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Trippolts - Zum Bären

Hauptplatz 7
9462 Bad St. Leonhard
Kärnten
Küche: International, Kärntnerisch, Mediterran
Lokaltyp: Restaurant
Tel: 04350 2257Fax: 04350 2257
Lokal teilen:

5 Bewertungen für: Trippolts - Zum Bären

Rating Verteilung
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Rating Details
Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 6. September 2015
Experte
Criticus
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5Speisen
3Ambiente
5Service
20 Fotos1 Check-In

Haubenlokale kommen und gehen. Trippolt's "Zum Bären" bleibt. In Bad St. Leonhard im kärntnerischen Lavanttal kochen Vater Josef und Sohn Josef Trippolt schon seit zig Jahren auf konstant hohem Niveau. Josef Trippolt sen., Jahrgang 1948, mit 21 Jahren schon Fleischermeister, hat 1972 das elterliche Gasthaus übernommen. Sein Bestreben, immer besser zu werden, wurde 1989 mit der ersten Haube belohnt. Josef Trippolt jun, Jahrgang 1974, hat 3 Jahre im Arlberg Hospiz Hotel gelernt und ist dann im Betrieb seines Vaters eingestiegen. 1995 haben Vater und Sohn Trippolt gemeinsam die zweite Haube erkocht. 2001 dann die Krönung: 17 Punkte und die dritte Haube ! Und 2003 wurden Vater und Sohn Trippolt von Gault Millau auch als "Köche des Jahres" ausgezeichnet. Bewundernswert, dass die Trippolt's dieses hohe Niveau über die Jahre bis heute halten konnten. Dass sie 2014 einen Punkt und damit die dritte Haube "verloren" haben, tut der Leistung von Vater und Sohn Trippolt keinen Abbruch.

Es ist Mittwoch und wir entschließen uns eigentlich spontan, uns – nach längerer Zeit – wieder einmal ein kulinarisches Erlebnis bei "den beiden Bären" zu vergönnen. Von Graz nach Bad St. Leonhard ist's ja nicht weit. Kurze telefonische Anfrage ("kommts vorbei") und wir sind unterwegs.

In Bad St. Leonhard bekommen wir am Hauptplatz fast direkt vor dem Lokal einen Parkplatz. Das Lokal befindet sich in einem gut 500 Jahre alten Gebäude, in dem laut Homepage Trippolt sen. auch geboren wurde. Im Lokal werden wir von Silvia Trippolt-Maderbacher, der Gattin des jungen Bären, sehr herzlich begrüßt. Auch wenn es mitten unter der Woche ist, irritiert es doch etwas, dass wir – vorerst – die einzigen Gäste sind (außer ein paar Gästen im Schankraum gleich nach dem Eingang).

Das Lokal hat zwei hintereinander gelegene Gasträume, die die durch einen großen Durchgang offen miteinander verbunden sind, aber unterschiedlich eingerichtet sind. Im ersten Raum befinden sich links und rechts an den Wänden quasi halbkreisförmige Sitzkojen mit ockerbraun gepolsterten Bänken. In der Mitte des Raumes steht ein länglicher Präsentationstisch mit einigen Weinflaschen, einer Vase mit schon leicht verwelkten Blumen und einer größeren Kerze. Alle Tische sind mit weißen Tischtüchen gedeckt. Der anschließende zweite Gastraum hat keine Sitzkojen, die Tische sind lose angeordnet, offenbar um verschiedene Tischanordnungen für Gruppen oder kleine Gesellschaften herstellen zu können. Vom zweiten Raum gelangt man durch 2 große doppelflügige Glastüren mit Holzsprossen in den Gastgarten, in dem ca 5 Tische und ein gemauerter alter Griller stehen. Im ersten Gastraum haben max. 25 Gäste Platz und im zweiten Raum etwa 20. Die Möbel im zweiten Gstraum dürften aus Mahagoni sein, als Farbtupfer haben die bequem wirkenden Sessel rote Pölster. Insgesamt scheint die Einrichtung schon etwas "altbacken", sie hat aber nach wie vor Charme. Und wir sind ja nicht wegen der Einrichtung sondern wegen des Essens da.

Das 5-gängige Menu (€ 89,00), bestehend aus 1) Adria-Wolfsbarsch, als Tartar mariniert, mit Zitronen-Kohlrabi, 2) Basilikum-Parmesan-Tortellini im aufgeschäumten Salbeihonig, 3) Natur-Forellenfilet mit frischen Eierschwammerln und kleinen Kräuter-Nudeln, 4) Rückensteak vom Tauernlamm im zarten Honig-Lavendel mit Bio-Linsen und flaumigen Rauch-Riccotagnudi, 5) Erdbeer-Souflee im Zitronen-Holunderblüten-Naturjoghurt, klingt sehr verlockend, aber auch nach recht viel. Da uns heute nicht nach Lamm ist und wir auch eine Suppe möchten (zuletzt haben wir im Magnolia in Graz keine Suppe bekommen!), stellen wir uns selbst aus der Speisekarte jeweils – um den Gleichklang zu wahren - ein 3-gängiges Menu zusammen (Dessert bleibt offen).

Die Speisekarte bietet neben dem Menu 5 Vorspeisen ("Leichtes zuvor"), 5 Hauptgerichte mit Preisen von € 22,00 bis € 30,00 und 4 Desserts von € 7,00 bis € 30,00.

Ich bestelle:
Frische Eierschwammerl-Pasta mit Reggiano-Parmesan und Thymian (€ 15,00),
Paradeisersuppe mit gebackenen Salbeiblättern (€ 8,00),
Tagliata vom Jungrind, natur gebraten, mit frischen Eierschwammerln und gebackenen Brandteigkartoffeln (€ 30,00).

Critica bestellt:
Rauchforelle mild gebeizt auf cremigem Sellerie-Apfel und Holunderblüten-Kren (€ 19,00),
Kräftige Rindsuppe mit Schlickkrapferln (5,00),
Natur-Forellenfilet, zart gebraten, mit frischen Eierschwammerln und kleinen Kräuter-Nudeln (€ 22,00).

Frau Trippolt-Maderbacher verkürzt uns mit einem netten Plauscherl die Wartezeit aufs Essen. Außerdem bekommen wir als Gruß aus der Küche auf einem ovalen Holzteller verschiedene selbst gemachte Sauerteigbrote, die leicht und aromatisch im Geschmack sind. Als weiteren Gruß aus der Küche bekommen wir eine "Lavanttaler Kaiserforelle auf Polenta mit Zitronenöl". Mit Polenta läßt sich sicher vieles kombinieren, die Forelle ergab aber mit dem Polenta und dem Zitronenöl eine eigene raffinierte Geschmackskombination. Das Fleisch der "Kaiserforelle" war rötlich wie ein Lachs oder eine Lachsforelle. Frau Trippolt erklärte uns, dass die "Kaiserforelle" von der Fischzucht Marzi (9431 St. Marein) stammt und "patentiert" wurde, was ich später auf der Homepage der Fischzucht Marzi (www.marzi-forellen.at) nachgelesen habe.

Und jetzt geht's los:

Die Eierschwammerl-Pasta ist ein Gedicht. Die Nudeln al dente und die Sauce mit den Eierschwammerln perfekt im Geschmack, der durch die leichte Thymian-Note noch dezent verfeinert wird. Insgesamt ist das Pasta-Gericht einfach ein Genuss.

Die Paradeisersuppe hat einen eigenen kräftigen Geschmack, der mit dem würzig-feinen Geschmack der gebackenen Salbeiblätter hervorragend harmoniert. Ich glaube, dass ich noch nie eine so gute "Paradeisersuppe" gegessen habe.

Auch meine Hauptspeise, das Tagliata vom Jungrind, hat meine Erwartungen erfüllt. Am Teller liegen vier schöne große Medaillonstücke mit einer ausgesprochen guten Fleischqualität. Die Jungrindstücke sind sehr gut gewürzt, die Punktlandung zu der von mir gewünschten Garstufe "medium" ist aber nicht ganz gelungen. Das Fleisch ist zumindest im "inner circle" noch rare und für medium zu blutig. Die Bißkonsistenz ist daher leicht schwammig, trotzdem ist das Fleisch in Verbindung mit den prima abgeschmeckten Eierschwammerln geschmacklich sehr gut. Die gebratenen Brandteigkartoffeln schmecken zart und gut.

Critica ist mit ihrer Vorspeise, der mildgebeizten Rauchforelle, deren Filetstücke handwerklich gekonnt die cremige Sellerie-Apfel-Masse umschließen, sehr zufrieden, wenngleich ihr die Forelle etwas zu roh schmeckt. Die Kombination der geräucherten Forellenfilets mit dem Sellerie-Apfel-Geschmack ist nicht nur kreativ sondern auch geschmacklich gelungen. Mit dem Holunderblüten-Kren wird das Ganze noch zusätzlich gekonnt abgerundet.

Die Rindsuppe mit den Schlickkrapferln ist kräftig und fein gewürzt, die gefüllten Schlickkrapferln (eine Kärntner Spezialität, die wir in dieser Form bisher nicht kannten) sind eine interessante wohl schmeckende Suppeneinlage. Als Variante der Kärntner Nudeln werden die Krapferln mit Innereien und/oder faschiertem Fleisch, Zwiebeln, Kräutern u.a. gefüllt.

Critica's Hauptspeise, das "Natur-Forellenfilet, zart gebraten mit frischen Eierschwammerln und kleinen Kärntner Nudeln" ist geschmacklich ein Highlight, auch wenn mit den "kleinen Kärntner Nudeln" insoferne "geschwindelt" wurde, als das die Schlickkrapferln waren, die wir schon in der Rindsuppe hatten. Die beiden gut ausgelösten Forellenfilets sind tatsächlich zart gebraten und sehr gut zurückhaltend gewürzt.

Zum Dessert nehmen wir noch gemeinsam ein "Erdbeer-Souflee, flaumig und kühl, im Zitronen-Holunderblüten-Naturjoghurt" (€ 12,00). Die runde mit Erdbeerscheiben umgebene Souflle-Masse besteht aus mehreren Schichten: Als Boden ein Biskuitteig, dann eine Joghurtschichte, dann das eigentliche Soufle mit leichtem Erdbeermark und obenauf karamelisierter Zucker. Sehr kreativ. Geschmacklich ein Traum. Einziger Fehler: es war zu wenig.

Wir zahlen für alles zusammen inkl Trinkgeld € 150,00. In diesem Preis sind auch die von uns konsumierten Getränke (ein Glas Bärmut als Aperitiv € 4,50, ein großes Bier € 3,50 und 3 Achterl Sauvignon Blanc a € 4,50) sowie das Couvert (€ 6,00 für 2 Personen) enthalten. Für dieses Geld haben wir einen ordentlichen Gegenwert erhalten, weshalb ich das Preis-Leistungs-Verhältnis für angemessen erachte.

Mit dem Service waren wir sehr zufrieden. Wir wurden freundlich und kompetent bedient. Frau Trippolt-Maderbacher hat alle unsere Fragen gerne beantwortet. Über mein Ersuchen hat sie uns auch das von ihr redigierte Kochbuch "Die Bärenküche" gezeigt und dann auch das von ihr verfasste Buch "Genießen in Friaul", in welchem sie Restaurants, Trattorias und Osterias der Region Friaul vorstellt, die sie selbst besucht hat. Ein sehr schönes Buch, das ich sofort gekauft hätte, wenn sie uns nicht ehrlicherweise mitgeteilt hätte, dass die nächste – ergänzte – Auflage bald herauskommen würde. Die einzelnen Gänge wurden gleichzeitig serviert, die leeren Teller umgehend abgeräumt, dies immer mit der Frage, ob alles gepasst hat. Josef Trippolt sen., mit seinem weißen Vollbart eine authentisch-imposante Erscheinung, kam auch aus der Küche, um uns persönlich zu begrüßen und uns einen schönen genußvollen Abend zu wünschen. Wir wurden also sehr gut und freundlich betreut und haben uns sehr wohl gefühlt.

Fazit: Das Restaurant "Trippolt's zum Bären" ist eine kulinarische Institution. Vater und Sohn Trippolt zeigen wie eh und je, was sie kulinarisch drauf haben. Sie haben uns auch heute wieder mit ihrer kreativen Küche auf hohem Niveau überzeugt. Es muss wohl die Liebe zum Beruf sein, die es Vater und Sohn Trippolt ermöglicht, über einen derart langen Zeitraum auf hohem Niveau zu kochen und dabei auch so kreativ zu bleiben. Es ist beruhigend zu wissen, dass es deart verlässliche gute Lokale gibt. Wir werden sicher wieder kommen.

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Letzter Kommentar von am 7. Sep 2015 um 15:08

"Es ist beruhigend zu wissen, dass es deart verlässliche gute Lokale gibt. Wir werden sicher wieder kommen." Und für mich wird es auch wieder Zeit, ins "obare Tol" zu schauen ;-)

Gefällt mir1
am 23. Oktober 2013
prentex
19
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4Ambiente
5Service

Waren heute mit Freunden zum Mittagessen, es gibt ein sehr günstiges 3-gängiges Mittagsmenü, wir haben uns für a la Carte entschieden;
Als erste Vorspeise Endiviensalat mit Speck und hausgemachtem Brot: vorzüglich, aber etwas zu große Portion wegen der folgenden Gänge.
Das kleine Bärenmenü besteht aus 3 Gängen (55.-)
- Honigwachtelbrüstel auf Kernöllinsen, sehr gut aber nicht ganz überzeugend
- Lammfilet mit Topfenknöderl, ja mit Topfenknöderl; es war einfach nur köstlich, meisterlich zubereitet
- Mocca Vanille Desert als Nachtisch hat dieses hervorragende Mittagessen perfekt abgeschlossen, dazu eine Beerenauslese von Tement

Die Weinkarte gut und zu verträglichen Preisen, wir nahmen den St. Laurent vom Weingut Kerschdorf.
Auch der nachfolgende offene (unbekannte) Rotwein war von hoher Qualität.

Der Service sehr zuvorkommend und freundlich, der Seniorchef hat uns persönlich begrüßt und nachgefragt

Insgesamt für die gebotene Leistung preiswert, wer es günstiger und wahrscheinlich ebenfalls sehr gut essen möchte bestellt einfach das Mittagsmenü um 14.--

Sehr zu empfehlen und sehr gerne wieder, habe auch eine sehr nette persönliche Widmung in meinen unlängst gekauften Reiseführer erhalten

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am 24. April 2012
hodann
5
1
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4Speisen
2Ambiente
0Service

Die Wertung des Essens und des Service sind selbsterklärend - eine gute Küche wird durch mangelhaften und unfreundlichen Service neutralisiert ! Nie wieder !

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Kommentar von am 24. Apr 2012 um 18:04

Ich war selbst dort - die 2 für's Ambiente und die 0 für's Service sollte man - vor allem bei so einem Lokal - schon näher erklären KÖNNEN - wer soll sonst diese 2 1/2 Zeilen glauben?

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Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 8. Oktober 2011
docflo
33
3
4
5Speisen
3Ambiente
5Service

5 Tage Wolfsberg. Alleine.
Zweck: Arbeiten. Von Früh bis spät. Bis zu 15 Stunden am Tag.

Was macht man an einsamen Abenden in Wolfsberg? Zumeist bis 22 Uhr arbeiten, an einem der fünf Tage kam ich allerdings schon früher weg und das musste ich natürlich ausnutzen. Wenn man sich schon alleine hier am Abend herumtreiben muss, dann wenigstens gut und sehr gut und bestens. Einsamkeit gehört irgendwie belohnt um sie erträglicher zu machen.
Mittels www.gaultmillau.at habe ich mich belohnt. In Wolfsberg selbst ist die Spitzengastronomie eher dünn vertreten. Das Restaurant im Schloss Wolfsberg hat leider am Montag und Dienstag Ruhetag, sonst hätte ich dieses viel versprechende Lokal auch besucht.
Ich suchte also gute, sehr gute und die besten Lokale der Umgebung und werde in Bad St. Leonhard fündig. Dort gibt es ein Lokal das heisst "Zum Bären" und gehört zu einem der allerbesten in Kärnten und auch in Österreich. Hubertus Hohenlohe und seine Gault Millau Crew haben 3 Hauben und 17 Punkte vergeben (siehe Bewertung). Das darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Ich rufe daher an und frage ob ich für denselben Tag einen Tisch haben kann - der Chef Josef Trippolt persönlich hebt das Telefon ab und lacht mich fast aus, als ich eine Tisch reservieren will - derzeit dürfte nicht gerade "high season" sein. Ich will eigentlich erst um 20 Uhr kommen, er bittet mich aber doch schon früher zu kommen. Na dann halt sofort. Die Laufrunde wird daher leider gestrichen.
Nach 20 Minuten erreiche ich Bad St. Leonhard - eine kleine aber feine "Metropole" im Lavanttal.
Das Lokal ist von aussen mittelmäßig sichtbar, innen drinnen relativ unscheinbar. Im vorderen Teil findet sich eine einfache Gaststube, im hinteren Teil das eigentliche Restaurant. Sofort werde ich vom Chef persönlich und seiner Frau begrüsst und die Speisekarte wird mir vorgelegt. Ich entscheide mich für das "Sommerzeit"-Menü (siehe Speisekarte).
Nach dem sehr guten aber nicht überragenden Gruss aus der Küche macht den Beginn ein "Salat von frischen Thymian Eierschwammerln und gesüssten Zwieberl mit gebratenem Kärntner Huchen".
Die Eierschwammerl sind hervorragend und man schmeckt den Kärntner Wald (ich hoff die waren wirklich aus Kärnten), die "Zwieberl" sind glasig, knackig und gut. Überragend ist der Huchen - ein
exzellenter zweitweise bedrohter Fisch aus Kärnten. Das Fleisch ist zart, die Kruste kross wie es sich gehört. Fast ein bisserl intensiv ist der Thymian, aber passend ist er auf alle Fälle.
Das "Bärige Knödelgangerl mit sautierten Eierschwammerl im Salbeiwacholder" ist ebenfalls hervorragend. Vor allem der feine Schaum über den Knödeln ist sowohl geschmacklich als auch bezüglich seiner Konsistenz exzellent. Die "nackten" Knödeln sind geschmacklich etwas dünn, in Kombination mit dem Drumherum aber sehr gut.
Was ich mich Frage: Muss es wirklich ein "Gangerl" sein? Und ein "Zwieberl"? Das "Knöderl" lass ich mir ja noch einreden - aber all die andere Verniedlichungen find ich einfach unnötig. Konsequent sollte es am ehesten noch "Gangerle" heissen /;-). Rainer Nowak von der Presse mag das übrigens auch nicht. Und ich wette - wenn er sich nach Bad St. Leonhard verirrt wird er sicher an dem einen oder anderen "Gangerl" herummeckern!
Der nächste Gang ist ein "Zart gebratenes Stück vom Jungrindhüferl im Zweifelt-Pfeffer mit Paradeisertascherl und Ofentomaten". Bei diesem Gang passt einfach alles - das Fleisch ist zart und weich in perfekter Farbe und geschmacklich grossartig. Die Tascherl und Tomaten ergänzen sich perfekt zu dem extrem feinen Fleisch.
Besonders gespannt bin ich auch auf die Nachspeise - was wird wohl ein ehemaliger Fleischermeister für eine Nachspeise kreieren?? Ich bekomme einen mit Zitronenholunder gefüllten Schokoladenblätterteig mit "Hollerblüten Natur-Joghurt und Marilleneis". Auch das ist wieder eine Geschmacksexplosion, der Blätterteig ist knackig, die Garnierung schön. Lediglich das Marilleneis schmeckt nicht nach reifen Wachauer Marillen sondern eher nach nicht sonnenverwöhnten Marillen aus dem Waldviertel - wirklich geschmackvoll ist Marilleneis aber nie....

Zusammenfassend: Die 17 Punkte sind definitiv verdient. In Bad St. Leonhard im Lavanttal wird auf Weltniveau gekocht - ich finde das immer wieder bewundernswert in solchen doch eher einsamen und dünn besiedelten Gegenden und vor allem nicht vor den Toren einer Großstadt ein solches Lokal auf die Beine zu stellen - und das hohe Niveau über viele, viele Jahr zu halten. Das ist wahrscheinlich die wahre Kunst dahinter.

Wer ein stylisches Schickimicki-Lokal sucht wird natürlich enttäuscht sein. Dass man aber auch hier in Bad St. Leonhard Prominenz treffen kann beweist eine bekannte österreichische Schönheitschirurgin am Nebentisch. Auf jeden Fall wird man von der Familie Trippolt ganz besonders liebenswert und familiär aufgenommen - Vater Trippolt kocht gemeinsam mit dem Sohn, Mutter Trippolt serviert und wenn man Glück hat läuft einem das eine oder andere Enkelkind über den Weg.

Woher auch immer man kommt - der Bär in Bad St. Leonhard ist immer eine Reise wert.

docflo.at

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Hilfreich?Ja14Gefällt mir7Lesenswert8
Letzter Kommentar von am 13. Okt 2011 um 15:39

rinaldo: Du nervst gewaltig. Was jetzt an der Bewertung von docflo so verwerflich sein soll, wissen wir hier im Forum noch immer nicht - ich glaub auch - nicht mal du selbst. Das Argument mit den 5 Wochen lass ich auch nicht gelten, denn MEIN Kommentar zum Gasthof zum Bären liegt viel länger zurück (Menü "Der lange Winter" von 2010/2011), steht aber noch immer drin - wie furchtbar! Mach doch einfach den Vorschlag, als Experte und Forumskaiser, dass Lokalrezensionen nach spätestens 5 Wochen gelöscht werden. Schauma mal wie weit Herr/Frau Rinaldo damit kommt.

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Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 28. Februar 2011
Experte
amarone1977
315
75
30
5Speisen
4Ambiente
4Service
6 Fotos1 Check-In

Achtung, großes Kino...

Sagen wir's mal so, im Lavanttal herrscht abgesehen vom Alten Schacht in St. Stefan so etwas wie ein gastronomisches Vakuum. Wenn da nicht Vater und Sohn Trippolt wären, die mitten in diesem Vakuum ständig daran arbeiten, ihr Restaurant "Zum Bären" immer besser und besser zu machen.

Neulich brachten die beiden ein Buch heraus, die "Bärenküche", zu weiteren Ehren brachte man es kürzlich mit einer Auszeichnung für ausgezeichnete Kaffeekompetenz.
Die beiden begnügen sich also nicht, gut zu sein, sondern loten ständig aus, was sich noch verbessern lässt, beeindruckend vor allem, nach vielen Jahren harter Arbeit immer "kulinarisch neugierig" zu bleiben.

Das Lokal selbst ist stilsicher eingerichtet, man fühlt sich aber Gott sei Dank nicht wie in einem barocken Gourmettempel.
Service: Frau und Mutter Trippolt unterstützt das Duo in der Küche mit unaufgeregt ruhiger, aber aufmerksamer Präsenz, die zweite Dame im Service bringt die Gänge immer zur richtigen Zeit.
Die Weinauswahl glasweise bleibt recht bescheiden, keine wirklich großen Weine, dafür müsste man schon die ganzen Flaschen ordern, nicht leicht, wenn man zu viert is(s)t und einer fahren muss. Hier empfiehlt es sich, nach dem Mahl einfach einen Stock weiter oben zu übernachten.

Das Essen: Man ordert à la carte oder eines der beiden Menüs, momentan (Februar) den "kurzen Winter" (60 Euro plus Gedeck) oder den "langen Winter" (77 Euro plus Gedeck). Gleichwertige Gänge lassen sich problemlos austauschen.
Zuerst mal muss man sagen, dass das Brot hausgemacht ist. Der Gruß aus der Küche ist ein raffiniert gebeiztes Stück Fisch auf einer Kombination aus süßem Gelee und einer Art Topfencreme (der genaue Name ist mir jetzt entfallen), sehr edel, wenn auch nur ein kleines, aber verspieltes Häppchen.

Der erste Zwischengang: "Honig-Trevisiano und Wachtelbrioche". Sehr anregende Kombination, das Wachtelfleisch ist unendlich zart und würzig, der süß-bittere Trevigiano-Radicchio passt super dazu. Die mit Himbeeressig-Öl marinierte Entenleber war an jenem Abend bereits aus, dafür gab es mehr von der Wachtel. Auch gut.

Der zweite Zwischengang war ein kleiner, großer Hauptdarsteller: "Gefüllte Ochsenschwanz-Tascherl im milden Wacholder-Duett, Orangenschalen und Zuckerpreiselbeeren". Die Geschmackskombination aus bestem Ochsenschwanzfleisch, dem Schäumchen und den Preiselbeeren lässt Jubel aufbrausen ;-)

Danach kam ein kleiner süßer Zwischengang, ein cremiges Halbgefrorenes von der Zitrone, unterlegt mit Orangenschale. Vielleicht eine Spur zu süß, trotzdem ein Beweis dafür, dass Süßes auch zwischendurch passt. Der Gang dürfte "eingeschoben" worden sein, weil sich in der Küche anscheinend irgendetwas leicht verzögerte, obwohl die Wartezeit alles andere als zu lang war.

Hauptgang: "Kurz gebratenes Styriabeef-Hüferl im Zweigelt-Pfeffer mit Rosmarin-Ricotta-Gnudi und Sellerie-Erdäpfel". Exzellente Fleischqualität, die kleinen "Topfenknödel" passen überraschend gut zum Fleisch, tolles "Beißerlebnis", es fehlt nur noch ein etwas besserer Blaufränker zum Hauptgang. Jammern auf hohem Niveau...

Das Dessert: "Süßes von zarter Bitterschokolade mit Vanille-Bananen, knuspriges Moccagebäck und Karamelleis." Eine cremige Symphonie: die Kombination aus Vanille, Banane, Kaffee und Schokolade finden sich hier harmonisch vereint wieder.

I-Tüpferl auf dem I-Tüpferl: Schokolade-"Gusto" zum Schluss. Der Espresso lässt halb Italien alt aussehen, die zuvor erwähnte Auszeichnung ist also berechtigt. Noch eine Überraschung zum Schluss: der Grappa kommt aus der weststeirischen Schilchergegend und übertrifft an Milde und Unverfälschtheit so manchen guten Italiener.


Fazit: Hier werken zwei begnadete, vor allem aber intelligente Köche, die nicht nur für bunte Kreativität am Teller sorgen, sondern auch genau wissen, was geschmacklich außergewöhnlich gut zusammenpasst.
Unerreicht aufwändige Zubereitung der Speisen, die keinesfalls minimalistisch dimensioniert sind. Satt wird man allemal. Selbst die Schokolade ist hausgemacht, das Brot sowieso. Die Vielfalt am Teller löst freudiges Kopfschütteln aus und verursacht fast schon Zweifel daran, ob sich diese Idealismus-Demonstration für einen Gastronomen überhaupt rechnet. Beeindruckend!

Wer es "gut und günstig" haben will, bekommt im Hause Trippolt auch die Möglichkeit, mittags dreigängig um gut 12 Euro zu essen. Das ist schon fast konkurrenzlos, man muss aber auch anmerken, dass selbst der Abendmenü-Preis angesichts des Dargebotenen alles andere als abgehoben ist.

Tipp: sich in der Nähe einquartieren, Gegend erkunden, fürstlich essen und trinken und danach nur mehr umfallen müssen...

Wie ich bereits sagte: ganz großes Kino!

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Hilfreich?Ja8Gefällt mir4Lesenswert5
Letzter Kommentar von am 28. Feb 2011 um 18:36

Danke, das war aber auch ein Fest... :) Benoten ist nicht einfach, man merkt eh immer wieder, welche Diskussionen oft dabei herauskommen....

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