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Fr, 14. Juni 2024

Via Toledo, Wien - Bewertung

am 17. Jänner 2020
SpeisenAmbienteService
Nach dem Weltmeistertitel (jaja, die ö. Presse und ihr Lokalpatriotismus ...) war schleunigst der Besuch im Via Toledo angesagt. Oft verschlägt's mich nicht in die Gegend, deshalb der späte Erstbesuch. Und der Mann ist Pizza-Weltmeister (was für ein Wort!), also wird ausschließlich die Pizza getestet.

Das Lokal war voll! Leute stehen ernsthaft im Lokal Schlange, muss man gesehen haben, das ist in Ö. doch eher unüblich. Einrichtung ist geschmackvoll, enge Bestuhlung, aber stimmiges Gesamtbild.

Die Kellnerin war bald zur Stelle um die Karte zu überreichen und da gibt's schon den ersten Dämpfer bei der Bierauswahl. Stella Artois als einziges offenes Bier ist ein echtes Let-down und rangiert bei mir knapp vor Bud Lite. Dazu gibt's noch eine "Weisse", einen Zitronenradler aus dem Salzburger Land und ein alkoholfreies Becks. Das Peroni in der Flasche ist zwar auch nicht die Erleuchtung, verlieh dem Abend aber immerhin eine gewisse Authentizität. Schade, gerade in Italien hat sich in den letzten Jahren eine erstaunlich lebendige craft-beer Szene entwickelt, und die Jungen trinken das Zeug mittlerweile wirklich zum Essen (und von Jahr zu Jahr deutlich weniger Rotwein). Also hätt ich das "Enopizzeria" in der Selbstbezeichnung wohl ernster nehmen sollen;)

Die Karte protzt mit "Pizze Gourmet" um stolze €17,50! Das geht nach dem Prinzip "pimp my pizza", mit ausgewählten Spezialitäten und Delikatessen am Belag (Pomodorino Corbarino, gehackte Pistazien von Bronte, usw, usf). Und erinnert fatal an diverse Ami-Luxushotelküchen, die immer irgendwo einen 100$-Burger anbieten; dort nennt man das "high-prole". Ich versteh nicht, warum man ein Gericht, dass von der Herkunft her besserer Street-Food ist und trotzem in seiner Einfachheit vollendeten Genuss bieten kann so eindimensional aufmotzen muss, indem man einfach noch teurere Zutaten draufklescht. Sei's drum, es gibt ja auch noch die klassischen Ausgaben auf der Karte.

Die bestellten Pizze (Bufalina und Diavola) waren trotz des Andrangs innerhalb vernünftiger Zeit am Tisch und erwiesen sich als optisch und haptisch beinahe perfekt, wenn man Neapel als Maßstab nimmt. Also weicher, elatischer und breiter Rand, sehr viel Spotting. Allerdings etwas wenig Tomate und gegen den Rand hin sah die schon ein wenig vertrocknet aus. Das hat sich leider auch geschmacklich bestätigt, die (wenige) Tomatensauce war, naja, unauffällig bis langweilig. Der Belag sonst war in Ordnung, aber auch der Teig war seltsam geschmacksarm (und im Gegensatz zum Teig des Vorbewerters vom April deutlich untersalzen).

Beim Betrachten der Fotos ist mir aufgefallen, dass bei den klassischen Pizze manchmal eine völlig andere Saucenausstattung zu sehen ist, mehr Menge und deutlich flüssiger. Andere schauen wieder aus, wie das was ich leider bekommen habe. Möglicherweise fehlt's da an Konstanz vorm Pizzaofen (oder waren das die Luxusvarianten?). Im Ergebnis sehr gut aussehende und nur durchschnittlich schmeckende Pizza.

Beim Bezahlen war das Personal zwar noch immer freundlich aber deutlich weniger effizient. Ich hab nach der ersten Bitte um die Rechnung jedenfalls länger gewartet als anfangs auf das Essen.

Insgesamt ein durchaus ambitioniertes Lokal, aber nach der ganzen Medienhype war's schon ein wenig enttäuschend. Für mich entsteht der Eindruck einer gewissen Oberflächlichkeit, alles ist poliert, chic und vermittelt Anspruch. Aber das Sein fällt dann halt ein bisserl hinter dem Schein zurück.
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