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Tofu & Chili - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. Februar 2015
Experte
langnan
58
16
21
4Speisen
2Ambiente
4Service

Wieder eine nordwest-chinesisches Lokal entdeckt, wirklich eine große Überraschung.

Eigentlich hat meine Frau und ich an diesem Tag (3.Februar)bereits bei "Mama Liu and Sons" eine "Kleinigkeit" gegessen. So richtig satt bin ich aber nicht geworden. Deshalb wollten wir noch einmal zum "Yummy House" gehen und paar Lammspießchen bestellen. Das "Yummy House" hat leider Dienstags geschlossen, außerdem hing an der Eingangstür ein Schreiben von der Marktaufsicht, auf dem stand, dass das Lokal auch außer Dienstag nicht aufgesperrt hätte und wird deshalb ersucht sich zu melden. Also für alle die Yummy House besuchen wollen, ruft zur Sicherheit dort mal an bevor ihr hingeht.

Beim Gang durch die Linke Wienzeile ist uns das Lokal "Tofu &Chili" bereits aufgefallen. An der Tür hängte ein selbstgedrucktes Poster, auf dem das Lokal mit "Rou Jia Mo" (selbstgemachtes Fladenbrot mit Fleischfüllung. Eine regionale Spezialität aus dem Nordwesten Chinas) wirbt. Ich fand das recht interessant und da Yummy House sowieso zu hat, kehrten wir um und betraten "Tofu&Chili".

Das Lokal ist sehr klein, insgesamt hatte ich nur acht Tische gesehen, wo maximal 30 Personen Platz hatten. Wir hatten Glück, dass gleich neben der Tür einen Tisch frei war, alle anderen waren besetzt. Die meisten Gäste waren Chinesen, vermutlich Studenten, die laut gequatscht und gelacht haben.
Eine ältere Dame reichte uns die chinesische Speisekarten und begrüßte uns unauffällig, jedenfalls scheint mir so als hätte ich einen Gruß gehört. Die Speisekarte ist ein vom Plastik geschütztes A4-Blatt, ähnlich wie beim Yummy House, wo beide Seiten beschriftet sind. Das Angebot besteht hauptsächlich aus nordwest-chinesische Spezialitäten, etwas Sichuan-Küche und chinesische Hausmannskost.

Bevor ich weiter berichte erkläre ich hier noch einmal kurz die nordwest-chinesische Küche, falls jemand diese nicht kennt. Mit "Nordwesten China" meint man ungefähr die Region von der westlichen inneren Mongolei bis nach Provinz Xin-Jiang, wo die Turkvölker (Moslem) Chinas leben. Also je weiter man nach Westen Chinas geht, desto eher sind Schweinefleisch bzw. Meeresfrüchte Fehl am Platz. Ebenso werden die Vegetarier nicht wirklich begeistert sein. Die Küche wird dominiert von Rind, Lamm und Wild. Als Hauptspeise nimmt man meistens Mehl (Weizen, Dinkel, Roggen, Mais....alles was man pulverisieren und formen kann) die dann zu diversen Nudeln, Fladen, gedämpfte Teigformen verarbeitet werden. Gezogene Nudeln mit Suppe (chinesisch "La Mian"), welche Japaner (die sagen "Ramen") auch gerne essen, stammt aus der nordwest-chinesischen Küche. Eine andere regionale Nudel-Spezialität ist "Biang Biang Mian", youtube link steht am Ende des Absatzes. Geschmacklich ist diese Küche eher einfach, sauer, scharf und Hauptsache deftig duftend. Auch bei einer Kombination von verschiedenen Gewürzen steht meistens nur ein Geschmack hervor. Einen kleinen Einblick über diversen Nudeln zeigt dieses kleine Video Link

Weiter über unseren Besuch. Durstig waren wir nicht, deshalb bestellten wir nur eine Kanne Tee (2€). Von der Vorspeise wählten wir "Xi An Liang Pi", Kalte Nudeln nach Xi An (eine Provinzhauptstadt mit langer Kultur, die berühmt für ihre nordwest-chinesische Küche und unzähligen Teiggerichte ist) und "Lao Shan Qiang Lian Ou", Lotuswurzeln im heißen Öl gebraten. Sechs "Yang Rou Chuan", Lammspieße, 1€ pro Spieß, man muss mindestens fünf bestellen. Einmal "Rou Jia Mo", Fladenbrot mit Schweinefleischfüllung (3,8€), könnte man auch nordwest-chinesischer Döner oder Hamburger sagen. Diese sind auch als vegetarisch wählbar, soweit ich mich erinnern kann. Einmal "Xiong Zhang Dou Fu", kurz frittierter Tofu im Wok mit Lauch gebraten. Ein junger Mann nahm die Bestellung entgegen.

Die Kanne Tee war verblüffend groß, ist vielleicht auch eine der Mentalitäten von Nordwest-Chinesen, Großzügigkeit.

Die kalte Nudeln "Liang Pi" kamen zuerst. Es ist eine aus Stärke (Weizen, Reis oder Sojabohnen) gewonnene puddingartige Masse. Diese wird gekühlt, und entweder gewürfelt oder nudelartig geschnitten. Diese waren aus Weizen, Reis oder Sojabohnen hätten eine durchsichtige Konsistenz. Traditionell wird Liang Pi mit Chilisoße und Gurken vermengt, war hier auch der Fall. Man sollte dieses Gericht nicht als eine Hauptspeise ansehen, Nord-Chinesen essen es gerne im Sommer als Snack. Wie bestellten es mit wenig Schärfe, war trotzdem sehr pikant aber gut.

Die Lotuswurzeln habe ich schon als Kind geliebt, so sehr, dass ich sie einmal bis zum Erbrechen aß. Frische geschälte Lotuswurzeln sind schneeweiß und gleich für den Verzehr geeignet. Sie haben von Natur aus einen milden süsslichen Geschmack, sind sehr knackig und erfrischend. In Wien kann man sie auch in den Asia-Märkten kaufen, wo man aber aufpassen muss wegen der Frische. Manche sind schon dunkel, davon würde ich die Finger lassen. Auch wenn äußerlich keine Mängel zu erkennen sind, ist es ratsam die Wurzeln zu Hause im heißen Wasser zu blanchieren oder vollständig zu garen, nicht roh essen! Die Zubereitungsart von Lotuswurzeln ist sehr vielfältig, Suppe, kalte Vorspeise, mit Fleisch geschmort oder Dessert, alles ist möglich. Die einfache Art ist wie hier, schälen, waschen und kurz im heißen Öl schwenken. Oder vorher blanchieren und mit heißem Öl übergießen, wäre zutreffender für das hier verwendete chinesisches Wort "Qiang".

Die Lammspieße sind euch eine regionale Spezialität der nordwest-chinesischen Küche. Eigentlich alles was mit Lamm zu tun hat, ist eine dortige Spezialität, vom Kopf bis Innereien. Das Fleisch war gut gewürzt, die mageren Stücke bisschen sehnig, das Fett schmeckte viel besser. Im groß und ganzen sehr ordentlich.

Rou Jia Mo, der chinesischer Hamburger, wurde für uns zwei geteilt. Der Fladen ist auf jeden Fall selbst gemacht, außen leicht knusprig und innen weich. Bin mir nicht sicher weshalb der Teig gelblich erscheint, könnte Maismehl oder Butter dazu gemischt worden sein, wäre auch eine typische Zubereitungsart. Das Fleisch, wir haben Schweinefleisch bestellt, könnte ein Spur mehr Salz oder Pfeffer vertragen, war mürb und fein duftend. Nach meinem Geschmack könnte man auch paar Korianderblätter hinein geben.

"Xiong Zhang Dou Fu", der geschmorte Tofu. Das Gericht kannte ich unter diesen Namen nicht, "Xiong Zhang" bedeutet hier "Bärentatzen". Der junge Mann erklärte mir, dass der Tofu in großen Scheiben geschnitten wird, kurz frittiert und im Wok mit Lauch angebraten wird. Nach dem Probieren meine ich, es ist mit einem Tofu-Gericht aus Beijing sehr ähnlich, das "Guo Ta Dou Fu, wo ein zerschlagenes Ei auf die frittierten Tofu kommt und alles wird unter kleiner Flamme im Topf geschmort. Diese "Bärentatzen-Tofu" schmeckten süsslich, ist eine neue Erfahrung.

Wir bezahlten insgesamt 30,3€, Preis Leistung auch in Ordnung.

Ich fragte die alte Dame beim Kassieren ob das Lokal neu sei. Sie sagte, dass der Betrieb schon fast seit zehn Jahre läuft, ups, peinlich. Sie meint mittags kommen hauptsächlich Studenten oder Österreicher, die ein Menü essen. Ja, da fällt mir ein, Kollege "SSW" und "neugierig", falls ihr nach meiner Bewertung gleich das Lokal aufsucht, bestellt nicht das Mittagsmenü. Ich kenne die deutsche Speisekarte zwar nicht, aber konnte am Nebentisch das Menü sehen. Es ist auf jeden Fall eine große Portion und ebenfalls chinesisch, aber nicht unbedingt so gut wie auf a la carte.

Fazit: Ein authentisches kleines chinesisches Lokal. Eine gute Abwechslung mit regionalen Köstlichkeiten Chinas. Ich komme sicher wieder um andere Sachen, vor allem die Nudeln zu probieren.

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Kommentare (6)

am 18. Februar 2015 um 08:27

Eine Perle von Bericht, mit all diesen eingestreuten Informationen zur regionalen Küche. Herzlichen Dank

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Experte
38
8
am 17. Februar 2015 um 14:54

@neugierig: du kannst dieses Gericht auch mit Lamm-oder Rindfleisch bestellen. Heißt "Shui Pen Yang Rou(Lamm)/Niu Rou(Rind)", ist auch auf der chinesischen Karte.

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Experte
58
16
am 17. Februar 2015 um 14:45

Sehr scharf...
Danke für die Empfehlung, wenns nur kein Darm wäre

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Experte
70
6
am 17. Februar 2015 um 14:41

Danke für die Warnung!

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Experte
152
83
am 17. Februar 2015 um 14:12

War neulich wieder mal bei Tofu&Chili. Hab diesmal Lammfleisch mit Kreuzkümmel, Gebratene Haarschwänze, Tofu mit eingelegtes Gemüse (Xue Cai Chao Du Si) und Hu Lu Tou (Erklärung siehe Foto) probiert.

Tofu mit eingelegtes Gemüse war ein kulinarisches Missverständnis, schmeckt ganz anders als ich es mir vorgestellt habe.

Lammfleisch mit Kümmel war ganz gut, das Fleisch war schön zart. Das chinesische Wort Kreuzkümmel "Zi Ran" kommt übrigens vom Uigurisch, also aus Zentralasien. Davor gab dieses Gewürz nicht in China und ist auch heute kein Standart in der traditionellen chinesischen Küche.

Gebratene Haarschwänze. Diese preiswerte Tiefseefische und sind schon jahrzehntelang ein populäres Gericht der chinesischen Familienküche. Das Gute ist, dass man sie noch nicht züchten kann und deshalb sind alle Haarschwänze vom Wildfang. Sie haben nur große Greten, die einfach zu entfernen sind, wenn man weiß wie. Prima gewürzt mit chinesischen Pfeffer, kribbelnd scharf.

Hu Lu Tou, für mich auch eine neue Erfahrung. Ich fragte wie man es zubereitet. Ein alter Herr erklärte mir die Hauptzutaten besteht aus Schweinedarm in einer Suppe, scharf angerichtet. Kenne ein ähnliches Gericht aus Beijing, das "Lu Zhu Huo Shao", kurz von den Beijing-Chinesen "Lu Zhu" gennant. Dabei werden Innereien vom Schwein, vor allem der Darm, Tofu und Gebäckstücke in einer Spezialsoße gekocht. Vor dem Servieren mit Knoblauch, fermentierte Tofusoße, eingelegte chinesische Schnittlauchblüten und Koriander abgeschmeckt. In einer großen Schüssel angerichtet wo man die Suppe schlürfen kann. Ein echter Beijing-Chinese liebt dieses Gericht, ich auch! Das "Hu Lu Tou" hier hat gewisse Ähnlichkeit, wird aber in einer klaren Suppe gekocht und mit viel Chiliöl übergossen. Suppe war eigentlich ganz fein, nur das Öl oben war viel zu scharf. Ich habe eine halbe Schale Chiliöl entfernen müssen und geschmeckt habe ich auch nichts mehr, der Gaumen war tot. Am gleichen Tag beschwerte sich mein Magen-Darm-Trakt indem er mich unangenehm auf die Toilette schickte. Bis heute bin ich lahm gelegt und kann nur leichte Sachen zu mir nehmen. Also Vorsicht beim Bestellen.

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Experte
58
16
am 5. Februar 2015 um 12:48

Danke für den Hinweis...
Ich weiß schon jetzt, dass es eine herrliche Völlerei am Abend wird, somit keine Gefahr bei Süß saurer Suppe und 8 Schätze zu landen...

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Tofu & Chili
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