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Di, 21. Mai 2024

Figar

Kirchengasse 18, 1070 Wien
Küche: Fusions Küche
Lokaltyp: Bar, Fastfood, Imbiss
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Figar

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Experte
am 1. Dezember 2014
SpeisenAmbienteService
Frühstück Teil eins. Ja, so ein Samstag ist was Feines. Vor allem dann, wenn bis zum Abend nicht wirklich Konkretes am Plan steht. Gepflegtes Nichtstun könnte man sagen, obwohl: produktiv ist so ein Samstag-Vormittag-Spaziergang allemal, wenn auch nur in eigener Sache. Aber wofür lebt man,...Mehr anzeigenFrühstück Teil eins.

Ja, so ein Samstag ist was Feines. Vor allem dann, wenn bis zum Abend nicht wirklich Konkretes am Plan steht.
Gepflegtes Nichtstun könnte man sagen, obwohl: produktiv ist so ein Samstag-Vormittag-Spaziergang allemal, wenn auch nur in eigener Sache. Aber wofür lebt man, wenn man auf die Dinge in eigener Sache vergisst.

Zweimal Frühstücken wird also mit einer Erkundungstour eines Gutteils der Gegend innerhalb des ehemaligen Linienwalls sozusagen „erarbeitet“.
Ich mag Spaziergänge in Wien, nicht nur im Ersten, die Bezirke drumherum werden per pedes gefühlt um Längen schneller und interessanter durchquert als über die vollgestopften Hauptverkehrsadern Ring und Gürtel.

Architektonisch gibt’s eine unglaubliche Bandbreite zu erforschen, von den „preiswert“ errichteten Bauten der Nachkriegszeit, die die unzähligen G’stetten der Vorstädte auffüllten bis zu Jugendstil und Gründerzeitbauten und den Perlen der Josefstadt oder des Spittelberges aus der Zeit des späten 17. Jahrhunderts.
Die „Navigation“ ist denkbar einfach – vom Achten irgendwie in Richtung Süden, sich an den geometrisch angelegten Hauptadern und Querstraßen orientierend, irgendwann mal sollte der Naschmarkt erreicht sein.

Nicht durch Zufall aber gehen wir auf dem Weg dorthin durch die Kirchengasse, die den Namen der am Ende gut sichtbaren Kirche Mariahilf verdankt.

Amarona weiß vom Figar-Frühstück zu erzählen, na nichts wie hin.

Die Fassade des ehemals großen Geschäftslokals scheint denkmalgeschützt zu sein, nur der Eingang rechts gehört zum Lokal. Nichts außer ein kleines, weißes Würferl mit dem Lokalnamen drauf durfte anscheinend hier die Fassade „stören“.

Das Innenleben ein langer hoher Schlauch, sehr schlicht, teils durch Mauerziegel(imitat?) fast ein wenig kalt, an der gegenüberliegenden Wand ein überdimensional großes Aktkunstgemälde (siehe Bild), im hinteren Bereich die Schank samt großer, mit Strahlern beleuchteter Tafel darüber.

Thonet-artiges Gestühl, die Tische eng beieinander, Privacy gibt’s noch weniger als etwa in der Disco Volante im Sechsten. Während der Tisch links neben uns durch unsere Bestellung Lust auf unser Essen bekommt, dürfen wir von den Damen rechts neben uns die Neuigkeit erfahren, dass Männer eben doch alle gleich sind. Diese Tatsache wird mit deftigem Essen (Portion Eierspeis‘, Riesenburger) feierlich und munter dahinschwurbelnd runtergeschluckt.

Dass wir den Tisch überhaupt bekamen, verdanken wir einem gewissen Herrn X, dessen Reservierung von demselben offenbar vergessen bzw. nicht storniert wurde. Herr X, so geht’s wirklich nicht! Andererseits: recht herzlichen Dank, wir hätten sonst keinen Tisch bekommen.

Wir bestellen: mediterranes Frühstück mit Tomaten, Oliven, Gurken, Topfenaufstrichen, Spiegelei etc. garniert dort (wohlwollend, aber nicht überschwänglich zur Kenntnis genommen), ein Wiener Frühstück ohne Ei hier. Ausreichend bestückt, Blütenhonig, eine pikante Marmelade, der Schinken in Ordnung, der Käse ein buttriger Schnittkäse ohne Loch ebenso, bin allerdings kein großer Käseesser.

Dazu ein süßer French Toast und eine Portion Porridge mit Ahornsirup. Der Saft auf Apfel und Karotte in Bioqualität, mit Wasser verdünnt.
Der Cappuccino verdient seinen Namen nicht wirklich, nennen wir ihn mal eine halbwegs gute Interpretation des Themas „Melange“.

Die Servicecrew hat sichtlich viel zu tun, entschuldigt sich für eine gewisse Wartezeit, die wir allerdings ob des regen Kommen und Gehens erwartet hatten. Ein vergessenes Besteck wird umso schneller nachgebracht, manchmal wirkt es vielleicht ein wenig improvisiert und wenig professionell.

Bei jedem Frühstück mit von der Partie: Joseph-Brot. Ist zwar teurer als billiges Aufbackbrot, dafür aber g’schmackiger und weitaus bekömmlicher als die namenlose Industrieware.

French Toast: mit ein paar doch zu dunklen Stellen, da hätte sich der Koch vielleicht schon in der Küche überlegen können, zwei neue Scheiben zu opfern. Ich schneid’s oberflächlich weg und gut is‘.
Apropos Oberfläche – die gewürfelten Äpfel machen sich gut auf dem zart knusprigen Toastbrot, die Melonenwürfel weniger. Nicht mein Fall – persönliche Abneigung gegen die parfümiert wirkenden Gurkenverwandten.

Der Porridge wirklich schön mollig cremig, mit dem nötigen Biss und den obligaten weichen „Klumpen“. Von links gibt’s Stielaugen – und schon hat auch der Nachbarstisch vier Portionen davon bestellt. Zu Recht.
Dass sich auch hier die Melonenwürfel wiederfinden, sei ein zweites Mal verziehen. Runter damit.

Fazit: Gut gefüllt geht’s weiter in Richtung vierter Bezirk.
Wenn auch vieles, das hier am Teller ist, gut und gern zuhause selbst zubereitet werden kann, so ist es doch erfreulich, wenn es Lokale gibt, in denen mehr als nur Standardware serviert wird.
Obendrein zu nicht wirklich unverschämten Preisen, wie wir fanden.
Fortsetzung Frühstück Teil 2: Operngasse, Radlager Palazzo - siehe dort.
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