RestaurantTester.at
Mo, 30. Jänner 2023
In der Umgebung

Wiener Küche - Meine Empfehlungen

Wiener Küche - Meine Empfehlungen

In dem Guide liste ich für jeden Wr. Gemeindebezirk den für mich besten Repräsentaten der Wiener Küche auf, wobei ich mir bei manchen Bezirken auch schwer tue, da nenneswerte Vertreter m.E. bereits unterrepräsentiert sind.

Natürlich kenne ich nicht alle Gasthäuser Wiens und bin für weitere Tipps immer offen und könnte bzw. werde dann auch den einen oder anderen ändern und damit den Guide aktualisieren. Die Reihung enspricht keinem Ranking, sondern der Nummerierung nach den Wiener Bezirken.

Ich erhebe keinen Anspruch, dass meine Empfehlung Gewicht habe, es ist meine subjektive Einschätzung, möchte aber sagen, dass ich nach ca. 40-jähriger Gasthauserfahrung und als gebürtiger Wiener meine mir durchaus ein halbwegs authentisches Bild machen zu können.

Es ist hier nicht so relevant, welche Art Lokal es ist, Beisl, Wirtshaus, Restaurant oder Nobellokal, auch eine Kantine ist vertreten. Klar, Lokal und Ambiente sollten auch Wiener Charakter haben. Entscheidend ist aber, dass sie die Wr. Küche repräsentieren,

Dazu zählt, ob man dort auch so isst, wie uns unsere Mamas und Omas seinerzeit bekocht hatten und auch, dass das Speisenangebot einen guten Querschnitt bildet, wobei es mehrere Richtungen gibt (wie z.B. Klassiker, Hausmannskost, Innereien, Zwischengerichte). Es kann wohl keiner alles anbieten, aber es erschöpft sich nicht mit Wr. Schnitzel oder Gulasch.

Viele Köche bzw. Gastronome haben die Grundlage für ihr später professionell ausgeübtes Handwerk durch eine Weitergabe innerhalb der Familie gelegt. Solches muss auch tradiert weitergegeben werden, um darin gut zu werden. Auch diesem Aspekt möchte ich seine gebührende Rechnung tragen.

Gefällt mir3Kommentieren
WrKFan·23 Lokale·Update: 28. Jän 2023·4 Kommentare

1. Minoritenstüberl

2 Bewertungen
Minoritenplatz 5, 1010 Wien
In diesem Guide weil: Mein Herz schlägt immer höher, wenn ich beim Andi esse. Wr. Küche vom Feinsten. Er ist bis auf weiteres meine Top-Empfehlung für unsere traditionsbewusste wie bodenständige Küche.
SpeisenAmbienteServiceKeine Wertung
21. Aug 2022
Sche, dass’d do woast! Diese Worte klingen angenehm in meinen Ohren, wenn ich an das Minoritenstüberl denke. Mit diesem herzlichen Verabschiedu...MehrSche, dass’d do woast!

Diese Worte klingen angenehm in meinen Ohren, wenn ich an das Minoritenstüberl denke. Mit diesem herzlichen Verabschiedungsgruß lasse ich mich gerne vom Lokalinhaber Andi Wojta hinauskomplimentieren, nachdem ich zufrieden und gesättigt ein gutes Mittagessen bei ihm konsumiert hatte.

Man muss wissen, das Stüberl ist kein Wirtshaus, sondern eine Kantine, die nur über die Mittagszeit offen hat. Sitzen kann man bis ca. 16.00 Uhr, aber die Essenausgabe endet um 13.30 Uhr. Und richtig, es heißt Ausgabe, man bestellt an der Schank, bezahlt dort und trägt alles selbst zum Tisch.

Man muss nicht wissen, aber man kann, dass Andi Wojta nicht nur hier bekannt ist, er hat sich auch schon einen Namen gemeinsam mit Alex Frankhauser (Haubenkoch in Tirol) in der ORF-Fernseh-Show „Frisch gekocht“ gemacht. Was ihn neben professioneller Kochshow auszeichnet ist sein Schmäh, den Andi seinem Partner erst lernen musste, na weil der halt ein Tiroler ist (aber lernfähig 😊). Schmäh prägt seine Natur.

Er kann ihn aber in der Mittagszeit nur bedingt anwenden, steht er dort auch unter Stress und nimmt die Zurichtung am Teller für jeden Gast vor. Es gehört zu seinem Faible die Gerichte mit einem Pflanzerl Rosmarin oder Thymian zu bestücken, fürs Augerl warat‘s. Essen kann man’s nicht, ist aber seine Signatur.

Es helfen 2-3 Damen, die alles übrige tun. Denen könnte Andi hin und wieder auch eine Lektion in Sachen Schmäh erteilen, aber das sei seine Sache. Ich unterstütze sie, indem ich mein Geschirr meistens auch wieder zurücktrage. Das muss man nicht, aber man kann, am Einsatz des Personals mangelt es nicht. Brave Mädls sind's, aber recht schweigsam.


Ein Loblied auf die goldene Wr. Küche

In meinen Augen ist der Meister seines Fachs für unsere Generation schlechthin ein Aushängeschild für unsere Wiener Speisentradition. Zuallererst gelernt von Muttern tritt er sichtlich in ihre Fußstapfen.

Man kann sich eines schlichten Menüs bedienen, das ca. 10€ kostet. Unumwunden hat Andi zugegeben, dass er sich bei der Suppe nicht viel antut, aber die Gäste wollen das. Es sei dies daher ein kleine Schwäche, und ich esse sie auch nur, falls der Hunger größer ist.

Der Menüteller hat eine von alters bekannte Form einer Teilung, wo im kleineren Bereich der Salat und im größeren Bereich die Hauptspeise aufgelegt wird. Hier gibt es oft Sachen, die er nur derart anbietet und nicht a la carte.

Meine Favoriten sind aber eindeutig a la carte, von denen ich nachfolgend versuche einige zu beschreiben und den Hauptausschlag geben, warum ich verwöhnter Fratz, der ich doch z.B. ein ausgesprochener Suppenfanatiker bin oder die gute Weinauswahl für unabdingbar halte, es mir dennoch antue hierher zu gehen. Ich verrat‘s euch: Er kocht genial.

Die Weinauswahl ist schlicht rot oder weiß, in der Regel führt er den gemischten Satz von Zahel. Zur Speisen-Auswahl hängt ein A4-Zettel am Holzbalken, der täglich adaptiert wird. Was ausgeht wird simpel durchgestrichen. So funktioniert des do.

Zuletzt, es gibt für bestimmte Speisen bevorzugte Tage, Wer’s genauer wissen will kann Andi Wojtas Newsletter abonnieren, er hat aber eine fast konstante Regelmäßigkeit.


Meine Favoriten

Ich auserkore vier Gerichte, von denen ich von vornherein sage: Top 5, es geht net besser. In der gehobenen Küche sollte es eigentlich erst von 5 aufwärts gehen und weiß Gott wie weit nach oben, aber in der Liga spiele ich gar nicht mit. Mein Herz jubelt, wenn ich Omamas Kochkunst samt ihrer Geheimnisse, wie nur sie diese kennt und hütet, von ihren Kindern auch erhalte.

Ultimo 1) Rindsroulade – Das Fleisch lt. Auskunft Andi vom Schlögl in einer genial reich mit Zwiebeln angereicherten Sauce, zum Abbussl’n, an der Füllung kann man m.E. nicht viel falsch machen, klassisch ergänzen Karotten. Zeller, Gurkerln in Streifen geschnitten den Geschmack und für dem Umami-Effekt sorgt der Bauchspeck.

Als Beilage Erdäpfelpüree, immer sehr festcremig, so dass es nicht sofort zerrinnt mit kräftiger Butternote, so gehört sich‘s. Ich bin dazu auch Röstzwiebel gewohnt, die gibt‘s hier leider nicht. Der Grund dafür ist hausintern, da ihm dieses verweigert wird wegen damit verbundener Geruchbelästigung. Najo, is dem so?

Hab‘ ich schon erwähnt, dass er am Ort eines Bundesministeriums beheimatet ist? Vielleicht erklärt das die großkopferte Art, die ihm da möglicherweise begegnet. Wie auch immer, die Sache geht nicht von ihm aus. Also hier is nix mit meinen begehrten Röstzwieberl, aber die Roulade ist eh so auch schon überdrüber.

Top 2) Kalbsbeuscherl – Ich bin bei Gott kein Fan von Innereien, taste mich nur vorsichtig heran, aber das Beuschel vom Andi ist die Sensation. So sauber fein geputzt und fantastisch angereichert, recht klein alles geschnitten, die bindende Sauce nicht dicklich, sondern luftig und leicht, zur Abrundung mit einem Schuss Essig versetzt, dass es dann in der Art schlicht himmlisch wird.

Es stellt den Semmelknödel als Beilage, der auch nicht von schlechten Eltern ist, in den Schatten, der dann sozusagen nur mehr die Funktion zum Aufsaugen hat. Ich habe noch kein vergleichbares Beuschl anderorts gegessen. Meist ist es patziger, und wenn dies einen Grad übersteigt mag ich’s gar nicht mehr. Hier immer Entwarnung und darum meine Wahl.

Top 3) Grammelknödel - Ein Highlight der Sonderklasse. Es beginnt schon beim Teig, der extrem leicht und locker ist, was ich noch nie so auf die Reihe bekommen habe, Omas Geheimnis bleibt hier wahrlich gut gehütet und die Grammeln im Inneren knackig, zartknusprig und doch so angenehm beim Zerbeißen, dass sie auf der Zunge wie zerrinnen. Do legst di nieder und wüllst dem Knödel scho wieder a Buss‘l geb’n.

Woanders sind sie auch gut, aber nicht alle schaffen diese feine Knusprigkeit, die ohne Ausnahme Grammelstück für Grammelstück gilt. Das Kraut dazu ist 1A, in der Konsistenz wie es sich gehört und wer will, dem verpasst der Andi noch ein wenig Bratensaft dazu. Die Spuren der Erinnerung leben lange nach.

Top 4) Paprikahenderl – Das Gericht gehört zwar zur urtypischen Omama-Küche, wird aber nur sehr selten dargereicht. Am Henderl kann man m.E. so gut wie nichts falsch machen, man achte beim Einkauf auf gute Ware, ist heute selbstredend für jeden Gastronomen. Es lebt vor allem von der Paprikasauce, die kräftig mit Obers (oder Rahm) angerührt wird und der je nach Gusto Paprikawürze aufoktroyiert wird.

Persönlich habe ich meine Note gefunden, indem ich an Schärfe und Würze kompromisslos geworden bin, so auch mit weit weniger Obers arbeite, ist klarerweise nicht jedermanns Sache. Die Verarbeitung der Sauce hier ist tadellos und es muaß jo net immer der Chili-Kick sein. Also esse ich meins so und liebe auch die traditionell sanfte Art a la Oma.

Die Nockerln dazu sind Küchenbasics, saugen wie der Knödel auf und gehören einfach in der Wr. Küche dazu. Absolut nichts zu beanstanden. Recht ähnlich das Gericht für Hühnergschnetzeltes in gleicher Sauce, was aber in der Regel mit Reisbeilage serviert wird. Andi tät sagen: "Wö'tklasse!"


Sonstiges und überhaupt

Die Einrichtung ist Spitze, schlägt fast jede andere Kantine so und so und etliche Gasthäuser auch. Ich lasse dazu Fotos sprechen. Deshalb habe ich hier auch schon zu geschäftlichen Treffen meine Arbeitskollegen zusammengetrommelt. Man erklärt ihnen des Hausbrauch und das passt. Das Essen überzeugte sie dann ohnehin.

Auch die Tieflage ist kein Problem, man erhält durch die Oberllichten genug natürliches Licht. Gäbe es einen Gastgarten, wäre das mein Stammwirt, wiewohl nur Kantinenbetrieb.

Billig ist es nicht und ohne Umschweife sagte Meister Andi, dass er das auch gar nicht will. Mit der Ausnahme des Menüs, das logischerweise anders kalkuliert werden muss, liegt der Standardpreis für ein fleischliches Gericht derzeit bei 15€ und 1/8l Wein kostet 4€. Das macht dann mit Maut einen 40er wenn man zu zweit hergeht.

Die Portionsgrößen sind nicht die XXL-Liga, aber das passt für mich, da ich ohnehin Klasse vor Masse setze. Es gibt auch die eine oder andere Nachspeise, falls es nicht reicht.

Man darf das Minoritenstüberl nicht als üblichen Kantinenbesuch betrachten, um mal schnell den Hunger zu stillen. sondern als Begegnung mit der Wr. Küche und diese auf einem für mich vollendeten Niveau. In der Hinsicht relativiert sich wieder alles und so handhabe ich das.

Vielleicht lobhudle ich mit meiner 5-5 Wertung, dennoch ist es so für mich hier. Es gibt keine vergleichbare Kantine, die mit dem Ambiente (als eine Kantine !) samt dieser Küche mithalten könnte. Auf eine Wertung des Services wurde verzichtet, weil Kantinen es wohl so an sich haben, dass sie Self-Service sind, und mein Service steht ja wohl nicht zur Debatte. :-)

Nach vollbrachtem Werk erfolgreicher Hungerstillung samt herzerwärmender Sinnesausflüge durch Herrn Andi Wojtas geübtes Handerl samt Team erklingt er wieder, dieser in meinen Ohren mit lange anhaltendem Nachhall, sein aus dem Herzen kommender Abschiedsgruß:

„Sche, dass’d do woast!“Weniger anzeigen
Minoritenstüberl - Rindsroulade - Augerl do schau her - ein herzerwärmendes Zwiebelsafterl mit ...Minoritenstüberl - Kalbsbeuscherl - genialst!Minoritenstüberl - Paprikahenderl mit Butternockerl - Omamas Handschrift

2. Hansy

Heinestrasse 42, 1020 Wien
In diesem Guide weil: Lange Tradition und gute Küche - Bewertung folgt

3. Gmoa Keller

1 Bewertung
Am Heumarkt 25, 1030 Wien
In diesem Guide weil: Traditonsgasthaus mit Niveau - Bewertung folgt

4. Wiener Wirtschaft

Wiedner Hauptstraße 27, 1040 Wien
In diesem Guide weil: Diese Wirtschaft erfüllt meine Anforderungen, obwohl man meinen könnte, es sollte im 4. noch andere (sprich noch bessere Lokale) geben.

5. Gasthaus Woracziczky

1 Bewertung
Spengergasse 52, 1050 Wien
In diesem Guide weil: Noch nicht so viel Erfahrung gemacht, aber die letzte war tadellos. Zur Info: An sich stünde hier Rudi's Beisl, aber dieser wird ab 2023 neu übernommen.

6. Gastwirtschaft Steman

2 Bewertungen
Otto Bauer-Gasse 7, 1060 Wien
In diesem Guide weil: Der Paradewirt für den 6., wie ich meine. Ambiente trifft sehr meinen Wh-Geschmack, Parkettboden und Holztäfelung, man fühlt sich wohl.

7. Hausmair's Gaststätte

Lerchenfelder Straße 73, 1070 Wien
In diesem Guide weil: Bekannt für sein ausgezeichnetes Gulasch, uriger Wirt, Kellner mit Wr. Schmäh, ein Muss für den Wiener Beisl-Fan. Schönes Ambiente.

8. Blauensteiners Gasthof Zur Stadt Paris

Lenaugasse 1, 1080 Wien
In diesem Guide weil: Bodenständig und gut - Kategorie "urig", hausgemachte Grießnockerl und ebenso pefektes Gulasch ziehen mich immer wieder an.

9. Rebhuhn

Berggasse 24, 1090 Wien
In diesem Guide weil: Das Lokal kommt wie andere schon in die Jahre, aber das muss auch so für diese Art Beisl sein. Man wagt sich auch an unübliche Gerichte heran.

10. Zum Alten Beisl

1 Bewertung
Rotenhofgasse 4, 1100 Wien
In diesem Guide weil: Sehr innovativer Koch und Chef, mein Traum für Fisch-Variationen, aber der Wirt vergisst keinesfalls die klassische Wr. Tradition.
SpeisenAmbienteService
27. Aug 2022
Alte Welt – Neue Welt Tatort Multikulti-Hotspot der Stadt Wien unweit der Eislegende am Reumannplatz Nur ein Haus weiter fristet eine weitere I...MehrAlte Welt – Neue Welt

Tatort Multikulti-Hotspot der Stadt Wien unweit der Eislegende am Reumannplatz Nur ein Haus weiter fristet eine weitere Institution ihr langjähriges Dasein namens: „Zum Alten Beisl“ Aber nicht alles, nur weil es alt ist, ist deswegen auch gut, wie auch alles Neue nicht zwingend gut sein muss.

Es sei denn man verbessert Dinge, dann kann aus „Altem“ sogar „Edles“ werden. Dazu ein lebendes Beispiel unserer kulturellen Zeitgeschichte.

Das Massenaufkommen vor dem Eissalon könnte das alte Anwesen übertünchen, aber Insider steuern die Adresse bewusst an. Dieses Publikum ist weniger multikulti, jedenfalls kennt und schätzt es auch gute Beislkultur, zu deren Vertretern sich meine Wenigkeit hinzurechnen möchte.

Im Jahre 2015 (Kinder, wie die Zeit vergeht!) hat der Meister des Kochlöffels Herr Metin Yurtseven (Vursicht, er red‘t Steirisch und Wienerisch besser als so manch anderer 😊) mit seiner Partnerin den Betrieb übernommen. Zuvor erwarb er sich im Meinl-Restaurant am Graben seine Sporen, um dann den Sprung für etwas Eigenes zu wagen.

Mit viel Herzblut wurde das Lokal Schritt für Schritt von einem früher unterdurchschnittlichen Vorstadt-Beisl auf ein nettes Beisl auf Herzeige-Niveau umgewandelt. Das verdient Respekt! Ist er nun auf dem Weg zu „edel“?

Neben der Küchenverbesserung wurde der gesamte Lokalstil verändert, indem z.B. heute eine Holztäfelung die Wände zierend des Besuchers Auge erfreut. Solches trägt die Handschrift der Partnerin des Meisters. Das nenne ich tolle Arbeitsteilung und schön ist’s geworden. Die Hütte ist klein, fasst ca. 40 Gäste im Inneren, und es gibt einen Schanigarten als auch Innenhof.

Ich hätte da liebend gerne meinen Runden mit ca. 40 Personen gefeiert, wofür diese Location maßgeschneidert wäre. Herr Metin und ich waren schon handelseinig, nur vereitelte eine sog. 2G-Regel das Vorhaben und ich musste schweren Herzens wieder absagen. Das ist zwar eine andere G‘schicht, es soll nur zeigen, welchen Wert das Lokal in seinem heutigen Zustand für mich gewonnen hat.

Ja, so stelle ich mir ein Beisl dieses Schlages durchaus vor, Klasse statt Masse und dazu die individuelle Note. Jetzt fehlen bloß noch läppische weitere 25-30 Jahre, damit das Lokal gehörig Patina ansetzt und dann wäre der Veredelungsprozess abgeschlossen. 😉


Herzeigbare Beislkultur

Man wird in das Angesicht des Meisters nur wenig blicken, der mit unermüdlichem Fleiß in der Küche werkt. Hin und wieder setzt er sich zum Stammtisch und was so üblicherweise von der Küche in die Gaststube wandert, erneut Respekt!

Rindsuppe konstant sehr gut, kräftige Bouillon obligatorisch, ob auch Nachhilfe mit etwas Kraftverstärker wollte ich beim letzten Besuch erforschen. Nachdem wir dazu eine angeregte Diskussion im Forenbereich führten, wollte ich es genau wissen und begab mich auf die Pirsch.

Unschuldig erkundigte ich mich beim Kellner, und er versicherte mir, dass der Koch (er weiß dabei nicht, dass ich ihn eh kenne) ein Haubenkoch wäre, der das keinesfalls täte. Und so wollte ich es ihm auch glauben.

Jetzt fehlt nur noch meine persönliche Bestätigung und ich muss offen zugeben, ich werde es nun auch glauben. Sie war nicht so kraftprotzig, hatte aber einen ansehnlichen Fettanteil und zwinkerte mit einigen kleineren Augerln in meine Augerln.

Geschmacklich kaum zu tadeln, der Leberknödel noch besser und die etwas schärfere Note kam eindeutig von der Muskatnuss, die auch rein darf. Ich war zufrieden, sowohl mit meiner Leistung als Forscher, aber eigentlich noch mehr als Gast, dem’s auch geschmeckt hat.

Hauptspeisen werden immer wieder variiert, nicht nur saisonal, sondern auch mit individueller Note. Typische Wiener Küchenklassiker findet man nicht immer auf der Karte, sind aber, so vorhanden, durchwegs zu empfehlen, manche Gerichte gibt es dagegen fast immer.

Darunter fallen z.B. Käsespätzle, serviert in dunkler Auflaufform, kräftig und würzig mit Bergkäse durchzogen, Rrrrröstzwieberl obendrauf, nix vom Pack’l, versteht sich, vervollständigen den Genuss.

Sind Rindsrouladen am Programm, ist zumeist die Entscheidung getroffen, dann her damit. Feines mageres Fleisch, aber nicht trocken (!) in einem herzhaft sämigen mit Wurzelwerk angereicherten urtypischen Safterl, dazu Bandnudeln, wird zu einem Muss, bislang keine Ausreißer.

Hierorts kriege ich nicht immer, aber immer wieder ein wirklich passables Erdäpfelgulasch, eine Rarität, die zwar jeder, der sich Wiener schimpft, kennt, aber trotzdem nur sehr wenige anbieten.

Ein Ensemble würziger Aromen a la Gulaschsauce von ihrer Kümmel/Majorannote mit geräucherter Wurst (schlag mich tot, welche jetzt genau), dazu die Kraft urwüchsiger heimischer Erdäpfel, beteiligt auch die Nase am Genuss. So was nennt der Volksmund a guat‘s Papperl wie bei der Mama.

Bis auf wenige Ausnahmen variiert immer wieder die Präsentation auf dem Teller. Hier offenbart sich Ideenreichtum, sodass ein und dasselbe Gericht jedes Mal in neuem Glanze am Tische erscheint. Mir gefällt das, das veredelt so auch meine Besuche.

Dazu meine Erfahrung vom letzten Besuch durch einen Faschierten Kalbsbraten mit Erdäpfelpüree. Hausmannskost denkt man sich, doch ich wurde erneut überrascht und das optisch wie geschmacklich. Anstelle Röstzwiebel saisonale Steinpilze, die eine Sensation an Harmonie bildeten, und das obwohl ich kein allzu großer Schwammerlfan bin.

Das Faschierte mit einem Hauch Trüffelöl versetzt, ein Hammer die Jus dazu sämig, leicht einreduziert mit Power, last but not least das Püree ganz feincremig, leicht milchig, weniger buttrig, aber schön fest, ohne viel Fehl und Tadel. Ich hätte mehr Muskat noch eingearbeitet, aber das ging im Gesamteindruck unter, es fiel mir auch erst später auf, als meine Schwarmphase schon im Abklingen war.


Fischgerichte - Verdacht auf Haubenküche?

Was ich hierorts hervorheben möchte ist Herr Metins Fischzubereitung. Dafür hat der Mann ein begnadetes Handerl und stellt so manch gehobenes Fischspezialitätenrestaurant zweitweise in den Schatten.

Ich esse gerne was aus dem Wasser kommt und treffe nicht selten dafür meine Wahl, da sich das hier mit geschätzter Beislkultur trifft. Also nicht immer nur Backhend‘l & Co, wenn beim Lesen der Speisekarte der Fisch mehr lockt.

Ich kann momentan kein Einzelgericht oder Erlebnis beschreiben (ach, das Hirn lässt nach) aber man lässt gekonnt Kreativität spielen mit am Ende fantastischen Ergebnissen. Von Besuch zu Besuch wird sowohl dem Gaumen als auch dem Auge immer wieder eine neue Lehre erteilt.

Gegebenenfalls erfolgt ein Update, dann kann ich auf Details achten. In mir sorgt jedoch die Erinnerung immer wieder für ein nachhaltig angenehmes Echo, so wie der Faschierte Braten noch lebendig in mir meine Ganglien beschäftigt.


Kurz und bündig – der Ausklang

Für das Rund-Um-Sorglos-Pakt hilft der Service mit, der aus immer wieder auch neuen Gesichtern besteht. Eine HP leistet man sich weiterhin nicht, was ich für Schade befinde, es gibt zumindest aktuelle Informationen auf FB.

Meine übliche Kaffee-Meckerei erspare ich mir mit Verlaub, man nehme zur Kenntnis, jawohl Kaffee nach erfolgreicher Fleisch- oder Fischschlacht und hin und wieder Nachtisch gibt es Gott sei Dank hier auch, dazu tröstet der Nussschnaps. Hot a net jeder, noch dazu einen recht guten.

Ach, ehe ich's vergess, es gab noch kein Wort zum lieben Geld. Das mach ich jetzt kurz und bündig. Die Preise sind moderat und angesichts dessen was angeboten wird für meine Begriffe zum Teil sogar günstig, viele HS durchwegs im Rahmen von 15-20€.

Nicht selten habe ich am Heimweg auf einen letzten gesüßten Absacker beim Tichy verzichtet, denn ich musste nach kurzer Überlegung einsehen, dass das „neue“ Alte Beisl seinen Job wieder so erfolgreich erledigt hat, dass einfach nix mehr geht, wie auch zuletzt wieder.

So schleppt man ordentlich abgefüllt etwas schwerfällig seine sterblichen Überreste noch lebend zur U1. Gott sei Dank ist sie nur ein paar Meter vom Tatort entfernt, das aber mitten durch eine für mich bereits recht fremd gewordene Welt. Aber es tut gut zu wissen, dass es darin auch noch solch ein Beisl gibt.


Meine Wertung – hart aber herzlich

Bleibt die Frage, wie werten? Die gegenüber früher deutlichen Verbesserungen der Speisen und Inneneinrichtung werden von mir entsprechend gewürdigt, sind also rundum sehr gut und was Speisen anbelangt sogar noch besser. Ich zaudere aber mit der Höchsnote, denn man macht halt seine Vergleiche.

Wesentlich dazu beigetragen hat auch das Raucherverbot, denn bis dahin war Hütte eine regelrechte Stinkbude und so wurde der Begriff Vorstadtbeisl oft zu einem Schimpfwort. Dagegen ist heute alles recht edel geworden. Das wollte ich nicht unerwähnt lassen.

Ein wenig hadere ich mit dem Service, der zwar ausreichend aufmerksam werkt, aber nicht auf dem Niveau, wie ich mir das für Wiens klassische Beislkultur erwarte. Erledigt wird aber brav der Job, insofern ein hartes aber herzliches Gut.

Empfehlen muss meine Wenigkeit das Lokal jedenfalls, da wir nicht mehr allzu viel Beisln in der Güte eines Vorstadtjuwels besitzen. Beislfreunde hegen mit mir die Hoffnung, es möge der Meister seiner Küche samt Partnerin weiter emsig an der Veredelung arbeiten.Weniger anzeigen
Zum Alten Beisl - Klassische Leberknödesuppe - kräftig und konstant sehr gutZum Alten Beisl - Rindsroulade - den Stil habe ich kopiert für meine eigene Zubereitung - is ...Zum Alten Beisl - Faschierter Braten mit Erdäpfelpüree - war ein Traum

11. Stern

3 Bewertungen
Braunhubergasse 6, 1110 Wien
In diesem Guide weil: Hat etwas an Glanz verloren, aber Wr. Küche weiterhin tadellos, allerdings als Gasthaus sehr teuer.
SpeisenAmbienteService
14. Jän 2023
Der Stern – verblasster Glanz Es fällt mir zugegebenermaßen schwer eine Bewertung des für mich quasi „neuen“ Sterns abzugeben, aber ich habe mic...MehrDer Stern – verblasster Glanz

Es fällt mir zugegebenermaßen schwer eine Bewertung des für mich quasi „neuen“ Sterns abzugeben, aber ich habe mich durchgerungen. Mit dem ersten Fotoupload habe ich auf die Teuerungswelle hingewiesen, die alle betrifft, und wie sie der Stern verarbeitet hatte und mich über manche Preise kopfschüttelnd sichtlich auch mokiert.

Ich habe mir aber vorgenommen, dieses Thema auch wieder zu beenden, sich damit abzufinden und in Hinkunft in Bewertungen nicht weiter anzusprechen, es sei denn sie wäre außergewöhnlich und damit erwähnenswert.

Der eine Gastronom hat sich sanft moderat und der andere progressiv härter angepasst, das muss jeder selbst wissen. Wie jeder damit leben und überleben wird, zeigt sicher recht alsbald die nähere Zukunft.

Der Stern hat darauf nicht nur preislich reagiert, es wurde auch das Ambiente für meine Begriffe empfindlichst abgeändert. Tischtücher und dekorierende Elemente sind verschwunden und weichen einem nun recht sterilen Look, so dass man meint, hier wird noch gearbeitet. Vielleicht ist dem auch so.

Wobei das in den beiden vorderen Gaststuben nicht so ins Gewicht fällt, aber der große hintere Raum wirkt auf mich irgendwie tot bzw. meint man, da fehlt noch etwas. Die rechte Wand wurde mit Abdeckplatten ausgekleidet. Eventuell kommen dorthin wieder ein paar Bilder, damit sich der Anblick ein wenig hebt. Schau mer mal.

Der Gastgarten im Hof ist leider optisch zu einer Hinterhofpartie mutiert. Jeder reagiert auf die zurückliegenden Krisensituationen anders, hier wurde für meine Begriffe zu tief eingegriffen, es wurde quasi nur der Rechenstift angelegt, wie das aber beim Gast ankommt war in der Rechnung nicht inkludiert, so meine subjektive Empfindung.

Über die Jahre wurde das Personal immer wieder ausgewechselt und zwar komplett, sodass quasi kein Stein auf dem anderen geblieben ist, und die mit so manchem Kellner gut aufgebauten Beziehungen sind damit wieder passe. Solches geht hier einfach nicht und ich bemühe mich auch nicht mehr darum.

Für eine Saison hatte sich die Leistung auch auf die Küche negativ ausgewirkt, sodass man danach Besuche gemieden hatte. Jedenfalls wollte z.B. ein Freund mit mir dorthin nicht mehr gehen. Der aufgehende Stern in Simmering, wie man es vor ca. 10 Jahren freudig empfunden hatte, hat stark an Glanz eingebüßt.


Spontanbesuch mit Sohnemann

Bei den letzten Besuchen, die ich ab 2022 wieder vorgenommen hatte, war zumindest die Speisenqualität wieder auf ein Level zurückgekehrt, wie man es zuvor gewohnt war. Rindsuppe und Standard-HS, wie man sie aus der Wr. Küche kennt waren einwandfrei und tadellos entsprechend dem gehobenen Level.

Diese Woche hatte Sohnemann spontan einen Besuch hier vorgeschlagen und auch bezahlt, sodass ich das gerne angenommen hatte. Dann sind die Preise seine Sache, sagte ich ihm. Auf ihn wirkten sie aber gar nicht so wie auch mich, ja es verarbeitet das jeder anders.

Aber er empfand das mit Tischbelegung sofort dargereichte Couvert ebenso witzig wie ich. A Stück‘l Brot und a Pack‘l Butter, wie aus dem Supermarkt, erwecken weiterhin keinen positiven Eindruck auf mich. Pro Person verbucht sich das gegenwärtig mit 2,50€. Da war mir der alte Gruß aus der Küche schon lieber. Ist nicht mehr.

Mir ist aufgefallen, dass ich z.B. die mir dargereichte Getränkekarte betont von rechts nach links gelesen hatte, was ich üblicherweise umgekehrt mache. O tempora, o mores, ich hoffe das muss ich nicht auf Dauer. Man startet mit 42€ für übliche österreichische Klassiker und nach oben hin dürfte es keine wirkliche Grenze geben. Die Auswahl ist aber, wie es sich gehört, reichlich

So, nun aber genug über Preise bzw. nun mehr informativ an ran an die Kalorien Wr. Kulinarik. Man muss das Leben nehmen wie es ist und genießen, ansonsten macht man grundsätzlich etwas falsch, wenn man in ein Gasthaus geht, Stern hin, Stern her.

Da Sohnemann mit mir bezüglich gemeinsamer Weinwahl nicht handelseinig wurde, er bevorzugte diesmal Bier, wählte ich einen Merlot um wohlfeile 7€ das Achterl, und es war Spitze, sodass sich dem auch Sohnemann später angeschlossen hatte.

Zum Essen wählte er zuerst ein kleines Zwickl (3,90€) und danach eins auch für Erwachsene, also ein Krügerl Gemischtes (5,10€). Beides angenehme und schöne süffige Getränke österreichischer Brauereikunst.

Es gibt ein sog. Vorspeisen Beef-Tartar (6,50€), an dieser Tradition wird weiter festgelten, die aber in Zusammenhang mit einer HS gilt. Unser Hunger war heute nicht der eines Bären, sodass wir eines gemeinsam wählten. Die Anrichtung war relativ primitiv, wieder so a G‘schicht, a Stück‘l Brot, a Stück‘l Butter, das Tartar etwas nodig mit einer Zwiebelschicht abgedeckt, des woar‘s.

Das Beef war dafür exzellent, würzig und super abgestimmt, mehrere Bestandteile, die ich einzeln nicht ausmachen konnte aber einen pikanten und wohltuenden Gesamteindruck ergeben. Tadellos also im Geschmack, billig in der Präsentation. Der neue Stern?

Als HS erging ein Budapester Schnitzel (21€) an Sohnemann, ein herrlich gefülltes Schweins-Gordon sozusagen, pikant mit Speck und Zwiebel aufgepeppt, ich kenn’s von früheren Besuchen, es ist m.E. mehr der deftigen Wiener Kulinarik als der ungarischen angepasst, umso mehr mundet es.

Noch dazu eine Mörderportion, d.h. gleich zwei Stück am Teller, sodass das eine im Magen und das andere im Sackerl für daheim landete, für seine bessere Hälfte, wie er sagte. Brav er ist. Der gemischte Beilagensalat war tadellos, der ist wie gewohnt aus alten Zeiten.

Mich lachte von der Stern-Empfehlung, eine in A5-Format gehaltene Extrakarte am Tisch, das serbische Karpfenfilet (24€) an. Als Fisch-Fan eine 1er Wahl für mich. Top-gewürzt und das sanft tranige karpfentypische Element voll da, nur ein Spur zu hart gebraten, sodass die dunkleren Stellen etwas an Holzkohle erinnern. Sie verdrängten etwas das edle Fischaroma, aber es hielt sich in Grenzen.

Beilage waren Petersilkartoffel (so sagt es die Karte), ich sage Erdäpfel, passabel im Geschmack, aber die Farbe gefiel mir nicht ganz. Leicht unterschiedlich im Gelbton und an manchen Stellen dunkler oder fahl. D.h. entweder waren die Erdäpfel nicht mehr die frischsten oder sie lagen fertig gekocht schon etwas länger herum womit sie leicht austrocken und auch ihren Farbton ändern.

Sohnemann meinte, ich sei überpenibel, für ihn waren sie in Ordnung. Nun gut, vielleicht bin ich das, aber wenn man schon zum vornehmsten Vorstadtwirten geht, dann verlange ich auch vornehme Ware, jedenfalls dann, wenn die Preise vornehm sind., aber ich sagte schon, genug davon. 😉

Es gab diesmal keine Nachspeise, auch keinen Kaffee, weil Sohnemann zu seinem nächsten Event gedrängt hatte, ja ja die Jugend, aber ich kann hier den Espresso (klein um 2,80€), Marke Afro, wie auch seine Reisebegleiter zwecks Verdauung allesamt empfehlen.

Vorsicht lasse man walten man bei den Spirituosen, denn diesbezüglich sind die Preise nicht hoch, sondern geschmalzen bis unverschämt. Das sei an der Stelle kein Gejammer, sondern ist für mich Fakt, daher erwähne ich das nochmals. Hier stimmt m.E. schlicht die Kalkulation nicht.

Unsere Gesamtzeche erreichte eine runde 100€ Summe (ohne Maut). Wie schön, dass auch Söhne Einkommen haben, denn sie ging diesmal auf seine Rechnung. Ich erklärte mich aber bereit das Trinkgeld beizusteuern.


Abschließende Worte

Betreut wurden wir bei dem Besuch von einer männlichen und einer weiblichen Kraft, die weibliche für mich völlig neu. Die männliche konnte sich noch an meinen letzten Besuch erinnern, und wir redeten damals wie auch diesmal ein paar Takte über die Entwicklung der Sterne hier und er stimmte mir in einigen Bereichen zu. Aber was soll er denn tun? Er ist ja nicht der Chef.

Ich kann sagen, dass ich den Stern in kulinarischer Hinsicht weiterhin empfehlen kann und er für mich in Simmering die Wr. Küche tadellos repräsentiert. Die Speisen sind gut bis ausgezeichnet, es fehlt aber, wie ich den Eindruck erhalte, die Konstanz, das fiel mir aber schon seit meinen ersten Besuchen auf.

Dafür ist , das sage ich als meine persönliche Meinung, das fluktuierende Personal in der Küche verantwortlich. Dem Chef (Herr Christian Werner) kann’s wurscht sein, aber falls er das hier liest, so hat er damit meine bescheidene Gästemeinung erhalten, die bloß versucht ka G’schicht‘l zu druck‘n. Wie er das verarbeitet sei seine Sache.

Was Ambiente und Service betreffen, so bin ich ernüchtert und werte sie der Objektivität geschuldet als ok, aber wenn man mal schon weit besser war, dann schmerzt das meine Wiener Seele, welche diese Art Gasthäuser besonders liebt.

PS: Der Wirt sollte dann aber seine HP updaten, denn diese vermittelt gegenwärtig NICHT den Eindruck, den man vor Ort erhält, falls er gedenkt daran nichts weiter mehr zu gestalten.

Ein wenig verblasst der einst aufgehende Stern in Simmering leider schon, daran muss sich meine Seele vielleicht erst noch besser gewöhnen, ich möchte aber trotzdem, dass er uns noch möglichst lange erhalten bleibt.

Euer WrkFanWeniger anzeigen
Stern - Vospeisen Beef Tartar- sehr gut, nur a wengl primitv angerichtetStern - Karpfenfilet serbisch - sehr gut mit kleinen SchwächenStern - großer hinterer Gastraum (ca. 60-70 Sitzplätze) wirkt auf mich kalt und leblos gegen früher

12. Restaurant Schwabl

2 Bewertungen
Schönbrunner Straße 250, 1120 Wien
In diesem Guide weil: Derzeit einer meiner Top-Empfehlungen, sowohl einfaches bodenständiges Wirtshaus als auch gutes Restaurant, klasse Kellner, einer davon ist der Chef selbst.
SpeisenAmbienteService
15. Nov 2022
Der Schwabl – neue Referenz für den 12.? Es liegt schon einige Jahre zurück, als mich ein Freund auf den Schwabl im 12. Hieb aufmerksam gemacht ...MehrDer Schwabl – neue Referenz für den 12.?

Es liegt schon einige Jahre zurück, als mich ein Freund auf den Schwabl im 12. Hieb aufmerksam gemacht hatte. Unweit der U4-Station Meidling Hauptstraße, öffentlich damit sehr gut angebunden und ein paar Meter weiter kann man einen Verdauungsspaziergang im Park Schönbrunn absolvieren. Sowas motiviert mich.

Was mich dann abgeschreckt hatte war der Raucherbereich in der Schankstube, obwohl sie meine Kragenweite wäre. Nun, dieses Dilemma gilt als beseitigt, was seitdem mehrere Vertreter dieser Typs wieder attraktiv gemacht hatte. Auf der Pirsch nach solchen authentischen Lokalen schien für mich ein Stern aufzusteigen. WrKFan geht ans Werk.

Der Schwabl verfügt über einen hinteren Gastraum, der mit gedeckten Tischen Restaurantatmosphäre vermittelt, wo ich früher Platz genommen hatte. Vor dem Lokal fristet ein Schanigarten sein Dasein. Das Lokal gehört zu den noch klassisch geführten Familienbetrieben.


Der Service – familiär und richtig wienerisch

In der Stube werkt Herr Andreas, für die Stammgäste schlicht der „Andi“, und Bruder Karl, weniger sichtbar, bedient die Kochlöffel der gegenwärtig amtierenden Schwabl-Generation. Was mich neuerdings erfreut ist der Umstand, dass seit ca. drei Jahren im Service ein gewisser Herr Reinhard sein Angesicht erstrahlen lässt.

Ich kenne den guten Mann seit Jahren als g‘standenen Parade-Ober aus dem Cafe Hummel im 8. und war enttäuscht ihn eines Tages dort nicht mehr vorzufinden. Aber wie durch ein Wunder erscheint er vor mir plötzlich im 12. Hieb mit seiner üblichen professionell geschulten Anrede: „Was derf’s sein, der Herr?“

Sein Augenaufschlag war dann mindestens ebenso spontan und überrascht wie meiner, als wir einander erkannt hatten. „Jo heast, wos mochst denn du do?“ und so geht‘s seither gewohnt weiter.

Das machte für mich den Schwabl seither zu einem urtypisch wie attraktiven Wiener Wh nach meiner Façon, was diesen mir vertrauten Umgang anbelangt. Es ist aber die gesamte Servicemannschaft als Dreierteam eine lockere Partie, wie man sich das für ein Beisl vorstellt.

Über die Mittagszeit gibt es Menüs à la Hausmannskost um wohlfeile 9,80€, definitiv Wirthauslevel. Auf das lege ich zurzeit den Fokus. Dann trifft man auch die hiesigen Meidlinger, die hier regelmäßig einkehren, die sich linkerhand des Eingangs am Stammtisch tummeln.

Zeitweise komme ich in den Genuss, dass mich der Chef dort dazu platziert. Für diese Art Gastrolle sage ich mal musst du auch geboren sein, das erarbeitest du dir nicht, es ist was meine Original Wiener Seele ausmacht. Ich bezeichne mich aber nicht als Stammgast, das werde ich vermutlich nirgendwo. Wenn schon, dann ist ganz Wien mein Stammlokal.


Zwei Schwabl-Klassiker

Ehe ich mich der Mittagsküche widme, noch zwei Klassiker, einer aus Wien und einer vom Schwabl.

Es verirren sich genug ausländische Gäste hierher, offensichtlich funktioniert die Tourismus-Werbung und einige wollen danach das Schloss Schönbrunn besuchen. So saß ich gegenüber einem solchen Urlauber aus Utah und ich durfte meine Englisch-Kenntnisse wieder auspacken.

In der Schankstube wird auch dazugesetzt, so ist Wh anno dazumal. Manierlich fragte mich der Service, ob’s auch genehm ist. Die quasi Kopp-Schiene: „Do setz di zuwe, is eh g‘nua Plotz“ ohne Rücksicht auf bereits platzierte Gäste, auch wenn bereits bekannt, wird nicht gefahren. Er kämpfte sichtlich mit der Speisekarte, so bot ich Hilfestellung an.

Als Erstbesuch Wiens riet ich zum Klassiker Wiener Schnitzel, das es sowohl vom Kalb (20,90€] als auch vom Schwein (14,50€) gibt und ich erklärte dem noch sehr jungen Mann ein wenig einige Unterschiede. Er nahm sich das Kalbswiener. Meine Kulturunterweisung hatte Frucht getragen. 😉

Eine tadellose Optik erreichte unseren Tisch, wie ich meine aus der Pfanne und ein passabler gemischter Salat erspähte das neugierige Auge. Mein letztes Wiener lag doch schon länger zurück um mich daran zu erinnern.

Weil ich dem jungen Mann dies zuvor erklärte, bot er mir an zu kosten, ob es dem auch entspräche, was ich sagte, und ja, es entspricht, so geht Schnitzel. Sauber souffliert, butterzartes Kalbfleisch und guter Duft. Ihn wieder ließ ich von meinem Erdäpfelsalat naschen, der hier auch Wiener Klasse hat. Davon später noch ein paar Takte.


Einige Besuche gab es früher mit meiner Tochter und habe noch ihren Favoriten gut in Erinnerung, Töchter greifen gerne begehrlich auf das wohl beste Gericht (aktuell 23,90€], solange sie noch nichts selbst berappen müssen. Der Papa ist ja doch der Beste. 😉

Es handelt sich um Filetspitzen in Champignon-Cognacsauce, dazu Nockerl, das Gustostückerl vom Schwabl. Bei meinem ersten Besuchsantritt nach längerer Pause knöpfte ich mir das vor. Ich erhielt zwar nur einen Platz an der Theke, weil die Bude ausreserviert war, aber ich genoss das Schmankerl dort in vollen Zügen.

Feines, g‘schmackiges Safterl, in der Art Stroganoff, aber anders aufgrund der geschmeidigen Cognacnote, begleitet die gedünsteten zarten Filespitzen, dass es zu mehreren kräftigen Endorphin-Ausschüttungen kommen musste. Ja, so wolle man immer speisen, Momente des Glücks, des taugt und übertraf alle Erwartung, Höchstnote!


Wr. Wh-Kuchl auf Erkundungstour

Dazu gehört als Einstieg eine Tagessuppe. Diese folgen klassischer Wh-Tradition, sind m.E. auf mehr als bloß sehr gutem Level. Man erhält a la carte auch eine Nudelsuppe oder die von mir immer noch begehrte pure Bouillon mit Ei, eine Rarität, für mich nostalgisches Suppenerlebnis, das begeistert.

Ein neuer Besuch, ein neues Glück, Reisfleisch soll‘s heut‘ sein, das mit Saft serviert den Weg zum Tische fand, einreduziert und demensprechend kräftig, hhmm wohltuend. Der Reis hätte noch mehr Würze vertragen, das Fleisch schön durchzogen, saftig und große Stücke, insgesamt eine respektable Leistung. Man kriegt das ja nicht mehr überall.

Salate nach Wiener Art gesüßt dressiert, aber nicht aufdringlich, machten einen grünen Begleiter perfekt, lediglich ein paar Rukolablätter mischten sich störend darunter. Das verbuchte ich unter Hasenfutter und ließ sie übrig, ansonsten sowohl bodenständig als auch frisch.

Nächstes Menü war Saftfleisch mit Hörnchen, was bei mir nostalgische Jugenderinnerungen hervorruft. Hier war ich vom Saft weniger angetan, wobei rein optisch nicht so wahrnehmbar, dafür der Gaumen „zu mehlig“ in der Konsistenz Rückmeldung erstattete. Das beraubte dem Majoran-Gewürz seiner urtümlichen Note, die ich mehr herausspüren möchte, aber die Hörnchen korrigierten das, indem man es vermischt.

Das Schweinefleisch war bestens, weich, zerfällt mit der Gabel, hatte ausgewogenen Fettanteil, damit es im Mund nicht zum Klumpen mutiert und man würgen muss. Es flutschte mit Umami-Kick hinunter, insgesamt recht gut.

Freitag ist traditionell Fischtag, so auch hier und zu dem checke ich gerne den Erdäpfelsalat. Zu gebackenem Fisch liebe ich auch Sauce-Tartar, die ich extra orderte. Der Fisch ist Standard, passt, für diesmal war die Panier etwas zu hart, aber der Salat war grenzgenial und ließ alles vergessen.

Leute, schon lange nicht mehr dieses oberschlotzig, einfach nur geile Gefühl im Mund, das deine Sinne in den 7. Himmel befördert, wie man sich das erträumt. Es wurde auch Realität. Wow, also da kommt man einfach wieder und hofft auf Wiederholung. Die Sauce-Trara war ebenso sehr gut, ich krieg‘ meine kaum besser hin, aber sie verblasste regelrecht angesichts des Salats.

Mit der Schwiegermama gab es ein weiteres Stelldichein. Sie wollte vegetarisch, dazu bietet die Karte à la carte Eiernockerl an und ich durfte kosten. Brav sie ist. Saubere groß ausgestochene bzw. gehobelte Nockerln wunderbar mit Ei kräftig überzogen, Klasse. Total einfach, aber einfach guat! Die Würzung war mild, das regelt ein wenig Pfeffer.

Und aha, neue Erfahrung, der grüne Salat erhält in der à la carte Zubereitung keine Hasenbeigabe, da passt er, d.h. bei den Menüs wird halt auch a weng‘l Kuchlausmistung betrieben. Aber solange die Qualität gut ist, kann man dagegen nichts sagen. Dass einem nicht alles schmeckt, ist dann sozusagen eine separate G‘schicht.

Ich griff wieder auf das Menü zu, es gab Brathenderl. Stattliche Größe, keine Schnellzucht, festes und doch saftiges Fleisch, ein nahezu perfektes Natursafterl, was beim Hendl auch relativ einfach ist, dazu puristische Reisbeilage. Kenn‘ ich oft nur mehr von meiner Mama, war insgesamt ausnehmend herzhaft und an Menge fost scho a biss‘l z‘vü.


Hausgemachte Nachspeisen

Mit Schwiegermamas Unterstützung wagten wir noch gemeinsam einen als hausgemacht angepriesenen Apfelstrudel. Man will es ja wissen und zu zweit ging das, allein wäre ich vermutlich zerplatzt.

Auch dazu kann ich sagen, dass hausgemacht kein Werbegag ist, sondern für traditionelle Art, wie Wiener Apfelstrudel sein soll, auch steht. Ich werde fragen, ob den net eh die Schwabl-Mama macht, denn man sieht sie immer wieder noch anwesend.

Zuletzt muss ich noch die, oh mein Gott, wieder einmal als göttlich bezeichnungswürdige Malakofftorte erwähnen, hausgemacht, sorry für etwaig lästige Wortwiederholungen, aber so ist es. Sie war absolut köstlich, nicht so schwer butterlastig wie anderorts und somit auch weniger Verdauungskampf im Finale macht sie für die Zukunft höchst attraktiv als Nachspeise.


Ich komme langsam zum Ende

Durch die gängigen à la carte Gerichte werde ich mich hier noch durchwühlen, so es die Zeit erlaubt. Man liebt ja andere Wh auch. Doch nach zwei kürzlich erlittenen Lokalblamagen dieses Métiers braucht meine Wiener Seele Ersatz und hier hat sie eine sehr zufriedenstellende Einkehr gefunden.

Der Schwabl im 12. ist rundum stimmig, schönes Wh-Flair, für gehobene Anlässe der hintere Raum, die Gäste ein Mix von allem, die Kellner klasse Bursch‘n und das Essen bis auf einige Schwächen was das Herz begehrt. Was will man mehr? Ach ja, z.B. faire und günstige Preise, und m.E. passt das ebenso.

Die Getränke entsprechen, wie ich es mir von einem Wh erwarte. Keine Highlights, aber alles da, was der Wiener braucht. Als Vertreter der Wein-Fraktion gibt es den aktuellen Schankwein um 2,20€ pro 1/8l, solche Preise sind rar, zumal er sogar manche Top-Weine schlägt.

Zuletzt genoss ich den gerade saisonalen Junker um 3,90€ pro Achterl, der einige Male Wegbegleiter sein durfte, dann noch ein paar aus dem Österreich-Repertoire, rot wie weiß, die je nach Angebotslage wechseln. Das erhält Zustimmung.

Aufgrund meiner doch gehäuften letzten Besuche wage ich eine durchgängige Note 4 für alles zu vergeben und ich denke, sie bleibt auch stabil. Ich habe mit dem Schwabl-Wirt sozusagen den Repräsentanten für den Bezirk Meidling gefunden, und da er noch dazu unweit der U4 liegt, so gehört er nun zu meinen neuen Favoriten.

Ich müsste mich fast dafür sogar entschuldigen, ihn nicht schon früher als das, was er ist, wieder entdeckt zu haben, hielt er sich vor mir einige Zeit wie versteckt. Aber das wurde, so hoffe ich, nun auch korrigiert. 😊


Euer g’schamster Diener
WrKFanWeniger anzeigen
Restaurant Schwabl - Klare Hühnersuppe - absolut köstlichRestaurant Schwabl - Petersfisch mit Kräuterseitlingsnudeln - das war schlicht genial!Restaurant Schwabl - Nudelsuppe - tadellose RS-Basis

13. Waldtzeile

2 Bewertungen
Speisinger Straße 2, 1130 Wien
In diesem Guide weil: Der 13. ist recht unterrepräsentiert, aber die Waldtzeile konnte mich überzeugen. Netter Gastgarten, nehme hier gerne weitere Tipps entgegen.

14. Prilisauer

2 Bewertungen
Linzer Straße 423, 1140 Wien
In diesem Guide weil: Sehr gut geführtes Restaurant am Stadtrand. Komme nicht zu oft dorthin, aber es war immer zufriedenstellend.

15. Gasthaus Quell

1 Bewertung
Reindorfgasse 19, 1150 Wien
In diesem Guide weil: Altbewährt und gute Preise, sehr bodenständig und viel einfache Hausmannskost, Nostalgie pur, oft junges Personal.
SpeisenAmbienteService
6. Sep 2022
Tradition kann man nicht erfinden Jemand sagte mal, gäb's es den Quell nicht schon längst, er möcht' ihn glatt erfinden. Nur funktioniert das in...MehrTradition kann man nicht erfinden

Jemand sagte mal, gäb's es den Quell nicht schon längst, er möcht' ihn glatt erfinden. Nur funktioniert das in der Realität so nicht, sich quasi ein Unternehmenskonzept am Computer-Reißbrett‘l zu schnitzen und mit der Idee ein Erfolgs-Wirtshaus aus dem Boden zu stampfen, sodass man sich später ein Leben ohne dem nicht mehr vorstellen will. Er möge damit Recht haben.

Diese Art Wirtshaus braucht einfach seine Jahre, muss sich in gut geführter Hand wissen und seine Tradition an die nächsten Generationen weitergeben können. Dazu gehört eine gehörige Portion Patina am Fußboden und auf den getäfelten Wänden, was so unverzichtbar ist wie Omamas Wiener Hausmannskost, die auf ähnliche Weise tradiert werden muss.

Dann kann es zu dem werden, was der Quell geworden ist und man züchtet sich seine Stammgäste heran, die es auch mitprägen. Aus der HP ersichtlich zählte sich dazu z.B. der jüngst verstorbene Ostbahn Kurti, der hier hierorts auch eine Live-CD mit dem Titel „Ein Abend im Gasthaus Quell“ produziert hat ( wen’s interessiert dazu ein YT link einer Live-Session aus der Gaststube: [Link] ).

Wir zwei, also der Quell jetzt und ich, kennen uns noch nicht so intensiv, aber ich tendiere allmählich dazu dieses Manko zu beheben. Für mich als Freiluft-Fan schätze ich auch die kleinen aus jeweils 4 Tischen bestehenden Schanigärten in beiden Gassen des typischen Ecklokals. Im Innern besteht er aus drei Stüben, die ihresgleichen suchen, wie eingangs beschrieben (siehe Bilder).

Unmittelbar daneben die mächtige Kirche der Pfarre Reindorf, die zu Mittag für ihre Schäfchen lautstark bimmelt, dass es dir in den Ohren gellt und mir dabei fast die Gabel aus der Hand fällt. Man fühlt sich dann bei Bier und Schnitzel wie am Land im Dorfwirtshaus und das inmitten von Fünfhaus.

No ois sche und guat, könnte der Ostbahn Kurti auch als Lied singen, aber wos hot der Quell esstechnisch so drauf, wird der p.t. Leser sicher wissen wollen. Dazu diene mein nächster Abschnitt


Wie isst’s sich’s bei der Quelle?

Die Speiskarte gliedert sich in zwei grobe Bereiche, wovon der eine Teil das klassische Repertoire an gängigen Gerichten der Wr. Küche und der andere althergebrachte hausmännische Kost beinhaltet. Diese wird wie üblich auch mit saisonalen Angeboten ergänzt. Aus dem Grund verzichtet man auf das tägliche Menü, hat aber eine wechselnde Wochenkarte.

So stehen z.B. Reisfleisch, Krautfleisch, Linsen mit Knödel, Leber Natur bzw. gebacken und derlei Schmankerl quasi als Fixpunkt auf der Karte, wie sie in anderen Gasthäusern immer mehr von der Bildfläche verschwinden, weil man immer mehr auch zum Ethno-Haberer erzogen, wird, aber das sei wieder eine andere G’schicht.

Hier hat man sich zu einem Bekenntnis durchgerungen, dass von der traditionsbewussten Wiener Küche dieses vorhanden sein muss und jenes nicht fehlen darf. Und darum meinte ich zuvor, oiso mir zwa miass‘n no a weng’l mehr miteinander reden. 😉


Ein paar allgemeine Genusserfahrungen

Mein erstes Gulasch-Erlebnis war mehr ein Reinfall (zu dünn ohne viel Geschmack), aber ich war damals, was jetzt schon mehrere Jahre zurückliegt, am allerersten Tag nach der Weihnachtspause an Ort und Stelle und so wurde mir gesagt, dass es erst wieder neu angesetzt werden musste. Klingt logisch, oder Ausrede?

Mein letztes Erlebnis war aber ähnlich, es war vor kurzem an einem Montag, und der Kellner gebrauchte witzigerweise denselben Spruch. Aber ich denke, es wurden die Zwiebel zu wenig angeröstet. Die Würzung war in Ordnung, das Fleisch sogar perfekt nur halt die Sauce, auf die lege ich aber Wert (kann man am Foto an sich nicht sehen, was nur der Gaumen diesbezüglich sehen kann).

Der Kellner war aber zu kurz angebunden, weil viel los war im Mittagsgeschäft, aber wir sind übereingekommen, darüber werden wir uns noch austauschen. Es kursiert nämlich der Spruch, hierorts gäb’s das beste Gulasch in ganz Wien, was aber für mich erst noch zu beweisen wäre. Quell, aufgepasst, do red ma no d‘rüber.

Ein weiterer Fixpunkt für meine Art Suderei Wiener Prägung bildet die Rindsuppe. Die ist hier brav, ich gehe mal davon aus, da wird ein wenig mit künstlicher Verbesserung nachgeholfen, was ich in Standard-Gasthäusern nicht weiter kritisiere, solange die Basis passt, und die finde ich brauchbar, ist also gut.

Beim Reisfleisch versuche ich zwar immer wieder auch noch das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden, habe es aber noch nicht ausgemacht. Da wird gute Hausmannsart vorgezeigt, zwar schlicht und einfach, auch in der Präsentation, das Fleisch aber saftig und die Paprikanote schmackhaft im Lieferumfang integriert, es schönes sehr gut.

Linsen mit Speck, man darf das wörtlich nehmen, also nicht Specklinsen, indem Speck in die sämige Sauce klein geschnitten mitverarbeitet wird, sondern angebratene Speckstreifen beigelegt. Das führt dazu, dass der Vegetarier auch auf seine Rechnung käme und die Natürlichkeit der Linsen besser zum Tragen kommt. Und so wandert's dann z.B. von des Töchterleins Teller in den meinigen.

Ja schmeckt aber gut, wichtig ist, dass es nie zu pampig wird, und ein wenig Säurerest noch spürbar ist, aber ich brauche halt auch den Umami-Kick, den ich mir dann mit der Vermischung aus Linsen und Speck hole und das funktioniert so auch. Sprich es ist so meine persönliche Vorliebe, also objektiv gut bis sehr gut, subjektiv bleibt es beim gut.



Reisebegleiter

Die Knödel sind bislang immer gut gewesen, egal was sie begleitet haben, frisch, angenehm weich zum Zerteilen, dennoch mit nötiger Bissfestigkeit, zum Saugen wie sich’s gehört sehr gut, im Geschmack könnten sie etwas mehr noch an Würzung vertragen, womit ich nicht Salz meine.

Auch für den Salat gelte diese Aussage. Meist war es bei mir ein Gemischter, sehr natürlich ohne viel Schnörksel, wie es diese Art GH kennzeichnet, aber frisch und herzhaft jede dazu passende HS gut zu begleiten. Rundum also gut.


Meine übliche Suderei & Lobhudelei

Insgesamt bin ich mit dem Quell noch nicht so auf Tuchfühlung gegangen wie mit anderen Wirtshäusern, gedenke aber diese meine Bildungslücke zu schließen. Was ich bislang kenne und weiß, ist er das wert. Das nostalgische Ambiente ist jedenfalls anziehend und spricht mich sehr gut an. Selbst der Gang aufs WC wird so zum Erlebnis von anno dazumal.

Die kulinarischen Erfahrungen sind bislang gut gewesen, meine Suderei mit dem Gulasch oder auch bzgl. des Kaffees kann auch eine Macke von mir sein, aber darüber red ma jo no, und dann wenn’s geht durchaus auch Tachiles. So meine ich die Speisen rundum als gut zu bewerten. Wie es sich ergibt liefere ich gerne noch Auffrischungen weiterer Erfahrungen nach, im modernen Vergewaltigungs-Deutsch auch „Apdejt“ (update) genannt.

Der Preislevel ist echt am Boden jeder Leistbarkeit geblieben, das verdient von mir ehrliches Lob, und wer das anders sieht, dem kann man dann nur Döner-Stand‘ln und Billigst-Fritter-Buden empfehlen. Es gibt hier nichts (soweit ich mich erinnere) was die 20€ Hürde überschritten hatte und dabei sind die Portionen anständig und sättigend.

Mein Letztbesuch belief sich unter 30€, was ich ansonsten üblicherweise nicht schaffe, und bestand aus einem Seidl Bier, HS plus Extra-Beilage, Mokka groß und mein übliches Schnapserl um insgesamt 26,90€ was ich auf 30€ dankenswerterweise aufgerundet habe.

Die Kellner kenne ich noch nicht gut genug wie anderswo, zumeist waren sie noch recht jung, aber wie ich das anhand meiner Fotosammlung einsehen kann, wechseln sie auch. Der letzte gab mit zur Auskunft, er wäre nun 3 1/2 Jahre hier und er sang mir dabei auch die derzeit populär gewordene Arie des sterbenden Gewerbes vor. Ich kann ihn verstehen, bloß nicht helfen, es sei denn mit meinen Besuchen.


Der Versuch es in einem Satz zu formulieren:

Das Gasthaus Quell kann mit Ausnahme seiner bewundernswerten Nostalgie nicht mit der Marke Sonderklasse punkten, dazu sind wir Gourmet-Fritzis sicher auch schon zu verwöhnt, aber für eine anständige Küche auf Basis ehrlicher und auch schon rar gewordener Hausmannkost zu fairen Preisen bin ich immer zu haben, und dazu werde ich es künftig noch mehr ins Herz schließen.Weniger anzeigen
Gasthaus Quell - Eine klassische Wirtshaus-Rindsuppe - passt soweitGasthaus Quell - Reisfleisch - einer der Klassiker hier - immer gutGasthaus Quell - Linsen mit Speck (und nicht Specklinsen :-))

16. Grünspan

Ottakringer Straße 266, 1160 Wien
In diesem Guide weil: Sehr zu empfehlen, wenn mehrere Küchrichtungen angesagt sind. Gute Menüs und ansonsten Plachutta-Level, gilt auch hinsichtlich Service. Sehr schöner Gastgarten.

17. Schrammelbeisl

1 Bewertung
Kalvarienberggasse 51, 1170 Wien
In diesem Guide weil: Erst einen Besuch absolviert, es war aber exzellent - im 17. finde ich kaum wirkliche Repräsentanten. Nehme gerne weitere Tipps entgegen. Ambiente gewöhnungsbedürftig.

18. Herbeck

Scheibenbergstraße 11, 1180 Wien
In diesem Guide weil: Sehr renommiertes Lokal, schöner Garten, schöne Innenräume und tadellose Küche, kann ich auch bereits als gehoben enstufen. Hat im 18. keinen Konkurrenten.

19. Zum Renner

1 Bewertung
Nußdorfer Platz 4, 1190 Wien
In diesem Guide weil: Mein Nr.1 Gasthaus derzeit in Wien, Stuben im Landhaus-Stil und wunderschoner Hof, bietet neben Wr. Küche auch Steaks an. Preiswerte Wahl für Tafelspitz ohne an Qualität einzubüßen. "Die" Alternative zu Plachutta.
SpeisenAmbienteService
19. Aug 2022
Vorbemerkung: Durchschnittliche Lesedauer des Berichts ca. 10-12 min. Wem das zu lange erscheint, der springe zu meiner abschließenden Empfehlung (...MehrVorbemerkung: Durchschnittliche Lesedauer des Berichts ca. 10-12 min. Wem das zu lange erscheint, der springe zu meiner abschließenden Empfehlung (ginge es nach mir könnte ich ein ganzes Buch schreiben 😊).


Zum Renner – warum er mein Nr.1 Gasthaus ist

Mit dieser kulinarischen Rezension gehe ich in medias res als WrKFan. Als Fan der Wiener Küche habe ich den Gasthof Renner nicht zufällig gewählt, ist er derzeit mein Lieblingsgasthaus in Wien. Ob sich daran so schnell was ändern wird? Ich vermute nicht, denn ein Zuwachs in dieser Kategorie ist heute nicht mehr zu erwarten.

Das zeichnet aber damit diejenigen aus, die sich über Generationen halten können und auch Krisen wie C... (räusper, ich hasse das Wort schon) problemlos wegstecken. Hier meine ich sogar einen anderen Trend zu erkennen, und zwar hat der Renner mittlerweile keinen Ruhetag mehr wie früher, was Besuche erleichtert. Beibehalten wurde der durchgehende Küchenbetrieb.

Läge er näher bei meinem Wohnort wäre er mein Stammwirt, aber bedingt durch eine längere Anreise werden wir wohl doch nie ein intimeres Paar werden, geliebt bleibt er aber. Ich kehre gerne dort z.B. öfter nach einer Kahlenberg-Tour ein. Auf das freue ich mich jedes Mal wie ein kleines Kind auf seinen Lolly.

Zu sagen er ist mein Favorit wird nicht reichen. Es gibt persönliche wie lokalspezifische Gründe, was für mich aber nur schwer zu unterscheiden ist bzw. habe ich gar nicht vor bloß objektiv zu bleiben, ich bringe bewusst die subjektive Note mit ein. Geht’s denn anders, wenn es um Geschmack und Vorlieben geht?


Die Einrichtung

Ich mag die beiden Stuben im vorderen Takt, die ein Hofdurchgang räumlich trennt. Zur Linken die Schankstube und zur Rechten eine weitere mit einem Kachelofen im Blickfang, beide Räume im Stil einer Jagdstube. Die Tischflächen weisen verzierte Einlegearbeiten. (lt. Dr. Google sog. „Intarsien“) auf. Man frage mich nicht wie man dies herstellt. Aber schön sind’s und ein Kunstwerk obendrein.

Im hinteren Trakt gibt es eine weitere Stube, sie wurde von mir aber noch nicht für Besuchszwecke benutzt bzw. stand sie dafür nicht offen. Ich denke, der Raum ist für geschlossene Festlichkeiten vorgesehen.


Der Gastgarten

Nach Durchschreiten des Hofdurchganges mit der hiesigen Adresse Nussdorfer Platz 4 unweit der D-Wagen Station und netten Willkommensgrußes des Andechser-Rundbogens betritt man mein mit Vorliebe gewähltes Ziel, den Gastgarten, den der Renner bloß als Biergarten betitelt.

In dessen Mitte beherrscht seit vielen Jahren eine gealterte große Linde das Ortsbild. Beim ersten Blick in diesen lauschigen Hof entlockt mir das immer wieder ein wohltuendes „Aaah“. Leider hat der bislang so edle Schattenspender mittlerweile einen radikalen Kahlschnitt verpasst bekommen. Das ist jammerschade, aber auch wir Menschen altern und verlieren gleichermaßen an Glanz des Hauptes einstiger Schmuck.

Markenzeichen sind Tische und Bänke aus Vollholz in auffällig tiefgrün lackierter Farbe, wirkt fast schon kitschig, fügt sich aber harmonisch in das Gesamtbild. Lediglich beim Kopfsteinpflaster kommt mir hin und wieder ein „Naja“ über die Lippen, aber sitzt man erst einmal, nimmt man das nicht weiter wahr.

Abends verwandelt sich die Atmosphäre in einen romantischen Hof, zu dem einige Lichteffekte nachhelfen. Solches ist ganz meins. Ja, das sind so die Orte, wo ich immer wieder hin will um mit einer wertgeschätzten Person zu verweilen und gemeinsam den letzten Tropfen Roten wie Weißen genüsslich über die Zunge gleiten zu lassen. Alles andere sei aber hier nicht Gegenstand näherer Bewertung. 😊


Rindfleischküche, puristisch mit Niveau

Es wird eine hauseigene Fleischerei betrieben, aus der Tafelspitz, Schulterscherz‘l, Beinfleisch & Co gewonnen und verarbeitet werden und zuguterletzt im Kupfergeschirr den Gast erreichen. Von dem hat man den Eindruck, Mensch Maier, bitte wann wechseln‘s des mal aus, aber ein Blick in das Innenleben fegt diese Frage rasch wieder vom Tisch. Schon die Optik betört immer wieder. Soll noch einer sagen die Augen essen nicht mit!

Solches bildet regelmäßig den Grund meines Herkommens, wirkt auf mich puristisch auf hohem Qualitätslevel. Es ging noch nie was retour, außer ein ratzeputz leergelöffeltes Reindl. Die Suppe, die sehr naturbelassen entsteht, wofür Ochsen tagtäglich ihr Leben lassen müssen, braucht derart keine Kraftverstärker. Das sei von mir gesagt einer der großen Unterschiede zu den meisten anderen Gasthäuern und macht Renners besondere Note aus.

So ist die angebotene Haussuppe um 5€ lediglich ein Abfallprodukt aus der täglichen Produktion, Nudeln dazu, größer geschnittene Karottenscheiben, tadellos im Biss und würfelig geschnittene Restl‘n aus der Rindfleischküche. Wäre doch nur jeder Abfall so perfekt. Ich habe sie schon oft als Hauptspeise gegessen, wenn der Hunger nicht groß genug war. Herzerl, was willst du mehr.

Mit Sicherheit schafft die gehobene Küche noch mehr Power als Kraftbrühe einer edlen Tafelspitzbouillon, keine Frage, aber wir reden von einem Gasthaus auf bodenständigem Level. Hier liegt die Power in seinem kräftigeren Fettgehalt aufgrund der Durchmischung von viel Fleisch und Knochen und der Umami-Effekt ist grandios. Fettaugerl, do schau her - In der Hinsicht von mir eine klare 5.

Zu den Rinder-Töpfen. Man kann sich auf einzelne Gustostückerl einschießen, oder nimmt, wie ich es meist pflege, den Braumeistertopf, der mehrere Fleischsorten beherbergt. Kostet etwas mehr, ist aber auch mehr drin und zahlt sich daher aus. Der Renner darf sie zu Recht Gustostückerl nennen, für mich sind sie das.

Die klassischen Begleiter Apfelkren, Schnittlauchsauce, Rösterdäpfel, Cremespinat sind völlig ok, der Röster meist etwas speckiger als anderswo, aber herzerfrischend g’schmackig. Lediglich am Cremespinat meckere ich fallweise herum, wenn er mir etwas zu mehllastig erscheint, vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, ist also durchaus subjektiv.


Begleiterscheinungen angenehmer Art

Zumeist brauche ich eine Extraportion Kren, da mir der Apfelkren viel zu milde angerichtet wird, aber das gilt nicht nur für hier. Ich verstehe schon, man muss auch auf die anderen Gäste achten. Ich brauche den aber pfiffig und er darf mir ruhig auch mal von der Nase kurz ins vordere Großhirn stoßen um meine Sinne kurz zu benebeln und derart wieder zu reinigen. So wird er gleich von Haus aus zusätzlich geordert und kommt oft in einem netten Glaserl mit Deckel. Frisch gerieben muss er sein, was selbstredend ist.

Sprechen wir kurz das liebe Geldbörserl an, dann kostet der der Topf samt Beilagen ca. 30€ und reicht in der Regel für 2 Personen, wenn nicht gerade 2 Bodybuilder der Bärenhunger zur Proteinauffrischung hertreibt. Und sollte dem der Fall sein, empfehle ich zusätzlich einen Leberknödel als Suppeneinlage, der in sage und schreibe Tennisballgröße (!) angeliefert wird.

Das könnte also sogar eine 4-er Rudermannschaft sättigen. 😊, Wir hatten den in der Tat auch schon zu dritt aufgeteilt und alle waren zufrieden. Die Größe passt dabei zum Prädikat sehr gut für seine passable Lebernote und Festigkeit. Diese Dinger kannst so auch nur händisch machen.

Vergleichst du das mit der Konkurrenz, die den Titel Rindfleischpapst trägt, kriegst du hier das Gesamtpakt zum Halbpreis, wobei schon jeder auch seine Vorzüge hat, das will ich gar nicht bestreiten. Hier seien aber die für den Renner hervorgehoben, was mir erlaubt sei.


Weitere Wiener und andere G’schicht‘n

Beim Renner empfehle ich auch unser kulinarisches Wahrzeichen, das allseits bekannte Schnitzel, als authentisch und makellos. Man kann Kalb oder Schwein wählen. Hin und wieder hatte ich ausländische Gäste und diese führte ich gerne hierher, weil für meine Begriffe hierorts unser hochgeschätzer Wiener Bröselteppich einfach besser ist als in den dafür von der Tourismusbranche gehypten Innenstadtlocations. Man darf aber auch anderer Meinung sein. 😊

Renners hauseigenes Fleisch, eine anständige Soufflierung, auf die ich großen Wert lege, solches passt hier samt Erdäpfelsalat nach Omas ehrwürdiger Rezeptur. Auch hier ging bislang nur leeres Geschirr retour, der Rest durfte in mir sein gottgewolltes Werk vollbringen.

Lediglich der Preis für das Schnitzel liegt etwas höher, zumal keine Beilage inkludiert ist, ansonsten sind alle anderen Preise völlig moderat und der Qualität angepasst, eigentlich sogar günstig meine ich.

Liebhaber von Innereien kommen auch auf ihre Rechnung. Diese Meinung habe ich von anderen übernommen, ich selbst bin nicht der große Tiger dieser Fraktion, sieht man von Ausnahmen ab. Man muss dazu die aktuelle Tageskarte einsehen, die auch das jeweils saisonale Angebot enthält.

Das klassische Menü gibt es nicht, aber von Mo – Fr einen Mittagsteller, mit dem die Wiener Tradition diverser Hausmannsgerichte gut gepflegt wird, was die Standard-Karte für gewöhnlich nicht enthält. Ich bin mir nicht sicher, aber den erhält man solange der Vorrat reicht ganztägig (das werde ich noch genauer checken).

An Nebentischen beobachte ich regelmäßig das eine oder andere Steak, auch „dry aged“ bis hin zur Mörderportion eines T-Bones (steht hier das „T“ für Tonne?). Wie Menschen das tatsächlich aufessen können bleibt mir ein Rätsel, aber sie stellen das hier unter Beweis.

Ich habe für Steak & Co meine eigenen Vorzugslokale, aber wer solches mag, erhält auch hier eine repräsentative Auswahl. Der Preislevel liegt vergleichbar auf dem Niveau anderer darauf spezialisierter Lokale.

Oh mein Gott, ich könnte fortsetzen mit regionalen Weinen, die ich gar nicht angesprochen habe, für die Bierliga das Andechser, für Naschkatzen mehrere edle Süßspeisen, darunter Omas Malakofftorte, ein Butterziegelbomber ersten Ranges, Riesenportion, aber sooo guat, oder den hausgemachten Nussschnaps, der zu Verdauungszwecken nach so mancher Rindfleischorgie schon obligatorisch fürs Überleben notwendig ist. Man sollte den auf Rezept erhalten.

Ich wäre also noch lange nicht am Ende, muss aber eines anstreben. Aus dem Grund empfehle ich herzukommen und es selbst herauszufinden. Meinen Segen hat der Renner jedenfalls, wie könnte er sonst mein Lieblings-Gasthaus sein? Der Renner ist ein Renner, oder nomen est omen könnte der Lateiner sagen.


Ein paar Takte zum Service

Die Damen und Herrn tragen eine ländlich traditionelle Lederkracherne, und in dem Look verfügen sie auch über den sog. „Fleck“, sprich diese dürfen das Inkasso vornehmen. Hier gilt nach wie vor „Bares ist Wahres“, was ich öfter schon vergessen habe. Zum Glück ist nicht weit weg vom Lokal ein Bankomat. Das übrige Servicepersonal trägt passable Normalkluft und hilft mit an der Abarbeitung allfälliger weiterer Leistungen.

Hin und wieder erlebe ich die eine oder andere mangelnde Aufmerksamkeit und man wird für längere Zeit alleine gelassen. Ist der Weg von der Küche in den Hof doch um einiges weiter als anderswo, oder braucht das gestresste Personal seine wohlverdienten Rauchpauserl‘n für an Tschick?

Ich stehe davon ab etwas zu unterstellen, habe für vieles auch Verständnis, aber das sei meine subjektive Erfahrung. Solches zu sagen tue ich auch ungern, mag ich doch das Lokal wirklich sehr, aber nach vielen Besuchen möchte ich das von meiner Seite nicht ganz verleugnen.

Generell rückläufig ist der von mir immer noch geschätzte Wiener Schmäh für solche bodenständige und heimische Lokale, aber darüber berichte ich mehr bei anderen Wirtshäusern, bei denen der noch auf ihrer Karte steht. 😊

Hier vergebe ich schweren Herzens der Objektivität geschuldet nur eine mittlere Wertung. Ich mache meine Besuche grundsätzlich aber nicht vom Service abhängig, dazu müsste ich schon eine kräftigere Ohrfeige verpasst bekommen oder per Fußtritt hinausbefördert werden, um es bildhaft auszudrücken.


Abschließende Empfehlung

Was ich am Renner seit Anbeginn schätze ist seine Vielseitigkeit. Schönes Ambiente, ein toller Garten und mehrere Küchenrichtungen erlauben auch bei unterschiedlichen Interessenslagen gemeinsame Besuche, bei denen jeder zufriedengestellt werden kann. Auf diese Weise habe ich schon erfolgreich manche Runde hier organisiert.

Ein wenig Kritik am Servicepersonal wurde erwähnt und das kann man m.E. nicht auf die gegenwärtige Personalnot zurückführen. Hat der Renner sonstige Schwächen? Ja, hat er, aber ich werde sie zugunsten seiner überwiegenden Stärken nicht groß herausposaunen. Wer gibt freiwillig liebgewordene Subjektivität auf. 😊

Ich könnte eventuell herummotzen, dass mir der Kaffee zu schwach ausfällt oder der erwähnte Schnitzelpreis zu hoch ist, aber das war’s auch schon. Solches steckt die Rindfleischküche in hoher Qualität samt ihrer puristischen Note mit ihrem erwähnten First-Class Preis/Leistungsverhältnis mühelos weg.

Positiv bewertet haben bislang alle meine Begleiter die ansprechenden Stuben und selbstredend den urigen Innenhof, so wie ich, der in angenehm lauwarmer Abendstimmung sein Flair noch mehr entfaltet, weshalb ich für das Ambiente ein summa cum laude ausspreche.

Die Speisen werte ich, und jetzt schalte ich von subjektiv kurz auf objektiv um, als ein sauberes Sehr Gut und so lege ich euch zum Abschluss meinen Renner wärmstens ans Herz, wenn’s die kultiviert gepflegte Wiener Küche an einem schönen Orte sein soll.


Meine Verehrung und mit den besten Empfehlungen
Der WrKFanWeniger anzeigen
Zum Renner- EInblick in den Braumeistertopf - für meine Begriffe puristisch, schön und ebenso gutZum Renner - ein gepflegtes Wr. Schnitzel - hier auch authentischZum Renner - zur Linken die Schankstube

20. Zum Nussgartl

1 Bewertung
Vorgartenstraße 80, 1200 Wien
In diesem Guide weil: Einfach, aber gut, muss aber noch mehr (von mir) erforscht werden. Brauche weitere Tipps (nur bitte nicht Kopp!) Habe hier immer noch die Mörderportion des Wr. Schnitzels in Erinnnerung, aber das gibt nicht den Ausschlag. Kleiner Vorgarten

21. Emerich

2 Bewertungen
Siemensstraße 63, 1210 Wien
In diesem Guide weil: Sehr bodenständig und einfach in allem, kein Schnick-Schnack, aber gerade darum sehr gut. Weitere Tipps erbeten (nur bitte nicht Binder!).

22. Zum Selitsch - Stadlauer Vorstadtbeisl

2 Bewertungen
Konstanziagasse 17, 1220 Wien
In diesem Guide weil: Trotz der enormen Bezirksgröße sehr unterrepräsentiert, eine Art Lückenbüßer, aber man sollte ihn kennen. Weitere Tipps erbeten.

23. Lichtenstöger

1 Bewertung
Klostermanngasse 14, 1230 Wien
In diesem Guide weil: Sehr gute Empfehlung. Auch der 23. hat nicht allzu viele gute Gasthäuser, dieses ist eines. Wird sich vermutlich nicht so rasch ändern. Netter Hofgarten.

Kommentare

4 Kommentare·Zeige alle Kommentare

Apropos Zuspruch: Wie sieht es mit dem m. M. nach längst überfälligen Experten-Status für den Kollegen „WrKFan“ aus??? Dieser hat nun 30+ lesenswerte und gut recherchierte Bewertungen im Forum gepostet und sich hier auch sonst verdient gemacht - diese Frage geht an den geschätzten Admin…

25. Jän, 08:26·Gefällt mir

Und was Änderungen anbelangt, so werde ich den Guide durchaus dynamisch gestalten. Es bleibt aber weiter meine subjektive Sicht. Übrigens, wenn der Guide gefällt, dann steht optional auch der "Gefällt mir" Button zu Verfügung. Zuspruch gefällt auch mir. :-)

25. Jän, 06:42·Gefällt mir1

Danke für den Zuspruch. Herknerin, naja ehrlich gesagt erwarte ich mir auch etwas Wh-Atmosphäre. Ist zwar hier sekundär aber deswegen nicht unerheblich. Ich wäre dann noch eher für den Wolf oder Ubl. Danke für den 23er Tipp. Stasta hatte ich noch nicht auf dem Radar, steht aber bereits auf der ToDo Liste. Sie ist bloß schon lange. :)

25. Jän, 06:39·Gefällt mir
Diese Website verwendet Cookies
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Wir und unsere Partner (Drittanbieter) erheben Daten und verwenden Cookies, um personalisierte Anzeigen und Inhalte einzublenden und Messwerte zu erfassen. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Zustimmung zur Verwendung von Cookies jederzeit widerrufen. Mehr Info
Cookie Einstellungen
Cookie Einstellungen
Unbedingt erforderliche Cookies
Immer aktiv
Diese Cookies sind für den Betrieb der Website technisch notwendig und für bestimmte Funktionen (z.B. Speichern von Einstellungen, Anmeldung, Erleichterte Navigation) unbedingt erforderlich. Die meisten dieser Cookies werden bei von Ihnen getätigten Aktionen gesetzt. Sie können diese Cookies in Ihren Browsereinstellungen deaktivieren. Beachten Sie bitte, dass Ihnen in diesem Fall das Angebot der Webseite nur mehr eingeschränkt zur Verfügung steht.
Inhalte und Dienste von Drittanbietern (z.B. Google Maps)
Wir binden auf der Website Inhalte oder Dienste von Drittanbietern ein, um unsere Inhalte mit den Inhalten der Drittanbieter zu ergänzen (z.B. mit Landkarten) oder um die Funktionen dieser Website zu erweitern. Wenn diese Option ausgeschaltet ist, stehen diese Inhalte und Dienste nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Drittanbieter verarbeiten Daten und verwenden Cookies oder vergleichbare Technologien.
Personalisierte Anzeigen
Wir verwenden Werbenetzwerke (z.B. Google Adsense), um Ihnen für Sie relevante personalisierte Anzeigen auf der Website einzublenden. Wenn diese Option ausgeschaltet ist, werden Ihnen keine personalisierten Anzeigen gezeigt. Werbenetzwerke verarbeiten Daten und verwenden Cookies oder vergleichbare Technologien.