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Vapiano Praterstraße - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. Juni 2013
Otternase
34
44
12
2Speisen
4Ambiente
2Service
19 Fotos3 Check-Ins

Mit äußerst geschickten und besonders raffinierten, ja fast tiefenpsychologischen Manövern konnte ich verhindern, dass meine Tochter, Otternase junior, ein Opfer der mafiösen McDonalds’schen Juniortütenspielzeugversuchung wird. Heute ist sie einer der wenigen Teenager, der industrielles Fastfood in Burgerform eher grauslich bis unessbar findet.

Womit ich damals allerdings nicht rechnen konnte: VAPIANO und STARBUCKS

Obwohl das Mädel weiß, wie eine gute Pizza aussehen und schmecken soll, obwohl sie köstliche Sughi selbst fabrizieren kann und sogar schon eigenhändig Nudelteig zubereitet hat, fällt sie mit ihrer Clique regelmäßig in eine der VAPIANO-Filialen ein.

Gruppendynamische Unterjochung!
Das rede ich mir zumindest ein, glaube aber nicht ernsthaft nicht daran.

Ich recherchiere kurz und finde heraus, dass die SE VAPIANO ein deutsches Unternehmen ist mit 108 Filialen, 49 davon in Deutschland und allein 6 Restaurants in Wien. Das sind mehr als in jeder anderen Stadt weltweit (o tempora, o mores ... quo vadis Vindobona?).
Die erste Filiale wurde 2002 in Hamburg eröffnet und die 100. war jene am Wiener Westbahnhof. Abgesehen davon ist das anno 2013 eröffnete Restaurant am Bahnhof Wien Mitte mit 400 Plätzen das größte der stark expandierenden Franchise-Kette.
Einige der Firmengründer begannen ihre Karriere bei McD, jedoch wird bei VAPIANO kein Fastfood angeboten, sondern „italienische Speisen nach dem Fast-Casual-Prinzip“ (aha ...). Weiters steht geschrieben: [...] der Name VAPIANO setzt sich aus den Italienischen Worten VA (geht) und PIANO (langsam) zusammen [...]

GEHT-LANGSAM also ... ein genialer Name für ein Restaurant.

Die kleine Otternase quält mich unermüdlich, ich soll mit ihr endlich das neue Lieblingslokal besuchen.
Schließlich bin ich mürbe und breitgeschlagen und betrete die Filiale im 2. Bezirk an der 4-spurigen, stark befahrenen Praterstraße. Vor dem Lokal gibt es sogar einen relativ großen Schanigarten, und ich frage mich, ob es schön ist, hier mitten in der Verkehrshölle im Freien zu sitzen. Innen ist das Lokal eher modern und dem Zeitgeist entsprechend eingerichtet, aber doch irgendwie ganz gemütlich. Viel Holz, farbige Wände mit Bildern, gepolsterte Ledersessel und auch einige Pflanzen gibt es da.

An der Kassa gleich beim Eingang erhält jeder Gast eine Kreditkarte, mit der man sich zu den verschiedenen Abteilungen für Pizza, Salat, Pasta und die Getränke begibt. Sobald man an der Reihe ist, deponiert man seinen Wunsch und hält die Karte an einen Scanner. Will man also mehrere Gänge verspeisen und noch dazu ein Getränk haben, muss man sich bei 4 Reihen anstellen. Da wir zu zweit sind, ist es halb so schlimm. Trotzdem nervt mich diese Art der Nahrungsbeschaffung.
Die meisten Leute hier freuen sich aber, wenn sie den als Köchen verkleideten Pasta-Wokpfannen-Bedienern zusehen dürfen und ihnen Befehle wie „mehr Chili!“ oder „ein wuzzikleines Bisschen Knoblauch“ zurufen können.

Am Pizza-Schalter erhalte ich nach der Bestellung eine Art Pager, der nach Fertigstellung der Mafia-Torte ein Signal von sich geben wird und mich zur Abholung derselbigen auffordert.

Nachdem Otternase junior ihre Pasta mit Mozzarella und Kirschtomaten (ich hätte „Caprese“ gesagt) sowie einen Arizona Iced Tea (uhhh trendy!) erstanden hat und ich einen kleinen Salat plus ein Paracelsus Zwickl mein Eigen nenne, nehmen wir nach nochmaligem Anstellen (diesmal an der Kassa) im Garten Platz.

Erstaunlicherweise ist es nicht so laut wie ich dachte und sogar recht angenehm hier draußen zu sitzen.

Ich sehe mir nun die Rechnung genauer an und stelle fest, dass man um's gleiche Geld anderswo (konkret: 100m Luftlinie Richtung Nord-Ost) sogar eine Bedienung dabei hat.
Otternase junior ist einstweilen im 7. Himmel und ich mache mich über mein Zwickl her. Plötzlich ein unmenschliches, markerschütterndes Geräusch. Vor Schreck fällt mir beinahe das köstliche Bier aus der doch recht innigen Umklammerung meiner Hand. Der Pager hatte eine lautstarke Botschaft für mich:

Pizza ist fertig.

Ich hole das vorgeschnittene Ding, es sieht auf den ersten Blick gar nicht so übel aus. Der Rand meiner Margherita ist resch und nicht zu dick. Innen sehe ich Tomatensugo, Käse und ein winziges Sträußchen Basilikum.
Gott sei Dank finde ich am Tisch nebst Öl und Essig auch einige Blumentöpfe mit frischen Kräutern zum Selberpflücken – ich gehe zumindest davon aus, dass die nicht nur Dekoration sind.
Die Pizza ist mit der Basilikum-Nachwürzung essbar, aber keine Offenbarung. Ich darf auch von der Pasta meiner Tochter kosten und muss feststellen, dass diese total teigig bis fast matschig ist und im Mund immer mehr wird.

Im VAPIANO werden die Teigwaren frisch zubereitet, man kann die Pastamaschinen sogar durch eine der Auslagen sehen. Leider ist dies aber keine Garantie für ihren Wohlgeschmack.

Nachdem mich meine liebe Kleine nach diesem Besuch noch mehrere Male genötigt hatte, hier essen zu gehen und die Konsistenz der Pasta jedes Mal ein zähes Trauerspiel war, bat ich um ein Gespräch mit dem Geschäftsführer diesbezüglich. Er entschuldigte sich höflichst und ließ eine neue Portion kommen. Same result as every day ...

Daraufhin erklärte er mir, es läge wahrscheinlich an der vorherrschenden Hitze, die würde dem Teig schaden und seine Beschaffenheit beeinträchtigen (das soll er mal einer sizilianischen Nonna erzählen, die bei 45° im Schatten noch immer keine Probleme bei der Nudelproduktion hat).

Wie dem auch sei, ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass mein Kind dieses Lokal und die Matsch-Pasta liebt.

Ich brauch’s nicht.

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Kommentare (19)

am 21. März 2015 um 09:09

War das damals noch akzeptabel?

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Experte
92
38
am 16. März 2014 um 19:14

H-G-L auch von mir. Toller Bericht.Ich stimmt dir, Otternase, völlig zu. Die Pasta ist wirklich matschig latschig und überall besser als im vapiano. Da geh ich lieber zu Happy Noodels und esse die ,,Nudeln" auf ,,chinesische,, Art.

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17
6
am 16. März 2014 um 17:16

Wo die schon überall gewesen ist...

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Experte
152
83
am 16. März 2014 um 16:54

Schlimmer als die Zunge von Miley Cirus wirds nicht sein.
Link

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Experte
152
83
am 16. März 2014 um 15:35

also ich denke mir bei den basilikumstöcken: will nicht wissen, wer das schon angefasst hat...

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Experte
85
16
am 12. Juni 2013 um 18:35

stimme dir absolut zu - war zweimal dort und hab zweimal rohe Pasta bekommen. Wobei ich zugeben muss, dass die Ravioli Füllung phantastisch schmeckte.

Hilft aber nix, wenn die Pasta noch fast roh ist.

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30
4
Stephan am 7. Juni 2013 um 09:21

nun - so kleine greisslerartige Geschäfte, die ihre Nudeln selbst herstellen, kenn ich tatsächlich ein paar aus Norditalien. Und natürlich produzieren die nicht \"das selbe\" wie Vapiano. Ich bin aber der Überzeugung, dass das Vapiano an deren frische Pasta näher herankommt als das, was man in Wien sonst so bekommt. (Und alle die ich kenne, geben ei in die pasta fresca - bei der Pasta secca ist das ja m.W. nach so einer Art Reinheitsgebot verboten).
Aber egal wie weit weg oder wie nah das Vapiano nun an der \"originalitalienischen\" pasta fresca sein mag: allein dass wir diese Diskussion führen zeigt doch, dass es sich um durchaus ordentliche Qualität handeln muss - unter Berücksichtigung, dass es sich um Systemgastronomie/Fast Food handelt freilich!
Das Lokal vis a vis ist für mich qualitativ mindesten 3 Stufen unterhalb anzusiedeln - habs eh auch hier im ReTe bewertet. Somit sind wir bei Deinem Schlussatz - ich habe die Pasta im Vapiano eben nie als \"matschig\" empfunden :-)

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Stephan
Kein Tester
am 6. Juni 2013 um 18:27

@Stephan: danke für deinen Kommentar!

Soweit mir bekannt ist, wird auch die Pasta fresca aus Hartweizen gemacht. Dieser ist proteinreich und besonders für die Herstellung von Teigwaren geeignet. Daneben gibt es auch noch den Weichweizen, der eher beim Bäcker verwendet wird. Ob man nur für den Nudelteig neben Salz und Wasser auch noch Eier oder Olivenöl verwendet, hängt ganz von der jeweiligen Region ab. Und darüber werden heiße kulinarische Diskussionen geführt, welche nun die "richtige" Zubereitungsart ist.

Was eine Pasta nach dem Kochen aber niemals sein darf ist teigig oder matschig, auch nicht wenn sie frisch (also weich) und NICHT getrocknet war.
Erzähl bitte niemals einem Italiener (und schon gar keinem italienischen Pastahersteller), bei Vapiano bieten sie genau das gleiche an, was er produziert! Nicht umsonst gibt es in Italien kein Vapiano.
Geh doch mal ins Pasta e Basta ... dort gibt es ausgezeichnete frische Teigwaren Link
In der Servitengasse gibt's noch die La Pasteria, die können das auch hervorragend.
Die "Nudeldruckerei", die ich früher öfter aufgesucht habe, ist leider seit vielen Jahren geschlossen.

Bezüglich dem Lokal vis à vis: ich hatte dort letztens eine sehr brave Pizza mit Büffelmozzarella, einem herrlichen Prosciutto crudo und Rucola. Der Teig war auch ganz besonders köstlich und resch. Aber über Geschmack lässt sich eben (nicht) streiten ...

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34
44
am 6. Juni 2013 um 12:55

@amarone: für "al ponte" muss ich hoffentlich noch ein paar Jährchen warten ;-)
aber das war wohl eher pasta al tombino ...

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34
44
am 6. Juni 2013 um 12:35

Danke, wird korrigiert!

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34
44
Gästin am 6. Juni 2013 um 12:24

Zitat: "...konnte ich verhindern, dass meine Tochter, Otternase junior, kein Opfer der mafiösen McDonalds’schen ..." Zitat Ende

Das arme Mäderl IST also doch ein Opfer geworden

(doppelte Verneinung...)

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Gästin
Kein Tester
am 6. Juni 2013 um 11:04

Stephan: Das Problem von Vapiano sind weniger die Zutaten, sondern oft (nicht immer) die Umsetzung.
Niemand muss Pasta "al ponte" essen, da greift sich jeder Italiener an den Kopf. Und es ist nicht das erste Mal, dass ich bei Vapiano zwar sehr sympathische und entspannt arbeitende Köchinnen und Köche angetroffen habe, die aber voller Freude ungesalzenes Kochwasser verwendeten.
Quindi: pasta "scotta" E ANCHE "insipida" - das ist vielleicht ein Kniefall vor der deutschen Kochmentalität, aber höchst unitalienisch. Punto e basta ;-)

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Experte
315
75
Stephan am 6. Juni 2013 um 10:51

Der Bericht ist witzig geschrieben - aber in der Bewertung geb ich Dir völlig unrecht! Die Pasta schmeckt als frischproduzierte Pasta tatsächlich anders, als wir es von den Hartweizenteigwaren gewohnt sind: Qualitätsmangel ist das aber keiner, im Gegenteil. Jene "Greisslereien) in (Nord)italien, die noch "pasta fresca" verkaufen, bieten genau das an was das Vapiano in den Lokalen vor Ort produziert. Die Pizza kritisierst Du zwar, aber ohne ins Detail zu gehen: Ich finde sie recht gut, jedenfalls um Klassen besser als in dem von Dir angesprochenen vis a vis Lokal. Hier Mozzarella - dort "Pizzakäsemischung". Hier dünne, knusprige Teige - dort Germfladen. Hier hochwertige Zutaten - dort Dosenananas.
Einzig die Kritik an der Selbstbedienung ist treffend: Das ist ein Nachteil des Konzepts. Andererseits: Dafür gehts schneller und wird für mich durch die absolute Rauchfreiheit aufgehoben. Fazit für mich: Eine "Il Mare" oder "Mari" find ich auch besser, aber besser als irgendein 08/15 Italiener ist Va Piano allemal - und unter Systemgastronomie/Fastfood mit das Beste, was man bekommen kann.

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Stephan
Kein Tester
am 6. Juni 2013 um 10:10

Hervorragend witzig geschriebener Bericht, Otternase, H-G-L!

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Experte
80
48
am 6. Juni 2013 um 09:00

H-G-L, sehr amüsant geschrieben :)

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Experte
123
21
am 6. Juni 2013 um 02:35

So stelle ich mir eben pizza und pasta vom Flugschalter vor.

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Experte
152
83
am 5. Juni 2013 um 23:27

Statt pasta al dente - pasta al ponte? ;-)
(Anm.: dente = Zahn, ponte = Brücke)

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315
75
Unregistered am 5. Juni 2013 um 22:05

Sprachlich brillant. Danke!!!

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Unregistered
Kein Tester
am 5. Juni 2013 um 19:09

Eine köstliche Bewertung und für mich so total nachvollziehbar. Ich muss allerdings sagen, dass ich meinen Sprösslingen meine Anwesenheit in solchen Lokalen verweigere (so nach dem Motto, wer zahlt bestimmt, wird mit Papa in die Lokale mit Bedienung gegangen) ;-)

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Experte
107
33
Vapiano Praterstraße
Praterstraße 24
1020 Wien
Speisen
Ambiente
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23
37
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