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Gasthof Zum Goldenen Anker - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 20. Juni 2012
Experte
uc0gr
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3Speisen
5Ambiente
4Service
33 Fotos1 Check-In

So manches Wochenende habe ich in meiner Jugend in dem wunderschönen historischen Städtchen Hainburg an der Donau verbracht. Nun trieb mich das Mittelalterfest wieder einmal hierher. Bereits im Vorhinein war mir klar, dass ich unbedingt hier, nämlich im „Zum goldenen Anker“ einkehren werde. Auch Nichtkenner von Hainburg werden dieses Lokal problemlos finden, denn es ist bereits ab dem Stadtzentrum bestens per Wegweiser angeschrieben, und gleich hinter dem Ungartor, aus Wien kommend, fährt man nach links in Richtung der Donau – nicht zu verfehlen.

Wunderschön gelegen am Ende der Blutgasse, direkt an der alten historischen Stadtmauer, direkt am Ufer der Donau, so präsentiert sich das Lokal. Ein Gastgraten direkt am Wasser, der ruhig und natürlich etwas von Urlaubsfeeling hat – direkter Blick in den Nationalpark Donau-Auen inkludiert. Der Service muss hier über die Strasse servieren, durch einen großen Torbogen durch die Stadtmauer in Richtung Donau-Ufer. Ich entschied mich aber für den meiner Meinung nach extrem tollen Innenhofgastgarten. Wunderschöne alte Weinreben bilden eine Pergola, die Tische adrett eingedeckt, eine Art Gartenlaube – einfach ein Traum. Aber auch das Lokal hat so Einiges zu bieten: historische Elemente (der Gasthof wurde ja bereits 1655 erstmalig erwähnt), Gewölbe noch aus dem Mittelalter, ein gemütliches Kellerstüberl, der lila Salon, der sich als Wintergarten präsentiert, gemütliche Nischen und Plätzchen für jeglichen Anlass und natürlich eine mehr als imposante Vinothek, wo auch immer wieder Veranstaltungen, zum Beispiel Weinwochenenden, stattfinden. Alleine die Weinkarte des Restaurants ist eigentlich ein Buch. Dass alles Tip-Top gepflegt ist, muss nicht extra erwähnt werden. Hier wurde auch alles mit spürbarer Liebe zum Detail und merkbarem Feingefühl eingerichtet. Über dem Lokaleingang schwebt er dann, der „goldene Anker“.

Ich wurde vom Service äußerst nett und freundlich in Empfang genommen und direkt zum frisch eingedeckten Tisch meiner Wahl geführt. Ich war gedanklich völlig auf Fisch eingestellt insbesondere auf ein Zandergericht - alles Weitere würde sich schon ergeben. Die äußerst dünne und spärliche Speisekarte (genau zwei A4-Seiten) enthielt zu meiner Verblüffung lediglich zwei Fischgerichte und das direkt an der Donau. Den gebratenen Karpfen muss ich persönlich nicht unbedingt haben, und die gebratene Forelle kann ich jederzeit wo anders essen – schade, das würde man beim besten Willen nicht erwarten. Ich werde auch aus diesem Grund, sowie für die sehr spartanische Speisekarte generell, einen Abzug bei der Bewertung der Speisen berücksichtigen.

Ein Couvert in Höhe von EUR 2,00 ist beim „Zum goldenen Anker“ obligat, hierfür erhält man dann noch vorab einen Brotkorb mit drei Sorten Brot (Schwarz- & Kornbrot sowie Ciabatta) und zweierlei Butter (normale Butter sowie Kräuter-Knoblauchbutter).

Zunächst bestellte ich ein Seidel Zwettler vom Fass (EUR 2,90), das völlig in Ordnung war – kühl und gut gezapft, aber eben auch nicht mehr.

Vorspeise: „Carpaccio mit marinierten Steinpilzen, Parmesan“ (EUR 9,90) – das Rind, ein Bio-Jungrind, von äußerst guter Qualität und sehr schmackhaft, die marinierten Steinpilze ebenfalls ausgezeichnet, leider jedoch war man mit der Anzahl der Pilze etwas geizig. Mariniert wurde mit einer gut gelungenen, hausgemachten Senf-Mayonnaise. Es wäre eine sehr tolle Vorspeise gewesen, wenn nur nicht der Griff in das Meersalztöpfchen so großzügig gewesen wäre, der aber sowieso recht redundant war. Sowohl die würzige Senf-Mayonnaise und besonders der gute, reife Parmesan hätten dem Salzgehalt genügt. Die Pfeffermühle musste ich separat ordern, das sollte nicht passieren. In Summe aber ein wirklich guter, zufrieden machender Gang, wenn auch etwas überwürzt. Weniger zufriedenstellend waren jedoch die deutlich hörbaren Diskussionen der Küche mit dem Service, der lediglich meine Botschaft, das Carpaccio wäre etwas versalzen gewesen, überbrachte. Nicht nur, dass der Service weder den Gang zubereitet noch gegessen hatte, ist es sehr entbehrlich, mit dem Service lautstark darüber zu diskutieren - für den Gast jedes Wort mithörend. Meiner Einladung, sich mit mir persönlich darüber zu unterhalten, wollte allerdings niemand aus der Küche folgen.

Hauptspeise: „Spargel gebacken mit Sauce Tartare“ (EUR 8,90) – ein wunderbar intensiv schmeckender Spargel vom Bio-Hof Markus Brandenstein (Link), sehr knusprig paniert und gebacken, fast fettfrei auf den Teller gebracht. Die hausgemachte Sauce Tartare dazu war fein abgeschmeckt und nicht „zu Tode gehackt“, es waren noch ausreichend Stückchen vorhanden. Ein sehr feiner und wirklich guter Gang - das Besteck wurde leider zunächst vergessen und vom Service nicht bemerkt.

Zur Hauptspeise ließ ich mir vom sehr kompetenten und überaus zuvorkommenden Kellner eine Empfehlung geben. Ich wollte einen eher etwas lieblichen, fruchtigen und vor allem aus dieser Region (“Römerweinstrasse Carnuntum”) stammenden Weißwein. Serviert wurde mir ein absolut toller Muskateller vom Weingut Pitnauer (Link) der intensiv nach Trauben schmeckte, sehr angenehm frisch und trotz blumigem Aroma nicht zu süß war. Eine sehr gelungene, tadellose Empfehlung vom Service, die mich völlig zufriedenstellte und wunderbar mit dem Spargel harmonierte – EUR 3,40 für 1/8L.

Ein ausgezeichneter doppelter Espresso (EUR 3,10) rundete ein gelungenes Mahl ab. Kleinigkeiten waren es schlussendlich, dass ich hier kein SEHR GUT für die Speisen geben kann, aber das GUT ist ein sehr ehrliches und sehr gutes.

Für das sehr schöne und tadellos gepflegte Ambiente gebe ich gerne in diesem Rahmen und auf diesem Niveau ein AUSGEZEICHNET, was sollte man hier schöner gestalten? Natürlich ist man mit dieser Lage und diesem Gebäude gesegnet, man muss aber auch etwas daraus machen. Und das ist hier tatsächlich sehr gelungen – sehr hoher Wohlfühlfaktor. Dass bei den Sanitäranlagen ebenfalls alles Tip-Top war, müsste gar nicht extra erwähnt werden.

Der Service aus aller Herren Länder (Slowakei, Polen,…) ist durch die Bank sehr höflich, freundlich und angenehm zuvorkommend. Jeder beherrscht die deutsche Sprache perfekt, sodass Verständigungsprobleme ausgeschlossen sind. Manche Dinge wurden leider, wie beschrieben, vergessen, aber in Summe gebe ich ein SEHR GUT.

Fazit: Hainburg ist sowieso immer eine Reise wert, sei es mit dem Auto, dem Schiff oder auch per Fahrrad. Der Besuch dieses Lokals wird ebenfalls wärmstens von mir empfohlen, wenngleich die Auswahl der Speisen hier leider gering ist und Fischgerichte de facto nicht vorhanden sind. Die Bio-Jungrinder kommen vom eigenen Bauernhof mit Hausschlachtung (stressarme Schlachtung), und man merkt sowohl bei den Speisen als auch bei den Getränken die enge Zusammenarbeit mit den heimischen Bauern & Winzern. Die Preise sind völlig angemessen und stimmig. Auch Gästezimmer werden zu sehr moderaten Preisen angeboten (EUR 36,00 – 50,00 inkl. Frühstücksbuffet). Eine echte Empfehlung mit ruhigem Gewissen.

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Kommentare (9)

am 22. Juni 2012 um 09:38

@DagmarS:

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Die Redundanz bezeichnt eben auch den Überfluss, das Übermaß bzw. überflüssig oder unnötig zu sein,...

Ob versalzen oder nicht, geht aus meinem Bericht sowieso mehr als deutlich hervor.

LG Gerry

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am 22. Juni 2012 um 09:21

"wenn nur nicht der Griff in das Meersalztöpfchen so großzügig gewesen wäre, der aber sowieso recht redundant war."
Was meinen Sie mit "deraber sowieso recht redundant war"?
"Redundanz" von dem lateinischen Substantiv redundantia (deutsch: die Überfülle), das seinerseits auf das lateinische Verb redundare (zusammengesetzt aus dem lateinischen Präfix re- → la bzw. red- → la (vor Vokalen), deutsch: wieder, wiederholt und dem lateinischen Substantiv unda, deutsch: die Welle, die Woge) in der Bedeutung „im Überfluss vorhanden sein“ zurückgeht.
Also, was meinen Sie mit "sowieso recht redundant"? (Meine Kritik bezog sich nicht auf das Meersalz, sondern auf die Verwendung dieses Fremdworts.) Versalzen (mit Meersalz) oder nicht - das ist hier die Frage!

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am 21. Juni 2012 um 17:26

@Antoinette: schauen Sie einfach einmal in Ihre PMs, vielleicht verstehen Sie es dann. Ich habe es Ihnen bereits vor Stunden hier persönlich und abseits der Öffentlichkeit versucht zu erklären. Aber Sie wollen es halt gerne hier öffentlich breittreten - gut, ist ja Ihr Recht. Aber damit ist das Thema für mich erledigt.

@Forum:
"Wie wäre es denn, endlich einmal ein Bier in einem gediegenen Glas, abseits der 08/15-Brauereigläser zu präsentieren?

Wie wäre es denn, endlich einmal ein Bierangebot, jenseits der 08/15-Biersorten (Zwettler, Zipfer & Co) zu präsentieren?

Genau das war gemeint und in gediegenem Ambiente wäre es eigentlich auch zu erwarten gewesen."

Das war meine persönliche Info an Antoinette.

@DagmarS: auch Ihre "Bissigkeit" vestehe ich nicht ganz.
1. Es ist essentiell und von informativer Wichtigkeit, ob Meersalz oder normales Kristallsalz verwendet wird.

2. "Ich nehme an, Sie meinen, dass die meisten Speisen versalzen waren?"

Wo haben Sie das gelesen? In meinem Bericht stand nichts davon.

3. "...manchmal ist einfach weniger mehr - und man muss nicht um jeden Preis alles bis zum ..... auswalzen!"

Mit Verlaub, wie und vor allem wie formuliert ich in einem freien Forum schreibe, diese Freiheit nehme ich mir schon heraus. Danke!

Mit lieben Grüßen und einen schönen Tag noch wünschend!

Gerry

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am 21. Juni 2012 um 15:29

Antoinette: na komm.... was hätte sein können? Süffig, geht runter wie Öl, eher fad, lätschert, zu viel CO2, ich hatte sogar schon verdorbenes Bier mit eigenartigen Flocken drin ... da gibt's also sehr wohl Unterschiede. Wie ich schon sagte: Bier ist nicht gleich Bier. Ich für mich erinenere mich gut an das Bier vom Schweizerhaus. Das mit irgendeinem anderen Bier zu vergleichen (göb unten, Foam oben) wäre zu einfach ;-)

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am 21. Juni 2012 um 14:50

Antoinette & amarone1977: vielleicht das Bier selbst? Wär's kein Zwettler vom Fass, sondern ein anderes Bier, stünde hier: "kühl, gut gezapft und geschmacklich eine Offenbarung"?

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Antoinette am 21. Juni 2012 um 14:47

Sorry, amoarone- verstehe ich noch immer nicht: Gut es war nichts Negatives beim Bier- aber was hätte denn besonders sein sollen: wenn´s ein Restl gewesen wäre hättest du es geschrieben, wenn zuviel oder zuwenig CO2 auch- aber was hätte den besonderes sein sollen?
Antoinette

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Antoinette
Kein Tester
am 21. Juni 2012 um 14:21

Antoinette: Bier ist nicht gleich Bier. Ich durfte mir mal eine gute Schankanlage ausborgen und bekam die Sache mit dem CO2 gut erklärt und vorzüglich eingestellt. Das kann den Unterschied machen - wie auch selten bestelltes Bier, das lange als "Restl" im Fass war - uäääh...
Und dann wär da noch die Sache mit dem Stickstoff.
Man kann also nicht nur beim Wein was falsch oder richtig machen, das gilt auch für das Bier.

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315
75
am 21. Juni 2012 um 11:13

Lieber Gerry,
super Bericht!!! Der gebackene Spargel sieht auch auf dem Foto wirklich verlockend aus!!!
GlG,
Sabrina

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29
16
am 21. Juni 2012 um 10:44

....wenn nur nicht der Griff in das Meersalztöpfchen so großzügig gewesen wäre, der aber sowieso recht redundant war.
Ich nehme an, Sie meinen, dass die meisten Speisen versalzen waren?...manchmal ist einfach weniger mehr - und man muss nicht um jeden Preis alles bis zum ..... auswalzen!

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Gasthof Zum Goldenen Anker
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