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Fr, 14. Juni 2024

modern korean, Wien - Bewertung

am 5. September 2020
SpeisenAmbienteService
Modern Korean also.

Nachdem die Liebste und ich nach zwei Jahren immer noch nicht damit fertig sind, uns durch die Lokalvielfalt in unsrem Grätzl durchzukosten, wollten wir gestern das Modern Korean gegenüber der Volksoper ausprobieren. „Kim Kocht“, ebenfalls in Fußweite unseres Zuhauses, wäre auch eine Alternative, ich sah allerdings die Chance, so kurzfristig einen der begehrten Tische zu bekommen, als eher überschaubar, also werden wir es wohl ein anderes Mal probieren.

Die Website des Modern Korean ist durchaus ansprechend und nach dem Lesen der Bewertung von Testerkollege Eisendraht war die Entscheidung gefallen. Die Reservierung wurde telefonisch bestätigt und wir machten uns auf den Weg, knapp 5 Minuten ist das Lokal von uns entfernt. Auf Grund der Nähe zur Volksoper könnte das Finden eines Parkplatzes ein Thema sein, falls jemand mit dem Auto kommen möchte.

„Vor allem die individuelle Betreuung unserer Besucher ist ein wichtiger Grundpfeiler der Unternehmensphilosophie.
Für uns gehört die Leidenschaft für koreanisches Essen und der familiäre Umgang mit unseren Gästen einfach zusammen. Ein Konzept, dass von unseren internationalen Besuchern mit Freude angenommen wird und uns die Möglichkeit gibt, uns stetig zu verbessern.“

So steht es auf der Homepage, man legt sich die Latte selbst recht hoch, was ja gut ist.

Das Lokal selbst ist sehr ansprechend gestaltet, eine Kombination aus exotisch und doch modern, viel Holz, sehr ansprechend. Vor dem Lokal gibt es straßenseitig zwei Schanigärten mit je 3-4 Tischen, sind zwar direkt an der Straße (Lustkandl) gelegen, aber man sitzt quasi neben der Volksoper, was ja recht nett ist.

Die Speisekarte (Link) ist recht übersichtlich, was ich persönlich gut finde. Ich bin absolut kein Experte für die koreanische Küche, allerdings erinnere ich mich gerne an einen beruflichen Besuch in Seoul, den ich mit einem vorzüglichen Abendessen mit Testerkollege SSW (schlitzaugeseiwachsam) kombinieren durfte.

Die Liebste bestellt eine Zitronen-Ingwerlimonade, für mich soll’s ein Vierterl Zweigelt sein. Als Vorspeise wählt die Liebste das Crispy Chicken (€ 10,00 - knusprige Hühnerkeule mit Chili-Marinade und Krautsalat), ich die Misosuppe (€ 4,00), die in Korea offenbar als Beilage geführt wird. Zum Hauptgang soll es für die Liebste das Dolsot Bibim Surf & Turf ( € 20,00 - heiße Gemüse-Reisschale mit Garnelen und Rinderfilet) sein, allerdings auf Wunsch der Liebsten ohne Reis, da sie momentan Kohlehydraten abgeschworen hat. Ich wähle auf Empfehlung des freundlichen Kellners das Cheese Chicken Galbi (€ 18,00 - gebratene Hühnerkeule in Chilimarinade mit Käse überbacken).

Die Getränke, sowie ein Behälter mit Stäbchen (leider Kunststoff mit Metalloptik, nicht die in Korea üblichen Metallstäbchen) und Servietten kommen recht schnell und auch auf die Suppe/Vorspeise mussten wir nicht lange warten.

Die Misosuppe war sicherlich eine der Besten, die ich jemals hatte, wie üblich ein kleines Schälchen mit Jungzwiebeln und Tofustückchen, allerdings wirklich sehr fein und würzig. Der Liebsten Crispy Chicken kam in Form einiger (ich vermute mit Kokospanier) frittierten Hühnerstückchen, sowie etwas Krautsalat und einem Schälchen mit einer pikanten, aber beileibe nicht scharfen Sauce, daher und stellten sich ebenfalls als sensationell heraus. Unglaublich zart, gut im Geschmack, wobei die leichte Süße der Panier mit der pikanten Sauce hervorragend harmonierte. Der Krautsalat ebenfalls vorzüglich.

Die Wartezeit auf die Hauptspeisen vertrieben wir uns damit, das Treiben vor und um die Volksoper zu beobachten. Offenbar war gerade Pause, es strömten viele BesucherInnen nach draußen, alle natürlich brav mit Mund-Nasenschutz, welcome to the „new normal“.

Auftritt der Hauptspeisen:

Der Liebsten Gericht war eine stattliche Steingutschüssel mit viel Gemüse, Rinderfiletstücken und Garnelen. Dazu auch ein (noch kleineres) Schälchen Misosuppe, allerdings ohne Einlage, sowie ein kleiner grüner Blattsalat in einer unglaublich guten Sesammarinade. Der Kellner warnte uns, dass die Schüssel sehr heiß sei, allerdings stellte sich heraus, dass man hier in der Küche etwas nicht ganz hinbekommen hat. Schüssel und Inhalt waren leider lauwarm, das sollte nicht passieren. Nun ist es so, dass die Liebste ursprünglich aus Bulgarien kommt, wo selbst Hauptgerichte oft lauwarm gegessen werden, insofern war das für sie kein Showstopper, sondern eher eine angenehme Überraschung. Wir sagten es trotzdem unserem Kellner, schließlich könnte dies für manch österreichischen Gast sehr wohl störend sein.

Das Gericht selbst allerdings überzeugte. Von der Menge sollte man entweder sehr hungrig sein oder von einer Vorspeise Abstand nehmen, die Qualität/der Geschmack waren allerdings wirklich gut. Einige Stücke Filet – medium/rare angebraten, sowie drei hochwertige und wohlschmeckende Garnelen. Misosuppe und Salat ebenfalls perfekt.

Mein Gericht kam in einer tatsächlich brennheißen Steingutschüssel auf einem Tablett mit einer Kimchi-Rolle, einer kleinen Schüssel violettem Reis, sowie auch mit einem kleinen Salat. Sehr ansprechend angerichtet, aber auch hier eine durchaus stattliche Portion.

Das Gericht mutet durch reichlich Chilisaft/Marinade und Gemüse wie ein Eintopf oder Koreas Antwort auf ein Gulasch an, ist würzig, nicht scharf, die Hühnerstücke hervorragend zart. Weiters fand ich einige Teigröllchen, die geschmacklich und von der Konsistenz an Wuzinudeln erinnerten.

Die Speisen wurden von einem koreanischen Mitarbeiter gebracht, der auch immer wieder nachfragte, ob auch alles in Ordnung sei. Man bemüht sich wirklich zu zeigen, dass dem Lokal guter Service wichtig ist, von da her ist das Motto durchaus erfüllt.

Wir hatten um „etwas scharfes“ ersucht, also wurde prompt ein Schälchen mit frisch geschnittenen Chilischoten eingestellt, die für die von uns beiden geliebte Schärfe durchaus sorgten.

Die Küche ist ausgezeichnet, man arbeitet hier offenbar mit hochwertigen Produkten und versteht sowohl Küchenhandwerk als auch die Kunst, traditionelle koreanische Gerichte etwas moderner zu interpretieren und sehr ansprechend anzurichten, top.

Für Speis und Trank löhnten wir inkl. Trinkgeld € 70,00 per Bankomatkarte, absolut angemessen für Menge und Qualität des Gebotenen. Wir werden sicher wiederkommen, die Leistung hat uns überzeugt und es gibt noch einiges auf der Karte, das probiert werden will. Das Seared Sesam-Thunfischsteak mit asiatischem Gemüse sieht hervorragend aus, ebenso der gegrillte Pulpo. Und auch auf ein Schälchen dieser Misosuppe mit Suchtfaktor, so einfach dieses Gericht auch sein mag, würde ich jederzeit wiederkommen.
Beef Tartar, koreanisch (mit Sesam, etwas pikant gewürzt und mit separat ... - modern korean - WienAmbiente, sehr ansprechend - modern korean - WienCrispy Chicken mit Chilisauce und Krautsalat, exzellent - modern korean - Wien
Hilfreich7Gefällt mir6Kommentieren
1 Kommentar
schlitzaugeseiwachsam

Misosuppe ist 100% japanisch. Koreaner verwenden Doenjang. Beide werden aus fermentierten Soyabohnen hergestellt (Bohnenpaste). Der Unterschied liegt in der Intensitaet des Geschmacks. Miso ist recht mild, verglichen mit Kaese wie ein junger Gounda. Doenjang ist sehr intensiv, verglichen mit Kaese wie ein Appenzeller oder Blauschimmelkaese. Koreaner essen keine Misosuppe zum Essen sondern eher eine Doenjangsuppe oder -stew.

2. Aug 2021, 15:13Gefällt mir1
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