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Di, 18. Juni 2024

Meixner's Gastwirtschaft, Wien - Bewertung

am 6. Dezember 2022|Update 8. Dez 2022
SpeisenAmbienteService
Übernahme durch Alex & Janette Civic

Am Tatort Favoriten Nähe U1-Reumannplatz geht eine gastronomische Ära zu Ende. Karl & Berta Meixner haben schon länger angekündigt eine Nachfolge für ihr Lokal zu suchen, nun wurde der Plan umgesetzt. Alex & Janette Civic übernehmen den Betrieb und die Meixners können nunmehr nach 42 Dienstjahren ihren „Wohlverdienten“ antreten.

Man kann ohne Umschweife von einem ehrwürdigen Lebenswerk von Karl & Berta Meixner sprechen, die aus dem ehemals Vorstadtbeisl der Eltern eine gehobene Gastwirtschaft aufgebaut hatten, aus der man aus aller Herrn Bezirke gerne angereist kommt, um ein wenig gute Wiener Küche hierorts zu genießen und das heute inmitten einer doch sehr veränderten Kultur im 10. Hieb.

Im 4-er-Team aus Mitgliedern meiner Familie planten wir einen gemeinsamen vorweihnachtlichen Abend und haben für solche Anlässe schon öfter den Meixner ausgewählt. So landeten wir mehr oder wenig zufällig am ersten Tag der Übernahme. Meine Reservierung selbst hatte ich noch persönlich bei Herrn Meixner vorgenommen, sodass ich auch ein wenig überrascht war.

Vertraglich wurde vereinbart, dass der Name Meixner weiter verwendet werden darf und es wird auch noch die altbekannte Küchentradition der Meixners weitergeführt. Das gut eingespielte Serviceteam Tanja und Markus wird auch erhalten bleiben. Aber ich gehe schon davon aus, Herr Civic wird auch eigene Akzente setzen.

An diesem ersten Betriebstag war er persönlich anwesend und ich konnte so mit ihm ein paar Takte plaudern, unter anderem wie es weitergehen wird. Davon ein wenig anhand unserer kulinarischen Reise mit dem neuen Kapitän.


Altbewährte Traditionen

Die Weinkarte wurde vorerst reduziert. Meixners legendäre 60-Seiten-Karte fiel bescheidener aus, das werde sich erst entwickeln, so der hiesige Kellner. Für unsere Gruppe, dem Rotwein nicht abgeneigt, wurde ein Gsellmann 2017 Alte Lagen, eine Zweigelt-Cabernet-Merlot Cuvée um 34,80€, zu unserer Reisebegleitung auserkoren.

Mittlere Stärke, sehr ausgewogen und perfekt temperiert wurde sie wie es sich gehört zur Anprobe meiner Wenigkeit dargereicht und bestand die Aufnahmeprüfung am Tisch.

An der Speisekarte ist unweigerlich noch das Konzept Meixner ersichtlich. Sie war nie sonderlich groß, variierte auch nicht allzu sehr, aber was darauf stand, hatte bislang durch die Bank auch überzeugt.


Vorspeisen

Da ich hier immer eine tadellose Rindsuppe (RS) gehobenen Levels gewohnt war, so durfte sie mein Vorspiel sein. Als Einlage gab es allerdings heute nur Frittaten, nicht meine erste Wahl, aber heute keine Alternative.

Sie wanderte zuerst zu meiner Mama zur Rechten, die eine gute Expertin für gute RS ist und erhielt schon ihr wohlwollendes „Ausgezeichnet“. Na, wenn sie das sagt! Ich selbst möchte es auch bestätigen, first class. Man muss dazusagen, dass bereits das neue Küchenteam am Werk ist. Für 6€ darf man allerdings auch Qualität erwarten.

Eine weitere Vorspeise nahm sich meine Schwiegertochter, begnügte sich allerdings damit und wählte die gebeizte Lachsforelle mit etwas Honigsenfsauce um 15,80€ und war sehr zufrieden. Sie bot mir an zu kosten, aber bitte was soll daran schon daneben gehen? Nun wenn sie das sagt, so sollte es gelten.


Hauptspeisen

Sohnemann griff auf einen meiner Lieblinge, den ZRB, ja Rostbraten wohlgemerkt, der hier zart rosa serviert wird und wieder mit Top-Saftigkeit wie Qualität überzeugte. Klar, den musste ich schon kosten, mit 23,80€ fair kalkuliert, nicht eine Okkasion, aber der Qualität einer sog. Kalbin entsprechend.

Die Jus war kräftig aromatisch und die Röstzwiebel zwar etwas unscheinbar, aber sehr knusprig. Ja, nicht die Masse machts, die Klasse siegte. Die Farbe war ein wenig orange, sodass ich vermute, eine kleine Paprikabrise war drinnen, geschmeckt habe ich sie aber nicht, ist mir auch persönlich ohne lieber.

Mama nahm sich eine Kalbsleber, nicht auf der Karte aber quasi Tagesempfehlung, mit Erdäpfelpüree, das auch mit denselben Röstzwiebeln leicht garniert wurde. Sie glänzte an Zufriedenheit.

Ich selbst mache mir nicht viel aus Leber, wohl aber aus Püree. Davon zweigte ich ungefragt etwas ab, ich darf das. Und naja es war für mein Gefühl ein wenig trocken, a bisserl mehr Butter dürfte schon drin sein, aber das ging schon. Es gab ja jede Menge Saft zum Ausgleich.

Ergänzend wurde ein grüner Beilgensalat bestellt, der allerdings schlecht mariniert war. Er erinnerte mich ein wenig an einen Italiener. Den kostete ich erst gegen Ende. Hätte ich ihn geordert, er wäre entweder zurückgegangen oder ich hätte schlicht Wiener Dressing verlangt. Aber das sollte die einzige Schwäche des Abends bleiben.

Meine HS fiel auf den rosa gebratenen Hirschkalbrücken mit Orangen-Rotkraut und gebratenen Schupfnudeln um 29,80€, den ich in ähnlicher Variation hierorts schon kenne. Daran war auch diesmal nichts auszusetzen.

Sauber medium gebraten, butterzart, kräftige Jus, das erfreut schon das Herz. Die Nudeln passten sehr gut, noch besser das Rotkraut, mit typisch leicht schmieriger Konsistenz samt Apfelnote eine hervorragende Beilage. Die Orangennote war allerdings separat in Form kleiner von ihrer Schale befreiten Spalten, die ich eher redundant befunden hatte. Fürs Augerl aber durchaus nett. 😊


Nachgänge

Ich liebte hier immer Meixners Kaiserschmarren, wofür er für mich eine der Top-Adressen Wiens war, aber man fand ihn nicht auf der Karte. Jetzt wollte ich die sog. Flexibilität des Lokals sehen. Ich bestellte ihn unschuldig, als wüsste ich das nicht, und siehe keine Absage, sondern Herr Civic meinte, er werde sich mit der Küche absprechen.

Er kam mit der Nachricht zurück, man müsse aber ca. 50 Minuten warten, womit wir einverstanden waren und dann gleich 2 Portionen verlangten. Wir sind ja nicht auf der Flucht und Familien sollte sich nebst gutem Essen auch was zu sagen haben, also kein Problem.

Wie überbrücken wir diese Zeit nur technisch? Nun, das nenne ich kulinarisches Intermezzo. Für Mama und mich ist es die Gelegenheit das Höherprozentige zu erkunden, selbstverständlich nur zwecks Verdauung.😊

Dafür stehen sehr gute Marken wie Hotzy oder Guglhof. Preissegment im normalen Mittel, das eine oder andere kennen wir bestens, als guten Begleiter um durchzuhalten für mich noch meinen obligatorischen großen Espresso, hier von Afro um 4,40€.

Sohnemann samt Eheweibe schaffte diese Hürde mit einem Roten, den es offen gibt, einen Zweigelt Classic 2018 vom Uibl aus Ziersdorf um wohlfeile 5,10€ je Achterl. Sohnemann empfand ihn sogar besser als die Cuvée. Mittlerweile erwachsen darf er das. 😇

In der Zwischenzeit beobachteten wir wie jede Menge HS ins hintere Stüberl wanderten. Wir wunderten uns, wie das ginge, das Stüberl ist doch recht klein, aber die Kette riss schier nicht ab. Na servas, die müssen dort hungrig gewesen sein. Aber damit verstehen sich auch unsere 50 Minuten.

Unser Warten hatte sich sehr ausgezahlt und wir durften nicht nur sehen, sondern auch schmecken, dass auch das neue Küchenteam die Kunst dieses Wiener Mehlspeisenklassikers bravourös auf die Reihe bekommen hatte. Das verspricht schon sehr eine weitere Zukunft. Duft, Flaumigkeit und Aroma überzeugten.

Der Zwetschkenröster war der beste wie ich ihn schon lange nicht hatte. Was für ein klasses Rum-Aroma und schöne noch ganze Zwetschenhälften d.h. nicht zerfleddert. So geht Kaiserschmarren. Das sollte man den Kaffeehäusern mal beibringen, aber das ist eine andere Geschichte. Die brauchen uns nicht, ich dafür das hier. Kompliment!


Worte des Nachrufs

Man kann diese Rezension durchaus als ein Summary über meine bislang erfolgten Meixner-Besuche betrachten, zumal man die Handschrift der Berta Meixner auf allen Speisen immer noch deutlich genug wahrnehmen konnte. Sie hatte ihr Wissen damit erfolgreich schon an das neue Team weitergeben können.

In dem Sinn bewerte ich hier mit 4-3-4. Der Abstrich für das Ambiente ist immer wieder Diskussion mit meiner Mama. Sie meint besser geht nicht, weil es nobel ist. Ich wieder meine man könnte die eine oder andere Veränderung vornehmen. Als Beisl müsste es auch an Urigkeit aufweisen, oder es ist kein Wirtshausstil, sondern ein Restaurant. Nun, so sind Geschmäcker auch unterschiedlich.

Ich fand es sehr professionell und auch freundlich, dass sich Herr Civic Zeit genommen hatte mit mir persönlich zu plaudern, weil er sichtlich bemerkt hatte, dass ich ein Fan der Wiener Küche bin und daher nachgefragt habe, wie es hier wohl unter seiner Führung weitergehen wird.

Sicher wird man mit Umstellungen zu rechnen haben, aber ich denke eher ergänzend und nicht völlig umkrempelnd. So gibt es z.B. neue Biere aus dem 23. Bezirk und die eine oder andere eigene saisonale Neuigkeit.

Der Grundtenor, die eingesessene Küchentradition, wie sie sich unter dem Ehepaar Meixner etabliert hatte, an der hält man jedenfalls fest. Die Klassiker unserer Wr. Küche warten damit weiter auf meine Gelegenheit, wenn es mich in den 10. verschlägt.

Was ich sicher gutheißen kann ist, wenn gewisse eingefahrene Bahnen doch auch erweitert werden, denn das hatte ich schon als eine gewisse Schwäche des Meixners gesehen, der vermutlich altersbedingt in den letzten Jahren scheinbar nicht mehr zu viel umstellen wollte.

Das kann nur gut ankommen und die Neuen sind schon auch Profis und nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen, arbeiteten bereits in mehreren Betrieben der gehobenen Gastronomie, hier starten sie nun selbständig ihr eigenes Lokal.

Ich erlaube mir zuletzt noch in den Tenor Karl Meixners einzustimmen, dass er froh ist nach langjähriger Suche nun würdige Nachfolger gefunden zu haben und sein Lebenswerk nicht „Kebab mit alles und scharf“ opfern musste, wie er es mit eigenen Worten ausgedrückt hatte.

So möchte ich ihm und seiner Berta nunmehr alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand wünschen und Janette & Alex Civic viel Erfolg und mir, dass mir dadurch auch die liebgewonnene Wr. Küche erhalten bleibt.
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