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Mi, 1. Februar 2023
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Bruder / Küche & Bar

1 Bewertung
Windmühlgasse 20, 1060 Wien
Küche: Österreichische Küche
Lokaltyp: Restaurant, Bar
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Bewertungen (1)

Gesamtwertung

37
1 Bewertung
Speisen
30
Ambiente
40
Service
40
am 27. März 2019
MichaelA2
Experte
SpeisenAmbienteService
Einiges hatte man vom „Bruder“ schon gelesen, dem Nachfolger des „Gschupften Ferdls“ in der Windmühlgasse im Sechsten zu dem ich es auch nie geschafft hatte, und spätestens nachdem sich ein gewisser Herr Corti mit dem Lokal beschäftigte, war es in aller Munde. Eben dieser Besuch von Herrn Corti w...Mehr anzeigenEiniges hatte man vom „Bruder“ schon gelesen, dem Nachfolger des „Gschupften Ferdls“ in der Windmühlgasse im Sechsten zu dem ich es auch nie geschafft hatte, und spätestens nachdem sich ein gewisser Herr Corti mit dem Lokal beschäftigte, war es in aller Munde. Eben dieser Besuch von Herrn Corti war dann der Grund für das „Bruder“ via Facebook klar zu stellen, dass man kein Restaurant sein wollte sondern eher Bar mit der Möglichkeit etwas zu essen, kaum ein Monat später freute man sich aber eben hier dann über 88 Punkte und zwei Gabeln auf Falstaff. Und – Achtung: Spoiler Alarm – das war für uns dann auch der schwierigste Teil am Bruder, wir wussten einfach nicht, was das Bruder sein will.

Aber erstmal von Anfang an:

Wir hatten schon vor einer ganzen Weile einen Tisch für uns Zwei reserviert, beim Betreten des Lokals erstmal den ersten Eindruck aufsaugen: Linkerhand eine stylische Bar mit hinterleuchteten Gefäßen mit selbst angesetzten Spirituosen, ganz klar der Eyecatcher im Lokal, faszinierend aber gleichzeitig etwas „spooky“. Die Bar selbst erstaunlich klein, Platz für vielleicht 5-6 Personen. Der Rest des eher kleinen Lokals mit Tischen voll gestellt, im Zentrum ein recht großer Tisch, drumherum dann auch kleinere Tische. Wir bekamen einen schönen Tisch im Eck, die Bank etwas unbequem da ohne echte Lehne, die Nachbar nah aber gerade so nicht zu nah, im Hintergrund läuft schon nette Musik, Soul, Motown, sowas in die Richtung. Erster Eindruck also schön! (Okay, bis auf die Papierservietten am Tisch, das muss echt nicht sein)

Als Aperitif empfahl man uns einen Cocktail aus selbst angesetztem Wermut, aufgegossen mit Tonic und Minze: Sehr gut, der perfekte Sommerdrink, kann man sich gut einen Abend lang vorstellen! Dann ein erster Blick in die Karte: Die Auswahl nicht sonderlich groß, etwas verwirrend die Bandbreite der Auswahl, von einer Brettljause bis hin zu Weinbergschnecken alles da – meistens aber etwas kreativer beschrieben, was die Sache nicht leichter machte. Nun gut, gottlob gab es auch die Möglichkeit eines Überraschungsmenüs, 5 Gänge mit 5 Getränken.

Los ging es - in der Karte war es sicher anders beschrieben – mit einer Brettljause für Zwei: Fein aufgeschnittener Schinkenspeck, selbst gemachte Wildwürstel, dazu eingelegtes Gemüse und zweierlei Aufstrich, serviert mit Brot. Als Getränk gab es einen selbst angesetzten Erdbeer-Brotlikör. Die Brettljause war gut, die servierten Produkte selbst von guter Qualität, hier gibt es nichts auszusetzen, unterm Strich halt trotzdem eine Brettljause. Der Likör dazu war allerdings großartig! Schön auch die Geschichte dazu: In Vorarlberg isst man offenbar klassisch Erdbeerbrot, dies war einfach die flüssige Interpretation davon!

Der nächste Gang hieß wenn ich mich richtig erinnere: Sommer im Burgenland (??) soll heißen: geröstet Karotte auf ich denke es war Bulgur. Hmm, naja, war jetzt nicht schlecht, oft träumen werde ich davon jetzt aber auch nicht. Nein, ehrlich: eigentlich eher enttäuschend. Dazu gab es erst ein Glas vom weißen Hauswein: Ein Cuvee aus Sauvignon Blanc, Welschriesling und grüner Veltliner von Georg Schmelzer aus Gols. Ein als Naturwein ausgebauter Wein, der aus dem Doppler serviert wird und ja: ein wirklich schräges Gefühl. Allerdings: Der Wein hat uns wirklich gut geschmeckt, würde ich sofort wieder bestellen. Außerdem dazu: Ein Likör aus geräuchertem Paprika, serviert in einem kleinen Spitzpaprika mit Strohhalm. Extrem aromatisch und spannender Geschmack! Schon wieder stellten wir fest: Hinter der Bar wird wahrlich gezaubert!

Weiter ging es mit einem Rindsgulasch mit Weinbergschnecken, das ich schon vorab abbestellt hatte, weil mich Weinbergschnecken so gar nicht reizen. Viel kann ich dazu also nicht sagen, meiner Frau hat es aber geschmeckt. Ich bekam ersatzweise Risi Pisi: Eigentlich das, was man sich vorstellt, aufgepeppt mit gepufftem Reis und etwas ich glaube Frischkäse. Ein durch und durch langweiliges Gericht. Aber gut: Ich hätte auch die Weinbergschnecken probieren können. Dazu ein Glas Roter, wieder aus dem Doppler, wieder von Georg Schmelzer. Was beim ersten Mal noch faszinierend war, war beim zweiten mal dann schon nicht mehr ganz so aufregend. Trotzdem: schlecht war er nicht der Cabernet Sauvignon.

Weiter ging es mit Wiener Tacos oder was sich der „Bruder“ darunter vorstellt: Eine Palatschinke, darauf dünn aufgeschnittener Tafelspitz mit Apfelkren. Spannende Idee nur leider finde ich das Potential nicht ganz ausgeschöpft. Für mich steht mexikanische Küche für ganz viel Aromen, für Pepp, für Schärfe, für Gewürze. Die im Bruder servierte Wiener Variante war all das nicht, es war eine sehr brave Umsetzung dieser Idee. Schade – dennoch der für mich beste Gang des Abends! Dazu gab es eine Flasche Pale Ale.

Als Dessert wurde dann eine Creme Brulee serviert, dekoriert mit Cornflakes und einem Kleks Heidelbeer(??)marmelade. Die Creme ganz ordentlich und auch mit schön knuspriger Zuckerschicht, die Cornflakes haben geschmacklich überraschend gut harmoniert, die Marmelade hätte ich nicht unbedingt benötigt. Ein gutes Dessert, habe eine Creme Brulee aber auch schon cremiger und geschmacklich intensiver erlebt.

Und damit waren wir durch.

Was gibt es noch zu erzählen? Das Service war durch die Bank sehr jung und auch sehr bemüht, schade war, dass man keine einheitliche Linie bei der Ansprache definiert hatte, hieß es beim einen Servicemitarbeiter „Du“, war es beim nächsten schon wieder „Sie“. Ich habe kein Problem mit „Du“, gerade in solch hippen Lokalen finde ich es passend und lässt mich ein „Sie“ noch viel älter fühlen – ich muss es dann aber halt durch durchziehen.

Die Musik steigerte sich dann auch während des Abends in der Lautstärke, nicht unangenehm, doch lauter als man es gewohnt war, man wollte dann offenbar nahtlos in eine Art Bar Betrieb übergehen.

Preislich lag das Menü (5 Gänge und 5 Drinks) bei EUR 75 pro Person. Klingt erstmal nach einem fairen Deal, war für mich persönlich für das Gebotene (immerhin EUR 15) pro Gang zumindest die Schmerzgrenze.

Um den Kreis jetzt aber wieder zu schließen abschließend mein persönliches Fazit und was mich am Meisten gestört hat: Ich wusste einfach nicht, woran ich beim „Bruder“ war. Für ein gehobenes Restaurant waren die Speisen meiner Meinung nach handwerklich einfach zu wenig. Für ein Nicht-Restaurant war die Karte einfach zu „Chichi“, zu teuer und auch ein 5 Gang Überraschungsmenü passt einfach nicht in eine Bar in der man auch essen kann. Für ein Cafe wiederrum war es mir eine Spur zu laut, für eine Bar wiederrum zu wenig Stehplätze und eine zu umfangreiche Restaurantkarte.

Mag sein, dass dies ein sehr persönlicher Eindruck ist, ich wusste aber einfach bis zum Schluss nicht, was man versucht zu sein – vielleicht hat aber eben das einen besonderen Reiz für Viele, denn gut besucht war das „Bruder“.

Würde ich wieder kommen? Ja, vielleicht, das nächste Mal aber nur noch für einen Drink oder zwei, weil in dem Bereich hat das „Bruder“ für mich seine wahren Stärken gezeigt!
Bruder / Küche & Bar - Wien
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1 Kommentar

Wenn ich dem Corti seine Rezensionen schon lese, wird mir übel.So ein selbstverliebtes Geschwurbel was der immer absondert, da krieg ich Schädelweh beim lesen.

28. Mär 2019, 01:15·Gefällt mir
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