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Sa, 22. Juni 2024

O boufés - Konstantin Filippou, Wien - Bewertung

am 23. Mai 2019
SpeisenAmbienteService
Der mittlerweile bereits zur lieben Tradition gewordenen Schlemmer Jour Fix mit Freunden verschlug uns diesmal ins O boufés, das Bistro von Sternekoch Konstantin Filippou. Das Lokal liegt direkt neben dem Fine Dining Restaurant, beim Betreten fällt erstmal der recht spezielle Stil auf: unverputzte Wände, dazu viele schwarze Akzente. Hell und freundlich ist ganz sicher anders, uns hat die Atmosphäre aber sehr gut gefallen, ich mag diese kleinen dunklen schummrigen Lokale. Aber mir ist auch klar, ein Design das polarisiert, das erkennt man auch an den anderen Kommentaren.

Auffällig auch die dominante Bar in einem sehr kleinen Raum mit vielleicht 5-6 Tischen, über die Treppe geht es augenscheinlich noch weiter nach Hinten zu den restlichen Tischen. Auffällig aber auch, dass man sich weder um unser Jacken kümmern wollte, wobei wir ehrlicherweise auch schnurstracks zu den bereits wartenden Freunden marschierten.

Los ging es zum Beginn gleich mal mit einem Glas Rosé Sekt von Strohmeier: Dieser war nicht klassisch ausgebaut, unfiltriert, geschmacklich aber nicht unspannend. Dennoch offenbarte sich für uns hier schon ein Problem, das sich im Laufe des Abends fortsetzen sollte: Die Weinkarte ist tatsächlich sehr speziell und beinhaltet eine ganze Reihe eher unkonventioneller Weine. Das mag einem gefallen oder halt auch nicht, ein paar ganz klassische ausgebaute Weine hätte wir aber schon zu schätzen gewusst, auch wenn wir immer wieder mal was Neues probieren. So ging es weiter mit einer Flasche Weissburgunder vom Weingut Tauss, ebenso ein unfiltrierter Wein aus biodynamischer Bewirtschaftung. Ein Wein der uns so gar nicht gefallen hat. Danach folgte eine Flasche Chardonnay aus Frankreich (fragt mich bitte nicht mehr welches Weingut, sorry) der wiederum sehr gut mundete. Zum Abschluss gab es eine Flasche Blaufränkisch vom Weingut Preisinger: Auch der nicht wirklich sortentypisch, dennoch nicht schlecht. Alles in Allem eine spannende Weinkarte und Geschmäcker sind nun mal Verschieden, ich persönlich finde nur, es dürften sich durchaus auch ein paar Klassiker auf die Karte verirren für Gäste, die vielleicht nicht auf der Suche nach dem besonderen Erlebnis sind…

Nachdem es bei unserem Besuch aber ja nicht nur um Weine ging, gleich mal zum Essen:

Wir waren zu Sechst am Tisch und begannen mit einer wilden Selektion an Vorspeisen: Etwas Sauerteigbrot (solid), ein Schälchen schwarzer und grüner Oliven (qualitativ gut, aber tatsächlich händisch abgezählt…), ein Stück Feta (wunderschön mit Wildkräutern und Kürbiskernpesto garniert), die „Platte“ (Salami, Bresaola, Pancetta und Cornichons) sowie der "Teller" (getrockneter Rinderschinken aus dem Baskenland). All das stellten wir auf den Tisch zum „Sharen“, ein klein bißchen wie Tapas, all das war nicht schlecht, aber auch nicht umwerfend. Der Feta war toll garniert und auch geschmacklich das Spannendsten an den Vorspeisen.

Weiter ging es für mich mit Bröselkarfiol, Garnele, Salzzitrone, Senfsalat. Ein gutes Gericht, wunderschön in einem Steinteller serviert (ganz grundsätzlich waren die Teller toll und auch schön angerichtet). Zwei perfekt gebratene Garnelen, ein paar Röschen Karfiol mit Brösel, vom Senfsalat war meiner Ansicht mehr von der Marinade als vom Salat vorhanden. Aber geschmacklich sehr toll!

Als Hauptgang wählte ich die Kalamata Oliven Gnocchi mit Burrata, Salbei, Velouté und Zitrone. Das Gericht waren ganz klassische Erdäpfel-Gnocchi, in der Mitte ein (kleines) Stück Burrata plaziert, die Oliven in homöopathischer Dosis in kleinen Stücken darüber verteilt, Salbei kann ich mich gar nicht erinnern, auch die Zitrone hat sich nicht gerade in den Vordergrund gedrängt. Man hört es glaub ich schon raus: Ein nicht schlechtes Gericht aber umgeworfen hat es mich nicht, da hab ich etwas den kreativen, den besonderen Touch vermisst.

Das Dessert hingegen war eine Bombe: Mohnnudeln mit Vanille, Birne und Salzmandeleis. Das Eis schon mal unglaublich gut, aber auch das Aufeinandertreffen des Eises mit den warmen Mohnnudeln, dazu die Säure von den Birnenstückchen und die Süße vom Vanille – tatsächlich ein Traum und mein Highlight des Abends!

Zum Schluß ging es dann zum Zahlen – und hier kommt mein großer Kritikpunkt: Wir waren zu sechst, hatten die Tapas zum Sharen, insgesamt 5 Vorspeisen, 6 Hauptspeisen, 4 Nachspeisen, ein paar Glas Sekt, 4 Flaschen Wein und ein paar Kaffee um wohlfeile EUR 650. Für mich persönlich absolut überteuert und auch nicht passend zum Konzept des Lokals: Wenn ich mich "Bistro" nenne, vier verschiedene Vorspeisen, fünf verschiedene Hauptspeisen plus ein Special und zwei Desserts auf der Karte habe, passt es einfach nicht für Vorspeisen um die 20 Euro zu verlangen, die Hauptgerichte bewegten sich dann eher in Richtung 30 Euro, auch ein Teller mit ein paar Scheiben luftgetrocknetem Schinken (von zugegeben guter Qualität) um 15 Euro muss nicht sein. Auch das Service, so freundlich und auch zahlreich es war, passte unterm Strich nicht zu dem Preisniveau.

Wir stellten uns die Frage, ob wir hier nicht auch den Namen mitbezahlten, ob das Lokal betrieben vom Max Mustermann auch solche Preise verlangen könnte. Versteht mich nicht falsch: Das Essen war durchgängig gut, teils sehr gut, das Ambiente gewöhnungsbedürftig aber auch gemütlich, das Service freundlich und ich bin schon auch bereit viel Geld für gutes Essen auszugeben – für uns hat dennoch einfach das Preis Leistungsverhältnis, das Gesamtpackage nicht gepasst. Vielleicht aber kamen wir einfach mit falschen Erwartungen, vielleicht positioniert sich das Bistro einfach näher am Fine Dining Restaurant als wir das vermuteten. Ein schöner Abend war es dennoch – Stammlokal wird es aber nicht.
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2 Kommentare
Eisendraht

top bewertung. danke. sehr informativ. ich fand das essen auch gut, "schön" aber ein pfauerrad hab ich (auch) nicht geschlagen :)

24. Mai 2019, 09:53Gefällt mir
Besserwisser

Sehr schöne Bewertung eines Experten!

23. Mai 2019, 17:36Gefällt mir2
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