Ich war mit einem Freund unterwegs, wir kamen gerade von einem Café, bei dem wir einfach ignoriert wurden, waren hungrig, grantig und es war einer der kältesten Tage in Wien.
Wir entschlossen uns für eine Abkürzung Richtung Mariahilferstraße und gingen durch eine kleine Seitengasse, blieben aber vor einem Restaurant stehen und sahen uns die Karte an.
Es war eines dieser Restaurants, in das ich, aufgrund der für mich teuren Preise, nicht hingehen würde. Doch draußen waren aber Mittagsmenüs angeschrieben, ein 3- Gänge-Menü für 8,90 Euro.
Das Tagesmenü sagte und zu:
Gegrillte Fetakäse im Speckmantel auf Eisbergsalat
Filetspitzen in Senfrahmsauce mit Butternockerl
Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster
Und das Vegetarisches Menü:
Gegrillte Fetakäse mit Sesamkruste auf Eisbergsalat
Käsenockerl mit Salat
Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster
Wir überlegten kurz und gingen rein, es war 14 Uhr und ich glaube wir waren die einzigen dort. Der Kellner begrüßte uns freundlich und wir setzen uns auf einen Platz unserer Wahl.
Leider war die Heizung ausgefallen, daher war es sehr kalt, aber er brachte uns einen Heizstrahler, auch wenn dieser leider nicht viel half.
Der Kellner war sehr nett und aufmerksam und hängte uns beiden auch unsere Jacken auf.
Später kamen auch ein paar Franzosen mit denen er französisch sprach.
Das Ambiente wirkt gehoben, gemütlich aber elegant. Das Kirschholz wirkt warm und die Tische sind einfach gedeckt.
Da es nah am Volkstheater ist hängen dort viele Autogramme und Zeitungsartikel bekannter Darsteller. Die Musik ist, bei dieser Örtlichkeit, natürlich klassisch.
Die Vorspeise, bzw. der erste Akt, wie sie es dort nennen, war köstlich.
Das Dressing und der Fetakäse auf Eisberg Rucula Salat waren einfach gut.
Dann kamen die Filetspitzen in Senfrahmsauce mit Butternockerl und die Käsenockerl mit Salat, wobei der Salat erst kam als ich schon die Hälfte verputzt hatte, der Kellner hatte darauf vergessen und sich entschuldigt. War für mich persönlich aber nicht tragisch.
Die Portion war normal, sie sah auf dem Teller gar nicht mal so groß aus, trotzdem taten wir uns beide schwer alles aus zu essen, schafften es aber doch :)
Die Filetspitzen waren schön weich und die Butternockerl sind bestimmt selbstgemacht, sie sahen auf jeden Fall nicht aus wie welche aus einer Fertigpackung.
Die Käsenockerl waren ganz anders als ich es gewohnt war, ich nehme an es war eine Käseobersauce, es schmeckte nicht wie diese typischen mit Käse überbackenen Nockerln, sonder anders und zwar gut anders!
Es war etwas neues für mich und genau nach meinem Geschmack.
Doch das Highlight war die Nachspeise, wir waren beide schon satt, aber diesen Kaiserschmarn konnte man nicht stehen lassen. Es war der beste den ich bisher je gegessen hatte.
Er war weich und fluffig genau wie er sein soll, mit Rosinen darin und obwohl ich gar keine mag, haben sogar die mir geschmeckt! Ich weiß nicht wie ich diesen Kaiserschmarren beschreiben soll, aber er war auf jeden Fall etwas besonderes.
Das Mittagsmenü ist sehr empfehlenswert, 3 Gänge zu einem Spitzenpreis die satt machen, gut schmecken und ein nettes Ambiente. Wie der Wein ist kann ich leider nicht beurteilen, da ich keinen trinke.
Es gibt jedenfalls viel Auswahl und einen eigenen Weinkeller.
Dieses Restaurant werde ich, zur Mittagszeit, wieder besuchen.
Manchmal macht es Spaß Tourist in der eigenen Stadt zu sein :)
Offenbar wird dieses Lokal in Fremdenführern als "Geheimtipp" empfohlen. Es bezeichnet sich ja auch selbst als "Wiener Edel-Beisl".
Das führt dazu, dass sich Russen, Deutsche, Schweizer, Amerikaner & Co. an einem lauen Sommerabend in dem eher kleinen Schanigarten eng zusammen setzen.
Die Gaststube ist sehr schön in Kirschholz gestaltet und liegt einige Stufen unter Straßen-Niveau.
Sogar die etwas enge Toilette ist noch stilgerecht mit geätztem Glas versehen. Fotos folgen demnächst.
Der Kellner, den wir hatten war ein alter Profi, der es zu seiner Erleichterung auch mal genutzt hat, dass ihn so mancher Gast nicht versteht.
Die Küche ist allerdings ein Voll-Hammer. Mich hat im Vorbeigehen die auf den Tafeln angekündigte Kalbsleber mit frischem Majoran und Erdäpfelpüree angelacht, was mich dann auch zur Einkehr bewogen hat.
Die Stücke der Leber waren so butterweich, dass man größere Teile nicht schneiden musste, sondern einfach mit der Gabel auseinander drücken konnte. Saftl perfekt, das Püree selbst gemacht, köstlich. Frage mich, wo der die geschmackvollen Erdäpfel um die Jahreszeit her hat. Das Püree wurde selbstverständlich extra gereicht. Die Portion war so groß, dass ich echte Probleme damit bekam.
Mein Mann hatte hausgebeitzten Lachs auf Salat mit einer selbstgemachten Sauce mit geschroteten Pfefferkörnern drinnen. Perfekt.
Die Karte ist recht umfangreich, dazu gibt es Tages-Spezialitäten.
Bier ist das Pilsner Urquell. Dass hier kein österreichisches Bier angeboten wird, stört mich etwas. Die Weinkarte ist umfangreich, und wie immer: Ich kann sie nicht beurteilen.
Dort wird noch so richtig selbst gekocht, kompetent mit handwerklichem Geschick, mit sehr guten Grundprodukten.
Und das schmeckt man wohltuend.
Die Preise sind für Wiener (Beisl-) Verhältnisse gehoben, aber berechtigt.
Wenn ich mir jedoch so manchen Lokal-Tipp für "landestypische und internationale Küche" in Paris, Rom, London, Rom, Brüssel usw. vor Augen führe, ist diese Lokal vergleichsweise extrem preisgünstig.
Man kann mit Gästen aus dem Ausland gerne hier her kommen, die "Wiener Flair" schnuppern wollen, denen man aber den Kulturschock eines echten Wiener Beisls ersparen möchte ;) Und selbstverständlich kann man auch zum ganz persönlichen Vergnügen hier her kommen.
Das Lokal ist nicht rollstuhlfreundlich.Was meinst du zu dieser Bewertung?Hilfreich?Ja4NeinGefällt mir3Lesenswert2
Kommentar von Thomas am 04.11.2011
Der Touristenfang schlechthin.
Obwohl die Speisekarte nicht besonders umfangreich ist, sind die Gerichte geschmacklich gerade mal Durchschnitt.
Ob hier wirklich soviel selbst gekocht wird wage ich zu bezweifeln.
Als Nachspeise bestellten wir dann dummerweise auch noch Topfen und Zwetschkenknödel - wieder ein Fehlgriff.
Ich glaube diese teigige Klumpen von Knödel steckt mir heute noch im Hals.
Bei den Getränken wird auch abgezockt. Nach einer sehr guten 1. Flasche Wein, meinte der Kellner er hätte den selben noch "offen" und stellte uns anschließend für den selben Preis "irgendeinen" Wein hin. Offensichtlich funktioniert dieser alte Schmäh immer noch (bei uns hat er ja auch funktioniert) ...
Kurz zusammengefasst: Ein Alt Wiener Beisl mit kitschigen Wiener Charme, mittelmäßigen bis unterdurchschnittlichen Essen, Grantig-freundlicher, Bedienung, relativ teuerem Billigwein und engen Sitzgelegenheiten.
Empfehlung: Suchen Sie sich ein anderes Lokal, bei dem Sie nicht abgezockt werden. Gefällt mir
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