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Santos Mexican Grill & Bar Wieden - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 19. Juni 2014
Experte
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Nach mittlerweile dreimaligem Besuch im relativ neuen „Santos“ auf der Wieden möchte ich auszugsweise über unsere Besuche berichten und das Lokal bewerten. Da, wo heute das „Santos“ beheimatet ist, war vor einiger Zeit ein recht beliebtes Asiatisches Restaurant, das „Aqua“ und danach für kurze Zeit eine Cocktailbar namens „Almost Famous“.

Das jetzt bereits zweite „Santos“ in Wien, neben dem „Santos“ in der Lugner-City, ist in einem alten Eckhaus untergebracht, dadurch besticht das Interieur besonders durch die hohen Altbau-Räume, die unerwarteterweise, trotz Erdgeschoß, hell und lichtdurchflutet sind. Nach dem Eintreten in das Lokal stößt man direkt und zentral an den Empfang bzw. die Servicestation, quasi der Bahnhof der Servicecrew, die einen stets unmittelbar, freundlich und herzlich begrüßt.

Die Einrichtung ist nicht künstlich übertrieben mexikanisch sondern viel mehr dezent, modern und sehr sympathisch gelungen – natürlich da und dort mit mexikanischen Akzenten, aber sehr nett dekoriert. Auffallend ist natürlich der nicht mehr lebende Baum im Lokal, eher nur ein Baumgerippe, ein echter „Knorzel“ – gelungen, erinnert er doch an die trockenen, wüstenartigen Gebiete in Mexiko. An Sitzgelegenheiten gibt es sowohl „normale“ Tische und Stühle aber auch typische Bar-Hochtische mit Hochsesseln. Im Zentrum des Geschehens stehen natürlich die sehr imposante und beeindruckende Cocktailbar und die teilweise offene Küche mit der großen Grillstation.

Naturgemäß ist die Küche im „Santos“ deutlich vom Fleischgenuss geprägt, ist man doch für die Mexikanische und teilweise auch Amerikanische Küche bekannt. Also Burger, Steaks, Ribs und diverse gefüllte Tortillas, Enchiladas, Fajitas, Burritos, Tacos oder Nachos und noch vieles mehr. Burritos, übersetzt der „kleine Esel“, sind übrigens immer aus Weizenmehl und Tacos immer aus Maismehl gefertigte dünne Teigfladen, die beliebig gefüllt und zusammengerollt serviert werden. Eine Sonderform der Tacos sind die Enchiladas, die mit beliebiger Füllung nicht gerollt sondern gefaltet und danach stets mit Käse gratiniert werden.

Das „Santos“ hat keinerlei Hauben oder Auszeichnungen und genau in diesem Rahmen und auf diesem Niveau werde ich die Bewertung durchführen.

An jedem Tisch steht bereits die klassische, mexikanische Menage bereit, hier sogar mit einer „Habanerosauce“, die tatsächlich etwas „kann“. Vielleicht ist es ein echtes Manko für Leute, die nicht gerne so scharf essen wie ich, dass hier keine mildere Variante, beispielsweise aus „Jalapeños“, angeboten wird. „Habanero“ heißt übrigens in etwa „aus Havanna stammend“, die feurigen Freunde haben aber mit Kuba nichts zu tun. Man vermutet heute eher die Herkunft von der mexikanischen Halbinsel „Yucatán“, die darüber hinaus auch für ausgezeichneten, vollmundigen und bei uns eher schwer erhältlichen Honig bekannt ist. Auf der Scoville-Scala siedeln sich Habaneros je nach Sorte immerhin zwischen 100.000 und 500.000 Scoville-Einheiten an – zum Vergleich, eine Standard-Tabasco-Sauce hat etwa 2.500 – 5.000 Scoville – sie sind also wirklich scharf. Werden sie noch, wie in Mexiko sehr beliebt, vorher geräuchert, so erhält man dann die landestypische „Chipotle-Habanerosauce“.

Nach Stöbern in der doch recht umfangreichen Speisekarte, zusätzlich gibt es auch noch Tagesempfehlungen oder Wochenangebote, haben wir dann auszugsweise nachfolgende Speisen und Getränke konsumiert. Sehr positiv zu erwähnen ist noch, dass die gesamten Speise- und Getränkekarten im Internet zur Verfügung stehen, sodass man bereits von zuhause aus darin gustieren kann.

Als Getränke hatten wir „Clausthaler Alkoholfrei“ (EUR 2,90 / 0,33l), „Eistee Zitrone mit Leitungswasser“ (EUR 2,40 / 0,5l), „Johannisbeersaft mit Leitungswasser“ (EUR 2,90 / 0,5l) sowie einige sehr brauchbare, gute „Espressi Doppio“ (EUR 3,50). Alles tadellos und ohne Fehl und Tadel.

„Onion Rings“ (EUR 3,80) – knusprige, gut abgetropfte und geschmacklich sehr gute Zwiebelringe wurden mit einem hausgemachten Sauerrahm-Dip serviert. Sie unterschieden sich geschmacklich doch deutlich von sonstiger TK-Standardware und ich würde sie mit einem guten GUT bewerten.

„Totopos con tres Salsas“ (EUR 4,60) – bestehend aus Tortilla-Chips, Guacamole, Sikil P‘aak (Kürbiskern-Dip) und Salsa Roja. Sehr schön, dass hier keine Tortilla-Chips aus dem Packerl serviert werden, sondern knusprige, g’schmackige Tortillas aus zwei verschiedenen Maissorten (gelb und dunkelviolett). Die Guacamole war sehr cremig, frisch und hatte auch noch eine wunderschöne Farbe – Avocados werden innerhalb von wenigen Minuten an der Luft unansehnlich grau-braun. Ich hätte die Guacamole lieber stückeliger, nicht ganz so fein püriert gehabt, aber das ist Geschmacksache. Der Kürbiskerndip war ausgezeichnet, geröstete Kürbiskerne, Koriander, Limettensaft und etwas Chili. Die Salsa Roja, frisches Tomaten-Püree, sehr gut mit Salz, Pfeffer, wenig Koriander und etwas Limette abgeschmeckt, hätte zwar durchaus schärfer sein dürfen, das konnte man aber problemlos selbst erledigen, steht doch die Habanerosauce parat. In Summe war diese Speise sehr gelungen – ich wüsste nicht, was man hier noch großartig besser machen könnte – AUSGEZEICHNET.

„Filetsteak mit hausgemachten Potato Wedges“ (EUR 19,80 - 200g) – mit extra „Sauerrahm-Dip“ (EUR 1,60) und „medium“ bestellt. Das Steak kam sekundengenau auf den Punkt, „medium“ gebraten an den Tisch. Die Fleischqualität war hervorragend und man hatte dem Steak auch noch eine schöne Kruste verpasst. Ein unerwartet hoher Genuss, haben wir doch schon öfters um viel mehr Geld, gehobener aber auch deutlich schlechter Steaks genossen – toll. Die Wedges waren recht groß geschnitten, jedoch waren die Erdäpfel von guter und g’schmackiger Qualität. Sowohl die dazu gereichte hausgemachte Kräuterbutter als auch der hausgemachte Sauerrahm-Dip waren hervorragend. In diesem Lokalgenre und auf diesem Lokalniveau kann ich ebenfalls nur ein AUSGEZEICHNET geben.

Ein „Sweet Onion Burger mit Pommes Frites“ (EUR 9,80) bestehend aus Rindfleisch, Tomate, Speck, Cheddar Cheese, karamellisierter Zwiebel in einer geschätzten 180g-Variante wurde serviert. Der Patty, hausgemacht im „Santos“, mit ebenfalls sehr gutem Rindfleischgeschmack hatte sehr schöne Grillaromen und wurde ebenfalls „medium“, wie gewünscht, an den Tisch gebracht. Der hausgemachte Bun, hier ähnlich einem dickeren Pita-Brot, schmeckte ausgezeichnet, hätte aber durchaus an den Schnittflächen besser geröstet werden sollen. Der Käse war sehr gut geschmolzen, die karamellisierten Zwiebel süßlich-pikant abgeschmeckt, der Speck geschmacklich sehr gut und knusprig. Die Pommes Frites waren knusprig und gut abgetropft. Ein glattes SEHR GUT, bedingt durch den Bun reicht es nicht zum Ausgezeichnet.

Extra noch eine „Pico de Gallo“ (EUR 1,60), ein Dip aus Tomaten, Koriander, Zwiebeln und Limettensaft. So kann man einfachste Zutaten zu einem Genuss vollenden – SEHR GUT.

Einmal das „Pollo con Mole almendrado y Chorizo“ (EUR 11,80) im „Santos“ ein Hühnerfilet vom Lavasteingrill mit Chorizo in pikanter Mandel-Schokoladensauce, dazu knusprig gebratene Polenta und Zucchini. Grundsätzlich gibt es kein „richtiges“ Rezept für die berühmte „Mole“. Jede mexikanische Hausfrau hat so ihr eigenes und „richtiges“ Rezept. Was aber alle „Moles“ gemeinsam haben ist die recht aufwändige Zubereitung, eine große Menge an teilweise auch schwer erhältlichen Zutaten und Gewürzen sowie die Entstehungsgeschichte. Der Erzählung nach hat in Mexiko eine betrogene Hausfrau ihren untreuen Ehemann strafen wollen, indem sie ihm ein Gericht aus allen Zutaten, die sie gerade zuhause hatte, zubereitete. Egal was sie fand, es wurde in den Topf geworfen – das Ergebnis soll aber, entgegen ihrer Intention, sehr schmackhaft gewesen sein und wurde als „Mole“ berühmt. Klassisch wird die „Mole“ immer mit Huhn serviert, und es gibt bei der Zubereitung nur zwei Todsünden: das Huhn, meist Brustfilet, erstens so lange zu braten, bis es trocken ist, und zweitens die „Mole“ so lange zu erhitzen, bis die Schokolade und somit die gesamte „Mole“ gerinnt (Kakaobutter) – in der Küchensprache auch gerne „abg’schissn“ oder „abpascht“ genannt. Beide Fehler unterließ der Koch im „Santos“ – das Hühnerfilet war sehr zart und saftig und die „Mole“ war cremig, homogen und äußerst schmackhaft. Die Polenta, gebratene Taler aus Polenta, war gut, aber für mich zu zaghaft gewürzt, die Zucchini hatten schöne Röstaromen und waren noch bissfest. Ich persönlich habe mir noch nie eine Chorizo zum „Pollo con Mole“ gebraten, muss aber gestehen, dass diese würzige, leicht scharfe Wurst einen sehr schönen Kontrapunkt zur süßlichen, vollmundigen „Mole“ bildet – gelungen und in meinem Repertoire abgespeichert! In Summe ein glattes SEHR GUT.

Einmal die „Smokey Honey Ribs“ (EUR 8,50, aus der Tageskarte) – sehr gut gewürzte Ribs und zwei mehr als nur sättigende Ribs-Reihen wurden serviert. Ein Manko, wie fast bei allen Ribs in einem Lokal: oben toll ausgebraten und knusprig gegrillt, unten jedoch zu blass. Außerdem wurde wieder einmal die Beinhaut an der Unterseite nicht eingeschnitten, und somit kann die Marinade nicht von unten in das Fleisch einwirken – das kann doch nicht so schwer sein, durch die dicke Beinhaut geht kein Aroma. Als Beilage wählte die beste Ehefrau von allen Potato Wedges, die sehr gut waren. In Summe, insbesondere durch die sehr g’schmackige und rauchig-süßliche Marinade, GUTE Spare-Ribs, aber auch nicht mehr.

„Schokoladen-Brownie“ (EUR 4,80) – hausgemacht und fast unwiderstehlich gut. Sehr schokoladig, sanft und weich, einfach SEHR GUT, fehlend nur etwas Säure als Beilage wie z.B. Obst oder Beerenmus.

„Coconut Kiss“ (EUR 5,50) – ein alkoholfreier Cocktail mit Coconutcream, Obers, Ananassaft und Grenadine, der ausgezeichnet zubereitet wurde. Schön aufgeschäumt, ausreichend Eis und sehr schmackhaft – SEHR GUT.

In Summe gebe ich für die Speisen auf diesem Lokalniveau gerne, aber auch vom „Santos“ ehrlich verdient, ein SEHR GUT. Wir wurden bisher noch bei keiner Speise enttäuscht, und alle Speisen waren stets sehr adrett und appetitlich angerichtet

Für das Ambiente gebe ich ebenfalls ein SEHR GUT, weil man in diesem Lokal einfach gerne gesehen und stets willkommen scheint – einfach ein hoher Wohlfühlfaktor, wenn es auch einmal, bedingt durch die Bauweise, etwas lauter sein kann. Statt sonst üblichen einfachen Kerzen werden am Abend kleine Kerzen-Tischlampen auf jeden Tisch platziert, was sehr zum gemütlichen Ambiente beiträgt. Die Sanitäranlagen sind sehr sauber und penibel gepflegt, und es gibt im hinteren Bereich des Lokals (vom Eingang her im rechten Teil des Lokals) einen kleinen Raucherbereich mit ausgezeichneter Lüftung und guter Trennung vom NR-Bereich.

Auch beim Service gebe ich gerne ein glattes und wohlverdientes SEHR GUT. Es ist so erfrischend, wenn man bei jedem Lokalbesuch immer freundlich empfangen und spätestens ab dem zweiten oder dritten Besuch noch freundlicher als „Freund des Hauses“ wieder erkannt wird. Ein sehr höflicher und netter Service, der auch gerne Empfehlungen gibt, die ehrlich gemeint sind, auch ein „ist heute nicht ganz so gut, wie sonst“ kann man hier, wenn angebracht, hören! Bisher waren die Wartezeiten auf unsere Speisen darüber hinaus stets angenehm kurz gehalten.

Fazit: eine glatte Empfehlung für das „Santos“ auf der Wieden! Gutes, wo immer es geht, hausgemachtes Essen zu sehr angemessenen Preisen, die, siehe Filetsteak, sogar manchmal überraschend preiswert sind. Eine umfangreiche Cocktailkarte, auch mit einer sehr schönen Auswahl an Anti-Alkoholika, sowie extra Mittagsgerichte (Montag bis Freitag von 11:00h – 16:00h) und ein „Take-Away-Service“ (Montag bis Freitag von 16.00h – 23:00h, Samstag, Sonn- und Feiertage ganztägig) mit eigener Karte (siehe Internet) runden das Gesamtangebot sehr positiv ab. Natürlich gibt es auch eine Happy Hour (täglich von 16:00h – 20:00h und 23:00 – 0:00h), innerhalb dieser alle Cocktails, außer Heavy Drinks, um nur EUR 5,50 zu verkosten sind. Ebenfalls erwähnenswert ist das Angebot an Mexikanischen Bieren, das wohl über den sonst üblichen Standard hinausgeht: Pacifico Clara, SOL, Bohemia, Negra Modelo (dunkles Bier), Corona, Desperados und Michelada.

Ein Tipp noch zum Schluss von mir: immer die Tafeln am Eingang beachten. Hier werden die Tagesaktionen und sonstigen Spezial-Angebote verlautbart.

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Kommentare (4)

am 20. Juli 2014 um 21:40

Dem Asiaten seine Sirachasosse.

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am 20. Juli 2014 um 21:25

Was dem Wiener sein "Maggi-Flascherl" ist dem Mexikaner die Chilisauce am Tisch, mindestens „Jalapeño“, noch besser „Habanero“, am besten aber "Habanero Chipotle.

Hasta luego, Amigo provocativo!

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Experte
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am 20. Juli 2014 um 12:29

"… klassische, mexikanische Menage…"???
Bitte, was ist das?

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am 20. Juni 2014 um 12:31

Ja, allerdings nur in Richtung Favoritenstraße.
Gerry

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Santos Mexican Grill & Bar Wieden
Favoritenstraße 4-6
1040 Wien
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