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by Chi - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 7. Juni 2016
vielesser123
27
18
13
2Speisen
3Ambiente
0Service

Meine Bewertung bezieht sich ausschließlich auf das vietnamesische Nationalgericht: Pho Bo (Reisnudelsuppe mit Rindfleisch). Etwas anderes habe ich nicht gegessen, weil mir die Lust auf Mehr vergangen ist. Vielleicht sind die anderen Gerichte, die hier beschrieben wurden, wirklich ganz gut, nur fällt ein vietnamesisches Restaurant in meinen Augen durch, wenn es DAS Nationalgericht dermaßen „verunstaltet“. Ich bin da ziemlich gnadenlos.

Es mag sein, das die Pho Bo im by Chi den europäischen Geschmack vollkommen trifft. Außer Koriander und etwas Thaibasilikum ist ja eigentlich nichts wirklich Exotisches dabei. Die Suppe war eine sehr gute Rindsuppe, aber sie hatte kein vietnamesisches Herz. Wenn man die Reisnudeln, Sojasprossen und das Rindfleisch durch einen Leberknödel ersetzt und die asiatischen Kräuter weggelassen hätte, hätte man eine ausgezeichnete österreichische Leberknödelsuppe vorgesetzt bekommen. Nichts gegen österreichische Suppen. Ich liebe sie! Wenn ich aber vietnamesisch essen gehe, möchte ich auch eine vietnamesische Suppe haben. Was macht die Pho-Suppe so besonders? Was macht sie anders? Es ist die Zubereitung, es sind die Gewürze. Wo war der besondere Geschmack vom langsam gerösteten Sternanis und Kardamom? Hier fehlte er vollkommen. Zimt und Ingwer könnten die Suppe auch verfeinern. Leider schmeckte ich hiervon auch nichts – wie schade!

Optisch machte die Suppe einen sehr guten Eindruck – für die meisten Europäer: eine große Schüssel mit dünnen Rindfleischscheiben und eine große Menge an undefinierbaren Kräutern. Ich musste leicht schlucken. Wieso sind die Kräuter so klein geschnitten wie Schnittlauch? So isst kein Vietnamese seine Pho. Die Kräuter werden reingezupft! Sie werden separat serviert. Der Gast kann sich von der Frische der Kräuter überzeugen und entscheidet über die Menge der Kräuter, die er in seiner Pho haben möchte. Genauso ist es auch mit den Sojasprossen. Auch diese wurden bereits in die Suppe gemischt – das geht überhaupt nicht! Sojasprossen müssen ebenfalls separat serviert werden. Sie dürfen nur ganz kurz in der Suppe sein um nicht zu weich zu werden. Was die vietnamesische Küche auszeichnet ist, dass in einem Gericht nicht nur unglaublich viele Geschmacksrichtungen, sondern auch unterschiedliche Konsistenzen, wie knackige, frische Sojasprossen, die in einer brandheißen Suppe zu finden sind. Bei dieser Pho-Suppe ist dieses harmonische Zusammenspiel gegensätzlicher Ingredienzien nicht vorhanden. Die Sojasprossen waren „zerkocht“ durch den viel zu langen Aufenthalt in der Suppe.

Was dann wirklich getrennt dazu serviert wurde, waren ca. 4 hauchdünne Scheiben von einer Chilischote, ein kleiner Batzen Hoisin-Sauce und ein Drittel von einer Zitronenspalte. Für mich war dieser Anblick wirklich schlimm. Warum ist hier alles so klein und so wenig? Aber wie schon erwähnt, bin ich eine Ausnahme. Für die Meisten sind diese Mengen ausreichend, weil ja die gute Leberknödelsuppe, ähm…sorry, natürlich Pho-Suppe keine zusätzliche Würzung (schon gar nicht Zitrone oder Chili) braucht.

Der nächste Schock folgte zugleich. Die Reisnudeln waren ziemlich dünn und weit entfernt von den richtigen Pho-Nudeln. Nicht einmal die richtigen Reisnudeln, werden hier verwendet. Die Enttäuschung wurde immer größer. Schlimmer geht’s nicht mehr, aber da hat sich der Vielesser getäuscht. Schlimmer geht’s immer! Und was kann es schlimmeres für einen Vielesser geben als eine winzige Portion, die ihn nicht mal annähernd satt macht. Insgesamt habe ich 3 x die Nudeln und das Rindfleisch mit den Stäbchen aus der Suppe gefischt und das war‘s – Ende im Gelände! Was für eine Hauptspeise, die sich mengenmäßig als Vorspeise entpuppte, aber sich preismäßig in der Hauptspeisen-Liga bewegt: EUR 12,90.

Ich war zu frustriert um ein weiteres Gericht zu bestellen, wollte nur schnell bezahlen und in ein anderes Restaurant wechseln. Als die junge Kellnerin und Tochter des Hauses mich gefragt hat, ob alles in Ordnung wäre, kam von mir ein zögerliches: nnnnnnnnnnnjjjooo. Ich war zu frustriert und wenn ich Hunger habe, bin ich immer schlecht gelaunt. Daher wollte eigentlich keine Diskussion. Es stand für uns fest, dass wir in Zukunft einen großen Bogen um dieses Restaurant machen werden. Die Kellnerin starrte mich an und fragte bohrend nach, was denn nicht in Ordnung sei. Ich wollte nett sein und habe gesagt, dass es wahrscheinlich an mir läge, ich würde eine authentische Pho Bo bevorzugen. Sie starrte mich immer noch entsetzt an und fragte nochmals nach, dieses Mal schon einiges schärfer und frecher. Mir kam dann der Gedanke, dass sie vielleicht aus Interesse, weil sie sich verbessern möchte, so hartnäckig nachfragt. Na gut, dann packte ich aus (aber alles immer noch sehr höflich formuliert). Sie starrte mich an und sagte etwas eingeschnappt:“ Da müssen sie mit meiner Mutter sprechen. Ich bin hier in Österreich geboren!“, gab mir das Wechselgeld und weg war sie. Für mich war klar, dass ich mich getäuscht habe. Es war kein Interesse an meiner Kritik vorhanden, sondern absolutes Unverständnis und Entsetzen über ein „nnnnnnnnjjjjoooo, war ned so geil!“ eines Gastes. Über die Aussage, dass sie in Österreich geboren wäre, konnte ich nur schmunzeln. Nur weil man in Österreich auf die Welt gekommen ist, heißt das nicht, dass man die Küche seines Heimatlandes als Kind und jetzt als Erwachsene nicht kennt. Sie wird genau wissen, wie die Pho Bo zuhause schmeckt und wie anders diese im Restaurant ist. Mein Magen verlangte nach Input. Also, nichts wie weg, ins Auto gestiegen und in ein weiteres Restaurant auf meiner To-Do-Liste eingecheckt. Hauptspeise und Nachspeise waren super (Vorspeise hatte ich ja schon). Es gab dann doch noch ein Happy End!

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Kommentare (9)

am 9. Juni 2016 um 15:25

@BruderBernhard: Mit Ab - Hof - Verkauf nach Hausschlachtung geht da nichts?

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38
am 9. Juni 2016 um 08:40

OT, ich weiss.... @vielesser : es läuft wieder - Glück gehabt. Sobald die Hotelpreise wieder runter kommen, gehn' wir viel sehr gut Essen in Wien! Ich kann keinen Schweinsdarm mehr kriegen hier, der Metzger hat jetzt einen eventorientierten Nachfolger, mit so Lifestylesachen wie Whiskeysteaks igitt.

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38
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am 8. Juni 2016 um 19:34

@BruderBernhard Danke! Apropos zu Fuß gehen, wie gehts Deinem Fuß?

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18
am 8. Juni 2016 um 16:40

Genau so gehts mir mit den allermeisten Koreanern hier. Ethnische Herkunft garantiert absolut nicht für eine gut zubereitete Heimatküche! Aber in der Not frisst der Teufel fliegen oder ich koche eben selbst.

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83
am 8. Juni 2016 um 15:43

So liebe ich eine Restaurantbewertung - Punkt um Punkt verglichen, man kann sich ein klares Bild von den Kriterien machen und dann für sich selber entscheiden, ob man nun auch so gewertet hätte. Und das Etablissement dann in seine Liste aufnehmen oder es daraus streichen. Noch etwas: Ich kann es mir nicht verkneifen: Wien hat ja ein leistungsfähiges und angenehmes ÖV-Netz, Auto zu Hause lassen, die paar zusätzlichen Meter zu Fuss geben noch mehr Hunger!

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38
8
am 8. Juni 2016 um 14:25

Das Pho Sai Gon hatte auch eine bessere Pho Bo. War aber schon lange nicht dort.

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27
18
am 8. Juni 2016 um 14:22

Beim by Chi war das Fleisch roh und ganz gut im Geschmack, aber das macht aber lange noch keine Pho Bo aus. Sie bieten eine kleine, nette Nudelsuppe an, mehr nicht! Das Preis-Leistungsverhältnis passt hier einfach nicht. Pho Bo im Vietnam Bistro, 5. Bezirk, ist halbwegs okay (leider zu wenige Nudeln). Ich habe Thai-Basikum, Zitrone, Sojasprossen und Koriander separat bekommen (weiß nicht, ob das Standard ist). Das Ambiente ist halt nicht so schön (bissi grindig), aber Preis und Leistung passen hier halbwegs.

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18
am 8. Juni 2016 um 13:19

Nein, leider nicht...bin noch auf der Suche!

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27
18
am 8. Juni 2016 um 05:50

Gibt es in Wien überhaupt ein Lokal, wo Du die Pho akzeptabel findest? Es ist ja schon schwierig genug, eines zu finden, wo die Suppe gehaltvoll ist, und ein Teil des Fleisches roh hineingegeben wird, was im by Chi ja immerhin der Fall ist.

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38
by Chi
Hollandstraße 15
1020 Wien
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