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Sakai - Taste of Japan - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 27. Jänner 2015
Experte
dieBrotvernichter
67
17
18
4Speisen
2Ambiente
3Service

Schon lange sind wir neugierig auf die authentisch japanische Küche des Sushimeisters, der aus dem Unkai kommt. Unmöglich teuer dort. Im Sakai – salzig sind die Preise immer noch.

Aber wir schätzen asiatische Restaurants, die auf hohe Zutatenqualität Wert legen und die findet man in diesem Küchengenre leider nur im gehobenen Preissegment. Zahlt man da einen Exotenbonus?

Ja, der ist offensichtlich inkludiert, denn das Ambiente ist zwar japanisch puristisch und recht angenehm aber bei Preisen über € 57,00 (Sushi Kaiseki) und € 65,00 (kisetsu no osusume Kaiseki) für kleine Sammelsurien an kulinarischen Überraschungen, welche die Küchenmannschaft aus dem Stehgreif zaubert, darf man sich mehr oder weniger eigentlich auch vom Rundherum Einiges erwarten:

Weniger Küchengeruch im Gästebereich, viel weniger. Dafür viel mehr Souveränität Service.

Der Exotenbonus endet aber bei den regionalen Weinen. Die sind schwerst fair kalkuliert. Jedes gute Achterl (Riesling und Rotweincuvee) aus Langenlois um unglaubliche € 2,90. Da waren wir erstaunt.

Die Überraschungen sind der Küchenmannschaft wirklich gelungen. Was da am Teller und in den Schüsseln war, blieb bis zum Mund eine Überraschung, weil die nette Servicedame so zurückhaltend war, dass sie uns auch nicht erzählt hat, was wir da serviert bekommen. Einiges ist uns bis heute ein Rätsel geblieben. Das ist schade, denn wir könnten die einzelnen Speisen nicht noch einmal bestellen. Klar, wir haben die ersten paar Tellerchen und Schiffchen hinterfragt aber dann waren wir schon zu müde. Denn anders als wir dachten, wurden die Kleinigkeiten nach einander serviert und es hat dann doch sehr lang gedauert.

Alle kleinen Gerichte, die uns die dezente junge Dame serviert hat, waren wirklich mit Niveau und gekonnt zubereitet. Anders ist der Geschmack als man den von Preiskampf-Asiaten kennt. Irgendwie klare definierte Aromen sind da in dem Essen. Man konnte alles ganz differenziert herausschmecken. Und jedes einzelne kleine Gericht hat wirklich anders geschmeckt. Jedes rohe Lebewesen aus dem Meer war eine neue Geschmacksentdeckung. Und im Sakai sind die Garnelen auch wirklich roh, genau so wie die Algen. Jede Art schmeckt anders. Auch die klaren Suppen: eine ganz anders als die andere.

Für den Abend haben wir uns vorgenommen, uns drauf einzulassen. Wir kennen ja nur den panasiatischen Sushi-Standard, abgesehen vom einen oder anderen Experimental-Ausflug. Also wollen wir’s jetzt mal richtig wissen.

Und wir essen alles, was da kommen will - außer Schwein. Das muss nicht sein. Einer hat’s vergessen zu erwähnen, der hat’s dann aber auch voll abbekommen. Bei der anderen wurde die Schweineabstinenz vorbildlich berücksichtigt. Statt dem fetten aber sehr feinen Schweinebauch in Suppe, bekam sie leider Rinderzunge.

Oder doch zum Glück? Überraschender Weise: Ja. Es war tatsächlich eines der zartesten Stücke Fleisch, die wir bislang zu essen bekommen haben. Kein Fett, keine Flachsen. Kostportion. Wie ein Tafelspitz in klarer Suppe gegart mit Wurzelgemüse und ein paar Frühlingsröllchen oben drauf. So klar wie die Suppe war auch der Geschmack: puristisch aber deutlich. Das war der Fleischgang.

Wir schalten ein paar Gänge zurück:
Es gab ganz viel Außergewöhnliches. Suppe mit Meeresgetier- Pilz- und unbekannter Objekteinlage in der Teekanne mit Trinkbecher dazu. Genau so klar aber geschmacklich wieder ganz anders als jene vom Fleisch. In diesem klaren Suppensud war ein super flaumiges kleines Krabbenfleischköderl. Richtiges Krabbenfleisch. Ungepanscht. Auch dabei war ein Kugerl, das optisch und konsistenziell einem gekochten Wachteleidotter ähnelt, aber extrem grausig bitter war. Ein paar Schlucke Suppe aus dem Becher lässt die Gesichtsmuskulatur wieder entspannen.

Beim Nigiri-Sushi-Gang ein ähnliches Erlebnis. Die Freude war groß, über die facettenreichen Fischsorten auf dem Reis. Und ganz besonders groß über das Kleinfingernagel große Stückerl roher Seeigel am Oktopusnigiri. Leider ganz schlimm, dieser Seeigel. Grausam was da den Geschmacksknospen zugemutet wird. (Aber die sind ja bekanntlich bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt.) Das kleine wabbelige Stückerl sieht aus wie eine Vogelzunge in orange. Und wenn das dann in den Mund kommt, will die Zunge nur noch davon laufen. Intensivst bitter. Gelartige Konsistenz. Diesmal leider keine Suppe zur Hand, dafür das Glas Weißwein in greifbarer Nähe. Zum Glück auch noch Wasser. Erste Neutralisierungshilfe.

Top Fischqualität. Sogar der Thunfisch ist genießbar. Kein metallischer Geschmack der auf der Zunge bleibt. So mögen wir das. Wie beim Nigiri, auch beim Sashimi ALLES roh. Ja, auch die Garnele. Endlich. Diese vorgekochten Garnelen und dieses Krebsimitatstangerl gibt’s dort nicht. Die Garnele ist roh echt eine Geschmacksbereicherung. Ganz dezent, saftig, frisch und süßlich - so wie der Oktopus, nur der hat im Rohzustand eine leicht bittere Note, bissfest und saftiger ist der auch roh nicht. Die Algen rundherum schmecken nach Meer. Kaum salzig – gut abgespült. Und hübsch sind sie, weil so frisch, wie gerade erst geerntet. Leicht knackiger Biss und bunt. Wasabi leider das 08/15 Programm in grün. Aber der Ingwer natürlich selbst eingelegt und keine Spur von Rosa.

Die Vorspeisenvariation hatte auch eine Ansammlung an kleinen mundgerechten Delikatessen. Alles hervorragend. Gedünstete Auster (in Sesamcremesauce), gelackter Aal, Hühnerpastete, Kürbispüree, Tempurakrabbe, panierter Fisch mit Mayonnaisetupfen und noch mehr unbekannte Essobjekte. Wir wurden ja nur selten aufgeklärt. Alles hat uns sehr gut geschmeckt.

Auch der Gruß aus der Küche hat mit gedünsteten Fisolen im cremigen Lachsgehäcksel (vielleicht mit Sauerrahm, Mayonnaise und Sesam abgerührt) unseren Geschmack gut getroffen.

Das Grillgericht des Menüs war bei uns beiden Fisch. Zum Einen war’s ein wirklich herausragend gutes leider viel zu kleines Stück Butterfisch. Von dem hätten wir beide gern mehr gehabt. Irgendwie würzig, erdnussig und leicht süßlich mariniert und saftig gebraten. Dazu ein Scheiberl Limette – perfekt. Zum anderen war der Wolfsbarsch zwar auch gut, aber konnte dem raffinierten Butterfisch nicht das Wasser reichen. Weil er davon selbst mehr gebraucht hätte – der war schon recht trocken.

Asien und Desserts. Geht schon. Man kann da aus exotischen Zutaten schon was machen. Braucht aber die europäische Zubereitungstechnik und das geht so: Matchabiskuit mit Kürbis Creme Brulee. Eh ok. Nix aufregendes. Spannender lesen sich alle anderen Nachspeisen der Dessertkarte.

Die Neugier ist geweckt. Aber: Wir leben in einer Demokratie. Und 50% der Wahlbeteiligten wollen leider aufgrund der Raumaromatik nicht mehr wieder kommen, aber die anderen 50% sind sehr gespannt auf den Rest der Speisen- und Dessertauswahl. Auch auf die Portionsgrößen bei Einzelbestellungen. Und auf das monatlich wechselnde Zusatzspeisenprogramm oder den Sushibrunch… es wird eine Wahlwiederholung geben müssen. Denn ein neuerlicher Besuch kann nur einstimmig beschlossen werden.

Die Hälfte der Wahlbeteiligten fühlen sich nämlich ordentlich angepatzt. Weil man sich nach dem Besuch dort, am besten gleich in voller Montur, in die Waschmaschine stecken muss. Der Geruch fräst sich einfach in jede Pore. Da hat die eine Hälfte der Brotvernichter noch viel Überzeugungsarbeit und einen harten Wahlkampf vor sich. Aber es ist eine Meisterin am Werk. Oder einfacher: das Sakai revitalisiert seine Lüftungsanlage? Das täte dem Gemeinwohl gut.

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Kommentare (7)

am 28. Jänner 2015 um 14:46

Schweinslungenbraten ist aber ganz mager!

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am 28. Jänner 2015 um 14:06

Bertl2: Frau Brotvernichter: aus geschmacklichen Gründen und bei mir aus dem Grund, weil mir Schweinefleisch zu fett ist. Trifft bei uns aber nur bei Schweinefleisch als Hauptspeise zu, wir verfeinern unsere Abendessen gerne ab und zu mit Wildschweinwurst, Speck oder Rohwurst vom Ibericoschwein usw.

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17
am 28. Jänner 2015 um 07:56

Schweinefleischvermeidung aus religiösen Gründen?

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38
am 27. Jänner 2015 um 16:48

Ei weg Gewand, vermeid' ich - fuer unser beider Allgemeinwohl ;) ...aber das Einweg-Gewand geht in Produktion.

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17
am 27. Jänner 2015 um 15:02

Einweggewand

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am 27. Jänner 2015 um 13:48

Halb so wild magic, es gibt so viele verschiedene Speisen - da findest du auch sicher etwas was dich anspricht, wenn Frau Brotvernichter aber glaubt mich nochmal dorthin zu kriegen, muss sie mir zuerst ein Eiweggewand kaufen!

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67
17
am 27. Jänner 2015 um 13:31

Die Lokalbewertung ist sehr schön geschrieben; aber das wäre mein ganz persönliches "Dschungelcamp".

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Sakai - Taste of Japan
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