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Do, 13. Juni 2024

Das Fritz, Weiden am See - Bewertung

am 26. Juli 2017
SpeisenAmbienteService
Das Fritz also.

Der neue Player am Neusiedler See, vom Konzept möglicherweise als Alternative zur Mole West gedacht. Schon vor ein paar Wochen las ich über die Eröffnung, dann auch die durchwachsene Review auf ReTe, nun war es Zeit, das Fritz einmal selbst in Augenschein zu nehmen, also auf nach Weiden.

Von außen drängt sich das Wort „Koloss“ auf, architektonisch ist es mehr Hammerschlag ins Gesicht als Zier der Landschaft. Aber gut, es interessiert uns das Innere, die Terrasse(n), das Essen und der Service.

Die Terrasse im Obergeschoss war geschlossen, die Hauptterrasse am See war geöffnet. Viele, wirklich viele Tische, auf einer wiederum sehr schönen Terrasse mit einem tollen Blick über den See und die Marina. Etwa 50% der Tische waren besetzt, der Rest nahezu ausnahmslos reserviert. Die Liebste und ich waren einfach etwas vor der Prime Time dort.

Glücklicherweise ergatterten wir einen schönen Zweiertisch, und das auch ohne Zeitlimit. Die Speisekarte wurde gereicht, auf Verlangen auch die Weinkarte. Wir entschieden uns für ein großes Mineral mit Kugerln, sowie eine Flasche Gelber Muskateller vom Sabathi Ernst. Dann widmeten wir uns der Speisekarte (Link).

Nach kurzer Zeit kam die freundliche Kellnerin und sagte, der Muskateller vom Sabathi wäre leider heute nicht verfügbar. Ob sie uns noch einmal die Weinkarte bringen sollte? No na. Eine geübte, erfahrene Servicekraft hätte entweder eine Weinalternative vorgeschlagen oder prophylaktisch die Weinkarte zum Tisch mitgenommen. Unsere Dame verschwand, nahm hier und dort noch die ein oder andere Bestellung auf und kam dann mit der Weinkarte zurück. Also noch einmal aussuchen, diesmal wurde es der Gelbe Muskateller vom Krispel (€ 27,-). Leider wusste die nette Dame nicht, ob dieser Wein vorrätig war, also hieß es wieder warten und hoffen. Ende gut, alles gut, nach kurzer Wartezeit brachte ein anderer Kellner den Wein.

Wir wählten:

Ein Beef Tatar vom Graurind (€ 13,50) vorweg für mich, als Hauptgang eine kleine Portion Riesling Kalbsbeuschel mit gebratener Semmelknödelrolle (€ 9,50). Die Liebste orderte die gebackenen Steinpilze (€ 16,80) und, obwohl die Steinpilze mit Salatherzen serviert werden, einen kleinen, gemischten Salat mit Schafkäse dazu.

Nach vergleichsweise kurzer Zeit, in der wir uns dem herrlichen Blick über den See und dem guten Wein widmeten, kam mein Tatar. Für die Liebste – leider nichts. Eine erfahrene Servicekraft hätte den Extrasalat wahrscheinlich gleichzeitig mit meiner Vorspeise serviert oder zumindest gefragt, wann der Salat serviert werden soll, so musste die Liebste halt vor einem leeren Teller sitzen und mir beim Essen des Tatar zusehen. Tough luck. Natürlich hätt ich Ihr, ganz charmanter Ehemann und Kavalier, die Hälfte oder sogar alles abgegeben, aber die Liebste ist mittlerweile ins vegetarische Lager gewechselt, wo ein Tatar keine wirkliche Option ist, auch nicht mit zugedrückten Augen.

Das Tatar. Die Fleischqualität und –konsistenz sehr gut, das konnte man erschmecken. Nicht zu grob, nicht zu fein, gut, wirklich gut im Geschmack. Warum man ein Tatar auf Pancake-Größe zusammenplättet, verschließt sich mir allerdings. Die 4 Dreiecke nur ansatzweise angetoastetes Weißbrot waren jetzt auch nicht der Hammer, zumal sie halb stehend an das Tatar geklatscht worden waren, was der ohnedies fehlenden Knusprigkeit zusätzlich abträglich war.

Auf dem Tatar fanden sich grob geschnittene Zwiebel und ein paar marinierte Steinpilze. Garniert war das Ganze dann noch mit ein paar Kleksen einer weißen und einer pikant/scharfen roten Sauce.

Ich persönlich bin, wenn’s um ein Tatar geht, Purist. Es braucht wirklich gutes Fleisch, natürlich fein gehackt und nicht faschiert. Es ist besser, das Fleisch nicht so zu plätten, aus meiner Sicht erleichtert dies das Abmischen der Zutaten, die dabei sein sollten (fein gehackte Zwiebel, eventuell Kapern, möglicherweise ein Ei). Die Steinpilze waren gut gemeint, die braucht’s meiner Meinung nach aber nicht. Aber das ist natürlich mein ganz persönlicher Geschmack.

Auftritt der Hauptspeisen.

Das Beuschel war durchaus satisfaktionsfähig, wenn auch ein wenig mehr Säure fein gewesen wäre, aber hier jammere ich auf hohem Niveau. Das Fleisch sehr gut, etwas gröber geschnitten, die Knödelrolle ebenfalls wohlschmeckend.

Die gebackenen Steinpilze der Liebsten waren der Matchwinner des Abends. Gut, so wahnsinnig viel kann man bei gebackenen Schwammerln jetzt nicht falsch machen, aber dieses Gericht war ein Traum. Keine fette Panier, sehr gute Steinpilze, nicht zu groß und nicht zu klein geschnitten. Tadellos, mit einem kleinen Schälchen einer, tippe ich, hausgemachten Sauce Tartar serviert. Dazu ein kleiner Salat mit Salatherzen, sehr gut. Der Extrasalat der Liebsten wiederum fiel durch, mit Ausnahme des geräucherten Schafkäses, der war ok.

Insgesamt war die Küchenleistung ok, wenn auch durchwachsen, hier gibt es schon noch Luft nach oben. Die Serviceleistung kann man am besten als bemüht, sehr freundlich, aber etwas chaotisch beschreiben. Es fehlen klare Prozesse und Abläufe, alles ist ein wenig improvisiert und, wobei ich das durchaus nett meine, etwas patschert.

Der Preis von insgesamt etwa 90,- € inklusive Trinkgeld ist für mich für das Gebotene in Ordnung, schließlich zahlt man auch für Ambiente und Location. Etwas rundere und besser strukturierte Serviceabläufe würden dem Ambiente mehr gerecht werden, und auch in der Küche könnte man noch an dem ein oder anderen Rädchen drehen, schließlich will man hier ja offensichtlich in einer höheren Liga mitspielen.
Beef Tatar vom Graurind - Das Fritz - Weiden am SeeGebackene Steinpilze mit Salatgarnitur - Das Fritz - Weiden am SeeExtra Salat, gemischt - Das Fritz - Weiden am See
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2 Kommentare
adn1966

Danke laurent. Nun, ich habe lange überlegt, hab bei der Speisenbewertung zwischen 3 und 4 geschwankt. Die 4 ist es geworden, weil Beuschl und Schwammerl tatsächlich sehr gut waren. Das Tatar hätte ich etwas anders bevorzugt, die Qualität und Konsistenz des Fleisches war aber sehr gut. Insgesamt wahrscheinlich eine 3,6 also habe ich "in dubio pro reo" aufgerundet. Das Service war nett und bemüht, hätte bei besseren Abläufen auch eine 4 verdient. So wurde es eine klare 3.

27. Jul 2017, 09:24Gefällt mir1
laurent

adn1966, ich schätze deine Berichte sehr, wirklich sehr. Warum du allerdings für eine durchwachsene Küchenleistung, insgesamt ok, - noch dazu in der Preisklasse dann eine 4 (Sehr gut) vergibst kann ich nicht nachvollziehen. Serviceleistung: bemüht, aber etwas chaotisch & etwas patschert; das sit dann "Gut"?

26. Jul 2017, 18:22Gefällt mir1
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