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Flatschers - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 1. August 2014
Experte
dieBrotvernichter
67
17
18
3Speisen
3Ambiente
3Service

Mittelmäßig - so lässt sich's treffend zusammenfassen: preislich mittel kalkuliert sind die Speisen dazu aber nur mäßig gut.

In Wien geht ja grad der Burger-Wahn um. Wir haben BSE (Burger-Sucht-Erkrankung) aus Stuttgart 2012 nach Wien mitgebracht. Quarantäne war nicht nötig - um uns herum ließen sich die Leute alle bereitwillig gern davon infizieren - wie man sieht.

So ein Burger hat was diffizil Facettenreiches. Ein Buch mit mehreren Kapiteln - ein guter Burger ist die beste Visitenkarte für einen Gastronomiebetrieb: Burger gut - alles gut.

So ein Burger sollte den gesamten Schaffensbereich der jeweiligen Restaurantküche gut abbilden können. Von der Fleischqualität und -zerkleinerung und Garpunkt, über das geschmackvolle Auwählen des Brotes/ oder sogar Brotbacken, die Frische beim rohen Gemüse/Salat, das gekonnte selbst Zubereiten von Saucen/Mayonnaise, Kreativität und Zubereitung bei der Beilagenauswahl und auch auf welchem Geschmacksniveau die Auswahl von guten Zusatzprodukten wie Speck und Käse basiert. Ja, so ein Burger ist wie ein Zeugnis. Zumindest dann, wenn man BSE hat.

Erwartungen waren an alle Teilaspekte eines Flatscher-Burgers hoch. Die besten Bewertungen hier. Also unsere BSE muss dort für die nächste Zeit total besänftigt werden. Und es ist ein schöner Samstag-Abend, der letzte im Juli - wir wollen bitte draußen sitzen, sagen wir dem jungen Herrn am Telefon. Der sagt:"Kommt's einfach vorbei. Wir finden schon was." Erstaunlich einfach, da so spontan einen Tisch zu bekommen. Große Freude - die zwei Junkies kriegen den guten Stoff.

Tja und im Flatschers sind wir für € 13,50 pro Burger, der natürlich mit selbst hausgeschnittenen Pommes-Frites angeboten wird, zwar ordentlich satt geworden aber zufrieden? Nein, das waren wir dann doch nicht.

Wir sitzen also wirklich draußen auf dem gebretterten Schanigarten - maximale Sitzplatzbelegung aber gut verteilt, sehr angenehm mit Blumenkörberl als Platztrenner zwischendrinnen ausgestattet. Platzangebot an der Straßenkante - clever genutzt. Ein Körberl mit fleckigem Billigbesteck steht am Tisch. Servietten, Gabel, Löffel, Buttermesser und ein lächerliches Steakmesser, dass sehr blasse Erinnerung an das original Laguiole-Messer aufkommen lässt. Fürs Burgeressen aber ausreichend. In der Wartezeit bis zum Essen brauchen wir eh Beschäftigungstherapie, da können wir dann auch mit den Flatschers-Servietten das Besteck putzen.

Der Burger ist schnell gefunden: Double Cheese Burger. Für uns noch zu puristisch. Da müssen noch 2 Gläser vom Shiraz (€ 4,80 pro Achterl), Maiskolben (€ 4,50) und Sauerrahm Sauce (€ 2,50) dazu. Kann der Burger auch medium-rare gebraten werden? "Nein, leider - der ist eh ganz gut so, Sie werden schon zufrieden sein. Das dürfen wir wegen den Hygienevorschriften nicht." Aha, hätten wir uns ganz anders erwartet.

Rotwein kommt an den Tisch. Wird verkostet. Und es wird gehofft, dass er dann zum Essen besser schmeckt. Irgendwie sauer - Essigtendenz.

Nach ca. 10 Minuten hoffen, kommen unsere beiden großen Burger. An der Portionsgröße wird weder beim Burger noch bei den Beilagen gespart, wir mögen das. Guter Ersteindruck.

Also wir legen los: Das Burgerweckerl - stellt sich dann als Burgerfladenbrot heraus. Nicht gut aufgegangen in der Retzer Bäckerei Blei - der blasse Germteig. Auch an den Schnittflächen - nicht geröstet worden. Dafür ordentlich durchgesuppt mit der paradeislastigen Burgersauce. Zu den Rändern hin wird's aber staubig. Trocken. Zäh - leider nicht knusprig.

2 Salatblätter unterschiedlicher filigraner Sorten und 2 große Paradeiserscheiben. Knackig, saftig, frisch. Rohe Zwiebelringe - naja, süßlich angebraten wären sie uns lieber.

Die Sauce ist fruchtig, würzig - aber rauchig? Eher weniger. Umso mehr vom Raucharoma hat der Hauptdarsteller: das Fleischlaibchen. Auffällig viel Raucharoma. Wie kriegt man das hin? Am Lavasteingrill. Mit Feuer und Holzkohle? Vielleicht. Aber in der Küche eher unwahrscheinlich. Wir haben den Verdacht, dass da mit aromatisiertem Rauchöl oder "Liquid Smoke" nachgeholfen wurde. Vermutung. Eindeutig klar ist, dass das Fleisch dort sehr grob geheckselt wird. Zu grob für unser Burger-Mundgefühl und für das Fake-Laguiole-Messer. Unklar wiederum ist, woher Wiesbauer-Gourmet das Burgerfleisch für Flatschers bezieht. Was wir schmecken können ist, dass es schön saftig und rosa gebraten ist. Inklusive der erwähnten übernatürlichen Röstaromen. Das macht schon wieder Spaß im Mund. Der Käse wird doppelt versprochen. Einfach wär's dann viel zu wenig. So war's grad noch genug. Durchgehend schön geschmolzen. Leider wenig Eigengeschmack. Mit dem Speck ist man auch sparsam umgegangen. Vielleicht will man dem Brot und Fleisch nicht die Show stehlen. Aber bei der Größe hätten die beiden kein Problem mit mehr Speck gehabt und wir auch nicht. Fett ordentlich ausgelassen, daher auch so schön knusprig gebraten. So wollen wir das.

Die Pommes Frites - sehr gut. Außen knusprig, innen weich. Groß, dick, sattes Kartoffelgelb. Gut gesalzen.

3 oder 4 halbe Maiskolben. Unspektakulär aber schön weich. Gegrillt? Leider nicht - vielleicht dran vorbei getragen.

Die Saucen sind eher durchschnittlich. In der Karte steht nix von haus- oder selbstgemacht. Der Sour-Cream-Dip mit Knoblauch. Stimmt, hat man rausgeschmeckt und auch Mayonnaise war präsent. Mögen wir da drinnen nicht so gern. Polarweiß. Daher sicher keine hausgemachte Mayonnaise verarbeitet - Fertigsauce. Erinnert auch an jene, vom großen gelben M. Schade. Auch die Dip-Sauce auf Paradeiserbasis für die guten Pommes-Frites war zwar essbar - entweder aus Massenware zusammengemischt oder gleich pur in die weißen kleinen Schüsserln portioniert. Da man dort auch einiges der Firma Heinz im Miniglas ordern kann - vermuten wir Letzteres.

Mittlerweile ist uns auch klar: Der Wein ist weit unterer Durchschnitt und im Preissegment des Durchschnitts. Somit noch beschwerdefrei.

Flatschers Konzept wirkt und geht auf. Bei den Kleinigkeiten wird ordentlich gespart, davon gibt's aber abseits des Fleisches ganz schön viele. Somit wird massig gespart. Das merkt man auch. Wer auf schönes Ambiente (inkl. Besteck, Beleuchtung, Sitzkomfort) und Geschmack (Hausgemachtes oder zugekauftes Hausgemachtes) wert legt, so wie wir - wird nicht ganz zufrieden sein, aber vielleicht zum schnellen fleischeslustigen Sattwerden wieder kommen. Dann aber lieber Fleisch pur mit Pommes Frites.

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Kommentare (4)

am 2. August 2014 um 17:54

Liebe "Brotvernichter" !
Vielen Dank für Ihre - wirklich umfangreiche und wortwitzig geschriebene - Bewertung.

Es tut mir leid, wenn wir Ihre Ansprüche nicht in vollem Umfang erfüllen konnten.

Sehr gerne dürfen Sie bei Ihrem nächsten Besuch mit mir einen Blick in die Küche werfen und unseren sensationellen Lavasteingrill begutachten. Liquid Smoke brauchen wir - Gott sei Dank - nicht, um die tollen Raucharomen zu erzeugen. Das ist einfach nur die Power unseres Grills.

Ich würde mich freuen, Sie in "Echt" ohne der Anonymität des www kennenlernen zu dürfen.

Bei einem nicht-essig-Wein gehe ich dann gerne auf alle anderen Punkte persönlich ein.

Mit herzlichen Grüßen

Andreas Flatscher

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2
am 1. August 2014 um 16:17

BSE kann akut auftreten oder chronisch sein - mit chronischer BSE lebt sich's aber ganz gut, wir haben schnell gelernt damit umzugehen :)

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67
17
am 1. August 2014 um 16:06

Auch hier HGL-Dauerabo!

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83
am 1. August 2014 um 16:05

BSE...hab ich auch manchmal ;)

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Flatschers
Kaiserstraße 113
1070 Wien
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