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Sa, 15. Juni 2024

Restaurant Kim, Wien - Bewertung

am 31. Oktober 2020
SpeisenAmbienteService
Nun haben wir es also endlich ins Restaurant Kim geschafft.

Kim, oder offiziell Frau Kim Sohyi, hat sich ja in Wien einen Namen erkocht. Und nicht nur das, seit der Eröffnung ihres ersten Restaurants „Kim kocht“ 2002 hat sie 2003 erst drei Sterne, 2007 dann die erste Haube, 2008 die zweite Haube (2008) und schließlich 2010 sage und schreibe eine dritte Gault-Millau Haube erkocht. Darüber hinaus ist sie im TV in diversen Kochshows umtriebig und betreibt nun im 9. zwei Restaurants und einen Shop.

Das Hauptrestaurant auf der Währinger ist einen Steinwurf von uns entfernt und schon, als wir das „Modern Korean“ nahe der Volksoper entdeckten, das von einem Freund von Kim betrieben wird, haben wir uns vorgenommen, das Restaurant Kim auszuprobieren.

Die Latte liegt hoch und durch die Bekanntheit war uns klar, dass ein spontaner Besuch eher nicht möglich ist. Erfreuliche Überraschung beim Anruf, eine Woche später wäre ein Tisch frei. Gebucht.

Einen Tag vor der Reservierung kommt eine freundliche SMS von Kim (auch mit Smiley), wir mögen doch den Termin bestätigen. Machen wir, wir freuen uns, worauf wieder ein Smiley als Antwort kommt. Keine automatisch generierten Emails, hat was persönliches.

Das Lokal, unweit der Kreuzung Nußdorfer/Währinger ist eigentlich recht klein und gemütlich. Ein bisschen Wohnzimmer-Ambiente mit Bücherregalen, ein Raum mit ein paar Tischen im vorderen Bereich, zwei Tische im hinteren Bereich. Sehr familiär.

Die Begrüßung erfolgt sehr freundlich, COVID-Registrierungskarten liegen auf den Tischen und Getränkewünsche werden aufgenommen. Abends gibt es kein à la carte Geschäft, es gibt ein 6-8 gängiges Menü für € 100,00 exklusive Getränke, Allergien und Präferenzen werden aber brav vorher abgefragt.

Wir eröffnen mit zwei Achterl eines großartigen Gelben Muskateller und einer Karaffe Wasser mit Beeren, die automatisch eingestellt wird.

Wir sind an einem von zwei Tischen im hinteren Bereich, neben uns eine koreanisch-stämmige Familie, die den Abend sichtlich genießt. Schön.

Kurz darauf kommt Kim an den Tisch, begrüßt uns und diskutiert Vorlieben oder can’t-haves des Menus. Wir wollen uns überraschen lassen, deponieren unseren Wunsch nach Schärfe, wo passend, und bitte keine Muscheln für mich.

Was dann folgt, kann man nur mit „einem perfekten Ausflug in Kims kulinarische Welt“ und „Geschmacksexplosion“ beschreiben. Viel war’s, auch wenn jeder Gang natürlich recht klein ist, aber jeder Gang eine echte Sensation.

Kim kocht eine eigene Küchenlinie, modern, mit durchaus gut integrierten österreichischen Elementen. Die Produkte sind von Top-Qualität, das Küchenhandwerk, mit dem Kim und ihre Helferlein die Gerichte aus der Küche zaubern, ist schlichtweg zum Niederknien.

Der Service wird von einer jungen Österreicherin und einem jungen Mann, offenbar koreanischer Abstammung, souverän gemeistert. Unglaublich aufmerksam, immer freundlich, hoch professionell, besser geht das nicht.

Los geht der Speisereigen. Wir waren am Mittwoch dort, heute ist Samstag, man verzeihe mir, wenn ich nicht alle Speisen korrekt und vollständig beschreibe, aber ich werde versuchen, einen Überblick über diese kulinarische Symphonie zu geben.

Gang eins ist ein Karotten-Ingwersüppchen im hohen Schnapsglas serviert, in Begleitung einer Gemüse-Maki-Rolle. Sehr gut, leicht würzig, guter Start.

Danach kommt ein Eierstich mit Speckstreifen, tadellos. Der nächste Gang ist ein Ensemble mehrerer kleiner Vorspeisen, wie eine kleine Tapas-Galerie, ein „Fleischlaberl – koreanisch gewürzt“ finden sich dort ebenso wie ein „koreanischer Erdäpfelsalat“, geräucherter Tofu, knusprig gebratene Sardellenstreifen, zwei mit Garnelen gefüllte Teigtascherl, eine Art Rettich, schön pikant gewürzt und Sojasprossen.

Jedes Schüsserl für sich ein Genuss, alles perfekt aufeinander abgestimmt und abgeschmeckt, unglaublich gut.

Der nächste Gang ist ein roher Thunfisch auf Reis mit etwas Kandiertem, auch hier, beste Qualität, hervorragend abgeschmeckt, highlight after highlight.

Danach ein Seetang-Stanitzel mit Seezunge-Stückchen, die in Tempurateig herausgebacken wurden.

Dann kommt ein kleiner Zwischengang, ein Schüsselchen mit Olivenöl, in dem sich Granatapfel- und Pinienkerne tummeln, abgeschmeckt mit einer Kim-Eigenkreation einer sehr wohlschmeckenden Curry-Salz-Gewürzmischung. Dazu ein selbst gebackenes Brioche.

So simpel das Gericht, unsere Begeisterung war nicht mehr zu bremsen. Und als wir der freundlichen Kellnerin sagten, dass dieser Zwischengang schlichtweg zum Sich-eingraben wäre kam unaufgefordert noch eine Portion an unseren Tisch. Sehr, sehr aufmerksam.

Weiter geht’s, obwohl sich langsam Sättigung bemerkbar macht. Es folgt eine leicht pikante Suppe mit Zitronengras und einer tollen, großen Garnele und Glasnudeln. Auch hier, hervorragend abgeschmeckt, ein tadelloses Süppchen.

Nächster Gang: Wolfsbarsch mit allerlei Gemüse und Kräuter in Pergament, tadellos.

Nun waren wir schon beim Abwinken und ersuchten Kim, den letzten (Haupt)Gang, sowie das Dessert sehr klein zu gestalten, wäre ja schade drum.

Es kam eine kleine Portion Bulgogi, also kurz gebratenes, dünn aufgeschnittenes Rindfleisch, leicht pikant abgeschmeckt, absolut perfekt.

Beim Dessert musste die Liebste passen, es kam eine Dessertvariation mit Mango – Salat, Mousse au chocolat mit Ingwer , ein Gläschen Klebereis und ein kleines Schokoküchlein.

Zum Abschluss musste es für mich noch ein kleiner Espresso sein, sehr gut, wenn auch leider nicht so kurz wie bestellt.

Getränketechnisch wird man von Kim gut beraten, für uns wählte sie nach Abfrage unserer Präferenzen eine burgenländische Cuvée aus Merlot, Syrah und Blaufränkisch, war eine gute Empfehlung und eine tadellose Weinbegleitung.

Bezahlt haben wir mit Plastik (alles außer Amex wird genommen), € 330,00 inkl. Trinkgeld. Zugegeben, nicht wenig für ein Abendessen zu zweit, aber wirklich jeden Cent wert.

Ambiente, Service, Küchenhandwerk, Produkte, Küchensprache, alles, alles perfekt. Kims unprätentiöse Art, immer wieder für ein kleines Plauscherl am Gast, keine Spur von „celebrity attitude“.

War ein toller Abend und hat unsere hohen Erwartungen weit übertroffen. Ich verneige mich vor Kims Perfektion.
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