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Sa, 15. Juni 2024

St. Ellas, Wien - Bewertung

am 10. Februar 2023
SpeisenAmbienteService
Ein wieder einmal höchst erfreulicher Abstecher in den 7., diesmal auf Empfehlung eines von mir sehr geschätzten Kopiloten. Er, der mit seiner Freundin im 7. wohnt, meinte während eines Fluges, ich müsste unbedingt das Stellas probieren, es würde mir sicher gefallen.

Kollege A. ist ein durch und durch Genussmensch, ergo vertraue ich seinen Empfehlungen (und vice versa), also will das Lokal probiert werden. Die HP ist sympathisch, nicht überladen, und es stellt sich heraus, dass es das Stella in Wien zweimal gibt, einmal im Dritten einmal im Siebenten. Fusionsküche, Kreativität ist das Motto, interessante Gerichte werden im Internetauftritt präsentiert, sehr einladend.

Die Reservierung funktioniert tadellos online, - ein nettes Feature ist, dass man vor Abschluss der Reservierung noch einmal gefragt wird, ob einem eh klar ist, dass diese Reservierung für das Lokal im 7. ist. Ja, ist sie. Danke.

Mit der Bim (5er) ist’s von unserem zu Hause eine 15 Minuten Fahrt, dann noch die Burggasse runter zur Ziegler und schon sind wir vor dem Lokal. Wir werden freundlich empfangen und treten in ein ausgesprochen einladendes, gemütliches Ambiente ein. Rote Wände, eine schöne, prominente Bar, die Tische nicht zu eng gesteckt, schön eingedeckt, elegant, ohne zu steif zu wirken, warm, gemütlich, sehr, sehr schön.

Getränke werden rasch abgefragt, die Liebste eröffnet mit einem Campari Soda, ich kontere mit einem Negroni. Beides sehr gut (gut, bei einem Campari-Soda kann man jetzt nicht wirklich patzen), der Negroni durchaus Bar-tauglich und satisfaktionsfähig.

Es wird eine Tageskarte in Form einer kleinen Tafel präsentiert, dazu gibt es eine Speisekarte, auf der auch Cocktails und Getränke aufgelistet sind. Sehr übersichtlich und das Küchenkonzept liest sich durchaus interessant. Moderne Fusionsküche ist die Linie, also finden sich mediterranes mit asiatischem Touch genauso wie österreichische Elemente.

Spannend. Wir mögen das, wird man dadurch auch einmal aus der Komfortzone der definierten Schubladen (italienisch/Wiener Küche/bulgarisch/etc.) herausgelockt.

Die Liebste wählt die Pimentos di Padron als Vorspeise, für den Hauptgang sollen es Ripperln vom Duroc-Schwein mit Scamorza und mariniertem Rotkraut sein. Ich entscheide mich für den knusprigen Schweinebauch aus der Karte, der soll mit Selleriepüree Pak Choi und Pilzen daherkommen, davor bitte die Ravioli mit hausgemachter Blunzenfüllung (!!).

Zur Vorspeise wähle ich ein Achterl Gavi di Gavi aus dem Piemont, zur Hauptspeise darf es dann etwas Kräftigeres sein, ein Glas Cuvée Q2 vom Gager aus dem Burgenland. Fein.

Auftritt der Vorspeisen: die Pimentos sind ja ein herrliches Vorspeisengericht, das auch die Liebste gerne unseren Gästen immer wieder auf der Terrasse in Perfektion serviert. Sehr simpel, - Pimentos in Öl gebraten, mit etwas Meersalz bestreut – that’s it. Isst sich wie Popcorn, einfach herrlich. Im Stellas waren sie leider etwas bitter geraten und mit etwas zu wenig Salz bestreut (wobei am Tisch ein Schüsselchen mit Salzflocken eingestellt war, also alles reparabel ...). Die Qualität der Pimentos kenne ich besser, trotzdem eine solide Vorspeise.

Meine Blunz‘nravioli ließen mich etwas ratlos zurück. Sehr innovative – und kulinarisch-fusionierende (Ö/I) Idee, im Ergebnis wurde ich nicht überzeugt. Die Ravioli waren perfekt, die Pilze, die Sauce (beurre blanc?) perfekt, die Füllung der Blunz’n war zwar schmackhaft und gleichzeitig exotisch/überraschend, hat durch ihre Deftigkeit die Finesse der Ravioli und der sehr, sehr, sehr feinen Sauce leider nachgerade erschlagen. Interessante Idee, mit einer klassischen Farce-/Pilzfüllung wäre es das perfekte Ravioligericht gewesen.

Die Hauptspeisen:

Der Liebsten Ripperl waren der Matchwinner des Abends. Hervorragende Kruste, interessant gewürzt (nicht klassisch BBQ), crunchy, zartes, sehr gutes Fleisch – tadellos. Einen Ticken länger gegart wäre das Fleisch schon beim strengen Anschauen vom Knochen gefallen, das wäre dann noch besser gewesen. Aber das, p.t. Leser:Innen ist Jammern auf allerhöchstem Niveau.

Das Rotkraut als Beilage war das Beste, das wir bisher kredenzt bekommen haben. Wir sind beide keine Freunde des zimtlastigen, süßlichen, fast schon Weihnachtsbäckerei-anmutenden, weichgekochten Rotkraut, das landauf-landab zum Gansl serviert wird. Sauerkraut ja, Rotkraut (mit Süße): nein, not so much.

Dieses Rotkraut war roh mariniert, mit asiatischem Touch, knackig, gute Säure, einfach ein hervorragender Kontrapunkt zu den Ripperln. Als Beilage gab’s panierte Scamorzakugeln, - ja eh, gut (wir mögen den Räuchergeschmack des Scamorza), insgesamt hätt’s das nicht gebraucht, Ripperl mit Krautsalat haben einander perfekt ergänzt, die Käsekugerln in Panade konnten keinen wirklichen geschmacklichen Mehrwert liefern.

Mein knuspriger Schweinebauch war zart, mit einer guten, knusprigen Kruste, gebettet auf einem feinen Selleriepüree. Pak Choi brauch ich nicht, aber das ist meine persönliche Präferenz.

Das Fazit:

Ein sehr, sehr, sehr nettes und gemütliches Lokal, in dem man einen wirklich netten Abend verbringen kann. Netter und professioneller Service, die Preise für die Qualität der Speisen/Getränke absolut OK. Wird definitiv nicht unser letzter Besuch dort sein, - wirklich ein gelungenes Konzept, irgendwo zwischen Bar und doch sehr kreativer, hochwertiger Küche. Man sieht das Engagement des Teams, sowohl im Service, als auch in der (halb)offenen Küche.

Kompliment und danke für einen sehr angenehmen Abend.
Ambiente - St. Ellas - WienTageskarte - St. Ellas - WienDie Bar, sehr schön und passend für das Lokal - St. Ellas - Wien
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1 Kommentar
WrKFan

Wie immer sehr hilfreiche wie aufschlussreiche Rezension, bin leider weiter kein Fan von Fusion, suche mehr das Authentische und bin da schon nicht sehr fündig. Ist subjektiv, keine Frage.

11. Feb 2023, 17:17Gefällt mir
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