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Mo, 22. Juli 2024

Mo's Erlebnisgastronomie, Wien - Bewertung

am 17. Juni 2023
SpeisenAmbienteService
MO’s Erlebnisgastronomie

So bezeichnet sich heute jene Gaststätte in Wien 10, Laaer-Berg-Straße Ecke Friedhofstraße, welche damit das Erbe der ehemaligen Kitzwegers nun schon seit einigen Jahren bestreitet. 2015 beschloss das Ehepaar Kitzweger von sich aus das Ende, die Gründe dafür gebe ich nicht näher an, dann blieb Haus und Hof mehrere Jahre verwaist, ca. 2019 (in etwa) erfolgte eine Neueröffnung.

Zunächst geschah dies unter dem Namen M&O, der später auf MO’s Erlebnisgastronomie abgeändert wurde. Ich vermute M und O stehen für die Initialen der neue Pächter. Ein Kellner gab mir zur Auskunft, dass der Chef Slowake ist wie er ebenso.

Der Name „Erlebnisgastronomie“ klingt verlockend, der Gastgarten war es für mich schon länger. Diesen hat der Vorpächter zu einer kleine Idylle ausgebaut und bildete oft den Grund hinzugehen. Der Innenbereich ist eine Art Mischung aus Heuriger mit Gasthaus. Sehr schön ist der mittlere Bereich mit dem attraktiven Kachelofen.

Dort plante ich 2020 unsere gemeinsame Familien-Weihnachtsfeier, aber die damalige grausame Herrin über alle Welt der Gastronomie namens Corona vereitelte das leider. Es gab aber zuvor meinen ersten Besuch unter den neuen Pächtern und der Bekanntschaft einer sehr guten Bouillabaisse, die mir noch gut in Erinnerung geblieben ist.


Meine erste Kuttelflecksuppe

Dank der Rezension, welche unsere BiancaC zuvor verfasst hatte, geriet das Lokal wieder ins nähere Blickfeld meiner Neugier, vor allem nun in der wärmeren Jahreszeit wegen des netten Gartens.

BinacaC‘s Interesse gilt besonders den Innereien, welche einen Fixpunkt der Karte bilden, darunter Leber, Hirn, Beuschel und eine an sich sehr rare Kuttelflecksuppe. Solches wurde von mir früher gemieden und nannte es eher Hundefutter. 😏

Mittlerweile hat sich mein Geschmackssinn weiterentwickelt, seit ich z.B. auch Beuschel nicht nur esse, sondern sogar begehrenswert finde, falls es auch gut gemacht wird, das ist wohl klar. Dieses steht hier noch aus.

Über meine erste Kuttelflecksuppe konnte ich noch nicht viel sagen, sie war würzig, was gut war, die Kutteln waren aber so gut wie nicht vorhanden, bzw. zu dünn und wie nicht sichtbar geschnitten, der typische Innereien-Geschmack fehlte, so war es mehr eine gut paprizierte Suppe.

Zum Vergleich probierte ich sie kurz danach im Schweizerhaus, wie sie dort als Original Pragersuppe „Drštková“ beworben wird und man sich ihrer schon seit Jahrzehnten befleißigt. Dort konnte ich sie wirklich genießen.

Aber es geht ja um das MO’s, so gab es beim letzten Besuch einen weiteren Anlauf und diesmal auch vergleichbar. Meine Begleitung meinte noch besser als im berühmten Ch-Haus. Ich denke jedenfalls gleichwertig, die Kutteln nun sichtbar vorhanden, damit wurde auch nicht gespart und gut papriziert in der Würze. Ein edler Leckerbissen für jene, die sich über so was d’rübertrau‘n.


Meine Erlebnis-Hochschaubahn

Ich erwähnte eingangs die Bouillabaisse, die hervorragend war. Heuer war meine letzte völlig anders. Die Suppe war regelrecht sauer, Fischeinlagen eher einseitig, also auch ein Erlebnis, aber nicht wie erhofft. Man hatte den Eindruck eines Rest’l-Verwertens, für den Preis von 9,90 bloß nicht zufriedenstellend. So hofft man auf bessere Zeiten.

Bergauf geht es nun wieder mit zwei ganz ausgezeichneten Gerichten, die man mit Kürbispanier zubereitet hatte, einmal ein auf diese Weise gebackener Karpfen und ein weiteres Mal ein darin gebackenes Rehschnitzel, wirklich gut, auch der Erdäpfelsalat dazu sehr gut mit schmackhafter schlotziger Marinade, beides unter 20€.

Doch nun wieder eine Talfahrt, und wenn es meine Leidenschaft betrifft, dann reagiere ich besonders empfindlich. Ein gedünsteter ZRB, an dem mehr Makel als Erlebnisgenuss zu verzeichnen waren.

Das Fleisch sehr dünn geschnitten und recht mager, leicht zäh, aber das besserte sich. Es fehlte das sog. Auge, dass es rissig macht, wenn es lange gedünstet wird. Meine Begleitung hegte sogar den Verdacht es wäre gar kein Rostbraten, was ich aber nicht bestätigen kann. Er war nur für mich zu minderwertig.

Die Bratkartoffeln waren letschert, eine Sache die sich einstellt, wenn sie zu lange herumliegen, also nicht frisch, aber der Tiefpunkt war der Saft. Ich kann mich an meine eigenen Anfänge erinnern, wie ich noch experimentiert hatte, solche Gedanken kommen mir dabei hoch.

In meinen Augen völlig falsch zubereitet, ich vermute, der war schon vorbereitet, also nicht das Ergebnis einer längeren Phase des Dünstens mit dem Fleisch, dazu noch verpfeffert, etwas mehliert und Zwiebelnote Null, im Geschmack wie ein künstliches Fertigprodukt. Und was machen darin ganze Pfefferkörner?

Die Röstzwiebel wirkten optisch sogar passabel , waren aber auch letschert, was mich aber angesichts der kulinarischen Niederlage dann nicht mehr weiter tangiert hatte.

Vielleicht tue ich der Küche auch unrecht und es ist nicht alles so wie gerade geschildert, aber ich beschreibe nur mal das Ergebnis meines Gaumens, wie er das Erlebte subjektiv empfunden hat, oder anders ausgedrückt: Das hat mir einfach nicht geschmeckt.

Weitere Gerichte wie Spinat mit Röstkartoffel und Spiegelei als Mittagstisch, Kartoffelpuffer mit Röstgemüse waren zum Ausgleich wieder recht passabel, nicht überdrüber, aber in Ordnung.

Sehr gut waren auch die ersten saisonalen Marillenknödel, Herkunft aber vermutlich noch nicht aus Österreich, dafür kräftig mit sauberer Säurenote und flaumigem Teig. Meine Begleitung hat das sehr fröhlich gestimmt

Soweit mal diese Erlebnisse, nun auch noch ein paar Takte zum Service.


Service und abschließende Erlebnis-Bewertung

Äußerst positiv möchte die letzte Serviceleistung hervorheben, wie mit dem ZRB-Desaster umgegangen wurde. Unser Kellner, der uns bedient hatte gab an die erste Woche am Werk zu sein, Herkunft Slowakei mit nettem Akzent, mache verwechseln ihn mit einem Ungarn, wie er uns erzählt hatte.

Wie es sich gehört fragte er nach, wie es geschmeckt hatte und ich spulte daraufhin meine Leier vom misslungenen ZRB runter, in etwa wie zuvor beschrieben. Es gab keinerlei Rechtfertigung, sondern nur die Bitte um Entschuldigung. Das meldete er der Küche und erschien wieder mit dem Kommentar: „Naja mit dem Koch kann man darüber nicht reden.“

Als Trostpflaster wollte er mir entweder einen Kaffee oder einen Schnaps auf Haus anbieten, was ich dankenswerterweise auch gerne angenommen hatte.

Der Kaffee ist übriges tadellos, Marke Afro und braucht keinerlei weiteren Wasserentzug. Dazu eine hausgebrannte Zwetschke mit 52%, na bumm, die war definitiv zu stark, denn zu viel Alkohol tötet einen Brand, wenn er sich „edel“ nennen möchte, z’vü is afoch z’vü, soweit meine Meinung, aber es gibt auch das Klientel, das halt auf das Harte steht.

Der Kellner setzte aber noch einen drauf und brachte mir einen anderen mit 72% (!!) Wie das gemacht wird, keine Ahnung, es war an sich ein Likör, aber eben derart hochprozentig, eine Spezialität aus der Slowakei namens Tatratea. Süß und mollig wie ein Likör mit brauner Farbe, aber der Nachhall des einwirkenden Äthanols kann dir die Spucke wegnehmen.

Er gab auch zu, dass das nicht jedermanns Sache ist, und ihm persönlich sagt der 52%-ige derselben Sorte wesentlich besser zu, und als Abschluss gab es davon noch zwei Stamperl zum Ausprobieren. Ja, der war dann auch edel, soweit würde ich das beurteilen.

Insgesamt passt der Name Erlebnisgastronomie, denn auf diese Weise habe ich auch Dinge erlebt. Nicht alle waren so wie sich der Chef das in seiner Konzeptionierung vermutlich vorstellt,, wie beim Essen mal ein Hoch, aber auch ein Tief die Lage drückte.

MO‘s würde ich so einschätzen, dass für den Namen „Erlebnisgastronomie“ kulinarisch noch Potential nach oben besteht und auch Mängel beseitigt werden müssen. Er kommt damit derzeit über die Durchschnittsnote nicht hinaus.

Das Lokal gefällt mir vom Stil und Einrichtung her recht gut, noch besser der Garten. Der Preislevel ist günstig, für heutige Verhältnisse definitv nicht als hochpreisig anzusehen. Alle HS liegen unter 20€, wo ich in etwa die Messlatte für einen Übergang zu moderat und höherpreisig anlege.

Der Service hat mir mit dem neuen Mann zuletzt ein Top-Erlebnis beschert, das mich meine ZRB-Misere vergessen ließ und mich das Lokal an dem Tag am Ende sogar noch mit Zufriedenheit beglückt hatte.

Natürlich mache ich aus einem Einzelfall, sie er nun so positiv wie dieser oder auch nicht, noch keine Verallgemeinerung, aber es gibt dafür von meiner Seite schon auch eine Aufwertung auf eine sehr gute Note, weil erlebt ist erlebt und wird sicher noch lange als angenehm im Gedächtnis meiner Gehirnzellen abgelegt verweilen.

MO’s Erlebnisgastronomie bleibt mir insgesamt unterm Strich positiv in Erinnerung, so freut man sich auf weitere Höhenflüge und hofft auf weniger Tiefdruckwetter. Mal sehen, wie das Beuschel dort ist.

Euer WrkFan
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