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Sa, 15. Juni 2024

Hollerkoch, Wien - Bewertung

am 8. November 2021
SpeisenAmbienteService
Achtung, dies ist eine ausdrückliche Martini-Gansl-Bewertung, die übliche Speisekarte kann ich jetzt nicht einfließen lassen.

Aber der Reihe nach. am Wochenende hatten wir (8 pax) einen Tisch im Hollerkoch reserviert, dh ein Freund forderte uns auf, zum Ganslessen mitzukommen. So einer Aufforderung komme ich üblicherweise freudig nach, so auch hier.

Das Hollerkoch, in der Gersthoferstrasse gelegen, ist ein routiniert eingerichtetes....hmm...Edelbeisl sag ich mal, das mit hübsch arrangiertem "Gaststättenmobiliar" und netter Beleuchtung eigentlich heimelige Atmosphäre vermittelt, das finde ich gemütlich. Ein wenig erinnert es mich an das Mozart&Meisl von einst und ähnliche Lokale.

Wie auch immer, wir sind ja keine Innenraumdesigner.

Die Bedienung war flott zur Stelle, und ich sage mal so, unsere Beziehung mußte erst wachsen. Kein Vorwurf an die Dame, aber am Anfang wirkten ihre Aufforderungen zur Bestellung bzw. ihre Frage nach Getränken recht....feldwebelhaft. Man muß allerdings anerkennen, daß man generell immer wieder nachgefragt hat, ob alles passe usw.
Trotzdem, bissl heimeliger hätte es sein dürfen ;)

Die Gans allein, mit Rotkraut, Maroni und Gummiknödel kostet ca. 23,- € und in heutigen Zeiten darf einen das nicht mehr schrecken. Aber ich bin wohl ein Geizkragen, ich finde diese Preise ehrlicherweise unangemessen, das gilt iin Variationen natürlich für alle, die Gansln anbieten, man liest ja, daß es in Richtung 30,- and above auch geht. Kein Verständnis, sorry. Bio hin oder her.

In diesem Fall also 23,- was ich an sich verkraften konnte. Ein "Menü" mit Leberparfait oder Einmachsuppe und Dessert war um 35,- wohlfeil. Dazu wurde auch eine Weinbegleitung angeboten, eine Sorte davon war ein italienischer Primitivo um 5,90 € pro Achtel. Das finde ich auch...bemerkenswert.

Wie auch immer.

Wir, also meine Frau und ich, nahmen jeweils das "normale" Gansl, einer unserer Freunde das "Gesamtmenü" von dem ich nur sagen kann, daß das Leberparfait sehr gut aussah.

Die Gans kam also und für mich neu und überraschend war, daß sowohl das Kraut als auch die Maroni in kleinen Schüsselchen (Handtellergröße) serviert wurden. Die Gans selber war wohl auch eher vom der freilaufenden, muskulöseren Sorte. Hier unterscheidet sich meine Wahrnehmung allerdings ab sofort von jener meiner "Mit-Esser", da diese ab nun alles super fanden.

Sorry, ich nicht.

Ich kenne Gansln vom Martin Sepp, vom Alt-Sievering, vom Friseurmüller, vom Feuerwehr-Wagner und vom Häuserl am Stoan.

Leider waren alle aus verschiedenen Gründen besser. Dies zeigt aber auch schön die Subjektivität dieser Berichte, so bear with me.

Ich mag eine Martinigans gern innen saftig, außen wenn geht knusprig, aber jedenfalls nicht zu mager, weil es ... naja....eh wurscht ist bei so einem "Festmahl". Was für mich nicht geht ist, wenn man das Bio-Mantra auswringt, um eine kleine, trockene, fasrige Gans (jaja, nicht allzu absolut gemeint, aber relativ betrachtet) an den Mann bringen will. Nun, es wurde auch das Bio-Mantra nicht angewendet, aber die Gans war nicht prachtvoll-saftig und beeindruckend. Die Beilagen in ihren kleinen Schüsselchen auch nicht.

Man wurde satt. Voll wie bei den anderen, div. vorhergenannten Anbietern wurde man nicht. Hätte man wohl das ganze Menü nehmen müssen.

Also, fasrig, innen trocken. Meine Portion wenigstens. Alle andern zeigten sich zufrieden, vielleicht bin ich zu kritisch. Aber it is what it is.

Ich gebe auch zu, daß ich Experimente bei solch traditionellen Essen nicht mag. Dh das Rotkraut mit Zimt bzw. die Maroni in Karamellsauce (schmeckte wie Lotus-Kekse...) mußten auch nicht sein.

Ehrenrettend sei aber hinzugefügt, daß der Gummiknödel perfekt war. Also super-gummig und machte irgendwie Spaß zu essen ;)

Auch hier allerdings: Ein Knöderl und feddisch. Ich kenne das wie gesagt anders. Oft mit zweierlei Knödeln, evtl. auf Wunsch auch ein warmer Speckkrautsalat dazu usw usf.

Hier...nicht.

Das Gansl-Verdict ist also für mich mehr als zwiespältig. Es wurde routiniert bedient, alle kriegten ihr Essen gleichzeitig, man hat sich um uns "gekümmert" und generell denke ich, daß man sich in der Küche schon bemüht, da mein Sohn ein Beef Tartare hatte, das wirklich fantastisch war.

Aber: Portion Gansl eigentlcih zu klein, Experimente mit den Beilagen muß man mögen.
Und das Brot zum Beef Tartare war für die Menge zu wenig, auf 2 frische Scheiben Brot mußten wir 15min warten (da sie getoastet werden mußten) UND die wurden bei einer ziemlcih stattlichen Rechnung auch noch extra verrechnet. Das finde ich nicht ok.

Allerdings wurde uns beim bezahlen erklärt, daß die Karaffe Leitungswasser, die wir kriegten, ja freundlicherweise gratis sei. Dazu sei gesagt, daß ich überhaupt kein Freund der "Verquerfeldung" der Wiener Küche bin, wo man für Wasser bezahlen muß. Da zahl ich lieber Cuperto, kriege Brot, Butter und Wasser und gut ists.

WArum sage ich das: Ich komme grad aus Italien und wir haben sowohl in Venedig als auch in Verona billiger gegessen. Und auch besser.

Der Vollständigkeit halber noch zwei Bemerkungen:
Die Desserts waren durch die Bank spitze, Hut ab. Ich bin aber kein echter Dessert-Experte, daher belasse ich es dabei.

Der Primitivo um 5.90 war nix. Da sind die Primitivos vom Hofer geschmackvoller. Im Gegenzug und zu meiner großen Überraschung waren der gelbe Muskateller und auch der Zweigelt meiner Frau ausgesprochen aromatisch und spannend.

Daher ist mein Fazit uneindeutig. Man merkt, daß dieses Lokal performen kann, aber das Gansl werde ich dort nicht mehr bestellen.
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1 Kommentar
Alphawoelfin

Tja, irgendwie hat sich das Hollerkoch nicht wie erwartet entwickelt.

9. Nov 2021, 11:53Gefällt mir
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