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Motto am Fluss - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. Juli 2013
Experte
amarone1977
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3Speisen
4Ambiente
4Service
9 Fotos1 Check-In
Gelistet in: Wien - Jo heast'!!

Das heutige Motto: Altstadtspaziergang mit Finale am Fluss.

Motto am Fluss. Motto am Kanal [kanaoi] klang wohl eher unvorteilhaft, also entschied man sich für die Namenskorrektur schon vor der Taufe.

Das Lokal liegt ja in bekanntlich begnadet guter Lage, die Schiffsstation Wien-City vor dem Schwedenplatz (u.a. Start des Twin-City Liners nach Bratislava) ist zugleich auch das Lokal bzw. ein Teil davon.

Der flach ansteigende Aufgang mit seinen unrhythmisch eingebauten Stufen zur Terrasse nichts für Patscherte, also gleich mal über die zweite Stufe drübergestolpert.
Oben angekommen die Schokoladenseite des großen Lokals: niedrige Tische und ebensolche Stühle lassen ein Feeling irgendwo zwischen Ibiza und Playa del Carmen aufkommen. Kein Zweifel, hier dürfte auch die nächsten Wochen kein Platz zu bekommen sein.

Doch die Temperaturen zwingen ohnehin, reinzugehen, am Eingang eine platzzuweisende Fee mit freundlichem „wo Sie wollen, nur heraußen ist alles ausreserviert.“
Der Abgang zum Restaurant ist unscheinbar platziert, ein kleines Schild weist den Weg nach unten.

Geschickte Architektur mit großer, schräger nach außen „hängender“ Fensterfront und Blick auf Kanal, äh, Fluss. Hochglanz-Lampions, „Salotto“-artige Sitzgrüppchen.
Der Blick hinauf ins „Le Loft“ gegenüber erinnert mich, dass ich nach wie vor keine Lust auf Schlips und Lackschuhe habe – hier ist das Publikum wohltuend gemischt, aber nicht ungepflegt.

Service: einige Damen und Herren, zumeist jung und gut gekleidet (ok, Sakko und die hohen adidas-Schlapfen sind Geschmacksache), und vor allem auch sehr geschickt im Umgang nicht nur mit den Gästen, sondern auch mit Speisen und Getränken (servieren, dekantieren, Präsentation, etc.). Gut organisiert auch, Getränke und Speisen werden immer mit richtigem Timing serviert. Ein ziemlich krasser Gegensatz übrigens zur Truppe einen Stock höher, im Barbereich geht so manches drunter und drüber.

Gedeck: Biobrot im Haus fertiggebacken. Geklärte Butter (sündhaft gut!), und ein weiterer Aufstrich mit Karotte stellen den Esser auf die Probe, sich nicht zu sehr den Bauch vor den Hauptdarstellern vollzuschlagen.

Die Karte macht’s einem nicht leicht – doch die Verantwortlichen im Hause gehen nach dem Motto: klassische Wiener Küche macht den Spagat bis zu internationalen Highlights, sei es nun die Interpretation des Althergebrachten oder die Umsetzung von internationalen Gustostückerln.
So findet man Austern ebenso wie Ziegenkäse, Wienerschnitzel (no na, aber um fast 22€), Strozzapreti (!), Gänseleberpaté oder eben das Kalbsbutterschnitzel.

Sommersalate mit Holunder-Zitronenverbenen-Dressing und Brotkrusteln (um die 9€).
Der Dressing hat eine – sagen wir mal – forsche Säure zu bieten, in puncto Vielfalt schlägt der Salatteller allerdings so manches bisher gesehene . Der Koch dürfte auch erfolgreich ein Praktikum im Botanischen Garten hinter sich gebracht haben.
Der Gipfel sind die essbaren Dekoblüten, Kapuzinerkresse (orange) und Kornblume (blau). Vor allem letztere beeindruckt – wie schmeckt Kornblume? Sagen wir’s mal so: eigentlich nach nichts, außer nach „lebendem Filz“.

Weniger gut, weil überflüssig: die Brotkrusteln lehren jeder 2.Klasse-Plombe das Fürchten. Die Konsistenz erinnert auf den ersten Blick bzw. Biss an die steinharten Zementreste auf unserer Baustelle vor 20 Jahren oder auch an den Bimsstein an den Flanken des Vesuv.

Braterdäpfelsuppe mit Eierschwammerln um nicht gerade wohlfeile 8,50.
Ich bin neugierig, erwarte ich mir doch eine Art Cremesuppe, doch weit gefehlt. Die zur selben Zeit auch für ein anderes Gericht zubereiteten „Pommes au Champignon“ (also Kartoffeln in Pilzform geschnitten) verlieren sozusagen ihr „Gegenstück“, dieses wird natürlich nicht weggeworfen, sondern in die Bouillon eingekocht und verleiht der Brühe einen tiefdunklen Teint – sowie den schön braterdäpfeligen Geschmack. Man muss sich als Koch nur ein wenig zu helfen wissen.
Die Eierschwammerl haben 1A-Waldqualität, dürften von nicht allzu weit hergekarrt worden sein.

Das zuvor erwähnte Kalbsbutterschnitzel um gut 18€, hier mit „Knusper“püree und Pioppini.
Pioppini sind eher in Italien verbreitete Kulturpilze, die es in unseren Pilzbüchern als „Ackerlinge“ nicht gerade zu großer Bekanntheit gebracht haben.
Hier könnten sie es werden, wären sich nicht mit der Extraportion Salz blanchiert worden. Schade, dabei wäre der büschelig wachsende Pilz herrlich knackig-gummig, schön zu essen.
Etwas zuviel Salz auch im Butterschnitzel, das „Knusperpüree“ ein dafür tadelloses Püree mit ein paar krachig-knusprigen Bröseln obendrauf.
Das Ganze noch mit einem Schäumchen, oder auf gut Neudeutsch, „Espuma“, garniert.

Dessert : Ein Topfenparfait mit marinierten Marillen und Basilikum (9€).
Sozusagen die parfaitgewordene Abart des traditionellen Marillenknödels. Das Parfait eine etwas kompakte, fast schon zu feste Rolle, die erst mit der Zeit etwas „zugänglicher“ wird. Ein bisschen stehen lassen zahlt sich aus.
Flankiert von den ansprechend marinierten Marillen und gebratenen Basilikumblättern.
Lustiger Gag: giftgrüne Marshmallows mit Basilikumgeschmack. Ja, wir Kinder durften nicht mit dem Essen spielen, der Koch darf das.

Espresso: ok, bissl zu wienerisch dünn, die Crema ist nicht mehr als ein paar Cirruswolken am Kaffeehorizont.

Getränke: hausgemachte Basilikum-Limetten-Limonade, eine erfrischend wohltuende und im Vergleich zur picksüßen Mainstreambrühe auch nicht extrem überteuerte Alternative – 4,70 für den halben Liter.
Wein: Rotgipfler vom Stift Heilgenkreuz, ein feiner Beginn um 4,80, satt-fruchtiger Bio-Blaufränker von Beck um fast 6€.

Mott des Motto: die begehrtesten Plätze in Wien sind nicht die billigsten. Die Küche ist bemüht, Bio hier, Selbstgemachtes wie Brot oder Limo dort. Die ambitionierte Küche mit frischen Ideen präsentiert sich gut, darf aber ob des hohen Anspruchs auch da und dort am Feinschliff arbeiten – und damit ist nicht nur der vorsichtige Umgang mit dem Salzstreuer gemeint.

Wer das Börsel eher schonen will, kann immer noch einen Stock höher was Kleineres essen und – sofern frei – eine der begehrten Terrassen-Sitzgruppen erobern und die feine Innenstadtkulisse genießen.
Unser Captain und größter Genießer unter den Piloten würde wohl sagen: Priceless!

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Kommentare (1)

am 24. Juli 2013 um 18:28

... aber nicht so "priceless" wie dieser Bericht. Bravo, amarone. Ci sentiamo domani.

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Experte
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Motto am Fluss
Schwedenplatz
1010 Wien
Donaukanal - Schiffsstation
Speisen
Ambiente
Service
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