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Sa, 15. Juni 2024

Gasthaus zu den 3 Hacken, Wien - Bewertung

am 1. Oktober 2022
SpeisenAmbienteService
Gute Freunde verlassen dich nicht

Als das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ im Jahre 2021 für längere Zeit geschlossen war, versetzte mich das in einen leichten Schock. Erleichterung trat ein, nachdem ich erfahren hatte, dass es renoviert wurde und gegen Ende 2021 seinen Betrieb wieder neu eröffnet hatte.

Gute Gasthäuser haben etwas gemeinsam mit treuen Freunden. Sie können sterben, aber verlassen werden sie dich zu Lebzeiten nicht. So war also dieses schöne Stadtgasthaus vorübergehend quasi in Spitalsbehandlung mit anschließender Reha und erfreut sich nun wieder bester Gesundheit.

Es ist in den Besitz der Müncher Augustiner-Bräu Kette gegangen, womit auch deren Bier Einzug gehalten hat und es haben sich die Pächter vom nahegelegenen Gasthaus Pöschl ein Herz gefasst, den Betrieb hier zu übernehmen, gute Gasthausfreunde also, denen die Tränen in die Augen kommen bei einem Spinat mit Rösti oder Kaiserschmarren, wenn’s sowas hier nicht mehr geben würde.

Für mich als Gast hat sich nicht viel geändert, aufgefallen ist mir, dass die Decke der Stube eine Stuckverzierung erhalten hat und die Täfelungen nachgebessert wurden, aber das Wichtigste ist wohl, es lebt wieder. Es hat mich nicht verlassen.

Bedingt durch die Altbausubstanz besteht es aus mehreren kleinen Stuben, Stübchen wäre korrekter, wobei eines davon gerade 2 Tische fasst. Auf der Singerstraße befindet sich ein Schanigarten, der für eine Stadtlage extrem gut angelegt ist und einem im Sommer das Gefühl vermittelt, man sitze in einem Garten, wenn rundum alles grün verwachsen ist.


Wiener Klassiker-Trilogie

Meine besondere Empfehlung genießt dieses Gasthaus, als ich es für meine Gäste gerne wähle, wenn’s darum geht ihnen die Wiener Speisen-Trilogie ans Herz zu legen.

Das beginnt mit der klassischen Leberknödelsuppe (4,60€), bei der alles passt und die Suppe wirklich eine feine Bouillon ist. Serviert wird sie nicht immer, aber oft so, dass der Teller mit der Einlage kommt und man in einem Extra-Kännchen die Suppe eingießt. Geschmacklich sehr gut, nur gehobene Lokale können es noch besser in Sachen Kraft.

Alsdann folgt der Wiener Bröselteppich (21,80€) inkl. Beilage in ansehnlicher Originalitäts-Treue, vom Kalb, versteht sich, perfekt souffliert, versteht sich und wie ich meine aus einer Fritteuse, versteht sich für mich hier auch. Wir reden hier nicht vom Ober-Level, sondern befinden uns in einem Gasthaus.

Jedenfalls braucht es sich nicht zu scheuen vor dem City-Konkurrenten, was keine Abwertung sein soll, lediglich handhabe ich das so, wenn ich Gäste betreue, dass ich es ihnen als eine 1-er Adresse in Sachen Wiener Kulinarik ans Herz lege und wir uns im Stadtzentrum befinden.

Die Trilogie wird abgerundet mit dem urtypischen Wiener Erdäpfelsalat, auch kombiniert mit Vogerlsalat. Da passt die Schlotzigkeit der Marinade, die Festigkeit der Erdäpfel und harmoniert perfekt zum Wiener Schnitzerl.

Wenn ich zurückblicke war dies hier meine häufigste Konsumation, eben deshalb, weil ich es hier mit bewährter Freundschaft-Handschlag-Qualität für meine Begriffe ausnehmend gut zu einem fairen Preis immer wieder genießen kann und ich „Down-Town“ dabei bin.


Jüngere Besuche

Im Sommer war ich hier über mittags und genoss ein Paprikahenderl mit Nockerln, das ausgezeichnet war. Die leicht dickcremige Paprika-Obers Sauce mit sanft pikanter Paprikanote und hausmännischen Nockerln gehört zu meinen Leibspeisen und das vergleiche ich daher mit der besten Zubereitung, und das ist mein zu Hause (😊), und ich sage sie können standhalten.

Lediglich den Preis weiß ich nicht mehr, aber das war von der üblichen Tageskarte und bewegte sich im Bereich um die 15€, haut also hin.

Diese Woche habe ich mir von der derzeitigen Karte die Selchknödel mit Sauerkraut (16,10€] vorgenommen, zu dem eine Extra Sauciere mit Knoblauch-Saft’l mitserviert wird. Mann, das war göttlich, ich habe selten so einen flaumig weichen und geschmackvollen Teig gegessen, das Kraut wohlabgestimmt in seiner Säure und nur wenig Einbrenn‘, dieses Saft‘l drüber und last but not least der Selchduft, ich muss es nochmals kurz sagen: Göttlich!

Begleitet haben mich zu Beginn ein Sturm, der gerade Saison hat, und dann ein Riesling vom Wieninger (1/8l 4,80€). Alles hier Wien bleibt Wien sozusagen. 😉


Allgemeine Aspekte

Die oben geschilderten Erfahrungen mache ich hier regelmäßig, also auch bei anderen Speisen, die ich jetzt nicht alle listen kann und möchte, und wenn ich mich so recht und schlecht zurückerinnere, weiß ich hier noch von keinem Ausrutscher oder einem sogenannten Ei’fohrer zu berichten.

Kurzum wie eben ein verlässlicher und guter Freund auch ist. Und wie sich das gehört wäre ich auch mal bereit zu verzeihen, aber ich musste das hier noch nicht.

Klarerweise muss in einem Gasthaus auch getrunken werden. Ich als nur Gelegenheits-Biertrinker verweise dabei auf die jüngst hier eingezogene Müncher Bierkultur und für diese netten bayrischen Nachbarn erlauben wir die Ausnahmegenehmigung, wir sind ja gute Nachbarn mit sehr ähnlichem Schmäh, versteht sich also.

Ansonsten werden gute regionale Weine gepflegt zu moderaten Innenstadtpreisen. Ich bin da ja schon mit weit größeren Schmerzen vertraut, Preise um die 4-6€ für ein Achterl zwicken mich heute nicht mehr .

Werbung benötigt dieses Gasthaus nicht, soweit lässt sich das sagen, und wer nicht reserviert, der erhält gerade mal einen Stehplatz zu den Hauptzeiten.

Es liegt zwar mitten in der Stadt aber dennoch bereits einige Meter von den vom Tourismus breitgetretenen Pfaden entfernt, so dass ich meine Gäste schon herführen muss. An den Gästen erkennt man, dass sich üblicherweise hier nur wenige verirren.


Wertung und Empfehlung

Das Personal erhält mein ausdrückliches Wohlwollen, als die Stammkellner auch noch das richtige Wienerisch beherrschen, was meine Besuche bereichert und man auf diese Weise auch immer wieder Insider-Tipps oder ein: „Hom’s scho g‘hört, …“ zu Ohren bekommt. Man tratscht schließlich auch gerne, net woahr?

Nun, wie bewerten wir die ganze G‘schicht hier? Als ein sehr guter Repräsentant für das Wiener Gasthaus mitsamt seiner Küche in sehr urigen Stuben und einem lauschigen Schanigarten im Herzen Wiens denke ich ist ein generelles sehr gut wohl angebracht mitsamt tadellosem Preis/Leistungsverhältnis, das liebe Geld hat am Ende ja auch noch immer ein Wörtchen mitzureden.

Ich darf es als solches mit gutem Gewissen als ein urtypisches Wiener Gasthaus mit Tradition dem sowohl Wiener als auch Nicht-Wiener ans Herz legen.
Gasthaus zu den 3 Hacken - Leberknödelsuppe, sehr gute RS-Basis, der Knödel ... - Gasthaus zu den 3 Hacken - WienGasthaus zu den 3 Hacken - Schäufele - exzellentes Krusterl, sonst recht ... - Gasthaus zu den 3 Hacken - WienGasthaus zu den 3 Hacken - Der perfekte Schnitzelgenuss - für mich geht's ... - Gasthaus zu den 3 Hacken - Wien
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