In der Umgebung
Do, 18. Juli 2024

Casa Miorita, Wien - Bewertung

am 29. Jänner 2023
SpeisenAmbienteService
Rumänisch – aber authentisch

Casa Miorita, das Lokal habe ich auf der ReTe-Plattform aufgenommen, möglicherweise kennen es zu wenige Wiener, ich war deren einer, von Rumänen geführt und durchwegs von rumänischen Gästen besucht. Eine gute Freundin meinerseits wiederum erfuhr davon von einem (rumänischen) Kollegen, so gelangte der Tipp dann zu meinen Ohren.

Ich sehe immer wieder gerne über den Tellerrand der Wr. Küche hinaus, um Neues kennenzulernen, so bot sich eine Gelegenheit ein wie es scheint recht authentisches Lokal rumänischer Prägung auszuprobieren. Meine Bekannte war vor längerer Zeit einmal hier, konnte sich aber nur an riesige Portionen erinnern. Es wurde nun für ein gemeinsames Treffen inspiziert.

Diese Freundin ist wie ich für authentische Küche aller Art zu begeistern, ihr Mann ist auch mit von der Partie, damit haben wir die Chance ein gewisses Repertoire an neuen Speisen zu gustieren.

Das Lokal, unweit von der U3-Station Schweglerstraße, davor ein Schanigarten, hofseitig ein Gastgarten, erscheint beim Betreten schlicht, ein Raum und eine kleine weitere Stube. Es ist 13.00 Uhr und noch nicht frequentiert. Das sollte sich ändern, nach und nach belegt es sich recht gut, und ja, alles Rumänen. Die Ausländer sind heute eindeutig wir.

Mit dem Kellner müssen wir auf Englisch kommunizieren, gegen Ende ist der Chef zu unserem Tisch dazugestoßen, der ausreichend Deutsch spricht und uns recht herzlich in Empfang genommen hat. Ich find’s aber spannend, wenn‘s mal nicht so 0815 abläuft.


Eröffnung mit leichten Hindernissen

Ich ersuche den Kellner mich zu beraten, die dargereichte Karte ist für’s erste schwierig zu studieren, meine anfängliche Unsicherheit bildet eine kleine Hemmung. Jo, wos waß denn i, was Herr und Frau Rumäne so üblich essen. Online gibt es keine Informationen um zu schnuppern und sich vorzubilden, also Neuland pur, aber die Empfehlungen klappen sehr gut, wenn auch die Verständigung leichte Hindernisse darstellt.

Die Frage nach Aperitif wird umgehend umgesetzt, besteht aus 3 kleinen Schnäpschen, serviert in recht netten Ton-Häferln in angepasster 2cl Größe, in ihrer Landessprache Palinca genannt und „from the prună” wie mitgeteilt wird. Ah jo, eh kloa, ähm ... und wos is des?

Eine kurzer Test liefert ziemlich schnell die Lösung, bevor man den Google-Translater quälen muss, a Zwetschkana, an sich wollte ich das nicht, aber da standen sie nun in den putzigen Häferln. Zwetschke scheint ein Standard südlich von Österreich Richtung Balkan zu sein, kräftige 51%, aber einer von den guten und wie wir am Ende vom Chef erfahren selbstgebrannt. Oiso runter damit.

Bei der Weinwahl verlange ich nach der Hausmarke, auch sie wird im Tonhäferl serviert. Wein im Häferl? Urig, aber ok ist rumänisch, sage ich mir, mild, gegenüber unseren eher wie g’wassert, mehr ein Fruchtsaft, nicht unangenehm, aber halt recht schwach, der leichte Begleiter sozusagen um leichte 2,70€ pro 1/8l.

Meine Partner verlassen sich lieber auf das heimische Bier, von dem es das Villacher offen gibt, österreichischer Standard, muss nicht weiter beschrieben werden, um übliche 4,90€ das Krügerl.


Vorspeisen

Meine gute Freundin verzichtet auf die VS, die Männer nicht, es wird eine Bohnensuppe im Brotlaib auserkoren, wo man also die Schale mitessen kann, quasi umweltfreundlich.

Die Suppe mundet nach gutem Gemüsefond, ordentlich gefüllt mit Karotten, Speck und vielen weißen Bohnen, milde Würzung aber tadellos. Rumänisch? Keine Ahnung, dafür sehr gut. Mit 9,90€ ein recht stolzer Preis, aber von der Menge m.E. eine HS, gut dass mein Freund ein guter Esser ist.

Meine Wahl fiel auf ein authentisches Gericht, wie man mir versichert, Boeuf-Salat, 5,40€, klingt gut, auch nach meiner Vorstellung, besteht aus Erdäpfeln, Karotten, Essiggurkerln, sanfter Würzung mit Mayonnaise vermischt, aber die Fleischkomponente ist Huhn anstelle Rind.

Unsere Tisch-Dame googelt inzwischen, da sie Zeit hat und findet das Gericht auch, wo traditionell schon mit Rind zubereitet steht. Der Blick in die Speisekarte gibt aber der hiesigen Art recht, es steht mit Huhn auch so drinnen.

Warum man es dann „Boeuf“ nennt, wollte ich angesichts der Sprachbarriere nicht klären, ich belasse es mit „war so auch gut“, kein Highlight, aber dafür üppig. Ich denke, dass Rind einen besseren Effekt erzielen würde, aber dazu müsset ich es erst auf diese Weise erproben. Ich nehme es mir als Anregung für @home.

Von der Menge her optisch zunächst unscheinbar, entpuppt sich aber als Kalorienbombe, so begnüge ich mich mit der Hälfte, ansonsten wäre hier der Boxenstopp oder das rasche Aus unweigerlich.


Hauptspeisen

Wie im Vorfeld abgesprochen wählen wir jeder ein anderes Gericht, kosten aber voneinander, die Dame Goldbrasse gebraten bzw. gegrillt (16,90€), bei der sich der Holzkohlenduft betörend über den Tisch ausbreitet, im Ganzen serviert und dazu ein wenig Gemüse, das aber an Menge zu kurz geraten ist.

Der Fisch ist 1A. Wäre auch für mich eine 1er-Wahl und der Preis an sich eine Okkasion, bedenkt man, dass dafür beim Italiener bereits bis zu 40€ und darüber berappt werden muss, aber ich sagte schon, das Thema lass ma. Manche schaffen’s wie man sieht auch anders und entgegen dem Trend, ohne an der Qualitätsschraube zu drehen.

Der Herr will’s bodenständig, das Miorita Huhn (12,90€), in der Art wie bei uns als Hühner-Geschnetzeltes in Paprika-Rahm-Sauce bekannt, die Paprikanote sehr milde, als Beilage Erdäpfel, war möglichweise die einzige rumänische Art, ansonsten hätte ich gesagt ich bin beim Wirten ums Eck. War deshalb nicht schlecht, aber auch nicht berauschend.

Ich habe dem Kellner schon gesagt, für mich unbedingt rumänisch pur und wir erzielen eine Einigkeit mit „Sarmalute in voi de varza“ (10,90€), auf Deutsch Krautrouladen nach Art des Hauses. Ich war mit meiner Wahl aber am wenigsten zufrieden von uns dreien.

Das Kraut letschert, kein Saft, insgesamt kaum Kraft, die Fülle mit zerhacktem Fleisch aus geschmorten Ripperln war Gott sein Dank ein Ausgleich, die Begleiter dazu fade und dürftig. Eine Polenta, nicht wirklich Geschmack und ein purer Sauerrahm ohne wirkliche Zutaten.

Das habe ich schlicht gegen die superüppige Knoblauch-Öl-Mischung eingetauscht, welche unserer Fisch-Dame übriggeblieben ist und damit gab ich dem Gaumen zumindest diesen Kick.


Nachspeisen und Nachklang

Insgesamt geht kaum mehr, aber eine gemeinsame NS sollte noch drin sein. Die Wahl überlasse ich meinen Begleitern, die sich "Papanasi", Topfenkrapfen wünschen. Eine Portion für zwei um 10,90€ gesellt sich rasch in unserer Tischmitte. An sich geht hier alles recht flott wie ich nun bemerke.

Außen sind sie in einer Art Brandteig gebacken, was das genau ist, sorry passe, mir persönlich munden sie nicht sonderlich. Der Topfenteig mehr wie Biskuit, aber den anderen passt es. 2 Stück lassen sie sich einpacken, es gibt zu Hause noch hungrige Kindermäuler, die sie damit stopfen werden. Wir aber sind pappsatt.

Ich war an sich schon angespeist von dem öden Sauerrahm meiner HS und finde ihn nun auch hier als Unterlage vor, aber die Heidelbeeren sind Klasse. Die knöpfe ich mir einzeln vor und muss mich tummeln, denn darauf haben meine beiden Gegenüber wohl auch ein Auge geworfen.

Als Kaffee-Junkie muss ich den immer probieren, aber boah, da kam nicht wirklich meine Sorte daher. War der rumänisch? Wiewohl Espresso ristretto und groß (4,90€) geordert und man sogar eine Crema erspäht, so mutiert das Gebräu im Mund rasch zum Instant-Produkt, und das umso mehr, je mehr sich der Kaffee abkühlt, brrr, kein Bedarf.


Resumee und Versuch einer Wertung

Es ist schwer nach einem einzigen Besuch eine objektive Wertung vorzunehmen. Der Service ist bemüht, die Sprachhürde ist zu meistern, der Chef am Ende nett und entgegenkommend, aber insgesamt kommt doch das Feeling auf, eine Seite von uns ist Ausländer. Wir etwa? Für Rumänen null Problem, für Wiener möglicherweise störend.

Das Ambiente könnte ich als schlichtes Wirtshaus beschreiben, nicht aufregend, den Garten konnte ich nicht einsehen, soll angeblich schön sein, insgesamt werde ich ein Durchschnitts-Gut dafür vergeben.

Noch schwerer tue ich mir bei den Speisen. Dafür reicht ein Besuch nicht. Es gibt vermutlich tolle Sachen, und es gibt, sagen wir mal gewöhnungsbedürftige Sachen, vielleicht ist der Level doch etwas zu durchschnittlich. Jedenfalls zeigen die Preise, dass man nicht gehoben rüberkommen will und der rumänische Arbeiter hier gut aufgehoben ist.

Es besteht kein wirklich großes Verlangen nochmals herzukommen, die Erwartungshaltung war deutlich höher. Darin ist meine getreue Freundin und Essensgenossin mit mir einhelliger Meinung, aber es ist auch nicht so, dass man für das Lokal keine Empfehlung aussprechen müsste.

Dafür kennen wir insgesamt die rumänische Küche nicht, oder aber sie ist von unserer bodenständigen gar nicht so weit weg. Wie ich festgestellt habe, sind Parallelen erkennbar, auch beim Kaffee, der in manch einfachem Wirtshaus auch bei uns zum Ausspucken ist, nur verfügen wir als Wiener naturgemäß über etliche Möglichkeiten mehr.

Wirkliche rumänische Gerichte, die entschieden von unser Küche abweichen, habe ich zumindest bei den 6 Gerichten, die wir gespeist haben, und die auch vom Kellner als typisch angepriesen wurden, nicht wirklich entdecken können. Sie mögen authentisch sein, aber dann würde ich unsere Art sie zuzubereiten bevorzugen.

Wir benötigen in der Hinsicht noch mehr Erfahrung, in dem Sinne werte ich, die Höhen und Tiefen ausgleichend, auch die Speisen mit einem Durchschnitts-Gut, und am Ende ist es ja immer subjektiv.

LG, der Wrk-Fan, der es damit vorerst auch noch bleiben wird. 😊
Casa Miorita - Aperitif - 2cl Häferl - Bruna 51% - Casa Miorita - WienCasa Miorita - Der Hauswein - ja, wirklich :-) - Casa Miorita - WienCasa Miorita - "Boeuf"-Salat - zubereitet aber mit Huhn - Casa Miorita - Wien
Hilfreich6Gefällt mir4Kommentieren
Konto erstellen
Schon Mitglied?
Indem Sie fortfahren, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung einverstanden.
E-Mail
Benutzernameautomatisch
Passwortautomatisch
Indem Sie fortfahren, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung einverstanden.