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Orient-Palast - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 15. April 2012
Experte
uc0gr
215
47
28
3Speisen
2Ambiente
2Service
29 Fotos3 Check-Ins

Das China Restaurant Orient Palast gibt es in Favoriten wohl schon „ewig“. Bereits als ich als Stöpsel beim FavAC mit dem Fußballspielen begann, gab es dieses Restaurant. Und das war in den sehr frühen 70-ern. Immer schon wollte ich es einmal ausprobieren, und nun war es eben so weit.

Bereits beim Eintreten merkt man, dass dieses Lokal tatsächlich schon ewig besteht, denn es ist auch in dieser Zeit stecken geblieben. Viel dunkles Holz, alles vertäfelt, eine für früher typische Kassettendecke aus dunklem, schwerem Holz, eine massive Holzschank, Ornamente da und dort…

Und noch etwas fällt einem auf, man betritt das Lokal zwar im Nichtraucherbereich, aber es hängt überall der intensive Küchendunst und Nikotingeruch, der sich offensichtlich durch die Jahre hinweg tief in das Interieur hineingefressen hat. Rechts vom Eingang schläft eines der Kinder der Gastwirte auf einer Gastbank, und links davon macht ein weiteres Kind der Gastgeber die Hausaufgaben. Unbewusst gingen wir in den Nichtraucherbereich, wobei das vom Duft her völlig egal war – wir waren auch über die ganze Zeit unseres Besuches die einzigen Gäste dort. Ebenfalls bemerkte man, dass in diesem Lokal, natürlich in seiner besten Zeit, wohl einmal sehr viele Gäste waren, denn es gibt ein wahrlich großzügiges Platzangebot für zahlreiche Gäste.

Wir wurden nicht wirklich herzlich empfangen von der Chefin aber auch nicht unfreundlich, eher erstaunt oder unerwartet, was sich im Laufe des Abends als durchaus nicht unrichtig bestätigte. Im Raucherraum befand sich eine hintergrundbeleuchtete Decke mit einem klassisch, asiatischen Motiv, die Tische ordentlich mit sauberen Tischtüchern eingedeckt.

Zu Trinken hatten wir ein Krügel Puntigamer (EUR 2,90!), das fahl und abgestanden schmeckte – hier wurde offensichtlich schon länger nicht mehr das Fass getauscht, weil offenbar absolut kein Abgang herrscht. Zweimal 0,25L Eistee mit Leitungswasser auf 0,5L „gespritzt“ zu sehr günstigen EUR 2,00 je.

Die Vorspeisen:
Zweimal „Hummerchips“ (á EUR 2,30) mit einer relativ scharfen Sauce, die aber nicht so in der Karte deklariert war. Daher habe ich für meine beste Tochter von allen und ihre Freundin umbestellt, was nicht extra in Rechnung gestellt wurde, obwohl bereits serviert. Die Knoblauch-Soja-Sauce war jetzt nicht der „Bringer“ und war auch sehr verdünnt. Die Hummerchips tadellos und recht trocken an den Gast gebracht.

Einmal die „Gebackene vegetarische Frühlingsrollen, Wan-Tan mit Salat und pikanter Thai-Lemon-Chili-Sauce“ (EUR 3,50). Bereits kurz nach dem Bestellvorgang konnte man eine Rauch- und Geruchschwade im hintersten Bereich des Lokals bemerken. Es roch typisch nach verbranntem Fett. Und ebenso wurde meine Vorspeise dann serviert. Die Frühlingsrollen und Wan-Tan zu dunkel und verbrannt, wurden sie trotzdem so serviert. Der Salat eine kleines Häufchen eingelegte Sojasprossen, die Thai-Lemon-Chili-Sauce durchaus fruchtig, etwas scharf und schmackhaft. Aber das alleine ist natürlich etwas wenig.

Die Hauptspeisen:
Zweimal die „Gebratenen Nudeln mit Gemüse“, die eigentlich immer nur mit Fleisch auf der Karte stehen, aber es war natürlich kein Problem, diese ohne Fleisch zu servieren (á EUR 6,50). Brav gemacht, knackiges Gemüse, aber völlig unspektakulär und ohne jeglicher persönlicher oder überraschender Note.

Einmal „Knusprig gebratene Ente mit Ananas in Indonesischer Satay-Erdnuss-Sauce pikant“ (EUR 8,90). Die Ente geschmacklich sehr gut, knusprig gebraten und schön mager. Gerade hier wären aber Warmhalteplatten, die es im Restaurant durchaus gibt, aber nicht verwendet werden, eine sehr schöne Idee gewesen. Die Ente kühlt relativ rasch aus. Die Satay (Erdnuss-Sauce) war wirklich schön pikant abgeschmeckt mit interessanten Aromen und es waren zahlreiche Erdnuss-Stückchen zu schmecken. Das Gemüse in der Sauce knackig, die Dosen-Ananas sehr grobmotorisch zerkleinert.

Die Wartezeiten auf das Essen waren, obwohl wir die einzigen Gäste waren, etwas lange, eigentlich zu lange, die Teller haben ebenfalls die beste Zeit hinter sich, und das Dekor ist schon mehr als verblasst. Danach gab es zwar einen obligaten Pflaumenwein, jedoch interessierte die Chefin nicht, wie es geschmeckt hätte. Generell ist hier eine Untergangsstimmung zu spüren, und die schlägt sich auch dem Gast aufs Gemüt. Man ist hier unmotiviert, eher depressiv und sehr resignierend. Eine beklemmende Stimmung und ich muss gestehen, mir ging das nahe. Man ist hier als Gast offensichtlich hautnah am Untergang eines Lokals. Aber gerade da wäre es wichtig, sich um Neukunden (wir waren noch nie dort) besonders zu bemühen – es ist aber spürbar nur mehr Resignation vorhanden. Ich war nahe daran die Kameras und / oder „Die Küchenprofis“ zu suchen, aber hier wäre es wohl schon zu spät. Besonders traurig machte mich, bei der Größe des Lokals, dass man hier förmlich spüren konnte, wie alles einmal anders war – gut besucht, lebhaft, voller Leben und Freude…

Das Service ist, wie bereits erwähnt, unmotiviert, resignierend, gleichgültig, aber absolut nicht unfreundlich oder unangenehm. Zeitweise aber auch nicht auffindbar. Die Sanitäranlagen sind sauber aber ebenfalls eher renovierungsbedürftig – doch mit welchem Geld? In Summe aber trotz aller Liebe und allem Mitleid nur MÄSSIG.

Das Ambiente ist sicherlich nicht mehr zeitgemäß, mir gefiel aber besonders diese Reise in die Kindheit / Jugend an diesem Tag. So waren die ersten Chinesischen Lokale eben in Wien. Geld wäre für einen Umbau hier sowieso nicht vorhanden. Der Geruch ist aber ehrlich ekelhaft und dementsprechend riecht die Kleidung nach Verlassen des Lokals. Daher in Summe auch nur MÄSSIG.

Fazit: Gerne wird hier in der Karte „Chilli“ statt „Chili“ geschrieben, die Speisenauswahl ist aber sehr in Ordnung und teilweise durchaus interessant und auch punktuell ausgefallen. Die Preise sind durchwegs als sehr günstig anzusehen, besonders die Getränkepreise fallen einem sehr positiv auf. Traurig ist jedoch, wenn der Gast so nah am Untergang eines Lokals ist und dieses Gefühl auch spüren kann. Das Essen ist nicht schlecht, das Gut eher an der unteren denn der oberen Grenze, aber ich will hier nicht noch in dieser Situation besonders hart urteilen – daher wohlwollend GUT. Es wird einem halt auch bewusst, dass hier Existenzen und vor allem Menschen dahinter stehen. Mitnahmespeisen werden mit -10% zur Karte berechnet, aber es gibt leider keine Internetseite, wo man vorher aussuchen könnte. Das ist natürlich absolut nicht mehr zeitgemäß. Ob man dieses Lokal besuchen will, möge jeder für sich selbst entscheiden, so wirklich und ehrlich empfehlen kann ich es leider nicht, was mir auch sehr Leid tut. Ich bin absolut kein Mensch, den solche Erlebnisse oder Schicksale Anderer kalt lassen, daher bin ich auch beim Schreiben dieser Bewertung ehrlich gesagt wieder nachdenklich geworden und hoffe trotzdem, dass man hier das Ruder vielleicht noch einmal herumreißen kann.

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Kommentare (6)

am 3. Oktober 2012 um 10:01

Halligalli: möge jeder so ausführlich schreiben, wie er will.
Nur: eine nichtssagende Bewertung wird nichtssagend bleiben, wenn mir ein Bericht zu lang ist, kann ich trotzdem immer noch das herausholen, was mir an Information wichtig ist.

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Experte
315
75
am 2. Oktober 2012 um 22:05

Halligalli: ganz abgesehen davon, dass ich die von Dir genannte Zahl der Zeilen sehr bezweifle (aber wer hat schon die Zeit, Zeilen zu zählen??) - gibt es in diesem Forum genug Leute, die eine ausführliche, rhetorisch gut formulierte und sachliche Beurteilung eines Lokals gerne lesen möchten. (der Sinn dieser Seite??)

Das Traurige hier ist einzig Dein Kommentar.

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Experte
80
48
Halligalli am 1. Oktober 2012 um 12:46

Einige Leute haben echt kein Leben, wer hat bitte die Zeit 444353 Zeilen zu schreiben??? Einfach nur trauig

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Halligalli
Kein Tester
am 15. April 2012 um 22:08

Wie sagte Farkas schon über diverse Parteien:

"Man muss mit der Zeit gehen, sonst muss man mit der Zeit gehen…"

Gerry

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Experte
215
47
am 15. April 2012 um 21:59

Ich kenn das Lokal nur vom Vorbeifahren. In den 70ern/80ern schossen die China-Lokale wie die Schwammerl aus dem Boden. Dann gab es irgendwann keine Bewilligung mehr für weitere China-Lokale.
Ein guter Gastronom versucht mit der Zeit zu gehen, die meisten Chinesen sind "stecken geblieben"; erkennbar auch daran, dass die kleinen Chinalokale keine website haben. Meiner Meinung nach, ist das heute unumgänglich.

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Experte
63
50
am 15. April 2012 um 21:31

Vielen Dank, liebe Inaisst, vom Gerry

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Experte
215
47
Orient-Palast
Favoritenstraße 161
1100 Wien
Speisen
Ambiente
Service
30
20
20
1 Bewertung
Orient-Palast - Karte
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