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Sa, 22. Juni 2024

Das Bootshaus Alte Donau, Wien - Bewertung

am 22. Juli 2023|Update 24. Jul 2023
SpeisenAmbienteService
Das Bootshaus – mehr als nur Ruderclub

Im Jahre 2019 hatte ich den ersten Kontakt mit dem neuen Bootshaus, welches das Lokal Neu Brasilien an der Alten Donau abgelöst hatte. Übernommen hat es der Querfeld Clan, der ja einige sehr renommierte Kaffeehäuser in Wien betreibt und von der auch die Landtmann Patisserie nicht unbekannt ist.

Näheres lässt sich aus der Historie auf der HP lesen, wen es interessiert, so erfährt man auch, dass die Familie Querfeld etwas mit dem Rudersport am Hut hat. Ich jedenfalls war damals sehr angetan von dem sich mir anbietenden neuen Style und das an diesem schon regelrecht Idyllisch anmutenden Ort an der Alten Donau.

Es reichte damals nur für einen Kaffee-Stop, aber es war klar, das muss noch genauer erforscht werden. Leider kam dann die Corona-Zeit, so geriet es fast in Vergessenheit, aber unlängst war ich wieder auf der Suche nach guten Lokalen mit Fisch und das am Wasser. Sommer, Sonne, Wasser und dazu gutes vom Grill oder Fisch, yeah, das treibt an.

Nach einer weniger zufriedenstellen Annäherung an die Orte der Alten Donau mit einem Besuch der Alten Kaisermühle, wo ich überlege, ob ich dazu überhaupt rezensiere, folgte dann ein sehr erfreuliches Erlebnis mit dem Bootshaus. Und allzu viele Plätze hat Wien dazu ja nicht zu bieten.


Das übliche Forechecking

Ich war etwas zu spät für eine Reservierung am Abend, so musste ich mit der Uhrzeit um 16:30 Uhr vorlieb nehmen. Gut, dass es nur 29 Grad (huch) hatte. Das Erlebnis der Abendstimmung und dessen angenehme Kühle muss zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Aber es lockt schließlich auch die Kulinarik.

Angekommen war es nahezu leer, sodass wir freie Platzwahl hatten und natürlich sofort die Schattenflucht ergriffen haben. So aber verschafften wir uns eine sehr schönen Platz am Rande mit Überblick und hatten von dort aus auch eine passabel Aussicht auf das Wasser. Eines der Fotos erfolgte aus der Perspektive unseres Sitzplatzes.

Erwähnenswert ist der Relaxing-Bereich mit Liegenstühlen und Sand. Man kann sich dort ebenso zwanglos platzieren, hat daneben einen Tisch um Drinks zu genießen, oder sich nach üppiger Mahlzeit einem kleinem Power-Napping hinzugeben, um sich im Anschluss noch ein Nachspeiserl einzuverleiben, ja wenn‘s halt noch geht. 😉

Last but not least überzeugt auch der Innenbereich mit nobler und recht gediegener Einrichtung im britischen Stil, sodass es auch für die weniger warme Zeit bzw. bei Schlechtwetter eine Alternative darstellt, dann halt das Programm ohne Sonne und Wasser.


Kartenstudium

Ein wenig stöberte ich online, wie das schon gang und gäbe ist. Die Karte teilt sich in eine Frühstückskarte, allerdings nur für Sa, So und Feiertag, an diesen Tagen ist schon ab 9 Uhr geöffnet, und die Speisekarte an sich. Der Schwerpunkt Fisch und Meer ist nicht zu übersehen, aber es gibt auch Ländliches wie Huhn oder Lamm.

Holzkohle ist aber nicht angesagt, soweit die Info des Kellners. Das Angebot erweitert sich noch mit einer Gin-Karte, und ja, auch der Negroni hat in 2 Varianten Einzug gehalten. Das merke ich mir gerne vor.

Die Weinauswahl ist eher bescheiden, aber eine gute Bekanntschaft machte ich hier wieder mit dem Weingut Hagn, was ich schon von Landtmanns Jausenstation in Schönbrunn kenne, sein GV und Muskateller sind ganz meine Richtung.

Bierliebhaber können aus Ottakringers Brauerei wählen zwischen einem saisonalen Craft Bier, mir noch unbekannt, das Helle oder dem Roten Zwickl mir sehr bekannt, letzteres jedenfalls immer eine Empfehlung.

Was mir abgeht wäre eine Auswahl an Whiskys. Im Innenbereich des Bootshaues fällt unschwer der englische Look ledergepolsterter Chesterfield-Sofas auf, dazu ein Kamin, ja wo bleibt dann ein dazu passender Single-Malt? In der Hinsicht hat man m.E. noch etwas Potential nach oben.

Zuletzt noch, wie schon erwähnt, Landtmanns Patisserie. Insgesamt schafft man einen recht gekonnten Spagat über mehrere Disziplinen, sodass man Besuche als Wochenend-Brunch, für Kaffee & Kuchen oder wie in unserem Fall zu Fisch und Grill am Wasser planen kann.

Und falls man sich rechtzeitig um die Reservierung kümmert, dann auch in romantischer Abendstimmung, in der Linken einen Negroni, in der Rechten eine Zigarre, nicht wegzudenken der passende Partner, im Liegestuhl sich räkelnd mit Blick auf die untergehende Sonne. Wenn halt auch der Herrgott mit im Boot sitzen möge, das alles genau so zu ermöglichen. 😊


Kulinarische Einblicke

Nun etwas dazu, was uns am Besuchstag ermöglicht wurde. Nach Kartenstudium entschieden sich meine Begleitung und ich für eine gemeinsame Vorspeise Ährenfische um 15€, begleitet mit Limetten-Mayo-Dip. Die frittierten Mini-Fischerl überzeugten mit einer, wie man denglisch sagen würde crispy, cruchy Note, ich würde sagen knackig und würzig. Der Saucen-Dip dazu erstklassig.

Sie waren lediglich an Menge eine Überforderung, nicht einmal zu zweit packten wir das. Wir beließen sie am Tisch, da man uns fragte schon die HS servieren zu können. Damit hatten wird dazu eine etwas ungewollte, aber durchaus lässige Pommes-Frites Ersatzbeilage.

Zu den Hauptgängen wechselte meine Begleitung von Fisch auf Fleisch, nennt sich Speducci Lammspieße um 25,50€, recht klein aufgetragen, aber dafür 9 Stück, an Menge mehr als genug.

Sehr gut mariniert, auf einer Unterlage mit einem Mix aus Gewürzen, die man für sich gar nicht ausnehmen konnte, aber gut harmonierten. Weniger überzeugten die Beilagen, als marokkanischer Bulgar Salat, der zu sauer mariniert war oder die Tzatziki, die definitiv nur ein Rahm-Gurken Salat waren, als solcher aber wenigstens passabel.

Nun, gut, dass wir unsere „Pommes-Frites“ hatten, das schaffte einen passenden Ausgleich.

Ich entschied mich bei Fisch & Co zu bleiben und orderte Bootshaus Paella um 25€, im Reinl serviert. Aus dem Wasser gab es dazu Kabeljau, zwei Black Tiger Garnelen, leider nicht ausgelöst, für mich immer ein Autsch, aber ok, dann wird es halt ein wenig "Fingerfood", etwas Calamari, Oktopus, zwei Miesmuscheln in der Schale, das Ganze vermengt in einem saftig würzigen Safranreis.

Schon das erste Ankosten überzeugte, erstklassig, mit Safran nicht wurde absolut nicht gespart, was schon die gelbe Farbe verrät, also intensiv, es geht etwas in Richtung Risotto, und die Meeresfrüchte kamen nicht zu kurz. Ich habe da für mich einen Favoriten entdeckt.

Am Nebentisch wurden zwei Gänge Fish & Chips erspäht, optisch tadellos, in Backteig herausgebackene Fischstücke, damit habe ich für meinen nächsten Besuch schon eine weitere Wahl gefunden.

Lediglich der gesichtete Pommes-Frites Berg überzeugte nicht, das waren aber echte, jedoch nach Einsicht in die Karte steht das gar nicht gelistet. Alles klar, Herr und Frau Österreicher können anscheinend ohne dies nicht leben. Ich schon, und ich habe dazu meine eigene Variante gefunden, frittierte Ährenfische, Wö‘tklasse, ich kann‘s nur empfehlen. 😉


Service & Wertung

Unser Kellner war ein Goldgriff, man erlebt selten diese Perfektion an Höflichkeit, Zuvorkommen, immer parat, stets immer ein Auge auf den Gast, auch als sich das Lokal gegen 19:00 Uhr allmählich zum Bersten füllt, rasch zur Stelle, wenn sich die Hand leicht zu heben beginnt, kein Funke an Stress wahrnehmbar und auch gewürzt mit Humor, wie ich das selbst gerne anstoße, kurzum ein Ausnahmekellner.

Ich denke schon, dass man beim Landtmann grundsätzlich Wert auf gutes Auftreten und professionelle Bedienung legt, in dem Sinn werte ich den Service mehr nach meiner allgemeine Erfahrung mit den Querfeld-Betrieben, das aber schon mit einem Sehr gut.

Das Preisniveau ist für die Performance, die man hier an den Tag legt, in meinen Augen mehr als nur fair, für mich korrekt kalkuliert, ja auch der Espresso hat nicht das Niveau „Frechheit“, und bleibt mit 5,50€ für den Großen im Rahmen.

Die Vielfältigkeit, die dieses Lokal bietet verbunden mit der erstklassigen Lage am Wasser wird mit Sicherheit nicht nur positiv im Gedächtnis einen festen Speicherplatz erhalten, sondern es wird alsbald nach einer neuen guten Gelegenheit gesucht, sei es ein Wocheend-Brunch oder Sonnenuntergang bei … , ja ich sagte das eh schon. 😉

Beim Verlassen des Lokals um ca. 19:15 Uhr mussten wir uns regelrecht an einer Warteschlange vorbeikämpfen. Nun, wenn da nicht reserviert wurde, für Glücksritter ist derzeit keine Saison. Selten aber so zufrieden von dannen geschritten! Möge das so bleiben.
Das Bootshaus - Ährenfische - Wö'tklasse - Das Bootshaus Alte Donau - WienDas Bootshaus - Paella - überzeugte auf allen Ebenen - Das Bootshaus Alte Donau - WienDas Bootshaus - Speducci Lammspieße - in Summe recht gut - Das Bootshaus Alte Donau - Wien
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