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Do, 18. Juli 2024

Fuhrmann, Wien - Bewertung

am 2. Mai 2021
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Auf den Geschmack gekommen was DIY Gourmet Boxen angeht – oder besser gesagt: da sie die einzige Möglichkeit sind – mussten wir nicht lange überlegen, als uns das Angebot für „Walters Staatsfeiertagsmenü“ ins Haus flatterte. Ein Erlebnisbericht.

Das Menü konnte man am Samstag um die Mittagszeit dann direkt vom Fuhrmann holen, eine Lieferung war nicht möglich, war jetzt aber an einem Samstag und Feiertag auch nicht wirklich ein Problem. Das Paket wurde beim Eingang direkt vom Besitzerpärchen Hermann & Barbara Botolen verteilt. Der erste Eindruck war dann leider etwas ernüchternd: Kamen die anderen Boxen bisher immer in sehr wertigen Boxen daher, wurde mir hier lediglich ein Papiersackerl mit diversen Marmeladengläsern überreicht, ein erster kleiner Punkteabzug, das Auge isst ja bekanntlich mit.

Abends wurde dann das Sackerl – hmm, sagt man geöffnet, naja, halt ausgeräumt und fein säuberlich drapiert. Das Menü bestand aus 4 Gängen plus Gebäck plus kleiner süßer Abschluss.

Gebäck mit Frühlingsaufstrich
Das Gebäck war ein kleines Stangerl, wir haben dieses nach einigen Stunden im Kühlschrank noch für ein paar Minuten im Rohr erwärmt. Das Gebäck war tatsächlich sehr gut, der Aufstrich ein klassischer Frühlingsaufstrich mit viel Topfen und Kräutern. Auf jeden Fall gut, wobei ich ja selbst der Meinung bin, egal wie gut die viel gehypten Öfferl – Joseph – Felzl Backwaren auch sind, ein wirklich gutes Brot ist für mich eigentlich nur das selbst gemachte, ist aber vermutlich eine philosophische Gastgeberfrage.

Kräutersalat mit Spargelvinaigrette und Ziegenkäsecreme
Ein bombasitscher Gang! Der Salat musste nur in einer Schüssel mariniert werden, auf einem Teller dann die Ziegenkäsecreme streichen (war bei uns leider zu kalt und daher kaum streichfähig), darauf dann der Salat. Die Vinaigrette hatte ganz feine Säure aber auch einen sehr intensiven Spargelgeschmack, die Basis wird wohl ein Spargelfond gewesen sein. Der Salat toll knackig mit einer großen Anzahl an weißen und grünen Spargelstücken, die alle noch einen schönen Biss hatten. Dazu einige Stücke Rhabarber, der einen sauren Kontrastpunkt setzte, auch wenn er nicht so sauer war, wie man ihn manchmal kennt. Eine wunderbare Vorspeise, die übrig gebliebene Vinaigrette mussten wir dann auch noch ausschlürfen. Wirklich extrem schöner Gang!

Spargelcremesuppe mit Spargespitzen
Die Suppe musste einfach nur in einem kleinen Top erwärmt werden und dann in Tellern serviert. Die Suppe hatte eine schön sämige Struktur, die Spargelspitzen noch guten Biß. Feine Spargelnote, auch die leichte Bitterkeit vom weißen Spargel am Gaumen, trotzdem irgendwie ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll: dünn.

Geschmortes Kalbs Schulterscherzel
Das Schulterscherzel kam in 4 kleinen Scheiben und vakumiert daher, musste nur in einem Topf mit heißem Wasser für 15 Minuten erwärmt werden. Dazu ein kleines Glas Selleriepüree und eine Sauce mit Morcheln. Angerichtet dann erst das Püree, darauf das warme Fleisch und übergossen mit dem Saft. Das Fleisch war sehr schön zart, leicht durchzogen und geschmacklich eher pur. Das Püree sehr intensiv, ohne aber jetzt alles andere zu dominieren (was bei Sellerie leicht passieren kann). Das wahre Highlight aber die Sauce: Wirklich reich mit Morcheln bestückt, schöne hellbraune Farbe und ein intensives Safterl. Wieder nicht so intensiv, dass es das zarte Fleisch geschmacklich dominiert hätte, aber so gut, dass wir den Rest im kleinen Kännchen dazustellen mussten. In Summe ein guter Gang, das Fleisch hätte vielleicht etwas stärker mariniert / gewürzt sein dürfen, aber gerade mit den Morcheln ein tolles Gericht – und kinderleicht zuzubereiten.

Zitronentarte
Als süßen Abschluss gab es eine kleine Zitronentarte garniert mit 4 frischen, großen Himbeeren. Einfach auf den Teller und gut war. Die Zitronencreme war sehr schön fruchtig und cremig, das Baissée mit zarter Süße und mit ich vermute getrocknetem Himbeerstaub bestreut. Ein tolles Dessert, einzig der Tarteboden an sich war schon sehr „lätschert“, kann aber auch an der langen Zeit im Kühlschrank liegen. Die Himbeeren geschmacklich intensiv, aber vermutlich auch nicht aus der Region.

Danach noch Walter’s Schokomacarons, eine feine kleine Macaraon, knackige „Deckeln“, feine Schokocreme, ein würdiger Abschluss.

Was bleibt als Fazit: Preislich lag die Box bei Eur 65 pro Nase, wenn ich das mit anderen Boxen vergleiche ein durchaus stolzer Preis. Beim Taubenkobel liegen wir preislich ähnlich, bekommen aber noch Aperitif und eine Flasche Wein dazu und bekommen das Paket geliefert. Schade fand ich auch die Aufmachung im Papiersackerl, da bieten die anderen Boxen was Gesamterlebnis angeht auch etwas mehr. Die Speisen auf der anderen Seite waren großartig, gerade der Salat ist hier extrem positiv herausgestochen. Und ein netter Abend wars ja sowieso
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