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Do, 13. Juni 2024

Restaurant Schwabl, Wien - Bewertung

am 15. November 2022
SpeisenAmbienteService
Der Schwabl – neue Referenz für den 12.?

Es liegt schon einige Jahre zurück, als mich ein Freund auf den Schwabl im 12. Hieb aufmerksam gemacht hatte. Unweit der U4-Station Meidling Hauptstraße, öffentlich damit sehr gut angebunden und ein paar Meter weiter kann man einen Verdauungsspaziergang im Park Schönbrunn absolvieren. Sowas motiviert mich.

Was mich dann abgeschreckt hatte war der Raucherbereich in der Schankstube, obwohl sie meine Kragenweite wäre. Nun, dieses Dilemma gilt als beseitigt, was seitdem mehrere Vertreter dieser Typs wieder attraktiv gemacht hatte. Auf der Pirsch nach solchen authentischen Lokalen schien für mich ein Stern aufzusteigen. WrKFan geht ans Werk.

Der Schwabl verfügt über einen hinteren Gastraum, der mit gedeckten Tischen Restaurantatmosphäre vermittelt, wo ich früher Platz genommen hatte. Vor dem Lokal fristet ein Schanigarten sein Dasein. Das Lokal gehört zu den noch klassisch geführten Familienbetrieben.


Der Service – familiär und richtig wienerisch

In der Stube werkt Herr Andreas, für die Stammgäste schlicht der „Andi“, und Bruder Karl, weniger sichtbar, bedient die Kochlöffel der gegenwärtig amtierenden Schwabl-Generation. Was mich neuerdings erfreut ist der Umstand, dass seit ca. drei Jahren im Service ein gewisser Herr Reinhard sein Angesicht erstrahlen lässt.

Ich kenne den guten Mann seit Jahren als g‘standenen Parade-Ober aus dem Cafe Hummel im 8. und war enttäuscht ihn eines Tages dort nicht mehr vorzufinden. Aber wie durch ein Wunder erscheint er vor mir plötzlich im 12. Hieb mit seiner üblichen professionell geschulten Anrede: „Was derf’s sein, der Herr?“

Sein Augenaufschlag war dann mindestens ebenso spontan und überrascht wie meiner, als wir einander erkannt hatten. „Jo heast, wos mochst denn du do?“ und so geht‘s seither gewohnt weiter.

Das machte für mich den Schwabl seither zu einem urtypisch wie attraktiven Wiener Wh nach meiner Façon, was diesen mir vertrauten Umgang anbelangt. Es ist aber die gesamte Servicemannschaft als Dreierteam eine lockere Partie, wie man sich das für ein Beisl vorstellt.

Über die Mittagszeit gibt es Menüs à la Hausmannskost um wohlfeile 9,80€, definitiv Wirthauslevel. Auf das lege ich zurzeit den Fokus. Dann trifft man auch die hiesigen Meidlinger, die hier regelmäßig einkehren, die sich linkerhand des Eingangs am Stammtisch tummeln.

Zeitweise komme ich in den Genuss, dass mich der Chef dort dazu platziert. Für diese Art Gastrolle sage ich mal musst du auch geboren sein, das erarbeitest du dir nicht, es ist was meine Original Wiener Seele ausmacht. Ich bezeichne mich aber nicht als Stammgast, das werde ich vermutlich nirgendwo. Wenn schon, dann ist ganz Wien mein Stammlokal.


Zwei Schwabl-Klassiker

Ehe ich mich der Mittagsküche widme, noch zwei Klassiker, einer aus Wien und einer vom Schwabl.

Es verirren sich genug ausländische Gäste hierher, offensichtlich funktioniert die Tourismus-Werbung und einige wollen danach das Schloss Schönbrunn besuchen. So saß ich gegenüber einem solchen Urlauber aus Utah und ich durfte meine Englisch-Kenntnisse wieder auspacken.

In der Schankstube wird auch dazugesetzt, so ist Wh anno dazumal. Manierlich fragte mich der Service, ob’s auch genehm ist. Die quasi Kopp-Schiene: „Do setz di zuwe, is eh g‘nua Plotz“ ohne Rücksicht auf bereits platzierte Gäste, auch wenn bereits bekannt, wird nicht gefahren. Er kämpfte sichtlich mit der Speisekarte, so bot ich Hilfestellung an.

Als Erstbesuch Wiens riet ich zum Klassiker Wiener Schnitzel, das es sowohl vom Kalb (20,90€] als auch vom Schwein (14,50€) gibt und ich erklärte dem noch sehr jungen Mann ein wenig einige Unterschiede. Er nahm sich das Kalbswiener. Meine Kulturunterweisung hatte Frucht getragen. 😉

Eine tadellose Optik erreichte unseren Tisch, wie ich meine aus der Pfanne und ein passabler gemischter Salat erspähte das neugierige Auge. Mein letztes Wiener lag doch schon länger zurück um mich daran zu erinnern.

Weil ich dem jungen Mann dies zuvor erklärte, bot er mir an zu kosten, ob es dem auch entspräche, was ich sagte, und ja, es entspricht, so geht Schnitzel. Sauber souffliert, butterzartes Kalbfleisch und guter Duft. Ihn wieder ließ ich von meinem Erdäpfelsalat naschen, der hier auch Wiener Klasse hat. Davon später noch ein paar Takte.


Einige Besuche gab es früher mit meiner Tochter und habe noch ihren Favoriten gut in Erinnerung, Töchter greifen gerne begehrlich auf das wohl beste Gericht (aktuell 23,90€], solange sie noch nichts selbst berappen müssen. Der Papa ist ja doch der Beste. 😉

Es handelt sich um Filetspitzen in Champignon-Cognacsauce, dazu Nockerl, das Gustostückerl vom Schwabl. Bei meinem ersten Besuchsantritt nach längerer Pause knöpfte ich mir das vor. Ich erhielt zwar nur einen Platz an der Theke, weil die Bude ausreserviert war, aber ich genoss das Schmankerl dort in vollen Zügen.

Feines, g‘schmackiges Safterl, in der Art Stroganoff, aber anders aufgrund der geschmeidigen Cognacnote, begleitet die gedünsteten zarten Filespitzen, dass es zu mehreren kräftigen Endorphin-Ausschüttungen kommen musste. Ja, so wolle man immer speisen, Momente des Glücks, des taugt und übertraf alle Erwartung, Höchstnote!


Wr. Wh-Kuchl auf Erkundungstour

Dazu gehört als Einstieg eine Tagessuppe. Diese folgen klassischer Wh-Tradition, sind m.E. auf mehr als bloß sehr gutem Level. Man erhält a la carte auch eine Nudelsuppe oder die von mir immer noch begehrte pure Bouillon mit Ei, eine Rarität, für mich nostalgisches Suppenerlebnis, das begeistert.

Ein neuer Besuch, ein neues Glück, Reisfleisch soll‘s heut‘ sein, das mit Saft serviert den Weg zum Tische fand, einreduziert und demensprechend kräftig, hhmm wohltuend. Der Reis hätte noch mehr Würze vertragen, das Fleisch schön durchzogen, saftig und große Stücke, insgesamt eine respektable Leistung. Man kriegt das ja nicht mehr überall.

Salate nach Wiener Art gesüßt dressiert, aber nicht aufdringlich, machten einen grünen Begleiter perfekt, lediglich ein paar Rukolablätter mischten sich störend darunter. Das verbuchte ich unter Hasenfutter und ließ sie übrig, ansonsten sowohl bodenständig als auch frisch.

Nächstes Menü war Saftfleisch mit Hörnchen, was bei mir nostalgische Jugenderinnerungen hervorruft. Hier war ich vom Saft weniger angetan, wobei rein optisch nicht so wahrnehmbar, dafür der Gaumen „zu mehlig“ in der Konsistenz Rückmeldung erstattete. Das beraubte dem Majoran-Gewürz seiner urtümlichen Note, die ich mehr herausspüren möchte, aber die Hörnchen korrigierten das, indem man es vermischt.

Das Schweinefleisch war bestens, weich, zerfällt mit der Gabel, hatte ausgewogenen Fettanteil, damit es im Mund nicht zum Klumpen mutiert und man würgen muss. Es flutschte mit Umami-Kick hinunter, insgesamt recht gut.

Freitag ist traditionell Fischtag, so auch hier und zu dem checke ich gerne den Erdäpfelsalat. Zu gebackenem Fisch liebe ich auch Sauce-Tartar, die ich extra orderte. Der Fisch ist Standard, passt, für diesmal war die Panier etwas zu hart, aber der Salat war grenzgenial und ließ alles vergessen.

Leute, schon lange nicht mehr dieses oberschlotzig, einfach nur geile Gefühl im Mund, das deine Sinne in den 7. Himmel befördert, wie man sich das erträumt. Es wurde auch Realität. Wow, also da kommt man einfach wieder und hofft auf Wiederholung. Die Sauce-Trara war ebenso sehr gut, ich krieg‘ meine kaum besser hin, aber sie verblasste regelrecht angesichts des Salats.

Mit der Schwiegermama gab es ein weiteres Stelldichein. Sie wollte vegetarisch, dazu bietet die Karte à la carte Eiernockerl an und ich durfte kosten. Brav sie ist. Saubere groß ausgestochene bzw. gehobelte Nockerln wunderbar mit Ei kräftig überzogen, Klasse. Total einfach, aber einfach guat! Die Würzung war mild, das regelt ein wenig Pfeffer.

Und aha, neue Erfahrung, der grüne Salat erhält in der à la carte Zubereitung keine Hasenbeigabe, da passt er, d.h. bei den Menüs wird halt auch a weng‘l Kuchlausmistung betrieben. Aber solange die Qualität gut ist, kann man dagegen nichts sagen. Dass einem nicht alles schmeckt, ist dann sozusagen eine separate G‘schicht.

Ich griff wieder auf das Menü zu, es gab Brathenderl. Stattliche Größe, keine Schnellzucht, festes und doch saftiges Fleisch, ein nahezu perfektes Natursafterl, was beim Hendl auch relativ einfach ist, dazu puristische Reisbeilage. Kenn‘ ich oft nur mehr von meiner Mama, war insgesamt ausnehmend herzhaft und an Menge fost scho a biss‘l z‘vü.


Hausgemachte Nachspeisen

Mit Schwiegermamas Unterstützung wagten wir noch gemeinsam einen als hausgemacht angepriesenen Apfelstrudel. Man will es ja wissen und zu zweit ging das, allein wäre ich vermutlich zerplatzt.

Auch dazu kann ich sagen, dass hausgemacht kein Werbegag ist, sondern für traditionelle Art, wie Wiener Apfelstrudel sein soll, auch steht. Ich werde fragen, ob den net eh die Schwabl-Mama macht, denn man sieht sie immer wieder noch anwesend.

Zuletzt muss ich noch die, oh mein Gott, wieder einmal als göttlich bezeichnungswürdige Malakofftorte erwähnen, hausgemacht, sorry für etwaig lästige Wortwiederholungen, aber so ist es. Sie war absolut köstlich, nicht so schwer butterlastig wie anderorts und somit auch weniger Verdauungskampf im Finale macht sie für die Zukunft höchst attraktiv als Nachspeise.


Ich komme langsam zum Ende

Durch die gängigen à la carte Gerichte werde ich mich hier noch durchwühlen, so es die Zeit erlaubt. Man liebt ja andere Wh auch. Doch nach zwei kürzlich erlittenen Lokalblamagen dieses Métiers braucht meine Wiener Seele Ersatz und hier hat sie eine sehr zufriedenstellende Einkehr gefunden.

Der Schwabl im 12. ist rundum stimmig, schönes Wh-Flair, für gehobene Anlässe der hintere Raum, die Gäste ein Mix von allem, die Kellner klasse Bursch‘n und das Essen bis auf einige Schwächen was das Herz begehrt. Was will man mehr? Ach ja, z.B. faire und günstige Preise, und m.E. passt das ebenso.

Die Getränke entsprechen, wie ich es mir von einem Wh erwarte. Keine Highlights, aber alles da, was der Wiener braucht. Als Vertreter der Wein-Fraktion gibt es den aktuellen Schankwein um 2,20€ pro 1/8l, solche Preise sind rar, zumal er sogar manche Top-Weine schlägt.

Zuletzt genoss ich den gerade saisonalen Junker um 3,90€ pro Achterl, der einige Male Wegbegleiter sein durfte, dann noch ein paar aus dem Österreich-Repertoire, rot wie weiß, die je nach Angebotslage wechseln. Das erhält Zustimmung.

Aufgrund meiner doch gehäuften letzten Besuche wage ich eine durchgängige Note 4 für alles zu vergeben und ich denke, sie bleibt auch stabil. Ich habe mit dem Schwabl-Wirt sozusagen den Repräsentanten für den Bezirk Meidling gefunden, und da er noch dazu unweit der U4 liegt, so gehört er nun zu meinen neuen Favoriten.

Ich müsste mich fast dafür sogar entschuldigen, ihn nicht schon früher als das, was er ist, wieder entdeckt zu haben, hielt er sich vor mir einige Zeit wie versteckt. Aber das wurde, so hoffe ich, nun auch korrigiert. 😊


Euer g’schamster Diener
WrKFan
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