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Sa, 22. Juni 2024

Giuliano Due, Wien - Bewertung

am 26. Februar 2019
SpeisenAmbienteService
Das „Giuliano 2“ also.

Jetzt leben wir seit fast einem Jahr in der Währinger und es ist uns noch nicht aufgefallen, dass es nur zwei Seitengassen von uns, in der Tendlergasse, einer Seitengasse der Spitalgasse, eine versteckte Pizzeria gibt. Muss natürlich sofort getestet werden, der mittagliche Hunger bietet sich nachgerade an. Umso mehr, als ich heute meine Vespa von ihrem Winterschlaf erlöst habe, - Wettergott sei gnädig und bescher’ jetzt bitte nicht mehr lange Frostperioden – die ersten Runden in der echt schon frühlingshaften Sonne taten gut.
Thematisch kann ich also mitspielen, Vespa – Italien und so.

Betritt man das Lokal, steht man in einem Schankraum mit einigen Tischen. Dazu gibt es noch einen Extraraum, das Lokal ist während meines Besuchs zu mehr als 50% gefüllt. Möglicherweise durch die etwas versteckte Lage lebt das Giuliano 2 von viel Stammpublikum, ständig kommen bekannte Gäste, die sich vertraut mit den Servicemitarbeiterinnen unterhalten, man kennt sich. Manche nehmen Platz, manche holen eine vorbestellte Pizza ab.

Zum Ambiente. Gemütlich, nicht kitschig, vielleicht ein wenig lieblos dekoriert. An den Wänden hängen Poster mit allen möglichen Generationen der Vespa – Roller, ein Poster mit einer Foto – Collage von Cappucino und Espresso und noch ein Vespa – Poster. Im hinteren Bereich des Lokals ein paar S/W Fotos vom spaghetti-essenden Fernandel, war irgendwann sicherlich originell, mittlerweile ist das Bild in vielen italienischen Restaurants (zu) verbreitet.

Soll jetzt nicht nach Schlaumeierkritik klingen, aber ein bißchen könnte man das Ambiente hier schon heben. Es wirkt halt ein wenig lieblos, irgendwelche Fotos, die thematisch halt Italien suggerieren, wurden an die Wände geklatscht, not more, not less.

In den 70ern kam man noch damit durch, wenn man ein Fischernetz an die Decke spannte und allerlei Plastikfische und –meeresgetier darin dekorierte, heute sind es offenbar nichtssagende Fotos. Ein paar witzige Fotos oder etwas Kunst könnte dem Ambiente mehr Persönlichkeit geben, aber sei’s drum.

Ich werde nach Betreten freundlich zu einem kleinen Tisch im Schankraum gebeten, die Karte wird sofort gereicht, insgesamt ist die Bedienung aufmerksam und sehr freundlich.

Auf den Tischen finden sich Besteck, eine kleine Vase mit einer frischen Tulpe (sehr gut, passt zum Frühling) und leider die billigsten und einfachsten Salz- und Pfefferstreuer, die der Gastrohandel je erfunden hat. Schade, um grade einmal ein paar Euro mehr könnte man z.B. eine Pfeffermühle einstellen, das ist doch mittlerweile Standard. Wer, bitte, verwendet noch das gemahlene Niespulver? Schade auch, weil man sich offenbar die Mühe macht, frische und vor allem echte Tulpen einzustellen.

Die Karte (Link) bietet den üblichen Streifzug durch die italienische Küche, Carne, Pesce, Pizze, Dolce, alles da. Auf einer Tafel hinter der Schank finden sich außerdem die Tagesgerichte.

Gut, für mich soll es ein schnelles Mitagessen, bestehend aus Pizza, Wein und Espresso sein. Die Pizza Provinciale (Speck, Mais, Pfefferoni) wird bestellt, dazu obligat meine Anfrage nach „etwas Scharfem“, z.B. Olio ai peperoncini. Kein Problem. Sehr gut. Dazu ein Achterl Chianti bitte. Und ein Soda. Danke.

Die Pizza wird von einem Pizzaiolo, der m.E. eher nordafrikanischer oder mittelöstlicher Provenienz ist, was einer guten Pizza natürlich keinen Abbruch tut, weiß man in diesen Gegenden doch seit Jahrhunderten, mit allerlei Teigfladen satisfaktionsfähig umzugehen.

Auftritt von Pizza und Chianti. Ich hatte die Pizza „klein“ bestellt (lt. Karte geht das, kostet dann um € 0,7 weniger). Ist ja nur ein Mittagessen.

Die Pizza ist gut, wenn auch einfach. Der Teig ist der Matchwinner, sehr leicht, gut im Geschmack, dünn, was ich persönlich sehr mag und gerade richtig „durch“. Der Belag: gut, aber jetzt auch nicht etwas Besonderes. Käse, normaler, dünn aufgeschnittener Bauchspeck, leider sehr grobmotorisch aufgeschnittene grüne Ölpfefferoni und eine Menge Mais. Nun ja, so stand’s ja auch in der Karte, Speck, Pfefferoni, Mais. Quasi selber schuld.

Nein, ganz so ist es auch wieder nicht.

Ich mag eine Provinciale und ich mag sie auch ab und zu mit genau diesen Zutaten. Aber: etwas weniger Mais wäre besser, der Speck passt, die Ölpfefferoni sollten der frisch geschnittenen Chili-Variante, klein geschnitten wohlgemerkt, weichen. Und schon haben wir mit den gleichen Zutaten ein deutlich charmanteres Produkt. Vielleicht noch (und da sind wir bereits in der Fleißaufgabe) eine Tomatensauce mit mehr Charakter und etwas mehr Käse.

Der Chianti war gut, ein zweites Achterl musste sein. Bin auf Urlaub und wohne um die Ecke, also alles gut.

Zum Abschluss gönnte ich mir noch einen Ristretto, der war vom Feinsten. Tadelloser, kurzer Espresso, charmant in Begleitung eines „Amerettino“ (Link), diesem kleinen, nach Amaretto schmeckenden Kekses, serviert. Eigentlich bräuchte man dann keinen Zucker für den Kaffee, erst das Amerettino, dann in einem Schluck den perfekt bitteren Ristretto. Fantastisch.

Der Service macht alle kleinen Schwächen des Lokals jedenfalls wett. Sehr persönlich, sehr freundlich, keine Fehler, sehr effizient, eine glatte 5.

Umso mehr drängt sich die Frage auf, warum man hier nicht an den Details noch etwas feilen möchte, sowohl, was Ambiente und Deko betrifft, als auch bei der Pizza. Hier gibt’s noch deutlich Luft nach oben.

Fairerweise ist die Bewertung natürlich erst komplett, wenn ich auch Gerichte aus der Küche probiert habe, eine Pizza macht noch kein italienisches Restaurant. Ich werde Euch berichten, das Giuliano 2 ist ja, wie gesagt, um die Ecke.

Die € 16,90, die für Pizza, Soda, Wein und Kaffee fällig wurden (alle gängigen Karten werden akzeptiert) finde ich sehr günstig.
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