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Grünauer - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 19. Jänner 2011
Update am 17. November 2014
Experte
amarone1977
315
75
30
5Speisen
4Ambiente
5Service
18 Fotos2 Check-Ins

Einige Besuche beim Grünauer. (Weitere Besuche weiter unten durch eine Sternderl-Linie getrennt!)
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Erster Besuch: bin alleine dort, der kleine Tisch beim Eingang ist für mich reserviert. Gut, schon klar dass ich den Vierertisch bei diesem Kommen und Gehen nicht besetzen kann.

Das Interieur ist das eines guten alten Wirtshauses, "gut und alt" mit viel Holz, aber nicht abgewohnt oder versifft, im Gegenteil. Es bleibt hier urig und gemütlich, ohne auftrumpfen zu wollen. Einfach und ehrlich, aber wohnlich.

Es ist noch nicht ganz voll, aber ziemlich, und die beiden Herren haben viel zu tun, eilen von Tisch zu Tisch. Das kleine Staro ist schnell serviert, für die Frittatensuppe dauert es dann aber doch noch weit mehr als eine halbe Stunde, zu lang.

Die Suppe ist im kleinen Häferl serviert, sehr gut, aber mit noch ein wenig Luft nach oben.

Die Hauptspeise: konnte mich zuerst nicht entscheiden, da die Karte sehr interessant gespickt war, mit allem, was die Wiener Küche zu bieten kann. Dass ich das klassische Wienerschnitzel gar nicht auf der Karte gefunden habe, stört mich aber nicht wirklich. Also wurde es dann das gekochte Rindswangerl mit Erdäpfelschmarren und Wurzelgemüse. Lange Rede, kurzer Sinn: der Hauptgang hat's ordentlich in sich. Der darüber gestreute Kren ist so frisch, dass mir (auch vor Freude) die Tränen kommen. Das Fleisch ist perfekt, typisch geleeartig durchzogen (wie heißt das nochmal??). Das streifig geschnittene Wurzelgemüse ist fein gedünstet, aber nicht zerkocht, der Erdäpfelschmarren rundet das Gesamtbild ab. Ich esse langsam, weil's einfach schmeckt.

Doch halt, ich bin fast fertig, da kommt einer der Herren mit einem Kännchen Suppe daher. Hatt' ich zwar nicht erwartet, gibt's aber natürlich zuhause immer - warum kam das nicht früher? Ich gieße das über den verbliebenen Rest - göttlich.

Fazit: auch wenn die beiden Herren an diesem Abend ein wenig gestresst und nicht perfekt organisiert waren (der Wein wurde vergessen, eine neue Flasche wurde dann hastig für mich geöffnet), so komme ich hier auf alle Fälle wieder, Speisekarte nächstes Kapitel sozusagen.

Alfred Dorfer erwähnt in einem seiner Kabarett's seine Hornhaut im Magen, Dank der Wiener Küche. Das stimmt auch oftmals, doch hier wird die Wiener Küche sehr einfach, schlicht und edel, ohne nachherigem Bauchweh serviert. Ohne Schnickschnack. Ambiente: Grundehrlich, sehr authentisch. Wenn die Einwohner des 7. nicht grad zuhause essen wollen, kommen sie hierher.

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--> 2. und 3. Besuch: Ich habe es geahnt, das Service ist genauso routiniert, freundlich, mit puristischem, aber nie ungutem Wiener Charme, wie ich es beim ersten Mal vermisst hatte. Beim ersten Besuch scheint irgendeine Servicekraft kurzfristig ausgefallen sein, wie auch immer. Sowas kann passieren, ich bewundere ja jeden Gastronomen, der sein Lokal am richtigen Tag mit genügend Personal auszustatten vermag.

Das Essen: eine Kalbsleberknödelsuppe. Der Knödel ist in der Farbgebung schon mal nicht "krankhaft" purpurbraun, schmeckt nicht wie der 08/15-Maggiknödel, wie man ihn all zu oft bekommt. Sehr cremig, sehr gehaltvoll, zart, leicht würzig. Nur die Bouillon mag im Hause nicht ganz 100%ig zu überzeugen. Eine gute Suppe, aber trotzdem noch nicht die absolute "Aaaaaaaah"-Brühe.

Letzens hatte ich das Wangerl, beim zweiten Mal wollte ich instinktiv beim Rindvieh bleiben und nahm das Schulterscherzel. Ein bisschen kerniger als das Wangerl, aber trotzdem Top-Qualität. Der Erdäpfelschmarrn wird in einem halbkugeligen GEfäß nochmal angebraten und so serviert. Fast ein wenig zu knusprig, aber trotzdem sehr gut. Das Kohlgemüse... erfrischend, fruchtig, würzig. Ich bestelle ein wenig Suppe nach, die prompt geliefert wird. - Ein Genuss!

Beim dritten Besuch gibt's Grießnockerlsuppe (routiniert, aber eben nicht "aaaaaah"...), und einen Spanferkelbeinschinken mit Krensauce und dem bereits bekannten Erdäpfelschmarrn. Das Spanferkel lässt, vor allem in dieser Zubereitung, jedes billige Schweinefleisch vergessen.

Gleich morgen komm ich wieder, nächster Gang!!

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6.4. 2012: Mittlerweile hat es ein mehrmaliges "Morgen" gegeben. Auch heute bleibt es wieder schwierig, weil die Auswahl es alles andere als leicht macht.

Es gäbe wieder Spanferkelbeinschinken mit Krensauce, Wadschinken mit Wurzelrahm, Schulterscherzel bietet die Küche auch wieder...
Unter den Vorspeisen findet sich heut sogar eine Eierspeis mit Trompetenpilzen (Eierschwammerl-Verwandter). Letzteres würde aber wohl zuviel werden.

Hoppla: Leberpofesen in der Rindsuppe, das werd ich nehmen. Und um das Kalbsrahmgulasch mit Nockerln komme weder ich noch die gute Freundin aus dem Weinviertel herum. Beide hatten wir uns schon gefreut - und weil's der Grünauer heut (morgen wohl wieder nicht) auf der Karte hat, muss es wohl sein!

Die Suppe war wieder gut, aber nicht exzellent, die Leber-Pofesen (das Wort geht wohl noch auf die Zeit der Kämpfe an der Adda-Front zurück: Pavia-Pavesi-Pofesen...) enttäuschten aber nicht.
Die an Ildefonso erinnernden Weißbrotscheiben mit der obligaten Füllung dazwischen machen sich gut in der Suppe und sind schön sämig-schwammig, wie sich's eben gehört.

Das Kalbsrahmgulasch danach haben wir wieder nicht bereut: die Nockerln sind ein Wiener Hausfrauentraum, das Fleisch könnte edler und zarter kaum sein, die Sauce ist das absolute Gegenteil von Allerwelts-Kunstsauce.

Ein Hoch auf die Küche, ich könnte dank nicht blähendem Essen sogar noch eine Nachspeise essen, doch der Blick in die Karte überzeugt mich heute nicht so ganz, ist aber Geschmacksache: Schokomousse mit Zwergorangen ist nicht ganz Wiener Küche, böhmische Mohnpalatschinken wiederum schon, bin aber kein Mohnfreund. Käseplatte geht wiederum wegen der Histaminkur zur Zeit gar nicht. Na gut, die Nachspeise holen wir uns dann gegenüber in der M Lounge...

Nach diesem Besuch: Grünauer at its best, wie immer!

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Update 18.10.
Suppe mit Tiroler Knödel: sehr gute Suppe, dank dem Knödel nicht in der zu engen Tasse serviert.
Aber der Knödel... genau so ist die Konsistenz am allerbesten, nicht "z'foahrn", nicht trocken, mit der richtigen Menge Fleisch drin. Perfekt.

Steirisches Wurzelfleisch:
Mir kommen die Tränen - Freudentränen! Frischer kann der Kren nicht sein. Das nudelig geschnittene Gemüse hat den feinen Biss, das es braucht.
Das Fleisch ist saftig, aber nicht zerkocht, schon gar nicht trocken oder strohig. Wunderbar.
Der Grammelschmarren nimmt ein wenig die Suppe auf, genauso muss das sein.
Man schweigt und isst "vor sich hin" und erwischt sich dabei, bei jedem Bissen alle Zutaten auf einmal auf der Gabel zu haben. Over the top!

Die "behmische" Mohnpalatschinke...
Nach Wunsch mit ein bisserl weniger Fülle. Genau richtig erwischt, mit diesem Nachspeisenjuwel mit Mohn, Powidl und feiner Sauce garniert schicke ich den Grünauer endgültig in den Wiener Beisl- und Gasthausolymp.

Vielen Dank, ich hab euch vermisst!

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Update November 2014:
Ganslzeit - letzter Termin.

Gansleinmachsuppe vom Allerfeinsten, großzügige Gansleinlage und auch ein paar Scheiberln Gänseleber.

Gansl einfach perfekt - zart-knuspriger kann die Haut nicht sein, das Fleisch zart und saftig, nicht trocken.

Rotkraut mit dem schönen Biss, fruchtig und intensiv.

Knödel: nicht zu groß, aber schon gar nicht zu klein. Was wollen die Leute eigentlich mit "das Knödel war zu klein".
Ich sage gerade richtig - mit dem letzten Bissen Fleisch und Kraut wurde auch das letzte Knödelstück verzehrt.

Maroni-Mascarponenockerl:
zusammen mit ein bisschen Schlagobersgarnitur wirklich fein, durch das Maronimehl natürlich ein bisschen trockener und kompakter als ein Tiramisu oder ein Schokomousse, aber trotzdem sündhaft gut.
Vielleicht hätte man die Biskotten noch in irgendetwas eintauchen können. Wäre mal einen Versuch wert.

Schnellfazit: Grünauer hat mich noch nie enttäuscht. Auch diesmal nicht.
Das Gansl war idealtypisch, gut zwei Klassen besser als zuletzt in einem hochgelobten Grinzinger Traditionshaus.

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Kommentare (4)

am 5. Februar 2011 um 17:51

@Unregistered: Grünauer hat jeden Tag eine zumindest ein bisschen andere Karte. Das macht ihn besonders. Es zahlt sich aus, vorbeizuschauen.

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Experte
315
75
Unregistered am 5. Februar 2011 um 15:26

Wir waren gestern wieder dort und haben aufgrund Ihrer Bewertung das Gulasch mit Nockerln (vom Styria Beef) probiert. Es war perfekt. Leider hat der Grünauer das nicht immer auf der Karte.

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Unregistered
Kein Tester
am 3. Februar 2011 um 09:25

Gestern wieder: Gulyas mit Nockerl. Endlich jemand, der richtige Nockerl zum Gulasch serviert. Das Gulasch ist der absolute Wahnsinn, bis jetzt das absolute Highlight dieses Lokals. Die Nockerl geben das richtige "Beißerlebnis", sind also perfekt gekocht und schmecken auch "so wie's ghört".
Das Gulyas lässt kaum Wünsche offen. Das Fleisch hat die richtige Konsistenz, die Sauße ist würzig, fruchtig, gschmackig, und und und. Was vor allem erfreulich ist: der Geruch ist sehr anregend und appetitlich.

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Experte
315
75
am 19. Jänner 2011 um 15:16

Ein Kommentar noch zur Weinkarte: hier werden gut und gern 15 Weine glasweise angeboten, das ist nicht übel für ein so kleines Lokal.

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Experte
315
75
Grünauer
Hermanngasse 32
1070 Wien
Speisen
Ambiente
Service
45
39
39
17 Bewertungen
Grünauer - Karte
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