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Fr, 14. Juni 2024

MIR, Wien - Bewertung

am 28. Juli 2017
SpeisenAmbienteService
Es war wieder mal Zeit was Neues in unserem Grätzel zu probieren, diesmal ging es ins MIR: orientalische Küche auf gutem Niveau abseits der üblichen Klischees, manche schreiben sogar von "bester orientalischer Küche in Wien" – eine Küchenrichtung die Dank "Miznon" oder auch "Hungry Guy" in den letzten Jahren etwas wiederbelebt wurde. Das was man im Vorfeld über das MIR gelesen hatte, machte auf jeden Fall neugierig: Drei Geschwister mit assyrischen Wurzeln, die Mutter werkt in der Küche, alles wie ein echter Familienbetrieb und authentisch.

Beim Betreten des Lokals erstmal großes Erstaunen: Über eine kleine Treppe geht es in den leicht erhöhten Gastraum, der schön und modern renoviert war, weißer Boden, stylisches Mobiliar, türkise Holzvertäfelung mit modernen Lampen in Erdtönen. Vielleicht nicht super kuschelig gemütlich, uns hat es aber sehr gut gefallen. Schade nur, dass das Lokal an dem Mittwoch nicht annährend voll war.

Das wirklich ausgesprochen freundliche Personal brachte uns erstmal die Karte, die uns auf den ersten Blick absolut überzeugen konnte: Die Auswahl war ordentlich, vor Allem klang für uns eigentlich jedes Gericht so interessant, dass wir uns extrem schwer taten zu wählen. Letztendlich entschieden wir uns für:

Gurken-Basilikum-Kaltschale
Ein sehr erfrischender Starter, serviert im Glas mit Strohhalm, der mit den Gurkenraspeln in der schön joghurtlastigen Suppe trotzdem gut funktionierte, eine Löffel gab es notfalls sowieso auch. Der Basilikum für uns richtig gut dosiert, schön zu schmecken aber ohne den eher filigranen Gurkengeschmack zu überdecken. Ein kleiner aber feiner Gang

Karamellisierter Halloumisalat mit Zitrusfrüchten mariniert und Kirschparadeisern
Ein guter Salat, wenn auch etwas hinter den Erwartungen zurück. Letztendlich ein grüner Salat mit Kirschparadeisern (schön übrigens, dass man sich hier für die österreichische Bezeichnung entschieden hat...) und in kleinen Würfeln gut gewürzter Halloumi. Ich hatte mir von der Mischung karamellisiert vs. Zitrusfrüchten vielleicht mehr erwartet, aber dieser süß-saure Kontrast war leider nicht zu finden, überhaupt gingen die Zitrusfrüchte für mich unter. Erst zu Hause sah ich in der Karte, dass dazu auch Brot hätte serviert werden sollen.

Wurzelgemüse Eintopf mit grünen Linsen, dazu Bulgur oder Reis
Der Eintopf wird auf einem Teller mit zwei kleinen Tontöpfen serviert: Einmal der Eintopf, im anderen Reis oder Bulgur, in dem Fall Bulgur. Ich fand diese Art der Präsentation sehr nett, auch wenn für mich ganz klar war, ob man das jetzt direkt aus den Tonschüsselchen isst oder am Teller dann vermischt, ich entschied mich für erstere Variante. Der Eintopf selbst war einfach aber wirklich gut, erinnerte mich etwas an Mutters Specklinsen, nur halt ohne Speck. Darauf einen schönen Kleckser Rahm, wirklich gut, auch wenn es mir eine Spur zu lind war, aber dazu komme ich noch später.

Orientalischer Lammeintopf mit Minze, dazu Reis oder Bulgur
Auch hier die gleiche Präsentation wie beim Wurzelgmüse Eintopf. Der Lammeintopf sehr schön sämig, wunderbar den Bulgur darin zu vermischen. Das Fleisch wirklich butterweich und ohne das oft störende „Lammeln“, dazu in einem guten Saft Melanzani, Paprika, Knoblauchstücke und Zwiebeln. Die Minze mehr als Dekoration als ganzes Blatt darauf als geschmacklich eingearbeitet. Ein wirklich gutes Gericht, auch wenn auch dieses Gericht vielleicht etwas würziger sein hätte dürfen. Und damit kommen wir auch schon zu dem einzigen Kritikpunkt für mich: Wenn ich orientalische Küche höre, erwarte ich mir etwas mehr Exotik und ungewöhnliche Gewürze, etwas mehr Pepp, vielleicht sogar etwas mehr Schärfe. Jetzt weiß ich nicht, ob man hier auf den mitteleuropäischen Gaumen Rücksicht nimmt oder ob ich mit meiner Erwartung vielleicht sogar komplett daneben liege. Der Orient ist schließlich groß, entsprechend vielfältig wird die Küche sein, man überlege sich wie allein in einem kleinen Land wie Österreich die Küche schon unterschiedlich sein kann.

Die Weinkarte war leider etwas spärlich besetzt, das Spannenste auf jeden Fall ein libanesischer Rotwein, den es aber nur flaschenweise gab, glasweise gab es dann den angepriesenen Malbec leider doch nicht („Nur im Winter…“). Hier gibt es denk ich noch Aufholbedarf, vielleicht sogar wie den libanesischen Wein auch etwas mehr Mut zeigen, wie es auch das roots Bistro mit seinen tschechischen Weinen tut.

Auf jeden Fall war unser Besuch im MIR ein erfreulicher: Sehr freundliches und sympathisches Personal, ein schön hergerichtetes Lokal und eine Karte mit interessanten Gerichten die man nicht überall findet. Einzig in die Gewürzkiste dürfte man ruhig einmal mehr greifen und auch der Weinkeller könnte ein kleines Update vertragen.
Hilfreich9Gefällt mir8Kommentieren
1 Kommentar
magic

Sehr gute Bewertung. Eher nichts für mich. Aber Vegetarier werden sich hier sicher sauwohl fühlen.

28. Jul 2017, 23:05Gefällt mir
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