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Ulrich - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Juli 2015
Experte
dieBrotvernichter
67
17
18
4Speisen
4Ambiente
3Service

Richtig gut essen – das macht jeder gern. Junge Leut‘, genauso gern wie jene, die diese Welt schon länger erkundet haben. Kreative, alternative, konservative, intellektuelle, wohlhabende und vor allem wohlwollende Menschen und auch solche, die sich gar nicht in eine Schublade stecken lassen wollen: nämlich wir – sitzen im Ulrich. Und alle bekommen dort das Gleiche - eben das: richtig gutes Essen. Und das in einer Atmosphäre, die von der Überzahl dort geprägt ist: von den Wohlwollenden.

Unter Pazifisten fühlen wir uns besonders wohl. So entspannte Sitznachbarn haben wir gern. Da können die auch ganz nah an uns heranrücken am Bankerl im schönsten Gastgarten Wiens (zumindest für dieses Jahr 2015). Aber auch die Servicemannschaft – wenn nicht ganz professionell unterwegs, dann aber angenehmst freundlich und engagiert. Aber in der sympathisch lockeren Atmosphäre wäre Professionalität und Perfektionismus sowieso fehl am Platz.

Das Lokal schlüpft von der verkehrsstarken Burggasse einen Meter ins ruhige Abseits am Ulrichplatz. Einmal halb um’s Eck und man ist in einer ruhigeren Welt. Kann man im Ulrich von Innenraumdesign sprechen? Ja, doch. Großer Mittelpunkt ist die riesige offene Küche und die Bar. Rundherum schlicht – aber ein charmant chaotisches Industrial Design. Nein, nicht unterkühlt – sehr gemütlich.

Ebenso draußen: trotz historischem Boden, der alles doch recht uneben und holprig macht, sitzt man mehr (auf den Hochbänken und –tischen) oder weniger bequem auf bunten Holzsprossensesseln. Die beliebteren Hochbänke- und Tische umfassen den bunt bestuhlten Schanigarten. Wohlfühlatmosphäre pur.

Auf der Grundlage lässt sich’s umso besser speisen. Im Mädelsolo schon oft vorgekostet und für absolut würdig empfunden – wird nun im Duo der Gastgarten belagert. Es ist kühl an dem Nachmittag – aber ein spätes Mittagessen bringt uns sicher wieder auf Betriebstemperatur. Obwohl es muss nicht unbedingt Mittagessen sein – am Wochenende gibt’s Frühstück bis 16h. Kleine Teller (einheimische Tappas) gibt’s ab 11.30h vermutlich immer. Auch später abends an der Bar. Große Teller (Hauptspeisen) zu humanen Küchenzeiten – die aber großzügig gestaltet sind. Kaffee und Süßes – gibt’s natürlich auch. Eigentlich ein Platz für alle kulinarischen Belange zu jeder Tageszeit.

Also wird am Nachmittag ein Frühstücksbrot (Vollkorn vom Joseph) bestellt mit Rotem Rüben Hummus, Gurken und Sprossen. Wir wissen zwar immer noch nicht über das Warum des Joseph-Hypes bescheid – obwohl wir wirklich mehrmals versucht haben, dem auf den Grund zu gehen. Vergebens. Ist aber eine andere Geschichte. Der Belag war sehenswert und ausgezeichnet. Pink, grün und ein Haufen knackiger heller Sprossen verschiedenster Art oben drauf. Eigentlich hätte das schon gereicht.

Aber das konnte die Brotvernichterin ja vorher nicht ahnen und hat vorsorglich, aber auch der tollen Kombination wegen, noch einen kleinen Teller mit Oliventapenade, Feta, Babybasilikum und kleinen Paradeisern dazu bestellt. Geschmacklich jede einzelne Komponente eine Sensation. Babybasilikum hat wirklich eine Besonderheit für sich. Sehr intensiv, trotzdem fein und grasig fruchtig. Tapenade von schwarzen Oliven – sehr würzig. Gebratener Feta ebenso. Das ist zu viel an Würzigkeit. Das gleiche Gericht wurde letztes Mal mit einem sehr feinen Ziegenfrischkäse mit Honignote serviert. Ebenfalls kurz angebraten. Der war leicht süßlich und hat das stark Pikante wieder bestens ausgeglichen oder gar ergänzt. Der salzige Feta ist da zu viel. Aber das pinke Hummus-Brot bringt alles wieder ins Lot.

Außergewöhnliche Teesorten und Hauslimonaden sind im Angebot. Die Pink Grapefruit mit Thymian ist leicht herb, sauer und bittersüß zugleich. Eine gute Idee – erfrischend. Diesmal verlangt die Außentemperatur nach etwas wärmenden und zu dem gewählten Essen passt der heiße Aufguss vom Beerentee mit roter Rübe super. Schmeckt.

Auch die Ingwervariante der Hauslimonade ist gut trinkbar. Man kann da je nach Speisenbegleitung variieren – es muss ja nicht immer Wein sein. Die Smoothies (Green Machine) sind hochwertigste Nährstoffbomben. Top Ware – guter Stoff.

Die Flats (hauchdünne Teigfladen) sind ebenso eine selbstgemachte Eigenkreation des Lokals. Die Besonderheit daran ist die wirklich gelungene Getreidemischung des verwendeten Mehls. Irgendwas vollwertiges. Nussiges. Braunes. Malziges. Griesartiges. Mit Mohn.

Die gibt’s pur als Beilage oder zum Dippen – so knusprig fein und trotzdem leicht kernig. Oder richtig ordentlich belegt. Und der Belag ist nicht nur herrlich reichhaltig und vielseitig. Bislang verkostet: Pilze mit Ziegenkäse und Jungspinat ist eine tolle Kombination. Vor allem wegen der süßsauer eingelegten roten Zwiebel obendrauf. Eine Geschmacksbombe. Der einzige Haken: manchmal ist der Belag dann so üppig, dass der Teig mittig nicht ganz durch ist – stört aber irgendwie nicht – der gute Geschmack macht halt alles wieder gut.

Diesmal wird aber jede Form von Brot vernichtet. Flat kommt pur zum Vorspeisenteller. Sauerteigbrot vom Joseph auch mit dabei – damit hätten wir alles Brotsorten am Tisch. Und eben auch einen Streifzug durch die kleinen Teller der Speisenkarte. Da ist: Hummus, Chorizo, Manchego, Oliven, Schwarze Olivencreme, Feta, Mangalitzaripperl mit senfigem Coleslaw, Vogerl-Erbsenschoten-Petersilsalat, Hühner Kimchisalat (scharf), Avocadosalat, Oktopus gegrillt am Spieß, Fenchelkraut. Ja davon wird man ordentlich satt. Ganz sicher. Damit hat der schwache Esser nicht gerechnet und sicherheitshalber noch einen kleinen Teller mit getrüffelten Champignons, selbstgemachter Remoulade (ganz offensichtlich selbstgemacht) und knuspriger Petersilie dazu bestellt. Es war verdammt viel, aber dermaßen gut, dass alles restlos verputzt wurde.

Ganz winzig klein ist der Schokoshot. Ein glänzend überzogener kleiner Schokokuchenwürfel, der allerfeinstens und dennoch richtig stark nach Schokolade schmeckt. Zum erfreulich guten Kaffee (auch mit Sojamilch) – perfekt.

Wirklich top Zutaten, die zu Speisen gestaltet werden, die uns sehr gut gefallen und ganz nach unserem Geschmack sind. Egal wann - es gibt immer unkompliziertes Essen, das bestens schmeckt. Wir kommen jetzt öfter – weil’s einfach absolut passt für uns.

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Kommentare (4)

am 5. Juli 2015 um 08:25

Nur weil das Angebot rar ist, muss man doch nicht das geringste Übel wählen oder? Brot vom Gragger ist weitaus besser und für uns auch preiswertig im wahrsten Sinn des Wortes. Zwar kein Wiener, aber in Wien erhältlich: Kasses. Unser Favorit bisher - sowohl Sortiment als auch Geschmack und Konsistenz. Und natürlich: unsere Bäckerin ums Eck.

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Experte
67
17
am 5. Juli 2015 um 07:50

Ich verstehe den Joseph Hype sehr gut: In unserer Stadt, in der zwar an jeder Ecke zwei Filial-Bäckereien sind, ist es nämlich verdammt schwer "ganz normales Brot" im besten Wortsinn zu bekommen.

Besser in Wien ist für mich nur mehr der Gragger!

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54
8
am 4. Juli 2015 um 19:59

Magic: Lang sollen die verschiedenen Geschmäcker leben. Ich liebe das Brot und in Verbindung mit der Butter vom Lokal eine Wucht. Diesen Luxus leiste ich mir immer wieder. Ein Packung Butter und 1Kg Joseph Brot.

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Experte
389
56
am 4. Juli 2015 um 19:51

Den Hype wegen des Joseph-Brotes verstehen wir auch nicht.
Ich hab es einmal gekauft bei der Helene Ziniel (1050), frisch angeschnitten, am nächsten Tag bereits sehr schwer beißbar.
Geschmacklich auch nichts besonderes.
Es lebe die Propaganda!

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63
50
Ulrich
St. Ulrichsplatz 1
1070 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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37
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