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Sa, 20. Juli 2024

Zum Englischen Reiter, Wien - Bewertung

am 6. Juli 2024|Update 8. Jul 2024
SpeisenAmbienteService
Zum Englischen Reiter – Konkurrenz zum Schweizerhaus?

Für manch leidenschaftlichen Praterbesucher die Frage aller Fragen. Klare Antwort aus meiner Sicht: Nein! Aber der Reihe nach. Eigentlich wollte ich wieder mal mit Freunden das Schweizerhaus besuchen, nur überstimmten mich diese für den Englischen Reiter.

Warum aber? Vorurteil oder das Wissen, dass er doch die bessere Wahl ist? Seit es die beiden Lokale gibt, stehen sie wohl oder übel zueinander in Konkurrenz. Sie liegen quasi wie nebeneinander mit gerade mal 50 m Abstand.

Interessant ist die oft polarisierte Meinung, dass der eine das Maß aller Dinge sei, z.B. für die legendäre Stelze, und der andere hinkt höchstens hinterher. Und das gilt für beide. Man kennt solches Feilschen auch, wenn es um den besten Eissalon oder Italiener geht.

Das liefert zwar immer spannenden Gesprächsstoff, nur kann man sich daraus leider kein objektives Bild machen. Da ich zugestehen muss, den Englischen Reiter ohnehin nicht näher zu kennen, mein letzter Besuch liegt wohl schon Jahre zurück, also warum nicht? Schau mer mal.

Es gibt einen vorderen Bereich, der inmitten des Pratertrubels liegt und den doch für meine Begriffe attraktiveren hinteren Gastgarten, der mir besser zusagt. Dort wurde auch unser Tisch bestellt.

Reservierung und Empfang funktionierten klaglos. Ein Kellner nimmt uns in Schlepptau zu unserem Tisch, der sogar überdacht war, regenfest sozusagen. Das Innere, naja, geht so, aber doch steril, richtig ansprechen kann es mich nicht, aber ich gehe in solche Bierlokale ohnehin zumeist nur in der schönen Jahreszeit.


Einige Takte zum Service

Unser Kellner zeigte sich durchaus locker und leger, wie ich mir das für dieses Klientel an Gästen erwarte, war stets zugegen. Wenn er mal Pause machte, sprang ein anderer mühelos ein, insgesamt wurden wir sehr gut betreut. Immer wieder wurde gefragt, ob alles passt oder noch Wünsche offen sind, kurzum, das hatte auch gepasst.

Zur unserer Besuchszeit lief gerade der EM-Schlager Deutschland-Spanien und man hörte im Hintergrund immer wieder den Fantrubel. Woher der kam, konnte man gar nicht ausmachen, ob innerhalb oder außerhalb des Lokals, aber so trug das auch zur Stimmung an unserem Besuchstag bei. Oder mit anderen Worten: Ruhig war es hier gerade nicht.


"Highlight" Stelze & Co

Stelze stand wohl im Zentrum meines Interesses dieses wunderschönen Sommerabends und ich war schon angespannt. Man servierte sie auf einem rechteckigen Brett, auf dem auch Kren/Senf und 2 Scheiben Mischbrot abgelegt wurden. Dies ist in der Bestellung so inkludiert.

Das gute Stück wird schon so zerlegt hergerichtet, dass der dicke Schenkelknochen fast ausgelöst liegt. Extra geordert wurde ein Krautsalat und eine Portion scharfe Pfefferoni. Mein Speisenkollege wollte dazu einen griechischen Bauernsalat, mit dem er recht zufrieden war.

Auffällig der erste Eindruck. Die Kruste war recht hell und im Ganzen, besser gesagt in mehreren Klumpen rundum aufgetragen. Die Optik gefiel mir mal nicht. Die fast weiße Farbe deutete auf die Verabreichung von extrem viel Salz hin.

So war es dann im Geschmack auch. Sie war also nicht knusprig, sondern mehr klumpig und so als beiße man in eine zähe Salzkruste. Das war nicht lusterfüllend. Dahinter zeigte sich kaum ein Fettpolster, das Fett wurde scheinbar komplett in die Kruste aufgesogen.

Jetzt erinnere mich an die Aussage eines absoluten Reiter-Fans, also so einer, der nichts für den Kolarik übrig hat. Er meinte die Stelze wäre hier nicht so fett sei daher um Ecken besser. Nun, der Kollege bedenkt nicht, dass er sich damit auch verrechnet, denn das liegt mehr, wie ich das sehe, an der Zubereitung, aber so ist das nun mal mit Geschmäckern, warum manche lieber Salz als Schmalz haben.

Dafür war das Fleisch durchaus weich und zart. Insgesamt reichte sie für zwei männliche Esser, für drei wäre diese aber zu wenig gewesen, die Menge sei aber nicht mein Kriterium, denn Hand auf’s Herz, wir hawern eh olle z’vü. 😉

Ich muss bescheinigen, dass ich mir den Genuss mehr von den Nebeneffekten holen musste, dazu dienten das weiche Brot und der frisch geriebene Kren sehr gut, letzterer sich auch den wohltuenden Nasenkick zu verpassen, der Krautsalat Durchschnitt, aber brauchbar. Der Senf war leider nicht meins, den ließ ich daher.

Meine anderen beiden Kollegen, wie waren zu viert, sind gar keine Stelzenfans, konnten mir aber auch nicht erklären, warum sie dann dem Lokal den Vorzug geben. Aber wollen wir darüber hinwegsehen, es geht ja auch um eine Geselligkeit.

Der eine aß einen klassischen Zwiebelrostbraten, war damit aber nicht so zufrieden. Das Fleisch, ich bekam einen Bissen ab, war definitiv wie auch er meinte, zu trocken und für meine Begriffe langfasrig, War das wirklich ein Rostbraten?

Das zeigt somit nicht die richtige Fleischqualität, Der Rest, Röstzwiebel und Saft, auf das ich sehr großen Wert lege, halbwegs auf sog. Wr.-Küche Niveau.

Unser vierter Teilnehmer liebäugelte mit einem gekochten Rindfleisch, dieses war tadellos, aber die Beilagen, naja a miade G’schicht, täte der Wiener sagen. Wieder mal eine ausgesprochen fade Schnittlauchsauce, der Apfelkren eine Süßspeise, die Rösterdäpfel wenigstens passabel.


Das gepflegte Bier

Bleibt noch das zu begutachten. Es gibt die Sorten Murauer oder Budweiser, Das Murauer als Helles, Zwickl, Gemisches oder Dunkles. Ich wollte die Alternative des Budweisers. Es kam mir etwas zu lackig vor und der Schaum verschwindet in Sekundenschnelle, das auch bei den anderen, wie ich das bei den Kollegen beobachten konnte. Der Temperatur und dem Durst war es geschuldet, dass ich dennoch drei Halbe verdrücken musste.

Klarerweise spielen mir zu dem Thema meine Ganglien auch den Streich, dass man im Hinterkopf immer das Pendant von dem da drüben hat. Man kann das gar nicht ausblenden. Ich meine, das Bier ist guter Schnitt, aber Lobestöne kann es nicht hervorrufen, weil das Herz in dem Fall schon einem anderen gehört.


Mein persönliches Fazit

Was meine ich summa summarum? Als nette Alternative hin und wieder mal den Englischen Reiter, warum nicht? Dann aber nicht Stelze. Ich verstehe nun ein wenig, warum solche Dinge regelrecht polarisieren können. Ich meine nicht, dass wir hier bloß den schlechteren Tag hatten, es gab für den einen Besuch zu viele Schwächen auf einmal.

Ich kann daher nicht mehr als eine 2,5 vergeben, d.h. für die 3 reicht das nicht. Das Ambiente erhält eine saubere 3, der hintere rechte Gastgartenbereich gibt dazu den Ausschlag. Der Service erhält auch ein lobendes Sehr gut, somit von mir die Note 4.

Wiewohl ich versuche Vorurteile auszublenden um zu einer objektiven Sichtweise zu gelangen, so spielt es hier doch auch eine große Rolle, dass das für mich mehr als nur deutlich Bessere gerade mal einen Steinwurf weiter liegt, das mein Herz auch immer wieder höchst beglückt.

Also vergelt‘s Gott, werter Englischer Reiter, mein nächste Ritt erfolgt dann wieder auf dem anderen Pferd.
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3 Kommentare
Rodauner

Der englische Reitet positioniert sich doch als Billiganbieter im Vergleich zum Schweizerhaus (Stelze mit Beilagen billiger als im Schweizerhaus nackert) - ist doch klar, dass da die Qualität unmöglich mithalten kann

6. Jul, 22:01Gefällt mir
WrKFan

Ist für dich der Englische Reiter damit auch keine Alternative? Der wird im Gegensatz zu anderen Lokalen nicht so schnell verschwinden.

6. Jul, 11:27Gefällt mir
Meidlinger12

Das Schweizerhaus ist ja eh gut und macht alles richtig, aber mir fehlt im Prater schon etwas die Auswahl. Früher gabs noch den Walfisch und Eisernen Mann und noch andere. Das Schweizerhaus hat sich dermaßen perfektioniert, dass hier keiner mehr mithalten konnte und sie nach und nach verschwanden und zusperrten. Das Schweizerhaus ist aber für mich auch extrem ungemütlich, weil es eine perfekt durchgetaktete Maschine ist. Das ist so ähnlich wie bei Autos. Da gibt es auch Fahrzeuge wie früher zumindest Deutsche, die perfekt funktioniert haben, aber überhaupt keinen Charme verbreiten im Gegensatz zu den italienischen Autos, die nicht so perfekt funktionieren aber das gewisse Etwas haben, welches Deutsche nie haben werden. So verhält es sich für mich mit dem Schweizerhaus. ;-)

6. Jul, 10:57Gefällt mir
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