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Mo, 22. Juli 2024

Neunläuf, Wilfersdorf/Hobersdorf - Bewertung

am 24. August 2021
SpeisenAmbienteService
Wenn man sich – und das soll jetzt nicht despektierlich klingen - aus der Provinz in die noch tiefere Provinz bewegt, ist es manchmal wirklich nicht einfach, ein ordentliches Gasthaus zu finden, geschweige denn ein Restaurant.
Bei der Recherche auf die Gastwirtschaft Neunläuf gestoßen, über den Namen lässt sich das fast nicht einschätzen, aber meine e-mail-Reservierungsanfrage wird innerhalb einer halben Stunde bestätigt – was soll also passieren, die Online-Speisekarte macht auch einen guten Eindruck.

Das Navi führt uns durch die Ebenen mit den vielen Windrädern und an der Gastwirtschaft angekommen, merkt man sofort, die gibt’s schon länger, das Ensemble ist historisch-organisch gewachsen, ein Zubau duftet nachgerade noch nach dem frischen Holz. Ausreichend öffentliche Parkplätze inklusive einer E-Tankstelle, sowie ein Abteil für Fahrräder.

Der Eingang ist zwar leicht zu finden, allerdings dahinter kein geschäftiges Leben, wir fragen sogar Einheimische, ob das tatsächlich der Eingang ist, dann dahinter weiter, die großzügig geschnittenen Räume sind nicht zugängig (Sperrkordel), weil die Action heute nur im idyllisch eingebetteten Innenhof stattfindet. Hier öffnet sich ein Garten mit Altbaumbestand und Liegestühlen, sowie einem Kinderspielplatz, eine etwas zu nüchtern geratene Terrasse um das Haus und dann der Star – ein alter Stadel, komplett renoviert, teilweise seitlich geöffnet und mit Schiebetüren versehen. Einfach nur ankommen und wir werden freundlich-routiniert an den reservierten Tisch gebracht. Praktische, aber dennoch bequeme Bestuhlung, weißes Tuch am Tisch, Blümchen, originelle Tischnummerierung erleichtert das Registrieren.

Wir erhalten gemeinsam mit unserer persönlichen Speisekarte im Kuvert auch noch ein paar Informationen zu den tagesaktuellen Speisen. Im Großen und Ganzen deckt sich das Angebot mit der Homepage, neben einer klassischen Auswahl wird auch noch ein Menü „Weinviertler Gelassenheit“ in drei Gängen um 40,- (inkl. Weinbegleitung 10,- mehr) angeboten.

Gereifter Wildschinken | Hausspeck |Himbeerzwiebel - EUR 10,20
Serviert auf einem großen Holzbrett mit eingelassener Schiefertafel, nichts von der Stange, sicher extra angefertigt. Darauf zwei gar nicht so kleine Hauferl mit dem dunkleren Schinken und den etwas helleren Speck. So hauchdünn geschnitten, wie noch selten erlebt, dadurch natürlich fast der doppelte Genuss, die Scheiben zergehen auf der Zunge (die Berkel steht im Innenbereich am Gang). Kein starker Wildgeschmack, eher fein abgestimmt. Die im Himbeersud eingelegten Zwiebel eine gute Ergänzung samt dem guten, knusprigen Weißbrot.

Gefüllte Teigtascherl | Pilze | Bauerntopfen | eingelegte Karfiolröschen - EUR 10,40
In der Schale werden drei eher kleine Teigtascherln serviert, die Pilzfülle ist kaum gewürzt, auch der krümelige Topfen eher von der milden Seite. Über all dem wurde ordentlich geputzter und fein marinierter Pflücksalat drapiert – die Karfiolröschen haben nur ihren Eigengeschmack, kann keine Säure oder andere Aromen ausmachen.

Gekochtes Rindfleisch | G’reste | Semmelkren | Schnittlauchsauce | Apfelkren – EUR 15,80
(von der Klassiker-Karte)
Ein wirklich klassisches Gericht, wo man alles richtig aber auch alles falsch machen kann. Hier ist alles richtig. Nette Präsentation im urigen Geschirr, das Fleisch ist so zart, dass das Besteck wie durch Butter fährt, erstklassige Qualität. Auch gibt es auf diesem Teller keine Julienne, die doch manchmal zu lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen führen kann (…), die bunten Rüben wurden in klassische Räder geschnitten, passt. Die Beilagen stimmig abgeschmeckt, das macht echt Freude.

Filet von der Goldforelle ‚Gut Dornau‘ | Senfgurke | Polentataler – EUR 20,40
(Gustostückerl, weil die Küche auch noch anders kann)
Das Senfgurkengemüse ist der Hälfte nach in Scheiben geschnitten und badet auch in einer Senfsauce, da sind zum Schluss doch noch sehr viele Senfkörner auf dem Teller. Getrocknete Cherrytomaten bringen den perfekten Gegenpart im Geschmack. Der Fisch ist perfekt. Knusprig gebraten, aber nicht durchgedörrt, innen noch saftig, garniert mit Pyramidensalz, damit kann man mich immer und jederzeit gewinnen. Die Polentataler auch mit einer ordentlichen Bratkruste außen und innen noch so ganz leicht cremig-flaumig.

Sauerrahm-Weintrauben-Törtchen | Traubengelee – EUR 9.80
Dünner Biskuit-Boden, darauf mit einem Dessertring geformt, ein Rahm-Törtchen, beide Zutaten gemeinsam auf der Gabel, da braucht es gar keine Garnierung. Das Traubengelee ist kräftig in der Farbe und auch im Geschmack, ebenso mit Förmchen in Form gebracht, ein paar Trauben, lila Feen-Staub und ein Chip on top. Mhhmmm.

Schneenockerl | Vanilleschaum | Marille – EUR 9,80
Da ist sie wieder die Erwartungshaltung. Keine Ahnung, was ich mir unter einem Schneenockerl wirklich vorgestellt habe, vielleicht ein Vanille-Schneenockerl. Hier ist aber das Eiweiß in der puren Version am Teller, leicht gezuckert, mit Schoko-Kakao-Staub-Brösel dekoriert. Der Vanilleschaum wird extra im Gläschen gereicht und begleitet von Marillen-Röster. Jeweils etwas von der Marille, vom Vanilleschaum und dem Nockerl auf dem Löffel geschichtet, bekommt man eine Vorstellung, was sich der Koch gedacht hat, womit er seine Gäste verwöhnen könnte. Ich entschuldige mich beim Nockerl, es hat wahnsinnig gut geschmeckt.

Fazit:
Obwohl an diesem Nachmittag noch eine etwas größere Hochzeitsgesellschaft zur Tafel angesagt war und ihre Vorboten auch schon vor Ort waren, lässt man das die anderen Gäste nicht spüren. Der Holzboden ist manchmal ein Spielverderber, wenn jemand mit forschem Schritt vorbei geht, wackelt der Tisch etwas, man kann sich darauf einstellen.

Es befinden sich unter anderem auf der Karte: Hanf-Drehnudeln, Eis von der Eismanufaktur Harlekin, Käse vom Gwandtlhof, Paradeiser-Risotto, Blunz’nspitz und Beuscherl.
Eine Empfehlung ohne Bedenken, allerdings unbedingt mit Reservierung, sonst landet man auf der kahlen Beton-Terrasse.

Die Zutaten sind von ausgesuchter Qualität, beim Würzen könnte man noch die eine oder andere Prise oder Löffelchen mutiger sein, vielleicht liegts aber bei mir auch am Alter …

Man nimmt nur Bargeld – das finde ich persönlich bei diesem Preisniveau nicht angebracht, unsere Frage nach Kartenzahlung wurde aber charmant vereint mit: wir können Geschirr waschen, Onlinebanking oder wieder kommen 😉, das kostet dem Service die volle Punkteanzahl.
Gereifter Wildschinken | Hausspeck |Himbeerzwiebel - Neunläuf - Wilfersdorf/HobersdorfGefüllte Teigtascherl | Pilze | Bauerntopfen | eingelegte Karfiolröschen - Neunläuf - Wilfersdorf/HobersdorfSemmelkren | Schnittlauchsauce | Apfelkren - Neunläuf - Wilfersdorf/Hobersdorf
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