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Wieninger - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 14. September 2014
Update am 21. Dezember 2014
Experte
langnan
58
16
21
4Speisen
4Ambiente
5Service

Herbstbrunch beim Wieninger. Dieses Wochenende ist bzw. war "open house" in Wien. Eigentlich eine Supergelegenheit um kreuz und quer durch die Stadt zu fahren und kostenlos einen Blick hinter diversen Fassaden werfen zu können. Das schlechte Wetter zwang uns aber vorzeitig einen Plan B aufzustellen. Da wir im 21. Bezirk leben ist Stammersdorf nicht weit weg. Ein Besuch in der Kellergasse bzw. beim Heurigen ist auch eine schöne Abwechslung. Auf der Internetseite Wieninger sah ich die Einladung zum Herbstbrunch am diesem Sonntag. Die vorgestellten Speisen waren sehr verlockend und Wieninger hat auch einen recht guten Ruf. Plan B ist somit aufgestellt und wird auch ausgeführt.

Kleine Gehstrecke nach dem Endstation 31 in Stammersdorf erreichten wir Wieninger. Es sind bereits Gäste eingetroffen und das Buffet wurde gut besucht. Eine Dame in Dirndl fragte uns nach den Namen, führte uns zum Tisch und brachte zwei Aperitif. Auf dem Tisch stand noch eine Flasche gekühltes Wasser und ein Teller mit kleinen Häppchen. Bestehend aus Käse-Haselnuss-Stangerl mit Schwarztaler Schinkenspeck, knusprige Blunzenwürfel in Kürbiskernmantel, Tartar von Roten Rüben und gereiftem Balsamico, Steinpilzmousse auf getoastetem Körndlbrot. Hervorzuheben ist der Steinpilzmousse, echt lecker, mit einem Hauch wie Leberpastete.

Zwei Schluck vom Aperitif, länger darf das Buffet nicht warten. Das Buffet war im Nebenzimmer aufgestellt, reichlich gedeckt verteilt im ganzen Raum. Zuerst zum Frühstücksbereich, bestehend aus klassisches Rührei mit herbstlichen Pilzen und heißgeräuchertem Lachs,
Marmeladen und Bauernbutter sowie frische Joursemmerl und Brotbuffet. Ich dachte Rührei wäre zusammen mit den Pilzen gegart, aber sie waren getrennt serviert. Rührei war cremig, die Pilzen bisschen kalt aber gut. Der Lachs schmeckte meine Frau sehr gut, ich finde er war bisschen zu durchgegart für meinen Geschmack.

Eine Dame kam noch vorbei um die Kerze anzuzünden. Sie fragte uns nach den Getränken. Der Brunchpreis war inklusive Soda, Traubensaft, Apfelsaft, Rot-und Weisswein. Wir nahmen einen halben Liter Traubensaft und ein 1/8 gemischter Satz. Stellte sich später bei der Rechnung heraus, dass der gemischter Satz nicht im Preis enthalten war. Aber nicht schlimm.

Vorspeisen waren vertreten durch Wildkräutersalat, Kürbiscarpaccio in Himbeer-Vinaigrette und Kürbiskernpesto, Rindfleischsalat, Kaltgeräucherter Waldviertler Wildschweinschinken mit Rotwein-Wacholderfeigen und Wildkräutersalat, Spanferkel-Beinschinkensülzchen auf buntem Salat mit Apfel-Trüffeldressing, Gabelbissen vom geräuchertem Bachsaibling auf Zitronencrememousse mit feinem Gemüse, Carpaccio vom Biorind auf Majoranpesto mit sautierten Pilzen und Alpengrana. Dazu gab es noch hausgemachte Säfte, entweder Orangen-Karotten oder Apfel-Rhabarber. Der Rindfleischsalat hat mir echt gemundet, wirklich köstlich. Schön mürb gegartes Fleisch, fein geschnitten, mit einem köstlichen Balsamico-Kürbiskernöl-Dressing. Kürbiscarpaccio war knackiger roher Kürbis, eine kleine Spur zu sauer aber sonst sehr gut. Der rauchiger Geschmack vom waldviertlen Wildschweinschinken war delikat, mit süsslichen Rotwein-Wacholderfeigen abgerundet. Spanferkel-Beinschinkensülzchen war zart und sehr schmackhaft, Konsistenz erste Klasse. Apfel-Rhabarber Saft war erstaunlich, nicht nur frisch, beide vermengt ergab den Geschmack von Kiwi. Erfrischend und für mich eine neue Entdeckung bezüglich Rhabarber.

Von einer solchen tollen Vorspeise bekam ich erst richtig Appetit. So wie eine alte Dame hinter mir beim Vorbeigehen zum Buffet sagte: "Weiter eine neue Sünde."

Schaumsuppe vom Hokkaidokürbis, gerade frisch aus der Küche. Ich nahm dazu noch etwas Schwarzbrot-und Speckcroutons und gerösteten Kürbiskerne. Die Croutons waren nicht mehr knusprig, oder sollte das so sein? Aber die Suppe war prima. Auf dem Körper wurde es richtig warm.

Hauptgang, Hochrippe vom Neuseeländer Berglamm
mit Rosmarin-Madaira-Jus und feinem Ratatouillegemüse, Branzinofilet in Kartoffelkruste auf cremigem Blattspinat mit getrockneten Tomaten, Kalbsbutterschnitzel mit Backzwiebel und Kartoffel-Selleriepüree, Altwiener Backfleisch vom Steirischen Dry Age Beef mit Petersilkartoffeln, Rehragout mit Kroketten und Preiselbeer-Birnenchuttney, Knusprige Kürbis-Kartoffelsackerl. Fokus für meine Frau und mich war der neuseeländer Lamm. Nicht nur weil wir beide Lamm lieben, meine Frau studierte Architektur in Auckland und arbeitet dort jahrelang. Der Lamm war zwar ganz durch, aber nicht weniger zart und fein als bei einem Sternerestaurant. Das Ratatouillegemüse dazu schmeckte verwunderlich ähnlich wie selbstgemacht, sprich bisschen chinesisch. Von mir aus könnte die Hauptspeise nur aus diesem Lamm bestehen, hehe.

Kalbsbutterschnitzel hatte eine kleine Spur Zitronengeschmack, interessant aber allgemein bisschen wenig Geschmack. Branzinofilet in Kartoffelkruste war auf dem Punkt gegart, kam eben frisch aus der Küche. Rehragout mit Preiselbeer-Birnenchuttney war kräftig und gut durch. Die Kürbis-Kartoffelsackerl waren eher enttäuschend. Obwohl es drei Dipps dazu gab, war der Geschmack nicht mehr zu retten.

Altwiener Backfleisch vom Steirischen Dry Age Beef hatte ich übersehen. Dachte es wäre gewöhnliches Schnitzel. Dafür hatte ich eine halbe Petersilkartoffel probiert, na super!

Mit fast vollen Magen wandten wir uns dem Dessert zu. Dreierlei Mousse im Schokotopf, Eis von Kürbiskernen und weißer Schokolade, Sorbet von Zwetschke und Johannisbeere mit einem Hauch Balsamico, Apfel-Mandelschmarren, Cremeschnitte im Glas von Kürbis, Marille und Zartbitterschokolade, Soufflierte Vanille-Mohnpalatschinke in der Espressotasse. Mousse im Schokotopf war im wahrsten Sinne des Wortes "süss" gemacht. Etwas zu süss für meinen Geschmack. Das Eis vom Kürbiskern kannte ich noch nicht. Ein Körndleis, witzig und sehr gelungen. Cremeschnitte war lecker, nicht zu süss. Vanille-Mohnpalatschinke in der Espressotasse sah besser aus als es schmeckte.

Kleiner Rundgang noch für die Fotos. Einen Blick warf ich auf's Käsebuffet. Ich könnte, aber ich sollte nicht, zu viel ist zu viel.

Im Laufe unseres Aufenthaltes füllte sich der Gastraum. Die meisten kannten sich und so nach und nach wurde es immer lauter. Kinder liefen, ihre Väter liefen ihnen hinterher um sie einzufangen. Es kamen Leute mit Hunde herein. Die Hunde taten mir leid, unter dem Tisch mussten sie sicherlich das Aroma vom Essen und Herrchens/Frauchens Socke gemeinsam verkraften. Obwohl manchmal die Kinder zum Weinen anfingen, war die Atmosphäre allgemein sehr entspannt und fröhlich.

Fazit: Nicht ein Heurigenessen wie gewöhnlich, aber sehr gut. Gute Lage, wenn das Wetter mitspielen würde wäre ein Spaziergang entlang der Kellergasse sehr hilfreich nach dem Essen.

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Kommentare (3)

am 14. September 2014 um 17:41

Was soll der "Stammersdorfer" da anderes machen als HGL drücken.

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Experte
234
28
am 14. September 2014 um 17:28

Natürlich HGL, what else? Aber mein Dauerabo hast Du eh schon...

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Experte
152
83
am 14. September 2014 um 16:54

Eine sehr gute, appetitanregende Bewertung ;-)

Gefällt mir1
Experte
107
33
Wieninger
Stammersdorfer Straße 78
1210 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
42
41
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