Mit Sicherheit eines der gehobeneren italienischen Restaurants in bester und nobelster Innenstadtlage nahe am Stephansdom. Dementsprechend ansehlich das Interieur des Lokals, welches dezent elegant einen gemaessigten Luxus zelebriert. Das Personal wirkte professionel, freundlich (den Damen wurden die Jacken abgenommen, aufgehaengt und auch wieder angeboten). Speisekarte war vom Inhalt her nicht sehr umfangreich, andererseits machte sie auf mich einen Eindruck, das hier weniger auch mehr ist.
Aperetif: Campari Orange mit frisch gepresstem Orangensaft.
Sehr gute Mischung, sogar noch mit Fruchtfleisch.
Brot und Olvenoel: Wahrscheinlich selbstgemachte Brotsorten u.a. auch Olivenbrot mit wirklich grossen Olivenstuecken im Brot. Auch das Oel war sehr aromatisch und gut geeignet als Dip.
Vorspeise: Die toskanische Tomatensuppe mit Brot machte einen sehr frischen und fruchtigen Eindruck. Gut gewuerzt und verfeinert mit frischem Parmesankaese, welches vom Personal frisch von der Muehle hineingerieben wurde.
Hauptspeisen:
Die Parpadelle war al dente mit mildschmeckender Wildschweinwurst und karamellisiertes Weisskraut.
Die Suesse des karamelisierten Weisskohls und die deftige Wurst harmonisierten sehr gut miteinander.
Gegrillte Calamari auf Salatbeet. Nicht zu kleine Portion.
Machten einen frischen Eindruck. Haetten etwas laenger auf dem Grill bleiben koennen.
Saibling auf Mangoldgemuese und geroesteten Pinienkernen.
Der Fisch etwas trocken, das Gemuese schmackhaft und die geroesteten Pinienkerne eine Geschmacksexplosion im Mund.Sehr gut!
Dessert:
Apfeltiramisu: Der Satan erscheint fuer mich in Form von Tiramisu. Er verfuehrt mich staendig, ich suendige und geniesse und am naechsten Tag habe ich wieder Probleme mit meinen inneren Organen, deren Auswirkungen ich nicht naeher eroertern moechte. (Oh SATAN, weiche von mir!)
Verschiedene Sorbetkugeln: Sehr eindrucksvoll ist das Basilikum Sorbet. Bei Gelegenheit unbedingt einmal kosten!
Espresso: Enttaeuschend duenne Crema. Jede Nespressomaschine kann das besser! Bemuehts euch mehr um den Kaffee, bitte!
Rotwein: Name ist mir leider entfallen. Sehr intensiver Koerper, vollmundig, haette sicher sehr gut zu schwereren gerichten gepasst.
Preise waren sicher gehoben im Vergleich zu den Italienern an der Ecke, aber denoch durchaus preiswert fuer das gebotene.
Italienisch fuer Fortgeschrittene wuerde ich sagen.Was meinst du zu dieser Bewertung?
So gerne ich mich auch durch die italienische Küche durchkoste: mit Florenz kann keine Stadt Italiens mithalten. So ist es auch wenig verwunderlich, dass die Cantinetta zu meinen absoluten Favoriten in Wien zählt.
Die Highlights:
1) die Tomatensuppe ist ein absoluter Favorit. Süffig, fein & Welten von dem dünnen roten Wasser entfernt, das auch andere solide italienische Lokale in Wien als Tomatensuppe anbieten. Das Personal bietet auch gerne ein wenig frisch gehobelten Parmesan dazu an, was den Geschmack auch sehr fein ergänzt.
(Der Parmesan selbst ist vielleicht die einzige Schwäche, da "nur" auf einen soliden, generisch schmeckenden Parmesan zurückgegriffen wird: in der Suppe macht sich alter Parmesan IMO aromatisch aber wesentlich besser. Nitpicking, I know...)
2) Fleisch wird souverän zubereitet: hier sind Enttäuschungen rar. Sehr fein die dünnen Kalbsschnitzel mit Pasta und Zitronensauce. Auch ist immer wieder ein echtes, prächtiges Bistecca alla Fiorentina zu haben - eine Sensation für Wien! Ich meine: dagegen kann fast jedes Steakhouse in Wien einpacken.
3.) Bei der Pasta kann man wenig falsch machen. Ich würde von den Varianten mit Fisch und Meeresfrüchten absehen (das können andere in Wien noch besser), und mich den Varianten mit Wildschweinwurst, Salbeibutter und Ricotta zuwenden, die systematisch beeindruckend fein abgestimmt sind.
Gerne beklagen sich nur Fans letscherter Wiener Pasta, da hier al dente als Konzept noch verstanden wird: Nudeln soll man kauen müssen.
4.) Weiße Trüffel (wenn verfügbar): esse ich in Wien nur hier.
Natürlich ist nicht alles auf der Karte super: das Carpaccio z.B. ist so weit vom Harry's Bar-Niveau entfernt wie jedes andere in Wien. (obendrein von Besuch zu Besuch immer wieder unterschiedlich dick geschnitten & angerichtet - einer der wenigen echten Fauxpas des Lokals. Ein gleiches Gericht muss immer gleich gemacht werden!)
Auch ärgern manche verpasste Chancen: so kommt bei Salaten und manchen Speisen systematisch ein sehr öder österreichischer Essig zum Einsatz (was vom Personal auch gar nicht bestritten wird: Pluspunkte für Ehrlichkeit!), wo Norditalien gerade hier viele feine Alternativen böte.
Auch sind die Nachspeisen nicht so gut, wie sie sein könnten: die Crême Brûlée ist mir ein wenig zu hoch angerichtet (Crunch-zu-Creme-Verhältnis!), das Tiramisu schmeckt ein bisserl nach Kühlschrank. Schade! Dafür sehr feiner Grappa.
Das Ambiente ist fein: das Lokal ist stellenweise ein wenig eng, was aber nur zur Stimmung beiträgt. Sicher keine komplett lockere Stimmung, aber das Lokal hält sich nicht für feiner, als es real ist, und das Personal vermeidet, zu prätentiös zu wirken.
Apropos: der Service ist nicht nur freundlich (was ja eine Glückssache ist), sondern v.a. professionell!
Wirklich fair auch die Preise: sicher keine Ausmästung um 4,80€, aber andere verlangen in ähnlicher Lage bei schlechterer Qualität das 1,5-fache. Wer mit 60€ pro Person rechnet, wird keine zu böse Überraschung erleben.
Großteils ist der Preis so oder so von der Weinauswahl abhängig: da ist freilich im wahnsinnig gut sortierten Keller preislich alles nach oben offen. Ich mag: Torcicoda, ein wunderbarer & recht fair kalkulierter Primitivo. Nicht typisch für Florenz, aber angenehm kräftig, nicht zu komplex und ein guter Fit zu meinen favorisierten Speisen.Was meinst du zu dieser Bewertung?
Teuer ist vielleicht für die Cantinetta nicht fair, denn Angebot und Service sind wirklich angemessen, billig isst man dort aber nicht. Köstlich allemal, schon oft dort gewesen, nie enttäuscht. Auch immer satt geworden, was nicht bei allen Nobelitalienern in Wein selbstverständlich ist. Meine Liebe zu Florenz kann ich hier auch in Wien ausleben und die Einschränkung der Weine auf Produkte des Hauses Antinori bedeutet keine wirklichen Abstriche, da die Auswahl so breit ist, dass man für jedes der klassisch toskanischen und saisonal abgestimmten Gerichte etwas findet.
Ein Bonus für (Amba)Trüfelfans: Hier wird fairer Weise nach Gewicht verrechnet, auf Zuruf gehobelt und sehr fair gewogen. Das ist bei 9 Euro pro Gramm wichtig, im Schwarzen Kameel habe ich für gefühlt die gleiche Menge das fünffache gewogen bekommen und bezahlt. Und da wollte der Kellner auch noch die letzte grosse Trüffelscheibe am Hobel hängen lassen.Was meinst du zu dieser Bewertung?
Kommentar von walt am 11.12.2009
Das Lokal IST teuer, vielleicht sogar sehr teuer. Das ist eine Tatsache, weil im Normalfall wird man für Primo, Secondo und (offenen) Wein schon mit fünfzig Euro rechnen müssen. Die Qualität der Speisen und der Service mögen ganz ausgezeichnet sein, daher sind die Preise als angemessen zu bezeichnen.
Die „Preislage“ dient laut Info des Administrators nur zur Orientierung, was man als präsumtiver Kunde wohl wird ungefähr zahlen müssen.
Sehr gutes italienisches Restaurant, das eine excellente Mischung aus italienischer Küche vorwiegend toskanischer Provenienz und viele Weine glasweise anbietet.
Sehr guter Service. Reservierungen dringend empfohlen.Was meinst du zu dieser Bewertung?
Die „Preislage“ dient laut Info des Administrators nur zur Orientierung, was man als präsumtiver Kunde wohl wird ungefähr zahlen müssen.