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Sa, 22. Juni 2024

Le Salzgries, Wien - Bewertung

am 28. Dezember 2017
SpeisenAmbienteService
Alles richtig gemacht.

Es sind doch dies die schönsten Bewertungen, das angenehmste Erlebnis für einen Tester, wenn er nach einem Abend in einem Restaurant überzeugt sagen kann, es wurden keine Fehler begangen, es wurde alles richtig gemacht.

It’s not rocket science, diese Komposition von gutem Ambiente, gutem, - nein, exzellentem Service, der einen oder anderen „extra mile“ durch einen Kellner, tadellosem Küchenhandwerk, einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis, und doch, die Praxis zeigt, viele Lokale schaffen es nicht, dieses umfassende, vollkommene Zufriedenheitsgefühl beim Gast auszulösen, diese Befriedigung, einen tatsächlich perfekten Abend erlebt zu haben. Und genau darum geht’s doch in diesem Geschäft. Und genau das durften die Liebste und ich heute erleben.

Aber zurück zum Anfang: Irgendwie entdeckten die Liebste und ich ein Interesse an der französischen Küche, an französischen Weinen. Die Auswahl ist in Wien jetzt nicht überbordend, aber doch vorhanden. Nach einem durchaus satisfaktionsfähigen Lunch im Beaulieu im Palais Ferstel wollten wir es wirklich wissen. Ergo, ab ins „Le Salzgries“, einem Lokal, das verspricht, französische Küche/französische Weine vom Feinsten zu kredenzen. Die Entscheidung, ins „Le Salzgries“ zu gehen, fiel spontan am Stefanitag und war – nicht von Erfolg gekrönt. Zu. Aber: meine erfolglose Reservierungsmail wurde äußerst charmant und freundlich beantwortet, allein die Email machte Lust, den Besuch so bald wie möglich nachzuholen. Ein kleiner Tipp: schlecht wär’s nicht, auf der HP auf die Feiertagssperre hinzuweisen.

Aber heute war’s dann soweit, die Reservierung wurde per Email prompt (und sehr freundlich) bestätigt und wir machten uns auf den Weg. Vor dem Lokal angekommen wurden wir von einem freundlichen Mitarbeiter des Lokals, der sich vor der Öffnungszeit noch eine Zigarettenpause gönnte, angesprochen, er würde uns gerne beraten, er wäre auch unser Kellner, sehr hilfsbereit, sehr freundlich, sehr kompetent. Zur Verdeutlichung, was ich unter „extra mile“ verstehe: Wir haben ihn nicht angesprochen, er wäre nicht verpflichtet gewesen, uns als (potentielle) Gäste anzusprechen, er hätte einfach seine Pause genießen können. Perfekter erster Eindruck.

Wir wurden zu unserem sehr schönen Tisch am Fenster gewiesen, die Speisekarten und Weinkarte wurden gereicht. Die Beratung durch Ahmed, unserem Kellner, den wir bereits vor dem Lokal kennenlernen durften, war kompetent und zuvorkommend. Eine Auswahl von Weißweinen wurde uns zur Verkostung gereicht, das Leitungswasser dazu kam in einer „Absolut Vodka“ Flasche, die Flasche sei dick, dadurch behielte das Wasser länger seine Temperatur und man täte dadurch auch etwas für die Umwelt, war Ahmeds Erklärung. Bei der Temperatur gewinnt die Vodkaflasche, bei Umweltnachhaltigkeit sehe ich jetzt den Unterschied zu einer normalen Karaffe nicht wirklich, die Vodkaflaschenvariante ist aber zweifellos witziger.

Die Speisenwahl: für mich ein kleines Beef Tartar vorweg, wurde es doch in einer der Rezensionen als das Beste Beef Tartar in Wien gelobt, „must have“ quasi. Ich hätte mich eigentlich für die Zwiebelsuppe entschieden, die ja so etwas wie die Messlatte für ein französisches Restaurant ist, wurde aber von Ahmed davon überzeugt, die Knurrhahnsuppe als Hauptgang zu nehmen.

Die Liebste entschied sich für einen Blattsalat mit gratiniertem Ziegenkäse als Vorspeise, gefolgt von einer Goldbrasse auf Rote-Rüben Sauce.

Für die Raucher unter uns gibt’s im Keller eine kleine, aber feine Weinbar, man muss für die Zigarette dazwischen und danach also nicht in die Kälte oder unter ein Heizschwammerl gehen, sondern kann sich ab und zu in die wirklich gemütliche Bar verfügen. Das Servieren der Speisen wird dann vom aufmerksamen Kellner auf die Rauchpausen abgestimmt, - extra mile, eh schon wissen.

Auftritt Tartare. Ja, es ist der bisherige Matchwinner meiner probierten Tartares (ist das der richtige Plural?). Eine kleine Portion, perfekt abgeschmecktes Fleisch, dazu fein geschnittene Zwiebelringe, ein Kleks einer scharfen, nahezu waffenscheinpflichtigen, tunesischen Sauce, etwas Chili und einer Kapernbeere. Dazu Toast. Dieser, wenngleich gut gemeint, verblasst neben einem perfekten, nein, nahezu außerirdischen Baguette, das als Gedeck mit französischer Butter gereicht wird. Das Baguette wird im Haus jeden Tag vor Öffnung frisch gemacht und ist, ja, wie es eben nur in Frankreich ist. Hat mit österreichischem Baguette nichts zu tun, wer schon einmal in Frankreich Baguette zum Frühstück erlebt hat, wird mir beipflichten.

Der Salat der Liebsten war sehr, sehr gut, frisch und mit einem gratinierten Ziegenkäse gesegnet, wie ich ihn in vergleichbarer Qualität noch nie gegessen habe. Die Liebste meinte, im Beaulieu wäre er ähnlich gut gewesen, I respectfully disagree.

Meine Knurrhahnsuppe war sehr gut, eine Fischsuppe ähnlich einer Bouillabaisse, würzig, wohlschmeckend, mit reichlich Fischstücken. Auf Verlangen brachte Ahmed etwas von seiner tunesischen (Ahmed hat tunesische Wurzeln) scharfen Sauce, die meiner Meinung nach wunderbar zur Suppe passte, ihr den richtigen „Kick“ verpasste. Standardmäßig kommen zwei Schüsselchen mit Sauce rouille, einer Art roter Mayonnaise, und Gruyère. Die Mayo bräuchte ich nicht, der Gruyère allerdings harmoniert perfekt mit der Suppe, ähnlich einem Löffel Parmeggiano in einer MInnestrone. Die Goldbrasse der Liebsten war hervorragend, guter Fisch, gute Rote-Rüben Sauce, Petersilienwurzelpüree und, der Hammer, kleine, geraspelte und frittierte Petersilienwurzelstreifen. Eine tadellose Komposition.

Die Weinbegleitung perfekt, zum Abschluss gab’s einen ebenso perfekten Espresso aus dem Hause Illy mit perfekter Crema. So wollen wir das. Dazu zwei Calvados auf’s Haus, sehr freundlich, dankeschön.

Wir nahmen noch ein Fluchtachterl in der Weinbar und ließen den Abend mit angenehmen Gesprächen zu Ende gehen. Die Rechnung (gängige Karten werden akzeptiert) betrug € 130,- plus Trinkgeld, für das Gebotene absolut, wirklich absolut in Ordnung.

Es werden weitere Besuche im „Le Salzgries“ folgen, die Desserts, vor allem die Käseauswahl, aber auch Hauptspeisen wie Lamm und dry aged beef wollen probiert werden. Man fühlt sich gut aufgehoben in diesem Lokal, nein, das greift zu kurz, man fühlt sich perfekt in diesem Lokal. Jeder Gast wünscht sich doch dieses ultimative, umfassende Gefühl, dass alles gepasst hat, wir beide hatten dieses Gefühl beim Verlassen des Restaurants.

Am Heimweg sagte ich noch zur Liebsten, wie erstaunlich selten es eigentlich sei, dass man nach einem Restaurantbesuch wirklich keinen Fehler feststellen kann, das Team des „Le Salzgries“ hat es geschafft. Von der Reservierung über den Service bis zur Küche und zum Ambiente. Deshalb gibt’s auch die Höchstnoten. Mit voller Überzeugung.

Bravo, merci, et à bientot!
Zwiebelsuppe, tadellos - Le Salzgries - WienCreme brulee, fantastisch - Le Salzgries - WienKleines Beef Tartare - Le Salzgries - Wien
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3 Kommentare
magic

Ein Freund aus Tunesien hatte mal bei uns gekocht. Ich hasse eigentlich Couscous, aber der hat es so hingekriegt, dass ich mich fast hinein gelegt habe. Und eben mit Harissa.

28. Dez 2017, 14:13Gefällt mir
adn1966

Richtig, magic, es war Harissa.

28. Dez 2017, 08:42Gefällt mir1
magic

Könnte es sein, dass diese teuflische Sauce "Harissa" war? Ein befreundeter Tunesier hat die in unserem Haushalt "eingeführt".

28. Dez 2017, 02:20Gefällt mir
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