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Mo, 22. Juli 2024

Zum Nussgartl, Wien - Bewertung

am 3. August 2017
SpeisenAmbienteService
Um meinen einmonatigen Wienaufenthalt gebührend abzuschließen, suche ich nach einem typischen Wiener Lokal. Kopp, Renner, Figlmüller und Konsorten finde ich grundsätzlich passend, wähle schlussendlich dann aber das Nussgartl aus, weil es ganz einfach von meiner Wohnung aus die beste Lage hat. Aber nicht nur deswegen entschließe ich mich dafür: Vor allem die sehr guten Bewertungen meiner geschätzten Rete-Kolleginnen und Kollegen hilft mir erheblich in meiner Entscheidungsfindung. Es wird also für 4 Personen, Freitagabend reserviert.

Wir fahren mit den Öffis, und gehen ein paar Schritte zur Vorgartenstraße. Irgendwie wirkt es hier in der Gegend so, als ob sich hier nicht wirklich ein hochklassiges Gasthaus befinden würde. Wir gehen die Straße weiter hinab, und siehe da: plötzlich tut sich zu unserer rechten Seite ein schöner Gastgarten auf. Wir lesen „Zum Nussgartl“ und sind demnach richtig. Ein Platz im Freien wurde uns reserviert. Perfekt für den lauen Sommerabend.

Der Kellner bringt uns die Karten und nimmt die Getränkewünsche entgegen. Bier für meine Kollegen, und einen Apfelsaft Wasser für mich. „Aha, einer schwächelt“, stellt der Kellner charmant fest. Der Schmäh läuft also schon.

Ich durchstöbere die Speisekarte. Pilzgerichte befinden sich hauptsächlich auf der saisonalen Speisekarte, aber auch eine Kokos-Kürbis-Suppe mit Koriander (warum auch immer diese saisonal sein soll, weiß ich nicht). Ich starte klassisch mit einer Frittatensuppe. Die Brühe - endlich wieder einmal ordentlich gewürzt - ist um eine Spur zu salzig für mich. Darin befinden sich ordentliche Stücke Karotten und Sellerie, welche noch Biss haben. Die Frittaten sind frisch, und reichlich vorhanden. Insgesamt eine sehr gute Suppe. Tatsächlich wird auch die exotische Suppe bestellt (hätte ich nie in so einem Lokal bestellt), die ich koste und auch ganz gut schmeckt.

Mittlerweile beobachten wir das Treiben auf den anderen Tischen. Wie am laufenden Band werden ungeheuerlich große Portionen Wiener Schnitzel (vom Schwein) serviert. An den meisten Tischen wird dann auch eine Pensionistenserviette gebracht, was bei der Menge kaum verwunderlich ist. Da an meinem Tisch 2 Kollegen auch das Wiener bestellt haben, fangen sie schon zum Schwitzen an, denn nicht aufessen ist gibt’s nicht. Ein ungeschriebenes Gesetz, worauf wir uns vorab geeinigt haben. Blöderweise haben sie auch zwei Beilagen bestellt:

Der Kartoffelsalat, der wirklich wunderbar schmeckt, schön mit roter Zwiebel und ganz viel Schnittlauch abgemacht sowie der Petersilienkartoffeln, welche geschmacklich gut sind, mit dem Salat aber nicht mithalten konnten, erleichtern dieses Vorhaben nicht.

Dann kommen auch schon die Wiener daher. Ja, von der Ferne konnte man es schon erahnen, wenn sie dann aber wirklich auf dem Tisch landen, erkennt man rasch, dass dies eine Portion für 2 Personen darstellt. Ich koste diese natürlich auch. Mein Eindruck: gut, mehr aber nicht. Es handelt sich hier einfach um sehr dünne Schnitzel, die schön frittiert wurden. Nichts für ungut, aber für diese würde ich nicht extra zum Nussgartl gehen. Hohe Schnitzelkunst sieht anders aus.

Extra zum Nussgartl würde ich allerdings sehr wohl für meine Hauptspeise antanzen. Salzburger Regenbogenforellen-Filets (zwei Stück) auf Steinpilzgnocchi, Rucola und Grana Padano. Die Filets wurden auf den Punkt gebraten, d.h. innen schön saftig, die Haut leicht knusprig. Die Gnocchi hatten einen angenehmen Biss mit einer dezenten Steinpilznote. Gepaart mit dem frischen Rucola und den großzügigen Grana-Spänen eine wahre Freude für den Gaumen.

Währenddessen kämpfen sich meine beiden Kollegen durch den Schnitzelberg. Der erste gibt nach dem ersten von 4 auf, da ihm seine Suppe schon recht gesättigt hat. Zu zweit helfen wir ihm, sodass der Teller leer zurückgeht. Der anderen schafft die Portion tatsächlich alleine, wovor ich meinen Hut ziehen muss. Genuss wars aber nach der Hälfte schon keiner mehr, so hat er mir versichert. Ihm habe ganz einfach der Ehrgeiz gepackt. „Fost a bissl zu wenig“, meinte er salopp zur Kellnerin, als diese seinen Teller abserviert. „Na woat na, du kummst ma schon noamoi vorbei“, wusste diese zu erwidern.

Auf dem Tisch setzt mittlerweile eine kollektive Lähmung ein. Wenn für nichts mehr Platz im Magen ist, dann geht eigentlich nur mehr ein Dessert. Also gut: ich bestelle 2 Stück Palatschinken, nur gezuckert. Ein Kollege bestellt noch ein Schokoladen-Souffle. Die Palas sind wiederum recht groß, und schmecken gut. Als krönenden Abschluss würde ich sie allerdings nicht bezeichnen. Das Souffle ist allerdings wieder sehr gut gelungen, wenngleich ich auch schon luftigere Varianten genossen habe. Eine Runde Melange beschließt dann unseren kulinarischen Ausflug zum Nussgartl.

Was bleibt noch zu sagen? Die Serviceleistung war irgendwo zwischen gut und sehr gut. Weil die Kellner nicht schmähstad waren, wird auf eine 4 aufgerundet. Fürs Ambiente, das in anderen Bewertungen schon ausführlich beschrieben wurde (bitte dort nachzulesen), vergebe ich auch eine 4. Der Gastgarten lädt jedenfalls zu einem längeren, angenehmen Aufenthalt ein.

Fazit: Ganz große Wiener Küche, was sowohl für Quantität (vor allem bei den Schnitzeln) als auch für Qualität gilt.
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