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Do, 13. Juni 2024

Francesco, Wien - Bewertung

am 29. August 2017
SpeisenAmbienteService
Ein Termin führte mich heute in den 19. Nach dem Termin überkam mich Hunger und Lust auf Pizza, also konsultierte ich den Lokalfinder von ReTe, der mir sagen sollte, wo es in der Nähe eine gute Pizzeria gibt. Unter anderem wurde das „Francesco“ ausgeworfen, nicht weit weg, in der Grinzinger Straße, gegenüber dem „Figl“. Ich erinnerte mich, dass mir Copilot M. seinerzeit zwei Lokale empfohlen hatte das „Figl“ und das „Francesco“. Das Figl hatte ich bereits besucht und bewertet, das Francesco noch nicht. Perfect.

Es war ein wundervoller Tag, geradezu gemacht für ein Mittagessen in einem schattigen, schönen Garten. Und den bietet das Francesco. Einen sehr großen Garten sogar, mit Bäumen, vielen Tischen, wirklich sehr gemütlich.

Der Garten war gut besucht etwa 30% der Tische waren noch frei. Gleich, nachdem ich Platz genommen hatte, wurde mir von einem sehr freundlichen, italienischen Kellner (oder sogar dem Chef?) die Karte gereicht. Für einen Rotwein war’s mir dann doch zu warm, also orderte ich einen Lambrusco und eine Karaffe Wasser.

Die Karte ist groß und enthält ein breites Spektrum der italienischen Küche. Fisch, Fleisch, Pasta, Salate, Pizza, Dolce, ein sehr reichhaltiges Angebot (Link). Dazu gibt es noch Tagesmenus, sowie eine Wochenkarte und div. „Specials“, die auf Tafeln im Garten angeschrieben sind, heute gab es u.a. Branzino vom Grill. Aber mir stand der Sinn, wie eingangs schon geschrieben, nach einer Pizza.

Die „Diavolo“ sollte es werden, mit Käse, Schinken, Chilischoten, Pfefferoni und Oregano. Dazu bestellte ich auch noch Speck als Auflage und ein Ei. Ich weiß wohl, echte Puristen sehen dies als No-no, weil Verösterreicherung der klassischen Pizza.

Ich habe mir das mittlerweile eigentlich auch abgewöhnt, unter anderem schon deshalb, weil ich, wenn ich mich in meiner Stammpizzeria, dem Federico II, jemals erdreistete, ein Ei auf die Pizza zu bestellen, von Anacleto, dem Padrone, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geteert, gefedert und gevierteilt würde. Oder er würde mich zumindest mit großer Verachtung strafen. Oder den Grappa am Ende des Abends verweigern. Man weiß ja nicht so genau, wozu ein süditalienischer Padrone im Zorn fähig ist.

Heute jedoch hatte ich wieder einmal Gusto, ein Ei auf der Pizza zu genießen, also ließ ich Purismus einmal links liegen. Mi scusi, Anacleto, solltest Du diese Review wider Erwarten lesen.

Der Wein, das Wasser kamen sehr schnell, kurz darauf auch meine Pizza. Ein stattlicher Fladen, der aber auf den Teller passte. Zur Pizza gab’s auch ein eigenes Messer, interessanterweise aber das gleiche, das auch in einer Holzkiste mit Gabeln, Zahnstochern und Salz am Tisch zur Verfügung stand. Es war aber scharf genug, um es mit dem Pizzateig aufnehmen zu können.

Der Teig war angenehm dünn, ich bin kein Fan von wulstigen Rändern, der Belag reichlich. Die in der Karte angekündigten Chilischoten waren in homöopathischen Dosen vorhanden, eigentlich nicht als Chilischoten, sondern mehr wie Klekse einer Chilipaste oder Sambal Ölek. Es gab reichlich Pfefferoni, der sich als mindestens ein grüner Ölpfefferoni herausstellte, allerdings in 1-2 cm dicke Stücke aufgeschnitten. Nun, dies ist zweifellos besser, als einen Ölpfefferoni im ganzen auf einer Pizza zu drapieren, wirklich einfallsreich ist es allerdings nicht. Geschmackssache, natürlich, aber ich bevorzuge klein geschnittene, frische Peperoncini, also Chilischoten. Feiner und schärfer, um der Teufelin (eigentlich müsste es doch „Pizza Diavola“ heißen, oder?) zur nötigen Bosheit zu verhelfen. Diese langen Ölpfefferoni sind für mich ein bisschen „ich will, aber ich kann nicht“, so wie zB. eine Tofu-Käsekrainer. Aber das ist natürlich nur meine ganz persönliche Sichtweise.

Käse, Schinken und Speck waren von guter, nein, sehr guter Qualität, hier wurde Wert auf qualitativ hochwertige Ware gelegt. Auch das Ei war perfekt. Zum Glück hatte ich in weiser Voraussicht „olio al peperoncino“ bestellt, das in einem kleinen Schüsserl eingestellt wurde und der Pizza zur (für mich) nötigen Schärfe verhalf.

Vielleicht war der Belag, so gut er war, dann doch zu reichlich, vielleicht hatte ich mit der Schärfe an diesem heißen Tag etwas übertrieben, jedenfalls kapitulierte ich nach drei Viertel des Fladens.

Ein Ristretto und ein Grappa Moscato zum Abschluss mussten jedenfalls trotzdem noch sein, beides sehr, sehr ordentlich und gut.

Das Mittagessen schlug sich mit € 25,- plus Trinkgeld zu Buche, ein sehr fairer Preis für die tolle Location, den wirklich tadellosen, aufmerksamen und schnellen Service, sowie für eine gute Pizza, Lambrusco, Caffè und Grappa.

Das Ambiente ist wirklich toll, einer der schöneren Gärten, in denen ich in Wien war. Der Service, wie gesagt, tadellos, auch an der Pizza gibt’s eigentlich nichts auszusetzen. Der „Wow-Effekt“ wurde von der Diavola nicht ganz erreicht, aber sehr gut war sie allemal. Es wäre sicherlich auch interessant, Fisch oder Pasta im Francesco zu verkosten, also werde ich sicherlich wieder einmal dort auf ein Mittag- oder Abendessen vorbeischauen.
Die Pizza "Diavolo" - Francesco - WienRistretto und Grappa - Francesco - WienLambrusco und Wasser - Francesco - Wien
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5 Kommentare
cmling

Der Satz, den ich zitiert habe, kann unschwer mißverständen werden... Jetzt weiß ich Bescheid, danke.

29. Aug 2017, 21:57Gefällt mir
adn1966

ja, aber ein Schaumwein und gekühlt, das meinte ich. Für einen klassisschen Rotwein war's zu warm.

29. Aug 2017, 21:54Gefällt mir
cmling

Ist doch ein Rotwein, oder bin ich senil?

29. Aug 2017, 21:47Gefällt mir
adn1966

Warum Selbstbestrafung? Ich mag Lambrusco, und er ist gekühlt, schien mir also die bessere Alternative als der übliche Chianti, den ich zur Pizza bestelle. In Italien wird in den Sommermonaten auch Rotwein gekühlt serviert, was ich bei diesen Temperaturen durchaus angenehm finde.

29. Aug 2017, 21:44Gefällt mir
cmling

" Für einen Rotwein war’s mir dann doch zu warm, also orderte ich einen Lambrusco und eine Karaffe Wasser." Selbstbestrafung?

29. Aug 2017, 21:23Gefällt mir
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