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Do, 13. Juni 2024

Floh, LANGENLEBARN - Bewertung

am 13. Juni 2020
SpeisenAmbienteService
Wieder einmal beim Floh.

Das letzte Mal muss vor etwa 17 Jahren gewesen sein, eine halbe Ewigkeit. Heute bot sich ein Besuch an, nachdem ich die Liebste in die Garten Tulln geführt habe, ein quasi für sie geschaffener, idealer Themenpark, nachdem sie im Lockdown der Covidkrise die Liebe zum Garteln entdeckt hat. Nun tümmeln sich Erdbeeren, Zucchini, Tomaten, sogar ein paar Hokkaido Kürbisse, Bohnen, Knoblauch und Kräuter auf unseren Terrassen, wir sind am besten Weg zur Gemüseautonomie. Vereinzelt beschlich mich die Angst, eines Morgens von einem Hahn geweckt zu werden und von der Liebsten dazu vergattert zu werden, die Kuh auf unserer Dachterrasse zu melken, aber soweit kam’s dann Gott sei Dank doch nicht.

Zurück zum Floh. Die kurzfristige Reservierung per Telefon hat geklappt und ein Tisch im Garten wurde uns zugesagt. Der Garten ist im Grunde ein recht kleiner, aber nett gestalteter Innenhof, leider ist auf Grund der Größe und der Tatsache, dass der Garten von allen Seiten an die Restaurantinnenräume grenzt, deren Paneele und Fenster teilweise offen stehen, das Rauchen auch im Innenhof verboten, ein ziemlicher Dämpfer für uns. Also hieß es rausgehen (das ist mittlerweile ohne Maske erlaubt), rauchen, Maske aufsetzen und wieder reingehen. Die Logik, warum man eine Maske zum Reingehen, nicht aber zum Rausgehen braucht, verschließt sich uns, ist aber eben so. Lockerung bar jeder Logik, aber immerhin Lockerung.

Eine nette junge Dame und ein netter junger Mann waren für unseren Service zuständig, beide wirklich sehr nett, effizient und immer zur Stelle, wenn wir etwas brauchten. Die Dame berichtete über die Specials außerhalb der Karte und nahm unsere Bestellung auf.

Ein Gin Fizz Rhabarber sollte es als Aperitif sein, der war gut, wenn auch doch recht süß. Weintechnisch einigten wir uns auf einen sehr guten gelben Muskateller, der Winzer allerdings ist mir entfallen.

Die Speisen: ich entschied mich trotz der Hitze und Sonne für eine Suppe mit Frittaten vorweg, ich liebe Rindsuppen und finde auch, dass eine Suppe viel Aussage über Philosophie und Küchenhandwerk eines Lokals hat. Der Floh liebt Wortspiele und lustige Bezeichnungen für sein Essen (siehe die Karte auf der HP: Link), die Rindsuppe wird taxfrei zur Kuhsuppe, das Hendl zum Federvieh, und so weiter.

Als Hauptspeise wähle ich ein viertel Backhendl mit Erdäpfel-Gurkensalat.

Die Liebste entdeckt das Dry-Aged Rind vom Höllerschmid und bestellt ein Ribeye – medium – mit Wuzelnudeln und gegrilltem Gemüse.

Die Suppe kam recht schnell, eine stattliche Portion in einem tiefen Teller mit reichlich hausgemachten Frittaten. Die Rindsuppe, pardon, Kuhsuppe war fantastisch, sicherlich eine der Besten, die ich jemals genießen durfte. Die Frittaten eindeutig hausgemacht, und ebenfalls reichlich. Man schmeckt, dass in der Küche vom Floh viel mit Kräutern gearbeitet wird, die Suppe, in der sich auch viele kleine Stücke frisches Gemüse fanden, war nicht nur kräftig, ohne zu eingekocht zu sein, hatte aber auch herrliche Noten verschiedener Kräuter. Tadellos.

Kurz danach kamen auch schon die Hauptspeisen. Mein Backhenderl, sehr ansprechend in einer Schale, die mit Stroh ausgekleidet war, serviert, eine perfekte, knusprige Panier, das Fleisch saftig und sehr, sehr gut. Der Salat perfekt abgeschmeckt, gute Erdäpfel, gute Gurken, mit Rahm angemacht, ich persönlich bevorzuge zwar den Klassiker ohne Rahm, war aber wirklich sehr gut.

Nachdem die Coronaverordnungen das Einstellen von Salz & Co. auf den Tischen nicht erlauben, muss man Salz extra ordern, was auch sofort in Form eines Mini-Schälchens gebracht wurde. Ein dunkles Kräutersalz, sehr gut, möglicherweise aber nicht Jedermanns Sache. Ich würde in einem Lokal dieser Klasse erwarten, dass ich auch „normales“ Salz bekomme und dadurch selbst entscheiden kann, ob ich mit dem Salz auch Kräuter zu meinem Essen geben will.

Der Liebsten Ribeye ist eine äußerst Stattliche Portion, um nicht zu sagen, eine Scheibe vom Rind. Nein, ganz so schlimm war’s nicht, aber ein echt solides Stück Ribeye am Knochen. Sehr appetitlich, sehr saftig, sehr gut, leider hat man den Garpunkt nicht ganz erwischt, es kam zwischen Rare-Medium/rare an den Tisch. Im Verlauf des Essens ist es natürlich noch ein wenig in Richtung Medium nachgezogen, für die Liebste war’s nicht schlimm, sie mag auch medium-rare, dennoch sollte für den nicht unstolzen Preis von 38,90 der Garpunkt so sein, wie er bestellt wurde.

Der Höllerschmid, der das Dry-Age nach Österreich gebracht hat versteht sehr viel von Dry Aged und von gutem Fleisch, in Österreich bekommt man wahrscheinlich kaum eine bessere Qualität, speziell als Dry Aged Beef. Dennoch muss man fairerweise sagen, dass wir beide in den USA noch deutlich bessere und zartere Dry Aged Ribeyes genießen durften. Das können sie dort wirklich gut. Natürlich kann man dem sofort entgegenhalten, dass man dafür in den USA Abstriche bei Standards, Limits und Kontrollen der Rinderaufzucht (Stichwort Antibiotika und Hormone) machen muss, das stimmt leider auch. Geschmacklich dennoch hier noch nicht ganz dort, wo dry aged in den USA ist. Sorry.

Aber genug davon, momentan verleidet mir der orangehaarige Vollkoffer in Washington jede Erwähnung dieses eigentlich unglaublich schönen Landes, das wir so oft bereist haben.

Man kann gemütlich sitzen bleiben beim Floh, heute war’s im Garten allerdings echt zu heiß. Dessert ging auch nicht mehr, wir waren beide vollkommen satt. Schade eigentlich, die Dessertkarte bietet viel Interessantes, das beim nächsten Mal probiert werden will.

Die Rechnung betrug mit Maut genau 100 €, die wir mit Plastik bezahlten. Nicht gerade ein Schnäppchen, allerdings aus unserer Sicht für die Qualität und Menge von Speis und Trank, sowie für den sehr aufmerksamen Service absolut angemessen.
Ambiente im Garten - Floh - LANGENLEBARNBackhenderl mit Erdäpfel-Gurkensalat, köstlich - Floh - LANGENLEBARNAmbiente im Garten - Floh - LANGENLEBARN
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