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Il Sestante - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 22. Mai 2015
Experte
adn1966
80
48
22
4Speisen
4Ambiente
4Service
2 Fotos3 Check-Ins

Während eines langen Fluges unterhielten wir uns mit meinem Kopiloten R. über unsere gemeinsame Leidenschaft, gutes Essen in guten Restaurants. Er schwärmte für das „Il Sestante“, es sei sein Lieblingsrestaurant, die beste Pizza und überhaupt.

Häh? Ich war 2012 im Sestante und habe nach dem Erleben einer sowohl kulinarischen, vor allem aber servicetechnischen Niederlage eine Bewertung verfasst. So unterschiedliche Wahrnehmungen? Pech an diesem einen Abend? Das will ergründet werden. Also – zweite Chance für das Il Sestante.

Die Location ist ja wirklich nett. Der große Garten vor der Kirche Maria Treu lädt ja wirklich zum Sitzen ein, speziell an diesem sonnigen Nachmittag, der mich wegen eines anderen Termins in den Achten führte.

Die Begrüßung war äußerst freundlich, die Aufnahme der Bestellung ebenso. Gefühlte zwei Sekunden, nachdem ich Platz genommen hatte, war eine Kellnerin zur Stelle, die ich schon einmal im I Ragazzi gesehen hatte. Ich bestellte einen weißen Spritzer, eine Pizza Capricciosa, nera, also knusprig, mit (Italien, verzeihe mir) meinem obligatorischen Sonderwunsch, einem Ei in der Mitte. Ich kann’s nicht lassen, ich mag das einfach, - unauthentisch, verpönt oder nicht. Ich kann aber auch damit leben, wenn ein echter Pizzaiolo seine Pizza damit nicht unauthentischer machen will und diesen unitalienischen Fauxpas einfach nicht übers Herz bringt.

So wurde mir in meinem Lieblingsitaliener, dem Federico II, der Wunsch nach dem Ei mit den Worten verweigert, dass der Koch, Vater des Kellners, ihn in Schimpf und Schande aus dem Lokal jagen würde, wenn er sich erdreistete, diesen Wunsch auch nur zu äußern. Das nenne ich konsequent.

Gut, im Sestante lässt man mehr Toleranz zu, für meinen Eierwunsch gab’s kein Entsetzen, nicht einmal hochgezogene Augenbrauen. Auch mein Wunsch nach Olio al Peperoncino wurde mit einem „certo“ quittiert.

Die Getränke kamen nach gerade einmal einer Minute, - die Verbesserung im Service schon jetzt deutlich spürbar. Kann nicht der selbe Besitzer/Pächter von damals sein. Impossibile.

Während ich so an meinem Spritzer nippte, ließ ich den Blick über den doch ziemlich gefüllten Garten schweifen. Mehr Servicepersonal als damals, und viele Bekannte Gesichter aus dem I Ragazzi. Rundum zufrieden scheinende Gäste, niemand, der durch wilde Handzeichen, Rufe, Pfeifen, Leuchtraketen verzweifelt und vergebens versucht, eines Kellners/einer Kellnerin habhaft zu werden wie noch vor drei Jahren.

Nach weiteren, wenigen Minuten kam auch schon meine Pizza. Unglaubliches Tempo. Optisch sehr appetitlich, das Ei perfekt, der Teig schön knusprig, aaaaaber etwas zu dick für meinen Geschmack, speziell am Rand.

Das Positive: der Geschmack des Teiges sehr gut, aber ich mag’s gern salzig. Könnte für Anhänger der salzlosen Fraktion ein Problem darstellen. Auf der Pizza: hochwertige Ware. Guter Schinken, zarte Artischocken, FRISCHE Champignons, eine gute Tomatensauce und echter Mozzarella, kein Pseudokäse. Alles richtig gemacht.

Weniger gut fand ich, wie gesagt, die Dicke des Teigs. Der Rand war eine veritable Wulst, wobei das natürlich Geschmackssache ist. Es gibt sicherlich viele Anhänger genau dieser Machart, - ich mag’s dünn und knusprig, wie in Süditalien üblich. Im Match der Lieblingspizza ein klares 1:0 für das Federico II.

Das Peperoncino-Öl ist ein Fertigprodukt und kann schärfetechnisch nicht viel. Im Federico bekommt man eine hausgemachte, waffenscheinpflichtige Mischung aus Olivenöl und frisch gehackten Peperoncini. 2:0.

Der Service wiederum war ein echtes Vergnügen. Flott, effizient, und sehr freundlich. Trotz des hohen Gästeaufkommens war auch immer Zeit für ein paar nette Worte oder ein kurzes Plauscherl, in dem mir bestätigt wurde, dass das Sestante seit etwa 3 Jahren unter neuer Flagge, einem neuen Besitzer fährt. Viele Kellner sind vom Ragazzi hierher gewechselt, - der Besitzer ist ein anderer.

Abschließend gab’s einen tadellosen Ristretto in Begleitung eines nicht minder tadellosen Grappa. Die Rechnung wurde auf Verlangen prompt gebracht, allerdings wie bei meinem letzten Besuch nur in elektronischer Form. Gibt’s aber auf Verlangen sicher auch als „echte“ Rechnung. Bestimmt, Herr Minister Schelling. Es wird aber mit dem Gast zusammen jeder Punkt der Rechnung auf seine Richtigkeit überprüft.

Weniger gut fand ich, Verfechter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, dass im Sestante nur Bargeld akzeptiert wird. Nicht sehr zeitgemäß, zum Glück gibt’s in zwei Minuten Fußweg einen Bankomaten. But, still: 3:0 für das Federico II.

Trotzdem, ich bin mit dem Il Sestante wieder versöhnt. Man kann schon gemütlich dort sitzen, auch wenn der Service bei vollem Garten zum Schluss schon etwas ins Schleudern kam. Guter Wein, gute Produkte auf der Pizza, ein Pizzaiolo, der sein Handwerk definitiv versteht, guter Espresso und Grappa. Passt. Wir sind wieder Freunde.

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Kommentare (3)

am 23. Mai 2015 um 07:12

Muss ich auch wieder einmal hinschauen. Das Lokal war einmal sehr gut, dann eine Zeit lang eher nicht.

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Experte
92
38
am 22. Mai 2015 um 17:51

Kann ich auch genau so bestätigen, schöner Bericht, HGL vom 331er

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Experte
234
28
am 22. Mai 2015 um 17:24

Das ist mal eine gute Nachricht!

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Experte
152
83
Il Sestante
Piaristengasse 50
1080 Wien
Speisen
Ambiente
Service
35
35
32
38 Bewertungen
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