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Sa, 20. Juli 2024

Villa Brandauer, Strobl am Wolfgangsee - Bewertung

am 26. August 2023|Update 29. Aug 2023
SpeisenAmbienteService
Villa Brandauer

Unser heuriger Besuch am Wolfgangsee startet mit einer unerwarteten wie angenehmen Überraschung. Wir suchen zunächst Di abends die Villa Brandauer in Strobl auf, ein Hotelbetrieb mit inkludiertem sehr schicken Restaurant, dessen schönes Ambiente und vielversprechende Speisekarte uns schon voriges Jahr ins Auge gestochen ist, aber wir hatten keinen Besuch geschafft.

Ziel war es einen Tisch für einen der Folgetage zu reservieren, am selbigen gingen wir davon aus würden wir ohnehin nichts erreichen. Wir müssen aber feststellen, dass die kommenden Tage Mi und Do die Ruhetage sind und Fr reisen wir weiter. Tja, oft host a Pech, da hätte man besser recherchieren müssen.

Jetzt fällt mir ein, warum ich auch im Vorjahr nichts erreicht habe, doch zu unserer Überraschung bietet uns spontan ein Ehepaar an, sich zu ihrem Tisch hinzuzugesellen. Sie sehen scheinbar unsere langen etwas enttäuschten Gesichter, die sich schon aufgemacht haben unverrichteter Ding wieder von dannen zu ziehen.

Dabei sind wir auf einen sofortigen Besuch gar nicht eingestellt, wir haben heute schon einiges intus, doch das können die zwei ja nicht wissen. Diese Wende muss nun kurz in Erwägung gezogen werden. Na klar, man nimmt dann, was sich einem bietet, ansonsten wäre das Lokal auch heuer wieder passe gewesen.

Na was für ein Glück für Glücksritter, die solches aber gar nicht vorhatten. Das Angebot wird also dankend angenommen, zuvor klären mir mit dem Service, ob der Tisch nicht auch für später schon reserviert wäre. Dann wäre die Freude wieder rasch vorbei, aber alles paletti, wir dürfen bleiben.

Jetzt kann also das Sitzen auf der Terrasse mit sehr schönem Seeblick auch genossen werden und das schon heute. Die Terrasse ist gärtnerisch ansprechend gestaltet und der Blick auf den See leistet sein Übriges dazu. Es setzt nun eine wohltuende Abendluft ein, wir messen ca. 22 Grad. In Wien sind es immer noch 28, ja, da liebt man das Ländle.


Getränke- und Speisenauswahl

Die Karte besteht aus dem a la carte Angebot und einer saisonalen Menüauswahl mit bis zu 4 Gängen. Das wäre allerdings angesichts unser heutigen Vorbelastung beim Zauner dingunmöglich gewesen.

Es gibt eine Weinkarte, die dargereicht wurde. Wie es sich gehört finden heimische wie südländische ausreichend Platz. Es wird die von der Menükarte angebotene Empfehlung eines Triebaumer Merlot um 36€. Ich erfrage die Möglichkeit der glasweisen Konsumation, was zunächst nicht ganz verstanden wurde, aber nach einiger Mühe erreicht unser Tisch die Info. Kostet per 1/8 6€, kann mal also auch so haben, und macht eh keinen preislichen Unterschied zur Flasche.

Damit bestellen wir glasweise in der Absicht weitere Sorten bestellen zu können. Aber ich muss sagen, das Kraftpaket, dass sich hier mit der Zeit entwickelt hatte, ergibt einen solchen Wow-Kick, dass wir nicht weiter daran denken zu wechseln und dabei geblieben sind.

Mir ist Triebaumer voriges Jahr schon ein Begriff mit einem sehr guten Cabernet Sauvignon geworden, also könnte man meinen, dieser Ruster Winzer wird den Merlot gleich gut auf die Reihe bekommen. Aber denkste, er war nicht gleich gut, sondern noch um Ecken besser und hat sich im Laufe des Abends zu einem immer wuchtigeren Vollblut-Edeltropfen. entwickelt. Es ist herrlich, immer wieder derart Gutes aus Österreich auf diese Art kennenzulernen.


Auf Vorspeisen wird einvernehmlich verzichtet, schade halt schon um meine geliebte RS, hier als Consomme mit dreierlei Einlagen.

Wir gehen in medias res mit Entrecote a la carte (32€) für die weibliche Begleitung, der männliche Teil macht es wieder wie üblich kompliziert und erfragt, ob das Speisenangebot aus der Menükarte auch einzeln ginge, was bejaht wird. Dann bitte für mich den Wildlachs. Der Preis ist dazu nicht ausgewiesen, auf der Rechnung liest man später 22€.

Mittlerweile beenden unsere Tischgäste, die sich auch als vorbildhafte Small-Talk-Gesprächspartner erwiesen haben, ihr Mahl, bezahlen und wünschen uns noch einen schönen Abend. Jetzt war der ganze Tisch unser, ich platziere mich um und werde nun auch mit einem direkten Blick auf den See belohnt.


Das Entrecote ist, ohne dass danach gefragt worden ist, medium, aber auch schon etwas darüber. Es wäre m.E. schon auch angebracht gewesen, dies vorher zu erfragen, denn mir wäre es weniger durch lieber gewesen. Nun, die Begleitung ist damit glücklich, so bin ich es auch.

Ergänzt mit zwei Black Tiger Garnelen, für mich nicht ausgelöst wieder ein Nörgelthema, da ist man froh, dass für sie das wieder kein Problem darstellt. Die Beilagen runden harmonisch gut ab und ergänzen fantastisch. Jus, Eierschwammerl, Grillgemüse sind hervorragend.

Ergänzt noch mit einem Korb Süßkartoffelfries, ok, wieder für mich wieder so ein Ding des Najo-Sagens, aber ich muss vorbehaltlos zugeben, crunchy, crispy mit sanftem Crashing beim Zermalmen bereitet dem Gaumen schon glückliche Gefühle, meiner Begleitung ohnehin. Das sind also Fries, welche diesen Namen auch verdienen.


Mein Wildlachs war edel, sowohl Aroma als auch Geschmack erreichen für mich den ersten Höhenflug, der noch getoppt werden kann angesichts der klassen Beilagen. Immer mehr werde ich ein Fan der guten Zusätze.

Himmlisch, dabei gar nicht so kompliziert zubereitet, Jungzwiebel vermischt mit Erdäpfel-Stückchen und weiteren gängigen heimischen Gemüsesorten, sauber gebunden mit sanfter Oberscreme-Sauce und sanfter, feiner Würze, Ein Gustostückerl waren ein paar Erdäpfelchips, natürlich keine Kelly’s sondern definitv hausgemacht.

Ich beginne Loblieder auf die gute heimische Österreich-Küche zu singen. Ein selten gelungenes Abendmahl mit zwei strahlenden Gesichtern, was will man mehr! Naja a Supperl wärs gewesen, aber lass ma das. 😉


Ein stimmiger Ausklang

Nach den Hauptgängen kann keiner von uns mehr piep sagen, womit wir die Frage nach einem Dessert höflich aber bestimmt abweisen müssen, aber immer geht Kaffee, groß stark und wenn geht ristretto. Man kredenzt hier Helmut Sachers, der muss gar nicht ristretto zubereitet werden, ist in der Regel stark genug und dem ist auch so.

Es wird ein Aschenbecher verlangt, die Dämmerungsstimmung verlangt nach einer genüsslichen Zigarre. Wir reizen nun diese uns geschenkte Möglichkeit auch genüsslich aus und verlangen noch die flüssigen Nachspeiserln und einigen uns auf eine regionale Zirbe.

Er kommt in einer sanft bleichgelben Farbe, erhält diese aber nicht von den Zirben, sondern von dem Zirbenfass, ist also kein Ansatzschnaps, sondern ein Brand und hernach fassgelagert. Tolle neue Erfahrung, verdient zu Recht das Prädikat „edel“, kommt somit gerne auf meine Wunschliste.


Der Service

Zu einer allgemein guten Stimmung verhilft auch ein guter Service, das muss klarerweise Hand in Hand gehen. Dazu würde ich sagen, dass es professionelle Kräfte gibt, wo im Grunde genommen alles geschmiert abläuft wie es für ein gehobenes Lokal zu erwarten ist.

Und es gibt einige jüngere, vermutlich saisonale Kräfte oder Praktikanten, die zeitweise auch für amüsante Momente sorgen, wenn sie gewisse Dinge halt noch nicht wissen oder sich sonst wie ein wenig potschert anstellen, wie es der Wiener zu sagen pflegt.

Ich trete das fairerweise auch nicht breit, es würde dem Lokal nicht gerecht, da derlei Dinge überall passieren können, nur beschert es dann auch einigen Gesprächsstoff, über den ich mich mit meiner Begleitung teils sogar sehr köstlich unterhalten kann. Meine Wenigkeit meint das auch generell nie böse.

Ich habe es aber ausnehmend respektvoll würdigen müssen, als sich einer der jüngeren Kräfte bei mir entschuldigt, weil er noch nicht so weinkundig sei. Nun, Hand aufs Herz, wir sind es doch auch nicht, wir trinken nur schon länger. 😉

Die Endrechnung erreicht die Summe von 95,20€, dem Dargebotenen angemessen und entsprechend, HS liegen im Bereich 20-30€, der Wein mit 6€ im Rahmen, doppelter Espresso mit 4,20€ und Zirbe um 5,10€ sind m.E. günstig.


Der nächste Tag

Am folgenden Tag besuchten wir das Lokal vormittags nochmals, trotz Ruhetag, einfach um mir noch einige Fotoeindrücke zu verschaffen. Einige Hotelgäste waren beim Frühstück und eine der Servicedamen des Vorabends war auch wieder anwesend. Sie erkannte mich sogar und fragte, ob sie mir etwas bringen darf.

Sie durfte, brachte Espresso und das ging dann auf’s Haus. Noch einmal ein guter Helmut Sachers also samt frischem Wasser. Ist doch nett, nicht wahr? So konnten wir nochmals die nun schon recht sonnige Terrasse mit Seeblick genießen. Ja, so geht Urlaub.

Zuguterletzt weise ich darauf hin, dass diese Rezension mein erstes Besuchserlebnis darstellt, das weder repräsentativ noch maßgeblich für andere sein muss, und das auch nicht für mich. Es war einfach unser Erlebnis eines wunderschönen Sommerabends von dem man sich weitere wünscht und über den es sich dann auch zu berichten lohnt.

Der Abend war für mich ein Highlight meines diesjährigen Salzkammergutaufenthaltes und so wird die Villa Brandauer gerne für künftige Besuche in Evidenz gehalten.
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