In der Umgebung
Mi, 22. Mai 2024

Traditionelle Kaffeehäuser

Traditionelle Kaffeehäuser

Meine Leidenschaft zum Kaffee und damit unweigerlich auch zum Kaffehaus kommt in meinen Rezensionen wie ich denke durchaus zum Ausdruck. Weitere werde ich nach und nach liefern.

Hier meine Liste traditioneller Kaffeehäuser, welche ich gerne besuche. Ein sog. Stammcafe habe ich aber nicht wirklich, dazu bin ich ein zu großer Herumtreiber, der am liebsten immer alle besuchen würde. :)

Die meisten befinden sich wohl in Wien, warum es auch als die Wiege des Kaffeehauses angesehen werden darf, beschränkt sich aber nicht auf meine Heimatstadt.

Bezüglich der Reihenfolge werde ich noch mehrere Updates machen. Sie soll zumindest was die zuerst gereihten anbelangt einen gewissen Sympathie-Bezug meinerseits herstellen.

Gefällt mir1Kommentieren
WrKFan·23 Lokale·Update: 30. Mär 2024·9 Kommentare

Dommayer

(1)
Auhofstraße 2, 1130 Wien
Dommayer - Tadellose Rindsroulade - echt guat - (gehe jetzt öfter auch hierher speisen)Dommayer - Kaiserschmarren (ohne die ... Karmellsauce) - zu trockenCafe Dommayer - Rindsgulasch (Tageskarte) - Ohne Fehl und Tadel
In diesem Guide weil: Die Konditorei Oberlaa führt seit 2006 das Lokal, aber der Dommayer war, ist und wird hoffentlich noch lange ein Kaffeehaus bleiben, für mich ist es das beste Kaffeehaus in Wien.
SpeisenAmbienteService
13. Aug 2022
Tradition trifft Moderne Das schöne Cafe Dommayer, anno dazumal beliebtes Ausflugsziel der High Society außerhalb Wiens, heute im Herzen Hietzin...MehrTradition trifft Moderne

Das schöne Cafe Dommayer, anno dazumal beliebtes Ausflugsziel der High Society außerhalb Wiens, heute im Herzen Hietzings ein paar Gehminuten von der gleichnamigen U4-Station. Seit 2006 wurde es von der Geschäftsgruppe der Konditorei Oberlaa GmbH übernommen.

Einige Zeit hegte ich die Befürchtung, es werde sein Flair als traditionelles Kaffeehaus verlieren, wobei ich nichts gegen die Konditoreien Oberlaas habe, im Gegenteil, es wäre dann nur kein Kaffeehaus mehr, sondern eine weitere Filiale dieser Kette.

Ich wurde glücklicherweise in meiner negativen Erwartungshaltung „enttäuscht“ , denn es hat bis heute den Charakter eines urtypischen Kaffees weiter beibehalten. Das sonst für Oberlaa nüchterne Interieur hielt Gott sei Dank nicht Einzug.

Heute sehe ich es wieder mit ganz anderen Augen, dass es damit sogar zu einer Steigerung gekommen ist, denn Kaffee inklusive Oberlaa Patisserie, hhhmm, das kann mein Herz schon erwärmen. Ohne Umschweife sage ich, dass es in der Form die klassisch eingesessenen Innenstadtkaffees sogar übertrifft und darum auch zu meinem Stammkaffee geworden ist.

Anders als in den anderen Filialen treten die Herren des Servicepersonals im schicken Anzug auf. Auch dieses kleine aber feine Detail ist Bestandteil des Unternehmenskonzeptes zur Beibehaltung der Kultur des Lokals. Auf der HP wird es auch als “Kaffeehaus“ betitelt und nicht als Konditorei, es ist so aber beides.

Kleiner Wermutstropfen sind die Öffnungszeiten für mich. War es früher noch bis 22.00 Uhr geöffnet, wurde dies schrittweise reduziert auf nunmehr 20.30 Uhr, was ich als Angleichung an die anderen Konditoreien interpretiere. Das dürfte mehr logistische Gründe haben, damit muss ich halt leben.

Neben zwei Hauptgasträumen befindet sich vor dem Eingang ein Schanigarten und im rückwärtigen Teil ziert einer der schönsten Gastgärten das Bild. Als solches erachte ich es als ein einzigartiges Kaffeehaus Wiens, das bezüglich Interieur mit den großen Konkurrenten der Innenstadt ausreichend mithalten kann und was den Garten betrifft ist es m.E. sogar konkurrenzlos.


Speisen und Getränke

Es wird hier auch eine eigenständige Küche betrieben mit frisch zubereiteten Tagesgerichten, ich lege aber darauf nicht den Fokus der Bewertung, erwähne es nur. Die Qualität ist passabel, aber nicht so, dass sie mich vom Hocker reißt. Es kommen aber genug, ich nenne sie mal netterweise „Hofratswitwen“, die das Angebot sehr wohl in Regelmäßigkeit schätzen.

Das Frühstücksangebot ist ausreichend und qualitativ sehr gut, darin ist es vergleichbar mit den anderen renommierten Kaffeehäusern und lässt kaum Wünsche offen. Ich bin schon eingeschossen auf gewisse Vorlieben, wobei ich die Konstanz der Qualität lobe. Es ufert aus alles zu listen. In der Hinsicht kann Wien gundsätzlich einfach was, was nicht nur hier gilt.

Eine Nichtempfehlung, was schmerzt, erteile ich für den Kaiserschmarren. Der ist wirklich ein Schmarren, aber in einem anderen Sinn und zwar als untypisch und für meinen Gaumen fast ekelig. Man mischte mir dazu Karamellsauce. Au weia, das habe ich zweimal probiert, aber beim zweiten Mal ging er postwendend retour. Dieser Patzer geht Gott sei Dank angesichts der sonstigen Tops unter und spielt so keine Rolle, aber wer’s mag? 😊

Eine kleine Unsitte wäre für mich noch die Weinausschank, die in 0.1l Einheiten anstelle eines anständigen 1/8l als sog. Achterl erfolgt. Muss das sein, mia san in Wien, net in … sakra! Aber daran hat man sich auch gewöhnt. Ist wie in einer Ehe, man frisst die kleinen Makel zugunsten einer langjährigen Liebschaft.


Die Patisserie

Zur Patisserie lässt sich sagen, dass ich sie nach mehr als 20 Jahren immer noch nicht vollständig kenne, ich gebe es auch auf. Aber dazu hat man heute im www-Zeialter alles online. Ein Loblied auf die Technik.

Mit der Zeit habe ich mich auf gewisse Köstlichkeiten eingeschworen, auf die ich abfahre, ja auf die ich nahezu süchtig bin, weil ich sie schlicht himmlisch finde. Frage: Wird es im Himmel mal schöner, besser, genüsslicher sein?

Bleiben wir auf der Erde und sagen wir wieder geerdet, ich liebe hier besonders eine Cremeschnitte, diverse Torten oder die putzigen Petite Four, die es in (muss kurz nachdenken) glaube sieben Variationen gibt. Bussi!

Ich denke, hier kommt jeder auf die Rechnung, sofern man nicht insulin- oder zuckerkrank ist und das tolle Angebot meiden muss. Da das Angebot wirklich reichhaltig ist, kann ich nicht auf alles eingehen.


Kaffekultur

Wie es sich gehört wird die Kaffeekultur sauber gepflegt, was für alle Oberlaa-Filialen gleichermaßen gilt und man bietet die Standardsorte oder eine italienische Röstung an. Letztere muss man aber bei der Bestellung extra dazusagen, ansonsten erhält man die normale Röstung. Beide Sorten werden von Meinl geliefert.

Wer Kaffee stark und kräftig mag, der sollte die italienische Variante wählen, oder er bestellt die Standardmischung „kurz“, was ristretto (nicht ganz aber in etwa) entspricht. Jedenfalls bildet sich so eine passabel Crema (siehe Foto), die sich als gewöhnlicher Mokka wieder verflüchtigt.

Ich persönlich bevorzuge den Kaffee auf diese Weise, weil er reicher an Aromen ist als das italienische Pendent, der den Gaumen etwas hantiger behandelt und ihm eine gewisse Bitternote verpasst.


Service und Wertung

Auftreten und Beratung des Servicepersonals ist ausreichend professionell. Es gibt langeingesessene Keller, die ich mit Namen kenne und fluktuierende Kräfte, wie das angesichts der Unternehmensgröße gar nicht anders geht. Man kann in der Hinsicht nichts wirklich bemängeln. Anderseits stechen sie nicht mit überragenden Merkmalen hervor, daher werte ich das mit einer 4.

Aufgrund diverser Mängel für Speisen und Getränke gibt es auch nur die 4, aber man verzeiht bekanntlich auch, besonders, da meine süßen wie schwarzen Lieblinge immer in bestechender Konstanz an Qualität überzeugen.

Für das Ambiente gibt es volle Punkte. Zuletzt hebe ich nochmals dieses für mich faszinierende Ensemble an Merkmalen hervor wie man m.E. in Wien nichts Vergleichbares finden wird, das gehobene Patisserie, einen wunderschönen Garten und traditionelle Kaffeehaus-Atmosphäre insgesamt vereint.


LG vom WrKFanWeniger anzeigen

Cafe Frauenhuber

(1)
Himmelpfortgasse 6, 1010 Wien
Cafe Frauenhuber - Augsburger (lt. Karte) mit Rösti, ist aber die übliche "Beamtenforelle", geht ...Cafe Frauenhuber - Kaiserschmarren - wie halt so üblich wird er gerne hausmännisch angepriesen, ...Cafe Frauenhuber - Trinkfreuden - hier wird immer so eingeschenkt, d.h. es gibt keine 2cl ...
In diesem Guide weil: Jugenderinnerungen werden wach, und es meint von sich das älteste Kaffeehaus zu sein. Ok, wem's wichtig ist, ich mag es, that's the point.
SpeisenAmbienteService
20. Sep 2022
Jugenderinnerungen Ich besuche das traditionsträchtige Café Frauenhuber schon seit geraumer Zeit, die bis in meine Schulzeit hineinreicht. Immer...MehrJugenderinnerungen

Ich besuche das traditionsträchtige Café Frauenhuber schon seit geraumer Zeit, die bis in meine Schulzeit hineinreicht. Immer wieder leben damit schöne Jugenderinnerungen auf. Nach anno dazumal regelmäßigen Tanzschulbesuchen beim alten, ehrwürdigen Elmayer fand man sich hier ein und so wurde es für einige Zeit unser erstes Stammkaffee.

Hier geschah es, dass wir so manch junge Mädels der gehobenen Schicht nach der Perfektion gerne ausgeführt haben um auf sie Eindruck zu schinden, z.B. dass ich es mir als 19-jähriger Jungherr leisten kann eine hübsche Jungdame einzuladen, während die meisten dieser Gymnasiastinnen trotz ihrer begüterten Elternhäuser noch nicht über nötiges eigenes Portemonnaie verfügten.

Hier geschah es, dass ich zum ersten Mal Bier getrunken hatte. Zuvor verweigerte ich noch Alkohol. Der Grund war der, ein Obi g’spritzt auf einen Halben kostete die für uns noch Unsumme von 40 Schilling, das Krügerl dagegen 30. Für uns Jugendliche war das damals noch ein Haufen Geld, bloß um den Durst nach wilder Tanzleistung zu löschen. Mit der Zeit begann es auch zu schmecken.

Und in solchen Kaffees wie diesem wurde eine neue Leidenschaft geweckt, der gute kräftige Kaffee, den ich früher noch als Großen Braunen genossen habe, bis ich mich durchgerungen habe, mich der dunkelbraunen Bohne als Espresso ganz in schwarz hinzugeben.

Oft saß ich auch allein da, studierte die Tageszeitung oder mitgebrachte Literatur, das heute dem iPad gewichen ist und dachte über so manches in meinem Leben nach.

Ich liebte und liebe weiterhin die Atmosphäre der roten stoffbezogenen Sitzgarnituren, der Marmortische, des Parkettbodens, all das innerhalb ehrwürdiger Mauern, wie auch das Auftreten der Kellner im schwarzen Anzug entweder als echter Sir oder auch als nörgelnder Grantscherb’n, kurz und gut das Flair eines klassischen Wiener Kaffeehauses.

Wenn ich ein solches Kaffeehaus sogenannten ReTe-Bewertungsregeln unterziehen soll, weiß ich eigentlich nicht, wie ich das rechter Dinge angehen soll. Aber mir fallen dazu heute fürs erste doch gleich drei Kriterien ein: Erstens der Kaffee, zweitens der Kaffee und drittens der Kaffee, gefolgt dann von allem anderen. 😉

Kaffeehäuser beurteile ich, auch das sagte ich schon, jedenfalls nicht nach Hauptspeisen. Man kann klarerweise z.B. auch einen ZRB konsumieren, nur würde dann die Wertung rapide sinken und das will ich nicht. Ein Kaffeehaus hat für mich andere Qualitäten, die ich hier etwas präsentieren möchte.

Was aber grundsätzlich immer geht ist ein gutes Frühstück in vielen Variationen oder das klassische Wiener Schnitzel. Nun, solches beherrscht man in Wien und sei daher Pflicht. Hier aber, wie der Speiskarte zu entnehmen ist, das Schnitzerl nicht vom Kalb, dafür günstiger um 15,90€.

Was mir noch fehlt ist eine Kaiserschmarren-Erfahrung jüngeren Datums, alles halt zu seiner Zeit, die muss noch kommen. Immer wieder wird damit in Kaffeehäusern geworben, wie auch hier, aber nur selten auch eingehalten.

Etlichen ahnungslosen Touristen kannst du vieles unterjubeln, und sie sind, wie ich immer wieder feststelle, hochzufrieden, was bei mir weniger funktioniert, weil ich auf hausgemachte Zubereitung stehe. Ein entsprechender Test würde mich dann aktuell 10,50€ kosten.

Ich war nun doch schon längere Zeit nicht mehr anwesend, aber vom letzten Besuch liefere ich auch ein paar kulinarische Eindrücke mit. Das Ambiente hat sich bis heute nicht geändert. Es wurden die Polsterbezüge nach einiger Zeit wieder erneuert, sie sehen recht frisch aus. Aber es sieht alles gefühlt immer noch aus wie vor 40 Jahren. Die Zeit vergeht und dennoch scheint sie hier wie stehengeblieben zu sein.


Kaffee & Co – das schwarze Menü

Meine Leidenschaft für guten und kräftigen Kaffee dürfte schon hinreichend dokumentiert worden sein. Man versteht sich hier auf Kaffeekultur, wie ich sie schon für das Cafe Dommayer skizziert habe. Es ist sozusagen „die“ Kaffeekultur, wie sich das für ein anständiges Kaffeehaus gehört, das diesen Namen tragen will. Der Lieferant für das schwarze Gold ist wieder einmal unser Herr Julius Meinl.

Der Preis hat mittlerweile angezogen, Espresso groß kommt auf 5,40€ - tja, Innenstadtlevel - dabei befindet sich der Preislevel auf Rang 5 im 1. Hieb soweit mir bisher bekannt und gehört damit sogar noch zu den günstigeren. Es geht da also noch mehr wie viele andere Kaffeehäuser unter Beweis stellen.

Man wagt das kaum mehr in den alten Schilling umzurechnen und tut es am besten erst gar nicht (es wären 75 ÖS (!), und müsste sich auf den Kopf greifen trotz mit kalkulierter Inflation), aber hochwertiger Kaffee war noch nie ein Billiggetränk.

Der gastronomische Aufschlag von bis zu 1:12 ist mir bekannt, allerdings lebt nun mal das Kaffeehaus davon und aus der Perspektive verstehe ich es wieder. Es würde bedeuten, es gäbe ansonsten diese Art Kaffeehäuser gar nicht, jo heast, wo kämen wir denn da hin? Und so ergibt alles wieder seinen Sinn und Traditionen dürfen gelebt und auch geliebt werden.

Kaffee kann bei mir übrigens Vorspeise, Hauptspeise oder auch Nachspeise sein, je nachdem wann und zu welchem Zweck ich einen Besuch arrangiere. Als Hauptspeise brauche ich lediglich noch entsprechende Beilagen, weiter nichts. Was verstehe ich darunter?

Zum Beispiel begleite ich meine Kaffeetscherl gerne mit einem Tupf Schlagobers um wohlfeile 70 Cent Aufpreis. Zuerst wird er schwarz wie die Nacht erprobt, um mir den noblen Arabica-Duft nicht vorzuenthalten, aber ich mag auch das pharisäische Element, zumindest beim Kaffee, sonst natürlich nicht.

Ein Hauch geschlagenes Obershäubchen „on top“ um es neogermanisch auszudrücken, und darunter immer noch die Kraft der schwarzen Bohne, göttlich. Damit ich es selbst dosieren kann, verlange ich den Tupf extra, ansonsten käme kein Tupf, sondern eine Übermenge als grober Gupf obendrauf und dann wäre es ein echter Pharisäer, Kaffee total falsch sozusagen.

Nicht selten dürfen sich weitere Begleiter hinzugesellen, ein simples Soda, leicht nachgebessert mit einer Scheibe Zitrone, das fast immer oder auch geschmacksreicheres Edleres dient dazu das Menü zu vervollständigen.

Dazu wurde mir zuletzt vom alteingesessenen Herrn Ober eine Vogelbeere empfohlen, die 1A war, kein aufdringlicher Mandelduft, sondern Natur pur, Herkunft Waldviertel. Näheres wusste der Kellner auch nicht, oder eine Gölles Marille, die man mir nicht weiter erklären muss, beide zum jeweiligen Preis von 5,90€ und so genieße ich das gerne.


Speisen & Co – das süße Element

Wenn ich im Kaffeehaus tatsächlich esse, dann ist es meist ein sogenanntes Zwischengericht, wie ein kleines Gulasch, Sacherwürstel mit Senf und Kren, Würstel mit Saft oder dieses Mal eine Gulaschsuppe um recht stolze 7,90€, die ihrem Preis aber Ehre bereitet hatte, wie ich sie zu Hause nicht besser hinbringen könnte.

Mitverkocht klein geschnittene Erdäpfel, reichlich lang geschmorte Wadschunkenstückerl in der klassen Aromanote paprizierter Zwiebelsauce rötlicher Farbe, das war eine kulinarische Punktlandung, ja so haut das hin.

Dazu ein Handsemmerl, um genüsslich einzutauchen oder um am Ende die letzten Reste aufzusaugen, der Nord-Piefke-Wien-Besucher würde dazu sagen: „Lecker, lecker“, ich bevorzuge lieber den Bayern mit: „Jawoi, sauguat“. 😊

Es dürfen gewisse Süßspeisen auch nicht zu kurz kommen und ich bestellte noch einen Apfelstrudel. Aber, au weia, ich erhielt einen zwar absolut frischen, allerdings frisch aus der Vitrine, das gute Stück litt noch unter Kälteschock, aber ok, ich bin hier halt nicht beim Dommayer. Kühlvitrinen sind Standard in vielen Kaffeehäusern.

Allerdings war der Herr Ober so freundlich und stellte ihn mir für ca. 30 Sekunden in die Mikrowelle und dann wurde es erträglicher. Diesen potscherten Servicefehler hätte aber m.E. der Ober selbst korrigieren können. Er war aber einsichtig, und so blieben wir Freunde.

Es fehlte aber weiterhin der erwartete Omama-Effekt, nun was ist das? Damit verbinde ich den zärtlichen Gruß angerösteter Brösel oder einer sanften Walnussnote, die ein Rundum-Lächeln über das ganze Gesicht hervorzaubern würde, wie es aus Omamas Werkstätte ermöglicht worden wäre. Das ging so nur schwer.

Etwas Zimt spürte man, aber ansonsten war es eher ein zerteilter und verkochter Apfel im müden Schlafrock, womit ich meine Stimmung zum Ausdruck bringen möchte, mäßig also, teuer war er wenigstens nicht – kostet hier läppische 4,60€.

Am Nebentisch erspähte ich zwei deutsche Touristinnen, von der sich die mir mit Blick zugewandte eine Sacher gönnte. Die Optik sagte mir, hm, Original ist auch anders, aber dem Gast hatte es gemundet. Gesprächig war die Dame zwar nicht, aber ich entlockte ihr zumindest das „Gut“. Nun, dann will ich’s ihr auch glauben, für mich wäre es eher eine helle Schokotorte. Sicher auch gut, wem’s so schmeckt, aber Sacher ist Sacher.


Abschließende Herzensworte

Die übliche Nörglerei, geschuldet meiner Wiener Seele, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich mich trotz allem pudelwohl fühle. Ich würde ja sonst ein Stück Wien missen. So könnte ich mit weiteren Geschichten aus früheren Besuchen aufwarten, aber wie ich es unlängst aktuell erlebt habe, hat sich nicht viel geändert.

Der eine Ober werkt hier schon sage und schreibe 18 Jahre, der andere noch länger. ich kenne sie beide, sie mich dafür nicht, oder nicht mehr, weil mein letzter Besuch davor nun doch schon länger zurück liegt. Tja Corona machte so vieles möglich bzw. eben unmöglich, aber zunichte deswegen noch lange nicht.

Es gibt vor dem Lokal in der Himmelpfortgasse einen Schanigarten, und da er noch im Bereich der Fußgängerzone liegt, kann man dort recht ruhig sitzen. Meine Vorliebe gilt aber dem Inneren. Bevorzugt besuche ich das Frauenhuber daher in der kühlen Jahreszeit oder wie zuletzt bei Schlechtwetter.

Zusammenfassend betone ich nochmals, ein Kaffeehaus dieser Kategorie kann man nicht wirklich nach ReTe-Kriterien bewerten, da eine solche Institution wie das Frauenhuber ein Stück Kulturgeschichte ist. Es gilt laut HP sogar als das älteste Kaffee Wiens. Nun, dann will ich das wiederum so glauben und nehme am Stolz seiner Geschichtsschreibung entsprechend Anteil.

Meine Leidenschaft für diese traditionsreichen Lokale ist bis heute ungebrochen und so mache ich mir die Sache einfach und sage, es ist rundum alles sehr gut trotz gewisser kulinarischer Patzer. In diesem Kaffee pulsiert, wie ich eingangs erwähnt habe, immer ein Stück Herzblut schöner Jugenderinnerungen in meinen Adern, weshalb es für mich eine besondere Adresse bleiben wird.

Ginge es nach mir, würde ich das in Form von vielen Bildern im Lokal aufhängen, nur bin ich halt kein Promi, dem zu Ehren man dies gerne zugestehen würde, aber so trägt man diese Bilder unauslöschlich in seinem Herzen und freut sich dafür auf ein sinnliches Wiedersehen. 😊Weniger anzeigen

Schwarzenberg

(2)
Kärntner Ring 17, 1010 Wien
Schwarzenberg - Kleines Gulasch - ging so - Saft etwas zu wenig WürzeSchwarzenberg - Gastgarten in AbendstimmungCafe Schwarzenberg - Schnittlauchbrot - ein einfacher Frühstücksklassiker
In diesem Guide weil: Mein jahrelanger Favorit für den 1. Bezirk, aber auch teuer geworden.
SpeisenAmbienteService
23. Nov 2022
Cafe Schwarzenberg – Traditionen im Zeitgeist Ich stand für kurze Zeit vor der Frage, ob es Sinn macht einen Bericht über die Institution Cafe S...MehrCafe Schwarzenberg – Traditionen im Zeitgeist

Ich stand für kurze Zeit vor der Frage, ob es Sinn macht einen Bericht über die Institution Cafe Schwarzenberg abzufassen, als man dieses Kaffeehaus wohl von Scheibbs bis Texas ohnehin kennt, und dank „www“ global genügend beschrieben wird, aber ich denke ich kann auf diese Weise ein paar persönliche Eindrücke vermitteln, was es für mich als Ur-Wiener und vielleicht auch als Connaisseur des Kaffeegenusses bedeutet.

Interessant ist immer wieder sich die diversen HP solcher Kulturorte anzusehen. Erfährt man hier beispielsweise, dass es erst ab 1840 den Frauen gestattet wurde ein Kaffeehaus ohne Männerbegleitung zu besuchen. O tempora, o mores, man kann sich gewisse Dinge heute gar nicht mehr vorstellen.

Was in den grünen Außenbezirken unsere Heurigen ausmacht, so sind es in der Innenstadt die Kaffeehäuser dieses Ranges. Die Einrichtung hat sich, so lange ich es kenne, nicht verändert, dieses Flair ist geblieben und mir gefällt es auch so.

Wenn auch der Zahn der Zeit an allen Dingen nagt oder verändert, wie z.B. die Zeitung längst meinem Tablet gewichen ist, so vermittelt es weiter einen Hauch von Alt Wien, was es für mich zu einem Anziehungspunkt macht. Doch auch der Kaffee hat seine Entwicklung durchgemacht.


Kaffee - Arabische G’schicht‘n aus Honduras

Man ist heutzutage stolz im Schwarzenberg auf ausgewählte Bohnen zertifizierter Plantagen zurückzugreifen. Ein wenig Sorge bereitet mir nur, wenn man zu viel dem Zeitgeist opfert und versucht allem Rechnung zu tragen. Immer wenn ich die Worte „Bio“ und „Fairtrade“ lese, werde ich hellhörig, sind sie manchmal schon Reizworte für mich geworden.

Die Ideen dahinter mögen aus moralischer Sicht durchaus begrüßenswert sein, bloß werden dann manche dieser Kaffeesorten auch grauslich bis hin zum Ausspucken, wenn sich aufgrund einer überstrapazierten Kaffeezucht im Röstverfahren unangenehme Säuren bilden, die dann nichts mehr mit Kaffeearomen zu tun haben. Ich bin darin kein Experte, aber das Endergebnis kann man wohl schmecken.

Eine solche Erfahrung des regelrechten Ekels hatte ich unlängst bei der Neueröffnung des renovierten Cafes am Cobenzl, und kein Scherz, ich habe ihn dort ausgespuckt. Beim Ströck ließ ich ihn nur stehen. So muss man diesbezüglich einen vernünftigen Mittelweg finden. Er ist hier aber gelungen, ich genieße nach wir vor meinen großen Espresso, würde ihn aber nicht mit Top-Note versehen.

Aber er ist soweit immer noch gut bis sehr gut, als man bei meiner bevorzugten unverfälschten Arabica-Bohne geblieben ist. Es obsiegt hier wohl auch der Standort, als ich dieses ehrwürdige Kaffeehaus nicht bloß nur wegen einer Kaffeesorte aufgeben möchte.

Stolz ist leider auch der Kaffeepreis geworden. Vor der C-Zeit immer im 4€-Bereich, was ich auch aus diesem Grund sehr geschätzt hatte, weil dies für die Innenstadtlage ein sehr fair kalkulierter Preis war, so stehen wir nun bei 5,70€ für den großen Mokka, womit man schwer nachgezogen hatte. O tempora, o pretia!

Die übrigen Kaffeekreationen, die diverses Höherprozentiges beinhalten, bin ich so gut wie durch, bin aber noch nie bei einer bestimmten Sache hängengengeblieben. Sie sind mir für das, was sie bieten, ehrlich gesagt auch zu überteuert.

Junkies wie ich brauchen das Koffein ohnehin möglichst stark, rein und pur, also niemals gestreckt. Wenn schon, dann gebe ich einen Tupf Schlag dazu, den ich der Mehlspeise entnehme oder extra ordere. Der nimmt mit dem Löffel leicht dosiert noch nichts an Stärke weg, oder ich kombiniere den Espresso z.B. mit einem Edelbrand, den dann ebenso extra in puristischer Klarheit.


Meine kulinarischen Kaffeehausg’schicht‘n

Ich genieße Frühstücksvariationen als kleine quasi Wake-Up Morgen-Dosis in Form eines simplen weichen Eis, dazu ein Kaisersemmerl, bis hin zu ausgedehnten Szenarien, die zum Brunch ausgedehnt werden, sodass dann weitere Mahlzeiten für den Tag obsolet werden. Das Schwarzenberg hat viel zu bieten und mich darin stets zufriedengestellt.

Für andere Tageszeiten liebe ich unsere Gulaschtraditionen, die das Kaffeehaus wohl mitprägen. Das Gulasch (klein um 13,50€) selbst ist nicht immer gleich, mal recht gut, mal nur unterer Durchschnitt, weshalb das Schwarzenberg keine sog. Gulasch-Destination für mich ist, hier fehlt es an Konstanz.

Wesentlich zufriedener bin ich mit der Ungarischen Gulaschsuppe (7,80€), die mit einem Seidel Gösser (4,90€) als Reisebegleiter immer wieder mein Herz erfreut. Mitgekochte Erdäpfelstückerl, kleingeschnitten roter Paprika samt sanfter pikanter Note ist immer wieder gut.

In letzter Zeit bin ich wieder auf Würstel zurückgekommen, die besonders mit ein wenig Gulaschsaft serviert regelrechte Leckerbissen sein können. Beim letzten Besuch waren es pikante feingranulierte Debreziner und als Gustostückerl lag ein Stück Wadschunken mit am Teller. Dafür verlangt man zwar satte 11,80€, es malte aber ein gelungenes Smiley in mein Gesicht.

Mehlspeisen lasse ich hier lieber, als sie nicht hausgemacht sind und ich in Vitrinen gelagerter Ware grundsätzlich nicht traue, fallweise höchstens eine Mozarttorte, liegt aber schon länger zurück.

Ebenso kann ich den Kaiserschmarren (9.70€) nicht empfehlen, es fehlt mir die Handschrift hausgemacht, für mich ist er Packelware, aber für Touristen sichtlich trotz allem immer wieder ein Leckerbissen. Nun, da habe ich meine eigenen Adressen.

Es ist generell in Wien so, dass Kaffeehäuser dafür nicht der richtige Ort sind, sieht man von Ausnahmen ab. Diskussionen habe ich diesbezüglich schon mit so manch leitenden Oberkellnern geführt, sie können sehr amüsant sein, bleiben aber fruchtlos. Das Geschäft läuft auch ganz ohne mich. 😇

Ausnehmend gut ist ein warmer Apfelstrudel um 7,50€, aber aufgepasst: Verlangt ihn auch warm, es gibt ihn wie auch den Topfenstrudel kalt (vermutlich in der Vitrine gelagert) um 5,50€ oder eben warm (ich hoffe aus der Küche), dazu entweder Vanillesauce oder Schlagobers.

Kalt sind die Dinger eher abtörnend, der Topfenstrudel z.B. zerbröckelte und wurde eine staubige Sache, aber warm war wiederum der Apfelstrudel ein Gedicht. Tja, was das ausmacht beweist dieser kleine aber feine Unterschied, es ist dann nicht das Schlagobers. 😊

In letzter Zeit bin dank der ReTe-Community nicht auf den Hund, aber auf den Negroni gekommen und verspüre danach so dann und wann Gusto. Ich finde ihn hier zur meiner Freude auf der Karte um wohlfeile 11,90€. Es wird auch der Mix beschrieben: 3cl Malfy Gin, 3cl Cinzano Rosso, 3cl Campari. Das mögen Experten beurteilen

Drei schöne grüne Oliven begleiten ihn samt Wasserglas. Der erste Versuch hinkte ein wenig meiner ersten Erfahrung aus der Bar Campari nach, bei einem weiteren Besuch konnte er m.E. tadellos standhalten. Woran das liegt weiß ich nicht, aber so habe ich Grund hierherzukommen, denn das Flair eine Cafes zieht mich jedenfalls in der Herbst/Winterzeit hier deutlich mehr an. Lediglich auf die Zigarre muss verzichtet werden. Tja, da ich bin zu spät Genussraucher geworden. 😉

Dies war ein kleiner Einblick in mein typisches Kaffeehauskonsumverhalten, das teils unveränderlich traditionell, teils auch dem Wandel der Zeit im Genussverhalten unterworfen ist und für meine letzten Besuche einen repräsentativen Querschnitt darstellt.

Summa summarum ist das Kaffee Schwarzenberg eine begehrte Winteradresse. Es gibt zwar auch einen Schanigarten, der aber für mich ob der als Verkehrshölle empfundenen Lautstärke keine Option ist. Du glaubst der D-Wagen fährt dir über den Schädel, wenn er in den Ring einbiegt. Für’s Freie brauche ich Ruhe.


Service und Allgemeines

Was Kaffeehäuser dieser Art zu bieten haben ist ihr exzellenter Service. Nervig geworden ist die US-Manie: „Wait to be seated“ Kultur die sich hier scheint’s seit der C-Krise mehr etabliert. Ich persönlich hasse sie, andere sehen es als unabdingbar. Es ist dies keine Geschmackssache, sondern halt Kultur.

Falls die Hütte bummvoll ist, geht es wohl nicht anders, falls aber halbleer, auf wen sollte ich warten? Ist doch nur mehr Hacklerei für den Service, aber sei’s drum. O tempora o cultura.

Ich bin es als Wiener gewohnt ein Kaffeehaus spontan besuchen zu können, auch weil keines mein sog. Stammcafe ist. There is no place to seated, damit meine ich, ich will oder kann es damit nicht reservieren. Notfalls zieht man halt weiter, was auch schon passiert ist.

Es gibt auch öfters die typische Praxis, dass mehr oder weniger auf allen begehrteren Sitzplätzen, das sind die wohl fensterseitigen, ein permanentes „Reserviert“ Taferl steht. Dies ist auch Kultur, und auch das keine von mir geschätzte.

Es ist zu 50% ein Ober-Schmäh, und das nicht nur hier. Kennt man den fragt man ungeniert: „Kann ich den Platz haben?“ und zu 50% gibt es ein: „Jo, is eh frei, warten’s, i wisch ab“ und für die anderen 50% kann hin und wieder auch ein ruppiges: „Na, kennan‘s net lesen?“ kommen.

Gut, dann ist tatsächlich reserviert und man sucht sich seinen Platz aus der Economy-Class. Es ist aber auch der linke Lokalteil mit den Messingtischen sehr attraktiv. Zur Tageszeit wirkt er mit den Riesenfenstern fast wie ein Wintergarten und zur Abendzeit verwandelt er sich in eine Lichtershow durch die von außen einströmenden Lichtquellen.

Ansonsten sind die Ober Klasse, sowohl im Auftreten als auch in der gesamten Serviceabwicklung. Einige Zeit fungierte Herr Ober Mario als Sänger und gab einige Operettenlieder in Klavierbegleitung zum Besten. Das habe ich aber schon lange nicht mehr erlebt, dafür sind meine Besuche zu unregelmäßig.

Solches prägt aber die Erinnerungen wie auch z.B. zu meiner Jugendzeit die Öffnungszeiten in der Wintersaison mit ca. schon ab 4 Uhr morgens auf eine Gulaschsuppe nach durchtanzter Ballnacht. O tempora, o dominarum. 😍


Aufgrund meiner doch schon langjährigen zwar unregelmäßigen, aber immer wiederkehrenden Besuche würde ich für das von mir bevorzugte kulinarische Programm samt Service ein durchgängiges und konstantes Sehr gut vergeben, man kennt mit der Zeit seine Goodies.

Der Objektivität geschuldet verdient aber die Speisen- und Getränke-Wertung die Höhen und Tiefen beinhaltend eine Abstufung um eine Note auf 3. Das Ambiente hat hingegen für meine Begriffe Kultstatus und geht aus meiner Sicht nicht besser, dafür daher die Top-5.

Traditionen müssen gepflegt werden, auch wenn der Zeitgeist Dinge versucht umzukrempeln, so kremple ich mir halt die Ärmel hoch und bleibe bevorzugt in der Wintersaison mäßiger aber dafür über die Jahre schon regelmäßiger treuer Besucher.Weniger anzeigen

Cafe Diglas im Schottenstift

(1)
Schottengasse 2, 1010 Wien
Diglas Schottenstift - Sehr guter Espresso, noch besser, wenn ristrettoDiglas Schottenstift - Mein Diglas-Highlight - Der Topfenstrudel - mmhh...Diglas Schottenstift - Großes Frühstück - inkludiert auch ein Glas frisch gepr. Orangensaft
In diesem Guide weil: Mein Ausweichkaffee, wenn ich es mal wieder nicht ins Central geschafft habe. Aber es gibt dort auch für meine Begriffe eine gute Küche.
SpeisenAmbienteService
16. Mai 2023
Café Diglas neu belebt Das ehemalige Café Schottenstift wurde 2016 von der Diglas-Familie übernommen und so seinerzeit vor dem Aus gerettet. Der...MehrCafé Diglas neu belebt

Das ehemalige Café Schottenstift wurde 2016 von der Diglas-Familie übernommen und so seinerzeit vor dem Aus gerettet. Der edle Ritter Diglas durfte im selben Jahr auch noch das Café Weimar retten. Damit verfügt die Familie heute über insgesamt fünf Betriebe in der Stadt Wien und sie laufen alle sehr gut.

Dieser erhielt den Namen Café Diglas im Schottenstift. Ich mag es heute weit lieber als früher. Der Grund liegt simpel in der von Diglas deutlich besseren Kulinarik. Wie ich über Kaffeehäuser berichte, so ist deren Küche nicht unbedingt eine Stärke in Wien. Das trifft für die Diglas-Betriebe weit weniger zu.

Das Lokal gliedert sich im EG in zwei Räume, der straßenseitige wirkt etwas beengt, wenn viel los ist, weshalb ich den hofseitigen bevorzuge, der geräumiger ist und mir eine entspanntere Atmosphäre bietet.

Der alte schon in Jahre gekommene altfadrische Look ist durch einige Renovierungsmaßnahmen wieder sehr gemütlich geworden und hat das etwas zappendustere Gefühl genommen. Zum Verständnis sei gesagt: Ich liebe alt, aber nicht altfadrisch, das sich nach meinem Empfinden schon der Richtung grindig zuwendet.

Es bietet noch einen Vorteil, dass es nicht so überlaufen ist wie die anderen größeren Cafés der Innenstadt. Aber vielleicht sollte ich das gar nicht sagen, sonst war’s das dann damit. 😉

Im OG befinden sich die WC-Anlagen sowie zwei weitere Räume, die man für Veranstaltungen nutzen kann. An sich ist ansonsten oben kein Betrieb.

Besonders hervorheben kann man den hofseitigen Gastgarten, der nahtlos an den des nebenan liegenden Bierlokals Zattl angrenzt. Den zähle ich zu den lauschigsten Plätzchen, jedenfalls für Innenstadtverhältnisse, Ruhelage, d.h. kein Verkehr, umgeben von Grün und Sonnenhungrige kommen über die Mittagszeit auch auf ihre Rechnung. Ich muss dann zusehen einen Schattenbereich zu ergattern.

Durch die Übernahme konnte ich über die Jahre beobachten, wie es zu neuem Leben erwacht ist. Den Zuspruch erkennt man daran, dass es zwischen 12-14 Uhr nicht ratsam ist herzukommen, es sei denn man hat reserviert. Dann ist hier Halli-Galli und das Klimpern des Geschirrs und Bestecks kann man bis in den Hof hinaus hören.


Diglas-Küche

Die Küchen werden je nach Standort individuell geführt. Diglas bietet im Vergleich zu anderen renommierten Traditions-Cafés eine respektable Mittagsküche, weshalb ich sogar eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen kann und ich hier auch ein wenig darauf in der Rezension eingehe. Meine Gesamtnote macht sie aber nicht aus.

Man kann mit den üblichen Gasthäusern mithalten. Subjektiv finde ich die Küche der Wollzeile am besten, aber dort ist mir alles viel zu beengt und so fühle ich mich beim Essen nicht wohl. Das ist hier wie zuvor erläutert von besser Wohlfühl-Qualität. Man erwarte sich keinen High-Level aber Bodenständiges.

Es werden neben einer Standardkarte unter der Woche zwei Menüs angeboten, eines davon vegetarisch. Die Preise sind auch sehr angepasst an meine Geldbörse. Tagesteller I (vegetarisch) 11,90, Tagesteller II 12,90€, will man zusätzlich Suppe oder alternativ eine kleine Nachspeise kommt es auf 15,40€. Das kann man sich leisten.

Ganztägig gibt es die Standardkarte, mein Kaffeehausfavorit ist wie in vielen anderen auch das Gulasch (15,80€), das es hier nur in Normalportion gibt, d.h. kein sog. kleines Gulasch. Also muss ich den Hunger mitbringen. Das letzte war ausgezeichnet.

Die Beilage Salzkartoffeln lasse ich aber weg, weil mir das zu fade ist. Eine schlichte gute Bäckersemmel geht da wesentlich besser. Dazu ein Ottakringer und das Leben haut hin.

Bierfans aufgepasst, man bietet hier auch Fischer-Helles an, d.h. das aus dem Fischerbräu im 19. Bezirk. Ich selbst bevorzuge zu anderen Gerichten oder für sich alleine den guten Wein, von dem man eine Auswahl typischer regionaler Sorten anbietet.

Mein letztes Kalbswiener (24,90€) war ausgezeichnet, ohne Fehl und Tadel, die Farbe der Panier ausnehmend schön goldfarben, sauber souffliert, der Duft von Butterschmalz nicht aufdringlich, sondern angenehm die Nase bezirzend, dazu ein klassischer Erdäpfelsalat, der vielleicht einen sanften Abstrich erlaubt, aber soweit ok ist.

Eher eine Durchschnittsnote gebe ich dem Backhendlsalat, wo man eine gute Grundlage eines Salates legt, Kernöl obligatorisch, wobei ich das für mich abbestelle, was auch funktioniert hat, aber die Hühnerstreifen waren einfach nur ein mittelmäßig gebackenes Hühnerschnitzel. Das war mir zu trocken.

Sehr gute Erfahrung mache ich mit den Menüs, wo man merkt, dass der Kochlevel durchaus dem entspricht wie ich mir Wr. Küche vorstelle. Lediglich bei der Tagessuppe, zuletzt eine Frittatensuppe, serviert in einer kleinen Glasschüssel merkt man keinen besseren Standard, da drücke ich ein Auge zu, weil … wie schon gesagt Kaffeehaus (soweit meine Auffassung). 😉

Als Tagessuppe zum Menü fällt sie bescheidener aus. Neben mir saßen zwei englischsprachige Touristen, die eine RS a la carte gegessen haben, die in einem fast Monstertopf serviert wurde. Wenn ich bedenke, dass sie dieselbe Suppenbasis wie ich verzehrten, dann möchte ich davon auch nicht mehr als meine Portion. Man kann sie (beim Menü) auch weglassen.

Eine saisonale Spargelcremesuppe blieb weit hinter der Erwartungen. Die Creme wich vom Spargelton schon zu sehr ab, und es gab auch keine Einlage. Dazu ein Paar Schwarzbrotstücke, extra beigelegt, hätten möglicherweise Croutons werden sollen, sprich das wäre die Einlage gewesen, nun misslungen meine ich. Hartes Brot ohne Röstspuren wäre die richtige Bezeichnung. Die ließ ich stehen.

Solche kleine Dinge zeigen mir an, dass man seine Erwartungshaltung schon senken muss und sich auf das traditionelle Kochprogramm fokussieren sollte, oder man geht eben woanders essen. Aber als Kaffeehaus hat es ja auch seine Vorzüge, auf die ich nun kommen möchte.


Diglas Kaffeehauskultur

Diglas verfügt über seine eigene Rösterei, auf die man stolz ist, die Patisserie kommt aus der Filiale am Fleischmarkt. Damit werden alle ausgestattet und sind in der Hinsicht damit alle auf gleichem Level. Aber man kann nicht von Systemgastronomie sprechen, denn es gibt ja nur diese eine Produktionsstätte.

Sehr gut schmeckt mir der Kaffee aus eigener Rösterei. Es gibt keine näheren Angaben, aber vom Aroma und Geschmack ist er nach meinem Empfinden mehrheitlich Arabica. Welches Mischungsverhältnis (mit Robusta) weiß ich nicht, aber er fällt als Espresso stets sehr kräftig aus und so gefällt mir das auch.

Der Preislevel hält sich im Rahmen, meine Referenz ist der Große Mokka, hier zum Preis von 5,40€, damit liegt er sogar im unteren Segment für die Innenstadt. Hin und wieder begleitet er mich mit einer Marille Destillerie Freihof.

Zu meiner Kaffeehauskultur gehört auch die Gulaschsuppe, die ich auf gutem Niveau einordnen kann. Auch sie hat im Vergleich zu anderen Cafés einen sehr moderaten Preis von aktuell 5,80€. Und da sie passabel ist, so bevorzuge ich gerne hier die Einkehr dazu.

Mein Highlight bildet hier aber der unsagbare Topfenstrudel, der für meine Begriff zum Inbegriff für diese Mehrspeise in Wien geworden ist. Mit oder ohne Vanillesauce, das ist für mich eher zweitrangig, aber ich liebe diese warme herzerwärmende Topfenfülle, die seinesgleichen sucht.

Sie ist nicht cremig, nicht bröckelig, auch nicht kuchenartig, sondern einfach im wahrste Sinne des Wortes topfenartig, mit einer Luftigkeit und feinen Geschmacksnote, die mich glücklich macht. Er wird grundsätzlich warm serviert, was das Aroma und die Geschmeidigkeit unterstützen. Bissen für Bissen werden derart genossen.

Die Serviceleistung entspricht der Erwartungshaltung. Ich kenne hier kein sog. Stammpersonal, man sieht Saison für Saison immer andere Kräfte. Manchmal hinkt die Aufmerksamkeit, was aber nicht generell gilt. Hin und wieder begegnet man Herrn Diglas Junior, der dann seine Runden dreht.


Ich ziehe ein Fazit:

Das Cafe Diglas Schottenhof weist eine respektable traditionelle Kaffeehauskultur auf. Hinzu kommt der lauschige Gastgarten, besonders zur Abendstund‘ im Hof macht es das für mich in der Stadt besonders attraktiv, wo ich bevorzugt Besuche absolviere.

Sehr guter Kaffee, ein paar exzellente Mehlspeisen und ein paar Goodies steigern meine Speisennote auf ein Sehr gut. Die durchschnittlich gute Mittagsküche ergänzen es und auch das lockt mich immer wieder an. Dass man im Wiener Kaffeehaus grundsätzlich gut frühstückt erwähne ich nur ergänzend.

Mit der enormen Teuerungsrate ist man nur sanft mitgegangen. Ich schätze daher auch die immer noch moderate Preisgestaltung angesichts der Innenstadtlage.

Was für mich auch einen Ausschlag gibt ist, dass es nicht ständig überlaufen ist. Sieht man von Spitzenzeiten ab, so finde ich üblicherweise ohne viel Aufwand mein Platzerl für mich samt Begleitung.

Das Diglas Wollzeile z.B. ist permanent bummvoll, weshalb ich froh bin, dass diese Adresse ein wenig unscheinbarer liegt. Dank der Familie Diglas blieb es uns erhalten, denn der Rückgang dieses Wiener Kulturgutes hat auch in dieser Sparte schon begonnen.Weniger anzeigen

Cafe-Restaurant Hummel

(1)
Josefstädter Straße 66, 1080 Wien
Cafe Hummel - Beef Tartar kleine Postion (70g) - sehr solide, aber etwas zu mild - nette ...Cafe Hummel - Die Gartensaison startet :)Cafe-Restaurant Hummel - Gute Kaffeekultur, leider nicht ganz meine Röstung
In diesem Guide weil: Wenn es um Frühstück geht meine erste Wahl unter vielen Kaffeehäusern. Hier wird auch noch Karten gedippelt.
SpeisenAmbienteService
18. Nov 2022
Hummel – mein Cafe in der Josefstadt Das Cafe Hummel kann man nunmehr im 21. Jh. unterwegs zu einer herangewachsenen Institution Wiens hinzurech...MehrHummel – mein Cafe in der Josefstadt

Das Cafe Hummel kann man nunmehr im 21. Jh. unterwegs zu einer herangewachsenen Institution Wiens hinzurechnen. Es verpflichtet sich der Tradition eines Kaffeehaus mit eigenem Flair, obwohl es nicht in der Innenstadt liegt, vielleicht gerade deshalb, als es dadurch sein eigenes Klientel an Gästen herangebildet hat.

Man geht ins Hummel, das ist mehr als nur ein geflügeltes Wort für seine dort anwesenden Stammgäste. Davon kenne ich solche, die es stolz verkünden. Ich begnüge mich damit es zu mögen.

Die Einrichtung ist seit 2012 im heutigen Stil umgestaltet worden und mir fällt von Saison zu Saison immer wieder auf, dass die Bilder an den Wänden regelmäßig gewechselt werden. So wirkt der Look saisonal immer etwas anders. Für meinen Geschmack ist das Cafe schon etwas zu modern, aber akzeptabel.

Davor gibt es einen geräumigen Schanigarten, für die Stadtlage inmitten der Josefstadt eine Rarität, nebenan streiten sich drei Wiener Bims um einen Stationsaufenthalt.

Man stolpert so förmlich fast ins Lokal oder tut etwas für die Beine und erreicht es ein paar Gehminuten von der U6-Station Josefstädterstraße. PKW-Anreisende unterliegen dem Gesetz für Glücksritter.

Beim Durchstöbern der HP, der dank Technik postmodern gewordenen Erwachsenbildung für Pseudakademiker und sonstige Verschwörungstheoretiker stößt man auf das Gründerdatum anno 1935. Ein bisserl dauert‘s also noch bis zum ehrwürdigen 100-er Jubiläum. So will ich’s dann auch glauben und hoff’s auch noch miterleben zu dürfen.

Zur gegenwärtig angespannten Krisensituation möchte ich euch ein Interview mit der jetzigen Hummel-Chefin in dritter Generation nicht vorenthalten, bei der sie aus der Sicht als Unternehmerin und Gastronomin dazu Stellung nimmt.

ORF Interview mit Fr. Chr. Humnmel: [Link]

O tempora o mores, aber wir können’s auch nicht ändern, ich gedenke meine Besuche deshalb nicht einzustellen, lediglich werde ich gewisse Dinge nicht mehr oder eingeschränkt konsumieren. Vorweg, viel wird‘s nicht sein, aber vielleicht das Frühstücks Etagere um 40€ muss ich mir wirklich überlegen. Das möge dann der Anlass entscheiden.

Insgesamt betrifft die Krise alle Betriebe, insofern ist das kein spezifisches Hummel-Desaster, sondern ganz Österreich leidet darunter. Dennoch befinden sich sämtliche Preise deutlich unter dem Niveau eines vergleichbaren Kaffees in der Innenstadt. Die Chefin bemüht sich, wie ich das empfinde, sehr darum ihr Publikum auch zu halten.

Eine der spürbaren Auswirkungen sind die Öffnungszeiten, vor Jahren bis 2 Uhr morgens geöffnet und die letzte Einkehr Bastion für Taxler und & Co wurde die Sperrstunde auf 24 Uhr verlegt und gegenwärtig stehen wir bei 23 Uhr.

Dafür hat man weiter auf einen Ruhetag verzichtet und behält auch die durchgehende Küche bei, was mich dann und wann weiter noch auf ein kleines Gulasch oder Debreziner zu später Stunde einkehren lässt. Das Gulasch ist nicht die Top-Spitze aber anständig, wie es sich gehört. Danach gibt’s nur mehr noch Würstelstände, aber das sei eine andere G‘schicht. 😊

Es ist und war bislang übrigens eines der raren Ausnahme-Cafes, bei dem ich auch die Küche durchaus empfehlen kann. Ich werde mich hier aber wie auch bei anderen Wertungen auf das konzentrieren, was für mich ein Kaffeehaus bedeutet und was auch die Mehrheit meiner Besuche ausmacht. Daher zuerst:


Ein paar Takte zum Kaffeeschmerz

Hier schmerzt mich der Wechsel, den es vor ca. zwei Jahren bei der Wahl der Röstung gegeben hat. Man hat sich der Symphonie der Bio-Fair-Trade Lobeshymne verschrieben, die heute jeder moderne Bürger trällert, der meint solches müsse wegen Umwelt & Soziales & Co zwingend so sein.

Ich kann den Unterschied leider auch schmecken. Meinl liefert weiter, aber nunmehr eine der Fair-Trade Sorten. Die sind hantiger, etwas saurer und deutlich weniger aromatisch. Aus meiner fröhlichen A-Dur Arie wurde eine schwermütige B-Moll Ballade.

D.h. der von mir so geliebte 100% Voll-Arabica-Genuss eines Espresso Doppio (4,80€), bei dem noch dazu die Barista nicht sparsam umgegangen sind, ist Geschichte und ich muss mich der mordernen Welt beugen. Stark genug ist er immer noch, aber ich habe damit meinen Top-Favoriten verloren. Ich habe die Wunde bis heute noch nicht überwunden.

Wäre das Cafe nicht hinsichtlich seines Flairs und variationsreichen Frühstücksangeboten und Goodies ebenso attraktiv, wäre es vermutlich schon zu einer Scheidung gekommen.

Ach, diese besch … Kompromisse. Einmal wo alles gepasst hat und dann das. Ist wie mit einem Eheweibe, das dir auf einmal deinen bevorzugten Sex verweigert, aber lass ma das, sonst wird’s zu intimi-tief. Lieber behalte ich meinen Humor. 😉


Ein paar richtige Goodies

Es gibt wie in allen renommierten Kaffeehäusern diverse Frühstück-Sets, die durchgängig sehr gut sind, aber hier finden sich einige Goodies, die es für meine Genussansprüche vor anderen Cafes auszeichnen und diese beschränken sich nicht auf die Frühstückszeit. Soweit stimmen mich diese ob der blamablen Kaffeeniederlage auch wieder versöhnlich. Dazu ein paar weitere Takte in C-Dur.

Ein Schnittlauchbrot (3,80€) kenne ich woanders nur selten mit einem so guten und täglich frischen Brot wie hier. Woanders ist es oft nicht wirklich tagesfrisch oder hat eine zu überbetont knusprige Rinde, was bei mir nicht so gut ankommt. Hier finde ich meine Kragenweite.

Dazu a nette G’schicht. Auf der Karte steht nicht dabei, dass es mit Butter ist. Als ich danach einmal gefragt hatte, kam die witzige Antwort. „Kloa, sunst fliagt jo ois davon, bis am Tisch is.“ Ach, die Schmäh der Ober. I’m loving it!

Ein Unikum ist weiters ein Sardellenbutterbrot (7,90€), genial, klar man muss das mögen, aber das salzig, leicht bittere kann was, was andere Dinge nicht haben. Es müssen nicht immer aufwendige Sachen sein, um glücklich zu machen. Dieses einfache Broterl schafft das bei mir.

Als Lachsfetischist komme ich auf meine Rechnung mit der Fa. Schenkel (Portion zu 9,60€). Für viele weniger wichtig, für mich durchaus. Woher er kommt, weiß ich nicht, aber man erkennt die nur geringfügigen Fetteinlagerungen. Das schmeckt man auch in seiner wesentlich intensiveren Note. Ihn übertrifft für mich nur der vom Zauner aus Bad Ischl (wen’s interessiert, er kann hier nachlesen: [Link]).

Klasse sind auch die Debreziner, die immer mehr von der Bildfläche verschwinden, vor allem die schärfere Sorte. Man kann sie mit der üblichen Senf- und Krenbeilage haben oder mit Gulaschsaft (9,50€). Ich mag deren Paprikanote und pikant würzigen Duft wie Geschmack sehr.


Kaffeehaustraditionen

Im hinteren Bereich nach dem Durchgang zum WC gibt es noch einen Extraraum, der ein wenig wie Klubatmosphäre vermittelt. Dort befindet sich ein TV-Monitor und man kann z.B. Fußballmatches schauen. Im Durchgang fristet ein noch größeres mobiles TV-Gerät sein Dasein, das man bei Bedarf in der Sommersaison im Freien aufstellt.

Im rechten Gastraum findet man abends nach wie vor Kartendippler oder hin und wieder auch Schachspieler. Falls ich wieder eine Tarock-Runde zusammenbringe, wird das klarerweise hier meine Adresse dafür werden. Die letzte sprengte leider die C-Krise, aber das ist halt so a G’schicht, wofür das Hummel im Gegensatz zum Kaffee wieder nichts kann.

Eine weitere für mich gute wie schlechte Nachricht muss ich noch bzgl. Service vermelden. Es gab hier einen Ober, den ich mehr als nur geschätzt habe, er war so etwas wie ein Wahrzeichen für dieses Cafe hier. Eines Tages war er auf einmal weg. Klarerweise wollte mir keiner vom übrigen Personal sagen, wie was warum.

Doch das wider Erwarten Gute war, ich habe ihn dann woanders in einem Gasthaus wiedergetroffen, wo er nunmehr amtiert und dort gehe ich in letzter Zeit auch wieder öfter hin. So hat ihn meine Welt wieder. 😊

Ich mag die anderen Ober aber auch sehr, es sind allesamt g’standene, g‘lernte Profis, die ihr Handwerk aus dem FF beherrschen und der eine oder andere, sowohl ältere wie jüngere Herr, ist auch begnadet mit dem guten Wiener Schmäh. Bravo!

Aufgefallen ist mir noch, dass die Vertreter der männlichen Spezies älteren Jahrgangs traditionell in schwarz gekleidet hier den Fleck tragen, was sie immer schon taten, während die weibliche Spezies, nunmehr auch in ganz schwarz auftreten, diese aber weiterhin „unbefleckt“ ihre Dienste verrichten. Insgesamt ist und war der Service immer konstant sehr gut hier, ist also krisensicher.


Welches Resümee ich für mich ziehen kann:

Trotz der einen oder anderen sowohl gesellschaftlich bedingten als auch manche für mich schmerzlich hingenommene lokalspezifische Veränderung haben sich das Cafe Hummel und ich weiter lieb und wir können schon miteinander. Es überwiegen Gott sei’s gedankt die genüsslichen Vorteile. 😊Weniger anzeigen

Café Central

(1)
Herrengasse 14, 1010 Wien
Café Central - Apfelstrudel - perfekt in jeder Hinischt, auch meine geliebte Nussnote hat nicht ...Café Central - Kaffeekulultur a al Central (so mog i des)Café Central - Kaiserfrühstück (nicht im Bild das Glas Sekt)
In diesem Guide weil: Ein Must, nicht nur für Touristen, es ist schon einzigartig.
SpeisenAmbienteService
11. Feb 2023
Das Café Central Herrengasse Ecke Strauchgasse, ein mächtiger Bau im Italo-Renaissance-Stil des 19. Jh. erscheint vor meinem Antlitz, davor die ...MehrDas Café Central

Herrengasse Ecke Strauchgasse, ein mächtiger Bau im Italo-Renaissance-Stil des 19. Jh. erscheint vor meinem Antlitz, davor die übliche Touristenschlange, die mit Eselsgeduld Einlass begehrt. Man will hier aber nicht nur ein Kaffeehaus besichtigen, die beeindruckende Architektur möchte auch inspiziert, ja bewundert werden. Die Handys etlicher Asiaten knipsen unaufhörlich jedes Detail.

5,70m hoch die Räumlichkeit im Inneren, Marmorsäulen unterstützen dicke Träger, die Decke als Kreuzrippengewölbe gestaltet, bei flüchtigem Blick erhalte ich den Eindruck, man betritt ein Kirchengebäude.

Der Architekt Ferstel hat sich da was einfallen lassen. Es sollte lt. Vorgabe der damaligen Stadtverwaltung ein schlichtes Bauwerk werden, nun ja, so fiel das Ergebnis bei der Eröffnung anno 1876 aus, aber heute sind alle froh, dass man ordentlich in die Geldtasche gegriffen hatte.

Das Café besitzt mittlerweile eine trächtige Kulturgeschichte, namhafte Literaten frequentierten es seinerzeit. Ihnen zu Ehren sitzt der ehemalige Stammgast Peter Altenberg heute noch als Pappmaché-Kamerad beim Eingang und mustert still alle eintretenden Besucher.


Mein Beziehung zum Café Central

Unumwunden gebe ich zu dem Flair dieser Institution gleich in mehrerer Hinsicht zu unterliegen, aber eines mag ich partout nicht, das wäre die neumodische Sitte bzw. für mich Unsitte des „wait to be seated“, welche zugegebenermaßen aufgrund des Andranges dennoch unvermeidbar ist.

Für ein ausgedehntes Verweilen muss ich mich gezwungenermaßen beugen, d.h. Besuche schon im Vorfeld planen. Immer wieder wäre ich gerne nach einem meiner Besuche im Minoriten-Stüberl, das nur unweit davon entfernt ist, eingekehrt, aber die dann erspähte Menschtraube vereitelt solche Vorhaben.

Als Wiener werde ich mich in meinem Kaffeehaus nicht anstellen! Nein! Dazu stehe ich. Insofern sind meine Besuche über die Jahre abzählbar. Nun mag ich aber solche ehrwürdige Kaffeehäuser. Gesagt getan, meine letzten Aufwartungen erfolgten mit Reservierung, die m.E. telefonisch besser funktioniert als online. Dazu im Folgenden ein paar aktuelle Eindrücke.


Meine zentrale Kaffee-Ansprache

Als Kulinarik-Forum konzentrieren wir uns ja auf solche Dinge, so bemesse ich ein Kaffeehaus neben seinem Ambiente auch nach dem Kaffee, ist dieses Edelgetränk auch einer meiner täglichen Wegbegleiter, nicht nur hier. Darin ist er zumal sogar treuer als mancher Mensch, sofern er auch meinen genüsslichen Anforderungen genügt.

Man könnte es kurz machen und sagen, der Lieferant ist Meinl, der quasi einen Kaffeestandard für Wien bildet und damit weiß man was einem erwartet. Passt also. Das wäre richtig, aber es gibt da noch den Barista, der aktiv mitwirkt und nicht zu vergessen die Grundeinstellungen an den Maschinen und das gibt die Führung vor.

Der Fairtrade-Bio-Masche ist man noch nicht auf den Leim gegangen, zumindest liest man darüber nichts. Im Kaffeegeschmack sollte das auch wahrgenommen werden, indem ich keine Säurereste verspüre, die man bei diesen Bio-Dings-Da Röst-Verfahren kaum wegbekommt.

Wie üblich fällt die Stärke für meine Begriffe wieder zu schwach aus, was der Arabicasorte geschuldet ist, aber man ist so ehrlich und benennt ihn auf der Karte auch „Mokka“ und nicht Espresso. Also muss ich wieder zu meinem Zauberwort „kurz“ greifen, oder auch „kurz-kurz“, womit ich dann Ristretto meine.

Solches muss ich zuerst abklären, je nachdem, welche Koffeindosis ich tagesaktuell benötige. Dann muss auch die Informationskette funktionieren, damit es nicht bei der Ober-zu-Barista Übermittlung via stille Post verkommt. Das gelingt nicht immer, aber oft beim zweiten Anlauf, wenn ich sage, er war leider immer noch zu schwach.

Tja, und dann beim Folge-Besuch das Prozedere wieder von vorne, weil ich nicht so oft hierherkomme, sodass man solche Eigenheiten als Stammgast kennen würde. Aber das macht die Sache auch immer spannend und gehört zu meiner Plauscherl-Taktik, sie ist Teil meiner Kaffeehauskultur.

Die Röstmischung ist sehr gut, hebt meine Stimmung im Rausch der Arabica-Aromen, die nicht nur den Gaumen, sondern auch die Nase animierend durchdringen. Kaffee ist nicht Kaffee, das möge für unsere netten Piefke-Nachbarn gelten, aber nicht für unsereins.

Ich bin durchwegs zufrieden, der Preis erreicht stolze 4€ für den kleinen und 6€ für den Großen Mokka, Innenstadtlevel. Serviert wird er je nach Ober wie ich das schätze sehr traditionell oder einfach und ohne Tablett. Ein Glas Wasser ist obligatorisch dabei.

Den Tupf Schlag gibt es nicht, habe aber einen beim letzten Mal gratis erhalten, die kleine aber erfreuliche Extrameile, vielleicht damit ich das Personal nicht allzu nerve, oder der gute Mann war mir gewogen. Ansonsten müsste ich eine Portion (Preis unbekannt) bestellen.

Als Add-On fehlt nie das Schoki-Nuss-Leckerli, sauber verpackt in rotem Hochglanzpapier, das die Aufschrift „Central“ ziert. Manche Ober bemerken die kleine Leidenschaft und bringen mir nachfolgend mehrere. Darum auch immer das unverzichtbare Tratscherl. Ja, darin besteht der Vorteil zu Vierbeinern, die solches nur mitleidserregend erbellen könnten. 😊


Hauptspeisen der Wiener Küche

Es fehlt das tagesaktuelle Angebot, was Kaffeehäuser sogar attraktiver machen würde, was scheinbar geopfert wurde. Die Haupt-Karte ist über die Jahre stabil, zeigt aber auffällig ungewohnte Beilagen bei mehreren Klassikern. Mir wurde mitgeteilt, dass man sich mittlerweile des letzten Küchenchefs, eines Steirers, entledigt hatte und man wieder auf die traditionelle Schiene zurückkehren möchte.

Nur waren wir beim letzten Besuch dem Innovativ-Künstler noch ausgeliefert, da man logistisch die Umstellung nicht ad hoc sofort umsetzen kann. Der Start mit einer Rindsuppe (6,50€) gelang noch tadellos, nur musste ich mich ein wenig wundern, ich fragte ob als Einlage Nudeln möglich wäre, was bejaht wurde.

Es kam eine Frittatensuppe und zu meiner Urgenz nach Nudeln wurde gesagt, das sind ja Nudeln und man beharrte darauf. Ok, Schwamm drüber, ess‘ ma di halt, is ja deswegen net schlecht. Serviert hatte sie ein Azubi, oder wie man die Jungspund-Serviceleute heute nennt. Früher sagte man Piccolo, das dürfte aus der Mode gekommen sein. Die Rinderbouillon war erste Sahne, eine Kraft und Wohltat an Suppe, soweit versöhnte das sofort.

Die Weinauswahl ist angesichts dieser Top-Location spärlich, es gibt 4 Rote und 5 Weiße und klar, dafür bedarf es damit auch keiner eigenen Karte. Darin besteht für mich klares Potential nach oben.

Meine Begleitung wählte als HS den Tafelspitz (24€), aber nun schlug die Küche unbarmherzig zu. Es fehlten die klassischen Beilagen. Ich will ehrlich gesagt auf die dargebotene Themenverfehlung nicht eingehen, da sie in ein zwei Wochen eh Geschichte sein wird. Eine Nachbestellung von Bratkartoffeln mit geringem Investment von zusätzlichen 3€ rettete die Performance. Schön aus Pfanne mit guter Zwiebelnote, hm davon naschte ich auch.

Bei meiner Wahl Pot au Feu vom gebratenen Waller (20€) ist dem Kellner allerdings nicht entgangen, dass ich mich über die Wahl der Zutaten, aber in erster Linie über die Zubereitung sichtlich mokiert hatte, das Gespräch führte ich jedoch mit meiner Begleitung, nicht mit ihm. Er kam aber auf mich zu und fragte, ob ich lieber eine andere Speise möchte. Die Zufriedenheit seiner Gäste stehe für ihn im Vordergrund.

Wow, was für eine Aufmerksamkeit, ich war überrascht. Das Angebot hatte ich wohlwollend angenommen und bei der so entstandenen kurzen Plauderrunde erfuhr ich über die gegenwärtigen Küchenzustände. Er sagte absolut nichts Schlechtes über den Ex-Kuch‘lbugl, aber der Eindruck, dass das gesamte Personal aufatmet kam m.E. rüber.

Damit wollte ich kein weiteres Risiko eingehen und orderte den klassischen Bröselteppich, da ich dachte, na den sollte selbst ein Küchenwappler z’samm’bringen. So war es dann auch, und sogar nahezu perfekt.

Das Kalb wunderbar zart, Duft nach Butterschmalz in angenehmer Intensität, die Soufflierung könnte noch etwas besser sein, die Petersilerdäpfel tadellos, na also geht doch! Man kann den Wiener damit immer wieder glücklich machen.

Auf der Online-Karte vermisse ich den Kaiserschmarrn, die Lokalkarte hat ihn mit 11€ gelistet. Den habe ich mir nach Jahren wieder vorgenommen. Die angekündigte Wartezeit von 20 Minuten verringerte sich dann auf ca. 5 Minuten. Es wird schon alles selbstgemacht, aber halt vorbereitet, wurde gesagt. Es überzeugte aber nicht.

Naja, an dem wird sich voraussichtlich nichts ändern, so ist mir die Guglhupf-Variante noch in Erinnerung. Er ist ja nicht schlecht, nur nicht meine Vorstellung. Die Elemente Vanille oder Rum in homöopathischer Dosierung, so ist‘s halt für meinen Gaumen ein passabler Biskuitschmarren.

Kein Ahnung, warum ich es immer wieder wissen will, aber so alle 5 Jahre kann man ja wieder nach dem Rechten sehen. Dem Tourist schmeckt er, weil er den Vergleich zum Original nicht hat.


Klassische Zwischengerichte

Bei vielen Besuchen begnüge ich mich mit Zwischengerichten, wenn nicht nur Kaffee am Programm steht. Solches hat das traditionelle Kaffeehaus auch geprägt. Damit bin ich recht zufrieden, zumal ich die auch gerne mit meinem Wr. Bier-Favorit Ottakringer Original begleite, 0,3l um 4,70€, das hier gepflegt o‘zapft wird.

Ein Krügerl gibt’s (offen) nicht, das wäre hier wohl nicht nobel. Soll sein, dann wird‘s mit zwei Seidel halt leider teurer, wenn das erste zu schnell weg war und sich der Durst weiter meldet.

Klasse sind die Handsemmeln, resch und knusprig, wie sich das gehört, zerbröckeln nicht in 1.000 Einzelteile und haben eine perfekte Teigkonsistenz, first Class. Einzeln kosten sie volle 2€, aber eine ist bei den Gerichten inkludiert.

Bei der ungarischen Gulaschsuppe (8€) passierte zuletzt ein Hoppala, weil ich sie schon um 09:30 Uhr geordert hatte. Warme Speisen gibt es erst ab 10.00 Uhr, aber die Küche brachte das schon hin, eine weitere Extrameile.

Nur war sie kaum als Suppe zu bezeichnen, sondern schon ein regelrechtes kleines Gulasch, zu fleischlastig angereichert voller kleiner Wadschunkenstückerl. Der Koch hätte besser schöpfen müssen, und selbst als Gulasch fehlte es so an Saft.

Das machte sich bloß erst ab der Hälfte bemerkbar, als mir dann aufgefallen ist, hey Supperl, wo bist du? Gut zubereitet war sie aber, pikante Note und schöne Gulaschwürze waren angenehm vorhanden.


Frühstücken wie ein Fürst

Wie in guten Kaffeehäusern üblich frühstückt man fürstlich, die Preise dazu passend fürstlich, die Qualität exzellent. Darin liebe ich mein herzallerliebst Österreich. Schlecht frühstückt man wirklich nur in Ausnahme-Gaststätten, man kennt das hohe Niveau auch aus der heimischen Hotellerie, ich vergleiche es mit 4-Sternen und höher. Ein Zuckerl dazu, ein Heißgetränk nach Wahl ist bei den Sets im Preis inbegriffen.

Die letzte Frühstücksoffensive tätigte ich mit einem guten Freund, er das volle Programm, Kaiserfrühstuck um 24€ samt Gläschen Sekt, ich bescheidener, a la Carte Wahl, Rührei mit Lachs auf getoastetem Schwarzbrot um 12€, sehr gut.

Rucola Salat ließ ich gegen Schnittlauch austauschen, was kein Problem war, passt m.E. besser, gegen Rucola hegt meine Seele Abneigung, für mich Hasenfutter, oder habe ich Löffel anstelle Ohren? 😉

Zuletzt noch das simple Schnittlauchbrot, welches aus 2 Stück bestand, das Brot allerdings nicht von der frischesten Sorte. Leider bringen das viele nicht nach meiner Vorstellung hin, ich bin in dem Punkt zugegeben auch penibel, dafür mit 4€ keine nennenswerten Kosten.


Konditorei bzw. Patisserie

Davon bevorzuge ich die Schiene Apfel- und Topfenstrudel und sie sind passabel. Klar, es gibt stets das sog. Bessere und solches ist immer der Feind des Guten, aber ich bin damit zufrieden. Meine letzten liegen aber schon einige Jahre zurück, wird mal wieder Zeit.

Wenig Erfahrung habe ich mit den Torten, das möge sich ein anderer Kollege vornehmen oder man kommt her und macht sich selbst ein Bild. Das liegt daran, dass ich diesbezüglich mein Oberlaa-Paradies in Wien habe, das auch mit mehreren Filialen an unterschiedlichen Orten vertreten ist.


Service, Allfälliges und Resümee

Eingehender bewerte ich den Service dann, wenn er abweichende Merkmale von der Norm aufweist, sei es positiv oder negativ. Damit möchte ich die Top-Leistung meines letzten Kellners beim Mittagstisch wie beschrieben hervorheben.

Der eine oder andere versteht es zusätzlich auf meine Plauder-Eigenschaft entsprechend zu reagieren und möchte gerne mithalten bzw. schiebt seine eigenen Wuchteln. Solch Schmäh gefällt mir natürlich. Da das kein Einzelfall ist, so vergebe ich gerne die Top-Note.

Erwähnenswert noch, nachmittags beschallt regelmäßig ein Pianist den Central-Äther mit Klaviermusik. Extra berappen muss man dafür nicht, wie sich der Musikus finanziert oder ob er überhaupt eine Gage bezieht, weiß ich allerdings nicht. Man darf aber dezent einen Schein bei ihm ablegen.

Wäre da nicht der permanente Ansturm, ich würde öfter herkommen. Ich muss damit leben, dass Touris aus aller Herrn Länder diesen Ort ebenso ins Herz schließen möchten wie ich. Für das beeindruckende Ambiente komme ich daher nicht umhin das klare 5er-Taferl zu heben. Ebenso passt das gesamte Interieur ins Bild. Must see!

Gäbe es nur eine Wertungs-Kategorie, wie auf Google-Map, wäre es eine saubere 5-Stern-Wertung. Das letzte Küchenerlebnis nehme ich nicht in die Note auf. Für mich reicht wie bei anderen Cafés an sich das gute Frühstück, das kleine Gulasch, hin und wieder ein Strudel, und last but not least der Kaffee. Damit bin ich sehr zufrieden und das schon über Jahre.

Das Café Central ist für mich eine widerspruchslos sehenswerte Wiener Tradition und sollte man jedenfalls kennen. Schande über den, der noch nie da war. Letzte Aussage versehe ich aber auch mit einem Emoji! 😊Weniger anzeigen

Café Westend

(1)
Mariahilfer Straße 128, 1070 Wien
Café Westend - Campari Soda - schlicht aber erfrischend - ich finde die getrennte Servierung ...Café Westend - Abendstimmung - Barbetrieb ab 17 UhrCafé Westend - Apfelstrudel (ohne Vanillesauce) - sehr gut
In diesem Guide weil: Nach Neueröffnung vor dem Aus gerettet und m.E. sogar besser geworden.
SpeisenAmbienteService
7. Dez 2023
Café Westend – aus alt wird alt & neu Viele im traditionell gehaltenen Stil geführte Kaffeehäuser außerhalb der City gibt es nicht, wäre da nich...MehrCafé Westend – aus alt wird alt & neu

Viele im traditionell gehaltenen Stil geführte Kaffeehäuser außerhalb der City gibt es nicht, wäre da nicht das Westend als echter Ausreißer zu erwähnen.

Dabei war ich früher darüber gar nicht so erbaut, denn trotz eines höchst klassizistischen Ambientes, hohe Räume, Stuckdecken, Parkettboden, Marmortische, alles was das ehrwürdige Kaffeehaus und der verwöhnte Wiener braucht, nur war das Angebot sehr gewöhnlich, dafür gespickt mit einer dreisten Preisgestaltung.

Das waren für mich doch deutliche Signale und es kam fast wie es kommen musste. Die Coronazeit tat das Übrige hinzu. Das Café schlitterte 2022 ins gastronomische Nirwana und das trotz der letzten Patronanz unter der Cafétiers-Familie Diglas. Ja, so kann’s gehen und aus die Maus. Auch die haben nicht immer Erfolg.

Aber wenn noch Zeichen und Wunder geschehen, dann war das 2023 der Fall. Ein beherzter Unternehmer, mir an sich unbekannt, nahm sich der Sache an, übernahm es und da ist es wieder. Zu meiner großen Freude sind die Preise völlig ins Lot gekommen. Also Leute, es geht, wenn man will.

Einige Zeit wagte ich noch keine Prognose, denn wenn man sich kurz an das Café Griensteidl erinnert, das kurz als Café Klimt weitergeführt wurde, das aber für nicht einmal eine Saison und dann kam der endgütige Todesstoß, so war ich skeptisch.

Wird das hier auch so ein kurzes Aufflackern? Nun, die Saison 2023 geht dem Ende zu und es ist regelrecht bummvoll und zeigt nach mehreren Besuchen meinerseits kräftige Lebenszeichen. Man hofft so auch auf eine erfolgreiche Zeit 2024 und danach.

Eine Frage stellt sich mir: Ob das Konzept aufgehen wird? Der neue Besitzer möchte mehr als nur ein Kaffee. Es soll auch eine Bar werden im Stil „gemütlich“. Überdies ist ein besserer Gastgarten geplant, das aber bei der Lage unmittelbar an der Gürtelhölle, na wir werden sehen.

Für eine Abendbar sehe ich noch keine Anzeichen, zumindest was das Gästeverhalten anbelangt, es würde mir jedoch nichts ausmachen. Dazu müsste für meine Begriffe auch die Karte noch erweitert werden. Es gibt zwar schon eine eigene Bar-Karte (ab 17 Uhr), aber sie hat noch Potential nach oben.

Für mich bleibt es was es ist, ein Kaffeehaus, anspruchsvoll und weiter seiner Wiener Kultur verpflichtet. Unter dieser Prämisse besuche ich es und nunmehr auch wieder häufiger. Das naheliegende Café Ritter hat also gute Konkurrenz bekommen, und das ist schon gut so. 😉


Ein paar kulinarische Takte

Es sei mir erlaubt wieder über den Hauptdarsteller zu plaudern. Dafür steht für mich Kaffee. Wie in vielen anderen Cafés in Wien dominiert die Sorte Meinl, aber je nach Einstellung der Maschinen oder auch der Barista-Leute kann er von Top bis zum G’schloder alles sein.

Also ergeht dazu immer mein Standard-Sprücherl:„Bitte kurz oder ristretto, also kräftig, wenn’s geht.“ Ob das wirklich geht oder nicht hängt dann davon ab, wer schneller ist, der Kellner mit der Eingabe einer Zusatzinfo oder die Barista- Leute, die sich sofort dranmachen, noch ehe die Zusatzwünsche angekommen sind.

So kommt er mal nahezu perfekt, oder auch wieder so unterdurchschnittlich wie gewohnt daher. Aber das Sprücherl erhöht, wie man sieht, doch meine Chancen auf den guten Kaffeegenuss.

Der Preis mit gegenwärtig 4,50€ für den großen Espresso/Braunen oder 3,90€ für die Melange absolut hochanständig, wie ich das eingangs schon lobend vermerkt hatte. Daran dürfen sich andere gerne messen.

Was Speisen anbelangt war mir das erste Gulasch viel zu ungewürzt, da kam nicht viel Stimmung auf, keine Note langgesottenen Schmorens in vertrauter Zwiebel-, Kümmel- und Majoranumgebung, was ich auch eher lustlos verspeist hatte, die Semmelknödel hingegen in Ordnung.

Eine weitere Erfahrung hatte ich mit Schinkenfleckerl, ausnehmend frisch und saftig, nur ersoffen in Obersauce, das war wieder nicht der Bringer, aber besser als das Gulasch. Der Schinken dafür vorzüglich, das war schon am feinen Duft erkennbar.

Bei einem solcher Besuche erspähte ich linkerhand eine auf den ersten Blick gut aussehende Sachertorte, aber als ich sie geordert hatte, war der erste Anflug an Euphorie rasch wieder dahin. Sie war mehr die typische Schoko-Safttorte als ich sie mit dem Titel „Sacher“ auszeichnen würde. Nun denn, Geschmäcker sind verschieden.

Beim 4. Besuch dann doch ein Lichtblick mit einem feinen warmen Apfelstrudel. Der Preis zwar heiß mit 7,30€, weil er mit Vanillesauce serviert wird, die ich aber durch Schlagobers ersetzen ließ. Hier hat man den Preis seit Eröffnung (damals 5,80€) nachgezogen.

Der war herzhaft gut. Es fehlt nur mehr noch der von mir hoch geschätzte Walnusskick, ansonsten war alles paletti, man spürte die Äpfel in ganzen Stücken, kein Gatsch und sehr gut untermengt mit Bröseln.

Doch ja, mehr Schlagobers ginge schon, das war ja kaum eine Kinderportion, die würden sicher mehr als ich verdrücken können, denn am Preis änderte das nichts.

Ich sagte schon in anderen Rezensionen, das Kaffeehaus inspiriert mich nicht wegen der Speisen, hin und wieder gelüstet mich danach, dann mehr kleine Gerichte, dafür lebt es vom Flair eines bezaubernden Ambientes um dort meinen Freizeitgestaltungen in mir vertrauter Umgebung nachzugehen.

Der wichtigste kulinarische Begleiter ist und bleibt der anspruchsvolle Espresso, was beizeiten der Fall ist oder weitere Getränke. Man führt im Vergleich zu anderen Kaffeehäusern eine kleine, aber respektable Weinkarte, will man sich mal eine Bouteille gönnen. Das sei lobend erwähnt.


Ausklänge und Aussichten

In Sachen „Bar“ warte ich noch ab, was die weiteren Entwicklungen zeigen. Nun, ein Camapri-Soda ist dazu noch keine Offenbarung, aber damit nehme ich auch vorlieb, wenn ich beizeiten vom Kaffee genug habe. Ein Negroni möchte noch ausprobiert werden, und siehe da, meine Whisky-Favoriten Talisker (10y) und Lagavulin (16y) sind auch vertreten.

Man könnte mir etwas mehr Campari gönnen, das letzte Campari-Soda war schlicht nur gefärbtes Sodawasser mit Eis, der Geschmack mehr in den Gedanken als im Gaumen wahrnehmbar. Ich hätte es urigeren sollen, nur steht mir nicht immer danach der Sinn. Man hat ja auch andere Dinge im Kopf.

Das Servicepersonal macht seinen Job sehr gut, ein Mix aus Wienern und Neo-Wienern, wenn man das so sagen darf, so wandeln sich nun auch die Zeiten, aber ich habe keinen Grund gefunden an der Serviceleistung etwas auszusetzen, Pech für einen typischen Wiener nostalgischer Bauart. 😉

Alles in allem bin ich doch froh und dankbar dieses Kleinod in gar nicht allzu weiter Entfernung meines Wohnortes in seiner Neuauflage vorzufinden, liegt es auch perfekt an einem Verkehrsknotenpunkt der U3 und U6 direkt beim Westbahnhof, ist also gut erreichbar. Ich nutze es so auch als Treffpunkt.

Das Café Westend hat mich jedenfalls nach mehreren Jahren der Abstinenz wieder gefunden und solches freut mich als Fan dieser vor dem Aussterben bedroht stehenden Spezies eines Wiener Kulturgutes.Weniger anzeigen

Cafe Ritter

(1)
Mariahilfer Straße 73, 1060 Wien
Cafe Ritter - Tadellose Kaffeekultur und wie gezeigt als Espresso "kurz" sehr, sehr  gutCafe Ritter - Ein simples Schnittlauchbrot- sehr gut und ausreichendCafe Ritter - hausgemachter Apfelstrudel - war gut bis sogar sehr gut
In diesem Guide weil: Beeindruckende Innenarchitektur, liegt mitten in der Einkaufsmeile der inneren MaHü - man kommt daran nicht vorbei.
SpeisenAmbienteService
3. Dez 2022
Cafe Ritter in der Mariahilfer Straße Ein wahrliches Schmuckstück auch außerhalb der City direkt auf der nunmehr umgestalteten Mariahilfer Straß...MehrCafe Ritter in der Mariahilfer Straße

Ein wahrliches Schmuckstück auch außerhalb der City direkt auf der nunmehr umgestalteten Mariahilfer Straße ist das Cafe Ritter. Von der Fußgängerzone trennt es lediglich die Querung der Buslinien 13A und 14A. Unmittelbar daneben ist der Abgang zur U3 oder man flaniert entlang der Einkaufsmeile und landet auf Kaffee & Co im Ritter. Es gehört wegen der Bezirksgrenze noch zum 6. Hieb Mariahilf.

2009 stand es fast vor dem Aus, wurde aber dank der Rettungsaktion eines beherzten Gastronomen bewahrt, erfreut sich seit 2010 wieder allgemeiner Beliebtheit wie meiner speziellen. Seit damals steht es auch unter Denkmalschutz. Es erfolgten sanfte Renovierungsmaßnahmen, aber das ehrwürdige Flair wurde dabei tunlichst erhalten.

Ich habe mir erlaubt anstelle von Worten zwei, drei Bilder für das Ambiente sprechen zu lassen, Für mich absolut sehenswert und noch mehr einen Besuch. Meine bevorzugten Besuche erfolgen in der Winterzeit, wie nunmehr gerade in der vorweihnachtlichen Zeit, wo unsere ebenso sehenswerte „MaHü“ auch im Lichtermeer glänzt.



Afro Kaffee, der recht Gute

Der nunmehrige Besitzer Harry Holzer setzt hier auf Bohnen des Afro-Kaffees. Die Karte weist auf den Seiten der Kaffeevariationen das Fairtrade Symbol auf, was einen Hinweis darauf gibt, dass man dieser Philosophie hier folgt. Wie schon in der Wertung über das Schwarzenberg geschrieben, gelingt das nicht jedem, aber Gott sei Dank sind auch Profis am Werk, die den Arabica derart auch bekömmlich hinbekommen.

In welchem Verhältnis man Arabica und Robusta mischt, kann ich nicht sagen, aber ich glaube heute keiner Rösterei mehr, dass sie nur mehr noch auf 100% Arabica setzt.

Kaffee ist wie alles sehr teuer geworden und deswegen steigen viele auf Mischungen um oder aber man kauft schlicht billigere Sorten ein. Nun ja, die Hure Geld schlägt da halt wieder zu.

Die einfachsten Kriterien für den Genießer sind am Ende immer Aroma und Stärke. Ist er von Haus aus ein Powerkaffee, hat er vermutlich kaum Anteil an Arabica-Bohnen. Der reine Arabica tangiert mancherorts wiederum zum sog. „G’schloder“, wenn ihn der Barista zu brustschwach zubereitet oder weil einfach die Vorgabe im Lokal ihn so anweist.

Man hat hier für meine Begriffe einen brauchbaren Mittelweg eingeschlagen. Die Fraktion der Ristretto-Trinker sage dazu einfach das Zauberwort „kurz“, dann kommt er zumeist auch wieder in betont männlicherer Stärke. Ich vergebe ihm hier die Note sehr gut und das schon über Jahre.

Das Ritter hat in letzter Zeit seine eigene Kaffee-Häferl Kultur entwickelt, es gibt mehrere bunte Tassen, welche ein Ritter zu Pferde mit Lanze ziert, das ist m.E. fürs Augerl ein durchaus gelungenes und ansprechendes Design.


Typische Kaffeehaus-Kulinarik

Die Frühstückskarte ist von der simplen Art. Großartige Variationen gibt es nicht und für meine Begriffe ist das Ensemble zu convenient, d.h. zu viele Packerl, was keine schöne Optik bildet, auch wenn man auf Produkte wie z.B. Darbo etc. zurückgreift.

Aus dem Grund greife ich hier mehr auf meine simple Snack-Frühstück Gewohnheit zurück, wie z.B. ein Butterbrot mit Schnittlauch. Das letzte war recht gut, wobei ich in Sachen Brot auch verwöhnt bin.

Tadellos sind die Gulasch-Kreationen, sei es als klassisches Rindsgulasch, Würstel mit Saft oder eine Gulaschsuppe. Solches haut generell hin und man schafft hier eine sog. Küchenkonstanz. Das ist für mich auch die wichtigste Kulinarik für ein Kaffeehaus, abgesehen von diversen Mehlspeisen.

In Sachen Mehlspeisen wirbt man für drei hausgemachte Produkte, z.B. einen Guglhupf, der auch marmoriert ist. Mit etwas Schlag als Ergänzung ein begehrter Leckerbissen, allerdings hatte ich ihn schon lange nicht mehr, aber auf den greife ich gerne wieder zurück.

Das zweite war ein Apfelstrudel, der ja eh ganz in Ordnung war, wie man als Wiener so schön sagt. Vom Hocker haut er mich nicht, aber es gibt deutlich schlechtere. In Punkto Qualität objektiv gesehen an sich jedoch tadellos. Der dritte im Bunde, Fraktion Topfinger wartet noch auf meine Gelegenheit. Kommt Zeit kommt Strudel.

Womit man mich hier nicht lockt wäre die Vanillesauce, denn es verrät schon das Bild auf der Speisekarte die dickcremige und für meine Begriffe nicht wirklich hausgemachte Machart.

Weiters machte ich mal wieder einen klassischen Ei’fohrer beim sog. Kaiserschmarren. Ich gebe zu söba schuld, denn es stand das „hausgemacht“ auch nur für die drei zuvor genannten Produkte, aber ich wollte es halt wissen und so war es halt ein Schmarren meiner Denklogik.

Er kam nach sage und schreibe schon unter drei Minuten zum Tisch und zeigte die typischen Packerl-Symptome. Ich war aber hungrig, na dann muss man halt da mal durch. Es fehlte ihm eine ordentliche Schicht Staubzucker, den ich urgierte, nur der kam nicht. Nach mehreren Versuchen ließ ich ihn einfach stehen.

An dem besagten Tag war Hochbetrieb und die Kellner waren sichtlich gefordert und hatten mich offensichtlich etwas weniger beachtet, denn ich war ja für ihre Begriffe mal versorgt. Meine Handzeichen interpretierten sie als Zahlungswunsch, also statt Staubzucker kam die Rechnung.

Nun denn, dann sollte es so sein, er hat, wie man so sagt eh nix g’hassen, also akzeptierte ich das und zog noch etwas hungrig von dannen um mich andersorts zu verköstigen.


Flair und Service

Aufgrund der doch beachtlichen Betriebsgröße wuseln zur kulinarischen Stoßzeit eine Menge Kellner emsig im Lokal umher, sind aber alle ein guter Mix aus aufmerksam, höflich und zuvorkommend. Der zuvor geschilderte Schnitzer war die schlechteste bislang erlebte Leistung, daher erachte ich sie nicht als repräsentativ.

Absolut positiv hervorzuheben ist das tadellos günstige Preisniveau. Obwohl man hier durchaus von einem Wiener Top-Standort sprechen muss, liegt es deutlich unter dem aller anderen Kaffeehäusern.

Ein paar Eckdaten: Großer Mocca 4,30€, Schnittlauchbrot 3,70€, Gulaschsuppe mit Gebäck 5,40€, Würstel mit Saft 6,70€, Gulasch mit Gebäck 11,50€, Apfelstrudel 4,40€, man liegt damit um gute 25-50% unter dem Niveau vergleichbarer Destinationen.

In der Hinsicht muss man m.E. die eine oder andere Qualitätseinbuße auch in Kauf nehmen, aber für meine besondere Vorliebe für Gulasch und Kaffee und das insbesondere im Kaffeehaus komme ich sehr gut auf meine Rechnung. Ach, erwähnt sei noch, es gilt hier noch Bares ist Wahres, was ich manchmal vergesse.

Meine beiden letzten Besuche nachmittags wurden von Klaviermusik begleitet, neben dem Eingang befindet sich ein Piano. Je nachdem wer spielt ist es dann eine Bereicherung oder bloß Berieselung. Wie ich erfahren habe spielt man hier in Eigenregie, d.h. Programm ist es nicht, mal hört man was, mal nicht.

Ich bin froh, dass dieses Kaffeehaus lebt und webt und danach strebt in seiner Tradition auch so erhalten zu bleiben. Es bereichert meine doch in letzter Zeit gehäuften Spaziergänge oder Touren auf Wiens wohl bekanntester Einkaufsmeile und trägt damit wesentlich zur Erhaltung der Kaffeehauskultur außerhalb der Innenstadt bei.

In dem Sinn, Gott erhalt’s!Weniger anzeigen

Zauner Esplanade

(1)
Hasnerallee 2, 4820 Bad Ischl
Zauner Esplanade - Kaffeekultur wie im BilderbuchZauner Esplanade - Zauner Stollen - Das AushängeschildZauner Esplanade - Kaiser Etagere - und was man sonst noch so alles braucht
In diesem Guide weil: Kaffee, der Zaunerstollen und das Nusskipferl, und das ganze im Freien neben der Traun - Kaffeehaus mit Urlaubsfeeling.
SpeisenAmbienteService
1. Sep 2022
Der Zauner – mein Dommayer von Bad Ischl Seit Jahren schon zieht es mich auf meinen Reisen durch Österreich magnetisch an einen bestimmten Ort n...MehrDer Zauner – mein Dommayer von Bad Ischl

Seit Jahren schon zieht es mich auf meinen Reisen durch Österreich magnetisch an einen bestimmten Ort nach Bad Ischl zum Zauner an der Esplanade. Was die Zauners hier mittlerweile nach einer 190 jährigen Geschichte auf die Beine gestellt haben, Hut ab. Was bedeutet das für mich? Lese man weiter.

Bei Schönwetter im geräumigen Garten zu sitzen, den dahinplätschernden Wellen der Traun verträumt hinterherzusehen, ein Blick auf den Siriuskogel und die hübsche Villen am gegenüberliegenden Ufer, vor sich das gute Kaffeetscherl oder den herzhaften Roten, bildete schon oft den Grund für einen Zwischenstopp auf meinen beruflichen Reisen, um kurz die Seele aufzutanken.

Weil mich diese Erlebnisse immer wieder fasziniert haben, plante ich heuer ein paar Urlaubstage zusammen mit meiner immer treuen Begleiterin. Zwei mehrtägige Aufenthalte erlaubten einige weitere Einblicke in das Repertoire von Frühstück, Patisserie und auch der Speisenkarte und wir konnten uns ein wenig durchwühlen.

Was für mich der Dommayer in Wien ist, das ist hier der Zauner an der Esplanade. Kommt dazu ein guter Rund-Um-Service geschulter Mannschaft samt Auftreten und Manieren, die für das werte Wohlbefinden sorgen, ist das für mich besser als so manche Fernreise.

Damit meine Seele fröhlicher Dinge ist braucht sie gar nicht mehr nebst Begleitung um im Nachhinein sagen zu können: G‘habert homma z'aumm guat, g’sess’n samma z'aumm sche und bedient höm‘s uns königlich. Dann lebt meine Seele auf und solches erreicht sie hierorts wirklich gut.


Kaffee & Zaunerstollen make my life easy

Hier gibt‘s ihn wieder für mich, einen wunderbaren Kaffee, besser sogar als Meinl würd‘ ich sagen, wer der Röster ist weiß ich nicht. In der Form „kurz“ ausnehmend betörend nach dem Aroma frisch geriebener Arabica-Bohnen duftend, eine passable Crema, so tanke ich kräftig und nachhaltig Koffein und man kann freudestrahlend in ein glückliches Gesicht ohne Schminke blicken.

All das mit von mir hochgeschätzter Kaffeehauskultur, dazu gehört ein Silbertablett, die Kaffeetasse auf passender Untertasse platziert, dazu ein Glas Wasser und den Espresso-Löffel verkehrt oben drüber gelegt. Genau so macht man das, und weil‘s für mich ist noch einen Tupf Schlagobers extra, echtes selbstverständlich, und erneut glücklich er ist.

Zucker obligatorisch dabei, aber für mich redundant, man kann so aber am Foto ablesen, von wem das dargebotene Kunstwerk stammt, weil am Papier’l „Zauner“ steht.

Dazu eine Oblatte vom Zaunerstollen, der auch das Aushängeschild ist, wie die Sachertorte für den Sacher, nur in Ischl. Das ergibt ein Orchesterwerk für meine Sinne und ich brauche für kurze Zeit nichts anderes.

Es gibt ihn in heller der dunkler Ausführung, im inneren die streuselige Schoko-Haselnuss-Fülle, die auf der Zunge zergeht und der Gaumen singt. Ach, könnte es so auf immer und ewig sein.


Frühstück im Freien

Bei einem anderen Besuch war Frühstücken dran und wir ließen das Kaiser-Etagere auffahren. Klar, hier hat alles was mit Kaiser zu tun, Wir haben festgestellt, dass es zu zweit doch an Menge nicht unbedingt reicht, aber das Gebotene lässt in Sachen Auswahl kaum Wünsche offen.

Aus dem habe ich zwei Highlights entdeckt, das erste der Lachs. Der war richtig gut, intensiv und mit einer Note, die meiner Nase bislang vorenthalten wurde. Ich kann’s gar nicht beschrieben als nur edel, edel. Ich brachte in Erfahrung, woher man den bezieht. Der Lieferant heißt „Abrahams Friesländer“ aus Norddeutschland.

Und dann noch dieses Nusskipferl, das on-top am Etagere platziert wird, sodass man es auch wahrnimmt. Werbung? Auch, jedenfalls hat das bei mir funktioniert. Das könnte sogar den Stollen noch übertrumpfen, aber alles zu seiner Zeit.

Mann, kann Leben schon sein. Süß ist es, das sei gesagt, aber die Kombination mit geriebenen Nüssen ist wie Weihnachten, wenn die Vanillekipferl Saison haben, dafür ganzjährig und für jung und alt.


Mitagessen - Vorspiel

Und wieder sitzen wir da. Heute wird g’essen und dazu organisierten wir einen direkten Tisch an der Traun. Man kann sich da auch ganz lässig am grünen Geländer anlehnen.

Die dargereichte Karte beinhaltet auch die Weine flaschenweise und wenn man danach verlangt, erscheint eine dafür ausgebildete Fachkraft. Das finde ich toll, denn der Mann war auch vom Fach.

Nach eingehender Beratung festigte sich die Entscheidung für einen Mittelburgenlandler, Reumann Grenzlandhof aus Deutschkreuz mit dem klingenden Namen „Cuvée Mariela“ Jahrgang 2018. Der Tropfen erwies sich als vollmundig und kräftig, würdig das Kommende zu begleiten. Die Beratung hat sich gelohnt. Man findet solches oft nicht in Top-Lokalen, daher erhielt das meinen gebührenden Respekt.


Wiener Schnitzel - Original mit Hürden

Als Speisen finden wir nicht so die rechte Wahl, weil die Auswahl eher bescheiden war, aber dann wird es nicht selten die Klassik-Kombi Rindsuppe, heute Fleischstrudel, und danach ein Original Wr. Schnitzel, letzteres für beide.

Die Consommé war brav, sauber und rein, gut die Einlage, herzhaft und intensiv die Fleischnote. Sie überschattete den Suppengeschmack, das aber nicht zum Nachteil. Ein guter Einstieg.

Das Wiener vom Kalb, in der Pfanne herausgebacken, was ein paar dünklere Stellen der Panier offenbaren und ein unverkennbarer Butterschmalzduft, also ein richtiges Original mit alles.

Ich stehe auf das intensive schmalzig riechende Aroma aber nicht immer, weil es auch zuviel des Guten sein kann und dann schlägt es um, und das war für mich etwas der Fall.

So hin und wieder das Original des Originals, wie’s im Sacher-Kochlehrbuch steht, das geht in Ordnung und es bereitete dem Wort „Wien“ auch keine große Schande, nur halt der Geruch, aber vielleicht bin ich darin übersensibel. Meine Begleitung meinte es wäre ok, nun gut, dann nehm ich das auf mich.

Einen deutlich größeren Abstrich bildeten die Petersilienerdäpfel und da waren wir uns beide sehr einig. Mit leuchtend knallgelber Farbe waren sie zwar eine regelrechte Naturschönheit, der Geschmack nicht weniger, d.h. die Qualität wäre exzellent, nur bildete sich an der Oberfläche eine dünne Hautschicht und sie wurden mit der Zeit immer trockener.

Die sind halt schon länger gelegen und waren auch durch erneutes in Butter schwenken nicht mehr zu retten. Frisch ist eben frisch, ein m.E. dummer und unnötiger Küchenfehler.

Dafür gleichte der Gurkenrahmsalat mit Erdäpfeln das so entstandene Flüssigkeits-Defizit aus. Gut, dass wir den extra geordert haben. Reinen Gurkensalat, wie es mein Wunsch war, hat es nicht gegeben, aber der tat’s schon.

Aus früheren Besuchen hatte ich ähnliche Erfahrungen mit anderen Speisen. Es war ja nie schlecht, aber es bleibt wieder der Eindruck haften, in ein Kaffeehaus gehst Kaffee trinken und essen doch woanders. Das bestätigte aufs Neue meine Erfahrung, so kenne ich das auch vom Dommayer.

Top-Küche und Kaffeehaus dürfte als gastronomisches Konzept scheint’s nicht funktionieren. Schlag mich tot warum, aber so empfinde ich das. Anderseits verlange ich gar keine eierlegende Wollmilchsau, so einigt man sich auf die jeweiligen Stärken und lobt diese.


Nette Service G’schicht’n

Ich habe schon das tadellose Auftreten samt Manieren angesprochen, das gefällt mir klarerweise, reicht aber noch nicht. Es passierten einige Patzer, die aber bravourös gemeistert wurden. Und daran erkennt man, was Sache ist und das überzeugte. Ein paar G'schicht'ln dazu.

Ein etwas schon an Geruch leidender Schinken hatte sich ohne entdeckt zu werden auf das Frühstücks-Etagere geschlichen. Er wurde ohne Umschweife in einen neuen, saftig frischen verwandelt. Nun, die Geruchsprobe überzeugte auch den Kellner sofort.

Ich wollte dazu noch eine Portion Schnittlauch, aber lt. Küche wäre für heute noch nichts angeliefert worden. Ein paar Minuten später leuchtet er mir auf der Eierspeise eines anderen Gastes grün entgegen. Ich fragte, welche Zauberhand da im Spiel wäre. Wieder ohne Umschweife kehrt Marsch und schwupp di wupp kam ein Schüsserl mitsamt netter Bemerkung: „Es tut uns leid, aber wissens‘s unser Koch …“. Is doch liab.

Die Urgenz der ausgetrockneten Erdäpfel wurde kurz mit der Küche abgesprochen und man redete sich nicht heraus. Ändern kannst es eh nimmer, der Service kann da auch nichts dafür, aber auch den Umgang fand ich Klasse.

Ich habe selten Probleme mit Hoppalas, finde sie menschlich und steh‘ sogar insgeheim drauf, ich geb’s zu, denn dann hat man was, worüber sicher der Wiener so gern s‘Maul zerreißt, aber es macht eine ganz andere Musik, wie man damit umgeht. In meinen Augen hier genauso, wie es sich gehört.

Bei der Weinberatung kam ein Kellner in etwas anderem Look, der sich als „Mädchen für alles“ vorstellt. Es stellt sich heraus, dass er eher eine Koryphäe ist, nicht nur in der hiesigen Karte bewandert, sondern quer durch die Gastronomie Ausbildungen hat und auch eine schöne Portion Humor und Schmäh an den Tisch mitbringt. Gäbe es nur mehr seines Fachs.

Eine Eigenheit bietet der Zauner für die Patisserie. Man bestellt sich die Leckerlies nicht am Tisch, sondern begibt sich zur Theke, sucht sich was aus und erhält ein Zettelchen. Das Gewählte wird am Teller vor dir platziert, aber du darfst es nicht mitnehmen. Stattdessen wandert man zurück zum Tisch und überreicht den Zettel dem/der Kellner/in und die Bestellung wird dann zum Tisch gebracht.

Ok, warum einfach, wenn‘s umständlich auch geht, aber das hat hier schon so lange Tradition. So was ändert man wie ich das auffasse schon um der Tradition willen nicht. Gut, dann verbuchen wir das als Kulturaspekt.


Fazit – Rundum-Zufriedenheit

Der Zauner auf der Esplanade ist eine Wahl für jede Tageszeit, sei es für gutes Frühstück, eine Jause, für den kurzen Kaffeestopp oder das ausgedehnte Mittag- oder Abendessen. Er schlägt dabei andere um Meilen hinsichtlich seiner Patisserie und hervorragender Kaffeekultur.

Wer den gleichen Level für das Essen erwartet, der sollte das für meinen Geschmack aber woanders versuchen, es sei denn, man kann sich damit begnügen was das übliche Kaffeehaus dazu bietet.

Das Preisniveau wurde noch nicht angeschnitten. Ich halte den Zauner weder teuer noch billg, es ist für meine Begriffe insgesamt angemessen und vergleichbar mit gehobenen Kaffeehäusern aus Wien.

Ein paar Maßzahlen: Großer Espresso 4,60€, das Wiener vom Kalb 23,10€ oder unsere Weinwahl fiel auf 35€. Die aktuelle Speisekarte steht auch Online zu Verfügung: [Link]

Am Ende gibt der Gesamteindruck den Ausschlag und ist mit dem 1A-Ambiente und einem professionell agierenden Service für alle Fälle schon einen Besuch wert, und für mich als Kaffee- und Schokofreak auch ein Suchtfaktor. Mit anderen Worten, andere dürfen und können, ich muss. 😊Weniger anzeigen

Tomaselli

Alter Markt 9, 5020 Salzburg
In diesem Guide weil: Ein Must, wenn man in Salzburg ist, das meine Kaffeehauskultur gut repräsentiert.

Cafe Restaurant Diglas

Wollzeile 10, 1010 Wien
In diesem Guide weil: Das älteste Cafe der Diglas Familie, eng, aber auch gemütlich.

Cafe Museum

(1)
Operngasse 7 (Karlsplatz), 1010 Wien
Cafe Museum - Prächtige Kaffeemaschinen im EingangsbereichCafe Museum - Landtmann Würstel mit Saft - mein HighlightCafe Museum - Gulaschsuppe - sehr gut
In diesem Guide weil: Es liegt einfach zu gut für mich, und hat alles was das gute Kaffeehaus braucht.
SpeisenAmbienteService
10. Mär 2023
Mein Cafe Museum Am Schnittpunkt gleich dreier U-Bahnen, damit nicht nur zentral gelegen, sondern auch bestens öffentlich erreichbar befindet si...MehrMein Cafe Museum

Am Schnittpunkt gleich dreier U-Bahnen, damit nicht nur zentral gelegen, sondern auch bestens öffentlich erreichbar befindet sich das renommierte Cafe Museum. Falls das Wetter verregnet ist, muss man vom Aufgang der Rolltreppe ins Cafe bloß drei Schritte überwinden.

Ich besuche es gerne als Zwischenstation. Wegen der relativ frühen Sperrstunde mit 21:00 Uhr kann ich es nicht für den späten Absacker nutzen, wiewohl es derart gut liegt, um danach dritter Mann zu spielen, der ins Loch abtaucht damit er des Nachts wieder verschwindet.

Dafür ist es für mich ein sehr guter Treffpunkt um von hier aus eine Tagestour mit Bekannten zu starten. Als sog. Verweil-Cafe nutze ich es weniger, dafür habe ich andere. Der Kulturinteressierte findet einen literarischen Treffpunkt, wenn im Extrazimmer entsprechende Veranstaltungen stattfinden.

Dieses Lokal gehört zum Familienclan der Querfelds. Unter ihren Unternehmen ist es mir das sympathischste, da etwas weniger touristisch frequentiert, etwas weniger Hofratswitwen, eher bunt gemischt und stimmig in seiner Atmosphäre.

Punkto Kulinarik Angebot werden sie nahezu ident geführt, in den teuren Preisen sind sie sich noch mehr einig, weisen dennoch Unterschiedlichkeiten auf, insbesondere die Lokalausstattung. Das Ambiente wirkt in seiner Noblesse weniger altfadrisch als das Landtmann oder Mozart, es ist aber traditionell eingerichtet.

Der Farbton rot herrscht durch die Sitzbankgruppierungen vor, aber es gibt keine verspielte Details und Schnick-Schnack Dekor an den Wänden. Man hat es in letzter Zeit mit Bildern dekoriert. Die Architektur fällt etwas nüchtern aus, ist aber vornehm genug um gehoben zu wirken.

Für die wärmere Jahreszeit ist der Schanigarten trotz hohen Verkehrsaufkommens immer noch attraktiv genug, damit ich mich auch dort platziere. Den Lärm kannst du dir zwar nicht wegdenken, aber die Gestaltung hat Grün-Elemente, als wäre man in einem Park. Einige Lichteffekte erzeugen in der Dunkelheit recht romantische Eindrücke. Ich mag das.


Standard Meinl Kaffee

Die Kaffeeansprache also wieder, hier etwas bündiger, da ich über Meinl schon genug in anderen Rezensionen geschrieben habe. Vielleicht ein paar andere Aspekte .

Beispielsweise ist es für mich eine nette Besonderheit der Tätigkeit des werkenden Baristas bei seiner Arbeit live zuzusehen. Zwei mächtige von Meinl gesponserte Apparaturen sind im Eingangsbereich unübersehbar untergebracht. Rund herum alles mit Geschirr angeräumt, wie das so üblich ist.

Meist werken dort Mädels, eines davon ein ebenso attraktiver Anblick und es gibt gleich vis-a-vis Sitzplätze. Wenn ich sie ergattern kann, dann sitze ich gerne dort und wechsle meinen Blick zwischen Kaffeezubereitung, dem Lokal zur Linken oder Rechten umherschweifend oder auf mein Tablet gerichtet.

Die Kellner machen hier gerne Zwischenstation, nicht nur um ihre Bestellungen aufzugeben oder abzuholen, sondern auch um sich miteinander etwas auszutauschen, weil es dafür kaum andere Bereiche gibt. Dann schnappt man so manches mit auf, nicht weil ich es darauf anlege, sondern einfach, weil meine Ohren noch besser funktionieren als meine Augen.

Der dargereichte Espresso ist mir in der Standardzubereitung üblicherweise wieder zu schwach, aber davon habe ich schon mehrere Lieder gesungen. Es erfolgt das übliche Kellner-Gast Prozedere eines angeregten Austausches das zu optimieren, dann wird er auch sehr gut.


Meine Kaffeehaus Kulinarik

Ich konsumiere mit Vorliebe Zwischengerichte, wie ich das für das traditionelle Kaffeehaus als seine Stärke ansehe. In Summe sind diese sehr gut. Sehr angetan bin ich von den Sacherwürsteln, die man auch mit Gulaschsaft bestellen kann, der in einer kleinen Porzellan-Sauciere am Teller mitserviert wird.

Die Teller tragen wie auch die Kaffeehäferl je nach Cafe ihre eigene Namensaufschrift, hier also „Cafe Museum“. Recht speziell ist der Senf, grobkörnig, mir etwas weniger sympathisch, aber dafür ein hausgemachtes Senfragout, dazu frisch geriebener Kren, ein Essiggurkerl, als unbedingtes Muss noch eine Handsemmel und meine Wenigkeit kann man damit glücklich machen.

Das kleine Gulasch ist hin und wieder eine Prüfung, mal haut es hin, mal ist es schon überstrapaziert zu oft aufgewärmt. Man sagt ja, dass Gulasch aufgewärmt noch besser ist als frisch zubereitet. Das stimmt, hat aber klarweise auch seine Grenzen. So war es beim letzten Besuch und ich habe es auch urgiert.

Das Ganze war mehr ein Gatsch, indem man den Saft nicht mehr so ganz von den Wadschunken-Stückerln unterscheiden kann und es erhielt auch eine bittere Note. Dann rettet auch nicht das gute Ottakringer Original dazu oder die perfekte Handsemmel.

Ich habe diese Erfahrung nicht nur im Cafe Musuem gemacht, sondern kenne es auch vom Cafe Mozart, dem quasi Schwesternbetrieb. In der Hinsicht wird m.E. zu hoch gepokert. So habe ich mir nun vorgenommen das nicht mehr durchgehen zu lassen. Es war einfach einmal zuviel aufgewärmt. Dies schreibe ich nun nicht nur aus Laune, sondern auch aus Erfahrung.

Der Kellner nahm es mit Anstand zur Kenntnis, kommentierte, es sei schade, denn an sich sei man stolz auf die Gulaschtradition, wie es die Gäste auch loben. Er hat aber in der Küche nachgefragt und es wurde bestätigt, dass man es mit der Aufwärmerei übertrieben hatte.

Na also, das sagte ich ja, ich erhielt dafür das nachträglich bestellte Soda zum Kaffee gratis von ihm als Trostpflaster, meines hingegen konsumierte ich in Form einer kleinen Marille. 😉

Was die Gulaschsuppe anbelangt, so war sie bislang immer sehr gut, oder sagen wir so, ich kann über keine mir in Erinnerung geblieben andere Erfahrung berichten. Das haut hin.

Wie in allen Cafes diese Schlages muss ich das Frühstücksortiment über den grünen Klee loben. Ohne auf Einzelheiten einzugehen ist das eine der absoluten Stärken derjenigen Cafes, die ich aufgrund dessen nicht umsonst in meinem Guide „Traditionelle Kaffeehäuser“ aufliste.


Last but not least – my typical comments

Auch hier sei erwähnt, dass ich die Wr. Küche nicht als die wirkliche Stärke ansehe, sieht man vom Klassiker Schnitzel ab. Aber bitte, wer das nicht kann, würde es nicht verdienen, auch nur erwähnt zu werden.

Erneut erteile ich dem Kaiserschmarren eine Absage. Dazu werden von der Landtmann-Produktion vorgefertigte Pack’l angeliefert, was man sozusagen nur mehr noch ins Pfandl zum Aufwärmen schmeißen muss und fertig ist die Show. Das bedeutet nicht, dass er deswegen schlecht ist, nur halt nicht meins.

Ich sehe aber gerne zu wie an Nachbartischen immer wieder auch sehr kultivierte Damen ihn schmatzend und mit lobenden Worten begleitend genussvoll einnehmen. Sind es Touristen, dann schweige ich als Gentlemen und erhalte dafür auf diese Weise meine angeregte Kaffeehausunterhaltung.

Dafür wird wieder eine gute Apfel- oder Topfenstrudel Tradition gepflegt, yeah, that’s Vienna, my good guys, dafür verirren sich auch viele her, wiewohl ich davon nicht so oft Gebrauch mache. Nun, nach Bier und Gulasch geht das meist nicht mehr.

Der Service ist professionell, das Auftreten vieler Kellner auch mit einer guten Portion Wr. Schmäh gewürzt und das macht eine klare Sehr gut Note aus. So bin ich es in den Querfeld-Cafes gewohnt, es steht dies damit repräsentativ für alle anderen, subjektiv empfinde ich es hier noch um eine Grad besser, das ist mitunter auch der Grund, dass ich es deswegen bevorzuge.

Interessant ist, dass man hier 1/4l Soda nicht gratis dazu bekommt, wenn man ein Glas Wein bestellt, warum weiß ich nicht. Während das im Landtmann und Mozart Standard ist, werden hier 2€ verrechnet. Einen Grund konnte man dafür nicht angeben, ist eben so.

Die Preissituation habe ich nur angedeutet mit teuer, Querfeld eben, man kann sich diesbezüglich über die HP einen Überblick verschaffen und die aktuellen Karten (Frühstück, Speisen und Getränke) per PDF herunterladen.


Das Fazit

Ich überlege, was ich hier als ein Fazit sage: Wie üblich nörgle ich über den Meinl Kaffee, wiewohl ich eh keinen anderen mehr mag als diesen, ärgere mich immer wieder über ein hin und wieder verpatztes Gulasch, greife mir auf den Kopf für so manche Preise und muss jedem erklären, dass der Kaiserschmarren hier ein Schmarr‘n ist.

Und trotzdem komme ich immer wieder her und freue mich auch darauf. Warum das so ist? Nun, ich mag das Cafe Museum wie es ist und möchte kein anderes, oder anders ausgedrückt: Ich bin halt ein typischer Wiener mittlerweile schon älterer Prägung. Einen anderen Grund könnte ich nicht angeben. 😊Weniger anzeigen

Café Sperl

(2)
Gumpendorfer Straße 11, 1060 Wien
Café Sperl - Großer Mocca - trotz "kurz" keine wirkliche Cremabildung, mäßige Leistung ...Café Sperl - Hausgemachte Nockerln, die waren sehr gutCafé Sperl - Linker Flügel - der Hauptgastraum (bei Tageslicht)
In diesem Guide weil: Altfadrisch oder vielleicht gerade deswegen immer noch beliebt. Die Qualität ist leider durchwachsen.
SpeisenAmbienteService
30. Mär 2024
Das Café Sperl im Lichte der Zeit Das Café Sperl fristet mittlerweile ein in den Hintergrund gerücktes Dasein. Das kann man nicht bloß auf die w...MehrDas Café Sperl im Lichte der Zeit

Das Café Sperl fristet mittlerweile ein in den Hintergrund gerücktes Dasein. Das kann man nicht bloß auf die weniger frequentierte Lage in Gumpendorf zurückführen, wiewohl das auch mitspeilt. Dabei liegt es für mich zwischen Mariahilfer Straße und Naschmarkt nicht so schlecht, wo ich mich oft genug herumtreibe.

Als Kaffeehaus-Liebhaber überlege ich mir doch ins Café Ritter einzukehren, aber hin und wieder zieht es mich hierher, rein schon um der Nostalgie wegen. Dabei war es einst ein von Literaten hochfrequentiertes Café, aber Nostalgie allein erhält heute kein Lokal mehr am Leben.

Man wirbt mit der Gründungszeit seit anno 1880 und führt promiente Namen auf, die hier schon abgestiegen sind, nur wenn man davon hier nichts sieht, was hat man dann davon? Hin und wieder gibt es literarische Abende.

Beim letzten Mal war es sehr gut besucht. Das variiert, mal halbleer, mal regelrecht bummvoll. Das Ambiente ist jedenfalls anspruchsvoll, besonders die Stuckdecke, man fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt, wiewohl mich die abgewetzten Sitzpolster weniger beeindrucken. In Summe ist es dunkel und wirkt auf mich etwas mystisch, wenn das Tageslicht fehlt, das dämpft etwas meinen Wohlfühlfaktor.

Doch tatsächlich spielte man bei meinem letzten Besuch sogar Billard, für das auch geworben wird, und ich konnte regelmäßig den Klang aufeinanderprallender Kugeln hören. Das war allerdings das erste Mal nach Jahren, dass ich hier jemand spielen habe sehen, allerdings kehre ich, wie ich schon sagte, nicht allzu oft ein.

Ein Anziehungspunkt ist sicher der kleine Gastgarten vor dem Lokal für die schönere Jahreszeit, der dank unserer Wiener Stadtgärtner rundum ein animiertes Pflanzenbild erzeugt. Das ist vielleicht weniger der Verdienst des Sperls, wohl aber gebührt hier mein Dank den Mitarbeitern der MA42.

Dennoch sieht man mich nicht oft hier. Warum? Der Hauptgrund liegt weit weniger am Ambiente, sondern an einer etwas unterdurchschnittlichen Kulinarik. Ich kann mich der letzten Rezension anschließen, würde aber mein Urteil nicht so hart ausfallen lassen.


Sperl Kulinarik

Red‘ ma ein paar Takte über Speis und Trank. Kaffeelieferant ist klassisch Meinl, zu einem angemessenen Preis von 4,90€ für den großen Mocca. Hier unterstützt mich die Karte, dass man ihn auf Wunsch auch „kurz“ anbietet und man versteht diese Ansprache somit auch ohne viel Erklärung.

Der letzte war dennoch nicht stark genug, tja das ewige Werk der Barista halt, mein altes persönliches Leid, das ich rundum in Wien beklage. Da wünscht man sich hin und wieder italienische Kultur in Wien.

Man frühstück recht gut, aufregend sind die Angebote nicht, aber der für mich in Wien gültige Standard wird zufriedenstellend erfüllt.

Leider pflegt man hier keine Gulaschtradition, ein echter Minuspunkt meinerseits, der einen wichtigen Bestandteil für mein Besuchsverhalten darstellt, auch die Gulaschsuppe gibt es nicht. Das ist, soweit ich mich entsinne, das einzige Kaffeehaus, welches nichts dergleichen im Programm hat, warum, weiß ich nicht.

Aber es gibt klarerweise noch andere kleinere Speisen, wobei die letzten Schinkenfleckerl nicht frisch waren. Damit komme ich zu dem Punkt, der mir hier schon öfter aufgefallen ist. Man hält es da nicht so genau mit der Qualität. So mein Eindruck.

Dafür hatte ich bei Nockerln nach Art des Hauses Glück. Man mengt dazu etwas angerösteten Speck, das erzeugt einen guten Umami-Kick. Die Nockerl waren saftig, frisch und schmeckten ausgezeichnet. Der Beilagen-Salat war leider eine Mindermenge im Verhältnis zur Portion der Nockerln.

Das war letztes Mal wieder anders, also was ich damit sagen will ist, dass es mal passt und mal gibt es eben den einen oder anderen Mangel. Das waren lediglich zwei Erfahrungen, die aber repräsentativ für meine Besuche waren. Ich muss hier ein Auge zudrücken, wenn ich in Summe Speis und Trank mit gut bewerte, weil ich dabei vorwiegend das Frühstücksangebot im Auge habe.


Service und Wertung

Der Service ist durchwachsen, die Keller machen sicher ihren Job brav und anständig, dagegen kann ich nichts sagen, die sog. individuelle Note finde ich allerdings nicht vor. Bei mehreren Frühstückszeiten war die Bedienung aber definitiv nachlässig,

Die Laschheit nervte zeitweise. Vielleicht war das die Chefin selbst, das müsste ich nachforschen, aber mir liegt nichts daran, Steine zu werfen. Schließlich ist es ihr Lokal. Dabei war oft gar nicht so viel los, und dennoch fühlte man sich etwas verlassen.

Wie ich sagte liegt es nicht am Ambiente, aber die gesamte Lokalführung lässt mich hin und wieder etwas ratlos zurück.

Also es gibt schöne Tage, da fröne ich meiner Leidenschaft im Freien zu sitzen, konsumiere vielleicht nur einen Espresso, ein Glas Weißwein oder ein simples Campari-Soda und meine Seele durchlebt die heile Welt und es gibt Tage, da muss ich etwas den Kopf schütteln.

Wiewohl ich das Café Sperl eindeutig zu den traditionellen Kaffeehäusern unserer Stadt zähle und es mir leid täte würde es von der Bildfläche verschwinden, wie es anderen leidvoll schon ergangen ist, so hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Wie ich eingangs bereits sagte kann man von Tradition und Nostalgie alleine nicht leben, man muss auch investieren oder neue Akzente setzen, will man, dass es eine Zukunft hat.

Und Hand auf Herz, ein Wiener Kaffeehaus, das auf Tradition setzt, auch etwas von sich hält und kein kleines Gulasch hat, jo heast, wo samma bitte! Das geht in meinen Augen nicht.Weniger anzeigen

Café Wortner

(1)
Wiedner Hauptstraße 55, 1040 Wien
In diesem Guide weil: Ich bin froh. dass es es auch außerhalb der City noch das eine oder andere Cafe gibt, zu dem ich Kaffeehaus sage. Netter Vorgarten.

Cafe Goldegg

(1)
Argentinierstraße 49, 1040 Wien
In diesem Guide weil: Vielen unbekannt, ich selbst war auch schon lange nicht mehr dort, aber sehr traditionell.

Café Eiles

(1)
Josefstädterstraße 2, 1080 Wien
In diesem Guide weil: Es war schon mal besser, aber gut, dass es uns erhalten geblieben ist.

Cafe Zartl

(1)
Rasumofskygasse 7, 1030 Wien
In diesem Guide weil: Ein kleiner Lichtblick im Bezirk Landstraße.

Cafe Schopenhauer

Staudgasse 1, 1180 Wien
In diesem Guide weil: Weil ich sonst keines in der Gegend kenne.

Cafe-Restaurant Weimar

Währinger Straße 68, 1090 Wien
In diesem Guide weil: In der Studentengegend, dennoch eine Rarität.

Café Mozart

(1)
Albertinaplatz 2, 1010 Wien
In diesem Guide weil: Café der Familie Querfeld. Teuer, aber auch gut.

Café Landtmann

Dr. Karl Lueger-Ring 4, 1010 Wien
In diesem Guide weil: Detto wir Mozart.

Café Sacher Wien

Philharmonikerstraße 4, 1010 Wien
Café Sacher - Sacherwürstel mit Saft - schlechter ging der Saft wohl nicht mehr, dünn wie Wasser ...Café Sacher - der rechte Salon - Fürstliches Ambiente
In diesem Guide weil: Nicht meine erste Wahl, aber aus historischer Perspektive in diesem Guide.

Kommentare

9 Kommentare·Zeige alle Kommentare
ChristianD3

Den Dommayer kenne ich sehr gut - gehört ja zum Oberlaa-Konditorei-Imperium deren Qualität ich sehr schätze… (ich könnte für d. Trüffeltorte & die Schokomoussetorte sterben) Top-Location - aber für mich eben kein typisches Wiener Kaffeehaus auch wenn der Innenbereich und die Fassade architektonisch ein solches „vorgaukelt“. Für mich Kategorie „Konditorei“. Meine bescheidene subjektive Meinung… Landmann: ich liebe die dort kreierte „Maroniblüte“ - natürlich wieder Geschmacksache ;-) M12: sind wir froh, dass wir nun wieder die „Touris“ in der Stadt haben - ohne diese würden einige renommierte Kaffeehäuser bald dicht machen müssen.

6. Feb 2023, 12:59Gefällt mir2
WrKFan

Steht nicht umsonst an erster Stelle. Café Korb hatte ich überlegt. Ich müsste es wieder besuchen um mir ein aktuelles Bild zu machen. Aber gegenwärtig sind schon 26 in der Liste. Eine zu lange Liste möchte ich auch wieder nicht.

6. Feb 2023, 09:11Gefällt mir
Meidlinger12

Den Dommayer habe ich in sehr angenehmer Erinnerung. Der ist mir lieber als die meisten Innenstadt Kaffeehäuser. Was ist eigentlich mit dem Korb?

6. Feb 2023, 08:41Gefällt mir1
Konto erstellen
Schon Mitglied?
Indem Sie fortfahren, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung einverstanden.
E-Mail
Benutzernameautomatisch
Passwortautomatisch
Indem Sie fortfahren, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung einverstanden.