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Mo, 15. April 2024

Griechenbeisl

(1)
Fleischmarkt 11, 1010 Wien
Küche: Österreichische Küche, Wiener Küche, Internationale Küche
Lokaltyp: Beisl, Gasthaus, Restaurant
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Griechenbeisl

Speisen
Ambiente
Service
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Gesamtwertung

27
1 Bewertung fürGriechenbeisl
Speisen
20
Ambiente
30
Service
30

Bewertungen

adn1966
Experte
am 17. Mai 2022
SpeisenAmbienteService
Das Griechenbeisl also. Eines der ältesten Restaurants in Wien, laut Wikipedia immerhin schon seit 1447 erwähnt und seit 1500 unter verschiedenen Namen als Gasthaus geführt. Im 17. Jhdt. Soll dort der liebe Augustin des Öfteren aufgetreten sein. Nun ja, unseren Besuch zusammenfassend kann...Mehr anzeigenDas Griechenbeisl also.

Eines der ältesten Restaurants in Wien, laut Wikipedia immerhin schon seit 1447 erwähnt und seit 1500 unter verschiedenen Namen als Gasthaus geführt. Im 17. Jhdt. Soll dort der liebe Augustin des Öfteren aufgetreten sein.

Nun ja, unseren Besuch zusammenfassend kann ich aus dem Augustin-Lied zitieren: „... (fast) alles ist hin ...“. Aber der Reihe nach:

Nach einem Urlaub in den USA verspürten die Liebste und ich bei einem Spaziergang durch die Innenstadt Gusto auf typisch Österreichisches. Irgendwie kam uns das Griechenbeisl in den Sinn, waren wir doch grad in der Nähe und das andere Lokal, das wir ins Auge gefasst hatten (Beim Czaak), war am Sonntag leider zu.

Der Schanigarten war gut besucht, glücklicherweise gab’s für uns aber noch einen schönen Vierertisch. Ein freundlicher Kellner bringt die Speisekarten und wir bestellen:

Eine Bouteille Gelber Muskateller (der Winzer ist mir leider entfallen) aus der Steiermark, sowie eine Flasche prickelndes Mineralwasser. Meine Wahl fiel auf eine Frittatensuppe, gefolgt von einem Rindsgulasch mit Knödel, die Liebste entschied sich für ein Lachsfilet auf einem Salatbett mit Erdbeeren. Die Speisekarte hätte auch Schnitzel, Cordon & Co., sowie eine Stelze angeboten, insgesamt finden sich dort die bekanntesten Protagonisten der österreichischen Küche.

Das Publikum bestand vorwiegend aus Touristen, aber das ist natürlich beim Griechenbeisl nichts Neues (und nicht zwingend etwas Schlechtes). Touristisch war das Lokal ob seiner Geschichte immer schon, ich erinnere mich aber an einige Besuche, die schon viele Jahre zurückliegen, dass man dort schon recht gut essen konnte.

Auftritt meiner Suppe, der Niederlage des Nachmittags. Wenn ich eine Frittatensuppe bestelle, denke ich an eine kräftige, echte Rindsuppe mit hausgemachten, nicht zu breiten Frittaten und etwas Gemüseeinlage. Was mir hier serviert wurde, war eine extrem dünne, mehr nach Wasser, denn nach Rindsuppe schmeckende Suppe, wohl mit reichlich Frittaten, bei denen ich nicht wirklich sicher bin, ob hier nicht zu einem Convenience-Produkt gegriffen wurde. Etwas Gemüse war wohl drinnen, konnte den (fehlenden) Geschmack allerdings auch nicht wettmachen.

Das Rindsgulasch war von Konsistenz und Geschmack recht gut, zwei Scheiben eines blassen und geschmacklosen Semmelknödels gab’s als Beilage. Der Knödel eindeutig ein Fertigprodukt, und leider auch kein sehr gutes. Das Blöde, wenn der Wirt so oft ins Convenience-Regal greift ist halt, dass beim Gast der Verdacht entsteht, auch das Gulasch könnte entweder zur Gänze oder teilweise auch aus einem Fertigprodukt bestehen, was ich ebenfalls sehr schade fände. Gut war’s schon, allerdings bei weitem nicht so gut, wie man sich in Wien ein echtes Wirtshausgulasch, dass tagelang geköchelt hat, dunkel und mit einem guten Fettspiegel ist, vorstellt.

Der Liebsten Lachs war das Erfreulichste unserer Bestellungen. Für mich ein wenig am idealen Garpunkt (glasig) vorbei, aber doch noch sehr saftig, und knusprig auf der Hautseite gebraten. Die Erdbeeren harmonierten perfekt in diesem Lachs-Salatgericht, hier kann man nicht meckern.

Natürlich habe ich die Suppe bei einem unserer Kellner reklamiert, die Beschwerde wurde zur Kenntnis genommen („ich werde es der Küche sagen“) und als Gutmachung gab’s am Schluss einen Espresso und ein Schnapserl aufs Haus.

Eh nett und sicherlich lieb gemeint, mich lässt es dennoch schockiert zurück, dass ein derart traditionsreiches Haus mit dieser kulinarischen Geschichte so stark nachgelassen hat.

Der Service war insgesamt bemüht, freundlich, halt mit ein paar kleinen Schwächen. So wurde am Anfang Gebäck mit zwei Aufstrichen (beide geschmacklich nicht sehr beeindruckend) eingestellt, allerdings leider ohne Besteck. Salz und Pfeffer gab’s auch erst auf ausdrückliche Bestellung am Tisch. Und dann noch etwas, das ich überhaupt nicht mag: Wenn ein Kellner nach jedem auch nur noch so kleinen Schluck Wein das Glas auffüllt, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass die Bouteille so schneller leer wird und er eine Neubestellung verkaufen kann, ist das vielleicht gut gemeint, aber ausgesprochen lästig. Zwischen „aufmerksam“ und „aufdringlich“ ist ein schmaler, aber doch ein Grat.

Insgesamt löhnten wir inkl. Trinkgeld knapp 100 Euro, was für die gebotene Qualität nicht einmal ansatzweise in Ordnung ist.

Man kann in dieser Lage und in diesem Restaurant schon gute Preise verlangen, die Qualität der Speisen muss halt passen. Eine verwässerte Rindsuppe, die außer einem Würfel Suppenpulver nicht viel an „Rind“ gesehen hat, mediokre Frittaten, ein Gulasch mit Convenience-Knödel, dass es in vielen, deutlich günstigeren Beisln viel, viel besser gibt, rechtfertigen dieses Preisniveau jedenfalls nicht.
Lachs auf Salat mit Erdbeeren, das Beste des Nachmittags - Griechenbeisl - WienFrittatensuppe, unterirdisch - Griechenbeisl - WienRindergulasch, mittelmäßig, mit zwei Scheiben blassem Fertigknödel - Griechenbeisl - Wien
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Criticus
Experte
am 31. Jänner 2015
SpeisenAmbienteService
Leider muss ich in Chor derer einstimmen, die sich hier über das unfreundliche Personal beschweren. Wir sind -zugegeben - erst um genau 23.15 Uhr ins Lokal gekommen und haben höflich gefragt, ob wir noch etwas zum essen bekommen könnten. Der Kellner erklärte uns in einem wirklich unfreundlichen T...Mehr anzeigenLeider muss ich in Chor derer einstimmen, die sich hier über das unfreundliche Personal beschweren. Wir sind -zugegeben - erst um genau 23.15 Uhr ins Lokal gekommen und haben höflich gefragt, ob wir noch etwas zum essen bekommen könnten. Der Kellner erklärte uns in einem wirklich unfreundlichen Ton, dass es nur mehr wenige Sachen gäbe und dass wir eine Viertelstunde Zeit zum bestellen und essen hätten. Wir haben kurz überlegt, ob wir das Lokal sofort wieder verlassen sollen, da wir aber noch hungrig waren, sind wir doch geblieben.

Ich möchte hiezu anmerken, dass ich durchaus Verständnis dafür habe, wenn das Personal mit späten Gästen, die dann auch noch essen möchten, keine besondere Freude hat. Man kann einem Gast aber auch freundlich erklären, dass die Küche bald schließt oder wann Sperrstunde ist. Der Ton macht die Musik ! Wir haben erst nach dem Bezahlen aus der Visitenkarte des Lokals entnommen, dass das Lokal zwar bis 1.00 Uhr geöffnet hat, der Küchenbetrieb aber um 23.30 Uhr schließt. Wir waren auch nicht die einzigen Gäste, die noch gegessen haben.

Wir haben beide aus dem, was uns der Kellner aufgezählt hat, das Wienerschnitzel vom Kalb mit Salat (je € 22,60) gewählt. Das Fleisch hatte eine hervorragende Qualität (war ja auch vom Kalb), das Schnitzel hatte eine ordentliche Größe und war mit einer feinen goldgelben Panier gebacken. Auch der Salat aus verschiedenen Blattsalaten war absolut in Ordnung. Es hat uns beiden sehr geschmeckt, wir hatten am Essen also nichts auszusetzen. Ein Kalbswiener mit Salat allein ist natürlich nicht repräsentativ für die Speisenqualität eines Lokals, aber zumindest insoferne kann ich die Kritik der meisten Tester an der Qualität der Speisen nicht teilen.

Ob das Lokal übertrieben teuer ist, wie dies mehrere Tester behaupten, hängt freilich auch und vor allem von der Qualität der Speisen ab. € 22.60 für ein ordentliches Kalbswiener mit Salat ist sicher nicht billig, aber im Vergleich auch nicht übertrieben teuer. Die Preise für die Getränke waren aber schon recht hoch, zB € 6,10 für ein Achterl durchschnittlichen Weißwein (Praittnbrunner, vom Kellner empfohlen) oder € 5,90 für ein großes Bier.

Die Einrichtung des Lokals besteht aus alten und dunklen, fast schwarzen Möbeln. Die Tische sind mit einem roten Tischtuch und darüber einem weißen Tischtuch gedeckt. Das Ambiente ist zwar nicht meins, hat aber durch die Kombination der dunklen Möbel mit den roten und weißen Farbtupfern (Tischtücher, Vorhänge) und den vielen Bildern an den Wänden einen eigenen Charme. Was mir aber überhaupt nicht gefallen hat, waren die alten abgetretenen und schon unansehnlichen Teppiche am Boden.

Nach dem Bezahlen habe ich einen Kellner gefragt, ob ich die übrigen Räume des Lokals besichtigen darf. Der Kellner schien über mein Interesse erfreut und hat uns dann netterweise durch alle Räume geführt. Das Lokal verfügt über insgesamt 8 Gasträume und Stüberln in unterschiedlicher Größe, wobei jeder Raum einen eigenen Namen hat (zB Biedermaier-Zimmer, Rundes Zimmer oder Karlsbader Zimmer). Es sind aber alle Räume dunkel bzw schwarz möbliert, teilweise mit schwarzer Vertäfelung. Der größte Raum ist das Musikzimmer mit 42 Plätzen. Dies Raum war bereits für den nächsten Tag für eine Gesellschaft wunderschön gedeckt. Ich hatte - ebenso wie einige Tester vor mir - den Eindruck, dass das Lokal sehr auf Touristen (und auf Gesellschaften) ausgerichtet ist und die "Laufkundschaft" nicht so im Focus des Interesses steht.

Im sogenannten "Mark Twain Zimmer" zeigte uns der Kellner auf der Wand stolz diverse Unterschriften und behauptete, dass diese von Mark Twain, Ludwig van Beethoven, Mozart, Richard Wagner etc stammen würden. Das es sich beim "Griechenbeisl" angeblich um das älteste Lokal Wiens handeln soll, waren wir geneigt, dem Kellner zu glauben. Das Lokal soll ja Treffpunkt vieler prominenter Künstler und Politiker gewesen sein.

Die Bezeichnung "Griechenbeisl" ist freilich irreführend. Die Küche ist in keiner Weise "griechisch" sondern österreichisch und international ausgerichtet.

Fazit: Ein sicher interessantes geschichtsträchtiges Lokal mit großer mehrsprachiger Speisekarte, fokussiert auf Touristen und Gesellschaften, guten Speisen zu höheren Preisen und leider (teilweise) etwas unfreundlichem (hochnäsigen?) Personal. Zumindest einmal sollte man aber dort gewesen sein.
Visitenkarte - Griechenbeisl - WienWegbeschreibung Öffnungszeiten Reservierung - Griechenbeisl - WienAlte Ansichtskarte - Griechenbeisl - Wien
Hilfreich12Gefällt mir9Kommentieren
2 Kommentare·Zeige alle Kommentare

Und: Der Lokalname kommt von der Griechengasse. Als griechisches Spezialitätenrestaurant war es nie konzipiert.

30. Mär 2015, 10:14·Gefällt mir1
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