Brauhof Wien Fünfhaus - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 10. Juli 2019
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21 Bewertungen
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Tester-Level 11
3Speisen
3Ambiente
3Service

Wien hat einen nagelneuen Biergarten (inklusive Brauerei und Hotel), der ohne viel Aufsehen vor ein paar Tagen seinen Betrieb aufgenommen hat. Im hier beigefügten Zeitungsartikel wurde das damit begründet, dass man nicht von Tag 1 an überrannt werden wollte, sondern es langsamer angehen möchte (Link). Das dürfte funktioniert haben, denn eine taggleiche Reservierung für vier Personen war ohne Probleme möglich. Ich persönlich steh nicht so sehr darauf sofort jedes neue Lokal zu besuchen, denn die Erwartungen sind immer sehr hoch und dementsprechend kritisch ist man dann auch. Aber gegen drei Personen konnte und wollte ich mich nicht durchsetzen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Brauhof via U3, 52er und 60er gut zu erreichen. Die Lage des Hotels ist für Wienbesucher also nicht schlecht, über die Gegend kann man geteilter Meinung sein, denn die „äußere“ Mariahilfer Straße kämpft, trotz Westbahnhof-Shopping-Mall und vieler revitalisierter und renovierter Häuser und Geschäfte noch etwas mit ihrem Image.

Der neue Brauhof also – wir betreten ihn über einen separaten Eingang und sind ob der Weitläufigkeit des Lokals erst einmal beeindruckt. Links die Schank Steh- und Hochtische mit Sitzgelegenheit. Es wurde natürlich viel mit Holz gearbeitet. Die schwarze Industriehängelampen finden sich in großer Zahl im gesamten Innenbereich (auch schon ein bisserl fad), rechts die Verbindung zum Hotel, das natürlich auch einen eigenen Eingang von der Mahü aus hat. Der Bilck dorthin verrät ein ganz anderes Designkonzept – bunt, jung und modern soll es sein. Ich dachte zuerst es wäre eine Kinder-Spielecke, so bunt und kindlich ist die Hotellobby gestaltet.

Ein breiter Gang führt in den weiteren Innenbereich des Lokals und letztendlich in den Biergarten. Man geht an einem aufwändig gestalteten Bierdepot vorbei, wo man durch eine Glaswand die vielen Metallfässer inkl. Zapftechnik sehen kann. Das eigene Logo wurde in das Glas geschliffen. Schade nur, dass der ganze Effekt durch die gestapelten Bierkisten verpufft, denn es wirkt alles wie ein großes Durcheinander. An der gegenüberliegenden Wand wurden verschiedenste Blech- und Email-Bierschilder angebracht. Nach meinem Dafürhalten alles kostengünstige Reproduktionen – alles sehr vorhersehbar, der „Wow-Effekt“ stellt sich bei mir zumindest nicht ein. Es geht vorbei an ein paar Bierkühlschränken die mit eine Vielzahl an Spezial Flaschenbieren bestückt sind. Dass man das Bier hier auch zur Mitnahme kaufen kann verraten die gestapelten 6er-Tragerl der Bierlovers. Da scheint es eine Kooperation zu geben.

Am Ende des Ganges der Gastraum, der sich wie ein Querhaus präsentiert, eigentlich recht klein für die Lokalgröße. Holztische an langen Bänken und Sessel, wieder die Industrielampen (inflationär viele) und als Eyecatcher eine saftig grüne Mooswand. Ohne Frage, hier wurde viel Geld in die Hand genommen, aber meinen Geschmack trifft es gar nicht. Dreigeteilte Rundbogentüren führen in den Gastgarten – endlich. Da braucht man schon bald einen Pfiff auf den Weg vom Eingang zum Garten.

Der Garten – geschlossener Innenhof mit Biergarnituren, riesige graue Sonnenschirme, innen mit LCD Beleuchtung, grober Kies am Boden und ein paar Pflanzentöpfe zur Einfassung. An der linken Seite eine Außenschank, die aber nicht in Betrieb ist und eine stark verwitterte Florianistatue neben dem Hofeingang – Der Heilige als Durstlöscher? Wenn es so gedacht ist, dann finde ich es witzig, ist aber wahrscheinlich zu subtil. Der schöne Wandbrunnen (auch nicht in Betrieb) wird leider von den provisorischen Tischen, die den Besteckvorrat und das schmutzige Geschirr aufnehmen, verdeckt. Hier fehlt das Auge fürs Detail.

Damit möchte ich es gut sein lassen und mich dem Eigentlichen zuwenden. Essen und Trinken werden auf einer Faltkarte angeboten. Es gibt Burger, österr. Klassiker, Sandwiches, und noch ein paar Kleinigkeiten, aber erstaunlich wenig Vegetarisches. Das Essenskonzept soll vornehmlich junges Publikum ansprechen und ist insofern stimmig. Essen mit der Hand, schnell, nicht aufwändig im Baukastensystem (Pimp your Burger), dazu das eine oder andere Bier - fertig.

Da uns niemand vom Personal bemerkt suche wir uns unseren Tisch selbst und nehmen im gut gefüllten Garten Platz. Speisekarten liegen auf dem Tisch bereit und werden auch später nicht entfernt. Es gibt hauseigenes Bier (Kaltenhauser Brauerei), welches wir auch gerne bestellen würden, allein der Kellner lässt sich Zeit und als er unserer gewahr wird dauert es nochmals ein paar Minuten bis er an unseren Tisch kommt und die Bestellung entgegen nimmt. Da wir genügend Zeit hatten geht das Essen auch gleich in Auftrag. Kellerbier & Original, Braumeister Burger mit Pommes, Ausgelöstes Backhendl, Biergrillhendl mit Basmatireis und Chickenlovers Sandwich. Die Bestellung wird freundlich entgegengenommen und bei den Beilagen mit Wahlmöglichkeit nachgefragt. Beim Burger wurde keine Garstufe erfragt - vergessen oder TK Ware?

Dann beginnt wieder die Wartezeit, das Personal ist definitiv noch nicht auf Betriebstemperatur und das im sanften Anfangsstadium, bei angenehmer Außentemperatur. Da müssen sie deutlich zulegen. Es werden viele Meter umsonst abgespult. Der Kellner rennt wegen zwei kleinen Bieren zur Schank nach vor, um bei seiner Rückkehr gleich die nächste Bestellung „ein großes Bier bitte“ entgegenzunehmen und schon rennt er wieder. Das Zauberwort heißt Bestellungen sammeln und einmal gehen.

Das Bier kommt – Prost – alles gut. Schöne Schaumhaube, gut gekühlt, geschmacklich einwandfrei. Bernsteinfarben und kräftig das Original. Naturtrüb hefig und leichter hingegen das Kellerbier. Das Essen dauert noch. Die zweite Bierrunde wird bestellt als endlich das Essen kommt. Aber weil er kein Tablett verwendet muss er noch einmal gehen und den Rest bringen – der Kollege braucht kein Fitnesscenter mehr.

Die Speisen sind minimalistisch angerichtet Grillhendl und Sauciere auf einem modernen Teller Reis extra. Der Burger wird mit einem Spieß zusammengehalten, die Pommes in einem Gitterkörbchen die Sourcream-Soße extra. Das Pita-Sandwich mit hausgemachten Chips steckt in einer Papiertasche und das Backhendl liegt ohne Garnitur auf einem weißen Teller, Erdäpelsalat auch extra. Der Platz am Tisch wird knapp.

Ich könnte noch seitenweise über die Speisen schreiben, aber ehrlich gesagt, das ist es kaum wert. Der Burger ist einer unter vielen, Brioche Bun etwas süß und verknittert, Fleisch gut, Belag frisch, Pommes von guter Qualität, dick, hell, heiß aber lasch. Pita auch nichts Besonderes, die Chips dafür dünn und knusprig – sie verdienen Lob. Das Backhendl, schön paniert, goldgelb, heiß und saftig – die beste Speise des Abends. Mein ½ Grillhendl – Haut sehr salzig (OK, das weiß man), die Brust schon etwas trocken und zusammen mit dem Reis noch trockener, gut dass es den dünnen Saft dazu gab. Vom Bier habe ich nicht viel geschmeckt, aber das habe ich nach so langer Grillzeit auch nicht erwartet.

Die Portionsgrößen sind OK, eine Nachspeise wäre noch möglich gewesen, aber wir wollen nicht wieder so lange warten. Eine dritte Runde wird bei halbvollen Gläsern noch geordert. Die kommt gerade rechtzeitig zum letzten Schluck, wobei ich wegen der salzigen Hendlhaut einen Riesendurscht entwickle – das ist eh gescheit gemacht von der Küche. Wir bezahlen und gehen und stellen fest, dass man mit den 5 Mio., die insgesamt (mit Hotel) investiert worden sind auch etwas anderes, gemütlicheres hätte machen können - teure Materialien sind schön aber reichen mir nicht. Aber das ist nur unser ganz persönlicher Eindruck. Ich bin mir sicher, der Brauhof wird seinen Umsatz machen, denn mit dem großen Gastgarten in der Biergarten-Wüstenei der Mariahilfer Straße kann man fast nichts falsch machen. Es ist ein bisserl so wie beim Grünspan – man mag es nicht so recht, aber es ist immer offen (Mo bis So) und es gibt keine kulinarischen Überraschungen. Man weiß was einen erwartet. Das ist per se nicht schlecht und das Konzept ist stimmig. Mir persönlich ist es aber zu wenig. Ich werde sicher wieder einmal hingehen, wenn alles besser eingespielt ist und mir der Sinn nach einem guten Salzburger Bier steht.

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Kommentare (2)

am 10. Juli 2019 um 15:13

Das ist richtig. Die werden die Konkurrenz zumindest im Sommer sicher zu spüren bekommen, da sie nur über einen Schanigarten auf der Mariahilfer Straße verfügen.

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21
5
am 10. Juli 2019 um 13:52

Hier ist doch ganz in der Nähe das Mariahilferbräu ? 2 Bierlokale fast nebeneinander?

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Brauhof Wien Fünfhaus
Mariahilfer Straße 156-158
1150 Wien
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