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Graselwirtin - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 19. September 2012
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3Speisen
4Ambiente
3Service
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Ein Ausflug zu einem der schönsten Mittelalterfeste Österreichs, in Eggenburg, stand auf dem Plan. Natürlich fiel uns sofort die kulinarische „Waldviertler Institution“, die „Graselwirtin“, ein. Daher reservierten wir für diesen Tag auch für einen vorherigen Abstecher nach Mörtersdorf in diesem Lokal. Problemlos und freundlich wurden die Daten aufgenommen und man wünschte noch eine gute Anreise.

Über den Räuberhauptmann Johann Georg Grasel (1790 - 1818) könnte man ein Buch schreiben, und es wurden auch bereits einige Schriften über sein Dasein verfasst. Gerne wird er zum „Robin Hood“ aus Österreich stilisiert, da er die Reichen bestahl und die Armen beschenkte. Man sollte aber nicht unbedingt an dieser romantischen Beschreibung festhalten, denn immerhin beging er mit seiner bis zu 66 Mann umfassenden Bande Diebstahl, Raub, schweren Raub bis hin zum räuberischen Totschlag und daher war Grasel einfach nur ein schwerer Verbrecher.

Am 31.Jänner 1818 um 8:00h früh wurde Johann Georg Grasel dann im Beisein einer riesigen Menschenmenge vor dem Neutor in Wien öffentlich durch den Strang hingerichtet. An der „Robin Hood“-Geschichte nährt sich auch heute noch die touristische Vermarktung von Grasel. So wurde auch hier bei der „Graselwirtin“, im Keller am Weg zu den Sanitärräumen, eine kleine „Gedenkstätte“ eingerichtet mit dem Räuberhauptmann im Kerker sowie einer historischen Gebäudenachbildung. Besonders schön fand ich jedoch den hier gegründeten „Grasel-Klub“, der Spenden sammelt und diese dann an bedürftige Familien weitergibt – eben im Sinne von „Robin Hood“ – schnell waren von mir EUR 5,00 hierfür im Topf. Details über Johann Georg Grasel lassen sich auch im Internet recherchieren, wen es halt interessiert.

Wir waren gegen 14:30h im Lokal und ich empfehle eine Reservierung auch für diese Uhrzeit in jedem Fall. Das Lokal ist immer gut besucht und gut gebucht und auch so manche Busgesellschaft kehrt extra hier ein, weil die „Graselwirtin“, Frau Anna Rehatschek ist die Chefin, weithin bekannt ist. Das Lokal liegt recht idyllisch und ruhig mit weitem Blick auf eine sehr kleine Siedlung und zahlreiche weitläufige Felder. Vor dem Lokal gibt es einen großen Spielplatz im Freien, der aber von manchem Garten- bzw. Terrassenplatz sehr gut einsehbar ist. Auch im Lokal gibt es eine Spielecke und generell ist zu sagen, dass man hier sehr kinderfreundlich ist. Was mich persönlich aber stört, ist die typische „Kinderkarte“, die Schnitzel, Fischstäbchen, Pommes & Co bietet. Ich meine, die Kinder sollten alle Speisen der „Großen“ angeboten bekommen, nur halt in sehr kleiner Portionsgröße. Sie sollen an die Vielfalt der Kulinarik, den saisonalen Gemüsen etc. herangeführt werden – meine beste Tochter von allen beispielsweise aß mit fünf Jahren bereits meine hausgemachten Spaghetti Gorgonzola. So aber werden leider klassische „Fast-Food-Konsumenten“ herangezüchtet – ein leider sehr weit verbreiteter Unsinn, dass eine „Kinderkarte“ immer aus „Fastfood“ bestehen muss.

Zu trinken hatten wir das „Graselbier“ (EUR 3,30 das Krügel, EUR 2,80 das Seidel), das sehr gut gezapft und kühl serviert wurde. Gebraut wird es in der Zwettler Brauerei exklusiv für die „Graselwirtin“ und es ist sehr mild und leicht hopfig, fast wie ein „Gemischtes“ mit wunderbarer Bernsteinfarbe – sehr gut. Meine beste Tochter von allen und ihre Freundin hatten den „Hollersaft“ (EUR 1,60 für 0,25L) mit Leitungswasser jeweils auf 0,5L „aufgespritzt“, der ausgezeichnet und von der Region war.

Von den Speisen her ist bei der „Graselwirtin“ sehr bodenständige und klassisch österreichische Kost zu erwarten. Man kocht aber auch saisonal, vor allem regional und biologisch. Die „Graselwirtin“ ist auch Mitglied der Initiative “Tut gut” und man wurde hierfür unter dem Motto „Gesünder leben in Niederösterreich – tut gut“ speziell geschult. Das bedeutet regionale und saisonale Lebensmittel, Fisch und fleischlose Gerichte bis hin zur biologischen Naturküche. Aber keine Angst, Innereien, Waldviertler Schmankerl, Knödel und Gebackenes sowie typische Desserts aus der Region kommen nicht zu kurz. Die „Graselwirtin“ hat keine Hauben oder Sterne und daher wird sie genau in diesem Rahmen und auf diesem Niveau von mir bewertet.

Einmal die „Milzschnittensuppe“ (EUR 2,90) – eine wunderbar goldgelbe kräftige und hausgemachte Suppe wurde serviert. Auch die Milzschnitten waren selbstverständlich selbst gemacht und die zwei Schnitten auf gut geröstetem Toastbrot (statt wie in Wien üblich altbackenen Semmelscheiben) schmeckten wunderbar. Eine sehr gute und durch und durch ehrliche Suppe, wie man es sich wünscht – SEHR GUT.

Zweimal die „Frittatensuppe“ (je EUR 2,90) – für die Suppe gilt bereits Geschriebenes und die Frittaten waren ebenfalls hausgemacht und sehr schön beidseitig goldbraun gebacken – ebenfalls SEHR GUT.

Einmal das „Waldviertler Antipasti“ (EUR 5,20 – kleine Portion) – ausreichend sehr dünner Rohschinken, der ähnlich einem Kärntner oder Südtiroler Speck schmeckte, gepaart mit Gemüse, das mit Frischkäse gefüllt wurde, kam an den Tisch. Es war zwar die kleine Portion, jedoch fand ich die Relation zwischen sehr gutem Schinken (sehr viel) und eingelegtem und gefülltem Gemüse (spärlich, genau nur jeweils ein Zwieberl, ein „Peppersweet“-Paprika und eine Olive) nicht sehr ausgewogen. Mir persönlich schmeckte es recht gut, ich hatte aber auch absolut kein „Aha-Erlebnis“, da es eben, wie auf vielen Märkten zu kaufen, eingelegtes und mit Frischkäse gefülltes Gemüse war - ein GUT, aber nicht mehr, weil ohne wirkliche Raffinesse. Das Gebäck extra, was sollte man bitte sonst dazu essen, kostete EUR 1,00 (Salzstangerl, das aber sehr gut war).

Einmal das „Gegrillte Bierkotelett“ (EUR 10,20) – zwei Koteletts aus dem kurzen Karree, die in Biermarinade und sehr würzig eingelegt waren, kamen auf den Tisch. Die Koteletts waren zu lange gegrillt und daher schon etwas trocken, die Würzung war zu viel des Guten, sehr überwürzt. Die Pommes waren TK-Ware, die „Chili-BBQ-Sauce“ dazu wahrscheinlich hausgemacht, aber nicht gut gelungen, weil zu 99% aus Ketchup bestehend, die Knoblauchsauce war O.K., aber nicht mehr, die Kräuterbutter (hausgemacht) sehr gut und der Krautsalat dazu war zwar auch hausgemacht, aber sehr mild abgeschmeckt. In Summe gibt das ein gutes MÄSSIG, aber gut in dem Sinn war diese Speise summa summarum einfach nicht. Dazu bestellte meine beste Ehefrau von allen noch extra einen „Gurkensalat“ (EUR 2,60), der definitiv auch hausgemacht war und wunderbar mit frischem Knoblauch abgeschmeckt wurde.

Zweimal den „Waldviertler Backhendlsalat“ (je EUR 6,90 für die „kleine“ Portion) – serviert wurde ein sehr knusprig paniertes und noch immer saftiges Hühnerfilet, das gut abgetropft wurde. Angerichtet auf einem gemischten Salatteller, der sehr gut und typisch wienerisch, also süßlich, mariniert wurde. Dazu qualitativ gutes Kernöl und einige Kürbiskerne, die man vorher aber rösten sollte, war diese Speise wirklich GUT. Für eine „kleine“ Portion war dieses Gericht mehr als ausreichend.

Einmal das „Surschnitzel mit gemischtem Salat“ (EUR 9,70) – das Surschnitzel war sehr knusprig paniert und gebacken und nahezu fettfrei serviert. Das Fleisch von guter Qualität und sehr mürbe, es ließ sich fast schon mit der Gabel zerdrücken – sehr gut zartrosa gesurt, aber nicht zu viel der Sur. Der gemischte Salatteller war sehr gut und ein klassischer „Wirtshaussalat“ – passt. In Summe ein SEHR GUT für ein riesige aber vor allem schmackhafte Portion.

Einmal den „Eismohr im Hemd“ (EUR 4,40) – die Vanilleeiskugel ist jetzt nicht die Rede wert, der Mohr wurde aber leider nicht hausgemacht, sondern gekauft. Besonders ärgerlich, weil er in der Karte unter der Überschrift „Hausgemachte Mehlspeisen“ steht. Schlicht und ergreifend eine MÄSSIGE Kundentäuschung.

Ein sehr schmackhafter „Graselbrand“ (EUR 2,20 – ein Obstbrand) sowie ein guter „Kleiner Espresso“ (EUR 2,00) rundeten das Mahl ab.

Summa summarum gibt es für die Speisen, in diesem Rahmen und auf diesem Lokalniveau, die in Summe wirklich gut waren, eben ein glattes GUT. Erwähnenswert und eine sehr gute Idee ist, hier annähernd alle Speisen auch als „kleine“ Portion anzubieten, die in anderen Lokalen aber bereits eine Vollportion wären. Alles wurde frisch und ohne lange Wartezeit zubereitet, bis auf kleine, geschilderte Ausnahmen.

Für das Ambiente, wir saßen im Außenbereich, gibt es von mir ein glattes SEHR GUT (innen, obwohl adrett und freundlich hell, lediglich ein gut, weil doch sehr laut). Neigt sich die Sonne, so wird das Außenrollo auf der Terrasse heruntergelassen - super. Bequeme Sitzgelegenheiten auf massiven und gemütlichen Holzbänken und –sesseln sowie sehr großzügige Holztische laden zum Verweilen ein. Die Sanitäranlagen sind teilweise originell aber in jedem Fall sehr sauber und modern – TOP, jedoch nicht behindertengerecht.

Für den sehr netten Service, der aber manchmal auf sich warten ließ bzw. schon einmal ein zusätzliches Besteck vergaß, gibt es ein glattes und gutes GUT. Jede Frage wurde ehrlich und kompetent beantwortet, manchmal blieben halt leere Teller etwas lange am Tisch stehen. Man ist hier in keinem Haubenrestaurant und hierfür ist der Service wirklich gut und angenehm.

Fazit: saisonale Aktionen und Veranstaltungen wie „Künstlerstammtisch“ etc., eine Terrasse mit schönem Ausblick, die 100 Personen fassen kann, ein Stadel, eine Gaststube und die Graselstube mit einer Kapazität von jeweils 80 Personen werden hier angeboten. Tatsächlich regionale Waldviertler Schmankerl, gutbürgerliche und bodenständige Hausmannskost, Heurigenspezialitäten und gepflegte Weine und Biere aus der Region (man ist gesegnet, Zwettler- & Weitra-Brauerei in der Nähe) hat der Gast zur Auswahl. Von Montag bis Freitag gibt es auch Menüs und man lebt hier die „Niederösterreichische Wirtshauskultur“ tadellos. Die Speisen sind ob der Qualität und besonders auch der Quantität sehr fair bis günstig – hungrig geht hier niemand nach Hause. Interessant sind auch der im Hause betriebene Spezialitätenverkauf (regionale Feinkost & Bücher über Grasel) sowie die überaus gut gestaltete Internetseite. Nicht nur im Zuge eines Ausfluges nach Eggenburg (Link), zur Rosenburg (Link), in die nahe Amethystwelt Maissau (Link) oder in das Schloss Horn (Link) oder gar in eine der Brauereien (Zwettl oder Weitra) empfiehlt sich die „Graselwirtin“, aber natürlich ganz besonders dann. Eine echte und mit gutem Gewissen gegebene Empfehlung – hinfahren und ausprobieren! Daumen definitiv nach oben!

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Kommentare (2)

am 20. September 2012 um 11:30

Vielen Dank, captain!
Gerry

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Experte
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am 19. September 2012 um 23:30

Tadelloser Bericht, Gerry, danke dafür. Speziell auch die geschichtlichen "insights", da soll noch jemand sagen, lange und ausführliche Berichte sind sinnlos.

Ich erinnere mich an einen sehr, sehr guten Schweinsbraten, den ich dort gegessen habe, gute, bodenständige Küche.

Du sprichst mir aus der Seele, was die Kinderkarte betrifft, hier täte etwas mehr Mut und Kreativität seitens der Gastromen Not. Pinocchio - Schnitzi mit Pommes und Schneewitchen Burger sind zweifelsfrei nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich bin sicher, man könnte Kindern, auch wenn ich hier nicht aus persönlicher Erfahrung spreche, mehr zutrauen, indem man ihnen feine Küche (not-crappy-fastfood) näherzubringen versucht.

Excellent review, Gerry.

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Graselwirtin
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