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amarone1977
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Radlager Palazzo

Operngasse 28
1040 Wien (4. Bezirk - Wieden)
Küche: Snacks
Lokaltyp: Kaffeehaus, Café
Tel: 01 4949263
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1 Bewertung für: Radlager Palazzo

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Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 27. November 2014
Experte
amarone1977
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9 Fotos1 Check-In

Ich mag kleine Lokale. Kleine Lokale mit „Betrieb“.

Das mag noch keine Garantie für Qualität sein, aber zumindest hat man immer wieder das Gefühl, dass in solchen Lokalen etwas Besonderes zu entdecken ist.
Oder besser gesagt, hier hat sich offensichtlich mal jemand einen Traum verwirklicht, um das zu machen, was er immer schon machen wollte.

Oder aber die Betreiber solcher Lokale kamen wie die Jungfrau zum Kind.
Dies konnte ich bei meinen drei Besuchen in den letzten zwei Jahren hier in der Operngasse nicht ganz herausfinden, aber ein bisschen Recherche genügt – und man findet tatsächlich heraus, dass da zwei Firmenchefs und ein Philosophieprofessor gemeinsames Spiel machen, bereits an der dritten Adresse.
Nach einem Gastspiel in der Windmühlgasse folgte der Umzug in die ferne Westbahnstraße, um dann in der Operngasse den vielleicht richtigen Standort zu finden.

Tatort auf der Wieden – das „zweite Frühstück“ nach langem Spaziergang durch fünf Wiener Bezirke steht an. Das Radlager ist offen.

Was gibt’s hier: der Chef des Hauses ist Rennradl-Liebhaber. Die schönen Vintageräder zumeist aus Italien, Wildledersattel, rank und schlank, der Purismus gibt den Blick frei auf das Wesentliche dieser edlen Rennmaschinen.
Die Dinger werden hier liebevoll restauriert und zum Kauf angeboten.

Puristisch ist auch das Lokal selbst. Rechts beim Reingehen dominiert ein einfaches Regal mit zwei Sorten italienischem Barista-Kaffee. Einer davon: Passalacqua! Der letzte Schrei unter den neapolitanischen Kaffeeröstern. Es scheint sich rumzusprechen – Napolitani machen nicht nur die vera pizza 'ca pummarola n'coppa, sondern auch den caffè come Dio comanda.

Il banco: die Schank beschränkt sich ebenso auf die wichtigen Dinge im Leben, vor allem dann, wenn die Lebensgeister erst erweckt werden sollen.
Man erweckt sie durch feine Pasticcini und Torten. Kleines Süßes und großes Süßes so zu sagen.
Egal ob hausgemacht oder nicht – sie kommen garantiert nicht vom Großhandel.

Und da steht die Göttin: nein, nicht die wirklich charmante junge Dame im Service, sondern „lei“: la Faema. Faema 61. Sie sieht aus wie der kaffemaschinengewordene Ferrari 250 GTO. Die Typenbezeichnung deutet auf das Geburtsjahr eines Meisterwerks. 1961!
Das ist die heimliche Chefin des Lokals – sie steht nicht, sie thront.
Und sie will bedient werden.

Die charmante Dame kann's – es wäre ja auch schade: der scheinbar beiläufige Name Passalacqua (passa l'acqua – im übertragenen Sinne: da läuft das Wasser durch) lässt vergessen, wie wichtig es ist, dass Kaffee und Maschine miteinander harmonieren müssen.
Wie schon bei den letzten Besuchen hat das bestens funktioniert.
Auch heute: der Cappuccino bekommt von mir vielleicht nicht die Höchstpunktzahl für Schaumstabilität, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie ein bisschen Technik und das Verständnis für ebendiese, kombiniert mit besten Rohstoffen, ein dermaßen feines, mildes wie kräftiges und vollmundiges Kaffeeerlebnis in die Tasse zaubern können.

Dazu: eine torta caprese. Also ohne Mehl. Schön nussig und schokoladig. Das Gaberl fährt dezent durch den Teig. Oh, mamma. Die ist frisch, aber wie!

Noch dazu: ein kleines, bisquitiges Etwas, der Name ist mir entfallen. Cupcake Hilfsausdruck, würde Wolf Haas wohl sagen. Kommt aus Portugal, mit Vanillepudding, der scheinbar mitgebacken worden ist. Sehr ordentlich, kann es aber mit der torta caprese nicht aufnehmen.

Heute ignoriert: die sehr interessanten Sandwiches, Salate und natürlich die Frühstücksangebote, siehe Bilder.

Zum Schluss: noch ein Espresso (traditonell „al banco“ auch um ebenso traditionell italienische 1 Euro). Da wird jeder Italiener neidig. Ma in Austria sanno preparare caffè?
Es geht! Da eckt nix an, keine falsche Bitternote, viel Geschmack. Volles Aroma. Tanto amore.

So gibt’s ein entspanntes Grinsen und Kraft für den Weg zurück in den Achten. Ein Packerl Passalacqua kommt mit auf die Reise.
Buon viaggio!

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Letzter Kommentar von am 27. Nov 2014 um 16:44

haha... Ich stand dort an der Theke und da steht dieses Prachtstück - und sie stand echt da wie eben dieser legedäre Bolide, bereit, loszufahren bzw. loszulegen!

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Bewertet am 27.11.2014

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