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So, 2. Oktober 2022
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Cafe Frauenhuber

1 Bewertung
Himmelpfortgasse 6, 1010 Wien
Küche: Österreichische Küche, Wiener Küche
Lokaltyp: Café, Restaurant
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Cafe Frauenhuber - Menü Kaffee & Co - meine Vorliebe - Cafe Frauenhuber - WienCafe Frauenhuber - Gulaschsuppe - tadellos - Cafe Frauenhuber - WienCafe Frauenhuber - Apfelstrudel - überzeugte nicht wirklich - Cafe Frauenhuber - Wien
Cafe Frauenhuber - Teil des vorderen Gastraumes - Cafe Frauenhuber - WienCafe Frauenhuber - Hinterer Gastraum- gut zum Studieren geeigent - Cafe Frauenhuber - WienCafe Frauenhuber - Schanigarten im derzeitigen Look - Cafe Frauenhuber - Wien7 Fotos

Bewertungen (1)

Gesamtwertung

40
1 Bewertung
Speisen
40
Ambiente
40
Service
40
am 20. September 2022|Update 22. Sep 2022
WrKFan
Level 10
SpeisenAmbienteService
Jugenderinnerungen Ich besuche das traditionsträchtige Café Frauenhuber schon seit geraumer Zeit, die bis in meine Schulzeit hineinreicht. Immer wieder leben damit schöne Jugenderinnerungen auf. Nach anno dazumal regelmäßigen Tanzschulbesuchen beim alten, ehrwürdigen Elmayer fand man sich hier... MehrJugenderinnerungen

Ich besuche das traditionsträchtige Café Frauenhuber schon seit geraumer Zeit, die bis in meine Schulzeit hineinreicht. Immer wieder leben damit schöne Jugenderinnerungen auf. Nach anno dazumal regelmäßigen Tanzschulbesuchen beim alten, ehrwürdigen Elmayer fand man sich hier ein und so wurde es für einige Zeit unser erstes Stammkaffee.

Hier geschah es, dass wir so manch junge Mädels der gehobenen Schicht nach der Perfektion gerne ausgeführt haben um auf sie Eindruck zu schinden, z.B. dass ich es mir als 19-jähriger Jungherr leisten kann eine hübsche Jungdame einzuladen, während die meisten dieser Gymnasiastinnen trotz ihrer begüterten Elternhäuser noch nicht über nötiges eigenes Portemonnaie verfügten.

Hier geschah es, dass ich zum ersten Mal Bier getrunken hatte. Zuvor verweigerte ich noch Alkohol. Der Grund war der, ein Obi g’spritzt auf einen Halben kostete die für uns noch Unsumme von 40 Schilling, das Krügerl dagegen 30. Für uns Jugendliche war das damals noch ein Haufen Geld, bloß um den Durst nach wilder Tanzleistung zu löschen. Mit der Zeit begann es auch zu schmecken.

Und in solchen Kaffees wie diesem wurde eine neue Leidenschaft geweckt, der gute kräftige Kaffee, den ich früher noch als Großen Braunen genossen habe, bis ich mich durchgerungen habe, mich der dunkelbraunen Bohne als Espresso ganz in schwarz hinzugeben.

Oft saß ich auch allein da, studierte die Tageszeitung oder mitgebrachte Literatur, das heute dem iPad gewichen ist und dachte über so manches in meinem Leben nach.

Ich liebte und liebe weiterhin die Atmosphäre der roten stoffbezogenen Sitzgarnituren, der Marmortische, des Parkettbodens, all das innerhalb ehrwürdiger Mauern, wie auch das Auftreten der Kellner im schwarzen Anzug entweder als echter Sir oder auch als nörgelnder Grantscherb’n, kurz und gut das Flair eines klassischen Wiener Kaffeehauses.

Wenn ich ein solches Kaffeehaus sogenannten ReTe-Bewertungsregeln unterziehen soll, weiß ich eigentlich nicht, wie ich das rechter Dinge angehen soll. Aber mir fallen dazu heute fürs erste doch gleich drei Kriterien ein: Erstens der Kaffee, zweitens der Kaffee und drittens der Kaffee, gefolgt dann von allem anderen. 😉

Kaffeehäuser beurteile ich, auch das sagte ich schon, jedenfalls nicht nach Hauptspeisen. Man kann klarerweise z.B. auch einen ZRB konsumieren, nur würde dann die Wertung rapide sinken und das will ich nicht. Ein Kaffeehaus hat für mich andere Qualitäten, die ich hier etwas präsentieren möchte.

Was aber grundsätzlich immer geht ist ein gutes Frühstück in vielen Variationen oder das klassische Wiener Schnitzel. Nun, solches beherrscht man in Wien und sei daher Pflicht. Hier aber, wie der Speiskarte zu entnehmen ist, das Schnitzerl nicht vom Kalb, dafür günstiger um 15,90€.

Was mir noch fehlt ist eine Kaiserschmarren-Erfahrung jüngeren Datums, alles halt zu seiner Zeit, die muss noch kommen. Immer wieder wird damit in Kaffeehäusern geworben, wie auch hier, aber nur selten auch eingehalten.

Etlichen ahnungslosen Touristen kannst du vieles unterjubeln, und sie sind, wie ich immer wieder feststelle, hochzufrieden, was bei mir weniger funktioniert, weil ich auf hausgemachte Zubereitung stehe. Ein entsprechender Test würde mich dann aktuell 10,50€ kosten.

Ich war nun doch schon längere Zeit nicht mehr anwesend, aber vom letzten Besuch liefere ich auch ein paar kulinarische Eindrücke mit. Das Ambiente hat sich bis heute nicht geändert. Es wurden die Polsterbezüge nach einiger Zeit wieder erneuert, sie sehen recht frisch aus. Aber es sieht alles gefühlt immer noch aus wie vor 40 Jahren. Die Zeit vergeht und dennoch scheint sie hier wie stehengeblieben zu sein.


Kaffee & Co – das schwarze Menü

Meine Leidenschaft für guten und kräftigen Kaffee dürfte schon hinreichend dokumentiert worden sein. Man versteht sich hier auf Kaffeekultur, wie ich sie schon für das Cafe Dommayer skizziert habe. Es ist sozusagen „die“ Kaffeekultur, wie sich das für ein anständiges Kaffeehaus gehört, das diesen Namen tragen will. Der Lieferant für das schwarze Gold ist wieder einmal unser Herr Julius Meinl.

Der Preis hat mittlerweile angezogen, Espresso groß kommt auf 5,40€ - tja, Innenstadtlevel - dabei befindet sich der Preislevel auf Rang 5 im 1. Hieb soweit mir bisher bekannt und gehört damit sogar noch zu den günstigeren. Es geht da also noch mehr wie viele andere Kaffeehäuser unter Beweis stellen.

Man wagt das kaum mehr in den alten Schilling umzurechnen und tut es am besten erst gar nicht (es wären 75 ÖS (!), und müsste sich auf den Kopf greifen trotz mit kalkulierter Inflation), aber hochwertiger Kaffee war noch nie ein Billiggetränk.

Der gastronomische Aufschlag von bis zu 1:12 ist mir bekannt, allerdings lebt nun mal das Kaffeehaus davon und aus der Perspektive verstehe ich es wieder. Es würde bedeuten, es gäbe ansonsten diese Art Kaffeehäuser gar nicht, jo heast, wo kämen wir denn da hin? Und so ergibt alles wieder seinen Sinn und Traditionen dürfen gelebt und auch geliebt werden.

Kaffee kann bei mir übrigens Vorspeise, Hauptspeise oder auch Nachspeise sein, je nachdem wann und zu welchem Zweck ich einen Besuch arrangiere. Als Hauptspeise brauche ich lediglich noch entsprechende Beilagen, weiter nichts. Was verstehe ich darunter?

Zum Beispiel begleite ich meine Kaffeetscherl gerne mit einem Tupf Schlagobers um wohlfeile 70 Cent Aufpreis. Zuerst wird er schwarz wie die Nacht erprobt, um mir den noblen Arabica-Duft nicht vorzuenthalten, aber ich mag auch das pharisäische Element, zumindest beim Kaffee, sonst natürlich nicht.

Ein Hauch geschlagenes Obershäubchen „on top“ um es neogermanisch auszudrücken, und darunter immer noch die Kraft der schwarzen Bohne, göttlich. Damit ich es selbst dosieren kann, verlange ich den Tupf extra, ansonsten käme kein Tupf, sondern eine Übermenge als grober Gupf obendrauf und dann wäre es ein echter Pharisäer, Kaffee total falsch sozusagen.

Nicht selten dürfen sich weitere Begleiter hinzugesellen, ein simples Soda, leicht nachgebessert mit einer Scheibe Zitrone, das fast immer oder auch geschmacksreicheres Edleres dient dazu das Menü zu vervollständigen.

Dazu wurde mir zuletzt vom alteingesessenen Herrn Ober eine Vogelbeere empfohlen, die 1A war, kein aufdringlicher Mandelduft, sondern Natur pur, Herkunft Waldviertel. Näheres wusste der Kellner auch nicht, oder eine Gölles Marille, die man mir nicht weiter erklären muss, beide zum jeweiligen Preis von 5,90€ und so genieße ich das gerne.


Speisen & Co – das süße Element

Wenn ich im Kaffeehaus tatsächlich esse, dann ist es meist ein sogenanntes Zwischengericht, wie ein kleines Gulasch, Sacherwürstel mit Senf und Kren, Würstel mit Saft oder dieses Mal eine Gulaschsuppe um recht stolze 7,90€, die ihrem Preis aber Ehre bereitet hatte, wie ich sie zu Hause nicht besser hinbringen könnte.

Mitverkocht klein geschnittene Erdäpfel, reichlich lang geschmorte Wadschunkenstückerl in der klassen Aromanote paprizierter Zwiebelsauce rötlicher Farbe, das war eine kulinarische Punktlandung, ja so haut das hin.

Dazu ein Handsemmerl, um genüsslich einzutauchen oder um am Ende die letzten Reste aufzusaugen, der Nord-Piefke-Wien-Besucher würde dazu sagen: „Lecker, lecker“, ich bevorzuge lieber den Bayern mit: „Jawoi, sauguat“. 😊

Es dürfen gewisse Süßspeisen auch nicht zu kurz kommen und ich bestellte noch einen Apfelstrudel. Aber, au weia, ich erhielt einen zwar absolut frischen, allerdings frisch aus der Vitrine, das gute Stück litt noch unter Kälteschock, aber ok, ich bin hier halt nicht beim Dommayer. Kühlvitrinen sind Standard in vielen Kaffeehäusern.

Allerdings war der Herr Ober so freundlich und stellte ihn mir für ca. 30 Sekunden in die Mikrowelle und dann wurde es erträglicher. Diesen potscherten Servicefehler hätte aber m.E. der Ober selbst korrigieren können. Er war aber einsichtig, und so blieben wir Freunde.

Es fehlte aber weiterhin der erwartete Omama-Effekt, nun was ist das? Damit verbinde ich den zärtlichen Gruß angerösteter Brösel oder einer sanften Walnussnote, die ein Rundum-Lächeln über das ganze Gesicht hervorzaubern würde, wie es aus Omamas Werkstätte ermöglicht worden wäre. Das ging so nur schwer.

Etwas Zimt spürte man, aber ansonsten war es eher ein zerteilter und verkochter Apfel im müden Schlafrock, womit ich meine Stimmung zum Ausdruck bringen möchte, mäßig also, teuer war er wenigstens nicht – kostet hier läppische 4,60€.

Am Nebentisch erspähte ich zwei deutsche Touristinnen, von der sich die mir mit Blick zugewandte eine Sacher gönnte. Die Optik sagte mir, hm, Original ist auch anders, aber dem Gast hatte es gemundet. Gesprächig war die Dame zwar nicht, aber ich entlockte ihr zumindest das „Gut“. Nun, dann will ich’s ihr auch glauben, für mich wäre es eher eine helle Schokotorte. Sicher auch gut, wem’s so schmeckt, aber Sacher ist Sacher.


Abschließende Herzensworte

Die übliche Nörglerei, geschuldet meiner Wiener Seele, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich mich trotz allem pudelwohl fühle. Ich würde ja sonst ein Stück Wien missen. So könnte ich mit weiteren Geschichten aus früheren Besuchen aufwarten, aber wie ich es unlängst aktuell erlebt habe, hat sich nicht viel geändert.

Der eine Ober werkt hier schon sage und schreibe 18 Jahre, der andere noch länger. ich kenne sie beide, sie mich dafür nicht, oder nicht mehr, weil mein letzter Besuch davor nun doch schon länger zurück liegt. Tja Corona machte so vieles möglich bzw. eben unmöglich, aber zunichte deswegen noch lange nicht.

Es gibt vor dem Lokal in der Himmelpfortgasse einen Schanigarten, und da er noch im Bereich der Fußgängerzone liegt, kann man dort recht ruhig sitzen. Meine Vorliebe gilt aber dem Inneren. Bevorzugt besuche ich das Frauenhuber daher in der kühlen Jahreszeit oder wie zuletzt bei Schlechtwetter.

Zusammenfassend betone ich nochmals, ein Kaffeehaus dieser Kategorie kann man nicht wirklich nach ReTe-Kriterien bewerten, da eine solche Institution wie das Frauenhuber ein Stück Kulturgeschichte ist. Es gilt laut HP sogar als das älteste Kaffee Wiens. Nun, dann will ich das wiederum so glauben und nehme am Stolz seiner Geschichtsschreibung entsprechend Anteil.

Meine Leidenschaft für diese traditionsreichen Lokale ist bis heute ungebrochen und so mache ich mir die Sache einfach und sage, es ist rundum alles sehr gut trotz gewisser kulinarischer Patzer. In diesem Kaffee pulsiert, wie ich eingangs erwähnt habe, immer ein Stück Herzblut schöner Jugenderinnerungen in meinen Adern, weshalb es für mich eine besondere Adresse bleiben wird.

Ginge es nach mir, würde ich das in Form von vielen Bildern im Lokal aufhängen, nur bin ich halt kein Promi, dem zu Ehren man dies gerne zugestehen würde, aber so trägt man diese Bilder unauslöschlich in seinem Herzen und freut sich dafür auf ein sinnliches Wiedersehen. 😊
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