durchwegs im Rahmen von 15-20€.

Nicht selten habe ich am Heimweg auf einen letzten gesüßten Absacker beim Tichy verzichtet, denn ich musste nach kurzer Überlegung einsehen, dass das „neue“ Alte Beisl seinen Job wieder so erfolgreich erledigt hat, dass einfach nix mehr geht, wie auch zuletzt wieder.

So schleppt man ordentlich abgefüllt etwas schwerfällig seine sterblichen Überreste noch lebend zur U1. Gott sei Dank ist sie nur ein paar Meter vom Tatort entfernt, das aber mitten durch eine für mich bereits recht fremd gewordene Welt. Aber es tut gut zu wissen, dass es darin auch noch solch ein Beisl gibt.


Meine Wertung – hart aber herzlich

Bleibt die Frage, wie werten? Die gegenüber früher deutlichen Verbesserungen der Speisen und Inneneinrichtung werden von mir entsprechend gewürdigt, sind also rundum sehr gut und was Speisen anbelangt sogar noch besser. Ich zaudere aber mit der Höchsnote, denn man macht halt seine Vergleiche.

Wesentlich dazu beigetragen hat auch das Raucherverbot, denn bis dahin war Hütte eine regelrechte Stinkbude und so wurde der Begriff Vorstadtbeisl oft zu einem Schimpfwort. Dagegen ist heute alles recht edel geworden. Das wollte ich nicht unerwähnt lassen.

Ein wenig hadere ich mit dem Service, der zwar ausreichend aufmerksam werkt, aber nicht auf dem Niveau, wie ich mir das für Wiens klassische Beislkultur erwarte. Erledigt wird aber brav der Job, insofern ein hartes aber herzliches Gut.

Empfehlen muss meine Wenigkeit das Lokal jedenfalls, da wir nicht mehr allzu viel Beisln in der Güte eines Vorstadtjuwels besitzen. Beislfreunde hegen mit mir die Hoffnung, es möge der Meister seiner Küche samt Partnerin weiter emsig an der Veredelung arbeiten.
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I know, I know, aber mit Verlaub, es war immer Bestandteil für meine Entscheidung für einen Lokalbesuch. Und hier wollte (!) ich das auch erwähnt wissen. Aber du hast Recht, ist mittlerweile obsolet geworden. Wird in Hinkunft nicht weiter als Beurteilungskriterium herangezogen, da es nun überall gleichermaßen gilt. Ich lerne immer gerne dazu.

29. Aug, 19:31·Gefällt mir1

Sehr schöne und ausführliche Bewertung, - all questions answered. Und ist schon auf meiner "to-do" Liste, das will ich unbedingt probieren. Das Rauchverbot würde ich (als passionierter Raucher) nicht in die Bewertung einfließen lassen, dafür kann der Wirt nix - it's the law.

29. Aug, 17:36·Gefällt mir1
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26. August
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25. August
5350 STROBL
SpeisenAmbienteService
Tatort Strobl am Wolfgangsee Angelockt von einem tadellosen Internetauftritt landeten wir gestern im 4-Stern Hotel und Gasthof Strobler Hof. Die Tischreservierung und der Empfang erfolgten vorbi... MehrTatort Strobl am Wolfgangsee

Angelockt von einem tadellosen Internetauftritt landeten wir gestern im 4-Stern Hotel und Gasthof Strobler Hof. Die Tischreservierung und der Empfang erfolgten vorbildhaft, platziert wurden wir im Garten, worum ich auch gebeten hatte und wir harrten gespannt der nun kommende Dinge. Es handelte sich um einen Erstbesuch.


Speisen und Getränke

Unsere Weinwahl fiel auf einen Rioja Gran Reserva vom Weingut Sierra Cabtabria (49€) hinein in neue für mich noch nicht aufgeschlossene Welten. Ein paar Österreicher wären auch möglich gewesen, doch dieser wurde zur weiteren Begleitung auserkoren.

Er überzeugte nicht ganz mit seiner erhofften Vollmundigkeit, lieferte aber zum Ausgleich einen nachhaltig kräftigen und länger anhaltenden Abgang.


Wir schreiten voran zu einer Fischsuppe mit einem doch stolzen Preis von 12€, was automatisch die Erwartungshaltung in die Höhe schnellen lässt. Und da kam sie, optisch ansprechend, die Waffen zur Hand und ran an den Feind.

Jetzt wird’s aber interessant, denn ich konnte nicht wirklich eine Richtung feststellen. Hat sie nach der Farbe zu urteilen eine pannonische Art mit Paprikanote oder eine hier individuell regionale? Weder noch, und so richtig nach Fisch war’s auch nicht.

Die Einlagen bestimmten den Charakter „Fisch“ und mundeten gut. Unpassend fand ich aber die Miesmuscheln mitsamt der Schale zu servieren, denn so musste man eine Suppe mit Messer und Gabel essen, was mir misshagte.


Naja macht nichts, dachte ich, es folgen alsbald die Hauptgänge. Für meine treue Begleiterin Schluzkrapfen und für mich Rehragout, schöne Repräsentanten der österreichischen Küche.


Optisch war auch alles recht schön, aber es entwickelte sich der Speisenfortschritt zu einem Kampf, indem das Rehfleisch von Bissen zu Bissen trockener wurde. Mensch, diese Österreicher mit ihrem Magerfimmel, dachte ich, und ich muss das hier ausbaden?

Die Sauce mit braver Sämigkeit und sanfter Wildnote, ein gutes, leicht süßes Rotkraut und brauchbarer Knödel retteten zwar die Genießbarkeit, es bleibt aber der trockene staubige Nachhall im Mund letztendlich haftend in unliebsamer Erinnerung.

Auch die Schlutzkrapfen glänzten nicht, für meine Begriffe war der Teig viel zu dünn, der im Biss sogar als hart empfunden wurde, zu wenig Fülle und Spinat nur in Form dekorativer Auflage, das überzeugte nicht.

Mensch, was war da los? 3 Speisen und 3 Ei‘fohrer und das bei nur einem Auftritt? Glücklicherweise habe ich gelernt mein Wesen damit nicht unglücklich zu machen, aber es blieb diesmal leider weit unter unserer Erwartungshaltung.

Letztendlich war die Sache auch nicht billig. Um 129€ inklusive meinen zusätzlich obligatorischen Espresso samt Seelentröster exklusive Maut erleichterte man hier meine Geldbörse. Trinkgeld gibt’s dennoch, da ich Lokalführung von Mitarbeiterleistung versuche streng, aber gerecht zu differenzieren.

Aufgrund des Auftrittes als Gasthof wurde der Eindruck einer gehobene Küche vermittelt. Es wurde dann aber auch nicht der für gewöhnlich zu erwartende Level gutbürgerlicher Ösrerreichküche erreicht. Zumindest den hätte man m.E. bei einem 4-Sterne Betrieb erwarten dürfen.


Service - reicht liab und nett?

Wir wurden betreut von ausschließlich weiblicher Hand, darunter zwei noch ganz jungen Dirndln, ausnehmend höflich und auch hübsch anzusehen, vermutlich Ferialkräfte, und zwei auch schon mehr erfahrenen Damen, alle in schwarz weiß.

An zuvorkommender Betreuung, einem freundlichem Auftritt samt gewinnendem Lächeln und geschulter Aufmerksamkeit mangelte es also nicht, aber damit hat sich die G‘schicht.

Was nun aber? Als Wiener würde ich es so ausdrücken: „Liab san‘s und fesch san‘s a, auber vom Tutten und Blos‘n hom‘s ka Auhnung.“

So erhielten unsere zu den Speisen vorgebrachten Einwände brav Gehör, nur konnte darauf nichts wirklich sachdienlich erwidert werden. Man werde es an die Küche weiterleiten. No guat, passt scho, denkt man sich wieder. Doch dafür, dass zumindest der Job sehr brav erledigt wurde, sei es in dem Sinn als „gut“ bewertet. :)


Resümee

Das Gartenambiente war durchaus schön, aber mir gehen dekorative Elemente ab. Wir sind übereingekommen, den Strobler Hof beim nächsten Besuch gerne zur Nächtigung heranzuziehen, denn das Zimmerangebot sieht verlockend und interessant aus.

Ein von mir persönlich vorgenommener Lokalaugenschein des Gartenareals samt Relaxing-Bereichs erhielt dafür schon eine wohlwollende Zustimmung.

Ob wir aber das kulinarische Angebot nochmals in Anspruch nehmen werden wird sich weisen, denn hier gilt durchaus auch der Spruch: Das Bessere ist der Feind des Guten.
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21. August
1010 Wien
SpeisenAmbienteServiceKeine Wertung
Sche, dass’d do woast! Diese Worte klingen angenehm in meinen Ohren, wenn ich an das Minoritenstüberl denke. Mit diesem herzlichen Verabschiedungsgruß lasse ich mich gerne vom Lokalinhaber Andi... MehrSche, dass’d do woast!

Diese Worte klingen angenehm in meinen Ohren, wenn ich an das Minoritenstüberl denke. Mit diesem herzlichen Verabschiedungsgruß lasse ich mich gerne vom Lokalinhaber Andi Wojta hinauskomplimentieren, nachdem ich zufrieden und gesättigt ein gutes Mittagessen bei ihm konsumiert hatte.

Man muss wissen, das Stüberl ist kein Wirtshaus, sondern eine Kantine, die nur über die Mittagszeit offen hat. Sitzen kann man bis ca. 16.00 Uhr, aber die Essenausgabe endet um 13.30 Uhr. Und richtig, es heißt Ausgabe, man bestellt an der Schank, bezahlt dort und trägt alles selbst zum Tisch.

Man muss nicht wissen, aber man kann, dass Andi Wojta nicht nur hier bekannt ist, er hat sich auch schon einen Namen gemeinsam mit Alex Frankhauser (Haubenkoch in Tirol) in der ORF-Fernseh-Show „Frisch gekocht“ gemacht. Was ihn neben professioneller Kochshow auszeichnet ist sein Schmäh, den Andi seinem Partner erst lernen musste, na weil der halt ein Tiroler ist (aber lernfähig 😊). Schmäh prägt seine Natur.

Er kann ihn aber in der Mittagszeit nur bedingt anwenden, steht er dort auch unter Stress und nimmt die Zurichtung am Teller für jeden Gast vor. Es gehört zu seinem Faible die Gerichte mit einem Pflanzerl Rosmarin oder Thymian zu bestücken, fürs Augerl warat‘s. Essen kann man’s nicht, ist aber seine Signatur.

Es helfen 2-3 Damen, die alles übrige tun. Denen könnte Andi hin und wieder auch eine Lektion in Sachen Schmäh erteilen, aber das sei seine Sache. Ich unterstütze sie, indem ich mein Geschirr meistens auch wieder zurücktrage. Das muss man nicht, aber man kann, am Einsatz des Personals mangelt es nicht. Brave Mädls sind's, aber recht schweigsam.


Ein Loblied auf die goldene Wr. Küche

In meinen Augen ist der Meister seines Fachs für unsere Generation schlechthin ein Aushängeschild für unsere Wiener Speisentradition. Zuallererst gelernt von Muttern tritt er sichtlich in ihre Fußstapfen.

Man kann sich eines schlichten Menüs bedienen, das ca. 10€ kostet. Unumwunden hat Andi zugegeben, dass er sich bei der Suppe nicht viel antut, aber die Gäste wollen das. Es sei dies daher ein kleine Schwäche, und ich esse sie auch nur, falls der Hunger größer ist.

Der Menüteller hat eine von alters bekannte Form einer Teilung, wo im kleineren Bereich der Salat und im größeren Bereich die Hauptspeise aufgelegt wird. Hier gibt es oft Sachen, die er nur derart anbietet und nicht a la carte.

Meine Favoriten sind aber eindeutig a la carte, von denen ich nachfolgend versuche einige zu beschreiben und den Hauptausschlag geben, warum ich verwöhnter Fratz, der ich doch z.B. ein ausgesprochener Suppenfanatiker bin oder die gute Weinauswahl für unabdingbar halte, es mir dennoch antue hierher zu gehen. Ich verrat‘s euch: Er kocht genial.

Die Weinauswahl ist schlicht rot oder weiß, in der Regel führt er den gemischten Satz von Zahel. Zur Speisen-Auswahl hängt ein A4-Zettel am Holzbalken, der täglich adaptiert wird. Was ausgeht wird simpel durchgestrichen. So funktioniert des do.

Zuletzt, es gibt für bestimmte Speisen bevorzugte Tage, Wer’s genauer wissen will kann Andi Wojtas Newsletter abonnieren, er hat aber eine fast konstante Regelmäßigkeit.


Meine Favoriten

Ich auserkore vier Gerichte, von denen ich von vornherein sage: Top 5, es geht net besser. In der gehobenen Küche sollte es eigentlich erst von 5 aufwärts gehen und weiß Gott wie weit nach oben, aber in der Liga spiele ich gar nicht mit. Mein Herz jubelt, wenn ich Omamas Kochkunst samt ihrer Geheimnisse, wie nur sie diese kennt und hütet, von ihren Kindern auch erhalte.

Ultimo 1) Rindsroulade – Das Fleisch lt. Auskunft Andi vom Schlögl in einer genial reich mit Zwiebeln angereicherten Sauce, zum Abbussl’n, an der Füllung kann man m.E. nicht viel falsch machen, klassisch ergänzen Karotten. Zeller, Gurkerln in Streifen geschnitten den Geschmack und für dem Umami-Effekt sorgt der Bauchspeck.

Als Beilage Erdäpfelpüree, immer sehr festcremig, so dass es nicht sofort zerrinnt mit kräftiger Butternote, so gehört sich‘s. Ich bin dazu auch Röstzwiebel gewohnt, die gibt‘s hier leider nicht. Der Grund dafür ist hausintern, da ihm dieses verweigert wird wegen damit verbundener Geruchbelästigung. Najo, is dem so?

Hab‘ ich schon erwähnt, dass er am Ort eines Bundesministeriums beheimatet ist? Vielleicht erklärt das die großkopferte Art, die ihm da möglicherweise begegnet. Wie auch immer, die Sache geht nicht von ihm aus. Also hier is nix mit meinen begehrten Röstzwieberl, aber die Roulade ist eh so auch schon überdrüber.

Top 2) Kalbsbeuscherl – Ich bin bei Gott kein Fan von Innereien, taste mich nur vorsichtig heran, aber das Beuschel vom Andi ist die Sensation. So sauber fein geputzt und fantastisch angereichert, recht klein alles geschnitten, die bindende Sauce nicht dicklich, sondern luftig und leicht, zur Abrundung mit einem Schuss Essig versetzt, dass es dann in der Art schlicht himmlisch wird.

Es stellt den Semmelknödel als Beilage, der auch nicht von schlechten Eltern ist, in den Schatten, der dann sozusagen nur mehr die Funktion zum Aufsaugen hat. Ich habe noch kein vergleichbares Beuschl anderorts gegessen. Meist ist es patziger, und wenn dies einen Grad übersteigt mag ich’s gar nicht mehr. Hier immer Entwarnung und darum meine Wahl.

Top 3) Grammelknödel - Ein Highlight der Sonderklasse. Es beginnt schon beim Teig, der extrem leicht und locker ist, was ich noch nie so auf die Reihe bekommen habe, Omas Geheimnis bleibt hier wahrlich gut gehütet und die Grammeln im Inneren knackig, zartknusprig und doch so angenehm beim Zerbeißen, dass sie auf der Zunge wie zerrinnen. Do legst di nieder und wüllst dem Knödel scho wieder a Buss‘l geb’n.

Woanders sind sie auch gut, aber nicht alle schaffen diese feine Knusprigkeit, die ohne Ausnahme Grammelstück für Grammelstück gilt. Das Kraut dazu ist 1A, in der Konsistenz wie es sich gehört und wer will, dem verpasst der Andi noch ein wenig Bratensaft dazu. Die Spuren der Erinnerung leben lange nach.

Top 4) Paprikahenderl – Das Gericht gehört zwar zur urtypischen Omama-Küche, wird aber nur sehr selten dargereicht. Am Henderl kann man m.E. so gut wie nichts falsch machen, man achte beim Einkauf auf gute Ware, ist heute selbstredend für jeden Gastronomen. Es lebt vor allem von der Paprikasauce, die kräftig mit Obers (oder Rahm) angerührt wird und der je nach Gusto Paprikawürze aufoktroyiert wird.

Persönlich habe ich meine Note gefunden, indem ich an Schärfe und Würze kompromisslos geworden bin, so auch mit weit weniger Obers arbeite, ist klarerweise nicht jedermanns Sache. Die Verarbeitung der Sauce hier ist tadellos und es muaß jo net immer der Chili-Kick sein. Also esse ich meins so und liebe auch die traditionell sanfte Art a la Oma.

Die Nockerln dazu sind Küchenbasics, saugen wie der Knödel auf und gehören einfach in der Wr. Küche dazu. Absolut nichts zu beanstanden. Recht ähnlich das Gericht für Hühnergschnetzeltes in gleicher Sauce, was aber in der Regel mit Reisbeilage serviert wird. Andi tät sagen: "Wö'tklasse!"


Sonstiges und überhaupt

Die Einrichtung ist Spitze, schlägt fast jede andere Kantine so und so und etliche Gasthäuser auch. Ich lasse dazu Fotos sprechen. Deshalb habe ich hier auch schon zu geschäftlichen Treffen meine Arbeitskollegen zusammengetrommelt. Man erklärt ihnen des Hausbrauch und das passt. Das Essen überzeugte sie dann ohnehin.

Auch die Tieflage ist kein Problem, man erhält durch die Oberllichten genug natürliches Licht. Gäbe es einen Gastgarten, wäre das mein Stammwirt, wiewohl nur Kantinenbetrieb.

Billig ist es nicht und ohne Umschweife sagte Meister Andi, dass er das auch gar nicht will. Mit der Ausnahme des Menüs, das logischerweise anders kalkuliert werden muss, liegt der Standardpreis für ein fleischliches Gericht derzeit bei 15€ und 1/8l Wein kostet 4€. Das macht dann mit Maut einen 40er wenn man zu zweit hergeht.

Die Portionsgrößen sind nicht die XXL-Liga, aber das passt für mich, da ich ohnehin Klasse vor Masse setze. Es gibt auch die eine oder andere Nachspeise, falls es nicht reicht.

Man darf das Minoritenstüberl nicht als üblichen Kantinenbesuch betrachten, um mal schnell den Hunger zu stillen. sondern als Begegnung mit der Wr. Küche und diese auf einem für mich vollendeten Niveau. In der Hinsicht relativiert sich wieder alles und so handhabe ich das.

Vielleicht lobhudle ich mit meiner 5-5 Wertung, dennoch ist es so für mich hier. Es gibt keine vergleichbare Kantine, die mit dem Ambiente (als eine Kantine !) samt dieser Küche mithalten könnte. Auf eine Wertung des Services wurde verzichtet, weil Kantinen es wohl so an sich haben, dass sie Self-Service sind, und mein Service steht ja wohl nicht zur Debatte. :-)

Nach vollbrachtem Werk erfolgreicher Hungerstillung samt herzerwärmender Sinnesausflüge durch Herrn Andi Wojtas geübtes Handerl samt Team erklingt er wieder, dieser in meinen Ohren mit lange anhaltendem Nachhall, sein aus dem Herzen kommender Abschiedsgruß:

„Sche, dass’d do woast!“
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4 Kommentare·Zeige alle Kommentare

Wir geht eben das ganze Leben zur Schule...

1. Sep, 11:22·Gefällt mir1

Update Information (01.09.2022): - Nach erfolgter Überlegung wurde die Servicenote aus der Wertung herausgenommen, da man mich davon überzeugt hat, dass es in der Natur der Sache liegt, dass Kantinen keinen Service bieten. Somit kann man ihn nicht bewerten. Der Text dazu wurde dahingehend editiert - an der übrigen Bewertung ändert das aber nichts. - Danke, ich lerne immer gerne dazu - LG WrKFan

1. Sep, 10:26·Gefällt mir1

So ist es, und ich habe noch weitere Favoriten als berichtet, Grammelknödel hat jedefalls einen Stockerlplatz.

22. Aug, 07:33·Gefällt mir
 hat 12 Lokal Fotos hochgeladen.
21. August
 hat ein Lokal bewertet.
19. August
1190 Wien
SpeisenAmbienteService
Vorbemerkung: Durchschnittliche Lesedauer des Berichts ca. 10-12 min. Wem das zu lange erscheint, der springe zu meiner abschließenden Empfehlung (ginge es nach mir könnte ich ein ganzes Buch schre... MehrVorbemerkung: Durchschnittliche Lesedauer des Berichts ca. 10-12 min. Wem das zu lange erscheint, der springe zu meiner abschließenden Empfehlung (ginge es nach mir könnte ich ein ganzes Buch schreiben 😊).


Zum Renner – warum er mein Nr.1 Gasthaus ist

Mit dieser kulinarischen Rezension gehe ich in medias res als WrKFan. Als Fan der Wiener Küche habe ich den Gasthof Renner nicht zufällig gewählt, ist er derzeit mein Lieblingsgasthaus in Wien. Ob sich daran so schnell was ändern wird? Ich vermute nicht, denn ein Zuwachs in dieser Kategorie ist heute nicht mehr zu erwarten.

Das zeichnet aber damit diejenigen aus, die sich über Generationen halten können und auch Krisen wie C... (räusper, ich hasse das Wort schon) problemlos wegstecken. Hier meine ich sogar einen anderen Trend zu erkennen, und zwar hat der Renner mittlerweile keinen Ruhetag mehr wie früher, was Besuche erleichtert. Beibehalten wurde der durchgehende Küchenbetrieb.

Läge er näher bei meinem Wohnort wäre er mein Stammwirt, aber bedingt durch eine längere Anreise werden wir wohl doch nie ein intimeres Paar werden, geliebt bleibt er aber. Ich kehre gerne dort z.B. öfter nach einer Kahlenberg-Tour ein. Auf das freue ich mich jedes Mal wie ein kleines Kind auf seinen Lolly.

Zu sagen er ist mein Favorit wird nicht reichen. Es gibt persönliche wie lokalspezifische Gründe, was für mich aber nur schwer zu unterscheiden ist bzw. habe ich gar nicht vor bloß objektiv zu bleiben, ich bringe bewusst die subjektive Note mit ein. Geht’s denn anders, wenn es um Geschmack und Vorlieben geht?


Die Einrichtung

Ich mag die beiden Stuben im vorderen Takt, die ein Hofdurchgang räumlich trennt. Zur Linken die Schankstube und zur Rechten eine weitere mit einem Kachelofen im Blickfang, beide Räume im Stil einer Jagdstube. Die Tischflächen weisen verzierte Einlegearbeiten. (lt. Dr. Google sog. „Intarsien“) auf. Man frage mich nicht wie man dies herstellt. Aber schön sind’s und ein Kunstwerk obendrein.

Im hinteren Trakt gibt es eine weitere Stube, sie wurde von mir aber noch nicht für Besuchszwecke benutzt bzw. stand sie dafür nicht offen. Ich denke, der Raum ist für geschlossene Festlichkeiten vorgesehen.


Der Gastgarten

Nach Durchschreiten des Hofdurchganges mit der hiesigen Adresse Nussdorfer Platz 4 unweit der D-Wagen Station und netten Willkommensgrußes des Andechser-Rundbogens betritt man mein mit Vorliebe gewähltes Ziel, den Gastgarten, den der Renner bloß als Biergarten betitelt.

In dessen Mitte beherrscht seit vielen Jahren eine gealterte große Linde das Ortsbild. Beim ersten Blick in diesen lauschigen Hof entlockt mir das immer wieder ein wohltuendes „Aaah“. Leider hat der bislang so edle Schattenspender mittlerweile einen radikalen Kahlschnitt verpasst bekommen. Das ist jammerschade, aber auch wir Menschen altern und verlieren gleichermaßen an Glanz des Hauptes einstiger Schmuck.

Markenzeichen sind Tische und Bänke aus Vollholz in auffällig tiefgrün lackierter Farbe, wirkt fast schon kitschig, fügt sich aber harmonisch in das Gesamtbild. Lediglich beim Kopfsteinpflaster kommt mir hin und wieder ein „Naja“ über die Lippen, aber sitzt man erst einmal, nimmt man das nicht weiter wahr.

Abends verwandelt sich die Atmosphäre in einen romantischen Hof, zu dem einige Lichteffekte nachhelfen. Solches ist ganz meins. Ja, das sind so die Orte, wo ich immer wieder hin will um mit einer wertgeschätzten Person zu verweilen und gemeinsam den letzten Tropfen Roten wie Weißen genüsslich über die Zunge gleiten zu lassen. Alles andere sei aber hier nicht Gegenstand näherer Bewertung. 😊


Rindfleischküche, puristisch mit Niveau

Es wird eine hauseigene Fleischerei betrieben, aus der Tafelspitz, Schulterscherz‘l, Beinfleisch & Co gewonnen und verarbeitet werden und zuguterletzt im Kupfergeschirr den Gast erreichen. Von dem hat man den Eindruck, Mensch Maier, bitte wann wechseln‘s des mal aus, aber ein Blick in das Innenleben fegt diese Frage rasch wieder vom Tisch. Schon die Optik betört immer wieder. Soll noch einer sagen die Augen essen nicht mit!

Solches bildet regelmäßig den Grund meines Herkommens, wirkt auf mich puristisch auf hohem Qualitätslevel. Es ging noch nie was retour, außer ein ratzeputz leergelöffeltes Reindl. Die Suppe, die sehr naturbelassen entsteht, wofür Ochsen tagtäglich ihr Leben lassen müssen, braucht derart keine Kraftverstärker. Das sei von mir gesagt einer der großen Unterschiede zu den meisten anderen Gasthäuern und macht Renners besondere Note aus.

So ist die angebotene Haussuppe um 5€ lediglich ein Abfallprodukt aus der täglichen Produktion, Nudeln dazu, größer geschnittene Karottenscheiben, tadellos im Biss und würfelig geschnittene Restl‘n aus der Rindfleischküche. Wäre doch nur jeder Abfall so perfekt. Ich habe sie schon oft als Hauptspeise gegessen, wenn der Hunger nicht groß genug war. Herzerl, was willst du mehr.

Mit Sicherheit schafft die gehobene Küche noch mehr Power als Kraftbrühe einer edlen Tafelspitzbouillon, keine Frage, aber wir reden von einem Gasthaus auf bodenständigem Level. Hier liegt die Power in seinem kräftigeren Fettgehalt aufgrund der Durchmischung von viel Fleisch und Knochen und der Umami-Effekt ist grandios. Fettaugerl, do schau her - In der Hinsicht von mir eine klare 5.

Zu den Rinder-Töpfen. Man kann sich auf einzelne Gustostückerl einschießen, oder nimmt, wie ich es meist pflege, den Braumeistertopf, der mehrere Fleischsorten beherbergt. Kostet etwas mehr, ist aber auch mehr drin und zahlt sich daher aus. Der Renner darf sie zu Recht Gustostückerl nennen, für mich sind sie das.

Die klassischen Begleiter Apfelkren, Schnittlauchsauce, Rösterdäpfel, Cremespinat sind völlig ok, der Röster meist etwas speckiger als anderswo, aber herzerfrischend g’schmackig. Lediglich am Cremespinat meckere ich fallweise herum, wenn er mir etwas zu mehllastig erscheint, vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, ist also durchaus subjektiv.


Begleiterscheinungen angenehmer Art

Zumeist brauche ich eine Extraportion Kren, da mir der Apfelkren viel zu milde angerichtet wird, aber das gilt nicht nur für hier. Ich verstehe schon, man muss auch auf die anderen Gäste achten. Ich brauche den aber pfiffig und er darf mir ruhig auch mal von der Nase kurz ins vordere Großhirn stoßen um meine Sinne kurz zu benebeln und derart wieder zu reinigen. So wird er gleich von Haus aus zusätzlich geordert und kommt oft in einem netten Glaserl mit Deckel. Frisch gerieben muss er sein, was selbstredend ist.

Sprechen wir kurz das liebe Geldbörserl an, dann kostet der der Topf samt Beilagen ca. 30€ und reicht in der Regel für 2 Personen, wenn nicht gerade 2 Bodybuilder der Bärenhunger zur Proteinauffrischung hertreibt. Und sollte dem der Fall sein, empfehle ich zusätzlich einen Leberknödel als Suppeneinlage, der in sage und schreibe Tennisballgröße (!) angeliefert wird.

Das könnte also sogar eine 4-er Rudermannschaft sättigen. 😊, Wir hatten den in der Tat auch schon zu dritt aufgeteilt und alle waren zufrieden. Die Größe passt dabei zum Prädikat sehr gut für seine passable Lebernote und Festigkeit. Diese Dinger kannst so auch nur händisch machen.

Vergleichst du das mit der Konkurrenz, die den Titel Rindfleischpapst trägt, kriegst du hier das Gesamtpakt zum Halbpreis, wobei schon jeder auch seine Vorzüge hat, das will ich gar nicht bestreiten. Hier seien aber die für den Renner hervorgehoben, was mir erlaubt sei.


Weitere Wiener und andere G’schicht‘n

Beim Renner empfehle ich auch unser kulinarisches Wahrzeichen, das allseits bekannte Schnitzel, als authentisch und makellos. Man kann Kalb oder Schwein wählen. Hin und wieder hatte ich ausländische Gäste und diese führte ich gerne hierher, weil für meine Begriffe hierorts unser hochgeschätzer Wiener Bröselteppich einfach besser ist als in den dafür von der Tourismusbranche gehypten Innenstadtlocations. Man darf aber auch anderer Meinung sein. 😊

Renners hauseigenes Fleisch, eine anständige Soufflierung, auf die ich großen Wert lege, solches passt hier samt Erdäpfelsalat nach Omas ehrwürdiger Rezeptur. Auch hier ging bislang nur leeres Geschirr retour, der Rest durfte in mir sein gottgewolltes Werk vollbringen.

Lediglich der Preis für das Schnitzel liegt etwas höher, zumal keine Beilage inkludiert ist, ansonsten sind alle anderen Preise völlig moderat und der Qualität angepasst, eigentlich sogar günstig meine ich.

Liebhaber von Innereien kommen auch auf ihre Rechnung. Diese Meinung habe ich von anderen übernommen, ich selbst bin nicht der große Tiger dieser Fraktion, sieht man von Ausnahmen ab. Man muss dazu die aktuelle Tageskarte einsehen, die auch das jeweils saisonale Angebot enthält.

Das klassische Menü gibt es nicht, aber von Mo – Fr einen Mittagsteller, mit dem die Wiener Tradition diverser Hausmannsgerichte gut gepflegt wird, was die Standard-Karte für gewöhnlich nicht enthält. Ich bin mir nicht sicher, aber den erhält man solange der Vorrat reicht ganztägig (das werde ich noch genauer checken).

An Nebentischen beobachte ich regelmäßig das eine oder andere Steak, auch „dry aged“ bis hin zur Mörderportion eines T-Bones (steht hier das „T“ für Tonne?). Wie Menschen das tatsächlich aufessen können bleibt mir ein Rätsel, aber sie stellen das hier unter Beweis.

Ich habe für Steak & Co meine eigenen Vorzugslokale, aber wer solches mag, erhält auch hier eine repräsentative Auswahl. Der Preislevel liegt vergleichbar auf dem Niveau anderer darauf spezialisierter Lokale.

Oh mein Gott, ich könnte fortsetzen mit regionalen Weinen, die ich gar nicht angesprochen habe, für die Bierliga das Andechser, für Naschkatzen mehrere edle Süßspeisen, darunter Omas Malakofftorte, ein Butterziegelbomber ersten Ranges, Riesenportion, aber sooo guat, oder den hausgemachten Nussschnaps, der zu Verdauungszwecken nach so mancher Rindfleischorgie schon obligatorisch fürs Überleben notwendig ist. Man sollte den auf Rezept erhalten.

Ich wäre also noch lange nicht am Ende, muss aber eines anstreben. Aus dem Grund empfehle ich herzukommen und es selbst herauszufinden. Meinen Segen hat der Renner jedenfalls, wie könnte er sonst mein Lieblings-Gasthaus sein? Der Renner ist ein Renner, oder nomen est omen könnte der Lateiner sagen.


Ein paar Takte zum Service

Die Damen und Herrn tragen eine ländlich traditionelle Lederkracherne, und in dem Look verfügen sie auch über den sog. „Fleck“, sprich diese dürfen das Inkasso vornehmen. Hier gilt nach wie vor „Bares ist Wahres“, was ich öfter schon vergessen habe. Zum Glück ist nicht weit weg vom Lokal ein Bankomat. Das übrige Servicepersonal trägt passable Normalkluft und hilft mit an der Abarbeitung allfälliger weiterer Leistungen.

Hin und wieder erlebe ich die eine oder andere mangelnde Aufmerksamkeit und man wird für längere Zeit alleine gelassen. Ist der Weg von der Küche in den Hof doch um einiges weiter als anderswo, oder braucht das gestresste Personal seine wohlverdienten Rauchpauserl‘n für an Tschick?

Ich stehe davon ab etwas zu unterstellen, habe für vieles auch Verständnis, aber das sei meine subjektive Erfahrung. Solches zu sagen tue ich auch ungern, mag ich doch das Lokal wirklich sehr, aber nach vielen Besuchen möchte ich das von meiner Seite nicht ganz verleugnen.

Generell rückläufig ist der von mir immer noch geschätzte Wiener Schmäh für solche bodenständige und heimische Lokale, aber darüber berichte ich mehr bei anderen Wirtshäusern, bei denen der noch auf ihrer Karte steht. 😊

Hier vergebe ich schweren Herzens der Objektivität geschuldet nur eine mittlere Wertung. Ich mache meine Besuche grundsätzlich aber nicht vom Service abhängig, dazu müsste ich schon eine kräftigere Ohrfeige verpasst bekommen oder per Fußtritt hinausbefördert werden, um es bildhaft auszudrücken.


Abschließende Empfehlung

Was ich am Renner seit Anbeginn schätze ist seine Vielseitigkeit. Schönes Ambiente, ein toller Garten und mehrere Küchenrichtungen erlauben auch bei unterschiedlichen Interessenslagen gemeinsame Besuche, bei denen jeder zufriedengestellt werden kann. Auf diese Weise habe ich schon erfolgreich manche Runde hier organisiert.

Ein wenig Kritik am Servicepersonal wurde erwähnt und das kann man m.E. nicht auf die gegenwärtige Personalnot zurückführen. Hat der Renner sonstige Schwächen? Ja, hat er, aber ich werde sie zugunsten seiner überwiegenden Stärken nicht groß herausposaunen. Wer gibt freiwillig liebgewordene Subjektivität auf. 😊

Ich könnte eventuell herummotzen, dass mir der Kaffee zu schwach ausfällt oder der erwähnte Schnitzelpreis zu hoch ist, aber das war’s auch schon. Solches steckt die Rindfleischküche in hoher Qualität samt ihrer puristischen Note mit ihrem erwähnten First-Class Preis/Leistungsverhältnis mühelos weg.

Positiv bewertet haben bislang alle meine Begleiter die ansprechenden Stuben und selbstredend den urigen Innenhof, so wie ich, der in angenehm lauwarmer Abendstimmung sein Flair noch mehr entfaltet, weshalb ich für das Ambiente ein summa cum laude ausspreche.

Die Speisen werte ich, und jetzt schalte ich von subjektiv kurz auf objektiv um, als ein sauberes Sehr Gut und so lege ich euch zum Abschluss meinen Renner wärmstens ans Herz, wenn’s die kultiviert gepflegte Wiener Küche an einem schönen Orte sein soll.


Meine Verehrung und mit den besten Empfehlungen
Der WrKFan
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8 Kommentare·Zeige alle Kommentare

Schließe mich M12 an - hoffe es packt Dich wieder d. Lust Dich hier mit tollen Berichten mitzuteilen.

25. Aug, 21:23·Gefällt mir1

@Meidlinger12: Sehr gut:-)

25. Aug, 14:09·Gefällt mir1

Hat bei mir auch gedauert und jetzt gehts wieder. :-)

24. Aug, 16:01·Gefällt mir3

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