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Schrammelbeisl - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 3. Oktober 2013
Experte
dieBrotvernichter
67
17
18
4Speisen
3Ambiente
5Service

Spät aber doch beginnen wir, in unserem Territorium die unendlichen Weiten der Gastronomie zu erkunden. Ja, die gibt es nämlich auch im 17. – die Guten, die man finden muss . Genug von Massengasrtonomie-Konzepten und gehypten Innenstadtlokalen. Wir sind im Abseits von Wien beheimatet und fühlen uns dort auch richtig wohl.

Herr Stepan und sein Schrammelbeisel tragen auch dazu bei, dass wir uns dort sogar kulinarisch gut aufgehoben fühlen. Er findet seine Heimat, das Waldviertel, anscheinend auch ganz gemütlich und bringt ein bisserl was davon unter die Leut‘ nach Wien.

So um 20 Uhr bricht bei uns die Hungersnot aus und wir brauchen was für Bauch und Geschmack. Wir kennen uns selbst am besten und haben Präventivmaßnahmen getroffen: einen Tisch für uns zwei im Stepans reserviert. Schrammelbeisel kommt uns beiden „modernen“, „jungen“ und „urbanen“ Stadtmenschen noch so schwer von den Lippen. ;)

Das erste Mal kommen wir durch die Tür vom Hernalser Dornerplatz – ins Waldviertel. Auch das kann „jung“, „modern“ und „urban“ aber vor allem so sympathisch präsentiert werden. Nämlich von einem Landmenschen - dem Chef selber. Wir werden souverän gleich an der Schank/Bar neben dem Eingang empfangen. Nicht nur mit Stil sondern auch mit Humor. Herr Stepan ist in Tracht gekleidet – aber mit innovativen Einschlag. Genauso wie seine Servicemitarbeiter an der Schank und am Gast. Durchgestylt – auch das Lokal. Grün, so wie der Wald im Waldviertel. Frisch renoviert, hell gestaltet – der zeitgemäße Jagdhütten-Chic glänzt auch im angenehm gedämmten Licht. Im Schankraum finden rauchende und jene Gäste Platz, die Wein mit Essensbegleitung bevorzugen. Sogar optional - direkt an der Schankbar, am eingedeckten Tisch oder an den gut platzierten Hochtischen.

Auch wir haben die Wahl. Das Lokal ist zwar gut belegt, ein Tisch für uns vorbereitet – aber gern können wir auch den doppelt so großen Tisch, an gemütlicher Stelle im Nichtraucherbereich haben. Schneller Entschluss: ja, der wird sofort okkupiert. Der Plafond ist an der Stelle zwar ziemlich niedrig und drückt den Raum ein wenig, aber die Architekten waren lösungsorientiert...

Aus Gewohnheit sind wir Tiere – vor allem beim Essen. An den Tafeln haben wir „Kürbis & Wild“ gelesen – das passt für uns ganz gut. Bevorzugen wir doch fast ausschließlich Fleisch, das von einem ehemals glücklichen Tier mit gesundem Körper stammt. Herr Stepan scheint das genauso zu sehen – Bio ist selbstverständlich und höchste Qualität sowieso. Da fällt einem die Auswahl ganz leicht, vor allem, wenn der Chef im Service so um seine Gäste bemüht ist. Wir wollen die Leberknödelsuppe und den Schrammelbeiselteller als Vorspeise, den Merlot vom Reeh aus Andau dazu – das steht soweit einmal fest. Da waren wir noch Beratungsresistent, weil der Unplugged zu Haus und in OÖ doch so gut war. Hauptspeise steht nach der Lesung vom Chef am Tisch aus der Wochenkarte auch schon fest: einmal das gebackene Gemüse im Bierteig mit Kräuterrahm für die Köchin am heimischen Herd, denn Fritteuse ist sie keine, alles was da raus kommt gibt’s nur auswärts. Und der Kürbisverweigerer bestellt trotzdem die Hirsch-Medaillons mit Erdäpfel-Kürbis-Gemüse. Der Wein kommt, mit dem sehr netten aber ein wenig orientierungslosen Serviceassistenten vom Herrn Stepan, doch noch zu uns an den Tisch – ein Schluck und unsere Mimik verkrampft…

…entspannt sich aber wieder sobald die Leberknödelsuppe am Tisch steht. Weil die zum Einen von ordentlicher Portionsgröße ist, in einem schönen großen Suppenteller serviert wird und zum Anderen auch geschmacklich top ist. Suppe für die Leberknödel passend gewürzt, ausgewogener Leberanteil in den weichen fast schon flaumigen zwei Knöderl mittlerer Größe. Natürlich kein Maggi oder Pulverzeug. Ein bisschen zeitversetzt kommt dann auch der Schrammelbeisel-Teller. Und der hat’s drauf: Wildschweinrohschinken, Salami und Dürre von glücklichen Schweinen besonderer Rasseabstammung. Alles bei richtiger Temparatur serviert – sodass man's deutlich erschmecken kann. Ein bisschen gebrochenen Parmesan gibt’s auch und Gebäck dazu: gutes Mischbrot und Litschauer Mangerl. Letzteres mit Mohn und Salz bestreutes helles, kunstvoll verrenktes Brezl ist uns Stadtrandbewohnern unbekannt und erscheint zu resch gebacken. In Kombination mit der nachbestellten Butter (streichfähig temperiert) und den Schweinereien am Teller passt es aber einfach perfekt. Der gute Geschmack färbt auf den Wein ab – also können wir die Gläser doch noch leeren.

Nach der Vorspeise wird in Vorfreude auf den Hauptgang noch der Wunsch nach Ketchup (für’s gebackene Gemüse) anstatt der Preiselbeeren beim Herrn Stepan deponiert – der bringt den Ketchup-Fan fast aus der Fassung mit seinem Vorschlag: extra aus Ketchup und Chili so einen asiatisch angehauchten Dip für sie anzurühren. Wow, sehr aufmerksam aber simples Ketchup ist genau richtig. Auf den Hauptgang müssen wir etwas länger warten. Darf’s denn noch ein Glaserl von dem Roten sein? Nein, auf keinen Fall. Gerne nehmen wir dann doch die Empfehlung vom Chef zum Grünen Veltliner und dem Blaufränkischen an. Gut so. So hat er’s auch mit uns gemeint – die Achterl waren übervoll und uns hat’s gefreut. Zu den Hauptgängen – zwei Volltreffer.

Spät aber doch kommen dann die Hauptspeisen. Das Positive vorweg: zwei g’scheite Stücke vom Hirsch, sensationell gute Fleischqualität, perfekt gebraten und der Kürbis wurde komplett aufgegessen mit dem Hinweis für die Köchin, dass der so zubereitet zu Hause auch gegessen werden würde. Erstaunt zur Kenntnis genommene Kochnotiz. Und zwar so: mit ganz viel Rosmarin, anderen mediteranen Kräutern und rauchigem Salz abgeschmeckt. Jetzt aber zum Frittierten: Ketchup war wie erwartet und üblich gut, der Kräuterdip noch viel besser, die Preiselbeeren waren überraschend mit dabei, die Portion leider etwas zu klein geraten, der Bierbackteig nur wenig knusprig, die Gemüse variierten nur wenig (Melanzani- und Zucchini-Scheiben & 1 Zwiebelringerl), das Frittieröl war doch relativ präsent im Geschmack und alles in allem scheint's nicht das Favoritengericht des Kochs zu sein. Dafür war die kleine Salatgarnitur wirklich gut mariniert.

Wenn's nicht so lang gedauert hätt' und schon so spät geworden wär'… denn eigentlich waren noch die Mohnnudeln geplant gewesen. Aber leider es war schon fast 22 Uhr nach dem Hauptgang und da ist es Zeit für unser abendliches Unterhaltungsprogramm zu Hause. Da wir’s schon so eilig haben, bringt uns der Herr Stepan einen schnellen süßen Abschluss auf’s Haus: Likör von der Grappatraube – kräftig herb und nur dezent zuckrig. Ein guter Trost. Nicht nur der war eine Einladung, sondern auch das gute Waldviertler Gebäck, die rahmige Butter und das Wunsch-Ketchup. Somit auch nicht auf der Rechnung zu finden. Der geborene Gastgeber, der Herr Stepan und guter Geschäftsmann, der an den richtigen Stellen genauestens und sehr fair zu kalkulieren weiß. Unterstützt durch seinen quirrligen Serviceassistenten haben wir eine Gastlichkeit erlebt, die wir so nur vom asiatischen Raum her kennen.

Somit: Wir naschen halt vorerst von unserem Lindor-Kugerl-Vorrat zu Hause und beim nächsten Mal – und zwar ganz bald – von den Mohnnudeln im Schrammelbeisel… weil es war so ein schönes Gefühl, ein Gast zu sein.

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Kommentare (2)

am 3. Oktober 2013 um 23:11

Oooh! :-))) danke vom wirt!

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1
1
am 3. Oktober 2013 um 14:24

Toller H-G-L Bericht, der wirklich Lust macht, demnächst eine Spritztour in den 17. Hieb zu planen ;-)

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Experte
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Schrammelbeisl
Kalvarienberggasse 51
1170 Wien
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